Home History Lebenswelten und Deutungszusammen-hänge im modernen Massenkrieg
Article Publicly Available

Lebenswelten und Deutungszusammen-hänge im modernen Massenkrieg

Soldatische Kriegserfahrungen im Osten und auf dem Balkan (1914–1918)
  • Oswald Überegger EMAIL logo
Published/Copyright: November 14, 2019
Become an author with De Gruyter Brill

Zusammenfassung

Der Charakter der militärischen Kriegführung und die damit verbundenen soldatischen Kriegserfahrungen unterschieden sich in zeitlicher und räumlicher Hinsicht. Soldatische Aufgabenbereiche, Aktionsradien und Funktionszusammenhänge im Stellungskrieg differierten in entscheidender Weise von jenen im Bewegungskrieg. Durch die im Laufe des Krieges erfahrungsimmanent variierten, adaptierten oder neu formulierten Ansprüche der operativen und taktischen Kriegführung veränderten sich schließlich auch das Anforderungsprofil und die Einsatzkontexte des modernen Soldaten eines industrialisierten Massenkrieges. So schuf der Weltkrieg eine Vielzahl von räumlich und zeitlich bedingten Wirklichkeiten mit spezifischen soldatischen Erfahrungszusammenhängen, die im Rahmen dieses Beitrages mit Blick auf die Situation deutscher und österreichischer Soldaten an der Ost- und Südfront im Überblick analysiert werden. Besonderer Wert wird dabei zum einen auf die raum‑ und operationsspezifischen Determinanten der Kriegslebenswelt gelegt. Zum anderen stehen die sich unter den Soldaten herausbildenden Raum‑ und Menschenbilder im Mittelpunkt.

Einleitung

Der in vielen militärgeschichtlichen Studien zum Ersten Weltkrieg bemühte makroperspektivische Fokus auf die allgemeine Kriegführung lässt schon erahnen, auf welch entscheidende Weise strategisch-operative Entscheidungen »von oben« auch auf die konkrete Kriegslebenswelt des einzelnen Soldaten Einfluss nahmen. Der militärische Ereignishintergrund weist insofern auch eine mikrohistorisch relevante erfahrungskonstitutive Dimension auf. Letztere steht im Mittelpunkt dieses Beitrages, der sich aus erfahrungsgeschichtlicher Perspektive vor allem mit der Lebenswelt des Soldaten im Ersten Weltkrieg auseinandersetzen möchte.

In dem skizzierten Kontext geht es, erstens, um den eher handlungszentrierten Blick auf die iterative soldatische Lebenspraxis im Krieg oder um die Charakteristika des soldatischen Kriegsalltages. Gemeint sind die von Reinhart Koselleck so bezeichneten »Ereignisstrukturen«, also jene »durch alle Erlebnissituationen hindurch« bestehenden »übergreifenden typischen Situationen oder Lagen«, die »gemeinsame Bewußtseinslagen« schaffen.[1] Im Zentrum des Beitrages steht deshalb zunächst die Frage nach jenen immer wiederkehrenden situativen, vor allem raumbestimmten soldatischen Erlebnissen und den damit verbundenen entsprechenden Wahrnehmungen, die gleichsam als zentrale »Puzzlestücke« der soldatischen Kriegserfahrung insgesamt figurierten.

Die Fragen, inwieweit diese Erfahrungen zur soldatischen Desillusionierung beitrugen und inwiefern sie im Widerspruch zu Kriegsbildern standen, die sich im Umfeld der nunmehrigen Kriegsteilnehmer schon vor dem Krieg herausgebildet hatten, stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils dieses Beitrages. Dabei geht es einerseits um die Formen der soldatischen Desillusionierung an sich, andererseits stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, in welcher Verbindung die soldatische Kriegserfahrung zu kriegspropagandistischen Deutungen stand. Wie wurden propagandistische Feindstereotype und die vielfach lancierte Heldenrhetorik auf soldatischer Ebene diskursiv gedeutet? Und inwiefern ordnen sich auch wirkmächtige Topoi, wie etwa jener der Frontkameradschaft, in das Spannungsfeld von konkreten Erfahrungen, imaginierten Kriegsbildern und Propagandaprojektionen ein?

Und schließlich interessieren, drittens, die – auch kulturell präformierten – Deutungs- und Wertemuster der Kriegsteilnehmer als im Rahmen von Erfahrungsprozessen aktualisierte und gegebenenfalls modifizierte »kulturelle Hintergrundstruktur«.[2] »Es gibt kein Bewußtsein«, so Reinhart Koselleck, »das als Kriegsbewußtsein isoliert werden könnte«.[3] Deshalb steht in diesem Zusammenhang die wichtige Frage nach den Raum- und Menschenbildern der Soldaten und den diesbezüglichen kriegsimmanenten Veränderungsprozessen im Mittelpunkt. Wurden dem militärischen und zivilen Gegner kongruente Heterostereotype unterlegt, die realiter als Feindbilder wirkten? Und in welcher Weise standen diese Deutungen in einem Zusammenhang mit konkreten soldatischen (Gewalt-)Praktiken?

Alle drei genannten Dimensionen – iterative Praxis, (Des-)Illusionierungsprozesse und Deutungspraktiken – stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Sie sind miteinander verbunden und bilden als »synchrone Faktoren der Bewußtseinsprägung« den soldatischen Erfahrungsrahmen im Krieg.[4] Erfahrung konstituiert sich demnach aus einem »permanenten Verarbeitungsprozeß, in welchem Wahrnehmung, Deutung und Handeln miteinander koordiniert werden«.[5] Es versteht sich von selbst, dass im Rahmen dieses knappen Überblicks keine erschöpfende Gesamtgeschichte der im Übrigen sehr heterogen gelagerten soldatischen Kriegserfahrungen geboten werden kann. Mit Ausnahme der Westfront sind sie bisher für den Ersten Weltkrieg bloß konturenhaft erforscht worden. Trotz eines in den letzten zwei Jahrzehnten spürbar gestiegenen Interesses für das Thema und der im Sog des Centenaires von 2014/18 zu verzeichnenden Forschungsimpulse, von denen diese Studie auch profitiert, harrt die Geschichte der Kriegserfahrungen im Osten[6] und Südosten[7] im Wesentlichen noch einer intensiveren Bearbeitung in Form von konkreten Fallstudien.[8] Deshalb konzentriert sich der vorliegende Beitrag auf die Kriegserfahrungen von Soldaten des deutschen Heeres und von österreichisch-ungarischen Kriegsteilnehmern, die aus den deutschsprachigen Kernländern der Monarchie stammten.[9] Der räumliche Fokus liegt hingegen auf der russischen und serbischen Front.[10] Die Studie wendet sich damit den Kriegserfahrungen von Soldaten zweier unterschiedlicher Armeen zu, die teilweise auf verschiedenen Kriegsschauplätzen operierten und ihre Kriegserfahrungen demnach auch in unterschiedlichen militärorganisationalen Kontexten machten. Trotzdem einte sie nicht nur aus erfahrungshistorischer Perspektive, sondern auch mit Blick auf die subjektiven Wahrnehmungsvoraussetzungen und den kulturellen »Background« mehr, als sie trennte. Zum einen entstammten sie einem durchaus vergleichbaren »mitteleuropäischen Kulturkreis« mit ähnlichen kulturellen und ideologischen Grund-Prädispositionen, zum anderen wiesen die zwei untersuchten Kriegsschauplätze hinsichtlich der räumlichen Spezifika und des Charakters der Kriegführung (Bewegungskriegsphasen, verlustreiche Auftaktschlachten, Verpflegungsproblematik) zumindest für bestimmte Zeiträume des Krieges viele Gemeinsamkeiten auf.[11]

Raum- und operationsspezifische Determinanten der soldatischen Kriegslebenswelt

Im Unterschied zum Krieg an der Westfront,[12] der bald zum Stellungskrieg mutierte, konstituierte an den Fronten im Osten und im Süden der Bewegungskrieg, also die vielfach rasche Abfolge von Offensivbewegung und Stellungskampf, von Angriffsoperationen und Rückzugsgefechten, jene Vielfalt von Erlebnissequenzen, die die soldatische Kriegserfahrung primär nach der Logik eines in Permanenz als lebensfeindlich erlebten Kriegsraumes strukturierte. Als Konsequenz daraus wurden Raum und Menschen primär als Ressourcen wahrgenommen,[13] die soldatisches Handeln und Erleben – zumeist negativ – konditionierten. Die speziellen Herausforderungslagen des Bewegungskrieges wurden insbesondere von Kriegsteilnehmern jener Truppenverbände als entbehrungsreich und anstrengend empfunden, die im Laufe des Krieges vom Westen an die Ostfront überstellt wurden.[14] Die soldatische Negativwahrnehmung des Krieges im Osten resultierte gleichermaßen aus raumspezifischen Faktoren wie aus den Folgen militäroperativer Entscheidungen. Sie speisten sich aus der Gemengelage von zur Erfahrung transmittierten Kriegserlebnissen, die – neben der ängstlichen Wahrnehmung der eigenen soldatischen Rolle im modernen Massenkrieg als lebensbedrohlich – über die stets als traumatische Grenzerfahrung geschilderte physische Überanstrengung und materielle Unterversorgung auch das lebensweltliche Narrativ der Kriegserinnerungen in soldatischen Selbstzeugnissen prägten und dominierten.

Unter den raumspezifischen Besonderheiten des etwa überwiegend als grenzenlose, öde und eintönige Weite empfundenen russischen Kriegsschauplatzes prägten sich vor allem die mobilitätshemmende schlechte Verkehrsinfrastruktur, die widrigen Witterungsverhältnisse und die kulturelle Alterität als für die Soldaten in hohem Maße erfahrungskonstitutiv ein. Der Grenzübertritt nach Russland nahm sich in der soldatischen Deutung stets als eine Art Kulturschock aus.[15] Der thüringische Artillerist Fritz Hummel glaubte sich anlässlich seiner Überstellung an die Ostfront »in eine andere Welt«[16] versetzt. »Ganz eigenartig«, betonte auch Major Eugen von Frauenholz, »war der Unterschied zwischen deutscher und russischer Kultur, der sofort beim Überschreiten der Grenze in die Augen springt.« Er wähnte sich »mit einem Schlag um 100 Jahre zurückversetzt.« Für Frauenholz begann mit dem Grenzübertritt die »Region des großen Schmutzes«.[17] Letzteren machte die soldatische Perspektive vor allem an den veränderten Siedlungs- und Lebensformen fest. Die im ländlichen Umfeld charakteristische einfache Holzblockhausbauweise mit Strohdächern und das ärmlich erscheinende, beengte Mit- und Nebeneinander von Mensch und Tier unter einem Dach markierten einen Kulturbruch, der sich – verstärkt durch die kriegsbedingte Zerstörung und witterungsbedingte landschaftliche Unbill – in der soldatischen Wahrnehmung als omnipräsenter Reinlichkeits- und Hygienediskurs verfestigte. Dies zog beispielsweise die in soldatischen Selbstzeugnissen weit verbreiteten stereotypen Narrative der »elende[n] schmutzstarrende[n] Bauerndörfer«[18] oder des »schmutzige[n] Judennest[es]«[19] nach sich.[20] Der Osten präsentierte sich vornehmlich als »Land [...], wo sich Armut mit Schmutz paarte, wo sich in erbärmlichen Lehmhütten, schlechter als Erdhöhlen, ein unseren Leuten bisher unvorstellbares primitives Leben abspielte«.[21]

In noch einprägsamerer Weise als die vorderhand ins Auge springende, stets mit Befremden quittierte baukulturelle Differenz und die in schroffem Gegensatz zur eigenen soziokulturellen Verortung wahrgenommenen fremdkulturellen Lebensstile charakterisierte die Beschaffenheit der Verkehrsinfrastruktur die skizzierten Reinlichkeits- und Hygienediskurse. »Straße heißt unergründlicher Sandweg«, so Leutnant Siegfried Vogt, der sich vielfach in »Fluten von Dreck und Morast« verwandelt hätte. Die Hauptstraße sei zwar »dreimal so breit als unsre«, es gebe aber »keine Gräben, selten große Bäume, immer tiefer Sand«.[22] Die Mobilität der Truppen auf den russischen oder serbischen »Kommunikationen« war in hohem Maße witterungsabhängig. Bei trockenem Sommerwetter und sengender Hitze war die Marschleistung der Truppen aufgrund des sandigen Terrains und der unangenehmen Staubentwicklung stark eingeschränkt. Andererseits konnten sich die Verkehrsverbindungen infolge anhaltender Niederschläge, mit denen die Truppen im Osten nach einer heißen Trockenperiode zu Kriegsbeginn im August bereits im September/Oktober 1914 phasenweise konfrontiert waren, in kaum mehr passierbare verschlammte und zerfurchte Landstriche verwandeln. Infolgedessen gelang es den Truppen vielfach nicht, die anvisierten Marschziele zu erreichen. Vor allem für den militärischen Train der k.u.k. Armee, der in der ersten Kriegsphase fast ausschließlich aus pferdebespannten, schweren Kastenwägen bestand,[23] die erst allmählich durch leichtere, landesgerechte Gespanne ersetzt wurden, stellten die infolge der Niederschläge stark in Mitleidenschaft gezogenen Straßen und Wege eine kaum zu überwindende Barriere dar.[24] Die sich wiederholenden Erinnerungsbilder der strapaziösen »Gewaltmärsche«, der liegengebliebenen Kraftfahrzeuge, der festgefahrenen Trainwagen und der verendeten militärischen Zugpferde schrieben sich tief in die soldatische Kriegserfahrung ein. »Die Wege waren miserabel, durchweicht, dass die Pferde bis auf den Bauch im Dreck versanken«, notierte der Kommandant des österreichisch-ungarischen XIV. Korps, Feldmarschallleutnant Joseph Roth, am 9. Oktober 1914 in sein Tagebuch. »Unsere Trains waren weit zurück; die Pferde, welche die Kriegsbrückenequipagen führten, mussten durch Sappeure ausgegraben werden.«[25] Aufgrund des witterungsbedingt desolaten Zustands der Verkehrsverbindungen konnte etwa die im September 1914 an der Ostfront operierende österreichisch-ungarische 16. Infanterietruppendivision in 16 Stunden Marschzeit lediglich eine Strecke von zwölf Kilometern zurücklegen.[26] Selbst das Weiterkommen auf gespannfreien Pferden war mitunter langsam und beschwerlich: »Für 36 km von ½8–½3 geritten – Straßenzustand gräßlich – Trains voll, überladen, keine Aufsicht, niemand der eingreift«,[27] bilanzierte Oberst Karl Günste die mühsame Übersiedlung seines Stabes in das serbische Banjani am 18. November 1914. Auch das Frühjahrstauwetter verursachte eine den langen Regenperioden im Herbst ähnliche Verschlechterung des Zustands der Verkehrswege,[28] während die Truppenbewegungen hingegen im Winter durch Eis und Schnee nicht minder stark beeinträchtigt wurden.

Die rasch wechselnden schlechten Witterungsverhältnisse schränkten aber nicht nur die Mobilität der Truppen ein, sondern prägten unabhängig davon auch den Lebensalltag der Soldaten. Insbesondere Kälte und Schneestürme im Winter mit Temperaturen bis weit unter dem Gefrierpunkt ließen die Bewältigung des Frontalltags für die Soldaten zu einem traumatisch erlebten täglichen Durchhaltekampf werden. In den höheren Lagen schneite es 1914 bereits im Frühherbst. »Die Kälte wird immer unerträglicher«, notierte Leutnant Rudolf Peer vom 5. Ulanenregiment Ende Januar 1915 in sein Kriegstagebuch, um hinzuzufügen: »Man weint und schreit vor Kälte.«[29] Weil die militärischen Entscheidungsträger im Sommer 1914 überwiegend mit einem kurzen Krieg gerechnet hatten, waren die Truppen schließlich auch nur unzureichend auf einen Krieg in Schnee und Eis vorbereitet. Der frühe Wintereinbruch ereilte die im Osten und Süden operierenden Armeen vielfach überraschend und führte zu einem permanenten Mangel an Kälteschutzmitteln und Winterbekleidung.[30]

Unabhängig von der winterlichen Kälte waren es aber vor allem die langen Regenperioden im Herbst und Frühjahr, die das soldatische Leben in den Stellungen und Unterständen erschwerten.[31] Infolge der mobilen Kriegführung waren die Gräben und Unterkünfte vielerorts nur notdürftig ausgebaut, weshalb sich das Leben an den vordersten Linien in der Regel wesentlich unkomfortabler gestaltete als etwa im Westen.[32] Darüber hinaus boten die infolge der Kriegsereignisse teilweise großflächig zerstörte Landschaft und die vergleichsweise rückständige Infrastruktur nur vereinzelt natürliche oder auch künstliche Rückzugspunkte, die als Rast-, Aufenthalts- und Unterkunftsorte dienen konnten.[33] Der Schützengraben des Ostens war deshalb über weite Strecken ein kalter, feuchter oder nasser, dreckiger und finsterer, unwirtlicher Ort. Die Präsenz von Mäusen, Ratten und Ungeziefer gehörte gleichermaßen zum Kriegsalltag wie der zwangsweise und situationsbedingte Verzicht auf regelmäßiges Waschen und hygienische Maßnahmen. An der deutschen Ostfront wurden etwa erst im Winter 1915 Bade- und Entlausungsanstalten errichtet.[34]

Die an der »Heimatfront« im Rahmen literarischer und propagandistischer Deutungen ventilierte Schützengrabenromantik[35] war deshalb mit der konkreten Fronterfahrung vor Ort kaum kompatibel und traf in der soldatischen Wahrnehmung großteils auf Unverständnis.[36] Der romantische Blick auf das vermeintlich idyllische Grabenleben der Soldaten fand in der Realität kaum eine Entsprechung. »Nun, jene Tugenden, die man im engeren Sinne als die kriegerischen zu bezeichnen pflegt – Tapferkeit und Wagemut«, resümiert der Nervenarzt Ludwig Scholz in seinen Kriegserinnerungen von der russischen Ostfront, »finden in der grauen Stimmung des Grabens, im Dienst des Heute und Morgen, wenig Nahrung. Zwischen den Lehmwänden heißt die erste Soldatenpflicht: Aushalten!«[37] Die Konfrontation mit den entbehrungsreichen Lebensbedingungen im Ostkrieg war die in den soldatischen Deutungen vorherrschende Schattenseite des Bewegungskrieges. Seine Wesenszüge waren unter den Soldaten teilweise aber auch positiver konnotiert als der in erster Linie passiv erlebte Stellungskrieg im Westen, dessen psychische Belastung ungleich größer war als im Osten.[38] Vereinzelt konnte der »manövermäßig[e], körperlich anstrengend[e]« Ostkrieg sogar »ungeheuren Spaß« machen und als »geradezu ideal« wahrgenommen werden.[39]

Neben den räumlichen Spezifika der Kriegführung bestimmten operative und taktische Befehle die Lebensbedingungen der Soldaten im Bewegungskrieg beträchtlich. Die von den Truppen im Rahmen der Offensivdoktrin abverlangten und kaum zu bewältigenden täglichen Marschdistanzen führten zu einer raschen Überforderung und physischen Auszehrung der Einheiten.[40] »Wir hofften endlich zur Ruhe zu kommen, mußten aber todmüde weiter noch ungefähr ½ Stunde«, erinnert sich der Soldat Gottfried Reidl an die »Gewaltmärsche« seiner Truppe im August 1914. Viele, so Reidl, »bleiben liegen u[nd] waren nicht mehr weiter zu bringen, der Rest schleppte sich nur mehr unter Versprechungen, bald nächtigen zu können, weiter durch das nächste Dorf, wo wir schon zu bleiben hofften, doch es ging wieder weiter; die Leute meuterten fast«.[41] Die auch infolge der skizzierten Verkehrs- und Witterungsverhältnisse stark eingeschränkte Mobilität der Truppen stand in einem unüberbrückbaren Spannungsverhältnis zu den entsprechenden Direktiven der militärischen Verantwortungsträger. Das nährte soldatischerseits den Frust über eine militärische Führung, die sich mit Blick auf die wirklichen Verhältnisse unorientiert zeigte und de facto – so der Vorwurf – unverantwortlich agierte. »Übergroße Bequemlichkeit« der höheren Kommandanten, während »ihre Truppen mitunter großen Strapazen ausgesetzt waren«, hatte der militärischen Führung – so die Perspektive »von unten« – »oft jeden Maßstab für die Anforderungen geraubt, welche man an die Leistungsfähigkeit der Truppen stellen« konnte. Dieser im Krieg zunehmend aufbrechende Konflikt war eine von vielen Facetten der sich während des Krieges verschlechternden Beziehungen zwischen den führungsverantwortlichen Offizieren und den Mannschaften. Er forcierte die Unzufriedenheit und nährte entsprechende Begehrlichkeiten: »Heraus mit den höheren K[om]m[an]d[an]ten aus den Schlössern während großer Hitze und starken Regengüssen! Mit dem Zirkel auf der Karte lassen sich keine Berechnungen anstellen.«[42] Die Vorgabe realiter kaum zu bewältigender Distanzen im unwegsamen Gelände als Folge der charakteristischen »Frontdistanz«[43] der höheren Stäbe und Kommanden, die häufigen Nachtmärsche ohne regenerierenden Quartierbezug und die anstrengende, ungewöhnlich lange Verweildauer in den Gefechten führten zu einer physischen Überanstrengung der Truppen. Hinzu trat die aus Rücksicht auf die prioritär erscheinende Geheimhaltung herrschende permanente Desorientierung über operative und taktische Vorhaben in der Mannschaft und den unteren bzw. mittleren Kommandoebenen. »Häufig erfahren nicht einmal die Führer«, so Erich Everth, »was der höhere Befehlshaber mit seinen Weisungen bezweckt, die sie auszuführen haben«. Die Armee führe »von oben bis unten Unternehmungen durch, deren eigentlichen Zweck verschwindend wenige kennen«.[44] Widersprüchliche Befehle, die völlige Unklarheit über die Grundausrichtung und die Entwicklung der operativen Kriegführung oder über taktische Maßnahmen sowie die unzureichenden Informationen über die eigene militärische Lage nährten Skepsis und Missstimmung »von unten«: »Niemand erfährt etwas, niemand weiß, was geschieht!«[45]

Als eine schwerwiegende Folge der Tatsache, dass die Mobilität des militärischen Trains – darunter Feldküchen und ‑bäckereien – noch weit geringer als jene der Fußtruppen war, konnte eine regelmäßige Versorgung der Truppen schon in der ersten Kriegsphase kaum mehr bewerkstelligt werden.[46] Vielfach gelang es über Tage hinweg nicht, die vordersten Truppen mit Proviant zu versorgen, weshalb Nahrungsentzug und Hunger an der Ostfront und am Balkan von Kriegsbeginn an zu ständigen Begleitern der Soldaten wurden.[47] »Vor allen Dingen Brot war Luxus.«[48] Das österreichische Landsturminfanterieregiment Nr. 23 etwa konnte im Zeitraum von 37 Tagen (31. August 1914 bis 7. Oktober 1914) nur an fünf Tagen Brot fassen und es an weiteren zwei Tagen selbst herstellen. Lediglich an fünf Tagen – also schier nur im wöchentlichen Rhythmus – konnte das Regiment durch den Provianttrain erreicht werden.[49] Die Situation gestaltete sich im Laufe des Krieges umso dramatischer, als das Territorium im Einzugsbereich der sich nach vorne respektive nach hinten verschiebenden weitläufigen Aufmarsch- und Fronträume vielfach großflächig zerstört und der Vorrat an Lebensmitteln »verbraucht, verschleppt oder verbrannt« war.[50] Die notgedrungen aus dem Land lebenden Soldaten ernährten sich deshalb vornehmlich von Obst, Kartoffeln und Wurzelgemüse.[51]

Das skizzierte Miteinander von raum- und operationsspezifisch bedingter Unbill des Krieges wirkte sich zum einen in eklatanter Weise auf die gesundheitlichen Verhältnisse der Soldaten im Krieg aus.[52] An der Ostfront häuften sich schon im Winter 1914/15 die Fälle von Erfrierungstoten. Im Bereich der 3. Bayerische Garde-Infanteriedivision waren bei einem Gesamtabgang von 1126 Mann allein in der Zeit vom 7. bis 10. Februar 1915 226 Erfrierungstote zu beklagen.[53] Die schlechten hygienischen Verhältnisse und die prekäre Ernährungssituation führten zur teilweise epidemischen Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Ruhr, Typhus, Cholera und dem vornehmlich über Läuse und Flöhe übertragenen Fleckfieber.[54] »Eine ganze Sammlung von Unbehagen und Schmerzen trugen wir mit uns mit«, erinnert sich der niederösterreichische Kanonier Raimund Leber, »darunter sind der Hunger, Durst, Rauchnot, Müdigkeit, Schlafdrang, Quälerei der Läuse, der offengeriebenen Füße, die entzündeten Stellen auf Schulter und Bauch.«[55] Der Bewegungskrieg im Osten forderte nicht nur eine relativ höhere Zahl an Gefallenen und Verwundeten als im Westen,[56] sondern auch der Anteil erkrankter Soldaten nahm sich um rund ein Viertel höher aus.[57] Zum anderen beschleunigte die triste reale Kriegslebenswelt, die alle Vorstellungen eines raschen Sieges ad absurdum geführt hatte, den soldatischen Desillusionierungsprozess. Die bilanzierenden Erfahrungsberichte der an der Ostfront oder in Serbien operierenden österreichisch-ungarischen Truppen über die ersten Gefechte im Sommer/Herbst 1914 waren mitunter von einem geradezu apokalyptischen Ton durchzogen. Die Mannschaft des österreichischen Landsturminfanterieregimentes Nr. 28 war etwa bereits Ende September 1914 »infolge der Strapazen, schlechte[r] Ernährung und ungewohnter Anstrengung herabgekommen und erschöpft«. Die Truppe sei »unfähig an weiteren Expeditionen teilzunehmen, infolge der großen Gefechtsverluste und unausgesetzter rückgängigen Bewegungen niedergeschlagen, entmutigt und apathisch, furchtsam und um ihr Wohl besorgt«.[58]

Das Referat über den Zustand der Truppen im Bereich der 32. Infanterietruppendivision liest sich schließlich wie ein nicht enden wollendes Fehler- und Mangelverzeichnis: Als »Ursachen des ungünstigen Zustandes« wurden die schlechte Witterung und der Mangel an aktiven Offizieren angeführt. In Bezug auf die operativen Verhältnisse hätten sich die zu großen Marschdistanzen, der zu häufige Bezug der Unterkünfte in der Nacht respektive das Nächtigen bei Regen im Freien, die Märsche auf schlechten Wegen und die fehlenden Rasttage denkbar ungünstig auf die physische Konstitution der Truppe ausgewirkt. Bezüglich der sanitären Verhältnisse beklagte man ein ständiges Zunehmen der Infektionskrankheiten, den Mangel an sanitären Vorsorgemaßnahmen, an Arzneimitteln und an Verbandsmaterial. Die Verpflegung der Truppe wäre aufgrund der schlechten Wege oder der langen Märsche auf schier unüberwindbare Schwierigkeiten getroffen. Andererseits war das »Leben vom Lande« schlichtweg »unmöglich«, da Letzteres mehr oder minder – so wörtlich – »ausgesogen« war. Die Feldküchen erreichten die Truppe vielfach gar nicht oder nur mit großer Verspätung, sodass auch die Verpflegungsreserve zumeist schon aufgebraucht war. Als drückend empfand man vor allem den permanenten Brotmangel. Zudem sei die Bekleidung der Soldaten mangelhaft, es fehle an Kälteschutzmitteln, Winterschuhen und Mänteln, ferner würden diverse Ausrüstungsgegenstände, wie Tornister, Patronentaschen, Futtersäcke, Tränkeimer und Telefonausrüstung, abgehen. Kurzum: Die in der Gruppe Generalmajor Ludwig Goiginger vereinten Truppen der k.u.k. 32. Infanterietruppendivision waren schon Ende Oktober 1914 »nahe an der Grenze der Leistungsfähigkeit angelangt«, jene der 103. Landsturmbrigade schlichtweg »operationsunfähig, retablierungsbedürftig« und »für Offensivzwecke ungeeignet«.[59]

Desillusionierungsprozesse: Kriegserfahrung zwischen Imagination und Realität

Die skizzierten raum- und operationsspezifischen Determinanten der Lebenswelten des Krieges im Osten und in Serbien sedimentierten für deutsche und österreichische Soldaten zur weit verbreiteten soldatischen Fronterfahrung, deren Charakteristika kaum etwas mit den an der Heimatfront transportierten Frontmetaphern gemein hatten. Die bereits erwähnten romantisierenden propagandistischen Deutungsmuster und das im frontfernen Kriegsdiskurs allgegenwärtige beschönigende Narrativ des eigenen militärischen Erfolges kollidierten regelmäßig mit den davon allzu oft abweichenden subjektiven Kriegseindrücken. »Besonders deprimierend wirkt es«, klagte der am serbischen Kriegsschauplatz dienende Major Artur Hausner, »daß unsere Zeitungen von großen österreichischen Siegen sprechen und erzählen, halb Serbien sei schon in unserer Hand«.[60] Und der mit seiner Truppe an der Ostfront liegende österreichische Soldat Johann Schraböck notierte am 13. September 1914 mit Befremden in sein Tagebuch: »Alles ist hier niedergeschlagen, u[nd] die Zeitungen schreiben immer von unseren Siegen. Man kennt sich nicht mehr aus.«[61]

Die primär auf den Erhalt gesellschaftlicher Kohäsion im Hinterland bedachte propagandistische Perspektive auf die militärische Front verkörperte eine idealisierende Projektion. Sie prägte das stets präsente Narrativ des soldatischen Heldentums und der patriotisch motivierten Begeisterung. An der Front gelang es kaum, diese idealen Projektionen oder etwa politisch-ideologische Überzeugungen auf die Kampf‑ und Durchhaltebereitschaft der Soldaten zu übertragen.[62] Es gebe draußen an der Front, so Ludwig Scholz, »nichts von epischer Größe und nichts von jener frostigen Erhabenheit, wie sie das Publikum im sichern Port zur eigenen Seelenrührung fordert«.[63] Der Krieg, erinnert sich der niederösterreichische Soldat Alois Jahn, war »anders, als wir ihn gedacht hatten, denn hier gab es keine romantischen Heldentaten, wie uns in der Geschichte erzählt wurde, sondern nur ohnmächtiges Kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind und gegen gewaltige und furchtbare Maschinen und Hilfskräfte«.[64] Die Bereitschaft zu Kämpfen resultierte eher aus allgegenwärtigen realen Bedrohungsszenarien und korrelierte mit einem vielfach auch fatalistisch ergebenen soldatischen Pflicht- und Ehrbewusstsein oder einem ebenfalls verbreiteten Gefühl der Alternativlosigkeit. »In den bösesten Augenblicken«, so der österreichische Leutnant Rudolf Peer, »gibt es für den Durchschnittsmenschen weder Heldenmut noch Begeisterung noch das Gefühl, daß man einmal einen feierlichen Eid geschworen hat, nur das Gefühl der Pflicht, des unbeugsamen Muß hält den Menschen in der Front«.[65] Die Bereitschaft zum Konformismus orientierte sich deshalb in erster Linie am konkreten soldatischen Selbst im lebensweltlichen Kontext des Krieges und orientierte sich weniger an idealen oder ideologischen Fragen. Die Kampfbereitschaft hing in besonderer Weise mit dem skizzierten Pflichtbewusstsein sowie – insbesondere infolge des russischen Einfalls nach Ostpreußen und Galizien oder der serbischen Erfolge im Süden gleich zu Beginn des Krieges[66] – auch mit der Vorstellung zusammen, eine invasionsgefährdete, realiter bedrohte Heimat schützen und verteidigen zu wollen.[67] Von »einer eigentlichen Kriegsbegeisterung« könne man, so Generalmajor Otto Berndt mit Blick auf seine an der Ostfront liegenden Truppen am 7. August 1914, »freilich nicht sprechen«; es herrsche vielmehr »eine ruhige, pflichtbewußte Entschlossenheit« vor und »der feste Wille, die Soldatenpflicht [...] voll zu erfüllen«.[68] Weder der mit Vorliebe imaginierte patriotisch enthusiasmierte Vorzeigeheld noch der ideologisierte Weltanschauungskrieger und auch nicht der »bedingungslose Kämpfer« oder der »totale Verweigerer« fanden im durchschnittlichen Weltkriegssoldaten ihre Entsprechung. Er reihte sich eher in »die Masse der Mitläufer« ein und war Glied jener Kette von Soldaten, »die grundsätzlich zu konformem Verhalten bereit waren und unter denen sich sowohl Durchhalter als auch viele Soldaten befanden, die die Nischen des Militärsystems für kleine Fluchten nutzten«.[69] Insofern prägten weniger die »von oben« stets zitierten hehren idealen Kriegsziele oder propagandistische Versatzstücke die Deutungszusammenhänge der Soldaten, sondern die Bewältigung des überwiegend als negative Herausforderung wahrgenommenen Frontalltages sowie die kriegsbedingten Defiziterfahrungen.

Der lange Krieg evozierte im Rahmen eines unmittelbar einsetzenden Desillusionierungsprozesses verschiedene Formen der Desensibilisierung. Als Folge einer kriegsbedingten Routinisierung soldatischer Handlungs- und Reaktionsmuster sowie ihrer entemotionalisierten Verortung im Rahmen des Gewöhnungsprozesses an die Lebenswelt Krieg, im Speziellen an ihre außeralltäglichen Herausforderungen in der Erfüllung des militärischen Tötungsauftrages, überwogen bald Abstumpfung und Gleichgültigkeit.[70] Desensibilisierungs- und Entemotionalisierungsprozesse stabilisierten zugleich das insbesondere im Vorfeld militärischer Operationen stets präsente, militärischerseits stark stigmatisierte soldatische Angstgefühl und zeigten Bewältigungsstrategien im Umgang mit der Präsenz des potenziellen (eigenen) Todes auf.[71] »Sterben und Tod waren Anblicke«, so der Artillerist Karl Kratky, »die uns nicht mehr erschreckten«.[72] Gleichgültigkeit, Resignation und Apathie avancierten in den militärischen Stimmungsberichten zu sich wiederholenden Charakterskizzierungen der an der Ostfront und in Serbien liegenden österreichisch-ungarischen Truppeneinheiten und waren auch im deutschen Heer weit verbreitet.[73]

Rasche Desillusionierung und die primäre Wahrnehmung des Kriegsalltags als leidvolle Defizit- und Differenzerfahrung nährten die soldatische Hoffnung auf Frieden, die seit Beginn des Krieges allgegenwärtig war, und ließen die als ungewöhnlich lang empfundene Trennung zum heimatlichen Umfeld immer stärker hervortreten. Familien- und Freundesbande stellten einen kontinuierlichen, nach den frühen Untersuchungen Walter Ludwigs sogar den wichtigsten Sehnsuchtsort der Frontsoldaten dar. Gleichsam als »Pole [...], um die sich das Gemütsleben« des Soldaten bewege, bilanzierte Erich Everth, »bleiben Familienvorstellungen auf der einen, Todesgedanken auf der andern Seite«, wobei sich beide »immer wechselseitig ins Bewußtsein« riefen.[74] Die Heimatdeutungen der Frontsoldaten ordnen sich letztlich in eine Positiv-Negativ-Konfliktlinie ein. Während eine als Sammelbegriff für Kriegsprofit, Missmanagement und Verschwendung firmierende Interpretation des zivilen Hinterlandes eindeutig negativ konnotiert war und seine Protagonisten in einen Verantwortungszusammenhang mit dem Ausbruch und dem vermeintlich vorsätzlich verschleppten Ende des Krieges gerückt wurden, verkörperte die andere, begrifflich auf das unmittelbare familiäre und verwandtschaftliche Umfeld bezogene »Heimatfront« den sehnsüchtig-positiven Pol in der soldatischen Wahrnehmung des zivilen Hinterlandes.

Dieser Befund veranschaulicht nicht zuletzt auch das in vielfältiger Weise miteinander verbundene und aufeinander bezogene Verhältnis zwischen Heimat und Front. Er unterstreicht letztlich den Konstruktionscharakter des nach 1918 in teilweise dominanter Weise präsenten gegensätzlichen Erinnerungsbildes, das die vermeintliche Entfremdung zwischen Front und Heimat in den Vordergrund rückte. Der Entfremdungstopos war Teil der Erinnerungskonstruktion einer zunehmend romantischen und mythisierten Perspektive auf das Kriegserlebnis. Der »Mythos des Kriegserlebnisses«[75] beruhte auf einer in idealer Entsprechung imaginierten Gemeinschaft von Frontsoldaten, die begrifflich vor allem im allgegenwärtigen Topos der (Front-)Kameradschaft ihren Ausdruck fand.[76] Das als Zäsur gedeutete Fronterlebnis und die ihm inhärente Kameradschaft verschmolzen zu einem bedeutenden politischen Mythos der Zwischenkriegszeit.[77] Das Konstrukt der Frontkameradschaft beruhte auf der Projektion einer menschlich, verständnisvoll und altruistisch ausgerichteten, harmonisch vergesellschafteten Frontgemeinschaft.[78] Die vermeintlich egalitäre oder »autoritär gezügelt[e]«[79] Ausrichtung dieser Gemeinschaft nahm in den Erinnerungskonstruktionen den Charakter einer »vertikalen Kameradschaft«[80] an, die ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen jeweils fürsorglich und respektvoll aufeinander bezogenen Offizieren als charismatischen Führern und opferwillig untergebenen Soldaten suggerierte.[81] Die Imagination dieser Frontgemeinschaft als Familie, die auch eine Zuschreibung familiärer Rollen nach sich zog, konstruierte in der Retrospektive ein harmonisches Bild von im Krieg entstandenen sozialen Bindungen.[82]

Die Realität des Frontalltages einerseits und die im Rahmen der Stilisierung militärischer Kameradschaft retrospektiv getroffenen Erfahrungszuschreibungen andererseits divergierten allerdings in beträchtlicher Weise.[83] Neuere Forschungen zeigen, dass die in der zeitgenössischen Rhetorik propagandistisch verbrämte und nach Kriegsende erinnerungsstrategisch hervorgekehrte angebliche Kameraderie der Front in mehrfacher Hinsicht einer Schimäre gleichkam.[84] Der Frontalltag schien – darauf ist weiter oben ausführlich hingewiesen worden – weniger von der quasi-familiären Harmonie einer aufeinander eingeschworenen Soldidargemeinschaft geprägt gewesen zu sein, sondern von einem eher pragmatischen Habitus der Soldaten innerhalb eines militärisch erzwungenen Zusammenlebens. Die Kameradschaft an der Front drückte im Wesentlichen, so Paul Plaut in seinen Beobachtungen über die »Psychographie des Kriegers«, »nur eine berufliche Solidarität aus, wenn der Augenblick eine solche« erforderte. Letztlich sei aber jeder Soldat »sich selbst der nächste«[85] gewesen. Der Krieg würde, »auch was [die] Kameradschaft anbetrifft, eher Egoismus als Altruismus«[86] fördern. Kameradschaftliches Zusammenfinden an der Front konstituierte sich deshalb eher situativ und zeitlich begrenzt als in angstvoll-gefährlichen Situationen des Bewegungskrieges kooperativ ausgerichtete Tugend.[87] Kameradschaft als militärische Tugend bestand »in einem ›Geschäft‹ auf Gegenseitigkeit«, so Thomas Kühne treffend: »Fürsorge gegen Sich-einfügen. Wer mitmacht, sich unterordnet, sein individuelles Leben und Wohlergehen dem der Kameraden, also dem der Gruppe nachordnet, der kommt selbst in den Genuss solcher Fürsorge.«[88] Unabhängig davon konnte sich der Umgang der Frontsoldaten untereinander auch friktions- und konfliktreich gestalten. Aus dem Frieden übernommene soziale, gesellschaftliche und nationale Gegensätze lösten sich im Krieg eben nicht in einer – realiter allzu oft inexistenten – Frontgemeinschaft auf, sondern setzten innerhalb der soldatischen Zwangsgemeinschaft an der Front eine destabilisierende Dynamik in Gang und provozierten in der Folge neue, kriegsimmanente Auseinandersetzungen und Konflikte. Der Krieg hatte es nicht vermocht, »die Einzelindividuen [...] zu einer Einheit zu gestalten«, so Paul Plaut; an der Front ließ er – ganz im Gegenteil – »die Gegensätzlichkeiten deutlicher als früher hervortreten«.[89] Auch die hohe personelle Fluktuation und die kontinuierlichen Abgänge in Form Verwundeter und Gefallener erschwerten die langfristige soziale Vergesellschaftung an der Front in Form von homogenen Soldatengruppen mit ausgeprägtem identitätskonkretem Wir-Gefühl. Zudem schien das allgegenwärtige Erinnerungsbild einer »vertikalen Kameradschaft« mit der realen soldatischen Fronterfahrung kaum kompatibel zu sein. Schon die zeitgenössische Kriegspsychologie hatte diesbezüglich festgestellt, dass »von einem Gemeinschaftsleben zwischen Offizier und Mannschaft« an der Front »nicht die Rede sein« konnte.[90] Gerade das angespannte Verhältnis zu den militärischen Vorgesetzten und die massive Erfahrung von Diskriminierung und Misshandlung entwickelten sich im Laufe des Krieges zu schier dominanten Wahrnehmungsmustern der einfachen Soldaten, deren Charakterskizzierungen nicht zuletzt deshalb durchweg eher ein betont negativ verortetes, allerdings in sich wiederum differenziertes Offizierbild zeichneten. Während die weit hinter der Front agierenden Stäbe und höheren Kommanden rasch zu einem relativ geschlossenen Feindbild der einfachen Mannschaftssoldaten avancierten, das den vermeintlich luxuriösen Lebensstil der militärischen Führer kritisierte und aus der Erfahrung eines unverantwortlichen Umgangs mit den Soldaten im Rahmen der Offensivdoktrin resultierte,[91] changierten die soldatischen Charakterisierungen der Frontoffiziere zwischen negativen und positiven Zuschreibungen.[92] Bezüglich der einfachen Truppenoffiziere als Gruppen-, Kompanie- und Bataillonsführer differenzierte der Blick »von unten« zwischen truppennah lebenden und dem Soldatenkollektiv in quasi-paternalistischer Weise vorstehenden, meist jüngeren Kriegsoffizieren einerseits[93] und einem – wie es scheint, weit verbreiteten – Offiziertypus, dessen als schikanös wahrgenommener Kommando‑ und Abrichtungsstil unter den österreichisch-ungarischen und deutschen Soldaten große Missstimmung und breites Unbehagen hervorriefen andererseits.[94] Das preußische Kriegsministerium sprach im Juli 1915 von einer »gewohnheitsmäßig schlechte[n] Behandlung« der Mannschaft.[95] »Die Behandlung der Mannschaft war durchweg schlecht«, heißt es gleichlautend in einem Bericht des 8. Bayerischen Reserve-Infanterieregiments über die Situation bei den verbündeten österreichisch-ungarischen Truppen: »Ungeschicklichkeiten oder geringe Versehen [...] wurden von Offizieren persönlich durch Ohrfeigen oder Stockhiebe geahndet.« Zwischen »Offizier und Mann«, so der Bericht dezidiert, gebe es »keine Kameradschaft«.[96] Kaum besser schienen die Verhältnisse allerdings im bayerischen Heer selber gewesen zu sein, wo man sich im November 1915 eingestehen musste, dass »es trotz der zahlreichen in dieser Richtung ergangenen Verfügungen und Erlasse immer noch Vorgesetzte gibt, die sich zu einer herabwürdigenden Behandlung ihrer Untergebenen hinreißen zu lassen scheinen«.[97]

Die in der Zwischenkriegszeit geradezu emphatisch hervorgekehrte Frontkameradschaft reduzierte demnach die Vielfalt individueller Kriegserlebnisse[98] auf die eindimensionale Erfahrung eines harmonischen militärischen Zusammenstehens an der Front. Das Narrativ der Kameradschaft beschrieb die komplexe Realität des Frontalltages retrospektiv als eine »widerspruchsfreie Gegenwelt zur widerspruchsvollen Vergangenheit und Gegenwart«.[99] Die skizzierte Wesensinterpretation der Frontkameradschaft erscheint demnach als ein zum Mythos sedimentiertes Erinnerungskonstrukt, das »zur Regel [machte], was im Krieg die Ausnahme gewesen, aber schon dort überhöht worden war«.[100] Richard Bessel hat sie als Produkt einer elitär-intellektuellen »literary invention«[101] bezeichnet, die mit dem popularen Kriegserlebnis kaum etwas gemein hatte. Aufgrund der bevorzugten Rezeption des intellektuellen Kriegserlebnisses und der Kriegsdeutungen von »White-collar«-Soldaten und Offizieren in der Geschichtsschreibung blieb aber die Wirkmacht des Kameradschaftstopos durchaus auch in historiographischen Deutungen erhalten.[102]

Feindbilder – Fremdbilder – Freundbilder

Der komplexe Konstitutionsprozess soldatischer Kriegserfahrung basierte nicht nur auf der Verarbeitung von konkreten Erlebnissen, die als »Ereignisstrukturen« die soldatische Lebenspraxis im Krieg prägten. Er schließt auch jene während des Krieges angeschobenen Deutungsprozesse mit ein, die vor allem soldatische Fremd- und Feindbilder in kontinuierlicher Weise aktualisierten und modifizierten. Im Rahmen dieses Wahrnehmungs- und Deutungsprozesses verdichtete sich eine komplexe Gemengelage von Interpretationen und »images« des »Fremden« zur soldatischen Kriegserfahrung. Letztere speiste sich schließlich aus einer Vielzahl von Versatzstücken aus Dispositionen, propagandistisch aufgebauten Heterostereotypen und prägenden Eigenerlebnissen.

Das soldatische Wissen über raum- und gesellschaftsbezogene Wesensspezifika der neuen Kriegsschauplätze im Osten und Südosten basierte zunächst – natürlich in bildungsspezifisch variierender Weise – auf den medial vorgeprägten Heterostereotypen, die ein traditionell präformiertes, spezifisch-typisches Bild des Ostens oder des Balkans transportierten, das sich in seiner pejorativen Grundfassung lange vor 1914 verfestigt hatte. Der begriffliche Rekurs auf ein in der Regel nicht näher spezifiziertes »slawisches«, »balkanisches« oder »orientalisches« Wesen schien im westeuropäischen Diskurs ganz unweigerlich mit der Präsenz von rückständiger kultureller Alterität und einer brutalisierten Kriegführung verbunden zu sein. Vor allem seit den Balkankriegen hatte sich das in verstärkter Weise manifestiert.[103] Aufgrund der politischen Interessenskonflikte am Balkan überwogen vor allem auf österreichisch-ungarischer Seite schon lange vor 1914 antiserbische Ressentiments, die sich infolge der Annexionskrise 1908 radikalisierten und spätestens 1914 nicht nur zum politisch-militärischen, sondern teilweise auch zum gesellschaftlichen Feindbild mutiert waren.[104] Schließlich transportierten die – beileibe nicht nur aus dem deutschen bzw. österreichisch-deuschsprachigen Kulturkreis stammenden – literarischen, belletristischen und medialen Projektionen über den Osten auch schon im 18. und 19. Jahrhundert entsprechende Interpretationen über die zivilisatorische Rückständigkeit der Region.[105] Sie kehrten kulturelle Heterostereotypen – vornehmlich die allgegenwärtige Präsenz von Schmutz und Dreck – mit einer ähnlichen Selbstverständlichkeit hervor wie das Propagandaschrifttum oder die soldatischen Selbstzeugnisse aus der Zeit des Krieges.[106] Auch die Wahrnehmung des Ostens als zunehmende Bedrohung war infolge der russischen Bündnispolitik und, auf deutscher Seite, im Rahmen der sich vor dem Krieg verdichtenden Einkreisungsimaginationen lange vor 1914 zur fallweise präsenten deutschen Russenphobie destilliert. Die Rhetorik von der »russischen Dampfwalze«, der »slawischen Bedrohung« oder dem »russischen Barbaren« firmierte schon im 19. Jahrhundert als Abgrenzungsmetaphorik von dem »asiatischen« Wesen des Ostens und markierte die kulturelle Alterität des russischen Nachbarn primär negativ.[107] In der entpersonalisierten begrifflichen Brachialität (Walze, Koloss) der Charakterskizzierungen war im Prinzip das Negativstereotyp bereits grundgelegt.

Der Kriegsbeginn zog eine kriegsbedingte Radikalisierung des russischen Feindbildes nach sich, die primär im Zusammenhang mit der propagandistischen Deutung des Krieges im Osten stand, und deren inhaltliche Konkretisierung vor allem infolge der traumatischen Erfahrung des russischen Einfalls in Ostpreußen und den östlichen österreichischen Grenzregionen erfolgte.[108] Die propagandistisch instrumentalisierten ostpreußischen oder bukowinischen »Russengräuel« aktualisierten und verstärkten das Feindbild. Weit über die traditionelle bloße Konstatierung von Zivilisationsdefiziten und Unkultur hinaus, operierten die Propagandadeutungen zunehmend mit stärker negativ unterlegten metaphorischen Begrifflichkeiten, die das russische Feindbild konkretisierten.[109] Im Rahmen der Verdichtung des russischen Feindstereotyps griffen zunehmend Kriminalisierungs- und Dämonisierungsstrategien, die – in den allgemeinen Kontext der klassischen Barbarenetikettierung eingesponnen[110] – immer häufiger mit drakonischen Ausdrucksweisen (»Räuber«,[111] »Mordgesindel« und »Mordbrenner«[112] oder »Banditen«,[113] »Vandalen«[114] und »Hunnen«[115]) operierten.[116] Seine finale Radikalisierung erfuhr das Feindbild durch den zunehmenden Einsatz tiermetaphorischer Begrifflichkeiten im Rahmen der immer dominanteren propagandistischen Dehumanisierungsrhetorik: Die russischen Soldaten – insbesondere die Kosaken als allgegenwärtiges Feindbild[117] – wurden als disziplinlose Soldateska beschrieben, als wilde »Horden«[118] mit »Raubtierinstinkten«[119] oder schlichtweg als »Tiere«[120] oder »Bestien«[121] wahrgenommen. Die Entmenschlichung des Gegners gipfelte in der Devise: »Mit wilden Tieren kämpft man nicht, man vernichtet sie.«[122] Auf der anderen Seite der Front zeichnete die russische Propaganda ein ähnliches, spiegelverkehrtes Bild des deutschen Feindes, der in nahezu identischer Weise u. a. als »wilde[s] blutrünstige[s] Tier«[123] dargestellt wurde.[124]

Die propagandistische Deutung des Ostkrieges unterlegte der deutsch-russischen Gegnerschaft eine – aus der vermeintlichen zivilisatorisch-kulturellen Ungleichheit quasi biologisch und auch historisch verortete – wesensimmanente Feindschaft. Für die Öffentlichkeit, vor allem an der Heimatfront, hielt sie ein ganzes Reservoir von Negativstereotypen bereit, das zur scheuklappenartigen Selbstmobilisierung der Gesellschaft beitragen sollte.[125] Wesenhafte russische Unkultur und die Brutalität völkerrechtswidriger feindlicher Kriegführung markierten die negativen Kontrapunkte zur positiv-heroischen Autostereotypisierung als großmütig-humane, ordnungsbringende deutsche Normkultur.[126] Die propagandistische Eigenverortung erfolgte entlang der sprachlichen Logik kultureller und militärischer Überlegenheit und sah sich mit Bezug auf die deutsche bzw. österreichisch-ungarische Besatzung im Osten und am Balkan geradezu einem kulturmissionarischen und zivilisationsbringenden Auftrag im Sinne des Slogans von der »Deutschen Arbeit« verpflichtet.[127]

Im Rahmen der Konstruktion des russischen bzw. serbischen Feindbildes erscheint die Tatsache bemerkenswert, dass die Präsenz des vor allem an der Heimatfront nahezu total konzipierten Feindbildes sich in jenem Maße zu relativieren schien, wie sich seine Urheber und Promotoren in räumlicher Hinsicht der Front näherten. Der persönliche bzw. direkte Kontakt mit dem stigmatisierten, ja dämonisierten Feind zeichnete das Negativstereotyp weicher und ließ hinter dem vermeintlichen Barbaren menschliche Eigenschaften und Wesenszüge stärker hervortreten. Diese Tendenz der erfahrungsimmanenten Relativierung eines quasi-fremdimportierten Feindbildes findet sich zum einen in – im weitesten Sinne – propagandistischen Deutungen, tritt zum anderen aber vor allem auch im Rahmen der soldatischen Kriegserfahrung hervor.

Die Identifikation mit propagandistischen Konventionen und den inhaltlichen Botschaften eines kongruenten Feindbildes einerseits und der subjektive Eindruck der journalistischen Front- und Raumerfahrung im Rahmen des »patriotische[n] Reisen[s]«[128] andererseits glich einer Art Gratwanderung, die nicht spurlos an den Deutungen der zahlreichen Autoren von Front- bzw. Kriegsreiseberichten und anderen für die Heimatfront bestimmten propagandistischen Erzeugnissen vorüber ging. Die Eindeutigkeit und Widerspruchslosigkeit eines bestehenden binnenkonstruierten Feindbildes ließ sich vor allem im Rahmen der Konfrontation mit dem vielfach Mitleid und Bedauern erheischenden, traurigen Los der (gegnerischen) Zivilbevölkerung im Einzugsbereich der Frontterritorien kaum aufrechterhalten. Um die Substanz des Feindbildes nicht in ihren Grundfesten zu erschüttern, erschien die beobachtbare Strategie zur sozialen Differenzierung innerhalb des Feindbildes als eine Art Quadratur des Kreises: Die Verantwortung für die erlittene Unbill des Krieges und das absolute Feindstereotyp wurden im Rahmen dieser Differenzierungsstrategie in bevorzugter Weise einem eher elitären Segment der Feindgesellschaft, im Besonderen der jeweiligen Intelligenz oder der politischen und militärischen Führung zugeschrieben. Auf diese Weise wurde der Spagat zwischen der Aufrechterhaltung bzw. Kontinuität des Feindbildes und dem aus der eigenen Betroffenheit resultierenden Unbehagen als Augenzeuge des Krieges geschlagen.[129]

Während sich der skizzierte Brechungsprozess im propagandistischen Kontext im Rahmen eines denkbar engen Spielraumes bewegte, basierte die soldatische Feindwahrnehmung an der Front auf ambivalenten subjektiven Eindrücken negativer, aber auch positiver Art, die die Herausbildung eines unmissverständlichen und kongruenten Feindbildes verhinderten oder erschwerten. Darauf weist vor allem die soldatische Rezeption sowohl des militärischen Gegenübers als auch der in den Krieg involvierten Zivilbevölkerung hin. Die Wahrnehmung des gegnerischen russischen Soldaten war ambivalent und basierte zum einen – seltener – auf den weiter oben skizzierten dämonisierenden Feindbildern. Der im propagandistischen Kontext vorherrschende regelrechte Hass auf den Gegner war unter den Frontsoldaten allerdings eher situativer Art, konstituierte sich infolge konkreter Wahrnehmungen an der Front und – auch gerüchteweise transportierter – vermeintlicher Handlungen des Feindes. Er nahm sich als eher temporär-ephemeres Reaktionsphänomen aus.[130] Hassinduzierte Stimmungen konnten sich auf beiden Seiten der Front nicht über längere Zeit halten.[131] Sie waren im Hinterland präsenter als an der Front,[132] wo der Gegner fallweise sogar als »gutmütig« geschildert werden konnte.[133] »Die Leute daheim reden mehr vom Haß als wir da draußen«, so Ludwig Scholz: »Der Soldat fühlt sich zu Liedern des Hasses, zum Spott und Verächtlichmachen seiner Gegner, mit denen er ehrlich ringt, nicht hingezogen.«[134]

»Ich gebrauchte früher das Wort ›Feind‹. Aber es bezeichnet unser Gefühl den Russen gegenüber nicht zutreffend«, schrieb der österreichische Artillerist Karl Kratky in seinen Kriegserinnerungen, »es hatte nichts von Hass in sich. Eher etwas wie von Berufsgemeinschaft, und wenn auch die Leute da an den Geschützen mit einem Unterton der Überlegenheit von ›Moscali‹ redeten, so meinten sie damit doch nur ihresgleichen des anderen Landes, gegen die uns als ein Zwingendes auferlegt war, zu schiessen.«[135]

Es fehle, so Generalmajor Otto Berndt schon kurz nach Kriegsbeginn, »die feindselige Stimmung den Russen gegenüber. Man hat nichts gegen sie u[nd] würde lieber mit ihnen Frieden gehalten haben.«[136] »Unsere Soldaten«, notierte der deutsche Leutnant Ernst Kießkalt in sein Tagebuch, »haben eine sehr gute Meinung von den Russen, die sie für ganz anständige Menschen halten, die sogar vielleicht mehr Bildung haben, wie wir deutschen. So etwas zu hören, ist mir ein Greuel, aber die Leute sind unbelehrbar.«[137] Auch in den von Robert Nelson analysierten Schützengrabenzeitungen spielten die propagandistischen Negativstereotypen des Feindes kaum eine Rolle.[138] Die konkrete Präsenz des russischen oder serbischen Soldaten als menschliches Gegenüber und tapferer Soldat relativierte die propagandistischen Überzeichnungen und konstituierte ein teils indifferentes, teils positivassoziertes Bild des soldatischen Pendants. »Sobald die Feinde als Individuen sichtbar wurden, provozierten sie Reaktionen«, so Anne Lipp, »die sich nicht an den Maßstäben aggressiv aufgeladener nationaler Gegensätze, sondern an menschlichen Impulsen wie Neugierde, Mitleid oder auch Faszination für das Fremde und Befremdliche orientierten«.[139] Für den österreichischen Soldaten Raimund Leber war der erste Anblick des russischen Feindes ernüchternd:

»Jetzt sah ich erst den russischen Menschen aus nächster seelischer Nähe, er sieht anders aus, als wie man ihn uns geschildert hatte. Er ist genau aus derselben Materie hergestellt wie der österreichische Mensch. Augen hat er wie ich, Ohren, Hände, Füsse usw. Gehen, sehen, hören kann er so wie ich; auch denken wie ich – nein – viel besser, schon vernünftiger. Verwahrlost ist er so wie ich, nur eine andere Uniform hat er.«[140]

Auch Hinweise auf die positiv wahrgenommenen militärischen Fertigkeiten und Fähigkeiten der gegnerischen Soldaten sowie den Respekt vor deren vielfach hervorgehobenen Zähigkeit und Tapferkeit sind in soldatischen Selbstzeugnissen sehr häufig.[141] Das sich im Rahmen des direkten Kontakts mit dem Gegner und der individuellen Wahrnehmung des soldatischen Gegenübers sukzessive aufweichende Feindbild beunruhigte im Laufe des Krieges zunehmend die militärischen Verantwortlichen, die in Belehrungen und dementsprechenden Befehlen versuchten, die Konturen des Feindbildes zu verschärfen.[142]

Auch die Wahrnehmung der russischen oder serbischen Zivilbevölkerung war in ähnlicher Weise ambivalent wie der Blick auf die gegnerischen Soldaten und schien ebenfalls kaum mit den absoluten propagandistischen Deutungen kompatibel.[143] Wohl fügten sich auch die im Rahmen soldatischer Selbstzeugnisse erfolgten Charakterskizzierungen der feindlichen Zivilbevölkerung bisweilen in die bereits vorgestellte Logik der Dehumanisierungsrhetorik und Feindbildkonstruktion ein. Die Besonderheit der erwähnten Charakterskizzierungen liegt allerdings nicht in dem von der Forschung meist im Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg hervorgehobenen vermeintlichen Unterschied, dass sich Hygienediskurse und »Vertierungsstrategien« im Ersten Weltkrieg weniger auf die Menschen als auf die Verhältnisse insgesamt beziehen würden.[144] Die Schmutz-und-Dreck-Narrative sowie die breit gefächerte Tiermetaphorik fungierten nämlich schon in den meisten soldatischen Selbstzeugnissen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges zur Charakterisierung der Bevölkerung in den Feindterritorien.[145] »Und die Menschen, die hier leben, wenn man diese merkwürdigen Lebewesen so nennen darf«, notierte etwa der mit seinen Truppen an der Ostfront liegende Tiroler General der Kavallerie Viktor Dankl im Oktober 1914 in sein Tagebuch, »sind lauter Robinson Crusoe’s, die aber nicht auf einer wüsten Insel, sondern mitten im Dreck sitzen.« Dankl staunte, »daß überhaupt hier Menschen leben können!«[146] Die Menschen seien »hier mehr Vieh, waschen und kämmen sich nicht, entsetzlich geradezu«, vermerkte der deutsche Georg Weber über die Bevölkerung im russischen Uhnow.[147] »Die Verhältnisse in russ[isch] Polen kann ich dir nicht schildern, das muss ich dir erzählen«, schrieb schließlich auch der aus dem hessischen Willingen stammende Infanterist Fritz Pöttner an seine Braut: »Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht gesehen hat! Die Leute leben hier wie das Vieh.«[148]

Trotz der zahlreichen Pejorativa, die – im Rahmen einer stets präsenten kulturellen Konfliktlinie – auch das Narrativ der gegnerischen Zivilbevölkerung in den soldatischen Selbstzeugnissen prägten, divergierten die soldatischen Erfahrungsmuster in beträchtlicher Weise von den Feinddeutungen der Propaganda. Die Negativstereotype der Soldaten wurden in den Egodokumenten von Erfahrungen konterkariert, die einerseits auf eine positiv-interessierte soldatische Grunddisposition schließen lassen und andererseits auch Szenerien des Miteinanders hervorkehren. In durchaus frequenter Weise lassen sie ferner eine mitleidig-emotionale Grundhaltung für das triste Los der vom Krieg betroffenen Zivilisten erkennen. Auf diese Weise wurde das Feindbild partiell aufgebrochen und mutierte fallweise auch zum Freundbild.[149] Die Zivilbevölkerung verkörperte in den allermeisten soldatischen Selbstzeugnissen weniger ein scharf konturiertes, kongruentes Feindbild,[150] sondern viel eher ein ambivalente Assoziationen und Zuschreibungen hervorrufendes Fremdbild. Ähnliches gilt auch für das Bild der jüdischen Bevölkerungsteile in den invadierten und besetzten Fremdterritorien. Zwar basierte auch das Judenbild der Weltkriegssoldaten auf traditionellen, pejorativen Stereotypen, genuin antisemitische Positionen wurden allerdings nur von einem geringen Teil der Soldaten vertreten. Kriegsteilnehmer, die etwa von »verhaßten polnischen Juden« oder, drastischer, von »jüdischen Hunde[n]« sprachen, waren eher die Ausnahme.[151] Es überwogen zum einen indifferente Haltungen, zum anderen ein breit verortetes Interesse für die jüdische kulturelle Alterität bis hin zu Mitleidsbekundungen und philosemitischen Deutungen.[152]

Schluss

Der Charakter der militärischen Kriegführung und die damit verbundenen soldatischen Kriegserfahrungen variierten in zeitlicher und räumlicher Hinsicht. Soldatische Aufgabenbereiche, Aktionsradien und Funktionszusammenhänge im Stellungskrieg unterschieden sich etwa in entscheidender Weise von jenen im Bewegungskrieg. Durch die im Laufe des Krieges erfahrungsimmanent variierten, adaptierten oder neu formulierten Ansprüche der operativen und taktischen Kriegführung veränderten sich schließlich auch das Anforderungsprofil und die Einsatzkontexte des modernen Soldaten eines industrialisierten Massenkrieges. So schuf der Weltkrieg eine Vielzahl von räumlich und zeitlich variierenden Wirklichkeiten mit spezifischen soldatischen Erfahrungszusammenhängen, die im Rahmen dieses Beitrages mit Blick auf die Situation deutscher und österreichischer Soldaten an der Ost- und Südfront im Überblick analysiert worden sind.

Im Rahmen der Analyse raum- und operationspezifischer Determinanten der Kriegslebenswelt hat sich gezeigt, dass die soldatische Negativwahrnehmung des Krieges im Osten gleichermaßen aus raumspezifischen Faktoren wie aus den Folgen militäroperativer Entscheidungen resultierte. Sie speisten sich aus der Gemengelage von zur Erfahrung transmittierten Kriegserlebnissen, die über die stets als traumatische Grenzerfahrung geschilderte physische Überanstrengung und materielle Unterversorgung auch das lebensweltliche Narrativ der Kriegserinnerungen in soldatischen Selbstzeugnissen prägten und dominierten. Unter den raumspezifischen Besonderheiten des etwa überwiegend als grenzenlose und eintönige Weite empfundenen russischen Kriegsschauplatzes prägten sich vor allem die mobilitätshemmende schlechte Verkehrsinfrastruktur, die widrigen Witterungsverhältnisse und die kulturelle Alterität als für die Soldaten in hohem Maße erfahrungskonstitutiv ein. Die rasch wechselnden schlechten Witterungsverhältnisse schränkten nicht nur die Mobilität der Truppen ein, sondern prägten unabhängig davon auch den Lebensalltag der Soldaten. Die teilweise großflächig zerstörte Landschaft bot nur vereinzelt natürliche oder auch künstliche Rast-, Aufenthalts- und Unterkunftsorte. Neben den räumlichen Umständen der Kriegführung konditionierte das operative und taktische Geschehen im Bewegungskrieg die Lebensbedingungen der Soldaten beträchtlich. Die etwa von den österreichisch-ungarischen Truppen im Rahmen der Offensivdoktrin schon 1914 abverlangten und kaum zu bewältigenden täglichen Marschdistanzen führten zu einer raschen Überforderung und physischen Auszehrung der Soldaten. Die Mobilität des militärischen Trains war noch weit geringer als jene der Fußtruppen. Eine regelmäßige Versorgung der Truppen konnte so schon in der ersten Kriegsphase kaum mehr bewerkstelligt werden. Die raum‑ und operationsspezifischen Herausforderungen des Krieges wirkte sich nicht zuletzt auch drastisch auf die gesundheitlichen Verhältnisse der Soldaten im Krieg aus.

Die untersuchten raum- und operationsspezifischen Determinanten der Lebenswelten des Krieges wirkten in entscheidender Weise auf die Fronterfahrung der Soldaten ein, deren Charakteristika kaum etwas mit den an der Heimatfront transportierten Frontmetaphern gemein hatten. Die propagandistischen Deutungsmuster und das im heimatlichen Diskurs allgegenwärtige, beschönigende Narrativ des eigenen militärischen Erfolges standen im Widerspruch zu den davon allzu oft abweichenden subjektiven Kriegseindrücken. Die primär auf den Erhalt gesellschaftlicher Kohäsion im Hinterland bedachte propagandistische Perspektive auf die militärische Front verkörperte eine idealisierende Projektion, die das omnipräsente Narrativ des soldatischen Heldentums und der patriotisch motivierten Begeisterung prägte. An der Front waren es aber weniger diese idealen Projektionen oder etwa ideologische Gewissheiten, die sich auf die Kampf- und Durchhaltebereitschaft der Soldaten übertrugen. Die Bereitschaft zum Konformismus orientierte sich stattdessen in erster Linie am konkreten soldatischen Selbst im lebensweltlichen Kontext des Krieges, hatte weniger etwas mit »idealen« Vorstellungen bzw. ideologischen Motivationen zu tun und hing in besonderer Weise mit dem diffus vorhandenen Gefühl militärischer Pflichterfüllung sowie auch mit der Vorstellung zusammen, eine bedrohte Heimat schützen und verteidigen zu wollen. Die Darstellung dieser soldatischen Frontgemeinschaft als Familie, in der auch entsprechende familiäre Rollen zugeschrieben wurden, konstruierte in der Retrospektive ein harmonisches Bild von im Krieg entstandenen sozialen Bindungen. Die Realität des Frontalltages einerseits und die im Rahmen der Stilisierung militärischer Kameradschaft retrospektiv getroffenen Erfahrungszuschreibungen andererseits wichen allerdings in beträchtlicher Weise voneinander ab.

Die zuletzt erfolgte Analyse der soldatischen Raum- und Menschenbilder hat zwar auch deutlich gezeigt, dass die Wahrnehmung der kulturellen Alterität der Territorien im Einzugsgebiet der Kriegsschauplätze im Osten und Süden wohl primär in pejorativen Deutungszusammenhängen erfolgte. Allerdings konstituierten die soldatischen Deutungsmuster sowohl des militärischen Gegenübers als auch der gegnerischen Zivilbevölkerung kein absolutes und kongruentes Feindbild, das etwa auch nur annähernd in einem eliminatorischen Kontext Wirkung tat. Viel eher handelte es sich um ein mehr oder weniger ausgeprägtes Fremdbild, das sich aus verschiedensten, sehr heterogenen Zuschreibungen zusammensetzte. Radikale propagandistische Deutungen und ideologische Kampfparolen waren unter den Frontsoldaten kaum verbreitet.[153] Schematisches Feinddenken und Hass auf den Gegner konstituierten sich primär in situativen militärischen Kontexten und nahmen sich meist als Reaktion auf konkrete Vorgänge an der Front oder als Racheakte aus, die ihrerseits allerdings wieder illegitime Gewalt hervorriefen.

Aus der Perspektive der soldatischen Kriegserfahrungen stellt sich demnach auch der Eskalationsprozess von Gewalt als komplexer Vorgang dar, der sich nicht auf monokausale Erklärungsmuster zurückführen lässt. Die Wahrnehmung der Frontlebenswelt insgesamt und die Deutung der Vorgänge vor Ort spielen dabei genauso eine Rolle wie die Umstände der konkreten militärischen Kampfhandlungen. Der Eskalationsprozess war wohl kaum die Folge einer unter den Soldaten vorhandenen übersteigerten, hassgeprägten Feindkonstruktion oder radikal-ideologischer Überzeugungen, sondern stand in einem engen Zusammenhang mit situativen Ereignissen im Kampfgeschehen auf dem mobilen Schlachtfeld des modernen Krieges, dem sich die Weltkriegsforschung künftig verstärkt zuwenden sollte.[154]

Published Online: 2019-11-14
Published in Print: 2019-11-05

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Articles in the same Issue

  1. Frontmatter
  2. Frontmatter
  3. Editorial
  4. Nachruf
  5. Aufsatz
  6. Zur Lage der Zivilbewohner in Festungsstädten beim Kriegsausbruch 1914: Kommunale Vorsorge für den Unterhalt und behördliche Zwangsmaßnahmen
  7. Lebenswelten und Deutungszusammen-hänge im modernen Massenkrieg
  8. Propagandisten des k.u.k. Vielvölkerreiches: Österreichisch-ungarische Soldaten im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges
  9. Nachrichten aus der Forschung
  10. »Sowjetische Kriegsgefangene. Widerstand. Kollaboration. Erinnerung«
  11. »Blicke auf die Revolution 1918/19«
  12. »Comparing Militaries in the Long 19th Century«
  13. »Gewalt und Heldentum«
  14. Buchbesprechungen Allgemeines
  15. Gewaltgemeinschaften in der Geschichte. Entstehung, Kohäsionskraft und Zerfall. Hrsg. von Winfried Speitkamp, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2017, 276 S., EUR 60,00 [ISBN 978‑3‑525‑30116‑6]
  16. Jeremy Black, Combined Operations. A Global History of Amphibious and Airborne Warfare, Lanham, MD [u. a.]: Rowman & Littlefield 2018, XIV, 247 S., $ 35.00 [ISBN 978‑1‑4422‑7693‑2]
  17. Manfried Rauchensteiner, Unter Beobachtung. Österreich seit 1918, Wien [u. a.]: Böhlau 2017, 628 S., EUR 29,00 [ISBN 978-3-205-20500-5]
  18. Friederike Neumann, Schreiben im Geschichtsstudium, Opladen, Toronto: Budrich Verlag 2018, 111 S. (= utb. Schreiben im Studium, 5), EUR 12,99 [ISBN 978‑3‑8252‑4843‑7]
  19. Frühe Neuzeit
  20. Herfried Münkler, Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618–1648, Berlin: Rowohlt 2017, 975 S., EUR 39,95 [ISBN 978‑3‑87134‑813‑6]
  21. Menschen im Krieg. Die Oberpfalz 1618 bis 1648. Eine Ausstellung des Staatsarchivs Amberg. Hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München: Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns 2018, 92 S. (= Staatliche Archive Bayerns. Kleine Ausstellungen, 58), EUR 4,00 [ISBN 978‑3‑938831‑85‑4]
  22. Zeichen und Medien des Militärischen am Fürstenhof in Europa. Hrsg. von Matthias Müller und Peter-Michael Hahn, Berlin: Lukas 2017, 240 S. (= Schriften zur Residenzkultur, 10), EUR 36,00 [ISBN 978‑3‑86732‑251‑5]
  23. Marcus Warnke, Logistik und friderizianische Kriegsführung. Eine Studie zur Verteilung, Mobilisierung und Wirkmächtigkeit militärisch relevanter Ressourcen im Siebenjährigen Krieg am Beispiel des Jahres 1757, Berlin: Duncker & Humblot 2018, 696 S. (= Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, 50), EUR 139,90 [ISBN 978‑3‑428‑15371‑8]
  24. Brian L. Davies, The Russo-Turkish War, 1768–1774. Catherine II and the Ottoman Empire, London [u. a.]: Bloomsbury 2016, X, 328 S., £ 25.99 [ISBN 978‑1‑4725‑0801‑0]
  25. 1789–1870
  26. Günter Müchler, Napoleon. Revolutionär auf dem Kaiserthron, Darmstadt: Theiss 2019, 623 S., EUR 24,00 [ISBN 978‑3‑8062‑3917‑1]
  27. Hideaki Suzuki, Slave Trade Profiteers in the Western Indian Ocean. Suppression and Resistance in the Nineteenth Century, London: Palgrave Macmillan 2017, XIII, 224 S., EUR 74,96 [ISBN 978‑3‑319‑59803‑1]
  28. Buchbesprechungen, 1871–1918
  29. Matthias Häussler, Der Genozid an den Herero. Krieg, Emotion und extreme Gewalt in »Deutsch-Südwestafrika«, Weilerswist: Velbrück 2018, 348 S., EUR 38,90 [ISBN 978‑3‑95832‑164‑9]
  30. Handbuch einer transnationalen Geschichte Ostmitteleuropas, Bd 1: Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. Hrsg. von Frank Hadler und Matthias Middell, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2017, 685 S. (= Transnationale Geschichte, 6), EUR 75,00 [ISBN 978‑3‑525‑30173‑9]
  31. Vor dem Sprung ins Dunkle. Die militärische Debatte über den Krieg der Zukunft 1880–1914. Hrsg. von Stig Förster, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2016, 406 S. (= Krieg in der Geschichte, 92), EUR 54,00 [ISBN 978‑3‑506‑78266‑3]
  32. Geheimdienst und Propaganda im Ersten Weltkrieg. Die Aufzeichnungen von Oberst Walter Nicolai 1914 bis 1918. Im Auftrag des ZMSBw hrsg. von Michael Epkenhans [u. a.], Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2018, X, 667 S. (= Zeitalter der Weltkriege, 18), EUR 64,95 [ISBN 978‑3‑11‑060501‑3]
  33. Christian Th. Müller, Jenseits der Materialschlacht. Der Erste Weltkrieg als Bewegungskrieg, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2018, VI, 297 S., EUR 39,90 [ISBN 978‑3‑506‑77870‑3]
  34. Holger Afflerbach, Auf Messers Schneide. Wie das Deutsche Reich den Ersten Weltkrieg verlor, München: C. H. Beck 2018, 664 S., EUR 29,95 [ISBN 978‑3‑406‑71969‑1]
  35. Monika Gibas und Ulrike Krauße, Jüdische Soldaten Magdeburgs. Regionalgeschichtliche Aspekte des Ersten Weltkrieges, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag 2018, 94 S., EUR 10,00 [ISBN 978‑3‑96311‑028‑3]
  36. Das Kriegsgefangenenlager Amberg-Kümmersbruck im Ersten Weltkrieg. Begleitband zur Ausstellung in Zusammenarbeit von Staatsarchiv Amberg, Stadtarchiv Amberg, Gemeinde Kümmersbruck und Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern. Hrsg. vom Kultur-Schloss Theuern, Red.: Maria Rita Sagstetter [u. a.], Kümmersbruck: Kultur-Schloss Theuern 2017, 228 S. (= Schriftenreihe des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern – Kultur-Schloss Theuern, 56), EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑925690‑31‑0]
  37. Philosophers at the Front. Phenomenology and the First World War. Ed. by Nicolas de Warren and Thomas Vongehr, Leuven: Leuven University Press 2017, 285 S., EUR 49,50 [ISBN 978‑94‑6270‑121‑2]
  38. Sebastian Steiner, Unter Kriegsrecht. Die schweizerische Militärjustiz 1914–1921, Zürich: Chronos 2018, 472 S. (= Die Schweiz im Ersten Weltkrieg/La Suisse pendant la Première Guerre mondiale, 4), EUR 68,00 [ISBN 978‑3‑0340‑1479‑3]
  39. Ignaz Miller, 1918 – der Weg zum Frieden. Europa und das Ende des Ersten Weltkriegs, Zürich: NZZ Libro 2019, 459 S., EUR 39,00 [ISBN 978‑3‑03810‑372‑1]
  40. 1919–1945
  41. Stephen A. Smith, Revolution in Russland. Das Zarenreich in der Krise 1890–1928. Aus dem Engl. von Michael Haupt, Darmstadt: Zabern 2017, 496 S., EUR 39,95 [ISBN 978‑3‑8053‑5068‑6]
  42. Wolfgang Templin, Der Kampf um Polen. Die abenteuerliche Geschichte der Zweiten Polnischen Republik 1918–1939, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2018, 254 S., EUR 39,90 [ISBN 978‑3‑506‑78757‑6]
  43. Volker Koop, Hitlers Griff nach Afrika. Kolonialpolitik im Dritten Reich, Bonn: Dietz 2018, 213 S., EUR 24,00 [ISBN 978‑3‑8012‑0538‑6]
  44. Dennis Egginger-Gonzalez, Der Rote Stoßtrupp. Eine frühe linkssozialistische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, Berlin: Lukas 2018, 794 S., EUR 34,90 [ISBN 978‑3‑86732‑274‑4]
  45. Nicholas John Williams, An »Evil Year in Exile«? The Evacuation of the Franco-German Border Areas in 1939 under Democratic and Totalitarian Conditions, Berlin: Metropol 2018, 612 S. (= Evakuierungen im Zeitalter der Weltkriege/Évacuations à l’ère des Guerres mondiales/Evacuations in the Age of World Wars, 2), EUR 39,00 [ISBN 978‑3‑86331‑368‑5]
  46. Kristian Gancer [= Christian Ganzer] [u. a.], Brest, leto 1941 g. Dokumenty, Materialy, Fotografii, Smolensk: Inbelkul’t 2017, 728 S., RUB 1355,00 [ISBN 978‑5‑00076‑037‑6]
  47. Alexander Querengässer, El Alamein 1942. Materialschlacht in Nordafrika, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, 266 S. (= Schlachten – Stationen der Weltgeschichte), EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑506‑78912‑9]
  48. Nach Stalingrad. Walther von Seydlitz’ Feldpostbriefe und Kriegsgefangenenpost 1939–1955. Hrsg. von Torsten Diedrich und Jens Ebert im Auftrag des ZMSBw, 2. überarb. Aufl., Göttingen: Wallstein 2018, 427 S., EUR 24,90 [ISBN 978-3-8353-3190-7]
  49. Thomas Karlauf, Stauffenberg. Porträt eines Attentäters, München: Blessing 2019, 367 S., EUR 24,00 [ISBN 978‑3‑89667‑411‑1]
  50. Linda von Keyserlingk-Rehbein, Nur eine »ganz kleine Clicque«? Die NS-Ermittlungen über das Netzwerk vom 20. Juli 1944, Berlin: Lukas 2018, 707 S. (= Schriften der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Reihe A: Analysen und Darstellungen, 12), EUR 34,90 [ISBN 978‑3‑86732‑303‑1]
  51. Jakob Knab, Ich schweige nicht. Hans Scholl und die Weiße Rose, Darmstadt: Theiss 2018, 264 S., EUR 24,95 [ISBN 978‑3‑8062‑3748‑1]
  52. Sven Deppisch, Täter auf der Schulbank. Die Offiziersausbildung der Ordnungspolizei und der Holocaust, Marburg, Tectum 2017, 672 S. (= Veröffentlichungen des Bayerischen Polizeimuseums, 2), EUR 39,95 [ISBN 978‑3‑8288‑4050‑8] Hans-Christian Harten, Die weltanschauliche Schulung der Polizei im Nationalsozialismus, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2018, 668 S., EUR 89,00 [ISBN 978‑3‑506‑78836‑8]
  53. Klaus-Jürgen Bremm, Die Waffen-SS. Hitlers überschätzte Prätorianer, Darmstadt: Theiss 2018, 362 S., EUR 24,95 [ISBN 978‑3‑8062‑3793‑1]
  54. Falk Breuer und Walter Waiss, Heinrich Sannemann. Ein Jagdfliegerleben in Berichten, Dokumenten, Fotos, Aachen: Helios 2018, 248 S., EUR 39,80 [ISBN 978‑3‑86933‑218‑5]
  55. Christian König und Axel Kleckers, Das große Bordflugzeug. Arado AR 95 und Heinkel He 114, Aachen: Helios 2018, 148 S., EUR 34,50 [ISBN 978‑3‑86933‑215‑4]
  56. The 10 Cent War. Comic Books, Propaganda, and World War II. Ed. by Trischa Goodnow and James J. Kimble, Jackson, MS: University Press of Mississippi 2017, IX, 256 S., $ 30.00 [ISBN 978‑1‑4968‑1848‑5]
  57. Nach 1945
  58. Victor Mauer, Brückenbauer. Großbritannien, die deutsche Frage und die Blockade Berlins 1948–1949, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2018, 573 S. (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London/Publications of the German Historical Institute London, 80), EUR 69,95 [ISBN 978‑3‑11‑058442‑4]
  59. Philipp Gassert, Bewegte Gesellschaft. Deutsche Protestgeschichte seit 1945, Stuttgart: Kohlhammer 2018, 308 S. (= Zeitgeschichte aktuell), EUR 25,00 [ISBN 978‑3‑17‑029270‑3]
  60. Jost Dülffer, Geheimdienst in der Krise. Der BND in den 1960er-Jahren, Berlin: Ch. Links 2018, 672 S. (= Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968, 8), EUR 50,00 [ISBN 978‑3‑96289‑005‑6]
  61. Florian Reichenberger, Der gedachte Krieg. Vom Wandel der Kriegsbilder in der militärischen Führung der Bundeswehr im Zeitalter des Ost-West-Konflikts, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2018, XI, 498 S. (= Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, 13), EUR 49,95 [ISBN 978‑3‑11‑046260‑9]
  62. Rüdiger Wenzke, Wo stehen unsere Truppen? NVA und Bundeswehr in der ČSSR-Krise 1968, Berlin: Ch. Links 2018, VIII, 595 S. (= Militärgeschichte der DDR, 26), EUR 55,00 [ISBN 978‑3‑96289‑026‑1]
  63. DDR-Spionage. Von Albanien bis Grossbritannien. Hrsg. von Helmut Müller-Enbergs und Thomas Wegener Friis, Frankfurt a. M.: Verlag für Polizeiwissenschaft 2018, 320 S. (= Analysen zu Sicherheitsfragen, 6), EUR 34,90 [ISBN 978‑3‑86676‑535‑1]
  64. Siegfried Lautsch, Grundzüge des operativen Denkens in der NATO. Ein zeitgeschichtlicher Rückblick auf die 1980er-Jahre und Ausblick, 2., erw. Aufl., Berlin: Miles 2018, 327 S., EUR 24,80 [ISBN 978‑3‑945861‑58‑5]
  65. Tobias Wunschik, Knastware für den Klassenfeind. Häftlingsarbeit in der DDR, der Ost-West-Handel und die Staatssicherheit (1970–1989), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2014, 363 S. (= Analysen und Dokumente, 37), EUR 29,99, [ISBN 978‑3‑525‑35080‑5]
  66. Tradition in der Bundeswehr. Zum Erbe des deutschen Soldaten und zur Umsetzung des neuen Traditionserlasses. Hrsg. von Donald Abenheim und Uwe Hartmann, Berlin: Miles 2018, 312 S., EUR 29,80 [ISBN 978‑3‑945861‑75‑2]
  67. Paweł Machcewicz, Der umkämpfte Krieg. Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig. Entstehung und Streit. Aus dem Poln. übers. von Peter Oliver Loew, Wiesbaden: Harrassowitz 2018, XII, 253 S. (= Polnische Profile, 5), EUR 22,90 [ISBN 978‑3‑447‑11035‑8]
  68. Expeditionary Police Advising and Militarization. Building Security in a Fractured World. Ed. by Donald Stoker and Edward B. Westermann, Solihull: Helion 2018, XI, 347 S. (= Military History Series, 3), £ 35.00 [ISBN 978‑1‑911512‑86‑8]
  69. Andreas Herberg-Rothe and Key-young Son, Order Wars and Floating Balance. How the Rising Powers Are Reshaping Our Worldview in the Twenty-First Century, London, New York: Routledge 2018, XVI, 238 S. (= Routledge Advances in International Relations and Global Politics, 133), £ 105.00 [ISBN 978‑1‑138-05710‑4]
  70. Special Operations Forces in the 21st Century. Perspectives from the Social Sciences. Ed. by Jessica Glicken Turnley, Kobi Michael and Eyal Ben-Ari, London, New York: Routledge 2018, XIV, 312 S. (= Cass Military Studies), £ 105.00 [ISBN 978‑1‑138‑63262‑2]
  71. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  72. Gesamtinhaltsverzeichnis 2019
Downloaded on 25.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/mgzs-2019-0069/html
Scroll to top button