Zusammenfassung
In nahezu allen Etappen des Forschungszyklus ist eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen kommerziellen Anbietern zu sehen, wobei diese Anbieter teils direkt begrenzen, was der Forschung an Arbeitsmöglichkeiten und Fragestellungen erreichbar ist. Hierauf reagieren Politik, Förderer und Governance mit dem Versuch, digitale Souveränität zu stärken. In den konkreten Maßnahmen treffen sie sich dabei mit Konzepten von Open Science, die ebenfalls wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz bei Sicherung der Wissenschaftsautonomie und Wahlfreiheit zu verbinden suchen. Als zentraler Punkt erweist sich eine Veränderung der Renommeestrukturen, die sich direkt auf die infrastrukturellen Anforderungen wie dem aufgeschwemmten und fehlgeleiteten Publikationswesen auswirkt. Eine Stärkung von Open Science und der digitalen Souveränität in den wissenschaftlichen Infrastrukturen ermöglicht dabei auch verbesserte gesellschaftliche Verpflichtung von Wissenschaft und dadurch, den Einfluss der „Merchants of Doubt“ und der von ihnen betriebenen Wissenschaftsskepsis zurückzudrängen. Dies erfordert auch entsprechende Anstrengungen seitens der Bibliotheken.
Abstract
At almost all stages of the research cycle, there is an increasing dependence on a small number of commercial providers, with these providers sometimes directly limiting what research can achieve in terms of work opportunities and questions. Politics, funding bodies, and governance are responding to this by attempting to strengthen digital sovereignty. In terms of specific measures, they are meeting with concepts of open science that also seek to combine scientific and societal relevance while safeguarding scientific autonomy and freedom of choice. A central point is a change in reputation structures, which has a direct impact on infrastructural requirements such as the bloated and misguided publication system. Strengthening the digital sovereignty of scientific infrastructures also makes it possible to improve the social obligation of science and thus to push back the influence of the “merchants of doubt” and the science scepticism they promote. This also requires corresponding efforts on the part of libraries.
1 Die Blase
Im Prolog seines Buchs Subprime Attention Crisis schildert Tim Hwang einen Besuch im Herzen der Geldmaschine des Internets – die Fachmesse Programmatic I/O, die die digitale Werbeindustrie zum Austausch im data-driven marketing ecosystem versammelt. Sessions zu „best practises for advanced TV measurement“ und „the future of video ad serving“ zogen an ihm vorbei, während sich seine Kongresstasche füllte mit Broschüren zu „data monetization with bulletproof tech“ und „ideation, production and approvals of your branded content […] streamlined with unprecedented efficiency.“[1]
Umso überraschter zeigt sich Hwang von einem der Eröffnungsvorträge durch Nico Neumann, der im Gegensatz zu den übrigen Kongressteilnehmenden nichts zu verkaufen hatte, sondern als Assistant Professor am Centre for Business Analytics der Melbourne Business School seine Forschungsergebnisse vorstellte. Die hatten es für Hwang in sich: Neumann konnte zeigen, dass die Datenbasis für Online Ad Targeting (also das, was uns als Tracking überallhin verfolgt) vielfach fehlerhaft sei, dass Targeted Advertising keineswegs funktioniere, zudem auch noch erheblich teurer sei als klassische Ansätze, und die zunehmend populären KI- und Machine-Learning-Ansätze in die Irre führten – unter Laborbedingungen verkehre sich ein beispielhaft untersuchter Zusammenhang zwischen Werbung und Verkauf ins Negative, während die in der Industrie gebräuchlichen Statistikmodelle einen hohen positiven Konnex nahelegten. Warum würden diese Technologien dann so gern gekauft? Weil sie als Marketingtechnologien selbst so ein großes Marketingpotential hätten, dem Glanz eines eindrucksvoll gestalteten Dashboards könnten sich viele nicht entziehen.
„Nico is being very friendly and polite about all this as he goes on. But the core of his talk remains: the data used in targeting ads are garbage. The algorithms being used to deliver advertising are garbage. Nico concludes that old-school mass marketing, without targeting and audience data, will ‘create better ROIs in many situations’. The whole edifice of online advertising is, in short, bunk.“[2]
Hwang schildert, wie Neumann am Ende seines Vortrags nach Rückmeldungen frug. In einem Saal mit hunderten Besuchern hob sich keine Hand, Neumann wurde vom Podium geleitet und der Kongress ging weiter im Programm. Hwang blieb irritiert zurück: Wie könne es sein, dass solche bedeutenden Probleme eisern ignoriert wurden? War es mangelndes Verständnis oder ein tieferliegender Konstruktionsfehler dieser Industrie? Was wären dann die Folgen für das Internet und die Web-Ökonomie insgesamt, die so sehr auf funktionierende Werbemärkte angewiesen sind? Hwang machte sich auf die Suche und was er in seinem Buch präsentiert, sei „less a picture of modern, data-driven wizards of consumer persuasion, and more a murky story of perverse incentives, outright fraud, and a web economy on the brink.“[3]
Der Titel Subprime Attention Crisis bezeichnet dabei bereits Hwangs Leitargument: dass die gegenwärtige Struktur der Kommodifizierung unserer Aufmerksamkeit zu einem Wiedergänger der Subprime Mortgage Financial Crisis von 2007 zu werden droht. Der Markt für digitale Werbung wachse explosionsartig: Hwang verzeichnet für 2018 einen Umfang von $273,3 Milliarden und für 2022 schon $427,3 Milliarden. Diese Entwicklung ist ungebrochen: Das Portal Statista erwartet für 2024 Ausgaben für digitale Werbung in Höhe von 676,8 Milliarden Euro und projiziert für 2028 einen Stand von 885,1 Milliarden Euro.[4] Das Hwang hier eine bedrohliche Bubble heraufziehen sieht, scheint nachvollziehbar.
Das eigentlich Bedrohliche liegt für Hwang darin, dass sich hier in einem riesigen Markt wieder eine völlige Opazität auftut. So wie im Vorfeld der Weltfinanzkrise ein erheblicher Anteil der Akteure im Derivatehandel die einzelnen Produkte gar nicht mehr verstand, bis sie sich dann als „Weapons of Math Destruction“[5] entpuppten, so würde die digitale Aufmerksamkeitsökonomie aktuell den Markt mit immer mehr subprime assets fluten in der Art, wie sie sich in Neumanns Forschungsergebnissen spiegelten. Immer größere Teile des Marktes wären völlig außer Sicht- und Reichweite der Käufer, da algorithmic trading, dark pools und neue Intermediäre alle möglichen kritischen Nachfragen unter einer immer dunkleren Decke der Komplexität erstickten.[6]
Diese Entwicklung macht die Aufmerksamkeitsökonomie nicht nur reif für eine künftige Implosion, die die Dotcom Crisis vor einem Vierteljahrhundert in einem unfassbaren Ausmaß in den Schatten stellen könnte, sondern auch gegenwärtig in hohem Maße anfällig für kriminelle Ausbeutung. Hwang berührt sich hier mit der Analyse des Werbe-Experten Bob Hoffman, der in seinem Buch „Adscam“ Komplexität als den großen Freund des Betrugs bezeichnet. Genüsslich präsentiert er Screenshots eines Newsletters der Association of National Advertisers, die 2022 in einem seltenen Moment der Ehrlichkeit den Umfang des Werbebetrugs auf jährlich $80–120 Milliarden taxierte (also etwa 20 % des weltweiten Umsatzes) – nur um den Newsletter am nächsten Tag zu löschen. Betrug und Manipulation in der digitalen Werbeökonomie würde im Jahr 2025 weltweit die zweitgrößte Quelle kriminellen Einkommens nach dem Drogenhandel stellen.[7]
Hoffman verdeutlicht in seinen Ausführungen damit auch die Grenzen von Hwangs Analogieschluss: Die Vorgeschichte der Weltfinanzkrise profitierte zwar von politischen Rahmenbedingungen, war aber zunächst wesentlich ein innermarktliches Geschehen, erst ihre Virulenz wirkte durchschlagend in viele Bereiche hinein. Die anstehende Subprime Attention Crisis ist dagegen, folgt man den von Hoffman gegebenen Beispielen, schon jetzt ein Vehikel für vielerlei: politische und geopolitische Interessen, Terrorfinanzierung, militärische Aktivitäten, die blühende Sicherheitsindustrie, Radikalisierung, Ausbeutung und Völkermord – ein Instrument für all das schwillt in dunkler Opazität und der von Hwang gezeigten Sprachlosigkeit der Akteure zu immer bedrohlicherer Größe heran.
2 Subprime Impact Crisis
Die Kommodifizierung unserer Aufmerksamkeit ist übergreifend: Auch Bibliotheken, Wissenschaftspolitik und wissenschaftliche Governance beobachten schon lange eine Veränderung der Aufmerksamkeitsökonomie in ihrem Bereich. Spätestens seit Martina Franzens Studie Breaking News ist auch deutlich, dass diese Veränderung erheblich in die Formen der Wissenschaftskommunikation eingreift.[8] Nach einer langen Phase der wirtschaftlichen Konzentration relevanter Anbieter im Wissenschaftsbereich ist nach Aufdeckung des Datentrackings in der Wissenschaft durch initiale Studien[9] auch eine Diskussion über die Rolle von Data Analytics und dem Einsatz digitaler Werbetechnologie in der Wissenschaftskommunikation entstanden,[10] in der sich der Terminus Surveillance Publishing etablierte.[11] Seitdem ist unübersehbar, dass die Strukturen, die Hwang in ihrer Bedrohlichkeit zeigt, mit dem vormaligen Sonderbiotop der Wissenschaft immer enger verflochten sind – nicht zuletzt auch dadurch, weil relevante Akteure hüben wie drüben die gleichen sind.[12]
Plastisch studieren lässt sich der Prozess, durch den wissenschaftliche Dienstleister zu Datenhändlern und potenziellen Messegängern der Programmatic I/O werden, in einem Whitepaper der Firma Hum.[13] In der Sprache des Programmatic Advertising werden interessierte Verlage an die Hand genommen, welche Daten selbst zu erheben sind, welche sie mit anderen Verlagen tauschen oder wechselseitig erheben können und auch, welche sich zu kaufen lohnen wie AMAs Physicians Masterfile mit Daten von über 1,4 Millionen Ärztinnen und Ärzten, Medizinstudierenden und weiteren Personengruppen in den USA. Audience Building, Profiling, Personalisierung und hilfreiche Tipps über den Wert einer Customer Data Platform runden den Leitfaden ab. In die Wissenschaft, die in ihren Regeln guter wissenschaftlicher Praxis klare Vorstellungen zu korrektem Arbeiten und ethischem Verhalten niedergelegt hat, ziehen damit die Gepflogenheiten einer Branche ein, die vordringlich eine Illusion von Messbarkeit verkauft und Verantwortung höchstens in Cookiebannern und Marketing beteuert,[14] und zu den seit langem gewohnten Kennzahlen und Rankings treten auch im Alltag der Wissenschaft(sverwaltung) immer mehr elegante Dashboards hinzu. Ebenso eingeführt werden neue Namen und Partner, wenn z. B. ein Supplier wie Lehmanns den Strategiechef Europa von Palantir für seine Fortbildungsveranstaltungen rekrutiert.[15]
Vermehren tut sich überdies die Zahl der subprime assets, denn die Anreizstrukturen einer APC-gesteuerten Open-Access-Transformation führt zu immer mehr Fällen, in denen Verlage wie Elsevier und Wiley die Editors ihrer Zeitschriften unter Druck setzen, mehr Output an Artikeln zu generieren – und sie vor die Tür setzt, wenn diese entgegnen, dass es so viele gute Paper gar nicht gäbe.[16] Springer währenddessen füllt seine E-Book-Pakete mit KI-generierten Texten auf und zeigt sich begeistert über die Möglichkeiten.[17] Diese Begeisterung wird von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die in den Publikationsinfrastrukturen tätig sind, nicht unbedingt geteilt. Für sie steht eher im Raum, dass „the colonization of academia by artificial intelligence technologies may erode, deskill and degrade core academic activities, where the role of key actors historically involved in the evaluation of research could become less and less tangible and significant.“ Im Vordergrund stehe offenbar die datengetriebene Ausbeutung von Forschung und der Interaktionen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den Publikationsinfrastrukturen – Qualitätsfragen würden nachrangig.[18] Was wir hier vor uns sehen, ist damit eine Subprime Impact Crisis, von der wir nicht sagen können, wie weit sie schon fortgeschritten ist, weil auch sie auf eine entsprechende Sprachlosigkeit trifft. „So far the publishers’ data-hoovering hasn’t galvanized scholars to protest“, stellt Jeff Pooley mit vergleichbarer Irritation wie Hwang fest. Viele Warnungen, viele Analysen zum gegenwärtig entstehenden large language publishing führt er auf mit einem ernüchternden Ergebnis: „None of this has translated into much, not even awareness among the larger academic public.“[19]
Wie in der Subprime Attention Crisis begründet sich in der Subprime Impact Crisis die Sprachlosigkeit zum Teil in der Opazität des Marktes in der wissenschaftlichen Aufmerksamkeitsökonomie. Ähnlich wie in digitaler Werbung und Services den Käufern die Sicht auf die Dinge durch eine immer komplexere Schicht an Intermediären genommen wird, die in der Fachliteratur zu länglichen Glossaren führt, um noch die DSP (Demand-Side Platform) vom TCF (Transparency & Consent Framework) und der SSP (Supply-Side Platform) und dem RTB (Real Time Bidding) unterscheiden zu können, so tummeln sich auch im Wissenschaftsbereich immer mehr Intermediäre, von denen die Forschenden in der Regel noch nie etwas gehört haben – es sei denn, sie fallen mit Drohungen auf wie der Dienst Researchfish,[20] was diesen prompt für eine attraktive Übernahme qualifizierte.[21] Das einzige, was sowohl Forschenden wie Bibliotheken, Förderern und Governance stattdessen bewusst ist, ist das Gefühl des stetig steigenden Drucks und der Zwangsläufigkeit, diesem Markt immer mehr und immer nur zu geben, während dieser in seiner Opazität wie ein Schwarzes Loch alle Ressourcen in sich verschwinden lässt, die ihm erreichbar werden, und dabei immer größer wird.
Das Ausmaß des Schwarzen Lochs und dessen Folgen werden dabei zunehmend vermessen. Für ihre Studie „Papers and patents are becoming less disruptive over time“ analysierten Michael Park, Erin Leahey und Russel J. Park einen jahrzehnteüberspannenden Korpus an Artikeln, worin 1950 überschaubare 52 571 veröffentlichte Artikel indexiert wurden, während es 2010 dann schon 1,1 Millionen waren.[22] Diese überquellende Publikationsflut würde immer selektiver rezipiert oder gar zitiert. Forschende würden sich gewissermaßen die Ohren zuhalten und in immer kleinere, nur inkrementellen Fortschritt versprechende Nischen zurückziehen, um auch diese mit immer mehr kleinschrittigen Publikationen unübersichtlich zu machen. Auch wenn eine Replikationsstudie die Schlussfolgerungen einer geringeren Disruptivität für diesen Zeitraum mittlerweile abmildert,[23] hat die aufgezeigte Entwicklung keineswegs angehalten: Im Jahr 2022 war das Volumen an indexierten Artikeln bereits auf 2,82 Millionen gestiegen, hat sich also in kaum mehr als einem Jahrzehnt weit mehr als verdoppelt mit einer entsprechend nochmal verstärkten Impact-Inflation.[24] Auch wenn sich die Zahl der Forschenden in den letzten Jahren weltweit deutlich vergrößert hat, bedeutet diese Aufblähung im Publikationswesen damit letztlich, dass Publizieren andere zentrale Forschungstätigkeiten sukzessive verdrängt: Aus immer weniger Laborzeit, Feldarbeit und Quellenstudium müssen immer mehr Artikel generiert werden, um noch Schritt zu halten im Wettbewerb der „künstlichen Märkte“.[25]
Diese Entwicklung kann nicht nachhaltig sein oder bei der gegenwärtigen Rasanz auch nur länger durchgehalten werden, ohne die Qualität, Relevanz und Stabilität von Wissenschaft zu beschädigen – von den erhofften disruptiven Erkenntnissen ganz zu schweigen. Es ist daher sicher nicht verwunderlich, dass 71 % der Postdocs in Deutschland und immer noch 20 % der Professorinnen und Professoren gegenwärtig erwägen, das Wissenschaftssystem zu verlassen.[26] „Leaving Academia“ boomt mit einer ganzen Reihe an Informationsportalen, Ratgeberliteratur und Coaching-Angeboten – der Brain Drain ist offensichtlich und wird angesichts des demografischen Wandels für den staatlich geförderten Wissenschaftsbereich künftig noch kritischer werden. Es ist aber Teil der Subprime Impact Crisis, dass die Destruktivität der Entwicklung bislang hauptsächlich die Forschenden trifft und ansonsten immer noch vielfach unadressiert bleibt, denn Verlage können ihre Produktion (und weitere Dienste) ausbauen, Bibliotheken füllen ihre virtuellen Magazine, rechnen ab und beschreiben mit Metadaten, Unterhaltsträger und Förderer bekommen ihre Kennzahlen. Während die einen profitieren, können die anderen daher weiter in den immer tieferen und engeren Tunnel ihrer Pfadabhängigkeit wandern, unterdessen die Blase immer größer wird.
3 Digitale Souveränität
Trotz der verbreiteten Sprachlosigkeit bleibt diese Entwicklung natürlich nicht unkritisiert: Vertreterinnen und Vertreter von Open Science treffen sich dabei in gewisser Hinsicht immer mehr mit denen der Politik und der Governance, die sich hierfür den Begriff der digitalen Souveränität zu eigen gemacht haben. Beide Fraktionen haben vielfach ähnliches im Auge: strategische Autonomie, Abbau von Abhängigkeiten, Aufbau von Alternativen, gesellschaftliche Relevanz, Sicherung der wissenschaftlichen Verfahren.[27] Der Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) ist hierfür ein Beispiel: Nicht nur sichert sie einen der wenigen Bereiche, der wenigstens noch zu einem guten Teil in der Hand der Wissenschaft ist, sondern auch die Förderungen wurden nicht nach Maßgabe von Metriken vergeben, sondern in der Festlegung des Verfahrens finden sich Begriffe wie „wissenschaftsgeleitet“, „fachwissenschaftlich“ und „infrastrukturbezogen“.[28]
Die Perspektive von Politik und Governance ist damit deutlich vom Gedanken der Sicherungsarbeiten geprägt, was sich in den vergangenen Jahren noch deutlich verstärkt hat: Nicht nur die Feststellung, dass sich im gesamten digitalen Wissenschaftsbereich Anbieter zu Quasi-Regulierern aufgeschwungen haben, die Ressourcen geradezu zuteilen und über deren Nutzung bestimmen, sondern insbesondere Pandemie und „Zeitenwende“ haben ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Gesellschaften und die internationale Ordnung fragil geworden sind und dies auch auf die Rolle und Möglichkeiten von Wissenschaft durchschlägt. Die aktuellen Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Souveränität und Sicherheit der Wissenschaft im digitalen Raum[29] stellen dabei die Frage, wie Sicherheit trotz Heterogenität und Offenheit, also dem Kern des wissenschaftlichen Selbstverständnisses, gestaltet werden kann. Hierfür muss für den Wissenschaftsrat die digitale Selbstbefähigung von Wissenschaftseinrichtungen gestärkt werden, also deren innere Governance und Prioritätensetzungen, aber auch die Cybersicherheit sowie die Kooperation und Vernetzung bei Aufbau und Betrieb von digitalen Infrastrukturen und Diensten. Dies bedeutet Profilbildung durch arbeitsteilige Kompetenzbündelung und damit das Ende lokaler „Vollsortimenter“. Beschaffungs- und Vergabeprozesse sind ein weiterer Schwerpunkt, da hier mögliche Anbieterwechsel sowie Pluralität und Offenheit im Blick sein müssten. Diese Offenheit müsse vor allem aber auch durch ein ausreichendes Angebot öffentlich geförderter Infrastrukturen und Plattformen wie NFDI und die European Open Science Cloud (EOSC) gesichert werden. Dies alles bedeute nicht nur vorübergehenden Aufwand, denn die Gestaltung des digitalen Raums sei eine Daueraufgabe.
Die Empfehlungen argumentieren dicht und liefern viele Detailanmerkungen, sie nehmen aber insgesamt zu wenig die Anreizstrukturen der Subprime Impact Crisis in den Blick, die allesamt die wichtigen Schwerpunktsetzungen des Wissenschaftsrats zu konterkarieren drohen: Wenn das nächste Paper das wichtigste Movens ist, werden Forschende dem alles andere unterordnen (müssen) und in ihrem digitalen Alltag das verwenden, was einfach nutzbar, potent und verfügbar ist – also Angebote der Hyperscaler oder spezialisierter Data-Analytics-Konzerne. Forschende, die sichere, nachhaltige und souveräne Tools verwenden, ihre Software dokumentieren, ihre Daten aufbereiten und zur Nachnutzung zur Verfügung stellen, werden tendenziell aus dem System verdrängt werden, weil all dies Zeit fürs Publizieren kostet und nicht mit wissenschaftlicher Reputation belohnt wird. Gerade der letztere Aspekt wird in den Empfehlungen nicht weiterverfolgt. Es wird zwar das Datentracking durch die großen Verlage benannt, aber nicht, dass diese viele Anwendungen und Firmen entlang des Research Life Cycle aufkaufen und damit die Zwänge des Publikationswesens ausdehnen auf elektronische Laborbücher, Schreibtools, Forschungsinformationssysteme – wo überall wiederum Daten abfließen können und Portabilität und Interoperabilität nicht gesichert sind.[30] An solchen Punkten zeigt sich, dass Teile der digitalen Infrastrukturen und darunter insbesondere das Bibliothekswesen in der Politikberatung letztlich immer noch unterbelichtet sind und schon lange nicht mehr Gegenstand grundsätzlicher Untersuchungen und Evaluationen waren.
Eine solche grundsätzliche Perspektive nimmt Dorothea Wagner in ihrer Abschiedsrede als scheidende Vorsitzende des Wissenschaftsrats ein.[31] Angesichts der aktuellen multiplen Krise sieht sie eine Erschöpfung der gegenwärtigen Governancestrukturen. Die Überbetonung des Wettbewerbs, auch veranlasst durch frühere Empfehlungen des Wissenschaftsrats, führte zwar aus ihrer Sicht zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit, aber deshalb noch nicht zu einem Beitrag zur Weiterentwicklung der Gesellschaft, der auch die Notwendigkeit der Transformation adressiert – weil er eine bloß interne Perspektive einnimmt: Forschende müssen im Peer Reviewing überzeugen und damit die disziplininterne Perspektive bedienen. Welches Wissen aus gesellschaftlicher Sicht noch fehlt, muss dabei keine Rolle spielen, Gemeinwohl und Transfer haben keinen relevanten Status in dieser Hinsicht. Den gleichen Nachteil hat digitale Souveränität, etwa bei Infrastrukturen, die Forschung erst ermöglichen und schlicht vorausgesetzt werden. Wagner nimmt hier eine Position ein, die sich auch in der Wissenschaftspolitik zunehmend verbreitet, so erklärt die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Olschowski, dass die Zeit vorbei sei, in der „sich die Wissenschaft zu wenig den Erwartungen und den Bedürfnissen der Gesellschaft gestellt“ habe, der zu leistende Wandel in der Gesellschaft sei weder ohne die nötigen neuen Technologien noch ohne die ebenso nötigen sozialen Innovationen zu schaffen. Darauf richte sich jetzt die Forschungsförderung aus, auch wenn sie selbstverständlich ebenso weiterhin die freie Grundlagenforschung schütze.[32]
Neben der Bevorzugung der internen Perspektive verursacht für Wagner die Überbetonung des Wettbewerbs zudem eine fehlende Synthese des Wissens: Der Wettbewerb belohne das Neue und damit die immer tiefere disziplinäre Spezialisierung, eine (übergreifende) Integration und damit Aufschließung von bereits erarbeitetem Wissen gerate damit ins Hintertreffen. Das ist es, was man an der steigenden Publikationszahl sehen kann und auch das behindert Nutzen und Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen für die gesamte Gesellschaft.
Weitere Punkte ihrer Argumentation treffen dann das, was hier als Subprime Impact Crisis umrissen wird, z. B. was sie als „zynischen Gebrauch von Wissen“ bezeichnet: Die Struktur der Aufmerksamkeitsökonomie mache es den „Merchants of Doubt“[33] besonders leicht, Wissenschaft als organisierten Zweifel zu paralysieren, indem eben dieser Zweifel instrumentalisiert werde, um z. B. notwendige Regulierungen bei Big Tobacco, Fossilindustrie usw. teils um Jahrzehnte zu verschleppen mit erheblichen Folgen für die Gesellschaft. Hierbei ist hinzuzufügen, dass der Siegeszug der „Zweifelsindustrie“ durchaus parallel läuft zum entsprechenden Aufschwung der Verlagskonzerne: Erst der Aufstieg von Robert Maxwell und seines Geschäftsmodells des wissenschaftlichen Publikationswesens ermöglichte in der Breite ein Paradigma, wo sich unterschiedlichste wirtschaftliche wie politische Interessen amalgamierten und heute unter den Bedingungen der digitalen Transformation wissenschaftlicher Infrastrukturen Think Tanks, Fake Journals, Paper Mills und Astroturfing die Klinke in die Hand geben können.[34] Dies wirkt sich auch auf das gegenwärtige Zeitalter wachsender systemischer Rivalitäten aus, das aus Wagners Sicht verstärkt zu reflektieren sei: Da immer mehr Gesellschaften als Wissensgesellschaften funktionierten, aber systemische Unterschiede wieder mehr betont würden, werde Wissenschaft zur Waffe in der geopolitischen Auseinandersetzung mit Folgen für Austausch, Standards und Normen.
In der Folge sind für Wagner einige Bereiche in der Wissenschaft künftig nicht mehr wettbewerblich zu organisieren. Dies betreffe Infrastrukturen, wofür NFDI als Beispiel angeführt wird, aber noch übergreifender die digitale und technologische Souveränität, die als Begriffe die teils mangelnde Fähigkeit der Selbstregulation im digitalen Raum adressierten und die daraus resultierenden Anforderungen an die Handlungsfähigkeit aller wissenschaftlichen Akteure und damit an die Resilienz des Wissenschaftssystems als solchem. Von hier aus führe die Brücke zur Frage des Gemeinwohls, denn genau dieses sei angesichts der erfahrenen Verletzlichkeit und Transformationsbedürftigkeit der Gesellschaft neu zu verhandeln. Souveränität im Wissenschaftssystem sei mit der internen wie externen Gemeinwohlorientierung zusammen zu denken, dabei seien Verfahren zu erarbeiten, wie unter Erhalt der Souveränität des Systems der Bezug auf das Gemeinwohl der Gesellschaft gestärkt werden könne. In Konsequenz werde sich damit die Forschungsbewertung neu ordnen, denn die Verfahren für eine an Gemeinwohl und Souveränität orientierte Governance würden mit dem wettbewerblichen Charakter eben auch die Bewertungs- und Evaluationsverfahren verändern.
Der Wissenschaftsrat hat aus solcher Einschätzung heraus, so wie die DFG, daher die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA)[35] gezeichnet, die DFG arbeitet zudem an der europäischen Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA)[36] mit. Auch wenn sich das Agieren teils als inkonsistent betrachten lässt,[37] trifft diese Entwicklung einen zentralen Punkt: Denn nur, wenn Forschende nicht mehr ausschließlich durch hochgerankte Publikationen, sondern z. B. auch durch die Aufbereitung und das Teilen von Daten und Software Renommee ernten, werden sie darauf auch Mühe verwenden und dadurch Grundlagen für den Transfer in die Gesellschaft schaffen. Die Verbreiterung der Basis an und die qualitative Bewertung von Forschungsleistungen ist der Weg, das außer Kontrolle geratene Publikationssystem ebenso zu bremsen wie zur nötigen Stabilität und Resilienz für echte Innovationen beizutragen. Dass auch die Profiteure der Subprime Impact Crisis das Thema Reform der Forschungsbewertung für sich entdeckt haben, versteht sich daher von selbst.[38]
4 Luft ablassen
Auf die Frage, wie der Subprime Attention Crisis beizukommen wäre, antwortet Hwang mit verschiedenen Szenarien,[39] die sich in der Vorstellung bündeln, eine „manageable crisis“ zu starten. So wie man ein einsturzgefährdetes Haus nicht einfach zusammenbrechen lasse, sondern gezielt sprenge, so müsse aus dieser Blase geordnet die Luft abgelassen werden, bevor sie unkontrolliert platze und unabsehbare Schäden hinterlasse. Damit die Krise zu managen sei, braucht man für Hwang dabei zugleich mit dem Abriss auch eine funktionierende Alternative. Ansatzpunkt hierfür sei, die beiden Säulen, die dem Programmatic Advertising die Aura der Unverwundbarkeit gäben, zu treffen: Messbarkeit und Effektivität. Wenn Käufer zunehmend das Vertrauen verlören, mit dem herrschenden System ihre Ziele effektiv und klar messbar zu erreichen, würden Ressourcen frei für Alternativen. Dies macht analog die Reform der Forschungsbewertung so bedeutsam für die kontrollierte Bewältigung der Subprime Impact Crisis.
Für eine vergleichbare „manageable crisis“ im Wissenschaftsbereich spielt die Politik eine wachsende Rolle: So wie der Aufstieg des Programmatic Advertising politisch gezielt gefördert worden war, um dem noch jungen Internet ein Geschäftsmodell zu geben und wirtschaftliche Interessen zu befriedigen,[40] so hatten in der Vergangenheit Wissenschaftspolitik und Governance die wettbewerbliche Struktur und das daraus folgende Kennzahlenregime stets akzeptiert und gewünscht, da dies – wenn man in die Genese während der 1980er-Jahre zurückgeht – einen Lösungsansatz versprach für die schwindende Grundfinanzierung und die Notwendigkeit, andere Mittel zu erschließen. Dies beginnt sich im Zuge der Digitalisierung und dem Aufschwung datengetriebener Forschung deutlich zu ändern: „Der digitale Wandel“, schreibt Petra Gehring, „reißt die Grenze zwischen Forscherhandeln und Infrastrukturen, zwischen Forschungsinhalten und einem bloßen Verarbeiten oder Aufbewahren von Daten ein.“[41] Infrastrukturen müssen und werden damit in ihrer Gänze zunehmend anders betrachtet, was auch die Publikationsinfrastrukturen und die mit ihnen verknüpften Institutionen wie die Bibliotheken betrifft.
Prominent sind hier die Beschlüsse des Rats der Europäischen Union (und damit der Mitgliedsstaaten) zu „high-quality, transparent, open, trustworthy and equitable scholarly publishing“ zu nennen.[42] Um die „hazards of scholarly publishing“ einzuhegen, wird der Ausbau von Diamond Open Access und der übergreifenden Infrastrukturen wie die EOSC und Open Research Europe in Aussicht genommen. Die Beschlüsse wurden europaweit von den großen Förderorganisationen lebhaft begrüßt, in Deutschland von der DFG, die in ihrer Stellungnahme auch auf das Datentracking als eine der Motivationen für die Veränderung des Publikationswesens hinweist.[43] Auf Bundesebene wurden die Ratsbeschlüsse in den Nationalen Aktionsplan für den Europäischen Forschungsraum aufgenommen und auch dort das Bekenntnis zu Diamond Open Access und eine Reform der Forschungsbewertung verankert,[44] in abgeschwächter Form findet es sich ebenfalls in den gemeinsamen Leitlinien von Bund und Ländern zu Open Access in Deutschland.[45]
Der politische Wille stützt sich dabei auf konkrete Schritte, die in der wissenschaftlichen Governance bereits gegangen werden: Der „Action Plan for Diamond Open Access“ wird von einer breiten Koalition getragen und nimmt es in den Blick, die glücklicherweise sehr diverse, aber kleinteilige Infrastruktur wissenschaftsgeleiteten Publizierens zu unterstützen und zu stabilisieren. Effizienzsteigerung durch geteilte Ressourcen, verbesserte Qualitätsstandards und Sicherung der Nachhaltigkeit werden ebenso adressiert wie der Kapazitätsaufbau insgesamt, wofür ein „nonprofit Capacity Centre for Diamond Publishing“ geschaffen werden soll.[46] In Deutschland soll dies durch den Aufruf der DFG zum Aufbau einer nationalen Servicestelle für die Leistungssteigerung des Diamond-Open-Access-Publizierens etabliert werden.[47]
Während sich Wissenschaftspolitik und Governance sowohl in Europa wie in Deutschland folglich zu bewegen begonnen haben, ist bei Teilen der wissenschaftlichen Infrastrukturen und hierbei gerade beim Bibliothekswesen noch nicht der gleiche Impetus zu sehen. Wenn daher Ulrich Herb schreibt: „It also seems somewhat surprising that Germany seems unwavering in its pursuit of transformative Open Access agreements, while elsewhere there is a tendency to move away from these and towards Diamond Open Access“,[48] so bezieht er sich zwar einerseits auf die internationale Entwicklung, die in Reaktion auf Forschungen wie die von Heather Morrison,[49] die auf die beunruhigenden Kostenentwicklungen hinweist, und die benannten negativen Qualitätsentwicklungen nun ausführliche Konzepte für Diamond Open Access vorlegt.[50] Zugleich stehen hier aber auch die Bibliotheken infrage, denn wenn die Open-Access-Transformation zwar bislang immer von der Politik mitgetragen wurde, so hätte es realistischerweise doch nie einen DEAL-Vertrag gegeben, wenn sich die Bibliotheken dies nicht in der Weise explizit zu eigen gemacht und vielfach dafür lobbyiert hätten, um darüber auch ihre Rolle zu sichern, z. B. als zentrale APC-Verwaltungsstelle auf dem Campus. Der Kampf um das „Informationsbudget“ stellt sich auch als Kampf um eine vorteilhafte institutionelle Positionierung dar, wodurch Strukturen zementiert werden, die sich nicht ohne Weiteres wieder auflösen werden, wenn sich in Deutschland später doch der internationale Trend durchsetzt. Es ist insofern eine Retro-Operation, die die Beharrungskräfte mancher Disziplinen als Hebelwirkung zu nutzen sucht, um für das Publizieren eine Rolle der Bibliothek zu restaurieren, die sie zu analogen Zeiten für das Lesen innehatte: ein unhintergehbares „Fenster zur Welt“, in der sowohl die aktuellen Informationen wie die Überlieferung in ihrer Breite nur über sie zu erreichen war. Für dieses Ziel ist man offenbar bereit, Nachteile für andere Bereiche als dem Publikationswesen in Kauf zu nehmen: Die nur eingeschränkten Regeln zum User Tracking und die mangelhafte Umsetzung der CC-Lizenzen in den DEAL-Verträgen bedeuten z.B. Risiken für einen unkontrollierten Wissens- und Technologieabfluss sowie Intellectual Property, ohne dass etwa Forschungsdateninfrastrukturen, Gründungsförderung oder Innovationsmanagement strukturell davon Kenntnis bekämen oder gar Einfluss nehmen könnten.
Auch aus Sicht der Informationsinfrastrukturen muss man das nicht glücklich finden, denn die Konzentration auf die großen Verlage und etablierte Medientypen lässt die digitale Inkunabelzeit nie enden, obwohl alternative Konzepte vorliegen.[51] Sie behindert die Verbreiterung der anerkannten Forschungsleistung, die Publikationen da werten wird, wo sie noch wichtig sind (und dadurch zusammen mit den entsprechenden Disziplinen zugleich den kleinen und mittleren Verlagen und innovativen scholarly publishers hilft) und sie beschränkt Bibliotheken mutwillig auf eine verwaltende Position – womit sie die alte Kritik von Bernhard Fabian immer noch träfe, dass Bibliotheken in der Digitalisierung die Chance vergeben würden, statt bloß bibliotheksgerechter Verfahren nunmehr forschungsgerechte in den Vordergrund zu stellen.[52]
„The business case for challenging scientific evidence that implicates a product in a social problem is straightforward“, schreibt Jennifer Jacquet in The Playbook mit erkennbarem Spott.
„By delaying costly and intrusive science-based regulations, the creation of scientific disagreement buys time and saves money. As with many other cost-saving operations that are perfectly legal but are nevertheless socially undesirable – such as cutting wages, moving manufacturing to countries with fewer regulations, using offshore tax heavens – the unmaking of scientific agreement must be treated with discretion.“[53]
Diese Art Diskretion kennen Bibliotheken zur Genüge, sei es bei den Lizenzverhandlungen mit großen Playern oder bei der Ausbreitung der Datenkartelle auf dem eigenen Campus, wo für Lamdan die Verkettung von einzelnen Anwendungen zu ganzen Werkbänken kaum jemandem bewusst sei, da niemand den Überblick über alle Workflows habe.[54] Umso wichtiger wäre die Aktivität der Bibliotheken, die viele Akteure in ihrem Alltag im Blick haben – doch welche Rolle spielte z. B. bei den im vergangenen Jahr abgeschlossenen Verhandlungen mit einem großen Verlag, dass dieser in der Vergangenheit Marketingmaterial als peer-reviewed journals ausgab,[55] eng mit den Merchants of Doubt der Fossilindustrie verwoben ist[56] und seine politische Landschaftspflege danach ausrichtet? „And how disappointed would you be?“ schrieb Richard Horton als Editor von „Lancet“[57] – und blieb doch auf seinem Posten. Ist das auch die Haltung der Bibliotheken? Wenn bei gängigen Bibliotheks-Suppliern eine Firma auftaucht, deren Gründer Demokratie offenbar vor allem dann gut findet, wenn die von ihm finanzierten Kandidaten gewählt werden,[58] wie verhalten sich Bibliotheken dazu angesichts ihrer berufsethischen Grundsätze, die die Unterstützung der Demokratie hervorkehren?[59] Und wenn sich herausstellt, dass Verlage und Supplier im Informationswesen ein breit angelegtes Datentracking betreiben, ist es dann das in den Grundsätzen niederlegte Verständnis von Integrität und Fachkompetenz, dass die Bibliotheksverbände sich hierzu nicht äußern und Verhandlungsführer sich mit teils eher halbgaren Datenschutzklauseln zufrieden geben?
Bei solchen Fragen geht es schließlich nicht um nichts: Forschende können sich aus strittigen Themen zurückziehen, wenn sie fürchten müssen, dass sie noch mehr verfolgt und angegriffen werden als ohnehin schon.[60] Unterhaltsträger können zum Schluss kommen, dass sich eine Förderung nicht lohnt, wenn durch das offene Tor der Wirtschaftsspionage die Rendite ohnehin andernorts anfällt. Und selbst wenn, wie Hwang herausstellt, insbesondere Third Party Tracking Data oft fehlerhaft sind, so können die Konsequenzen, die Data-Analytics-Systeme daraus ableiten, dennoch verheerend sein wie im Fall der sich in der öffentlichen Hand verbreitenden algorithmischen Entscheidungssysteme, die Leistungsempfänger in großer Zahl als Sozialbetrüger kennzeichneten. Auch wenn sich die Anschuldigungen fast durchgängig als falsch erwiesen, sahen die Betroffenen sich gesperrten Bankkonten, Pfändungen und Insolvenzverfahren gegenüber, verloren die Wohnung und ihr soziales Umfeld, manche nahmen sich daraufhin das Leben.[61]
Ein Teil der Subprime Attention Crisis ist der Sog, mit dem Programmatic Advertising finanzielle Ressourcen von allen Medien abzieht, die mit den klassischen Werbeformen groß geworden sind. Symptomatisch ist hierfür das Zeitungssterben, das für immer größere „News Deserts“ sorgt[62] und auch in Deutschland bis 2025 voraussichtlich 40 % der Gemeinden ohne Lokalzeitung zurücklassen wird.[63] Einer lange Zeit wichtigen Grundlage für Partizipation und demokratischem Diskurs wird damit die Existenzgrundlage entzogen, während die Ad Industry die Gelder allzu oft zu Plattformen umleitet, welche zur Maximierung des „user engagements“ Desinformation sowohl eine Bühne wie eine Finanzierung bietet und deshalb von Hoffman als „Partners in Crime“ bezeichnet wird.[64] Entsprechend problematische Züge zeigt auch die Subprime Impact Crisis, die strukturell die Replikationskrise befeuert mit der Folge, dass in den renommiertesten Journals oft genug die unzuverlässigste Forschung veröffentlicht wird, wenn sie nur catchy genug ist.[65] Dies öffnet die Türen für die Merchants of Doubt, ihre Think Tanks und Paper Mills nur immer weiter, bis die Grundlage für den wissenschaftlichen Diskurs zu zerbröseln droht: Es gibt für alles immer die passenden Experten mit passenden Studien und die vormals gemeinsame Faktengrundlage wird Spielball konkurrierender Narrative und der von Nicola Gess analysierten Halbwahrheiten.[66]
Eine „manageable crisis“ scheint damit ebenso nötig wie der Informationsbereich bislang trotzdem immer noch zu wenig über eine funktionierende Alternative zu verfügen und mehr ein Fall des „first mover disadvantage“ zu sein scheint – jeder Akteur fürchtet Nachteile, wenn er sich als erstes bewegt.[67] Entsprechend gibt es relativ wenige Bibliotheken in Deutschland, die z. B. eine aktive Rolle in der NFDI spielen, experimentelle Grundlagen für neue Formen der Informationsversorgung erforschen und Dienste daraus entwickeln oder auch durch die eigene Ressourcenaufteilung wirklich energisch an der Durchsetzung von Diamond Open Access mitarbeiten. Noch weniger sieht man im Bibliotheksbereich – anders als bei den Rechenzentren – Ansätze für übergreifende, profilbildende Infrastrukturen im Sinne der Wissenschaftsratsempfehlungen, die die lokale Autonomie tatsächlich berührten.
Was man im Bibliotheksbereich dagegen sieht, sind Diskussionen, die zunächst eher durch die klassischen Eingriffe in den freien Informationszugang wie die Book Bans angeregt wurden und von dort aus jetzt ausgreifen zum Verhältnis von Bibliotheken und Politik, der Stellung der Bibliotheken zur grassierenden Desinformation und der nötigen Sicherung der freien Gesellschaft.[68] Achim Bonte stellt dabei klar heraus, welchen Beitrag sowohl Öffentliche wie wissenschaftliche Bibliotheken zur Linderung der von Dorothea Wagner analysierten Verletzlichkeit freier Gesellschaften in der multiplen Krise leisten können. Das betreffe den physischen Ort und seine Transformation zu den „palaces of the people“,[69] aber auch die virtuelle Welt, wo openness als Leitmaxime eben nicht attributiv zu verstehen ist wie in den mentalen Schwundstufen von Open Access, wo „offener Zugang“ nicht mehr bedeutet als eine offene Keksdose. Openness ist vielmehr ein gesellschaftlicher Auftrag, der auch die digitale Souveränität stärkt:
„Wenn man anerkennt, dass das Schicksal von Bibliotheken künftig entscheidend von digitalen Informationsinfrastrukturen abhängen wird, scheint es speziell für größere Häuser nur folgerichtig, auf der Basis von möglichst quelloffenen Anwendungen und leistungsfähigen Entwicklungsgemeinschaften in zentralen Produktbereichen wie Datenmanagement und Katalogentwicklung, Retrodigitalisierung und Informationsvisualisierung planvoll die eigene Bewertungs- und Handlungskompetenz auszubauen.“[70]
Bonte verweist als Beispiel hierfür auch auf das Fediverse, wo die X-Alternative Mastodon auch durch Bibliotheken wie die Staatsbibliothek zu Berlin und die TIB Hannover gesichert und damit resilient und nicht aufkaufbar gehalten wird. Solche Beiträge sind es, die funktionierende Alternativen für die Subprime Impact Crisis zu etablieren helfen. „Freiheit für Sicherheit. Auch in diesem Bereich ist Poppers Leitsatz damit vollkommen zutreffend. Und Bibliotheken wirken daran mit.“[71]
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Renke Siems
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- Madeleine C. Fombad, Collence Takaingenhamo Chisita, Omwoyo Bosire Onyancha und Mabel K. Minishi-Majanja (Hrsg.): Information Services for a Sustainable Society: Current Developments in an Era of Information Disorder. Berlin, Boston: Walter de Gruyter, 2023. VII, 369 Seiten: Illustrationen, 129,00 €, ISBN 978-3-11-077268-5. Auch als PDF & EPUB
- Stefan Alker-Windbichler, Axel Kuhn, Benedikt Lodes, Günther Stocker (Hrsg.): Akademisches Lesen. Medien, Praktiken, Bibliotheken. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, V&R unipress 2022. 370 S.
- Verena-Christin Schmidt: Digitale und hybride Lernraumgestaltung in Wissenschaftlichen Bibliotheken, Wiesbaden: b.i.t. verlag gmbh, 2023, 118 Seiten, 24,50 €, ISBN 978-3-9824425-5-6