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Michael Kofman/Richard Connolly/Jeffrey Edmonds/Andrea Kendall-Taylor/Samuel Bendett: Assessing Russian State Capacity to Develop and Deploy Advanced Military Technology. Washington, D.C.: Center for a New American Security, Oktober 2022

  • Leo Bamberger

    Non-resident Fellow

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Published/Copyright: April 4, 2023

Reviewed Publication:

Kofman Michael Connolly Richard Edmonds Jeffrey Kendall-Taylor Andrea Bendett: Samuel Assessing Russian State Capacity to Develop and Deploy Advanced Military Technology Washington, D.C. Center for a New American Security Oktober 2022


Diese Studie zeigt die Möglichkeiten der Rekonstituierung der russischen Streitkräfte auf. Die Verfasser warnen davor, Russlands militärische Fähigkeiten trotz der Niederlage in der Ukraine gering zu schätzen. Russland habe in der Vergangenheit bewiesen, dass es auch in Zeiten wirtschaftlichen Niedergangs zur Aufrechterhaltung von teils sehr technologieträchtigen Rüstungsvorhaben in der Lage gewesen sei. Die Studie hat die nuklearstrategische Rüstung Russlands zum Schwerpunkt, der ein hohes Niveau attestiert wird. Sie geht dann aber auf die Frage ein, wie die Rekonstituierung der konventionellen russischen Militärmacht verlaufen könnte. Da die Möglichkeit des Zugangs zu westlicher Technologie ein wichtiger Faktor ist, der diesen Prozess entweder beschleunigen oder verlangsamen kann, konstruieren die Verfasser zwei Szenarien: eines geht vom Wegfall effektiver Sanktionen, das andere von der Fortdauer und effektiven Umsetzung dieser westlichen Sanktionen.

Beim ersten Szenario erwarten die Verfasser, dass Russland etwa fünf Jahre für den Ausgleich seiner Verluste an Heereswaffen benötigen wird und etwa drei Jahre für die Rekonstituierung der verloren gegangenen Flugzeuge. Sie basieren ihre Aussage auf der Annahme, dass die russischen Verluste weitgehend Waffensysteme betreffen, die vor 2011 eingeführt worden sind. Diese zu ersetzen sei nicht weiter aufwändig. Die Verfasser gehen von Zahlen des ORYX-Zentrums zum Stand Anfang August aus und davon, dass sich diese Zahlen nicht signifikant ändern (S. 7). Diese Voraussetzung ist allerdings nicht mehr gegeben, denn gerade in den Monaten August bis Dezember haben laut ORYX Russlands Verluste bei Panzern, Schützenpanzern, Artillerie, sonstigen gepanzerten Fahrzeugen und zunehmend auch modernen Waffensystemen bedeutend zugenommen. Derzeit muss daher davon ausgegangen werden, dass etwa die Hälfte aller gepanzerten Fahrzeuge der russischen Streitkräfte ausgefallen ist. Damit würde sich die Rekonstituierungszeit unter dem ersten Szenario deutlich verlängern.

Beim zweiten Szenario – der Fortdauer effektiver Sanktionen – nehmen die Verfasser erstaunlicherweise nur unwesentlich längere Rekonstituierungsperioden für Land- und Luftstreitkräfte an, etwa sieben Jahre. Dies sei die Zeit für die NATO, ihre Munitionsvorräte aufzustocken und neue Rüstungsprojekte zur Abschreckung russischer Angriffe zu initiieren. Ansonsten gehen die Verfasser davon aus, dass die Rolle nicht-strategischer Kernwaffen in Europa eine erhebliche Aufwertung erfahren und Rüstungskontrolle keine Rolle mehr spielen wird (S. 12).

Die Studie muss bereits als teilweise überholt betrachtet werden. Sie zeigt aber dennoch auf, dass eine Rekonstituierung russischer Militärmacht möglich und in weniger als zehn Jahren machbar ist. Die Abnutzung der russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg hat mittlerweile eine strategisch bedeutsame Größenordnung erreicht und wird weiter zunehmen, je länger der Krieg infolge Putins Unnachgiebigkeit fortgesetzt wird. Um diese Rüstungsanstrengungen aufrechtzuerhalten, wird Russland für seine Streitkräfte erheblich mehr finanzielle und materielle Ressourcen aufwenden müssen als bislang. Sollte Russland sich zu diesem Schritt entschließen, wird es nach Auffassung der Autoren bis zu 10 Prozent seines Buttoinlandsprodukts fürs Militär aufbringen müssen. Die große Unbekannte ist, wie lange die westliche Staatengemeinschaft in der Lage sein wird, der Ukraine genügend Waffen und Munition zu liefern, damit diese der russischen Abnutzungsstrategie weiterhin trotzen kann.

https://www.cnas.org/press/press-release/new-cnas-report-assessing-russian-state-capacity-to-develop-and-deploy-advanced-military-technology

About the author

Prof. em. Dr. Leo Bamberger

Non-resident Fellow

Published Online: 2023-04-04
Published in Print: 2023-03-30

© 2023 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz.

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  21. Jon Bateman: Russia’s Wartime Cyber Operations in Ukraine. Military Impacts, Influences, and Implications. Washington, D.C.: The Carnegie Endowment for International Peace, 2022
  22. Hlib Parfonov: Russia Struggles to Maintain Munition Stocks, Jamestown Foundation Eurasia Daily Monitor, 19 (180), und 19 (186), Dezember 2022
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  26. Clint Reach/Alexis A. Blanc/Edward Geist: Russian Military Strategy. Organizing Operations for the Initial Period of War. Santa Monica: Cal.: The RAND Corporation, April 2022
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Downloaded on 31.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/sirius-2023-1016/html
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