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Themen, Methoden, Schauplätze. Die Napoleonischen Kriege im Handbuch

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Veröffentlicht/Copyright: 1. Dezember 2025
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Alan Forrest (Ed.), The Cambridge History of the Napoleonic Wars. Vol. 1: Politics and Diplomacy. Hrsg. von Michael Broers und Philip Dwyer. (The Cambridge History of the Napoleonic Wars.) Cambridge, Cambridge University Press 2022. 30 s/w-Ill., 25 Karten, 508 S., $ 154,–. Alan Forrest (Ed.), The Cambridge History of the Napoleonic Wars. Vol. 2: Fighting the Napoleonic Wars. Hrsg. von Bruno Colson und Alexander Mikaberidze. (The Cambridge History of the Napoleonic Wars.) Cambridge, Cambridge University Press 2023. 25 Karten, 758 S., $ 154,–. Alan Forrest (Ed.), The Cambridge History of the Napoleonic Wars. Vol. 3: Experience, Culture and Memory. Hrsg. von Alan Forrest und Peter Hicks. (The Cambridge History of the Napoleonic Wars.) Cambridge, Cambridge University Press 2022. 25 Karten, 688 S., $ 114,–.

Handbücher und ausführliche einführende Darstellungen sind ein herausforderndes Genre geworden. Ihre Konzeption, Vorbereitung und Ausarbeitung benötigt Zeit. In dieser Zeit entwickelt sich der Forschungsstand weiter; bisweilen verschiebt er sich sogar dramatisch. Angesichts der häufig gehobenen Preise sind die Ergebnisse für Bibliotheken aber nur interessant, wenn sie trotzdem für längere Zeit als unverzichtbar gelten dürfen. Zudem wird immer ungewisser, welche Lücke sie tatsächlich schließen. In den meisten Bibliotheken stehen bereits Handbücher zu den meisten kanonischen Themen. In Hörsälen und Seminarräumen konkurrieren sie mit konziseren Einführungen, die ihren Zweck der ersten Orientierung oder als Hilfsmittel bei der Vorbereitung von Prüfungen vollauf erfüllen. Vielfach sind es dieselben Autorinnen und Autoren, die kurze Geschichten[1], Beiträge zu Handbüchern und Sachbücher vorlegen – in diesem konkreten Fall oft in Form von längeren oder kürzeren Napoleon-Biographien[2]. Dennoch werden solche Unternehmungen dankenswerterweise weiterhin gewagt.

Die von Alan Forrest herausgegebene, bereits äußerlich beeindruckende „Cambridge History of the Napoleonic Wars“ besteht aus drei Bänden mit insgesamt rund 2000 Seiten; die Listen der Autorinnen und Autoren der einzelnen Bände umfassen zusammengenommen 85 Namen. Band 1, herausgegeben von Michael Broers und Philip Dwyer, trägt den Untertitel „Politics and Diplomacy“. Band 2, unter der Herausgeberschaft von Bruno Colson und Alexander Mikaberidze, beschäftigt sich mit „Fighting the Napoleonic Wars“, während Band 3, den Alan Forrest und Peter Hicks besorgten, „Experience, Culture and Memory“ zum Thema hat.

Die interne Gliederung der Bände folgt ebenfalls thematischen oder geographischen, nicht chronologischen, Prinzipien, obgleich in Teilen von Band 1 Fragen der Vorgeschichte, in Band 3 der Nachwirkungen eine größere Rolle spielen.

Der erste Band besteht aus drei Teilen. Im ersten geht es um die strukturellen wie konkreten Anlässe und Ursachen der napoleonischen Kriege. Dabei liegt der Fokus auf Großmachtpolitik und Krieg im 18. Jahrhundert (Horst Carl, Jeremy Black), der „revolutionären“ Biographie Napoleons (Annie Jourdan), der französischen Diplomatie und den Revolutionskriegen (Peter McPhee, Lynn Hunt). Besonders originell ist der Beitrag von Bruce Lenman, der auf die Bedeutung von „creole rebellion“ (S. 45) verweist, die sich gegen die Kontrolle von Kolonien durch Metropolen richtete und die, in der Sicht dieses Beitrags, der sich auf das britische Empire konzentriert, am Ende weitgehend scheiterte.

Auch im zweiten Abschnitt, „Napoleon and his Empire“, werden die napoleonischen Kriege stark von Frankreich und seinem europäischen Empire her gedacht. Er weitet den Blick aber in anderer Hinsicht, indem er neben den Bonapartes und den napoleonischen Eliten (Michael Broers, Isser Woloch) oder dem Umgang mit Klientelstaaten (Nicola Todorov) zahlreiche Bereiche der inneren Verwaltung behandelt, so dass sich der Abschnitt auch als problemorientierte Institutionengeschichte des Empire lesen lässt, insbesondere für Polizei und Justiz sowie Konflikte um die Kirchenpolitik in den alten wie den neuen Départements (Michael Rowe, Xavier Rousseaux/Antoine Renglet, Ambrogio Caiani). Silvia Marzagali betont den ökonomischen Imperialismus der napoleonischen Ära mit dem Fokus auf die Förderung des „alten“ Frankreich.

Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit den Kriegszielen oder Strategien der beteiligten Staaten: Frankreich (Thierry Lentz), Habsburg (Charles Ingrao/John Fahey), Preußen (Sam Mustafa/Samantha Sproviero), Großbritannien (John Bew/Jacqueline Reiter), Russland (Marie-Pierre Rey), dem Osmanischen Reich (Virginia Aksan), Spanien und Portugal (Emilio La Parra) sowie Skandinavien (Rasmus Glenthøj).

In Band 2 steht die Kriegs- und Militärgeschichte im Mittelpunkt, und zwar in struktureller und ereignishistorischer Perspektive. Ein einführender erster Abschnitt diskutiert die „nature of warfare“ mit Bezug auf Strategie und Taktik (Bruno Colson), Belagerungen (John Lawrence Tone), Guerillakriege (John Lawrence Tone) und den Krieg zur See (Andrew Lambert). Ein zweiter Durchgang beschäftigt sich mit dem konkreten Zuschnitt der jeweiligen Streitkräfte: der Grande Armée (Jean-François Brun), den Armeen Österreichs (Ilya Berkovich/Michael Wenzel), Preußens (Michael Sikora), Russlands (Dominic Lieven) und Großbritanniens (Gregory Fremont-Barnes) sowie den Marinen Großbritanniens (Stephen Conway) und Frankreichs (Kennth Johnson). Der dritte Teil behandelt die Frage, wie Armeen ausgehoben und versorgt wurden, einmal strukturell (Logistik und Nachschub, Jeremy Black/Frederick C. Schneid/Alexander Mikaberidze/John H. Hill; Waffen, Gareth Glover), einmal bezogen auf die Finanzierung (Frankreich, Pierre Branda; Großbritannien, Roger Knight; Habsburg, Patrick Swoboda). Im dritten und vierten Abschnitt stehen ausgewählte Feldzüge im Zentrum, zunächst in „Europe“ (1796–1800, Frederick C. Schneid; 1805, Jackes Garnier/Alexander Mikaberidze; 1806/7, Frederick C. Schneid; der Krieg auf der iberischen Halbinsel, Charles J. Esdaile; 1809, John H. Gill; 1812, Alexander Mikaberidze; 1813 und 1814, Michael V. Leggiere; 1815, Tim Clatton), dann in „other spheres“ (Skandinavien, Morten Nordhagen Ottosen; zur See, James Davey; Karibik, Philippe R. Girard; Ägypten und Naher Osten, Alexander Tchoudinov; Piraterie, Scott Eastman; 1812 und die USA, Troy Rickman). Abschließend stellt David A. Bell die Frage danach, ob es sich bei den napoleonischen Kriegen um „total war“ gehandelt habe. Sein Urteil: Wegen der „dynamic […] towards an unattainable ideal of total mobilisation and total destruction […] they were a total war” (Bd. 2, S. 681).

Der dritte Band bleibt zunächst nah an den militärischen „Erfahrungen“. Im ersten Abschnitt geht es um die Schicksale von Soldaten (Leighton S. James), militärische Werte (Michael J. Hughes), Medizin im Krieg (Martin R. Howard), Frauen und die „Heimatfront“ (Catriona Kennedy) und Kriegsgefangene (zu diesem bislang eher vernachlässigten Thema Elodie Duché). Der zweite Abschnitt weitet den Blick auf unterschiedliche Dimensionen der Erfahrung imperialer Herrschaft durch Frankreich: Wirtschaftsblockaden (Katherine Aaslestad), Mobilität und Kulturkontakte (Mike Rapport), populären Widerstand am Beispiel Italiens (Michael Broers), Kollaboration am Beispiel des Herzogtums Warschau (Jaroslaw Czubaty), Desertion als Widerstand (Alan Forrest) sowie die Dynamik von Kooperation und Versuchen nationaler Mobilisierung in Deutschland (Ute Planert). Die beiden folgenden Abschnitte beschäftigen sich mit Erinnerungen und Folgen in kürzerer und längerer Frist. Der erste, „War, Culture, and Memory“, ist primär nach Genres sortiert: Memoiren (Philip Dwyer/Matilda Greig), Feste (Philip Dwyer), Bilder und Medaillen (Richard Taws, David O’Brien), Lyrik und Romane (Philip Shaw), Musik (Peter Hicks), Karikatur (Pascal Dupuy), Kino (Wolfgang Koller), Allgemeines einschließlich Schlachtfeldtourismus (Peter Fritzsche). Der zweite, „Aftermath and Legacy of the War“ thematisiert sehr unterschiedliche Bereiche, die von der Demobilisierung (Natalie Petiteau) über kollektive Erinnerung, insbesondere mit Blick auf die Rollen und Spielräume von Frauen (Karen Hagemann), Jominis und Clausewitz’ Kriegstheorien (Hew Strachan), politische Bewegungen wie Konservatismus und Legitimismus (Ambrogio A. Caiani), Bonapartismus (Robert Alexander), die Folgen für das internationale System (Beatrice de Graaf) sowie die Folgen für die spanische (Graciela Iglesias-Rogers) und britische (Gregory Fremont-Barnes) Welt bis hin zu allgemeinen Aspekten der Erinnerung (Nicoletta Marini D’Armenia/Luigi Mascilli Migliorini) reichen.

Die Artikel sind allesamt konzise, problemorientiert und klar geschrieben. Neben die mehr oder weniger ausführlichen Anmerkungen tritt zu jedem ein „bibliographic essay“ im Anhang, der den älteren und aktuellen Forschungsstand umreißt und die wichtigsten Titel in englischer Sprache sowie in den weiteren relevanten Sprachen aufführt; somit enthalten die Bände in ihrer Summe auch eine kommentierte Bibliographie ihrer Themen. Jeder Band ist durch ein eigenes Register erschlossen.

Der Blick auf die Mitwirkenden macht deutlich, dass fast alle von den napoleonischen Kriegen betroffenen Länder ebenso repräsentiert sind wie unterschiedliche Generationen von Forschenden. Es handelt sich um Spezialistinnen und Spezialisten, die fast alle mindestens eine eigene Monographie zum Themenkreis vorgelegt haben. Diese Orientierung am Forschungsstand hat zur Folge, dass die Bände nicht im Sinne eines Nachschlagewerks konzipiert sind, das zu jedem Thema einen Eintrag enthalten würde. Am deutlichsten sichtbar wird das bei der Auswahl der Fallstudien zur Kriegsfinanzierung, dem selektiven Blick auf Strukturen außerhalb Frankreichs oder der geringen Aufmerksamkeit, die Religionsgemeinschaften jenseits der katholischen Kirche zuteilwird. Bei der Diskussion der Kriegsziele fehlen Akteure, die in anderen Zusammenhängen vorkommen (etwa die USA). Das bedeutet nicht, dass diese Themen nicht behandelt würden, aber sie lassen sich gezielt nur über die Register erschließen.

Die thematische Gliederung macht Wiederholungen unausweichlich. Das ist allerdings insofern produktiv, als so unterschiedliche methodische Zugänge Raum finden, etwa in dem mal eher qualitativen, mal eher quantitativen Blick auf Rekrutierung. Die unterschiedlichen Perspektiven machen auch Gebiete des Konsenses und der Kontroverse sichtbar. Konsens ist in diesem Projekt etwa, dass die sehr hohen Opferzahlen der Kriege angesichts der geringen Genauigkeit und Reichweite von Schusswaffen eher auf Seuchen, Unterversorgung, Erschöpfung oder die fehlenden Möglichkeiten zur Behandlung schwerer Verletzungen zurückgingen als auf Kämpfe und Schlachten an sich; Dissens besteht implizit hinsichtlich der Bewertung der Legitimation der Kriege und der Bedeutung von Strukturen einerseits, Ereignissen andererseits.

Wie viele andere Felder der Historiographie hat sich die Beschäftigung mit den Konflikten um 1800 verstärkt Regionen außerhalb Europas zugewandt. Dieses Werk nimmt die Karibik, das Osmanische Reich, Mittel- und Südamerika stärker in den Blick, ohne die traditionellen Themen und Schauplätze zu vernachlässigen. Überhaupt ist es das erklärte Ziel der Bände, die Perspektive von Frankreich und der Person Napoleons I. hin zur Betrachtung der Konflikte als „global wars“ (Alan Forrest, Bd. 1, S. 6) mit weitreichenden Folgen für Kriegführung und Grenzen, Wirtschaft, Gesellschaft und Erinnerung zu verschieben.

Insgesamt ist das gelungen, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Geschichte dieser Kriege von diesen Autorinnen und Autoren schon seit Jahren, manchmal seit Jahrzehnten, aus genau einer solchen breiten Perspektive verhandelt worden ist. Allerdings wirft das Ziel die Frage auf, was genau der Gegenstand der Bände ist, wenn die napoleonischen Kriege – in nachvollziehbarer Weise – in die breiteren Kontinuitäten der britisch-französischen Konkurrenz oder der Kriegführung des 18. Jahrhunderts eingeordnet werden. Sind Kriege oder Konflikte gemeint, an denen Napoleon in irgendeiner Weise beteiligt war? Oder geht es um die Kriege, in denen Napoleon eine führende Rolle einnahm? Oder um die Kriege unter der Herrschaft Napoleons? Das Projekt geht mit dieser Frage pragmatisch um. Der erste in Band 2 behandelte Feldzug ist der in Italien nach 1796, während Lynn Hunt in Band 1 die „Revolutionary Wars“ etwas später enden lässt, nämlich mit dem Feldzug in Ägypten. Die Kapitel zu Strategie und Kriegszielen in Band 1 betrachten dagegen die Zeit zwischen 1790 und 1815 mehrheitlich als Einheit.

Die geographische Weitung des Blicks über den Fokus auf Frankreich und Europa lässt weniger bekannte Kriegsschauplätze zu ihrem Recht kommen. Die Schwerpunktsetzung bei anderen Themen spiegelt ebenfalls Entwicklungen der modernen Kriegs- und Gewaltgeschichte, wobei die militärische Technik hier ausführlicher behandelt wird als in den verfügbaren Gesamtdarstellungen. Weniger präsent sind die klassische Sozialgeschichte sowie die Politik- und Diplomatiegeschichte. Nicht nur Napoleon, sondern auch andere Personen treten als Akteure eher in den Hintergrund. Das bedeutet nicht, dass sozialhistorische Themen nicht vorkämen; insbesondere im zweiten und dritten Band finden sich sehr viele Informationen zur sozialen Zusammensetzung von Armeen (und den Folgen des sozialen Hintergrunds für Kriegserfahrungen), im ersten Band zum sozialen Hintergrund von Diplomaten. Aber die Bände lassen ältere Zugriffe, die eher von einer Gesellschaftsgeschichte der beteiligten Staaten oder Regime ausgegangen wären, eindeutig hinter sich. Sie bemühen sich dagegen um eine breite Berücksichtigung kulturhistorischer Dimensionen des Themas. Allerdings spiegeln sie dabei, dass der Konsens über relevante Themen, Methoden und Zugänge weniger breit, der Forschungsstand weniger umfassend ist. So wirkt die Auswahl der Themen in Band 3, vor allem im dritten und vierten Abschnitt, etwas zufälliger als in dem Rest des Werks, die Spannbreite zwischen sehr detaillierten Analysen einzelner Werke oder Praktiken und Überblicken ist sehr viel größer.

Überraschend ist vor allem der Verzicht darauf, zwischen der Behandlung der Kriege und der Diskussion ihrer Folgen einen Abschnitt dazu einzufügen, wie, wo und wann der Übergang vom Krieg zum Frieden erreicht wurde. Den Friedensschlüssen sind keine eigenen Abschnitte gewidmet, sondern sie erscheinen hauptsächlich in der Erzählung zu den Zielen der beteiligten Staaten.[3]

Was den Bänden ausnehmend gut gelingt, ist die Dekonstruktion der Figur Napoleons, dem – ausweislich Forrests Einleitung – zwar eine persönliche Schuld an der Dauer und damit der Opferzahl der Kriege zugeschrieben wird, dessen Handlungsmöglichkeiten und Einfluss aber durch den Blick auf Strukturen kalibriert wird, die von Familien- und Klientelnetzwerken bis zu den militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten reichen.

Es ist schwer, einer solchen facetten- und perspektivenreichen Sammlung eine einzige Leitfrage zu unterstellen, und die Einleitungen der Bände machen auch deutlich, dass dies nicht das primäre Ziel des Werks ist. Allerdings fällt auf, dass sich viele Beiträge, mal explizit, mal eher indirekt, mit der Frage auseinandersetzen, ob die napoleonischen Kriege eine Zäsur darstellten, ob sie eher durch Beharren geprägt waren oder ob sie (jenseits der offensichtlichen Opfer und Zerstörungen) einen Rückschritt markierten. Insgesamt fallen die Antworten ambivalent aus. Es gibt Bereiche, wie die französische Diplomatie (Bd. 1, McPhee), für die ein klarer Bruch in der sozialen Herkunft der Diplomaten und in ihren Praktiken konstatiert wird. Im Bereich der medizinischen Versorgung (Bd. 3, Howard) wird zwar eine steile Lernkurve mit vielfältigen Verbesserungen beschrieben, aber zugleich festgestellt, dass die Lage angesichts der wachsenden Herausforderungen immer größerer Zahlen von kämpfenden Soldaten und einer gesteigerten Brutalität der Kriegsführung am Ende bestenfalls genauso schlecht war wie am Anfang. In vielen Bereichen der militärischen Technologie, etwa der Treffsicherheit von Schusswaffen, der Belagerung oder des Schiffbaus, erscheint der Grad der Innovation als geringer, als man vielleicht annehmen würde. Als bedeutend werden vor allem welthistorische Weichenstellungen markiert, die von den Ergebnissen der Kriege (aber auch von länger zurückreichenden Entwicklungen) ausgingen, etwa „The Dislocation of the Global Hispanic World“ (Bd. 3, Iglesia-Rogers) oder „Britain’s Century, 1815–1914“ (Bd. 3, Fremont-Barnes).

An wen richtet sich dieses Projekt, oder: Wer könnte davon besonders profitieren? Spezialistinnen und Spezialisten werden nicht nur einen zuverlässigen Überblick zu vielen Themen, sondern auch eine konzise Darstellung des Forschungsstands und eine Markierung aktuell offener Fragen finden – wenn man die Bände zusammennimmt, vor allem in einer global orientierten, militär-, wirtschafts- und kulturhistorischen Perspektive, die durch eine diplomatische Strukturgeschichte ergänzt wird. Dasselbe gilt für fortgeschrittene Studierende. Die thematische Anlage der Bände macht sie dagegen als ersten Zugang zu Thema weniger geeignet; fast alle Artikel setzen eine grundlegende Vertrautheit mit dem chronologischen Verlauf der Kriege, der wechselnden Koalitionen und den wichtigsten Akteuren voraus; Hilfsmittel wie Zeitleisten, Karten oder ein chronologischer Überblick fehlen. Man könnte auch sagen, dass diese auf entsprechende Ressourcen im Netz ausgelagert wurden, die inzwischen frei verfügbar sind.[4] Genau in diesem Zielpublikum liegt jedoch vermutlich die Zukunft solcher Handbücher.

Online erschienen: 2025-12-01

© 2025 The author(s), published by Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.

Artikel in diesem Heft

  1. Frontmatter
  2. Aufsätze
  3. Neuro-History. Neue interdisziplinäre Perspektiven am Beispiel mystischer Erfahrungsberichte
  4. „Vom Siegen ruhn“ oder Die Erfindung der revolutionären Schweiz von 1847/48
  5. Zwischen Wien, Prag und Berlin. Zur widersprüchlichen Rolle des Deutschen Kulturverbandes in der Tschechoslowakei (1918–1938)
  6. Bernd Jürgen Wendt (1934–2025)
  7. Themen, Methoden, Schauplätze. Die Napoleonischen Kriege im Handbuch
  8. Rezensionen
  9. Alan Forrest, Waterloo. (Great Battles.) Oxford, Oxford University Press 2023
  10. Rudolf J. Schlaffer, Deutsche Kriegführung. Militärische Spitzengliederungen von 1871 bis 2015. Stuttgart, Kohlhammer 2023
  11. Ben Kiernan / T. M. Lemos / Tristan S. Taylor (Eds.), The Cambridge World History of Genocide. Vol. 1: Genocide in the Ancient, Medieval and Premodern Worlds. Cambridge, Cambridge University Press 2023
  12. Hans-Jürgen Becker, Die päpstlichen Wahlkapitulationen. Ein Beitrag zur kirchlichen Verfassungsgeschichte. 2 Halbbde. Stuttgart, Hiersemann 2024
  13. Matthias Schnettger / Dietrich Scholler (Hrsg.), Figurationen des Nationalen. Kulturelle Aushandlungsprozesse vom 14. bis 19. Jahrhundert. Bielefeld, Transcript 2024
  14. Donald Bloxham, Why History? A History. Oxford, Oxford University Press 2022
  15. Manuel Köster / Holger Thünemann (Hrsg.), Geschichtskulturelle Transformationen. Kontroversen, Akteure, Zeitpraktiken. Köln, Böhlau 2024
  16. Jesse Millek, Destruction and Its Impact on Ancient Societies at the End of the Bronze Age. Atlanta, Lockwood Press 2023
  17. Marie Oellig, Die Sukzession von Weltreichen. Zu den antiken Wurzeln einer geschichtsmächtigen Idee. (Oriens et Occidens. Studien zu antiken Kulturkontakten und ihrem Nachleben, Bd. 38.) Stuttgart, Steiner 2023
  18. Roberta Mazza, Stolen Fragments. Black Markets, Bad Faith, and the Illicit Trade in Ancient Artefacts. Palo Alto, CA, Stanford University Press 2024
  19. Kordula Schnegg, Antike Geschlechterdebatten. Die soziale Verortung der Frauen und Männer in der griechisch-römischen Antike. Tübingen, Narr 2021
  20. William V. Harris, Dire Remedies. A Social History of Healthcare in Classical Antiquity. Berlin/Boston, De Gruyter 2024
  21. Hans-Joachim Gehrke, Historische Landeskunde und Geographie. Hrsg. von Christian Mann und Kai Trampedach. (Ausgewählte Schriften, Bd. 4.) Stuttgart, Steiner 2024
  22. Peter Franz Mittag, Geschichte des Hellenismus. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 51.) Berlin/Boston, De Gruyter 2023
  23. Johannes C. Bernhardt / Mirko Canevaro (Eds.), From Homer to Solon. Continuity and Change in Archaic Greece. (Mnemosyne Supplements. History and Archaeology of Classical Antiquity, Vol. 454.) Leiden, Brill 2022
  24. Jaime Curbera (Ed.), Inscriptiones Atticae Euclidis Anno Posteriores consilio et auctoritate academiae scientiarum Berolinensis et Bandenburgensis editae. Editio tertia. Pars VIII: Miscellanea. Fasciculus I: Defixiones Atticae. Berlin/Boston, De Gruyter 2024
  25. Julian Degen / Hilmar Klinkott / Robert Rollinger et al. (Eds.), Ancient Worlds in Perspective. Contextualizing Herodotus. (Philippika – Altertumswissenschaftliche Abhandlungen / Contributions to the Study of Ancient World Cultures, Vol. 150.) Wiesbaden, Harrassowitz 2024
  26. Christopher J. Joyce, Amnesty and Reconciliation in Late Fifth-Century Athens. The Rule of Law under Restored Democracy. Edinburgh, Edinburgh University Press 2022
  27. Seth Bernard / Lisa Marie Mignone / Dan-El Padilla Peralta (Eds.), Making the Middle Republic. New Approaches to Rome and Italy, c. 400–200 BCE. Cambridge, Cambridge University Press 2023
  28. Michael Sommer, Mordsache Caesar. Die letzten Tage des Diktators. München, C. H. Beck 2024
  29. Theresia Schusser, Christliche religiöse Gewalt im spätantiken Ägypten. Hagiographische Schriften im Fokus kultur- und mentalitätsgeschichtlicher Fragestellungen. Münster, Zaphon 2023
  30. Michael Hahn, Laici religiosi. Überwachung, soziale Kontrolle und christliche Identität in der Spätantike. München, C. H. Beck 2024
  31. Matthias Weber, Der Bischof stirbt. Zu Form, Funktion und Vorstellung bischöflicher Sterbeberichte (6.–12. Jahrhundert). Göttingen, V&R unipress 2023
  32. Stefan Esders / Sören Kaschke / Britta Mischke u. a. (Hrsg.), Fränkische Herrschererlasse (814–840). (Capitularia regum Francorum a. 814 – a. 840). (Monumenta Germaniae Historica. Capitularia regum Francorum, Nova series, Bd. 4.) Wiesbaden, Harrassowitz 2024
  33. Peter Feldbauer / Gottfried Liedl, Seide, Zobel und Gelehrte. Zentralasien 900–1200. Handelsdrehscheibe und Kulturknoten. Wien, Mandelbaum 2024
  34. Matthias Becher / Michael Rohrschneider (Hrsg.), Gipfeltreffen in der Vormoderne. Der Bonner Vertrag 921 in synchroner und diachroner Perspektive. Göttingen, V&R unipress 2025
  35. Cordelia Heß, Rassismus im Norden? Eine postkoloniale Spurensuche in Grönland und Sápmi, ca. 980–1500. (Europa im Mittelalter.) Berlin/Boston, De Gruyter 2025
  36. Hanna Vollrath, Das Reich der Salier. Lebenswelten und gestaltende Kräfte 1024–1125. 10., völlig neu bearbeitete Aufl. (Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 4.) Stuttgart, Klett-Cotta 2024
  37. Johannes Luther, Reformer und Vermittler. Bischöfliche Gruppenbildungen und Vernetzungen im burgundischen Raum 1032–1156. Ostfildern, Thorbecke 2023
  38. Charles M. Radding (Ed.), The Recensio Walcausina of the Liber Papiensis. In Collaboration with Antonio Ciaralli. (Monumenta Germaniae Historica. Leges nationum Germanicarum, Vol. 7.) Wiesbaden, Harrassowitz 2024
  39. Béatrice Bakhouche / Evelyne Berriot-Salvadore / Daniel Le Blévec (Eds.), Gui de Chauliac et sa Grande Chirurgie. Turnhout, Brepols 2023
  40. Elise Boillet / Ian Johnson (Eds.), Religious Transformations in New Communities of Interpretation in Europe (1350–1570). Bridging the Historiographical Divides. (New Communities of Interpretation, Vol. 3.) Turnhout, Brepols 2023
  41. Bernd Hamm, Religiöse Dynamik zwischen 1380 und 1520. Antriebskräfte der Mentalität, Frömmigkeit, Theologie, Bildkultur und Kirchenreform. (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation, Bd. 140.) Tübingen, Mohr Siebeck 2024
  42. Wolfgang Behringer, Der große Aufbruch. Globalgeschichte der Frühen Neuzeit. München, C. H. Beck 2023
  43. Elizabeth Harding / Joëlle Weis (Hrsg.), Gelistete Dinge. Objekte und Listen in der Frühen Neuzeit. (Ding, Materialität, Geschichte, Bd. 6.) Köln, Böhlau 2024
  44. Ute Frietsch, Epistemischer Wandel. Eine Geschichte der Alchemie in der Frühen Neuzeit. Paderborn, Fink 2023
  45. Susangeline Yalili Patrick, Art as a Pathway to God. A Historical-Theological Study of the Jesuit Mission to China, 1552–1773. Leiden, Brill 2024
  46. János Szabados, Die Karriere des deutschen Renegaten Hans Caspar in Ofen (1627–1660) im politischen und kulturellen Kontext. Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2023
  47. Braunschweigischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Aus den Briefen der Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig 1732–1801. Bd. 1: 1732–1768, mitgeteilt von Hans Droysen und übersetzt von Gretel Walberg. Braunschweig, Appelhans 2024
  48. Arunima Datta, Waiting on Empire. A History of Indian Travelling Ayahs in Britain. Oxford, Oxford University Press 2023
  49. Edward J. Gillin, An Empire of Magnetism. Global Science and the British Magnetic Enterprise in the Age of Imperialism. Oxford, Oxford University Press 2023
  50. Lino Schneider-Bertenburg, 1873. Der Gründerkrach und die Krisenwahrnehmung der deutschen Sozialdemokratie. (Geschichte in Wissenschaft und Forschung.) Stuttgart, Kohlhammer 2022
  51. Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Verbindung mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.), Matthias Erzberger. Für Demokratie und gegen den Obrigkeitsstaat. Ostfildern, Thorbecke 2023
  52. Hartmut Kaelble, Das soziale Europa. Europäische Sozialpolitik und nationale Wohlfahrtsstaaten, 1883–2020. Frankfurt am Main, Campus 2024
  53. Carsten Stahn, Confronting Colonial Objects. Histories, Legalities, and Access to Culture. (Cultural Heritage Law and Policy.) Oxford, Oxford University Press 2023
  54. Arvid Schors / Fabian Klose (Hrsg.), Wie schreibt man Internationale Geschichte? Empirische Vermessungen zum 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main, Campus 2023
  55. Thilo Scholle / Mike Schmeitzner (Hrsg.), Hermann Heller, die Weimarer Demokratie und der soziale Rechtsstaat. Bonn, Dietz Nachf. 2024
  56. Michael Buddrus / Angrit Lorenzen-Schmidt, Ärzte in Mecklenburg im Dritten Reich. Biographisches Lexikon sowie Studien zu Gesundheitsverhältnissen und Medizinalpolitik 1929 bis 1945. 2 Bde. Bremen, Edition Temmen 2023
  57. Pierre Pfütsch (Hrsg.), Die Rolle der Pflege in der NS-Zeit. Neue Perspektiven, Forschungen und Quellen. (Medizin, Gesellschaft und Geschichte, Bd. 83.) Stuttgart, Steiner 2023
  58. Michael Grüttner, Talar und Hakenkreuz. Die Universitäten im Dritten Reich. München, C. H. Beck 2024; Michael Grüttner, Ausgegrenzt. Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse. Berlin/Boston, De Gruyter 2023
  59. Peter Henning, Zwischen Opportunismus und Opposition. Kulturschaffende im Nationalsozialismus am Beispiel Erich Ebermayers. Stuttgart, Kohlhammer 2024
  60. Frédéric Bonnesoeur / Hannah Wilson / Christin Zühlke (Eds.), New Microhistorical Approaches to an Integrated History of the Holocaust. Berlin/Boston, De Gruyter 2023
  61. Felix Bellaire, Augsburg 1939–1945. Eine Stadt im Kriegszustand. (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Reihe 1: Studien zur Geschichte des bayerischen Schwaben, Bd. 46.) Friedberg, Likias 2020
  62. Christoph Schneider, Der Kalmenhof in Idstein. NS-„Euthanasie“ und ihre Nachgeschichte. (Schriftenreihe der Gedenkstätte Hadamar, Bd. 2.) Leiden, Brill 2024
  63. Klaus H. Schmider, Hitler’s Fatal Miscalculation. Why Germany Declared War on the United States. (Cambridge Military Histories.) Cambridge, Cambridge University Press 2021
  64. Dan Stone, The Liberation of the Camps. The End of the Holocaust and Its Aftermath. London, Yale University Press 2023
  65. Paolo Heywood, Burying Mussolini. Ordinary Life in the Shadows of Fascism. Ithaca, NY, Cornell University Press 2024
  66. Hans-Walter Schmuhl, Kur oder Verschickung? Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Hamburg, Dölling und Galitz 2023
  67. Norbert Frei, Im Namen der Deutschen. Die Bundespräsidenten und die NS-Vergangenheit. München, C. H. Beck 2023
  68. Reginald Elias Kiray, Memories of German Colonialism in Tanzania. (European Colonialism in Global Perspective, Vol. 2.) Berlin/Boston, De Gruyter 2023
  69. Klaus Neumann, Blumen und Brandsätze. Eine deutsche Geschichte 1989–2023. Hamburg, Hamburger Edition 2024
  70. Omer Bartov, Genocide, the Holocaust and Israel-Palestine. First-Person History in Times of Crisis. New York, Bloomsbury Academic 2023
  71. Eingegangene Bücher
  72. Eingegangene Bücher
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