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Ute Frietsch, Epistemischer Wandel. Eine Geschichte der Alchemie in der Frühen Neuzeit. Paderborn, Fink 2023

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Published/Copyright: December 1, 2025
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Rezensierte Publikation:

Ute Frietsch, Epistemischer Wandel. Eine Geschichte der Alchemie in der Frühen Neuzeit. 2023 Wilhelm Fink Verlag Paderborn, 978-3770567836, € 124,–


In den letzten Jahren ist die Geschichte der Alchemie zu einem intensiv beforschten Gebiet der Wissenschaftsgeschichte geworden, was die Vielzahl von neueren Publikationen, die sowohl Überblicksdarstellungen (wie zum Beispiel dem 2013 erschienenen „The Secrets of Alchemy“ von Lawrence M. Principe) als auch Einzeluntersuchungen umfassen, eindrucksvoll belegt. Die vorliegende Monographie von Ute Frietsch füllt eine dennoch verbliebene größere Forschungslücke mit der Darstellung der Alchemie/Chymia in der Frühen Neuzeit. Mit dem Titel „Epistemischer Wandel“ ordnet sich das Werk darüber hinaus in eine aktuelle Ausrichtung innerhalb der akademischen Wissenschaftsgeschichte ein, die es von populärwissenschaftlichen Werken abgrenzt.

Die Einleitung präsentiert am Beispiel des Kaisers Rudolf II. den gesellschaftlichen Kontext der Alchemie an den europäischen Fürstenhöfen und gibt auch einen ersten Eindruck über die Vielfalt des vorliegenden Quellenmaterials und dessen komplexe Geschichte. Hier findet sich außerdem eine gelungene Darstellung der verschiedenen mit dem Wissensgebiet verbundenen Bezeichnungen und ihrer historischen Entwicklung und Bedeutungsverschiebung.

Das weitere Werk ist grundsätzlich chronologisch aufgebaut und besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil, „Alchemie als Theorie und handwerkliche Praxis“, erfolgt der Einstieg über einen kurzen historischen Abriss, der mit dem Codex Marcianus Graecus 299 in Venedig zur dortigen Tradition der Glasherstellung überleitet. Das zweite Kapitel thematisiert am Beispiel der Familie der Medici die vielfältige Patronage der Alchemie durch den Adel. Darauf folgen jeweils zwei Kapitel zu den Auswirkungen der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern auf das exklusive Wissen der Alchemie und deren Rolle für Paracelsus und seine Anhänger. Der erste Teil endet mit einem Kapitel zu Leonhard Thurneysser als einem Beispiel, an dem der Medienwechsel der Druckkunst in der Alchemie nachvollzogen werden kann.

Der zweite Teil, „Alchemie zwischen höfischem Prunk und gelehrter Prekarität“, umfasst zehn Kapitel, welche die Alchemie an den Höfen des Kaisers Rudolfs II. in Prag, des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel sowie der Königin Christina von Schweden untersuchen, aber ebenso Beispiele von alchemistisch tätigen Gelehrten, wie zum Beispiel Robert Fludd, einschließen. Darunter ist auch ein Kapitel zu Marie Meurdrac, der Autorin eines an Frauen adressierten alchemistischen Werkes, und eines zu Johann Rudolph Glauber, der außerhalb der höfischen Patronage tätig war.

Drei Kapitel zur übergeordneten Thematik der Alchemie in der Aufklärung und zu Beginn der Moderne, deren Fokus auf August dem Starken, dem Orden der Rosenkreuzer und der Beziehung Johann Wolfgang von Goethes zur Alchemie liegen, bilden den dritten Teil des Werkes.

Im vierten Teil, „Alchemie und die frühneuzeitlichen Universitäten“, wird zunächst die epistemische Entwicklung der Alchemie anhand ihres Verhältnisses zu den Universitäten analysiert. Dabei wird geschickt auf die hierfür relevanten vergangenen Kapitel aus den ersten drei Teilen des Buches rekurriert. Als Fallbeispiel dient im folgenden Kapitel der Umgang mit der Alchemie an der 1576 gegründeten Universität Helmstedt, für die eine gute Quellenlage vorliegt. Anhand dieses spezifischen Beispiels wird auch die Rolle der Alchemie/Chymia in der Entwicklung der Universitäten insgesamt reflektiert.

Den Abschluss des Buches bildet der Epilog zum Wandel der Alchemie, in dem die Geschichte der Alchemie der Frühen Neuzeit zu wissenschaftstheoretischen Überlegungen und der Wissenschaftsgeschichte insgesamt in Bezug gesetzt wird. Auch hier wird die Fülle des zuvor präsentierten Materials geschickt genutzt.

Insgesamt zeichnet sich das Buch durch seine detaillierte Recherche, das durch die Fußnoten für die Lesenden nachvollziehbare quellennahe Arbeiten und den gebotenen Überblick über die beeindruckende Vielfalt der verschiedenen Bereiche der Alchemie aus. Dabei werden die individuell dichten Beschreibungen der gewählten Fallstudien elegant in größere Zusammenhänge eingebettet. Lesende erhalten so einen tiefen Einblick in grundsätzliche Thematiken des Forschungsgebietes der Alchemie und wie diese Themen kulturell und sozial zu verorten sind. Auch konzeptionell und sprachlich ist das Werk eine wirklich gelungene Präsentation einer aufwändigen Forschungsarbeit, der es auch gelingt, die Reichhaltigkeit der untersuchten Disziplin widerzuspiegeln, ohne sich darin zu verlieren.

Mit ihrem Buch hat Ute Frietsch ein gleichermaßen wissenschaftlich anspruchsvolles wie zugängliches Werk geschaffen. Die Qualität des Textes wird durch zahlreiche, oft farbige Illustrationen in angemessener Größe komplementiert. Das Buch endet mit einem 70-seitigen Quellen- und Literaturverzeichnis und einem Namens- und Sachregister, das die effiziente Nutzung des umfangreichen Werkes auch für die Suche nach spezifischen Informationen ermöglicht. Es sollte in keiner Bibliothek zur Frühen Neuzeit oder zur Wissenschaftsgeschichte fehlen.

Online erschienen: 2025-12-01

© 2025 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.

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  21. Hans-Joachim Gehrke, Historische Landeskunde und Geographie. Hrsg. von Christian Mann und Kai Trampedach. (Ausgewählte Schriften, Bd. 4.) Stuttgart, Steiner 2024
  22. Peter Franz Mittag, Geschichte des Hellenismus. (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 51.) Berlin/Boston, De Gruyter 2023
  23. Johannes C. Bernhardt / Mirko Canevaro (Eds.), From Homer to Solon. Continuity and Change in Archaic Greece. (Mnemosyne Supplements. History and Archaeology of Classical Antiquity, Vol. 454.) Leiden, Brill 2022
  24. Jaime Curbera (Ed.), Inscriptiones Atticae Euclidis Anno Posteriores consilio et auctoritate academiae scientiarum Berolinensis et Bandenburgensis editae. Editio tertia. Pars VIII: Miscellanea. Fasciculus I: Defixiones Atticae. Berlin/Boston, De Gruyter 2024
  25. Julian Degen / Hilmar Klinkott / Robert Rollinger et al. (Eds.), Ancient Worlds in Perspective. Contextualizing Herodotus. (Philippika – Altertumswissenschaftliche Abhandlungen / Contributions to the Study of Ancient World Cultures, Vol. 150.) Wiesbaden, Harrassowitz 2024
  26. Christopher J. Joyce, Amnesty and Reconciliation in Late Fifth-Century Athens. The Rule of Law under Restored Democracy. Edinburgh, Edinburgh University Press 2022
  27. Seth Bernard / Lisa Marie Mignone / Dan-El Padilla Peralta (Eds.), Making the Middle Republic. New Approaches to Rome and Italy, c. 400–200 BCE. Cambridge, Cambridge University Press 2023
  28. Michael Sommer, Mordsache Caesar. Die letzten Tage des Diktators. München, C. H. Beck 2024
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  37. Johannes Luther, Reformer und Vermittler. Bischöfliche Gruppenbildungen und Vernetzungen im burgundischen Raum 1032–1156. Ostfildern, Thorbecke 2023
  38. Charles M. Radding (Ed.), The Recensio Walcausina of the Liber Papiensis. In Collaboration with Antonio Ciaralli. (Monumenta Germaniae Historica. Leges nationum Germanicarum, Vol. 7.) Wiesbaden, Harrassowitz 2024
  39. Béatrice Bakhouche / Evelyne Berriot-Salvadore / Daniel Le Blévec (Eds.), Gui de Chauliac et sa Grande Chirurgie. Turnhout, Brepols 2023
  40. Elise Boillet / Ian Johnson (Eds.), Religious Transformations in New Communities of Interpretation in Europe (1350–1570). Bridging the Historiographical Divides. (New Communities of Interpretation, Vol. 3.) Turnhout, Brepols 2023
  41. Bernd Hamm, Religiöse Dynamik zwischen 1380 und 1520. Antriebskräfte der Mentalität, Frömmigkeit, Theologie, Bildkultur und Kirchenreform. (Spätmittelalter, Humanismus, Reformation, Bd. 140.) Tübingen, Mohr Siebeck 2024
  42. Wolfgang Behringer, Der große Aufbruch. Globalgeschichte der Frühen Neuzeit. München, C. H. Beck 2023
  43. Elizabeth Harding / Joëlle Weis (Hrsg.), Gelistete Dinge. Objekte und Listen in der Frühen Neuzeit. (Ding, Materialität, Geschichte, Bd. 6.) Köln, Böhlau 2024
  44. Ute Frietsch, Epistemischer Wandel. Eine Geschichte der Alchemie in der Frühen Neuzeit. Paderborn, Fink 2023
  45. Susangeline Yalili Patrick, Art as a Pathway to God. A Historical-Theological Study of the Jesuit Mission to China, 1552–1773. Leiden, Brill 2024
  46. János Szabados, Die Karriere des deutschen Renegaten Hans Caspar in Ofen (1627–1660) im politischen und kulturellen Kontext. Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2023
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  48. Arunima Datta, Waiting on Empire. A History of Indian Travelling Ayahs in Britain. Oxford, Oxford University Press 2023
  49. Edward J. Gillin, An Empire of Magnetism. Global Science and the British Magnetic Enterprise in the Age of Imperialism. Oxford, Oxford University Press 2023
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  52. Hartmut Kaelble, Das soziale Europa. Europäische Sozialpolitik und nationale Wohlfahrtsstaaten, 1883–2020. Frankfurt am Main, Campus 2024
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  71. Eingegangene Bücher
  72. Eingegangene Bücher
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