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Peter Feldbauer / Gottfried Liedl, Seide, Zobel und Gelehrte. Zentralasien 900–1200. Handelsdrehscheibe und Kulturknoten. Wien, Mandelbaum 2024

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Published/Copyright: December 1, 2025
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Rezensierte Publikation:

Peter Feldbauer, Seide, Zobel und Gelehrte. Zentralasien 900–1200. Handelsdrehscheibe und Kulturknoten. 2024 Mandelbaum Verlag Wien, 978-3-99136-049-0, € 20,–


Während sich die Mediävistik traditionell als dezidiert eurozentrische Disziplin verstand, wird der Blick heutzutage zusehends globalhistorisch geweitet. Die hier anzuzeigende Arbeit von Peter Feldbauer und Gottfried Liedl zeugt von diesem „turn“ – und bezeugt zugleich die großen Chancen, aber auch Risiken eines solchen Perspektivwechsels der Mediävistik.

Die beiden Autoren haben sich zum Ziel gesetzt, die „komplexe Wechselwirkung zwischen Wirtschafts- und Kulturentwicklungen“ für die „Kernländer der islamischen Welt“ (S. 7) herauszuarbeiten, womit der Iran samt dessen zentralasiatischen Nachbarländern gemeint sind. Ebenso weit wie der geographische Fokus ist auch der zeitliche Rahmen der Studie, den die Autoren von der Politik- bzw. Dynastiegeschichte her denken: „Zeitlich nimmt es [sc. das Buch] die persische Statthalterdynastie der Samaniden, deren Herrschaft über den Osten des Abbasidenkalifats das 10. Jahrhundert zu einer Blütephase des Islam machte, sowie nach der Jahrtausendwende die Reiche der türkischen Karachaniden, Gaznawiden und Seldschuken in den Blick“ (S. 7). Um diesen Themenkomplex zu bearbeiten, bedarf es also einer geradezu fantastischen Sprachkompetenz, die weit mehr als die für den Mediävisten bis heute obligatorischen Lateinkenntnisse umfasst, sondern zusätzlich noch Arabisch-, Persisch- und Türkischkenntnisse erfordert. Um dieser philologischen Herausforderung zu begegnen, bedienen sich die Autoren eines in der globalhistorischen Forschung verbreiteten Mittels: Der überwiegende Teil des Buches basiert auf dem aktuellen Forschungsstand, stützt sich jedoch nur sehr selten auf Quellen, die, wenn überhaupt, nur in Übersetzung zurate gezogen werden. Dass dies ein methodologisches Grundsatzproblem mit sich bringt, dürfte evident sein und muss an dieser Stelle wohl nicht eigens betont zu werden.

Eine weitere Gefahr großangelegter Kulturvergleiche ist das Modernisierungsparadigma und die Essentialismusfalle, in die auch die beiden Autoren bei ihrer Geschichte Zentralasiens tappen, wenn sie vor allem am Ende des Buches versuchen, Gründe für das „Zurückfallen der islamischen Welt gegenüber dem aufsteigenden Westeuropa“ (S. 153) zu geben. Auch wenn sie sich ausdrücklich vom „Abstiegsszenario“ (S. 152), also vom Verfall der islamischen Welt unter den Seldschuken sowie anderer türkischer Dynastien, distanzieren, so bleibt der gewählte Ansatz nichtsdestoweniger heikel, weil sie sich damit letztlich auf einen großangelegten Zivilisationsvergleich einlassen, der in der modernen Komparatistik als überholt gilt, wie die Arbeiten von Wolfram Drews, Antje Flüchter, Jenny Oesterle und anderer zeigen, die in dem Buch aber allesamt unberücksichtigt bleiben.

Mit dieser Kritik möchte der Rezensent seine Besprechung allerdings nicht beschließen, da ansonsten der – falsche – Eindruck entstehen könnte, das Buch könne getrost beiseitegelegt werden. Denn wenn man einmal von den Herausforderungen absieht, denen sich die Globalgeschichte im Allgemeinen ausgesetzt sieht und die sich in dem Buch leider negativ auswirken, so macht der Band von Feldbauer und Liedl doch andererseits auch die Chancen einer globalhistorisch angelegten Vergleichs- und Verflechtungsgeschichte sinnfällig: Den beiden Autoren gelingt es sehr anschaulich, die Vernetzung des zentralasiatischen Raums im Untersuchungszeitraum von 900 bis 1200 auf – auch vom Seitenumfang her – sehr prägnante Weise hauszuarbeiten, was ein wirklicher Mehrwert für die Forschung darstellt, da deren Einzelerkenntnisse eher isoliert nebeneinander standen, aber bisher noch nicht zu einer Gesamtdarstellung zusammengetragen und systematisiert wurden. Erst in der Gesamtschau treten daher Phänomene der Vernetzung, Interaktion, Verflechtung und Interdependenzen des transeurasischen Interaktionsraumes zutage. Dass sich Peter Feldbauer und Gottfried Liedl hierfür mehr auf die Literatur, denn auf die Quellen selbst stützen, ist der – fast schon unhintergehbare – Preis der Globalgeschichte.

Online erschienen: 2025-12-01

© 2025 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International License.

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