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Edward J. Gillin, An Empire of Magnetism. Global Science and the British Magnetic Enterprise in the Age of Imperialism. Oxford, Oxford University Press 2023

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Published/Copyright: December 1, 2025
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Edward J. Gillin, An Empire of Magnetism. Global Science and the British Magnetic Enterprise in the Age of Imperialism. 2023 Oxford University Press Oxford, 9780198890959, £ 83,–


Seit langer Zeit haben sich an der Schnittstelle von der Geschichte der Naturwissenschaften und der Imperialgeschichte besonders facettenreiche Ergebnisse für die Forschung ergeben. Folgte die Wissenschaft dem Anspruch, die Natur beispielsweise durch Technologie zu beherrschen, so legitimierte sie auf diesem Weg zum einen die koloniale Herrschaft, gefährdete diese aber zum anderen, sofern es ihr nicht gelang, ihre Autorität zu verteidigen. Das koloniale Vermächtnis, die Natur erobern zu können und gestalten zu müssen, hat einen besonders langen Schatten bis in unsere Zeit geworfen. Indem Edward J. Gillin in seinem vorzüglichen Buch argumentiert, das Wissen über die Magnetfelder der Erde zu erlangen, komme diesen Eroberungsfantasien besonders nahe, präsentiert er ein Feld, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stark von den Briten dominiert wurde.

Auf der Grundlage einer reichen Quellenlage illustriert die Studie, wie die imperiale Sichtweise auf die Natur und deren Verfügbarkeit und Kontrolle mit Expansion und Beherrschungswillen verflochten waren. Die Logik des „age of imperialism“ war der Logik von Erfolg und Fortschritt geschuldet sowie der Erwartung auf eine unbegrenzte Verfügbarkeit über die Ressourcen der Erde. Deren Erschließung lag somit die Identifikation von Forschung und Forschungsexpeditionen mit dem British Empire zugrunde. Neben zahlreichen anderen Beispielen führt Gillian den dramatischen Fall von John Franklin an, der in Kanada auf der Suche der Nordwestpassage 1847 zur Verkürzung des Seewegs nach Asien tragisch ums Leben kam. Unter seinen Gegenständen, die später gefunden wurden, befand sich auch ein Neigungskreis zur Messung magnetischer Daten in der Polarregion. Die Messergebnisse sollten zur Verbesserung der Schiffsnavigation beitragen. Angefertigt worden war das Messgerät von Thomas Charles Robinson.

Noch legendärer als die Londoner Instrumente von Robinson wurden allerdings jene von Robert Were Fox in Cornwall, dessen Nachlässe in Cambridge, Oxford und vielen anderen Archiven von Gillin mit großer Sorgfalt erfasst worden sind. Die Instrumente und ihre Geschichte in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken, ist naheliegender, als zunächst erscheinen mag. Denn ihre Materialität gibt Einblick in die viktorianische Kultur der Heldenverehrung. Demnach stellten sich Einzelne wie Franklin in den Dienst von Queen und Country, bekundeten ihre Opferbereitschaft für das Empire und hinterließen mit ihren Messinstrumenten und anderen wissenschaftlichen Geräten Spuren im Kolonialreich, die wie wenige andere die koloniale Expansion als Zivilisierungsmission begreifen ließen. Entsprechend wurden sie von den Viktorianern gleichsam religiös überhöht.

Mit ähnlicher Präzision und Liebe zum Detail, mit der seinerzeit die fragilen Instrumente hergestellt und stetig verbessert wurden, widmet sich Gillin seinem Thema. Die geschickte Verknüpfung von materieller Geschichte und der Regionalgeschichte der Grafschaft Cornwall als einem britischen Zentrum für die Produktion höchst komplizierter Messgeräte fügt seine faszinierende Untersuchung in den größeren Zusammenhang der maritimen Erfassung der Welt durch die Royal Navy. Letzten Endes beauftragte nämlich die Navy Instrumentenmacher wie Fox und Offiziere wie Franklin mit der gleichen Aufgabe, dass sie dank des kontinuierlich verfeinerten Wissens über die magnetischen Kräftefelder der Erde sowohl eine Versicherheitlichung als auch die Beschleunigung des Schiffsverkehrs bewirkten.

Die Hafenstadt Falmouth an der Südostküste Cornwalls, bekannt für ihren Bergbau und als Ausgangs- und Zielort vieler Weltumsegelungen, wurde zu einer wichtigen Anlaufstelle sowohl für einzelne Forscher und Ingenieure als auch für die Expeditionsschiffe vor oder nach ihrem Aufbruch. Von dem in den Minen erworbenen Wissen erwarteten sich die Instrumentenbauer Erkenntnisse für die Gestaltung ihrer Messgeräte, und Fox spielte sicherlich eine führende Rolle bei der Verfeinerung der Messdaten. Hier betont Gillin, dass die Erfolge bei der Verbesserung der Experimente und Techniken nicht lediglich auf die Labore und Institute zurückgingen. Vielmehr sei die enge Verbindung zur blühenden Kohle- und Eisenindustrie im jungen Dampfzeitalter die treibende Kraft gewesen.

In der Summe gelingt es Edward J. Gillin vorbildlich, die Lokalgeschichte der Kohleminen von Cornwall mit der Globalgeschichte des Empire zu verflechten. Weil die Royal Navy den Magnetismus der gesamten Erde erfassen wollte, machte sie sich Wissen auch über maritime Regionen zu eigen, die nicht zum Empire gehörten wie beispielsweise die Philippinen. Dies dokumentiert einmal mehr, dass die offizielle koloniale Herrschaft auf den „maps of empire“ anders eingezeichnet wurde, als sie der Realität entsprach. Aber zur Realität gehörten auch Schiffbruch und Katastrophen wie die von Franklin erfahrene, mithin ein von konstanter Unsicherheit geprägtes Empire. In diesen Spannungsfeldern schlugen die Kompassnadeln je nach Lage aus.

Online erschienen: 2025-12-01

© 2025 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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