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Rudolf J. Schlaffer, Deutsche Kriegführung. Militärische Spitzengliederungen von 1871 bis 2015. Stuttgart, Kohlhammer 2023

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Published/Copyright: December 1, 2025
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Rezensierte Publikation:

Rudolf J. Schlaffer, Deutsche Kriegführung. Militärische Spitzengliederungen von 1871 bis 2015. 2023 Kohlhammer Stuttgart, 978-3-17-043180-5, € 42,–


Der Titel irritiert zunächst: Unter „Kriegführung“ erwartet man eher die (operative) Führung von Kriegen als die Beschreibung der Spitzengliederungen. Der Autor – 1970 geboren, Offizier, 2006 mit einer Dissertation über den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages promoviert, Lehrbeauftragter am Historischen Institut der Universität Potsdam und seit 2021 Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr – möchte eine „fast 150 Jahre umfassende Längsschnittanalyse deutscher Militärgeschichte“ (S. 9) geben, vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis zur Bundesrepublik vor und nach 1990, mit einem Exkurs zur DDR.

Aus der Spannung zwischen der politischen Kontrolle über die Streitkräfte und deren effektiver Führung formuliert Schlaffer die Leitfrage nach dem Anteil der Spitzengliederung am Erfolg der jeweiligen Kriegführung (S. 18 f), wobei sich in beiden Weltkriegen der Mangel einer strategischen Planung und Koordination zeigte. Nach 1945 war die Festigung des „Primats der Politik“ in Teilen wichtiger als die militärische Schlagkraft.

Besonders wertvoll sind zwei Elemente dieser Studie: Einmal die ausführliche, massiv auf Primärquellen gestützte Organisationsgeschichte des Ministeriums der Verteidigung seit 1955, wobei der Autor auch die Spannungen zwischen ziviler Verwaltung und militärischem Apparat beleuchtet. Zum anderen sind die Überlegungen des Autors – eines Kenners des Systems – hinsichtlich sinnvoller politischer und militärischer Führungsstrukturen bemerkenswert, die sich wohl auch als Anregung verstehen.

Während die Organisationsstrukturen ausführlich behandelt werden, hätte man sich gerade für die neuere Zeit mehr Informationen über tatsächliche Entscheidungsfindungen gewünscht. Immerhin beteiligten sich deutsche Kontingente seit 1959 an humanitären Aktionen im Ausland (beginnend mit dem Transport von Medikamenten nach Marokko) und seit 1990 an militärischen Missionen. Hier beschränkt sich der Autor auf die Darstellung der gesetzlichen Regelungen: 1994 beendete das Bundesverfassungsgericht den bisherigen „Schwebezustand“, indem es auch Kampfeinsätze für legal erklärte (S. 42, 45 ff.). Das „Parlamentsbeteiligungsgesetz“ von 2005 regelte die Beteiligung des Bundestages an Auslandsentsendungen (S. 42).

Angesichts der Dichte der verwendeten Quellen und Literatur ist es verständlich, dass der Autor, wie er zu Beginn erklärt, auf einen internationalen Vergleich verzichtet hat (S. 24). Dieser könnte aber eine zusätzliche Dimension bieten – was auch als Anregung für künftige Arbeiten zu nehmen ist.

Zwei Punkte müssen kritisch erwähnt werden: Die Einteilung der einzelnen Kapitel in jeweils drei Unterabschnitte (Sinn-, Handlungs- und Akteurssysteme) führt zu Wiederholungen und Zeitsprüngen, die die Lektüre erschweren. Und die Begründung dafür, die neueste Zeit (1990–2015) als „problemorientierte[n] Einstieg“ (S. 19) vor die übrigen, chronologisch geordneten Kapitel zu reihen, überzeugt nur bedingt.

In seiner der Arbeit vorangestellten Danksagung warnt der Autor künftige Leserinnen und Leser, diese müssten „vermutlich einen langen Atem haben“. Ja, das Buch ist stellenweise nicht leicht zu lesen, was auch der teils spröden Materie geschuldet ist. Die Lektüre lohnt dennoch und kann zu wertvollem Nachdenken über Fragen anregen, die in der traditionellen militärischen, aber auch politikwissenschaftlichen Literatur oft vernachlässigt werden.

Online erschienen: 2025-12-01

© 2025 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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  24. Jaime Curbera (Ed.), Inscriptiones Atticae Euclidis Anno Posteriores consilio et auctoritate academiae scientiarum Berolinensis et Bandenburgensis editae. Editio tertia. Pars VIII: Miscellanea. Fasciculus I: Defixiones Atticae. Berlin/Boston, De Gruyter 2024
  25. Julian Degen / Hilmar Klinkott / Robert Rollinger et al. (Eds.), Ancient Worlds in Perspective. Contextualizing Herodotus. (Philippika – Altertumswissenschaftliche Abhandlungen / Contributions to the Study of Ancient World Cultures, Vol. 150.) Wiesbaden, Harrassowitz 2024
  26. Christopher J. Joyce, Amnesty and Reconciliation in Late Fifth-Century Athens. The Rule of Law under Restored Democracy. Edinburgh, Edinburgh University Press 2022
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  40. Elise Boillet / Ian Johnson (Eds.), Religious Transformations in New Communities of Interpretation in Europe (1350–1570). Bridging the Historiographical Divides. (New Communities of Interpretation, Vol. 3.) Turnhout, Brepols 2023
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  43. Elizabeth Harding / Joëlle Weis (Hrsg.), Gelistete Dinge. Objekte und Listen in der Frühen Neuzeit. (Ding, Materialität, Geschichte, Bd. 6.) Köln, Böhlau 2024
  44. Ute Frietsch, Epistemischer Wandel. Eine Geschichte der Alchemie in der Frühen Neuzeit. Paderborn, Fink 2023
  45. Susangeline Yalili Patrick, Art as a Pathway to God. A Historical-Theological Study of the Jesuit Mission to China, 1552–1773. Leiden, Brill 2024
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  48. Arunima Datta, Waiting on Empire. A History of Indian Travelling Ayahs in Britain. Oxford, Oxford University Press 2023
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