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Quellen des Nahöstlichen Antisemitismus

  • Herbert Landolin Müller

    Leitender Regierungsdirektor a. D., Historiker und Islamwissenschaftler und von 2001 bis 2021 Leiter der Abteilung für internationalen Terrorismus und Extremismus beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg. Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen, umfangreiche Vortragstätigkeit sowie Veröffentlichungen zum Islamismus auch im benachbarten Ausland

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Veröffentlicht/Copyright: 29. November 2024

Kurzfassung

Der Massenmord vom 7. Oktober 2023, die militärischen Reaktionen Israels sowie das weltweite Echo auf beide Vorgänge haben Manifestationen der Judenfeindschaft gezeitigt. Damit stellt sich zum wiederholten Mal das Problem antijüdischer und antisemitischer Tendenzen innerhalb migrantischer Gemeinschaften, die aus islamischen Ländern stammen. Die Interpretationen unterschiedlicher politischer Lager wie sich teils stark widersprechende akademische Deutungen zur Entstehung eines manifesten Antisemitismus zwischen dem Maghreb und Malaysia sind für interessierte Laien teilweise schwer nachvollziehbar. Hier soll ein Versuch unternommen werden, antijüdische Tendenzen innerhalb islamischer Machtbereiche der Vormoderne sowie deren Einbeziehung in antisemitische Narrative europäischen Ursprungs in der jüngeren Geschichte nachzuzeichnen.

Abstract

The mass murder of October 7, 2023, Israel’s military reactions, and the worldwide echo of both events have produced manifestations of anti-Semitism. This once again raises the problem of anti-Jewish and anti-Semitic tendencies within migrant communities originating from Islamic countries. The interpretations of different political camps as well as sometimes strongly contradictory academic interpretations of the emergence of manifest anti-Semitism between the Maghreb and Malaysia are sometimes difficult to understand for interested laymen. An attempt will be made here to trace anti-Jewish tendencies within Islamic spheres of influence of the pre-modern era as well as their inclusion in anti-Semitic narratives of European origin in recent history.

1 Einleitung

Der 7. Oktober 2023 und seine Folgen in Israel, Gaza sowie in den meisten Ländern dieser Welt haben wieder eine Frage aufgeworfen, die jeden Beobachter der Geschehnisse am östlichen Mittelmeer umtreibt: woher kommt dieser Hass auf Israel, auf „die Zionisten“, „die Juden“? Für manche Zeitgenossen stellt sich diese Frage ganz und gar nicht. Sie sehen in Gaza nichts als eine größere Haftanstalt, und manch einer stellt ungehemmt Vergleiche mit den Ghettos der Nationalsozialisten an. Hilfreich sind solche Ausbrüche nicht. Leider hört man diese Argumente immer mehr auf der „Straße“ sowie auch in deutschen Bildungseinrichtungen.

Im Folgenden soll dieser Fragestellung mit der notwendigen Differenziertheit nachgegangen werden. In einem ersten Schritt wird die wissenschaftliche und politische Diskussion zu dieser Fragestellung wiedergegeben. Diese ergibt keinesfalls ein einheitliches Bild. Gängige Thesen und Ansichten werden dargestellt und abgewogen, wobei unterschiedliche Wissenschaften einbezogen werden. Aus diesem Diskurs werden zwei Hauptthesen abstrahiert: Zum einen die These, wonach es unter muslimischer Herrschaft im Nahen Osten und Nordafrika eine jahrhundertelange friedliche Koexistenz zwischen Muslimen und Juden gegeben habe, die erst infolge der beiden Weltkriege und der Gründung des Staates Israel zerbrochen sei. Zum Zweiten die These, wonach der heutige Antisemitismus unter Arabern und Moslems die Folge der Einwirkung europäischer antisemitischer Narrative gewesen sei, insbesondere der Nationalsozialisten während des Dritten Reiches. Beide Thesen werden unter Zuhilfenahme von einschlägiger Literatur und historischen Analysen einer Prüfung unterzogen. Dabei gilt es schnelle Schuldzuweisungen und plakative Behauptungen zu vermeiden.

2 Einigkeit in der Divergenz – die wissenschaftliche Befassung mit dem Antisemitismus in der islamischen Welt

Will man Antworten auf die oben gestellten Fragen in der wissenschaftlichen Diskussion finden, so wird man beim Nachforschen in den einschlägigen akademischen Fächern eher verwirrt denn aufgeklärt. Bei den Vertretern der Islamwissenschaft – eine Bezeichnung, die nicht wenige Laien zu falschen Vermutungen führt – ist festzustellen, dass „eine grundsätzliche Sympathie mit der palästinensischen Nationalbewegung weit verbreitet“ ist.[1] Zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage trägt diese Wissenschaft insofern nicht viel bei. Bei manchen Vertretern der Islamwissenschaft muss auch vermutet werden, dass eine gewisse Furcht vor möglichen Reaktionen aus dem Bereich des organisierten Islam zu einer generellen Vorsicht beiträgt. So vermeidet man jenen Ärger, wie ihn sich die Anthropologin Florence Bergeaud-Blackler einfing, die mit ihren Thesen zum frérisme von den Apologeten der Muslimbruderschaft zur Reinkarnation des Antisemiten Édouard Drumont ausgerufen wurde.[2] Es dürften also nicht nur fachliche Erwägungen eine Rolle spielen, wenn ein Buch wie „Die Juden im Koran“ auf kritische Distanz in den Fachkreisen stößt.[3] Es hat aber auch viel mit einem Willen zur Vorstellung einer Welt zu tun, die man sich nicht zerstören lassen will. Wer anders argumentiert, läuft in Gefahr von Kollegen, von Islamisten oder von Linken der „Islamophobie“ verdächtigt zu werden.[4]

Spiegelbildlich scheint es bei den Jüdischen Studien zuzugehen. Konfliktträchtigen Themen wird oft ausgewichen, „um das interreligiöse Gespräch nicht zu stören.“[5] Eine Scheu vor Konflikten ist bei den Antisemitismus-Studien eher nicht gegeben. Hier lassen sich Frontlinien erkennen: ein „israelsolidarischer Flügel“ arbeitet sich ab an einer „wissenschaftlichen Unterfütterung der international kaum beachteten Sonderthese, dass der nationalsozialistische Judenhass in große Teile der arabischen und islamischen Welt übertragen worden sei.“[6] In Reaktion auf diese Tendenz hat sich das Zentrum für Antisemitismus-Studien (ZfA) der TU-Berlin entschieden, nicht mehr zum Nahen Osten zu arbeiten.[7] Vielleicht liegt das auch an dem Umstand, dass die Forscher, vormals um Wolfgang Benz, sich eher darauf kaprizieren, ihren Anspruch auf Deutungsmacht bei dem Begriff „Antisemitismus“ und dem unbestimmten Konstrukt „Islamophobie“ durchzusetzen.[8]

Geht man über Islamwissenschaft und Antisemitismusforschung hinaus, so gelangt man zu der Feststellung, dass die Vertreter der Wissenschaft bei den Themen „nichteuropäische Judenfeindschaft“, „Antizionismus“ und „Antisemitismus“ tief gespalten sind. Die Zeiten, wo die Einmaligkeit des Holocaust als gesichert galt, sind in der wissenschaftlichen Debatte vorbei. Das Niveau dieses Diskurses sinkt deutlich ab. Im Sinne des Postkolonialismus wird der Holocaust relativiert[9] und Bewunderer der Mörder vom 7. Oktober werden in Berlin als Kronzeugen für das repressive Klima gegen Palästinenser, Araber und Muslime herangezogen.[10] Eine sachliche Diskussion der Ereignisse, ihrer Vorgeschichte, die Rolle von Vordenkern, Ideologien, des geistigen Überbaus ist unter diesen Umständen kaum zu erwarten.

Eine in diesem Zusammenhang immer wieder zitierte Hypothese ist die des „islamisierten Antisemitismus.“[11]Der Begriff des islamisierten Antisemitismus ist in jeder Hinsicht artifiziell. Er soll irgendwie anzudeuten, dass die Verachtung von Juden im heutigen Islam keineswegs seine Begründung in der Religion des Islam findet, sondern dass es sich essentiell um ein von außen herangetragenes oder aufgenommenes Phänomen handelt. Bereits im Jahr 2000, nach dem Anschlag auf zwei Synagogen, bei deren Urhebern es sich nicht um – vermutete – Rechtsextremisten handelte, sondern um Jugendliche arabischer Herkunft, ging der polarisierte Diskurs entweder dahin, „eine Bündelung von Rechtsextremismus und nahöstlichem Fanatismus“ zu beschwören oder zu postulieren, dass „Muslime als Unterstützer dieser Gewalttaten … eigentlich undenkbar“ seien. Schon damals wurde vor einer „Verlagerung der Verantwortung für den Antisemitismus des 20. Jahrhunderts aus Europa und Deutschland, wo sie im Wesentlichen hingehöre, in die arabische Welt“ gewarnt.[12] In unseren Tagen läuft diese Auseinandersetzung unter dem Stichwort „importierter Antisemitismus“ in den Feuilletons, weitgehend erfolglos, da sie in der Aufklärung des eigentlichen Problems nicht weiterführt. Geradezu beispielhaft erscheinen hier die „Erklärungen“ der Bundestagsabgeordneten Lamya Kaddor zu pro-palästinensischen Demonstranten. Diese seien „Wutbürger“ ohne tiefergehende Kenntnisse über den Nahost-Konflikt, die nur ein Ventil gefunden hätten für die Demütigungen, die sie in Deutschland erlebten: „gescheiterte Integrationspolitik, gescheiterte Möglichkeiten der Teilhabe. Vielleicht haben sie Rassismus erlebt.“[13]

Auch Bernard Lewis sei hier erwähnt, der in seinen Werken zum Judentum im islamischen Kulturkreis immer zwischen den erträglicheren Verhältnissen für Juden dort und den nachhaltig erbärmlicheren Zuständen in Europa differenzierte. Er stellte allerdings fest, dass in der heutigen Zeit Antisemitismus in der islamischen Welt „einen festen Bestandteil des intellektuellen Lebens darstellt, nahezu genau so sehr wie in Nazi-Deutschland, und viel mehr als im Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.“[14] Lewis sah diese Entwicklung allerdings als Ausfluss des arabisch-israelischen Konfliktes. Judenhass sei Bestandteil einer zynischen Propaganda, ein Machtinstrument von Regierungen, die dazu griffen, weil es ihnen nützlich erschien. Die Gesellschaften in diesen Ländern erscheinen in dieser Deutung eher passiv, rezeptiv. Dieser Deutung widersprach zu Recht Robert Wistrich. Ausgehend von einer Widerlegung der These, der zufolge Araber als „Semiten“ keine Antisemiten sein könnten, zeigte er die offensichtlichen Einflüsse in der jüngsten Geschichte auf die arabische Welt auf: die Propaganda der Nationalsozialisten, die Rolle Hağğ Amīn al-Ḥusaynīs, die Rezeption der „Protokolle der Weisen von Zion“ und die unterschiedslose Benutzung der Begriffe „Jude“ und „Zionist“ in stigmatisierender Absicht. Er konstatiert eine Flut erniedrigender und ekelhafter Bilder der Juden und des Judentums, „sowohl in den Staatsmedien als auch in den Medien der Opposition, den populären oder universitären Publikationen, den Fernsehsendungen, in den Karikaturen und in den religiösen Kassettenaufnahmen, die schon lange jede Grenze zwischen Antizionismus und Antisemitismus aufgehoben haben. Die Lawine toxischer Darstellungen, mündlich oder in Bildern, erstreckt sich von Marokko bis zu den Golfstaaten und nach Iran; sie ist ebenso virulent in sogenannten ‚gemäßigten‘ Ländern wie Ägypten wie in den offen feindseligen arabischen Staaten wie Irak, Libyen und Syrien.“[15]

Gerade vor dem Hintergrund der völlig zerrütteten „islamisch-jüdischen Beziehungen“ geht Wistrich davon aus, dass dieser Antisemitismus in seiner Heftigkeit relativ neu in der arabischen Kultur und der islamischen im Allgemeinen sei. Zuvor habe es in der Geschichte islamisch-jüdischen Zusammenlebens Zeiten des Friedens gegeben, allerdings unterbrochen von Phasen gewaltsamer Konflikte. Keime dieser historischen und zeitgenössischen Haltung gegen Juden wären im Qur’ān wie in anderen islamischen Quellen auffindbar.[16] Wistrich kündigt allerdings auch dezente Zweifel an einer Erzählung an, die sich sowohl im wissenschaftlichen Diskurs als auch in der politischen Instrumentalisierung desselben gehalten hat und die in dem nachfolgenden Zitat von Tariq Ali ihren Ausdruck findet „Wenn überhaupt, dann kann man sagen, dass es vom 8. bis zum 19. Jahrhundert eine islamisch-jüdische Zivilisation gab, die sich über die Iberische Halbinsel erstreckte, die arabische Welt selbst, Persien und die osmanischen Länder. Die christliche Rückeroberung Portugals und Spaniens führte zu Zwangsbekehrungen und Vertreibungen von Juden und Muslimen. Zehntausende Juden fanden Zuflucht im muslimischen Nordafrika und im Osmanischen Reich.“[17]

Die gewaltsame Konfrontation zwischen der palästinensischen Ḥamās, dem israelfeindlichen Iran (nicht zu vergessen dessen weiterer terroristisch-militärischer Arm Hizbullah) und dem Staat Israel haben diese Erzählung einer islamisch-jüdischen Zivilisation endgültig obsolet werden lassen. Gilles Kepel hat das in einem Interview wie folgt erklärt: „Der Angriff vom 7. Oktober, seine Gewalt und Grausamkeit kommen nicht ohne religiöse Konnotationen aus. Der Angriff der Hamas zieht eine sehr starke islamische Legitimation nach sich. Sie erinnert daran, wie der Prophet im Jahre 628 die jüdische Oase Chaibar zerstörte, bevor er mit der Eroberung von Mekka begann. In der heiligen Geschichte des Propheten wird diese Schlacht mit einer intensiven Grausamkeit dargestellt, die zeigen soll, dass Menschen, die die muslimische Offenbarung nicht annehmen, hart bestraft werden. Das fand seine Fortsetzung bei (dem islamistischen Fernsehprediger) Yûsuf al-Qaradāwī und den anderen, die immer sagten: Terrorismus im Islam ist erlaubt, wenn es Terror um Gottes Willen ist.“[18]

Zwischen den Jahren 628 und 2024 unserer Zeitrechnung hat sich allerdings einiges mehr zugetragen zwischen den Angehörigen der Offenbarungsreligionen. Prediger wie der genannte Qaradāwī beziehen sich auf „Gottes Willen“ und nicht auf Ideologien, die von Kolonialisten, Europäern in jüngster Vergangenheit in die muslimische Welt hineingetragen worden sind. „Gottes Willen“ erschließt sich für Rechtsgelehrte aus der göttlichen Offenbarung, dem Qur’ān, sowie den als authentisch befundenen Traditionen zum Leben des Gesandten Gottes, der Sunna wie der Biographie Muhammads selbst.[19] Viel ist in den vergangenen Jahrzehnten über die positiven Äußerungen zu Nichtmuslimen in diesen grundlegenden Schriften, namentlich Juden und Christen als „Schriftbesitzer“, geschrieben worden. Doch es muss festgehalten werden, dass damit die in eben diesen Schriften enthaltenen problematischen Überlieferungen nicht wegzudiskutieren sind. Hiermit wird nicht gesagt, dass davon auszugehen ist, dass wir es in den vom Islam geprägten Zivilisationen mit einem homogenen Block, bevölkert von einem homo islamicus zu tun hätten, der penibel den Normen einer sich im Einklang befindlichen Orthodoxie entspräche. Wir haben es auch nicht mit einer „Verfolgungsgesellschaft“ zu tun, die Mark R. Cohen spätestens seit dem 13. Jahrhundert für die christlich beherrschten Länder konstatiert haben will.[20] Juden wie Christen standen allerdings im Ruch religiöser Minderwertigkeit, genossen als dhimmīs einen gewissen Schutz, ein gewisses Maß an Sicherheit, was sie allerdings nicht vor Demütigungen und verächtlichen Behandlungen bewahrte. Selbst die Überwindung von Hierarchien, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben mit Muslimen der gleichen sozialen Schicht, war temporär möglich. Doch die Gefahr, sich den Zorn der dominierenden Gruppe zuzuziehen und sich der Verfolgung auszusetzen, war stets gegeben. Mit der Verfolgung durch die Almohaden, die Bedrückung der Juden im Jemen, kündigte sich, so Cohen, für den Arzt und Gelehrten Maimonides ein Umbruch an. Für sephardische Flüchtlinge aus Andalusien ins nördliche Spanien habe gegolten: „Lieber unter Edom [Christenheit] als unter Ismael [Islam] leben.“[21] Thomas Bauer hat für die über tausend Jahre arabisch-islamischer Gesellschaften den Begriff der Ambiguitätstoleranz benutzt. Aber dieser Begriff ist auch nicht sehr hilfreich. Wenn es dieses Phänomen gegeben hat, dann war es weder zeitlich noch räumlich stark ausgeprägt. Der Begriff trägt nichts zum Verständnis der heutigen Zeit bei.[22]

Die bisherigen Ausführungen haben eines erkennen lassen. Es gibt eine Vielzahl von Hypothesen und Annahmen, von denen viele eher das Produkt von Voreingenommenheit und mangelnder Differenzierungsfähigkeit sind. Aber es schälen sich zwei Hypothesen heraus, die näher zu verfolgen sich lohnt: die eine Hypothese betont, dass in den Jahrhunderten der moslemischen Vorherrschaft im Nahen Osten und in Nordafrika (der Dhimma) Juden ein auskömmliches Leben führen konnten. Erst die Gründung des Staates Israel habe das Zusammenleben zerbrochen. Die andere Hypothese geht davon aus, dass Antisemitismus erst durch Kontakt mit Europa, insbesondere aber mit den Nationalsozialisten in die arabische und weitere moslemische Welt gekommen sei. Beide Hypothesen werden im Folgenden näher beleuchtet und kritisch diskutiert.

3 Die Dhimma: Unwägbarkeiten religiöser Toleranz

In der Biographie des Propheten Muḥammad treffen wir schon früh auf Juden. Nicht erst in der Phase in Madīna, dem Ausgangspunkt seiner politisch-militärischen Karriere, wird über Vertreter der älteren monotheistischen Religion berichtet. Einerseits dienen sie dazu, das Prophetentum Muḥammads zu bezeugen, andererseits werden sie bereits sehr früh übel beleumundet. Dem christlichen Mönch Baḥīrā, der die Auserwähltheit des jungen Arabers erkennt, ermahnt dessen Begleiter ausdrücklich, den Juden zu misstrauen.[23] Und jene, die in den weiteren Berichten folgen, scheinen diese charakterlichen Schwächen zu bestätigen. In Madīna stellen sich die dortigen Juden für Muḥammad als ein beträchtliches Ärgernis dar. Mit seiner Botschaft kann er sie nicht beeindrucken, sie halten nicht nur an ihren tradierten Vorstellungen fest, sondern feinden ihn an. Für ihn werden sie zu „Widersachern Allahs.“[24] Aber aus ihrem Kreis heraus wird nicht nur seine Legitimation in Frage gestellt, sondern auch als Person der Lächerlichkeit preisgegeben.[25] Spottverse, auch indezente, waren der Anlass, dass Gefolgsleute des Gesandten eine jüdische Dichterin ʿAsmā’ bt. Marwān und Kaʿb b. Ašraf meuchelten. Im Gefolge seiner militärischen Erfolge ergibt sich für Muḥammad die Gelegenheit, die Konfrontation mit den jüdischen Stämmen Madīnas zu wagen. Deren zwei werden vertrieben, ihre Habe konfisziert, bei dem dritten Stamm, den Banû Quraiza, endet die Auseinandersetzung in einer Katastrophe: Die Männer werden hingerichtet, Frauen und Kinder gefangengenommen und samt den Besitztümern als Beute verteilt.[26] Im Juli 628 wurde die Oase Chaibar, die von Juden bewohnt war, angegriffen: Über das Morden wird bis in Einzelheiten hinein berichtet, die ausgeplünderten Überlebenden hatten für die Gewährung von Sicherheit auf Leib und Leben künftig Abgaben zu entrichten.[27] In diesem Zusammenhang wird auch davon berichtet, dass eine Frau, eine Verwandte von getöteten Verteidigern der Oase, versucht habe, Muḥammad zu vergiften. Die Folgen dieses Anschlags habe er niemals völlig überwunden.[28]

In den Gründungsdokumenten und in den diese ergänzenden wie erläuternden Schriften einschließlich der Vita des Propheten, die zum Teil erst im 8. Jahrhundert entstanden sind, sind die Referenzen „der Juden“ daher denkbar schlecht. Wenn aber ihre Lage als Dhimmīs – allerdings nur im Vergleich mit Europa – als erträglich geschildert werden kann, so wird dabei eines vergessen, dass selbst bei einer zu Glanzzeiten kulturellen Symbiose Juden „einem auf Demütigung und Inferiorität gegründeten Personenstatus unterworfen waren. Und aufgrund dieses Umstands trifft der Begriff vom ‚Pariahvolk‘ […] auf die jüdischen Minderheiten der arabisch-muslimischen Welt zu, einschließlich jener Jahrzehnte, in denen die jüdisch-muslimische Koexistenz sich auf ihrem Zenit befand. In Anbetracht all dessen muss man letzten Endes zu dem Schluss kommen, dass das Los der jüdischen Minderheiten unter dem Islam sich nicht grundsätzlich vom Status der Juden unter dem Kreuz unterschieden hat.“[29]

Dies ist sicherlich ein hartes Urteil, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Lebensumstände jüdischer Gemeinschaften zwischen der iberischen Halbinsel und Mittelasien höchst unterschiedlich waren. Prosperität und Freiheit von Verfolgung waren abhängig von den jeweiligen örtlichen oder regionalen politischen und sozialen Entwicklungen. In der Frühzeit der Ausbreitung wie Konsolidierung islamischer Herrschaft sowie in den ersten Jahrhunderten der Etablierung und Verfestigung einer Dogmatik stand eine Minderheit wie die Juden nicht im Zentrum der Wahrnehmung. Wo sie sich wahrscheinlich als „jüdische Berber“[30] wie unter Leitung der sagenhaften Kāhina in Nordafrika den Eroberern in erbittertem Widerstand entgegenstellten, erlitten sie dasselbe Schicksal wie andere militärische Gegner.[31] Zwar mag die Befreiung vom byzantinischen Joch gewisse Vorteile mit sich gebracht haben, doch gerade die Kāhina weist mit ihrem Widerstand darauf hin, dass die judaisierten Berber im Gegensatz zu späteren Historikern nicht durchgängig die Chancen einer „jüdisch-muslimischen Zivilisation“ als gegeben sahen.[32] Man wird deshalb vorsichtiger bei der Deutung der Zusammenhänge in derart langen Perioden der Geschichte sein müssen.

Die sogenannten „Bedingungen des ʿUmar“ als Kodifizierung der Pflichten von Nichtmuslimen sind keineswegs als ein hypothetisches Element zu bewerten, wie Lacassange schreibt.[33] Sie können auch nicht auf die Kalifen gleichen Namens, ʿUmar Ibn al-Chattāb (592–644) bzw. ʿUmar Ibn ʿAbd al-ʿAzīz (680–720) zurückzuführen sein und haben erst in späterer Zeit ihre endgültige Form gefunden. Eine Kodifizierung von „Privilegien“ sind sie keineswegs. Vielmehr setzen sie Normen für fremde Religionsgemeinschaften fest, die, wenn sie schon nicht wie die Juden des Ḥiğāz vertrieben werden können, sich vom „arabisch-islamischen „Staatsvolk deutlich abheben“ müssen.[34] 1516 legte man dem osmanischen Herrscher Selim I. ein entsprechendes Dokument vor und „er bestätigte es – echt oder nicht, man behandelte es als echt.“[35] Ein Nicht-Muslim hatte unter diesen Bedingungen

  1. Jedem reisenden Muslim eine Gastfreundschaft von drei Tagen zu gewähren.

  2. Während der Gebete darf man nicht das Semantron (nāqûs [hölzernes Schlagbrett, Stundentrommel]) schlagen oder die Stimme erheben.

  3. Es dürfen keine neuen Kultgebäude errichtet werden; man muss sich darauf beschränken, die vom Verfall bedrohten instand zu setzen, ohne sie zu vergrößern.

  4. Man muss vermeiden, sich in von Muslimen bewohnten Vierteln mit seinen Religionsgenossen zu versammeln.

  5. Man darf seinen Glauben nicht ausstellen, und auch nicht zu ihm einzuladen.

  6. Man sollte nicht den Koran studieren, und ihn auch nicht die eigenen Kinder lehren. Konversionen zum Islam sind aber nicht zu verhindern.

  7. Man soll den Muslimen nicht zu sehr ähneln bezüglich der Kleidung, der Erscheinung und auch was die Reittiere betrifft.

  8. Man muss an der Taille ein Erkennungszeichen tragen.

  9. Man darf keinen Sattel als Sitz auf seinem Reittier benutzen.

  10. Man muss die Muslime ehren und respektieren und sich in ihrer Anwesenheit erheben.

  11. Man darf kein Haus errichten, welches über die der Gläubigen hinausragt, damit man nicht auf sie herabsehe. Man darf auch keine Waffen besitzen und keinen Säbel tragen.

  12. Man darf keine muslimischen Sklaven besitzen oder solche, die zuvor Muslimen gehört haben.”[36]

Eine Strafformel beschließt die Aufstellung. Jeder Verstoß gegen eine der Klauseln führt zum Verlust des Schutzes und der der Verletzung Überführte muss als „Aufrührer und Rebell“ die Todesstrafe gewärtigen.[37]

Die Erniedrigung konnte also alltäglich sein. Die jährliche Zahlung der Kopfsteuer ging in der Regel nicht ohne demütigende Zeremonien ab, für die Armen und nahezu Mittellosen musste die Religionsgemeinschaft das Geld aufbringen. Es konnte auch vorkommen, dass Machthaber die Höhe der Kopfsteuer willkürlich erhöhten. Mark R. Cohen sieht in diesem Verfahren indes noch ein beträchtliches Maß an Rechtssicherheit, die er in der Gewährung von „Privilegien“ durch europäische Potentaten nicht erkennen kann.[38] Aber der Umstand, dass zeitweise Kleidervorschriften als „sichtbare Grenzen“ zwischen Muslimen und allen Nicht-Muslimen[39] lax ausgelegt, ja mit einer „gewissen Liberalität“ ausgelegt werden konnten, weist eher darauf hin, dass dieser Ausdruck von „Ambiguitätstoleranz“ stark von den jeweils handelnden Personen und sozio-ökonomischen Verhältnissen abhing, also durchaus von fragiler Natur war. Ein geradezu paradoxes Beispiel hierfür wären die Christen- und Judenverfolgungen des fatimidischen Herrschers al-Ḥākim (996–1021), bei dem man allerdings nicht weiß, ob seine Befehle zur Zerstörung von Synagogen und Kirchen unter Bedingungen vollständiger geistiger Zurechnungsfähigkeit fielen.[40] Hier haben wir es nicht mit einem dezidierten Vorgehen gegen Juden an sich zu tun, sondern eine Verfolgung von Nichtmuslimen insgesamt. Etwas anders erscheinen Verfolgungsmaßnahmen auf der iberischen Halbinsel.

Es gibt eine Reihe von Berichten über Pogrome an Juden, wie etwa das von Granada im Jahr 1066.[41] Es fällt allerdings schwer, diese Pogrome und andere Vorfälle immer in ein Schema zu pressen, an dem sich das Verhältnis der drei Religionen unter muslimischer Dominanz beschreiben lässt. Wir können nach Europa, Nordafrika, Vorder- und Mittelasien aus unterschiedlichen Aspekten blicken, aber „Islam“ wie „Christenheit“ als homogene „hierarchische Gesellschaften“ lassen sich per se nicht finden. Wir können idealtypische Strukturen beschreiben, doch sie werden keineswegs den Regionen, den sich verändernden materiellen wie rechtlichen Strukturen der islamischen Entitäten[42] wie den unterschiedlichen Menschen gerecht, mögen die sich auch als Christen, Muslime oder Juden bezeichnen. Der Pöbel, wie auch bewaffnete Kämpfer bedurften der Motivation, der Aufhetzung und solange man die jeweiligen Umstände nicht kennt, fällt es schwer Aussagen über das Zusammenleben von Moslems, Juden und Christen zu treffen, die in ihrer Allgemeinheit über Jahrhunderte Bestand haben. Gerade die damaligen Vorgänge in Granada lassen erkennen, dass die Frontlinien nicht exakt an den konfessionellen und ethnischen Grenzen verliefen. Andere gewaltsame Verfolgungen gegen Juden hat es 1010 und 1013 in Cordoba gegeben. Hier traf es auch die Juden im Verlauf von chaotischen und selbstmörderischen Kämpfen unter Muslimen, ein Berber-Heerführer führte einen Angriff auf die Stadt, ließ Behausungen zerstören, Lager plündern und die Menschen selbst töten oder vertreiben.[43]

In diesen und anderen Episoden aus dem Andalusien des 11. Jahrhunderts wird ersichtlich, wie stark friedliches Zusammenleben und Prosperität für Juden, bzw. deren Funktionseliten, von Herrschern abhing, die sich von kontroverstheologischen Thesen der Rechtsgelehrten nicht beeindrucken ließen, sondern die Staatsgeschäfte vorurteilsfrei einem Befähigten überließen. Oft trauten sie als Berber den Arabern nicht oder sie verschafften sich Freiräume für angenehmere Beschäftigungen.[44] Nicht weniger komplex zeigt sich die Frage nach der Schwere und Begründung der Verfolgung durch die Almoraviden[45] und Almohaden[46] im 12. Jahrhundert. Unter den Ersteren „gab es nur selten gezielte Verfolgungen. Und wenn es dazu kam […] waren sie darauf bedacht, ihr Vorgehen mit dem islamischen Recht zu rechtfertigen.“[47] Muslime, die nicht mit den von der Dynastie vertretenen Dogmen übereinstimmten, bekamen deren Rigidität ebenfalls zu spüren. Ähnliches lässt sich bei den Almohaden feststellen, deren Politik nach Auffassung eines Religionswissenschaftlers nicht per se als antichristlich oder antijüdisch einzuschätzen sei. Ibn Tûmart, der Begründer der Bewegung, habe eine „revolutionäre“ Spielart des Monotheismus geschaffen, die weder einem Muslim, Christen oder Juden eine andere Möglichkeit einräumte als ein „Bekenner der Einheit Gottes“ zu werden.[48] Fragwürdig erscheint diese Interpretation, wenn ein seinen Gebräuchen treuer Muslim sich als Häretiker, ein Christ wie ein Jude sich als Götzenanbeter diffamiert sehen.[49] Die Opfer dieser Verfolgung haben mit einiger Wahrscheinlichkeit einer solchen Deutung widersprochen, wie es die Klage von Moses Maimonides (Mosche bin Maimon; 1135–1204) über seine Flucht unter einem niemals nachlassenden Druck belegt.[50]

Es wäre unter diesem Gesichtspunkt angemessen, bei allen Höhen und Tiefen, insbesondere bei den Fällen der Kündigung des Schutzverhältnisses durch islamische Herrscher, genau hinzusehen. Das würde den Rahmen dieser Darstellung sprengen, denn „dies war zum Beispiel der Fall unter den Umayyaden,[51] unter den Abbasiden,[52] unter den Fatimiden[53] und unter den Mamluken.[54] Reihum haben der Maghreb, Persien, Anatolien und der Jemen Wellen religiöser Verfolgung erlebt.“[55] Selbst im Osmanischen Imperium, in dessen Nachfolgestaat Politiker sich so viel auf die Toleranzpolitik gegenüber sephardischen Juden nach 1492 zugutehalten, muss bei der bis Ende des 16. Jahrhunderts anhaltenden spektakulär besseren Lage der Juden dort festgestellt werden, dass sie über eine „Position dauernder Inferiorität“ nicht hinauskamen.[56] Ab dem beginnenden Niedergang sollte die Situation der Juden prekärer werden, mit dem Auftreten der Europäer in der Levante als „Schutzmächte“ mit kolonialen Ambitionen sollten Elemente des Antijudaismus hinzukommen, die die Situation verschärften.

4 Kulturaustausch der negativen Art

Islamische Gesellschaften sind seit der Entstehung des Islam mit anderen Kulturen konfrontiert. Über das Phänomen von Akkulturation, Aneignung und Fortentwicklung ist eine unübersehbare Menge an Literatur entstanden, die sich meistens den positiven Aspekten widmen. Was das Thema „Antijudaismus“ angeht, konnten Muslime spätestens bei den Kreuzzügen den virulenten Judenhass der „fremden Franken“ aus der Nähe erfahren. Sie dürften aber auch schon die entsprechende Reservatio mentalis bei dem Romäern, den Byzantinern und somit den bekannten Verwandten der „Franken“ gekannt haben. Die Flucht tausender Juden vor Reconquista und Inquisition nach Nordafrika, nach Konstantinopel, Saloniki, Sarajewo und andere osmanische Städte unterstrich die Unduldsamkeit christlicher Staaten. Doch auch schon lange auf dem osmanischen Gebiet lebende christliche Gemeinschaften machten aus ihrer Judenfeindschaft keinen Hehl: 1530 erhoben armenische Priester und Notabeln in Amasya den Vorwurf des Ritualmordes an einem Kind, was nicht nur zur Plünderung des Judenviertels samt seiner Niederbrennung durch einen armenischen Mob führte, sondern auch ein Verfahren durch den osmanischen Statthalter auslöste. Im Rahmen dieses Verfahrens wurden führenden Personen der jüdischen Gemeinde Geständnisse abgepresst. Der angeblich ermordete Junge tauchte später wieder auf, die Verleumder wurden zur Rechenschaft gezogen, was allerdings den unschuldig Gehenkten nichts mehr half.[57] Dies verhinderte ähnliche Vorwürfe samt Gewaltausbrüchen in Tokat nicht. Die „Hohe Pforte“ selbst wollte sich fortan um diese abzulehnenden Diffamierungen kümmern. Sie scheinen allerdings in Gebieten mit christlichen Bewohnern virulent geblieben zu sein.[58] Allerdings gab es hier einige Unterschiede: Im 19. Jahrhundert gab es in katholischen Ländern kaum Pogrome, die mit dem Vorwurf des Ritualmordes begründet wurden. In allen Ländern der orthodoxen christlichen Religion, sowohl in Kontinentaleuropa als auch im Mittelmeerraum, war dieser Vorwurf allerdings häufig zu finden.[59]

Es bedurfte also nicht der Hetzkampagne von Mönchen und einem französischen Konsul in der „Damaskus-Affäre“ 1840, um die Verleumdung der Ritualmordlegende im Osmanischen Reich zu verbreiten. Der damalige Sultan verurteilte dieses infame Gerücht vehement, ein unter europäischem Einfluss entstandener Ferman[60] proklamierte zwar Rechte und Schutzbedürftigkeit der Juden im Reich, aber das tat der Virulenz der infamen Legende keinen Abbruch tat.[61] Ob Araber damals erstmalig mit dieser Anschuldigung in Berührung kommen, kann bezweifelt werden. Armenier – und andere christliche Denominationen – lebten nicht nur im Hinterland der Schwarzmeerküste wie in Amasya. Es ist davon auszugehen, dass diese Affäre und folgende, ähnliche Ereignisse die Ressentiments gegen Juden verstärkt hat. Erschwerend kommt hinzu, dass das Eingreifen von Europäern zur Aufhebung des erniedrigenden Zustandes von Juden im Osmanischen Reich als Affront aufgefasst wurde. Ausgerechnet die Vertreter jener Christenheit, die sich als Judenfeinde in Wort und Tat hervorgetan hatten, traten als Philanthropen auf und prangerten die schlechten Lebensumstände der Juden in islamischen Ländern an.[62]

Selbst ein Verächter der Juden wie Charles de Foucauld, der von Algerien aus Marokko erkundete, schilderte 1887 die prekären und unwürdigen Lebensverhältnisse, unter denen Juden in den der Zentralgewalt des Landes, der als Machzan bezeichneten Regierung des Sultans, entzogenen Gebieten zu leben hatten.[63] Andere Europäer berichteten zunehmend stereotyp von ähnlichen Erfahrungen[64] und es verwundert nicht, wenn jüdische Philanthropen über eine Organisation wie die Alliance Israélite Universelle oder den Holy Land Relief Fund nach Wegen suchten, die Situation von Glaubensbrüdern und -schwestern zu verbessern.[65] Solche Bemühungen konnten durchaus auf ein gemischtes Echo in der islamischen Mehrheitsgesellschaft treffen, wie auch diejenigen der Juden in Algerien und Tunesien. Dabei ist auf die unterschiedliche Entwicklung in Algerien hinzuweisen, denn hier konnten Juden das Versprechen der französischen Staatsbürgerschaft in Anspruch nehmen.[66] Schon nach der Eroberung Algeriens war die Anerkennung des muslimischen und jüdischen Personenstatus durch die Kolonialmacht von Juden als befreiend wahrgenommen worden. Nach dem Sénatus-consulte von 1865 über die individuelle Annahme der französischen Staatsbürgerschaft für Juden wurden 1870 die algerischen Juden zu Bürgern der Republik erklärt.[67]

Man kann hier eine „klassische Herrschaftsmethode“ des divide et impera erkennen. Man bedient sich der Minderheiten, um ein erobertes Land effektiver durchdringen zu können.[68] Dass damit das Misstrauen zwischen den Religionsgemeinschaften, der bisher dominierenden und der dominierten, verstärkt wurde, ist evident. Muslimische Honoratioren bewiesen zwar Toleranz, was aber den frustrierten Mob in Algier und anderswo nicht von Gewaltausbrüchen abbrachte.[69] Wütender allerdings gebärdeten sich auch die Europäer in Algerien: Sie wählten in Algier nicht nur Édouard Drumont, den Verfasser des mit antisemitischen Invektiven vollgestopften Doppelbandes La France Juive zum Abgeordneten der Nationalversammlung, sondern eröffneten in verschiedenen Städten zwischen 1881 und 1898 wahrhaftige Judenjagden während derer die Aufrührer Juden ermordeten, ihre Häuser plünderten und Synagogen verwüsteten.[70] Mit der mission civilisatrice kam auch der europäische Antisemitismus nach Nordafrika, ganz real und anschaulich in seinen Auswirkungen. Und es scheint, dass er ein Amalgam mit indigenen Vorbehalten eingegangen war.

Die Entwicklung ist bei der ersten antikolonialen Bewegung des Landes, des Étoile Nord-Africaine unter Messali Hağğ nachvollziehbar: Bei einem Pogrom am 5. August 1934 in Constantine stellte die Bewegung erstmals die „jüdische Frage.“ Es kam zu einem gegen „Wucherjuden“ gerichtetes Massaker. Honoratioren der islamischen Gesellschaft distanzierten sich zwar davon. Das Presseorgan des Étoile feierte die Aufrührer hingegen als „Helden“ und „ruhmreiche Kämpfer.“. Begründet wurde es damit, dass die Juden Verbündete der Siedler und des Imperialismus seien.[71] Es wäre noch anzufügen, dass der Étoile Nord-Africaine 1926 in Paris unter der Ägide der Kommunistische Partei Frankreichs gegründet worden war. Die hier zitierten Schlagworte scheinen in die Zukunft zu weisen. Sie markierten Juden als Kollaborateure oder gar Hintermänner oppressiver, ausbeuterischer Mächte. Überdies wurde den Juden „Undankbarkeit“ gegenüber jenen vorgeworfen, die ihnen einst Gastfreundschaft und Schutz vor den Verfolgern gewährt hätten und die opportunistisch die Seite des Stärkeren gewählt hätten. Diese Sicht war nicht nur auf Algerier beschränkt. Auch der eher pan-islamistisch orientierte Politiker und Aktivist Shakib Arslan, der mit seinem in Genf erscheinenden Magazin La Nation Arabe bei nordafrikanischen Persönlichkeiten einflussreich war, prangerte die „Arroganz“ der Juden an. Arslan hatte offenbar keine Probleme, wenn er dabei die Thesen des rechten Blattes „L’ Action Française“ aufnahm.[72]

 Édouard Drumont und Messali Hağğ

Édouard Drumont und Messali Hağğ

Die Anfang des 20. Jahrhunderts auftauchenden, aus europäischen Sprachen übersetzten antisemitischen Schriften haben also keineswegs – so wie es Matthias Küntzel schrieb – alleine dafür gesorgt, dass der Antisemitismus in der moslemischen Welt und insbesondere unter Arabern verbreitert werden konnte, mögen sie auch von Intellektuellen wie Rašīd Ridhā beifällig rezipiert worden sein.[73] Auch sollte nicht davon ausgegangen werden, dass erst mit den Propagandasendungen der Nationalsozialisten Menschen des Nahen und Mittleren Orients in großer Zahl mit antisemitischen Narrativen in Berührung kam. Ein Blick auf das Regime des „Komitees für Einheit und Fortschritt“ mit seiner Führungspersönlichkeit Talāt Pascha aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg unterstreicht diese Feststellung. Vor 1914 herrschte in der türkischen Hauptstadt eine Denkweise vor, „bei der Verschwörungstheorien mit der Vorstellung einer jüdischen Weltherrschaft einhergingen.“ Dieses Gerücht über die Juden kam übrigens aus britischen Quellen.[74] Während des Ersten Weltkrieges war von dem Militärgouverneur von Groß-Syrien, Aḥmet Kemāl Pascha, der Satz zu vernehmen, es gelte „dem Zionismus einen größeren Schlag zu versetzen“, denn dieser sei eine riesige Katastrophe für Palästina. Talāt, der den Zionisten eher misstraute als mit ihnen zu sympathisieren, konnte sich diesem Ansinnen öffentlich nicht anschließen. Er ging dennoch von einem globalen jüdischen Einfluss aus, achtete aber immer auf eine gute jüdische Presse und die damit verknüpften internationalen Vorteile.[75]

 Talāt Pascha

Talāt Pascha

Vorurteile samt Misstrauen gegenüber Nichtmuslimen sollten auch in der Republik Türkei bestehen bleiben, wo Juden gegenüber eine ambivalente Haltung gezeigt wurde. Einerseits wurde das Land für aus Deutschland flüchtende Juden zum rettenden Hafen, zumeist Akademiker, Künstler und Fachkräfte. Andererseits erhob die Regierung von Christen und Juden eine Vermögenssteuer, Varlık Vergisi, mit geradezu enteignendem Charakter.[76] Bedenklicher noch war die Politik gegenüber türkischen Bürgern jüdischer Religionszugehörigkeit, denen teilweise seit Beginn der 30er Jahre unter dem Aspekt der „Türkisierung“ ihre Staatsangehörigkeit entzogen wurde. Nach 1939 gab es keinerlei diplomatische Intervention für türkische, bzw. staatenlos gewordene Juden in Europa, so dass, wer nicht fliehen konnte, in Konzentrationslager verschleppt wurde.[77] Hilfsaktionen einzelner Konsuln sollten nicht verschwiegen werden, doch bei Austauschverhandlungen, die über die Diplomatie der Schweiz liefen, ist bislang nicht geklärt, ob es nicht jüdische Organisationen waren, die sich für die Einbeziehung jüdischer Türken einsetzten.[78]

Die Nationalsozialisten merkten im Übrigen selbst, dass ihre biologistische Hetze im Nahen Osten wenig Anklang fand. Ihr Versuch, klassische antijüdische Vorurteile und angebliche rassenbiologische Erkenntnisse für ihre Propaganda im Nahen Osten zur Beeinflussung dortiger politischer Kräfte zu nutzen, waren ebenso aussichtslos wie einst die kaiserliche Reichsregierung im Ersten Weltkrieg, die mit einer „ğihād-Kampagne“ die kolonisierten Völker Nordafrikas und des Nahen Ostens gegen Briten und Franzosen aufbringen wollten. Das Ausmaß der Politisierung und Instrumentalisierung „des Islam“ durch die deutsche Propaganda war massiv, darin ist David Motadel recht zu geben.[79] Nur sahen die NS-Akteure die Menschen in den verschiedenen Ländern durch ihre Brille eines homogenen Volksbegriffs, der sie in der Kommunikation mit islamischen Arabern dazu zwang, vom Begriff „Antisemitismus“ abzusehen. Ihr „Antijudaismus“ ziele ausschließlich auf Juden, die Araber erklärten sie zur „hochwertigen Rasse“ und „der“ Islam war nach Himmler die „Religion eines Soldatenvolkes.“[80]

So eindeutig, wie Motadel Hitlers „Faszination“ für den Islam darstellt, erweist sich diese allerdings nicht. Um Christentum wie Judentum abzuwerten, kam ihm 1941 diese „praktische Religion“ gerade recht. Auch der Vergleich islamischer wie christlicher Missionsbemühungen, der zugunsten des Islam ausfällt, ist unter diesem Aspekt zu sehen. Seine Kommentare zu Vorstellungen des Paradieses in beiden Religionen kommen über Banalitäten nicht hinaus.[81] Authentischer drückt sich der (spätere) Diktator allerdings in „Mein Kampf“ aus, wo er sich über „wirkliche indische ‚Freiheitskämpfer‘, die sich damals in Europa herumtrieben“ erregt und dann auf Nordafrika zu sprechen kommt: „Genauso kümmerlich sind die Hoffnungen auf den sagenhaften Widerstand in Ägypten. Der ‚Heilige Krieg‘ kann unseren deutschen Schafkopfspielern das angenehme Gruseln beibringen, dass jetzt andere für uns zu verbluten bereit sind – denn diese feige Spekulation ist, ehrlich gesprochen, schon immer der stille Vater solcher Hoffnungen gewesen – in der Wirklichkeit würde er unter dem Strichfeuer englischer Maschinengewehrkompanien und dem Hagel von Brisanzbomben ein höllisches Ende nehmen.“[82] Bei seinem globalen Vernichtungskrieg wollte er samt seiner Entourage sich gerade auf diese „feige Spekulation“ einlassen, ohne Bedenken, damit etlichen dieser „Freiheitskämpfer“ wie dem Großmufti von Jerusalem eine propagandistisch führende Rolle darin zu überlassen.

Es ist hier nicht der Ort, in die Diskussion um die Rolle des Großmuftis von Jerusalem, ‘Amīn al-Ḥusaynīs, bei der Vernichtung des europäischen Judentums einzugreifen.[83] Die Initiatoren und Betreiber der Shoa waren die nationalsozialistischen Machthaber samt ihrem Fußvolk in Parteiorganisationen, Staatsorganen und den bewaffneten Verbänden von Polizei, SS bis zur Wehrmacht. Sie fanden außerhalb Deutschlands allerding nur zu viele Unterstützer und Trittbrettfahrer, mit eigener Agenda und Ḥusaynī war gewiss einer von ihnen. Sicher hat er nicht selbst bei der Ausrottung der europäischen Juden teilgenommen, doch hat er anders, als Gudrun Krämer unter Verweis auf Gerhard Höpp annimmt, durchaus das Außenlager eines Konzentrationslagers betreten.[84] Er befand sich dabei in Begleitung des vormaligen Ministerpräsidenten des Irak, Rašīd ʿAlī al-Kailānī, in dessen Amtszeit der sogenannte farhûd, eines der ersten Pogrome an Juden im Mittleren Osten der Neuzeit fiel.[85] Die übrige Gesellschaft sprach für sich: Mile Budak, der Ideologe der Ustascha Partei in Kroatien, Arthur Seyss-Inquart, der in Nürnberg zum Tode verurteilt werden sollte. Subhas Chandra Bose, ein indischer Nationalist war ebenfalls vertreten. Gewiss kein Zufall war die Anwesenheit Fritz Grobbas, Beamter des Auswärtigen Amtes und Kailānī wie Ḥusaynī aus seiner Zeit im Irak bestens bekannt.[86]

Ḥusaynī trat überdies mit dem Anspruch auf, für das palästinensische Volk zu sprechen[87] und in seinen Schriften an die Größen der NS-Regierung fabulierte er von einer völkisch-religiösen Einheit, die nur er sah, aber die die Erwartungshaltung seiner Adressaten erfüllte: „Seit zwanzig Jahren befinden wir uns gegenüber verschiedenen Mächten. Bewaffnet mit einem unbesiegbaren Glauben an ihre Sache, haben die Araber Palästinas mit rudimentären Mitteln gekämpft. Darüber hinaus hat die palästinensische Sache alle arabischen Länder im Hass gegen die Engländer und Juden vereinigt. Wenn der gemeinsame Feind die Bedingung zur nationalen Einheit ist, so kann man sagen, dass das palästinensische Problem diese Einheit beschleunigt hat. In internationaler Sicht haben die Juden der gesamten Welt sich England angeschlossen, in der Hoffnung, dass dieses im Falle des Sieges ihre Träume in Palästina und selbst in den benachbarten arabischen Ländern verwirklichen könne. Indem den Arabern geholfen wird, die zionistischen Ziele zu zerschlagen, werden die Juden und vor allem jene der Vereinigten Staaten [von Amerika], so sie ihre Träume im Nichts verschwinden sehen, dermaßen demoralisiert, dass sie ihren Enthusiasmus verlieren, Groß-Britannien beizustehen.“[88]

 Amīn al-Ḥusaynī, Rašīd ʿAlī al-Kailānī und der irakische General Ibrahim Pasha al-Rawi zu Besuch in Berlin im Mai 1943

Amīn al-Ḥusaynī, Rašīd ʿAlī al-Kailānī und der irakische General Ibrahim Pasha al-Rawi zu Besuch in Berlin im Mai 1943

Taucht hier „nur“ das Narrativ des weltumfassenden jüdischen Einflusses auf sowie die unterschiedslose Verwendung der Begriffe „Juden“ und „Zionisten“, so äußert er sich in seiner Rede vom 2. November 1943 anlässlich der Balfour-Erklärung in einer Weise, als wolle er den Islam als eine genuin „rassistische“ und mit dem Nationalsozialismus kompatible Religion darstellen: „Der übermäßige Egoismus, der im Charakter der Juden liegt, ihr nichtswürdiger Glaube, dass sie das auserwählte Volk Gottes seien, und ihre Behauptung, dass alles ihretwegen erschaffen und die anderen Menschen Tiere seien, die sie für ihr eigenes Interesse gebrauchen können, sowie ihre Art, die Menschen nach diesem Glauben zu behandeln – dies alles verursachte ihnen Schwierigkeiten über Schwierigkeiten. Durch diese Charaktereigenschaften sind sie nicht fähig, jemandem die Treue zu halten, und können sich nicht mit irgendeiner anderen Nation vermischen, sondern leben wie Schmarotzer unter den Völkern, saugen ihr Blut aus, unterschlagen ihre Güter, verderben ihre Sitten, verlangen aber trotzdem die Rechte der einheimischen Bewohner. Sie wollen jeden Vorteil haben, aber keine Verpflichtung auf sich nehmen! Dies alles hat die Feindschaft der Welt auf sie gezogen und hat in ihnen Groll gegen alle Völker genährt, dessen Feuer seit zweitausend Jahren in ihnen brennt. Ich glaube, dass der göttliche Zorn und der Fluch, den der Heilige Koran in Bezug auf die Juden erwähnt, nur wegen dieses einzig dastehenden jüdischen Charakterzuges ist, der mit übermäßigem Egoismus und heftigem Groll gesättigt ist. Dieses Volk, welches die Welt seit altersher geplagt hat, ist der Feind der Araber und des Islams seit dessen Bestehen. Der Heilige Koran hat diese alte Feindschaft in den folgenden Worten ausgesprochen: ‚Du wirst finden, dass die den Gläubigen am feindlichsten Gesinnten die Juden sind.‘ Sie versuchten, den verehrungswürdigen Propheten zu vergiften, leisteten ihm Widerstand, waren ihm feindlich gesonnen und intrigierten gegen ihn. […] So verletzten die Juden Ägypten und gaben Britannien die Möglichkeit, es zu beherrschen und zu besetzen. Vor dieser Zeit ebneten sie Frankreich den Weg, Algerien zu besetzen und halfen ihm dabei. Die Juden im Osmanischen Reich – sowohl diejenigen, die nach außen Mohammedaner waren, die sogenannten ‚Dönme‘, als auch diejenigen, die jüdisch blieben – waren die hauptsächlichsten Triebkräfte für die Zerstörung des Reichs des islamischen Kalifats. […] Die Araber und Mohammedaner kennen alle die jüdischen Begierden auf die heiligen islamischen Stätten und ihr Bestreben, die Aksa-Moschee in Besitz zu nehmen, um auf ihren Trümmern ihren Tempel zu errichten. […] Die Juden wollen ein jüdisches Königreich in Palästina errichten. […] Wenn die Gefahr des jüdischen Staates für die gesamte Menschheit sehr groß ist, so ist sie für Araber und Mohammedaner noch gefährlicher und bedeutender. Dieser Staat soll nämlich eine Scheidewand sein, durch die die arabisch-islamischen Länder in Asien von denen in Afrika getrennt werden sollen. Er ist ein blutiger Dolch im Herzen des arabischen Vaterlandes.“[89]

Der letzte Satz hallte im 21. Jahrhundert noch nach, diesmal aus dem Mund des höchsten religiösen Staatsbeamten der Republik Türkei, Ali Erbaş: „Wie ein rostiger Dolch, der im Herzen der islamischen Geographie steckt, hat Israel in den von ihm besetzten Gebieten gegen Muslime auf alle Arten der Unterdrückung zurückgegriffen.“[90]

Selbst ein Forscher, der jeglicher Affinität zum Zionismus unverdächtig ist wie Gilbert Achcar, sieht nicht nur den „tendenziösen und hochselektiven Gebrauch [Ḥusaynīs] der islamischen Überlieferung“, sondern will diesen in einer von Rashīd Ridhā ausgehenden Traditionslinie sehen. Der Mufti von Jerusalem habe nicht nur die „Endlösung“ der „Judenfrage“ begrüßt, sondern habe auch nach 1945 an einer Weltanschauung festgehalten, die religiöse Stigmatisierung mit einem Antisemitismus nationalsozialistischer Prägung verband.[91] Wichtiger erscheint allerdings die Verbindung zum Gründer der Muslimbruderschaft, Ḥasan al-Bannā, der mit Ḥusaynīs Ansichten übereingestimmt hat. Beide Seiten zogen ihren Nutzen aus dieser Zusammenarbeit, die ursprünglich ägyptischen „Brüder“ sahen in Ḥusaynī den legitimen Führer der Palästinenser und unterstützten ihn.[92] Gudrun Krämer hebt allerdings hervor, dass al-Bannā keineswegs die rassi[sti]schen Vorstellungen der Nationalsozialisten geteilt habe; gleichwohl ist nicht darüber hinwegzusehen, dass die Bruderschaft bereits 1935 eine Delegation zu Ḥusaynī nach Jerusalem entsandte; beim Gegenbesuch in Kairo entschlossen sich Bannā mit Anhängern, die Opfer von Auseinandersetzungen in Palästina zu unterstützen.[93] 1948 finden wir Muslimbrüder und Schwestern nicht nur bei der Unterstützung von Opfern, sondern bei logistischen Hilfen für Kämpfer und die Brüder in den bewaffneten Reihen, die im Zusammentreffen mit jüdischen Einheiten erste Verluste an Menschenleben hinnehmen mussten.[94] Al-Bannā und seine Adepten hatten seit Jahren von der „jüdischen Gefahr“ gesprochen, wobei sie die Gefahren mit wirtschaftlichen und politischen Argumenten zu begründen suchten. Bereits 1946 hatte das Organ der Muslimbrüder ägyptische Juden als „Fünfte Kolonne des Zionismus“ attackiert. Es wurde ihnen Waffendiebstahl und das Schmuggeln derselben nach Palästina unterstellt. Kein Wunder, wenn 1948 das Gremium, welches die Leitung der Muslimbrüder beraten sollte, forderte, Juden die Staatsangehörigkeit arabischer Staaten zu verwehren, staatenlose und Juden aus anderen Staaten festzunehmen sowie ihr Eigentum einzuziehen. Die angesessenen Juden sollten nach diesen Vorstellungen mit scharfer Überwachung rechnen, die Staatsangehörigkeit sei jedem zu entziehen, „der in irgendeiner Weise den zionistischen Feind unterstützte.“[95] Rassistische Ausgrenzung mag hier nicht vorgekommen sein, doch die Anleihen bei Verschwörungstheorien europäischer Prägung erscheinen evident ebenso wie der generelle und keineswegs zutreffende Verdacht, dass Juden per se als Unterstützer des Zionismus angesehen werden können.

Hinsichtlich der militanten Bekämpfung der Zionisten in Palästina findet sich bei Achcar ein weiterer Schüler Ridhās, nämlich ʿIzz ud-Dīn al-Qasām, der seit Beginn der 30er Jahre gewaltsam gegen Juden vorging. Der an der Al-Azhar-Universität studierte Prediger wäre vermutlich trotz seiner Mordaktionen nur eine Fußnote der Geschichte geblieben, wenn er nach seiner Erschießung nicht zum „Märtyrer“ und Mythos terroristischer Akteure wie Leila Khaled geworden wäre.[96] Später sollte die Ḥamās ihn zum Namensgeber ihres militärischen Arms, der „Qasām-Brigaden“, machen. Folgen wir Achcar, so prägten Qasām Prinzipien des „wahhabitischen Fundamentalismus“ verbunden mit mentaler Nähe zum Antisemitismus der Nationalsozialisten.[97] Offenbar schließt sich hier ein Kreis: Der Mentor Ridhā habe den Nationalsozialismus „als Instrument zur Durchsetzung des göttlichen Willens [ausgelegt], Ketzerei und Irrglaube wie auch falsche Versionen des Islam hinwegzufegen und so den Weg für den endgültigen Triumph der mohammedanischen Offenbarung zu ebnen.“[98] Selbst noch in der Charta der Ḥamās finde sich ein Hinweis auf das Erbe Ridhās, vor allem in den Artikeln 7 und 22. Diese stellten eine komprimierte Fassung „der islamisierten antisemitischen Hetze“ dar, in der sich Rashid Rida bereits in den Jahren unmittelbar vor seinem Tod 1935 ergangen hatte.[99] Eines haben die drei Genannten gemeinsam: Sie sind innerhalb politischer Bewegungen zu Symbolen geworden, zu Trägern wirkmächtiger Erzählungen, dies gilt sogar für al-Ḥusaynī, der sich durch seine Kooperation mit dem nationalsozialistischen Deutschland in den Augen seiner Kritiker am meisten kompromittiert hatte. Und selbst das gilt nicht für alle, denn auf arabischer Seite wurde ihm vor allem sein Versagen als politischer Führungsperson vorgeworfen.[100]

Wie intensiv die Bemühungen der Nationalsozialisten, wie groß oder zunehmend der Einfluss der genannten Protagonisten gewesen sein mag, so blieben die Auswirkungen in den Kriegsjahren denkbar gering. Die Sendungen aus Berlin wurden als das, was sie waren, erkannt: Propaganda, die ureigenen Zwecken dienlich war – der „Islamo-Faschismus“ deutscher Prägung fand nicht den erhofften Widerhall.[101] Es mangelte auch nicht an Stimmen von Religionsgelehrten, die sich explizit gegen Faschismus und Nationalsozialismus aussprachen.[102] Liberale, achsenkritische bis achsenfeindliche Kräfte gab es auch in Ägypten[103] und selbst in einem Land wie Tunesien, in dem es vor 1942 hinreichend zu antijüdischen Krawallen gekommen war[104] und wo dann deutsche Wehrmachtseinheiten direkten Zugriff auf Land und Bewohner hatten, entwickelte sich nichts wie von den Propagandisten geplant. Zwar fanden sich unter allen Ethnien Personen, die sich den Deutschen zur Verfügung stellten und dabei helfen wollten, die von den Deutschen erlassenen antijüdischen Dekrete in die Tat umzusetzen.[105] Plünderungen jüdischer Häuser, Vergewaltigungen von Frauen blieben nicht aus.[106] Doch unter der Bevölkerung gab es auch Menschen, die den Deutschen mit größtmöglicher Reserve begegneten, und die bereit waren, Juden aktiv ihrer Solidarität zu versichern, um sie den Maßnahmen der Deutschen zu entziehen und ihnen Schutz in der Illegalität zu gewähren bis die Verfolgung ihr Ende fand.[107] Allerdings wäre darauf hinzuweisen, dass der Löwenanteil des Widerstandes von der Kommunistischen Partei Tunesiens getragen wurde, von Mitgliedern unterschiedlicher konfessioneller Herkunft und plurinational.[108] Festzuhalten bleibt, dass, in welchem Ausmaß auch immer verbreitet, das Amalgam aus aufgefrischtem autochthonem Antijudaismus und europäischen Antisemitismus in Bibliotheken und Köpfen vorhanden war. Mit der Gründung des Staates Israel, der militärischen Niederlage der diesen bekämpfenden arabischen Staaten und der Etablierung der sowohl vertriebenen als auch geflohenen Palästinenser als staatenlose Flüchtlinge im Dauerzustand wuchs die Versuchung, auf dieses Instrumentarium zurückzugreifen. Auch der Jahrzehnte dauernde Prozess, in dem sich arabische Staaten (von Ägypten abgesehen) ihrer jüdischen Bürger entledigten, war ein Anlass dazu.[109]

Eine Stimme, die vielfach in diesem Zusammenhang zitiert wurde, soll auch hier Beachtung finden. Es handelt sich um Sayyid Qutb, der durch seine Einbindung in die Muslimbruderschaft sowie sein Schicksal unter dem Regime Nasser Beachtung fand. Auf ihn gehen Schriften zurück wie z. B. „Wegzeichen“, die als grundlegend für die gewaltorientierten Flügel und Gruppen der islamistischen Bewegung angesehen werden.[110] Im Iran soll der spätere Revolutionsführer Ayatollah ʿAlī Khāmeneī seine Schriften übersetzt haben.[111] Er ist auch Verfasser eines beachtlichen Qur’ān-Kommentars, der Anerkennung fand und findet, „Im Schatten des Qur’ān.“[112] Bei seiner Erläuterung der zweiten Sure würdigt er die die Juden betreffenden Verse als „umfassenden Ansatz“ der „Enthüllung und Bloßstellung ihrer Verschlagenheit.“[113] Sie dienen ihm als Paradigma einer Auseinandersetzung der Kräfte des Bösen und des Guten, zwischen Lüge und Wahrheit und er lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass „die Juden“ Adam im Ungehorsam gegen Gott nacheiferten und „zu den ersten [wurden], die vom Glauben abfielen.“[114] Er geht jedoch über den religiösen Ansatz hinaus und liefert eine Charakteristik „der Juden“, die eher in anderen Kontexten erstellt worden ist. Den Kommentar nutzt er allerdings dazu, den angeblichen Hang „der Juden“ zu materiellen Dingen durch die Autorität der offenbarten Schrift zu beweisen. Ausführlicher sollte er sich diesem Thema in seiner Schrift „Unser Kampf mit den Juden“ widmen, eine Kompilation von Schriften, die unter dem Eindruck der Gründung Israels und der militärischen Niederlage der arabischen Staaten ab 1951 entstanden waren.[115]

 Ḥasan al-Bannā und Sayyid Qutb

Ḥasan al-Bannā und Sayyid Qutb

In den ersten Kapiteln stellt Qutb sein Thema zunächst in den Rahmen des Palästinakonfliktes, spricht zuallererst die „Freiheitskämpfer“ an und fordert sie auf, ihren Weg zu gehen, ungeachtet des Todes, denn sie erwartet entweder das Leben oder das Martyrium.[116] Dann aber kommt er zu seinem eigentlichen Anliegen und referiert die Begegnung des Islam (den er idealiter nur als einen homogenen Block ansehen kann) mit „den Juden“. Vom ersten Tag des in Madīna entstehenden islamischen Staates hätte diese Religionsgemeinschaft – er schreibt konsequent „die Juden“ oder pars pro toto „ein Jude“ – sich als feindselig erwiesen. Ihr „intrigantes“ Verhalten beschreibt er als zeit- wie grenzenlos, der Qur’ān enthalte Berichte über „diese Verschlagenheit und Feindseligkeit“, die sich gegen den Gesandten und, später über eine lange Geschichte hinweg, sich gegen dessen Gemeinschaft richtete.[117] Diese Feindschaft habe sich nicht nur in Gewalt manifestiert, sondern sei auch durch Propaganda und das Lancieren von Gerüchten erfolgt. Beweis ist ihm ihre angebliche Rolle zur Zeit der rechtgeleiteten Kalifen, wo ihr Schüren der „Anfechtung“ mit dem Tode des Kalifen ʿUthmān geendet habe. Wenn man schaue, wer mit Lügen gegen die islamische Tradition gearbeitet habe, finde man – „einen Juden.“[118] So wie zu Beginn des Kalifats sei zu fragen, so Qutb, „wer schürte nationale Unruhen im letzten Kalifatsstaat und [stand] hinter den Revolutionen, die mit der Tilgung der šarīʿa als Staatsgesetz begannen und in der Ära Sultan ʿAbd ul-Ḥamīds mit ‚der Verfassung‘ ersetzten, um schließlich mit der endgültigen Abschaffung durch ‚den Helden‘ Atatürk zu enden – ein Jude. Und hinter allem anderen, was an erklärtem Krieg gegen die islamische Erweckung überall auf der Welt folgt, stecken Juden. Hinter dem atheistischen Materialismus ‚ein Jude‘. Hinter bestialischen Tendenzen [findet sich] ein Jude … hinter der Zerstörung der Familie und der Auflösung heiliger Bande in der Gemeinschaft … ein Jude.“[119]

Ein Ende dieser Auseinandersetzung ist für Qutb nicht denkbar, was ausschließlich an „den Juden“ liege, die nichts akzeptierten „außer der Zerstörung dieser [islamischen] Religion.“ Dieser Kampf habe in seiner Gegenwart, so der Autor, „radikal an Intensität und Heftigkeit zugenommen, seitdem von allen Seiten [Juden] kamen und verlautbarten, sie würden den Staat Israel errichten.“[120] Dieses Volk ist seiner Überzeugung nach „dem Bösen“ verfallen; nach ihrer Vertreibung von der ganzen arabischen Halbinsel trieben sie ihre Ränke unter der Herrschaft anderer Menschen „bis hinein in die Moderne und es regierte Hitler über sie. Heute wenden sie sich wieder dem Bösen in Gestalt ‚Israels‘ zu, welches den Arabern als Herren des Landes Übel und Pein bereitet.“[121] Qutb insinuiert, ohne weitschweifige Erläuterungen, allein durch seinen Parallelismus, dass Hitlers Genozid an den Juden eine Reaktion auf deren feindseliges Verhalten gewesen sei, wie bei ihrer Vertreibung im 7. Jahrhundert.

Qutbs Darstellung islamischer Gesellschaften als „vorislamisch“ hat durchaus Kritik ausgelöst, selbst bei Denkern innerhalb der Muslimbruderschaft, die in Teilen höchst sophistisch und ambivalent erscheint.[122] Die Haltung zu Juden allerdings ist wohl nur am Rande berührt worden: Kein Wunder könnte man sagen, in Gesellschaften, in denen die Publikation der „Protokolle der Weisen von Zion“ oder Hitlers „Mein Kampf“ problemlos möglich war – und weiterhin ist. Nasr Hamid Abu Zaid weist in seiner „Kritik des religiösen Diskurses“ auf beide Seiten des Phänomens hin: „Wir bekämpfen auf nationaler und arabischer Ebene den rassistischen Zionismus, der die Menschen nach ihrer Religionszugehörigkeit klassifiziert, lehnen den zionistischen als konfessionellen Staat ab und fordern einen Staat für alle Glaubensrichtungen. Warum zementieren wir im religiösen Diskurs, was wir im politischen ablehnen [?]“[123] Aber manch eine Zuspitzung sollte noch Jahrzehnte später wieder aufgenommen und entschiedener artikuliert werden, beispielsweise durch Yûsuf al-Qaradāwī, den langjährigen Vordenker der Muslimbrüder: „Im Lauf der Geschichte hat Gott den Juden Menschen auferlegt, die sie für ihre Verderbtheit bestraften. Die letzte Strafe wurde durch Hitler ausgeführt. Durch all die Dinge, die er ihnen angetan hat … schaffte er es, sie an ihren Platz zu stellen. Dies war eine göttliche Strafe für sie. So Gott will, werden die Gläubigen die Juden das nächste Mal bestrafen.“[124]

Die Stichwortgeber des „religiösen Diskurses“ hatten es in der Zeit nach Qutbs Hinrichtung nicht an der Vertiefung und Verbreitung seiner Gedankengänge fehlen lassen. Manch einer in Ägypten musste vor den Repressionen des nationalistischen Regimes nach Saudi-Arabien ausweichen, wie z. B. Muḥammad Qutb, Bruder und quasi Nachlassverwalter der religiös-politischen Hinterlassenschaft. Der zwischen dem auf das Wahhabitentum gestützten Monarchie und den säkularen arabischen Regimen herrschende „kalte Krieg“ bot den Hintergrund für eine Bildungs- und Propagandainitiative der Herrscher in Riyādh, dessen international sichtbarster Ausdruck die 1962 gegründete „Muslimische Weltliga“ war. Festigung des islamischen Bewusstseins, Fördern der Solidarität unter Muslimen, Unterstützung islamischer Minderheiten sowie die Arbeit zur Durchsetzung einer islamischen Ordnung waren als Ziele gesetzt.[125] Die „Liga“ baute ein weltweites Verbindungsnetz auf, zu Regierungen, Kultureinrichtungen, Wohltätigkeitsorganisationen, Religionsvereinigungen, Unternehmen und Persönlichkeiten, seien sie staatsnah oder der einen oder anderen Regierung fern. Berührungsängste gegenüber islamistischen Organisationen gab es nicht, seien es legal oder clandestin agierende, so sie nur die Weltsicht der „Liga“ teilten. Dies erfolgte u. a. mit der Begründung, man müsse einem „weltweit agierenden Zionismus und Kreuzrittertum sowie einer aggressiven christlichen Missionsarbeit“ etwas entgegensetzen.[126] Die Vordenker der „Liga“ setzten auf Ausgrenzung und hinsichtlich der Juden dominierte eine antiwestliche Grundhaltung. Zäsuren wie die Französische Revolution, die Revolution in Russland, Kommunismus usw. seien auf „Machenschaften der Juden“ zurückzuführen. Auch der Zionismus sei ein Phänomen des „Weltjudentums“, Amerika würde von diesem beherrscht und die Krisen der arabischen Welt konnten nur einen Verursacher haben.[127] Die Fälschungen aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ wurden auch hier bedenkenlos weitergetragen. Dass es sich bei den „Protokollen“ um Fälschungen handelte, war bei Gebildeten nicht unbekannt, doch selbst ein selbstkritischer Geist wie der palästinensische Notable Anwar Nusayba war der Ansicht, „man könne sie nicht völlig ignorieren.“[128]

Ignoriert wurden sie auch nicht in Kairo, wie die Dissertation des späteren Großmuftis von Ägypten Muḥammad Sayyid Tantāwī zeigt. Ausführlich geht er auf die Geschichte des Banû Isrā’īl in Qur’ān und Sunna ein, nicht ohne sich mit der weiteren Geschichte „der Juden“ zu beschäftigen. Ausführlich legt er dar, dass „den Juden“ sowohl in der Offenbarung als auch in den Berichten zum Leben des Gesandten Gerechtigkeit widerfährt.[129] Alle Maßnahmen, die in der Frühzeit des Islam gegen „die Juden“ getroffen worden seien, gingen auf die Vertragsbrüchigkeit der Juden zurück.[130] Man mag feststellen, dass bei Interpretationen dieser Art islamische Exegeten nicht beachteten, dass im Qur’ān die negativen Zuschreibungen nur den Sündern unter Juden und Christen gegolten haben mag, doch erscheint eine solche Feststellung eher akademisch als auch die Zuordnung zu den „Sündern“ schon im Urtext höchst willkürlich.[131] Und dieser Text genügte offenbar nicht, es bedurfte auch bei Tantāwī der Bestätigung aus anderer Quelle: Es ist fast unumgänglich, dass er bei der Schilderung der Neuzeit insbesondere Palästinas auch auf die Aktivitäten des „Weltjudentums“ zu sprechen kommt.[132] Karl Marx, „der Jude und erste Kommunist“, wird als Kronzeuge zitiert, dass „das Geld der Gott Israels“ sei.[133]

Was im „religiösen Diskurs“ recht war, erschien bei säkularen nationalistischen Arabern nur billig. Viele Akademiker studierten in kommunistischen Ländern und sie wurden mit den dortigen Usancen im Umgang mit den Begriffen „Nazismus“ und „Faschismus“ vertraut, allerdings auch mit der Tendenz, diese Begriffe erstrangig als Kampfbegriffe gegen die Gegner und „Feinde“ zu verwenden. Die Gleichsetzung „der Zionisten“ mit „den Nazis“ nahm ihren Anfang, „Juden“ als auch „Arier“ strebten homogene Gesellschaften an und so sei es auch verständlich, wenn „Zionisten“ mit „den Nazis“ zusammengearbeitet hätten. Die Shoa hingegen erklärte man zur Konstruktion der Zionisten, die mittels des „Weltjudentums“ den Schuldkomplex der Deutschen für ihre Ziele zu nutzen wussten.[134] Entsprechend wurden dann Lehrbücher für Schulen formuliert: Der antijüdische Hass habe seinen Grund im Verhalten „der Juden“, die sich im Nachhinein so brutal wie die Nazis gerierten.[135] Beispielhaft für diese Adaption und das Einfügen in ein eigenes Narrativ ist die Dissertation von Maḥmûd Abbās, des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde. Liest man nur das Vorwort zu seiner akademischen Qualifikationsarbeit, so weiß man seine wiederholten antisemitischen Ausfälle, nicht nur in Ramallah, sondern auch in Strasbourg und Berlin, einzuordnen.[136]

5 Fazit

Zweifellos ist die große Erzählung, dass es „den Juden“ unter den Herrschaften in islamisch geprägten Zivilisationen wesentlich besser als im Norden Europas ging, eine zu optimistische bzw. seit dem 19. Jahrhundert Teil einer politisch intendierten Historiographie. Neben Phasen des Lichts sind die Schatten nicht übersehbar. Gewiss, vor dem bürokratisch-industriell organisierten Völkermord des nationalsozialistischen Deutschlands verblassen andere Verbrechen, die jedoch für deren Opfer und Nachkommen nicht weniger schrecklich waren. Die Feststellung, dass die Offenbarungsreligionen Christentum und Islam als „Ableger“ des älteren Judentums besonders anfällig für Antijudaismen sein könnten, dürfte ein Körnchen Wahrheit enthalten. Dass es in der vormodernen Zeit insbesondere die gebildeten Sachwalter der Rechtgläubigkeit waren, die die Einhaltung der Normen hinsichtlich der Minderheiten einforderten, erscheint evident. Einzigartig ist diese Abgrenzungstendenz, bzw. Konstruktion eines Feindbildes nicht. Man muss nur an Theologen wie Martin Luther oder Adolf Stoecker denken oder an zeitgenössische antimuslimische Tendenzen auf dem indischen Subkontinent oder an die Instrumentalisierung des Zen-Buddhismus im 2. Weltkrieg.[137] Doch es gibt auch Lichtblicke, allem Ermessen nach der Verbesserung der Außendarstellung Saudi-Arabiens geschuldet, dessen Bild als reaktionär und oppressiv schon vor dem Mord eines Oppositionellen in Istanbul reformbedürftig war: Der Generalsekretär der „Islamischen Weltliga“, Muḥammad b. ʿAbd ul-Karīm al-ʿIsā besuchte 2020 gemeinsam mit dem Direktor des American Jewish Committee, David Harris, das Konzentrationslager Auschwitz.[138] Ein Zeichen der Annäherung in einer Zeit, in der ein Wandel der Verhältnisse zwischen Israel und arabischen Golfstaaten in Reichweite kam. Es bleibt abzuwarten, was aus diesem Ansatz nach dem 7. Oktober wird, der wahrscheinlich auch auf die Zerstörung solcher „Normalisierungsprozesse“ abzielte. Weiterhin ist festzuhalten, dass die Intellektuellen des „Orients“ schon vor dem Dritten Reich hinreichend Gelegenheit hatten, sich über politische Theorien und Ideologien kundig zu machen, Stichworte seien hier abschließend Panislamismus, Panarabismus oder ein Pantürkismus, z. B. eines Ismail Bey Gasprinskis (oder Gaspiralis) in Anlehnung an den Panslavismus.[139]

Die Diskussion, ob man es im Zusammenhang mit Antisemitismus in islamischen Ländern mit einer Art „Islamofaschismus“ zu tun hat, weist eine ähnliche epistemische Qualität auf wie die Auseinandersetzung um die sogenannte „Islamophobie“. Wir haben es hier mit Begriffen einer polarisierenden Publizistik zu tun, deren Urheber vergessen, dass die schnelle und weitgreifende Zuschreibung des „Faschismus“ – oder beliebig „Nazismus“, dabei die doch vorhandenen Nuancen zwischen der italienischen und der deutschen Variante inhumaner Diktatur verwischend – den Begriff aushöhlt und beliebig macht.

Das bedeutet nicht, dass Vergleiche unangemessen wären, denn sie zeigen Unterschiede wie Überschneidungen in historischen wie zeitgeschichtlichen Phänomenen auf. Es hat durchaus seinen Sinn, bei Organisationen beispielsweise wie der Ḥamās, der Hizbullah, dem Front Islamique du Salut, aber auch bei einem Staat wie dem Iran die Elemente und Strukturen ihrer Herrschaft zu betrachten. Augenfällig ist, dass alle Genannten über Milizen verfügen, bewaffnete Unterorganisationen, die sich auch bei den faschistoiden Bewegungen Europas ausmachen lassen. Was den Iran angeht, finden wir in den „Revolutionswächtern“ einen – nicht nur innerstaatlichen – Akteur, der mit seinem militärischen und wirtschaftlichen Potential stark an den polizeilichen wie militärischen Machtbereich eines Heinrich Himmler erinnert. Nicht umsonst wird in der Literatur darauf abgehoben, dass die Strukturen und Führungsvorstellungen der europäischen Diktaturen bei Vordenkern der islamistischen Bewegung bejahend aufgenommen wurden. Gleichwohl sind beide Phänomene nicht in eins zu setzen. Es zeigt uns nicht mehr als totalitäre Aspekte innerhalb der Islamischen Republik Iran, aber auch der genannten Bewegungen auf. Ein vertiefter Blick auf den Umgang mit Opposition oder einer kritischen Presse dürfte diese Aspekte vertiefen.

Was den Antisemitismus betrifft, stehen wir vor einem bedauerlichen Fall von „Kulturaustausch.“ Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass formal gebildete Leute immun sind gegen Extremismen jedweder Art, meistens finden wir unter diesen deren Schöpfer oder Vordenker. Aber gerade die Feststellung, dass in vielen islamischen Ländern der nationalsozialistische Antisemitismus auf Ablehnung stieß, zeigt auf, dass diejenigen, die weitgehend das „Gerücht über Juden“ aus den „Protokollen“ oder von Hitlers Propagandisten übernahmen und sie mit endogenen tradierten Antijudaismen verbanden, frei in ihrer Entscheidung waren. Das Amalgam, das so entstand, war etwas Eigenes, ja Neues, das man „islamisierten Antisemitismus“ nennen mag. Diejenigen, die den Antisemitismus in Europa schufen und prägten, wollten sich vom „unwissenschaftlichen“ klerikalen Antijudaismus absetzen, islamistische Denker jedoch verbanden Elemente des Antisemitismus mit den religiösen Ordnungsvorstellungen, die sie als die einzig wahren begriffen.

Doch mit der Transponierung dieser Vorstellungen nach Europa ist dies mitnichten der „neue Antisemitismus“, wie er seit einigen Jahren beschworen wird – schon in der ersten gedrängten Darstellung der Präsenz islamischer Organisationen in Deutschland war das Problem unübersehbar.[140] Auch das Argument, mit der Migration von Menschen aus islamischen Ländern sei nur ein Re-Import „unseres Antisemitismus“ erfolgt, überzeugt nicht. Wie so oft, zielt das Argument nicht auf die Sache, sondern ist Mittel in der innenpolitischen Auseinandersetzung – man erspart sich die Analyse des Phänomens, blockiert so Maßnahmen der Prävention. In den Ländern Europas finden sich zu viele einheimische Antisemiten unterschiedlicher politischer Couleur, als dass ein Hinweis auf den der Neubürger diese entlasten könnte. Was sich heute auf manchem Campus deutscher Universitäten abspielt, hat seine Vorgeschichte. Schon 1969 forderte der linke Terrorist Dieter Kunzelmann unter dem Eindruck seiner „Lehrzeit“ in Lagern der Al-Fatah, dass sich die Genossen vom „Judenknax“ befreien und „den Kampf aufnehmen“ sollten.[141] Die sich progressiv wähnenden Studenten (samt ihrer professoralen Apologeten), wie immer sie auch angesprochen werden wollen, gehen mit ihrer Unterstützung der Boykott-Israel-Bewegung BDS, dann der Übernahme der Dogmen einer Judith Butler und anderer, die Folter und Meuchelmord von Wehrlosen als „Widerstand“ von Partnern im Kampf gegen den Imperialismus deuten, einen gefährlichen Weg. Nicht nur, dass „sie den Juden …‘ tatsächlich Ausschwitz nicht verzeihen“ können,[142] nein, sie nehmen hin, dass sie sich mit den Rechtsextremisten gemein machen, die das derzeitige Regime Irans und namentlich den Antisemiten Maḥmûd Aḥmadī-Nezād als vorbildlich betrachten.[143] Wer tatsächlich diesen Antisemitismen begegnen möchte, sollte sich ohne Denkverbote und Rücksichten auf die Befindlichkeiten tatsächlicher oder vermeintlich Betroffener im In- und Ausland kritisch im Sinne Hannah Arendts und Karl Poppers mit deren (sich wechselseitig befruchtenden) Quellen auseinandersetzen.

Über den Autor / die Autorin

Dr. Herbert Landolin Müller

Leitender Regierungsdirektor a. D., Historiker und Islamwissenschaftler und von 2001 bis 2021 Leiter der Abteilung für internationalen Terrorismus und Extremismus beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg. Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen, umfangreiche Vortragstätigkeit sowie Veröffentlichungen zum Islamismus auch im benachbarten Ausland

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Online erschienen: 2024-11-29
Erschienen im Druck: 2024-11-27

© 2024 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz.

Artikel in diesem Heft

  1. Titelseiten
  2. Editorial
  3. Aufsätze
  4. Quellen des Nahöstlichen Antisemitismus
  5. Der Informationskrieg des Irans
  6. Chinas Fähigkeiten im Bereich der Unterwasser-Seekriegsführung: Technologische Aspekte
  7. Kritische Rohstoffabhängigkeiten und Lieferketten-Resilienz – ein Fall für die geheimen Nachrichtendienste?
  8. Kurzanalyse
  9. Vorschläge für eine neue Russland-Strategie der NATO
  10. Ergebnisse internationaler strategischer Studien
  11. Naher Osten
  12. Jack Watling/Nick Reynolds: Tactical Lessons from Israel Defense Forces Operations in Gaza, 2023. London: Royal United Services Institute (RUSI), Juli 2024
  13. Hassan Alhasan/Camille Lons: Gulf Bailout Diplomacy: Aid as Economic Statecraft in a Turbulent Region. London: IISS, Oktober 2023
  14. Brian Katulis, with Benjamin Freedman and Sydney Taylor: The Limits of Biden’s Middle East Diplomacy. An Assessment of US Policy. Washington, D.C.: The Middle East Institute, Juli 2024
  15. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine
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  17. Dara Massicot: Russian Military Wartime Personnel Recruiting and Retention 2022–2023. St. Monica: The RAND Corporation, Juli 2024
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  19. Lt. General (Ret.) Keith Kellogg/Fred Fleitz: America First, Russia, & Ukraine. Washington, D.C.: America First Policy Institute – Center for American Security, April 2024
  20. Militärrivalität USA-China
  21. Katherine L. Kuzminski/Taren Sylvester: Back to the Drafting Board. U.S. Draft Mobilization Capability for Modern Operational Requirements. Washington, D.C.: Center for a New American Security, Juni 2024
  22. Stacie Pettyjohn/Hannah Dennis/Molly Campbell: Swarms over the Strait. Drone Warfare in a Future Fight to Defend Taiwan. Washington, D.C.: CNAS
  23. Markus Schiller: Der große Sprung. Chinas ballistisches Raketenprogramm. Ein technischer Bericht. Hamburg: Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Mai 2024
  24. Buchbesprechungen
  25. Rashid Khalidi: Der Hundertjährige Krieg um Palästina. Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand. Zürich: Unionsverlag 2024, 379 S.
  26. Henry Farrell/ Abraham Newman: Underground Empire. How America Weaponized the World Economy. London: Allen Lane 2023, 278 Seiten
  27. Boris Bondarew: Im Ministerium der Lügen. Ein russischer Diplomat über Moskaus Machtspiele, seinen Bruch mit dem Putin-Regime und die Zukunft Russlands. München: Wilhelm Heyne Verlag 2023, 255 Seiten
  28. Frank Bösch: Deals mit Diktaturen. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik. C.H. Beck: München 2024, 622 Seiten
  29. Antje Nötzold/ Enrico Fels/ Andrea Rotter/ Moritz Brake (Hrsg.): Strategischer Wettbewerb im Weltraum. Politik, Recht, Sicherheit und Wirtschaft im All. Wiesbaden: Springer Nature, 2024, 883 Seiten
  30. Bildnachweise
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