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Roboter als Staatsbürger

  • Roland Benedikter

    Roland Benedikter, Dr. Dr. Dr., ist Co-Leiter des Centers for Advanced Studies von Eurac Research Bozen, dem Forschungsflaggschiff der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, Forschungsprofessor für Multidisziplinäre Politikanalyse am Willy Brandt Zentrum der Universität Wroclaw-Breslau, Polen, und Affiliate Scholar des Institute for Ethics and Emerging Technologies Hartford, Connecticut.

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Published/Copyright: June 29, 2018

Zusammenfassung

Die Verleihung der Staatsbürgerschaft des UNO-Mitglieds Saudi-Arabien an den „weiblichen“ Roboter „Sophia“, gebaut von der U.S. Firma Hanson Robotics in China, hat im Oktober 2017 aus Sicht vieler Beobachter ein neues Kapitel der „Roboterpolitik“ eröffnet. Damit wurde ein Präzedenzfall geschaffen, mit dem sich regelungs- und demokratiepolitische Dimensionen im Hinblick auf mit Staatsbürgerschaft verbundene Grundrechte wie Personenrechte und individuelle Würde, bis zu einem gewissen Grad auch Menschenrechte auftun, die an den Kern offener Gesellschaft reichen, aber auch Pflichten und den prinzipiellen Umgang zwischen Menschen und Dingen betreffen. Sollen „intelligente“ Roboter künftig Rechteträger in der demokratischen Grundordnung sein? In die Fragestellung sind sowohl normative wie explorative Aspekte involviert. Beide bedürfen großteils erst einer anfänglichen Debatte, auf die die meisten Akteure nicht ausreichend vorbereitet sind, und die von verschiedenen Gesellschaftssystemen und Interessen in der multipolaren Ordnung unterschiedlich interpretiert werden. Manche Mächte scheinen das Thema zur Unterminierung der liberalen Ordnung westlichen Ursprungs nutzen zu wollen. Sicher scheint, dass das Thema der Situierung „intelligenter“ Maschinen in staatspolitischen Systemen sowohl demokratie- wie geopolitisch eines der prägenden Themen der kommenden Jahre sein wird.

Abstract

In October 2017, U.N. member state Saudi Arabia bestowed citizenship on the „female“ robot „Sophia“, build by the U.S.-stemming firm Hanson Robotics in Hong Kong. Saudi Arabia is one of the least liberal nations on earth. By awarding rights to a robot it tried to prove it is at the forefront of avant-garde technology, not noticing that it set a precedent of potentially far-reaching consequences for the global community, including Western democracies and open societies in particular. Among the issues to debate are the questions of how far „Sophia“s citizenship will have to be recognized by other nations in the framework of the international order system, and in particular, how it may or may not influence concepts of personal rights, individual dignity and human rights practized mainly be the alliance of democracies and open societies, which as many observers believe will be most affected by Saudi Arabia’s step which does widely ignore them.

About the author

Roland Benedikter

Roland Benedikter, Dr. Dr. Dr., ist Co-Leiter des Centers for Advanced Studies von Eurac Research Bozen, dem Forschungsflaggschiff der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, Forschungsprofessor für Multidisziplinäre Politikanalyse am Willy Brandt Zentrum der Universität Wroclaw-Breslau, Polen, und Affiliate Scholar des Institute for Ethics and Emerging Technologies Hartford, Connecticut.

Published Online: 2018-06-29
Published in Print: 2018-06-26

© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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  73. Teil 3: Wirtschaft, Technik, Demokratie
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