Home Library & Information Science, Book Studies Von der Idee zum DNBLab: ein zentraler Zugang zu digitalen Ressourcen
Article Open Access

Von der Idee zum DNBLab: ein zentraler Zugang zu digitalen Ressourcen

  • ORCID logo EMAIL logo and ORCID logo
Published/Copyright: August 13, 2025
Become an author with De Gruyter Brill

Zusammenfassung

Das DNBLab bietet verschiedene Zugriffsmöglichkeiten auf den umfangreichen digitalen Bestand der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) und wurde speziell für Interessenten an Text und Data Mining konzipiert. Diesen bietet es als zentraler Anlaufpunkt Möglichkeiten für experimentelles und kreatives Arbeiten und stellt umfassende Dokumentationen, maschinell nutzbare Daten sowie verschiedene unterstützende Angebote zur Kompetenzvermittlung bereit. Dieser Artikel geht auf die Entwicklung des DNBLabs, die Zielgruppen, Inhalte, Vermittlungsformate, Personalressourcen und bestehende Kooperationen ein.

Abstract

The DNBLab offers various access options to the extensive digital holdings of the German National Library (DNB) and was specifically designed for those interested in text and data mining. As a central point of access, it offers opportunities for experimental and creative work and provides comprehensive documentation, machine-usable data, and various supporting services to impart skills. This article explores the development of the DNBLab, its target groups, contents, training formats, personnel resources and existing collaborations.

1 Kurzbeschreibung

Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) bietet ihre bibliografischen Daten und, soweit rechtlich möglich, digitale Objektsammlungen frei zugänglich an. Im DNBLab werden verschiedene Zugriffsmöglichkeiten für Text und Data Mining angeboten. Als zentraler, virtueller Anlaufpunkt bietet das DNBLab einen niedrigschwelligen Zugang zu Metadaten und digitalen Objekten und deren Nutzung, Analyse und Aufbereitung. Nutzende können auf Online-Coding-Tutorials zurückgreifen, die unterschiedliche Nutzungsszenarien präsentieren und direkt im Code individuell angepasst werden können.[1]

2 Genese

Das DNBLab ist im Sommer 2020 mit dem Launch einer Webseite[2] und der Vorstellung bei der vDHd 2021 Experimente[3] gestartet. Der neue Service für Wissenschaft und Forschung hatte im ersten Schritt die Aufbereitung der bereits vorhandenen offenen Schnittstellen (SRU und OAI) und XML-basierten Exportformaten für den automatisierten Datenbezug sowie Datenanalysen zum Ziel. Von mittlerweile vier Bibliothekarinnen aus der Abteilung Digitale Dienste wird das DNBLab seither zum zentralen Anlaufpunkt für Forschende weiterentwickelt und lädt mit verschiedenen Einstiegen zum Bezug und zur Weiterverarbeitung der Metadaten und freien digitalen Ressourcen in Selbstbedienung ein. Mit regelmäßigen interaktiven Veranstaltungen, Vorträgen und Infoständen bei Fachtagungen konnte das Angebot kontinuierlich den Anforderungen der Digital-Humanities-Community entsprechend ausgebaut werden. So führten Befragungen der Teilnehmenden nach Herkunft und Vorkenntnissen zu zielgruppenorientierteren Angeboten und verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten, von niedrigschwelligen Angeboten für absolute Einsteigerinnen und Einsteiger ohne Programmierkenntnisse bis hin zu Code-Beispielen für Fortgeschrittene. Das DNBLab-Team engagiert sich außerdem in der Zusammenarbeit mit Forschenden der Digital Humanities (DH) in Form von Workshops, Netzwerktreffen und Lehrkooperationen mit dem Ziel, Erfahrungen mit Expertinnen und Experten im Themenfeld auszutauschen, neue Wege der Zusammenarbeit einzuschlagen und Potenziale der eigenen digitalen Datenbestände auszuloten. Die vielfältigen DNBLab Tätigkeiten werden organisatorisch in einer Art Overlay-Struktur vom DNBLab-Team neben deren unterschiedlichen Hauptaufgaben ausgeführt und haben sowohl intern als auch extern zu einer immer stärker ausgebauten Vernetzung geführt. Nach zahlreichen allgemeinen Einführungsveranstaltungen und der Bekanntmachung des neuen Angebots in den ersten drei Jahren gehen die Angebote mittlerweile mehr auf die verschiedenen Zielgruppen und Anforderungen ein. So werden z. B. die Bezugswege (Schnittstellenabfragen) in Tutorials mit unterschiedlichen Schwerpunkten gemäß den sehr heterogenen Vorkenntnissen der Teilnehmenden (fachlich und technisch) gezeigt. Die beliebten Online-Coding-Tutorials (Jupyter-Notebooks) werden schon von Beginn an zur Bearbeitung von exemplarischen Forschungsfragen eingesetzt und auf der DNBLab-Webseite mit ausführlichem Dokumentationsteil von den Nutzenden gerne zum Selbststudium genutzt oder für eigene Bedarfe angepasst. Mit den immer spezielleren und auf Fragestellungen und DH-Methoden ausgerichteten Code-Beispielen wächst auch die Expertise der mittlerweile vier DNBLab-Mitarbeiterinnen und lässt ein nahezu IT-unabhängiges Arbeiten innerhalb der Fachabteilung „Digitale Dienste“ zu.

3 Zielgruppen

In den letzten Jahren hat die DNB Forschende verstärkt als Zielgruppe in den Fokus gerückt. Ihr Anliegen ist es, Bildung und Forschung zu fördern, nicht nur durch die Eröffnung „inspirierende[r] Wissenswelten“,[4] sondern auch als „verlässliche Quelle und Ort für den gesellschaftlichen Dialog“ zu dienen. Durch die Befragung der Teilnehmenden während der DNBLab-Veranstaltungen wurden von Beginn an wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des DNBLab-Angebots gesammelt. Über mehrere Jahre hinweg wurden Zielgruppen und Kenntnisstände systematisch erhoben. Die Befragungen ergaben ein sehr heterogenes Bild: Neben vielen Teilnehmenden aus Wissenschaft und Forschung nahmen auch vermehrt Kolleginnen und Kollegen aus Bibliotheken und Archiven teil, um das Angebot der DNB kennen zu lernen und ihre eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Abb. 1: Selbsteinschätzung der Vorkenntnisse der verschiedenen Gruppen an Teilnehmenden im Rahmen einer Mentimeterabfrage
Abb. 1:

Selbsteinschätzung der Vorkenntnisse der verschiedenen Gruppen an Teilnehmenden im Rahmen einer Mentimeterabfrage

Zur Abgrenzung verschiedener Zielgruppenanforderungen wurde im Rahmen einer Lehrkooperation mit Studierenden an einer Mind Map zur DNBLab Webseite gearbeitet. Die Teilnehmenden hatten dabei nach einer ersten Sichtung der DNBLab Webseite ihre gesammelten Informationen in verschiedenen Kategorien der Mind Map dokumentiert. In einem zweiten Schritt wurden die Studierenden jeweils einer von vier vorbereiteten Personae zugeteilt mit der Aufgabe, die gleiche Mind Map noch einmal exemplarisch für die Persona auszufüllen. Auf Grundlage dieser verschiedenen Evaluierungen der Nutzendengruppen wurden die Webseiten-Einstiege, die Tutorials und die Veranstaltungsangebote immer differenzierter und auf die verschiedenen Level der technischen und fachlichen Kompetenzen ausgerichtet. Die deutlich höhere Anzahl an Anmeldungen und Teilnehmenden insbesondere an den virtuellen Workshops mit Schwerpunktthemen bestätigt den ermittelten Bedarf.

4 Inhalte

Die DNB ist die zentrale Archivbibliothek Deutschlands. Sie sammelt, dokumentiert und archiviert alle Medienwerke in Schrift, Bild und Ton, die seit 1913 in und über Deutschland oder in deutscher Sprache veröffentlicht werden. Ob Bücher, Zeitschriften, CDs, Schallplatten, Karten oder Online-Publikationen – sie sammelt ohne Wertung, im Original und lückenlos. Die umfassende Sammlung auf Basis verlegerischer Pflichtabgaben lädt zum Forschen und Analysieren ein.

Das DNBLab setzt auf diesem Bestand auf, ist allerdings auf Daten und Objekte beschränkt, die online frei zur Verfügung gestellt werden können. Darunter fallen alle ihrer über 33 Millionen Metadatensätze sowie verschiedene digitale Objektsammlungen. Insbesondere die frei zugänglichen Metadatensätze, die den gesamten Bestand erfassen, sowie die frei zugänglichen Netzpublikationen erfreuen sich dabei großen Interesses. Aber auch viele kleinere Sammlungen wie beispielsweise aus dem Deutschen Exilarchiv, dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum oder dem Deutschen Musikarchiv sind frei verfügbar und stehen über das DNBLab Interessierten zur Verfügung. Die Anzahl der thematischen Sets sowie der in bestimmten Sets enthaltenen Publikationen wächst dabei beständig, da nicht nur die Sammlung der DNB jeden Tag tausende neue Objekte aufnimmt, sondern durch Rechteklärung oder auch Ablauf bestimmter rechtlicher Schutzfristen ältere Objekte weltweit zugänglich gemacht werden können. Doch benötigen Forschung und Wissenschaft häufig auch urheberrechtlich geschützte Ressourcen und lassen sich Forschungsfragen selten anhand der öffentlichen Verfügbarkeit bestimmter Objekte ausrichten. Daher bietet die DNB auch über das DNBLab hinaus durch Ausschreibung eines jährlichen DH-Calls[5] und Förderprogrammen wie den DH-Stipendien[6] und dem Forschungsstudienprogramm im Rahmen des BMBF-geförderten Projektes HERMES[7] Möglichkeiten der Kooperation sowie zur Arbeit mit urheberrechtlich geschützten Texten im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten nach § 60d UrhG. Diese Programme arbeiten mit dem DNBLab intern eng verzahnt, sodass das Lab-Team bei Bedarf entsprechend beraten und vermitteln kann.

Neben dem Angebot an Daten und Objekten bietet das DNBLab Tools und Vermittlungsangebote für die Arbeit mit den Daten. Für die Abfrage der SRU-Schnittstelle wurde beispielsweise eine Browseranwendung erstellt, die es Nutzenden ermöglicht, eine eigene Abfrage an die Schnittstelle als Einstieg über ein Formular zu stellen.[8] Verschiedene Erklärvideos[9] bieten einen ersten Eindruck von der Arbeit mit der SRU- sowie der OAI-Schnittstelle der DNB. Online-Coding-Tutorials führen ebenfalls mit direkt ausführbarem Programmcode in die Abfragen der Schnittstellen ein und bieten außerdem Einstiege in die Analyse von MARC21-XML-Daten, das maschinelle Herunterladen von Inhaltsverzeichnissen bzw. PDF-Dateien, der Arbeit mit OpenRefine und der Reconciliation-API von lobid[10] sowie in die Datenaufbereitung und die Erstellung verschiedener Visualisierungen. In den thematischen Workshops im Rahmen der regelmäßigen DNBLab-Veranstaltungen sowie auf verschiedenen Tagungen wurde ein zusätzlicher Fokus auf DH-Methoden wie Topic-Modelling oder Named Entity Recognition im Kontext der DNB-Daten gelegt. Alle Tutorials und für weitere für die Workshops erstellte Jupyter-Notebooks liegen öffentlich zugänglich auf GitHub[11] und können im Rahmen einer cc-by 3.0 Lizenz nachgenutzt werden. Zuletzt seien noch die zahlreichen Praxisbeispiele genannt, die nicht nur verschiedene Methoden, sondern auch ganz konkret die Vielfältigkeit der Forschungsfragen demonstrieren, die anhand oder unter Bezugnahme der Daten und Objekte der DNB entstanden sind und als Inspiration dienen können.[12]

5 Formate

Das DNBLab versteht die Vermittlungsarbeit von Beginn an als Hauptaufgabe und ist mit monatlichen virtuellen Einführungsterminen gestartet. Diese waren durch Meinungsabfragen und erste Online-Coding-Tutorials (Jupyter Notebooks) interaktiv konzipiert worden, um im weiteren Verlauf verstärkt auf die Bedarfe der Community eingehen zu können. Seit 2021 beteiligt sich das DNBLab zudem an verschiedenen Lehrkooperationen und gibt Studierenden praktische Einblicke in den maschinellen Bezug und die Analyse der digitalen Daten und Objekte der DNB. Mit der bereits erwähnten formularbasierten Schnittstellenabfrage auf der Webseite und kurzen YouTube-Erklärvideos wurde der niedrigschwellige Zugang ausgebaut. Die gemeinsame Durchführung der Online-Coding-Tutorials in den Veranstaltungen zeigte die Notwendigkeit verschiedener Vermittlungslevels (fachlich und technisch). Daraus resultierend werden einerseits Tutorial-Versionen für Nutzende ohne Programmierkenntnisse und andererseits Python-Codeteile für Fortgeschrittene angeboten. Diese Erkenntnis führte auch zu einer Erweiterung bzw. Unterteilung des Vermittlungsprogramms in Form von einführenden Programmteilen und praktischen Workshops mit Schwerpunkten. Der direkte Kontakt zu den Fach-Communities in Form von DNBLab-Infoständen auf Jahrestagungen wie dem Soziologiekongress oder Historikertag, dem direkten Austausch mit Forschenden[13] sowie Vorort-Workshops hat das DNBLab und die Förderangebote der DNB in den letzten drei Jahren deutlich bekannter gemacht. Auch regelmäßige Newsletter- und Blogbeiträge[14] sowie Informationen über die gängigen Mailinglisten tragen zur Sichtbarkeit des Angebots bei. Nicht zuletzt organisiert das DNBLab seit 2022 ein regelmäßiges Netzwerktreffen deutschsprachiger Bibliotheks-Labs, das mit einem umfassenden Teilnehmendenkreis einen regen Austausch zu aktuellen Themen und Entwicklungen bietet.

6 Ressourcen

Das DNBLab wird von vier Bibliothekarinnen betreut, wobei keine dieser Mitarbeitenden ausschließlich oder in Vollzeit für das DNBLab zuständig ist. Vielmehr erfolgt die Arbeit für das DNBLab zusätzlich zu anderen Aufgaben, die den Arbeitsalltag in der Abteilung „Digitale Dienste“ prägen. Eine präzise Angabe von Vollzeitäquivalenten (VZÄ) ist daher schwierig, da die dem Lab gewidmete Arbeitszeit je nach Aufgabenlast in anderen Bereichen und konkreten Bedarfen im DNBLab flexibel angepasst wird. Im Durchschnitt dürfte die Personalmittelausstattung des Labs jedoch etwa zwischen einem und eineinhalb VZÄ liegen.

Das DNBLab kommt dabei bislang ohne weitere technische, personelle oder direkte finanzielle Ressourcen aus: Bei den im DNBLab angebotenen Daten und Objekten sowie Zugängen handelt es sich um bereits bestehende Angebote, die im Zuge der Aufgaben der DNB entstanden sind und weiterhin entstehen. Das DNBLab fungiert hier primär als Aggregator, denn als Anforderungsgeber.

Indirekt wird das DNBLab jedoch dadurch gefördert, dass in geringem Umfang Arbeitszeit für die Fortbildung der Mitarbeiterinnen im Bereich der Bibliotheks-Labs sowie der digitalen Methoden, primär im Kontext der Digital Humanities, zur Verfügung gestellt wird. Gerade für die Angebote von Tutorials und Workshops im Kontext des DNBLab ist dies wichtig und ermöglicht eine kontinuierliche Entwicklung und Anpassung an die sich ändernden Bedarfe der Nutzenden. Auch werden Dienstreisen zu relevanten Tagungen, Workshops sowie im Rahmen von Lehrkooperationen finanziert, um die Angebote des DNBLabs bekannt zu machen. Nicht zuletzt werden finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt, um auf einer wissenschaftlich relevanten Fachtagung pro Jahr[15] mit einem gemeinschaftlichen Informationsstand aus DNBLab und Metadatendiensten der DNB direkt vor Ort mit Forschenden und Studierenden in Kontakt treten, die Angebote des DNBLabs bekannt machen und für Fragen zur Verfügung stehen zu können.

Der Bedarf an Ressourcen für die Teilnahme an entsprechenden Tagungen ist seit der Gründung des Labs 2020 jährlich stetig gewachsen, was sich auf den Erfolg der Angebote zurückführen lässt. Mit der steigenden Anzahl sowohl der angebotenen Daten(-sets), Tutorials und Workshops als auch der Nutzenden wachsen auch die Nachfragen nach Schulungsangeboten und Workshops sowie die Anzahl an Anfragen für Lehrkooperationen. Damit steigt zuletzt auch der Bedarf des DNBLabs nach Hardware-Ressourcen, die bislang nicht zur Verfügung stehen. So stützt sich das DNBLab bis dato auf frei verfügbare Angebote, wie mybinder.org, github.com und Streamlit Cloud, um virtuelle Umgebungen für Tutorials und kleinere Anwendungen zur Verfügung zu stellen, die Nutzenden niedrigschwellig erste Einblicke in die Lab-Angebote vermitteln, ohne dass diese dazu gezwungen sind, Software zu installieren oder gar zu kaufen. Doch stoßen diese Angebote schnell an ihre Grenzen und sind für viele Anwendungszwecke, die über einen ersten, oberflächlichen Eindruck hinausgehen, nicht mehr geeignet.[16] Aus diesem Grund plant das DNBLab eine eigene JupyterHub-Instanz, um besonders für thematisch vertiefende Workshops für die Teilnehmenden eine passende virtuelle Umgebung zur Verfügung stellen zu können, die verlässlich ist und selbst an die Bedarfe des DNBLabs angepasst werden kann.

7 Personalprofile/Skills

Das DNBLab ist im Bereich „Digitale Bereitstellung“ der Abteilung „Digitale Dienste“ aus Sicht der speziellen Art des Zugangs zu den Metadaten und digitalen Objekten der DNB angesiedelt. Zur Gründung des Labs 2020 wurde dieses primär von zwei Mitarbeiterinnen betreut, deren Qualifikationen aus dem Bereich der digitalen Bereitstellung resultieren. Hierbei handelt es sich um eine Diplom-Bibliothekarin und Diplom-Informationswirtin mit Erfahrung im Bereich IT-Projektmanagement sowie um eine Kollegin mit Masterabschluss in Bibliotheks- und Informationswissenschaft mit den Schwerpunkten Medienvermittlung und Bibliothekspädagogik. Sukzessive ergänzten zwei weitere Mitarbeiterinnen das DNBLab-Team durch interne Aufgabenumverteilung, da Personalprofile und Aufgaben im DNBLab gut zueinander passten und Interesse an der Mitarbeit im Lab bestand. Auf diese Art erweiterte sich das Lab-Team um eine Kollegin mit eher interdisziplinärem Hintergrund in der Geschichtswissenschaft, Informatik sowie dem anglo-amerikanischen Bibliothekswesen und einer Diplom-Bibliothekarin mit jahrelanger Expertise im Bereich Metadaten sowie der Betreuung des URN-Services. Allen Mitarbeiterinnen im Lab-Team ist dabei insbesondere eine Affinität zum Digitalen sowie zur Wissensvermittlung gemein.

Erwähnenswert ist in diesem Kontext sicherlich, dass niemand speziell für die Arbeit im DNBLab eingestellt wurde und bisher kein Profil eines Wunschkandidaten für diese Tätigkeiten entworfen wurde. Vielmehr wurden bereits bestehende Erfahrungen und Skills der Mitarbeiterinnen für das DNBLab genutzt und von diesen auch anhand der sich abzeichnenden Bedarfe im DNBLab weiterentwickelt. Mit Blick auf die im DNBLab anfallenden Aufgaben lassen sich jedoch die folgenden übergeordneten Profilmerkmale als wünschenswert nennen. Lab-Beschäftigte sollten im Allgemeinen

  • ein Verständnis von bibliothekarischer Arbeit generell sowie von Metadaten, Metadatenformaten und Objektbezug besitzen,

  • ein Verständnis von IT-Methoden und -Prozessen besitzen,

  • insgesamt eine gewisse Affinität zum Digitalen aufweisen,

  • gegenüber Forschung und fachwissenschaftlichen Themen offen sein und neugierig auf diese zugehen,

  • eine service- und nutzerorientierte Einstellung aufweisen,

  • Freude an Wissensvermittlung und der Erstellung entsprechender Angebote haben sowie eine

  • Bereitschaft, sich auch autodidaktisch neues Wissen anzueignen

  • aufweisen. Idealweise verfügen sie außerdem über

  • rudimentäre Programmierkenntnisse oder zumindest ein grobes Programmierverständnis sowie über

  • ein Verständnis der Ansprüche wissenschaftlichen Arbeitens und entsprechender Methoden.

Gleichzeitig lässt sich jedoch auch festhalten, dass gerade die Diversität der Qualifikationsprofile und die damit einhergehende Interdisziplinarität das DNBLab befruchten und dieses davon stark profitiert.

8 Kooperationen

Innerhalb der DNB arbeitet das Lab-Team eng mit den verschiedenen anderen Bereichen zusammen: Mit Kolleginnen und Kollegen der Digitalisierung, Rechteklärung, Metadatendienste und den Sonderbereichen Deutsches Exilarchiv, Deutsches Buch- und Schriftmuseum sowie dem Deutschen Musikarchiv zum Beispiel immer dann, wenn es darum geht, neue Datensets ins DNBLab aufzunehmen. Mit der Benutzungsabteilung arbeitet das DNBLab zusammen, um auch in den Lesesälen auf die DNBLab-Angebote hinzuweisen oder – perspektivisch – hier spezielle Arbeitsplätze bzw. -geräte für ein erstes Ausprobieren der Arbeit mit den Daten anzubieten. Auch mit dem Wissenschaftlichen Dienst als weiterer Schnittstelle zwischen Forschung und DNB besteht ein enger Austausch, in Kooperation wird aktuell zum Beispiel ein Hackathon geplant. Mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutscher Digitaler Bibliothek (DDB), IT und Wissenschaftlichem Dienst wird zudem gerade gemeinsam an der Einführung einer hauseigenen JupyterHub-Instanz gearbeitet und im Kontext verschiedener Projekte wie Text+ im Rahmen der NFDI arbeitet das Lab an der Erreichung bestimmter Meilensteine wie den Sammlungsbeschreibungen aktiv mit. Neben den DNBLab-eigenen Vermittlungsangeboten werden seit 2024 vermehrt auch übergreifend Veranstaltungen wie Workshops von DNBLab und Kolleginnen und Kollegen aus beispielsweise DDB oder Wissenschaftlichem Dienst gemeinsam geplant, eingereicht und durchgeführt, in denen jeweils die Expertisen der verschiedenen Bereiche ihre Stärken ausspielen können.

Mit externen Akteuren kooperiert das DNBLab bislang insbesondere in Form von Lehrkooperationen. Insbesondere mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) und dem Marburg Center for Digital Culture and Infrastructure (MCDCI) hat sich in den letzten Jahren über regelmäßig veranstaltete Seminare der beiden Institutionen eine Zusammenarbeit etabliert. Im Rahmen von Blockveranstaltungen wird den Studierenden die Chance geboten, nach einer groben Einführung in das DNBLab im Rahmen eines Workshops selbst Daten zu beziehen und erste einfache Analysen oder Visualisierungen zur Beantwortung beispielhafter Forschungsfragen zu erstellen. Auch im Kontext thematisch passender Seminare anderer Hochschulen bot das DNBLab den Studierenden bereits entsprechende Einblicke oder konkrete Hands-On-Workshops an, zuletzt im Rahmen eines Seminars aus der Germanistik der Universität Halle-Wittenberg. Das DNBLab-Team begrüßt daher Anfragen interessierter Dozierender, um Studierenden praktische Erfahrungen in die Forschungsarbeit mit den Daten der DNB bieten zu können, die nicht für die Forschung generiert, aber für diese hoch interessant sein können.

Neben der Beteiligung an verschiedenen größeren Drittmittel- und Verbundprojekten wie beispielsweise dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt HERMES (Humanities Education in Research, Data, and Methods) startet die DNB unter maßgeblicher Beteiligung des DNBLabs aktuell ein Kooperationsprojekt mit GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, um anhand des Twitterarchivs nach Vorbild der GESIS TweetsKB[17] eine analoge „Knowledge Base“ zu entwickeln, die interessierten Nutzenden und Forschenden im DNBLab frei zur Verfügung gestellt wird.

9 Nachhaltigkeit

Das DNBLab wurde 2020 zwar mit experimentellem Charakter gegründet, ist aber direkt in den laufenden Betrieb eingebettet und daher zeitlich nicht begrenzt. Das DNBLab aggregiert vielmehr Angebote, die aus anderen Kontexten der DNB bereits dauerhaft bestehen (z. B. Schnittstellen, Datensets) und an anderer Stelle betrieben werden. Die mittlerweile auch direkt im Lab entstehenden weiteren Angebote wie die Online-Coding-Tutorials, Erklärvideos, Tools wie die SRU-Demo-Abfrage sowie die verschiedenen Vermittlungs- und Workshopangebote werden aus der Arbeitszeit der Mitarbeiterinnen des DNBLab-Teams gedeckt, sodass hier Personalressourcen benötigt werden. Gleichzeitig sind alle Lab-Mitarbeiterinnen nur mit Anteilen ihrer Arbeitszeit im DNBLab beschäftigt und gehen primär anderen Aufgaben nach. Thematisch gibt es dabei eine Vielzahl an Schnittmengen dieser Aufgaben mit Lab-relevanten Inhalten, sodass hier Synergien genutzt werden. Durch diese Einbettung in das Tagesgeschäft ist das DNBLab nachhaltig, hängt es doch nicht von einer Projektfinanzierung ab. Es ist ein dauerhaftes Angebot, das kontinuierlich erweitert wird.

10 Takeaways

Der experimentelle Start des DNBLabs mit den von Beginn an vielfältigen Veranstaltungsangeboten und Interaktionen mit der DH-Community und den Fachwissenschaften hat eine erfolgreiche Win-Win-Situation geschaffen. Durch regelmäßige virtuelle Einführungen, Vorträge und Kongressteilnahmen kann der umfassende Bestand der DNB gezielt bekannt gemacht werden und die speziellen Anforderungen wiederum in die Weiterentwicklung des Lab-Angebots einfließen. Das entstandene Netzwerk und viele interessante Kontakte sind auf die kontinuierlichen Lab-Tätigkeiten zurückzuführen. Dabei muss ein Lab nicht zwingend viele frei verfügbare digitale Objekte anbieten, denn auch die Metadaten sind erfahrungsgemäß auch als eigenständige Forschungsdaten durchaus relevant und dazu weltweit frei zugänglich. Als viel genutzter Weg zur individuellen Datenselektion hat sich die SRU-Schnittstelle für den Bezug der Metadaten und indirekt der frei verfügbaren Volltexte etabliert.

Die Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen hängt stets von der spezifischen Schwerpunktsetzung der jeweiligen Bibliothek ab. Das Lab-Team wurde in seiner anfänglichen Annahme bestätigt, dass eine möglichst breit gefächerte Aufbereitung des Lab-Angebots sinnvoll ist. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass Interessierte häufig weder Vorkenntnisse in der Arbeit mit bibliothekarischen (Meta-)Daten noch in der Arbeit mit Jupyter-Notebooks mitbringen, während die Lab-Angebote aber gleichermaßen auch für Fortgeschrittene attraktiv bleiben müssen. Basierend auf diesen Erfahrungen wurde das zunächst eher für Einsteigerinnen und Einsteiger konzipierte DNBLab-Angebot sowohl technisch als auch fachlich weiterentwickelt, um auch anspruchsvolleren Nutzenden gerecht zu werden. Um diese Bandbreite erfolgreich abzudecken und zu vermitteln, benötigen die Mitarbeitenden im Lab selbst einen entsprechend breiten Erfahrungsschatz und Hintergrund.

Ein zentraler Bestandteil beim Aufbau eines Labs ist die Öffentlichkeitsarbeit, die Bekanntmachung und der aktive Austausch mit Fach-Communities. Diese Arbeit ist ressourcenintensiv und benötigt Zeit. Besonders bei projektfinanzierten Initiativen besteht das Risiko, dass ein gerade etabliertes Lab inklusive der Mitarbeitenden, die sich mit viel Engagement neue relevante Skills angeeignet und Angebote aufgebaut haben, nach Ablauf der Finanzierung wiedereingestellt werden muss.

Zu den zentralen Fähigkeiten, die für die Arbeit in einem Lab erforderlich sind, zählen neben einer Affinität zum Digitalen und Wissen im Bereich der Bibliotheksdienste vor allem Offenheit und Neugierde an wissenschaftlichen Fragestellungen und -methoden. Ebenso wichtig sind Freude an der Vermittlungsarbeit sowie die Bereitschaft zur selbständigen Weiterbildung im informationstechnischen Bereich. Labs runden das Angebot einer Bibliothek ab, indem sie einerseits bereits Bestehendes sinnvoll nachnutzen, andererseits neue Angebote entstehen lassen und dabei neue Arten der Zusammenarbeit mit ihren Nutzenden etablieren.

Online erschienen: 2025-08-13
Erschienen im Druck: 2025-08-07

© 2025 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Articles in the same Issue

  1. Titelseiten
  2. Editorial
  3. Fachbeiträge
  4. Digital Humanities in wissenschaftlichen Bibliotheken – ein Textsprint
  5. DH Spaces: Freie Schaffensräume als multifunktionale Orte an Bibliotheken
  6. Campus-HUB – AktionsRAUM einer offenen Wissenschaft
  7. Supporting Research – Beratungsinfrastrukturen und Organisationsentwicklung
  8. Makerspaces in der Hochschullehre etablieren: Erfolgreiche Methoden, Werkzeuge und Messkriterien
  9. Akademische Textverarbeitung
  10. Labs und Makerspaces für wissenschaftliche Kontexte – Eine kollaborative Annäherung
  11. Digital History of Education Lab – im Spannungsfeld zwischen Bedarfsorientierung und Innovation
  12. Stabi Lab – Vielfalt von Themen und Skills
  13. Von der Idee zum DNBLab: ein zentraler Zugang zu digitalen Ressourcen
  14. Ein Digital Makerspace für die Herzogin Anna Amalia Bibliothek der Klassik Stiftung Weimar
  15. DigiPop – eine Wissensplattform als Living Document
  16. Kompetenzerwerb und Kompetenzerhalt
  17. Werkstatt: Integrierte Entwicklung von Hands-On-Kompetenzvermittlung und forschungsorientierten digitalen Diensten
  18. Tagungsbericht
  19. „RDMO Hackathon 2024“
  20. Nachrichten
  21. Nachrichten
  22. Produktinformationen
  23. Produktinformationen
  24. ABI Technik-Frage
  25. Was machen Digital Humanists in Bibliotheken – Was machen Bibliotheken in den Digital Humanities?
  26. Rezensionen
  27. Yes, we’re open! Open Libraries innovativ und praxisnah umsetzen. Herausgegeben von Sabine Wolf. Wiesbaden: b.i.t.verlag gmbh, 2024 (b.i.t.online – Innovativ; 94). – 307 S., Ill., Diagr., – ISBN 978-3-9826339-1-6 (Broschur). 34,50 €
  28. Praxishandbuch Bibliotheksmanagement. Herausgegeben von Jochen Johannsen, Bernhard Mittermaier, Hildegard Schäffler und Konstanze Söllner. 2., völlig neu überarbeitete Auflage. Berlin, Boston: De Gruyter Saur, 2025. – XXII + 849 S., 33 Ill. – eBook ISBN: 978-3-11104-634-1. Open Access. ISBN: 978-3-11102-991-7. 189,94 €.
  29. Veranstaltungskalender
  30. Veranstaltungskalender
Downloaded on 24.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/abitech-2025-0047/html
Scroll to top button