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Leading Libraries in the World of Openness

LIBER Journées for Library Directors, 18.–20. Mai 2022 in Budapest
  • Andreas Brandtner

    Dr. Andreas Brandtner

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Published/Copyright: November 9, 2022
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1 Einleitung

Von 18. bis 20. Mai 2022 haben die dritten LIBER Journées for Library Directors in Budapest am Bibliotheks- und Informationszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften stattgefunden. Die beiden ersten Ausgaben wurden von 20. bis 22. Mai 2015 und von 17. bis 19. Mai 2017 jeweils an Sciences Po in Paris abgehalten.[1] Dieses Veranstaltungsformat richtet sich an etwa zwanzig Direktorinnen und Direktoren von wissenschaftlichen Bibliotheken, die sich mit Fragen von Leadership, strategischer Ausrichtung und Change beschäftigen. Für LIBER (Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche – Association of European Research Libraries) sind die Journées ein hochkarätiges Leuchtturmevent und ein markanter Teil eines breiteren Leadership-Entwicklungsprogramms für Führungskräfte in wissenschaftlichen Bibliotheken. Organisiert werden die Journées von der LIBER Leadership Programmes Working Group. Zentrales Thema der diesjährigen Konferenz war das hochaktuelle und zukunftsträchtige Phänomen „Openness“, das in verschiedenen Facetten – Open Access, Open Data, Open Science/Research, Offenheit für Partnerschaften und Zusammenarbeit – aufgefächert wurde. Acht Präsentationen lieferten pointierten Input zu den unterschiedlichen Aspekten. Für jede Vortragseinheit standen eineinhalb Stunden zur Verfügung, sodass die Möglichkeit zu ausführlichen Diskussionen gegeben war und auch genutzt wurde. Zwei parallele Breakout Sessions ergänzten dieses Programm, um weiteren Raum für die gemeinsame Debatte zu schaffen. Neben den Vortragenden, den Mitgliedern des Organisationsteams sowie Vertreterinnen und Vertretern von LIBER nahmen diesmal 14 Direktorinnen und Direktoren aus zwölf Ländern teil. Während der Veranstaltung wurden kurze Statements der Vortragenden und von Mitgliedern des Organisationsteams aufgenommen.[2]

Nach der Begrüßung und Eröffnung durch den Gastgeber István Monok (Generaldirektor, Bibliotheks- und Informationszentrum der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest) führte der Konferenzvorsitzende Norbert Lossau (Vizepräsident für Digitalisierung und Infrastrukturen, Georg-August-Universität Göttingen) inhaltlich in die zweieinhalbtägige Konferenz ein und formulierte seine Erwartungen. Als ehemaliger UB-Direktor und gegenwärtiger Vizepräsident ist es ihm ein besonderes Anliegen, die Universitätsbibliotheken als integrative und funktionale Einheiten der Universitäten zu begreifen. Sie müssen aktiv Forschung, Lehre und Studium unterstützen und ihre spezifischen Kompetenzen gegenüber den Universitätsleitungen überzeugend darstellen, um die erforderliche Aufmerksamkeit und angemessene Ressourcen zu erhalten. Die Direktorinnen und Direktoren der Bibliotheken haben dafür die Verantwortung zu übernehmen.

2 Bibliotheken und Wissenschaft

Den Auftakt am ersten Tag machte Anja Smit (University Librarian, Utrecht University) mit ihrem Bericht „Moving ‚Open‘ from the Library to the University – The Making of the Utrecht Open Science Programme“. Am Beispiel von Utrecht gab sie einen Einblick in die universitätsweite Implementierung von Open Science und die Rolle, die eine Universitätsbibliothek dabei spielen kann. Die Universität Utrecht hat in ihrem Strategic Plan 2025 Open Science als eines ihrer primären handlungsleitenden Prinzipien formuliert. Dabei ist Open ein Schlüsselbegriff, der auch Offenheit mit Blick auf Partnerschaften, gesellschaftliche Gruppen und die breitere Öffentlichkeit meint. Neues Wissen soll in Form von Forschungsdaten und Publikationen gesamtgesellschaftlich offen geteilt werden. Insofern stand fest, dass der Erfolg von Open Science an die Einbindung der relevanten Stakeholder – politische Entscheidungsträger, Forschungsfördereinrichtungen und die wissenschaftliche Gemeinschaft – gebunden ist. Das Open-Science-Programm (2019–2024) in Utrecht verfolgt vier Linien: Open Access, Daten und Software nach den FAIR-Prinzipien, öffentliches Engagement sowie Anerkennung und Auszeichnungen. Die Universitätsbibliothek spielte dabei vor allem deswegen eine wichtige Rolle, weil sie auf die Einführung von Open Science gut vorbereitet war. Bereits in ihrem Strategic Plan 2015–2017 hatte sich die Bibliothek auf der Basis von Szenario-Planung darauf ausgerichtet, dass bis 2030 Open Access komplett umgesetzt wäre und sich Bibliotheken folglich auf die Unterstützung von Open Science zu konzentrieren hätten. Diese führte zu einem Umbau der Organisationsstruktur und zu einer Verlagerung von Personalressourcen aus den Bereichen Bestandsaufbau und Medienbearbeitung in akademische Services. Als die Gesamtuniversität schließlich auf Open Science setzte, wurde die Bibliothek aufgrund ihrer einschlägigen Expertise und Erfahrung als maßgeblicher Player in den Einführungs- und Umsetzungsprozess miteinbezogen. Als Erfolgsfaktoren erwiesen sich Szenario-Planung, gute Vorbereitung („being ready when the time is right“), (inneruniversitäre) Partnerschaften und Netzwerke sowie Einbindung der Stakeholder. Sehr deutlich wurde, dass und unter welchen Voraussetzungen Bibliotheken bei der Förderung von Open Science eine wichtige Rolle spielen können.

Abb. 1: Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den LIBER Journées 2022 (Foto: LIBER)
Abb. 1:

Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den LIBER Journées 2022 (Foto: LIBER)

Im Anschluss daran konzentrierte sich Mark E. Hauber (Harley Jones Van Cleave Professor of Host-Parasite Interactions, Department of Evolution, Ecology, and Behavior, School of Integrative Biology, University of Illinois at Urbana-Champaign) mit seinem Beitrag „Going Open Access after 100 Years: Advantages and Challenges for Global Inclusivity of Authorship by OA Journals“ ganz auf Open Access. In seinem Vortrag stellte er seine Erfahrungen als Chefredakteur von zwei jeweils über hundert Jahre alten ornithologischen Fachzeitschriften gegenüber: Mark E. Hauber wirkte von 2013 bis 2018 als Editor-in-Chief von The Auk – Ornithological Advances. The Auk wurde 1884 gegründet, ist das offizielle Organ der American Ornithologists’ Union und war traditionell die Top-Zeitschrift der Ornithologie. 2018 ging der Titel zur Oxford University Press über und unterliegt seither den entsprechenden Verlagskonditionen. Ab Januar 2021 wurde der Name in Ornithology geändert. Mark E. Hauber hat nach der Übernahme durch Oxford University Press seine Herausgeberfunktion niedergelegt und ist seit 2021 Co-Editor-in-Chief des Journal of Field Ornithology, das 1922 gegründet wurde und das offizielle Organ der Association of Field Ornithologists ist. Da das Journal of Field Ornithology zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Wiley-Kontrakt verloren hatte, wird es nun als Gold-Open-Access-Journal von der Association of Field Ornithologists selbst getragen und auf einer gemeinnützigen Publikationsplattform bereitgestellt. Um ein für die Muttergesellschaft aufkommensneutrales Verlagsmodell zu praktizieren, werden 1 250 US-Dollar pro Artikel verrechnet und 40–50 Beiträge jährlich veröffentlicht, wobei bei 5–10 Aufsätzen von Autorinnen und Autoren aus dem globalen Süden die Article Processing Charges (APCs) erlassen werden. Erstaunlich war, dass in der Perspektive des Wissenschaftlers Bibliotheken als mögliche Partner nicht aufschienen.

Den ersten Tag rundeten zwei parallele Breakout Sessions ab, die von Catriona Cannon (Senate House Librarian and Director of the Library Transformation Programme, University of London) und Najmeh Shaghae (Head of Campus Library, University of Southern Denmark) moderiert wurden.

3 Bibliotheken als Change Agents

Den zweiten Tag eröffnete Roxanne Missingham (University Librarian, Australian National Library, Canberra) mit ihrem digital aus Australien übertragenen Vortrag „Openness: Libraries Leading in Culture Change – Building the Policy, Culture and Services that Revolutionise a University“. Im Zentrum ihrer Überlegungen standen die Herausforderungen und Chancen, die sich für Bibliotheksleitungen mit Blick auf digitale Transformation und Openness ergeben. Dabei wurden drei Rollen, die Führungskräfte in Bibliotheken übernehmen können, identifiziert und beschrieben: Entwickler eines nationalen Ansatzes, Change Agents für das wissenschaftliche Publizieren und strategische Leader für ihre Organisationen. Das nationale Engagement führte in Australien zur Etablierung von übergreifenden Kooperationen (z. B. Regional Universities Building Research Infrastructure Collaboratively), zur Verständigung auf gemeinsame Standards (z. B. Dataset Acquisition, Accessibility and Annotation E-Research Technology), zum Aufbau von Infrastruktur (z. B. Australian Partnership for Sustainable Repositories), zur Veröffentlichung von Policies (z. B. Australian Research Council Open Access Policy) und zur Verabschiedung von Gesetzen (z. B. Open Access to Knowledge Law). Als Change Agents für das wissenschaftliche Publizieren unterstützen die Bibliotheken die Open-Access-Bewegung. So wurde an der Australian National University (ANU) im Jahr 2004 die ANU Press als Universitätsverlag gegründet, der mittlerweile etwa 1 000 Titel im Open Access bereitstellt. Neu gegründet wurde eine offene Lehrbuchreihe. Diese Aktivitäten zu Open Educational Resources werden auf nationaler Ebene vom Council of Australian University Libraries mit dem Programm „Enabling a Modern Curriculum“ unterstützt. Als strategische Leader für ihre Organisationen engagieren sich die Bibliotheksleitungen in Partnerschaften mit der akademischen Gemeinschaft über alle disziplinären Grenzen hinweg. Die aktuellen Entwicklungen erfordern von den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, neue Fähigkeiten zu entwickeln, neue Verbündete in der gesamten Universität zu finden und traditionelle Vorstellungen von ihrer Rolle zu durchbrechen. Die Bibliotheksleitungen brauchen Entschlossenheit, Verhandlungsgeschick und Reflexionsvermögen, um ihre Organisationen auf neue Weise im wissenschaftlichen Ökosystem zu positionieren.

Im Anschluss daran ging Benedikt Fecher (Leiter des Programmbereichs „Wissen & Gesellschaft“, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin) der Frage „How to Decide on the Right Kind of Open Science“ nach. Ausgangspunkt seines Vortrags war die Beobachtung, dass der Begriff Open Science zahlreiche und manchmal widersprüchliche Bedeutungen hat: Je nachdem, wen man in der breiteren Open-Science-Gemeinschaft fragt, ist Open Science entweder eine politische Bewegung für freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen, ein Versprechen für gesellschaftlichen Fortschritt oder ein neoliberales Projekt. Das Kernargument des Vortrags war, dass es vielmehr sinnvoll sein könnte, sich mit der Frage zu befassen, wie durch Offenheit in der Wissenschaft Bedeutung geschaffen wird. Denn das könnte helfen, die „richtige Art von Offenheit“ zu finden (oder zu entscheiden, welche Art von Problemen die offene Wissenschaft lösen sollte). Zu diesem Zweck wurde ein vorläufiger konzeptioneller Rahmen vorgestellt, der auf drei miteinander verknüpften Dimensionen von Bedeutung beruht: eine soziale Dimension (Wer nimmt an einem Gespräch teil?), eine faktische Dimension (Was wird gesprochen?) und eine infrastrukturelle Dimension (Wie findet das Gespräch statt?). Die Annahme ist, dass in Wissensprozessen Bedeutung durch unterschiedliche Grade der Offenheit in diesen drei Dimensionen entsteht und dass die Digitalisierung etablierte Figurationen von Offenheit irritiert. So kann die Ideenfindung über Crowdsourcing geöffnet werden, die Datensammlung über Citizen Science, die Qualitätskontrolle über Open Peer Review und die Publikation über Open Access. Insofern ist davon auszugehen, dass digitale Technologien die Wissenschaft zugänglicher (Was-Dimension), inklusiver (Wer-Dimension) und transparenter (Wie-Dimension) machen können. Die Konfigurationen der Offenheit hängen also von dem zu lösenden Problem ab. Sie können objektiv analysiert, aber nur normativ beurteilt werden (z. B. Welche Bedeutung sollte offene Wissenschaft haben? Wer kann legitim über die „richtige Art von Offenheit“ entscheiden?). Etablierte Konfigurationen werden durch digitale Infrastrukturen irritiert, was ein Risiko und eine Chance von Open Science ist. In diesem Szenario spielen Bibliotheken als Infrastrukturanbieter eine instrumentelle Rolle bei der wissenschaftlichen Sinnstiftung. Sie sind nicht nur die maßgeblichen Akteure, um wissenschaftlich offene Infrastrukturen für den gesamten Lebenszyklus der Forschung bereitzustellen, sondern auch Anwälte wissenschaftlicher Werte; sie müssen eingreifen, wenn Figurationen nicht dem wissenschaftlichen Verständnis von Qualität und Autonomie entsprechen. Bibliotheken sind Akteure des Wandels und Verfechter der Qualität bei der Neugestaltung der Wissenschaft im digitalen Zeitalter.

Von der differenzierten Reflexion zur aktivistischen Praxis führte Eva Méndez (Deputy Vice-President for Research Policy and Associate Professor for Library and Information Science, Universidad Carlos III de Madrid) mit ihrem Vortrag „Revisiting Open Science Challenges from the Window of the University Library to the New ERA Landscape“. Dabei wandte sie sich der Frage zu, wie wissenschaftliche Bibliotheken dazu beitragen können, die Herausforderungen von Open Science anzugehen und ihre großen Säulen zu stärken: FAIR Data und European Open Science Cloud (EOSC), Forschungsbewertung und Metriken der nächsten Generation, Citizen Science, Forschungsintegrität, Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens sowie Bildung und Kompetenzen. Diese umfassend gedachte Praxis von Open Science, die auf der Basis von wissenschaftlicher Integrität, Forschungsinfrastrukturen und Belohnungssystemen entsteht, können Bibliotheken mit einer Reihe von Instrumenten und Konzepten fördern. Dieser Werkzeugkasten, der im Bild eines Schweizer Offiziersmessers vorgeführt wurde, enthält Elemente wie Open Access, Open Data, Open Content, Open Education, Open Hardware, Open Source, Open Innovation, Open Standards und Open Space. Bibliotheken können mit der Verstärkung dieser Open-Science-Ansätze einen wichtigen Beitrag dafür leisten, den neuen Europäischen Forschungsraum (European Research Area/ERA) mitzugestalten. Dringender Änderungsbedarf besteht darin, die wissenschaftliche Kommunikation, die wissenschaftliche Bewertung und das Urheberrecht an die Kriterien von Open Science anzupassen. Um dies rasch umzusetzen, ist es notwendig, von einem Deklarations-Modus in einen Implementierungs-Modus zu wechseln. Diese Aufforderung richtet sich an alle Beteiligten individuell jeweils gemäß ihrer Tätigkeit in der Wissenschaft, in Verlagen, in der Forschungsinfrastruktur oder in Bibliotheken usw.

4 Digitalisierung und Zusammenarbeit

Zum Abschluss des Tages erörterte Liz Jolly (Chief Librarian, British Library, London) in ihrer Präsentation „Leading Libraries – Partnerships in Practice“ anhand von Beispielen aus der British Library die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in einem post-pandemischen, digitalen Zeitalter bei der Erbringung von Bibliotheksdienstleistungen. Diese offene Haltung zur Kooperation und Vernetzung baut auf einem der Grundwerte der British Library auf: „Collaborate to do more than we could by ourselves.“ Zusammenarbeit wird im Sinn der Kollaboration als erfolgreiches Engagement in einer Partnerschaft verstanden und als Dialog gedacht, der auf gegenseitiger Empathie und Neugierde aufbaut. Die strategischen Treiber für die Partnerschaften der British Library sind der Wert von Daten und Ideen, die zunehmende Offenheit von Inhalten und Institutionen, die anhaltende Bedeutung von physischen Räumen und Erfahrungen sowie die Bedeutung von Kreativität, Zusammenarbeit und Wissensnetzwerken. Als Beispiele wurden die Kooperation mit öffentlichen Bibliotheken zur digitalen Transformation, mit Unternehmen und Behörden zu Fragen des geistigen Eigentums und mit dem Alan Turing Institute zur Künstlichen Intelligenz aufgeführt.

5 Open Science in Ungarn

Der dritte Tag startete mit István Szabó (Vice President for Science and International Affairs, National Research, Development and Innovation Office, Budapest) und seiner Vorstellung der „Open Science and Hungarian RDI Programmes“. Ausgehend von dem Befund, dass das Ökosystem für Research, Development and Innovation (RDI) in Ungarn im europäischen Vergleich schwach entwickelt ist, wurden die nationalen Programme für Forschung, Entwicklung und Innovation dargestellt. Bei diesen Programmen, die zahlreiche Einzelelemente verbinden (z. B. National Laboratories, New National Excellence Programme, Science Parks, University Innovation Ecosystem), kommt der Implementierung von Open Science hohe Relevanz zu. Um die Prinzipien von Open Science im Forschungs- und Innovationsbereich verstärkt zu verankern, wurde – auch unter Beteiligung wissenschaftlicher Bibliotheken – ein Nationaler Open-Science-Beirat eingerichtet und ein Open Science White Paper als nationale Resolution verfasst. In dieser Erklärung wird auf die wichtigsten Säulen des Ökosystems der offenen Wissenschaft eingegangen: offener Zugang zu Forschungsergebnissen, FAIR-Prinzipien im Forschungsdatenmanagement, Integrität der Forschung, Metriken der nächsten Generation für die Forschungsbewertung, neue Arten von Belohnungen und Initiativen, internationale Kooperationsnetze, Citizen Science sowie Bildung und Qualifikationen.

6 Die „vierte Aufgabe“ von Bibliotheken

Das Symposium beschloss Ann Thornton (University Librarian and Vice Provost, Columbia University, New York) mit ihrer digital aus den USA übertragenen Präsentation „Library Interventions for the Open Research Lifecycle“. Den Ausgangspunkt nahm der Vortrag bei der Fokussierung auf den „Fourth Purpose“, zu dem sich die Columbia University bekennt. Neben Forschung, Lernen und Service besteht dieser darin, durch die Vermittlung von fundiertem Wissen Wirkung in der Welt zu erzielen. Das menschliche Wohlergehen soll gefördert werden, indem Wissenschaft in die Gesellschaft wirkt und dabei hilft, die drängenden Probleme – wie Klimawandel, Ungleichheit, systematische politische Ausgrenzung – zu bewältigen. Die Bibliothek sieht sich in die Wahrnehmung des „Fourth Purpose“ eingebunden und unterstützt gezielt die einschlägige Spitzenforschung. Einen besonderen Schwerpunkt bilden dabei Unterstützungs- und Schulungsangebote im Forschungsdatenmanagement, die auf den gesamten Forschungslebenszyklus abzielen. Um sich im Themenfeld Open Science zu vernetzen, ist die Columbia University mittlerweile Mitglied bei der Higher Education Leadership Initiative for Open Scholarship (HELIOS), an der sich mehr als 75 US-amerikanische Colleges und Universitäten beteiligen. HELIOS strebt an, den Hochschulbereich mit den Werten der offenen Wissenschaft in Einklang zu bringen.

7 Ausblick

Nach diesen drei Tagen veranschaulichten die Statements der Abschlussrunde, dass die Teilnehmenden mit zahlreichen neuen Ideen und Kontakten Budapest verlassen werden. So wurde auch mit den LIBER Journées 2022 gezeigt, dass diese Veranstaltung über eine ganz besondere Qualität verfügt. Die spezifische Kombination von Vortragenden, Teilnehmenden, Veranstalter, Austragungsort, gemeinsamen Essen und reichlich Zeit für Dialog und Diskussion erzeugt eine gelassene Atmosphäre, die den offenen Austausch fernab dienstlicher Rücksichten und Zwänge fördert. So bietet das Format neben der fachlichen Anregung und Bereicherung ein exzellentes Forum für internationale Vernetzung auf der Ebene des Top Managements von Bibliotheken. Die vierten LIBER Journées werden im Frühjahr 2024 an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin stattfinden.

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Dr. Andreas Brandtner

Dr. Andreas Brandtner

Published Online: 2022-11-09
Published in Print: 2022-11-08

© 2022 bei dem Autor, publiziert von De Gruyter.

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