Zusammenfassung
Die Hochschulbibliothek der TH Köln hat sich im Rahmen von zwei Neubauprojekten zwischen 2016 und 2022 intensiver mit den veränderten Anforderungen von Studierenden an die Nutzung von Bibliotheksräumen im Kontext einer zunehmenden Digitalisierung von Studium und Lehre und der Anforderung, forschendes Lernen durch geeignete Raumgestaltung zu unterstützen, befasst. Der folgende Beitrag stellt Erkenntnisse und Schlussfolgerungen für beide Bauprojekte einander gegenüber.
Abstract
In the context of two new construction projects between 2016 and 2022, the university library of TH Köln has dealt more intensively with the changing requirements of students for the use of library spaces in the context of increasing digitization of studies and teaching and the requirement to support research-based learning through appropriate room design. The following article compares findings and conclusions for both construction projects.
1 Ein hybrider Wohlfühlort für Kreativität und Inspiration – die Campusbibliothek Gummersbach
Die Technische Hochschule Köln (kurz: TH Köln) versteht sich als eine University of Technology, Arts, Sciences, die sich durch disziplinäre und kulturelle Vielfalt, Offenheit und ausgeprägtes Engagement für soziale Innovationen auszeichnet. Rund 27 000 Studierende verteilen sich auf mehr als 100 Studiengänge mit einem breit aufgestellten Fächerspektrum. Die Informationsversorgung für Studium, Lehre und Forschung sichert die Hochschulbibliothek, die rund 340 000 gedruckte und circa 60 000 elektronische Medien über eine funktional einschichtige Organisationsstruktur zur Verfügung stellt. 54 Beschäftigte betreuen die hybrid aufgestellten bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Services an zwei großen Campusbibliotheken im links- und rechtsrheinischen Stadtgebiet von Köln sowie an zwei kleineren Bibliotheksstandorten am Campus Gummersbach und am Campus Leverkusen.[1]
Als erstes Bauprojekt soll der Neubau der Campusbibliothek Gummersbach vorgestellt werden. Im Sommer 2020, also mitten in der Corona-Pandemie, bezog die Bibliothek mit ihren vier Beschäftigten und rund 41 000 Medieneinheiten ihre neuen Räume. Fand der Umzug noch fristgerecht statt, verhinderte der Lockdown im Herbst in letzter Minute die Eröffnungsfeier. Der Campus selbst, einst eine Abteilung der ehemaligen Gesamthochschule Siegen, wurde im Jahre 1983 in die Hochschule Köln eingegliedert. In den Folgejahren erfuhr die Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften einen signifikanten Aufwuchs der Studierendenzahlen, so dass mit großer Erleichterung im Jahre 2007 der Umzug des gesamten Campus auf ein größeres stadtnahes Gelände erfolgte. Die Bibliothek bezog ihre modernen und großzügigeren Räumlichkeiten im 1. Obergeschoß oberhalb der Mensa.
Nur wenige Jahre später waren bereits wieder sämtliche Planungen von der Realität überholt. Die vorhandene Fläche reichte erneut nicht mehr aus, wobei sich die Studierenden ganz besonders in der Mensa drängten. Daher fiel die Entscheidung bald zugunsten eines Ausbaus der Mensa über zwei Etagen, was einen Neubau der Bibliothek zur Folge hatte. Ausweichflächen zur Anmietung fanden sich schließlich im Erdgeschoß eines geplanten Firmenneubaus, unmittelbar an den Campus angrenzend. Erfreulicherweise wurde mit dem erneuten Umzug eine Verdoppelung der Bibliotheksfläche von 540 qm auf 1 090 qm in Aussicht gestellt. Im Jahr 2016 fanden die ersten Planungsgespräche zwischen der Bibliothek und dem vom privaten Bauträger beauftragten Planungsunternehmen sowie dem Architekturbüro Scheidt Kasprusch statt. Viel Zeit blieb nicht, denn der Umzug in das neue Gebäude sollte schon im Sommer 2020 erfolgen.
Die Chance eines erneuten Neubaus nutzte die Bibliothek, um sich – ungeachtet des sehr engen Zeitfensters – intensiv mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich die Anforderungen an die studentische Nutzung der Raumangebote der Hochschulbibliothek im Kontext der Digitalisierung von Lehre und Studium und neuer Lehr-/Lernkonzepte verändern. Die neue Campusbibliothek sollte bewusst als offener, vielfältiger und hybrider Lern- und Bildungsraum gestaltet werden, der zu forschendem Lernen im Sinne kompetenzorientierter und selbstgesteuerter studentischer Bildungsprozesse in transdisziplinären Projektbezügen entsprechend der Lehrstrategie der TH Köln einlädt und diese unterstützt.[2] In die Überlegungen flossen dabei auch am Campus Gummersbach bereits vorhandene Best-Practice-Beispiele für zukunftsweisende Raumgestaltungen ein. Das erforderliche Interesse und die Bereitschaft, die Bibliothek bei ihrem ambitionierten Vorhaben zu unterstützen, waren sowohl in der Fakultät selbst, wie auch bei der Hochschulleitung vorhanden.
Der Grundriss der neuen Campusbibliothek umfasst einen nahezu rechteckigen Raum, der sich über das gesamte Erdgeschoss eines Firmenneubaus erstreckt. In der Mitte und dem Zentrum der Fläche befindet sich der gedruckte Medienbestand in Freihandaufstellung. Dieser wird vom Eingang ausgehend von Nord nach Süd umringt von einer Reihe von Büro- und Gruppenarbeitsräumen, im hinteren Bereich von Räumen für Kopierer und PC-Stationen, und zum Süden hin ausgerichtet von einem halboffenen Arbeitsbereich mit großer Fensterfront. In der gesamten Bibliothek wurden von Anfang an sehr großzügig Leerrohre verlegt. So sollte sichergestellt werden, dass eine eventuell zukünftig erforderliche Reduzierung von Regalen als Folge eines zunehmenden Anteils an elektronischen Medien mit relativ wenig Aufwand durch einen Ausbau von netzgestützten Arbeitsplätzen möglich ist. Die Klimatisierung des Gebäudes erfolgt über eine Betonkernkühlung. Die gesamte Raumbeleuchtung wird zentral gesteuert, wobei an den Arbeitsplätzen selbst auch individuell zu bedienende Tischleuchten ein optimales Arbeitslicht sicherstellen. Der Boden im gesamten Bibliotheksraum ist trittschallgedämpft mit Nadelfilz ausgestattet worden.
Parallel zu den Planungssitzungen wurden zahlreiche Experteninterviews mit Lehrenden geführt sowie der Austausch mit den Studierenden intensiviert. Vor allem die sehr enge und zunächst offen gestaltete Zonierung zwischen einem ruhigen Einzelarbeitsbereich zum Süden hin und einem stark frequentierten zentralen Durchgang zu den Kopierern und PC-Pool erwies sich als eine besondere Herausforderung für die Raumgestaltung. Hinzu kam, dass die Arbeitsplatzangebote vom Bibliothekseingang aus von den Regalen im Zentrum des Raumes vollständig verdeckt wurden. Im Rahmen eines extern moderierten Workshops zusammen mit den für den Neubau zuständigen Architektinnen und Architekten (insbesondere mit dem Büro für Innenarchitektur „raumkontor“ in Düsseldorf sowie dem Architekturbüro Scheidt Kasprusch) gelang es, die ursprüngliche Planung dank innovativer Gestaltungsideen der Innenarchitektinnen und -architekten deutlich weiterzuentwickeln und zu optimieren.
Rasch gewann insbesondere ein durchdachtes Farbkonzept als Stilmittel der Innenraumgestaltung eine herausgehobene Bedeutung, um mit der neuen Bibliothek gezielt einen Wohlfühlort zu schaffen, der zu Kreativität anregt.[3] Die Farbgestaltung umfasst sämtliche Räume, von der Wandgestaltung bis zur Möblierung, und verleiht so jedem Raumbereich eine jeweils spezifische Atmosphäre, ausgerichtet und abgestimmt auf die jeweilige Raumnutzung.

Einzelarbeitsbereich (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Bereits erwähnt wurde, dass der Bibliotheksgrundriss einem Atrium gleicht, mit einem mittig aufgestellten Medienbestand, der von Süden nach Norden von unterschiedlichen Raumbereichen umringt wird. Von dieser Raumstruktur inspiriert, greift das Farbkonzept den Goethe’schen Farbkreis auf und wechselt von südlicher nach nördlicher Richtung verlaufend von wärmeren zu kühleren Farbtönen. Warme Farben in Grün, Gelb und Orange dominieren in den nach Süden ausgerichteten Räumen, Magenta und Aubergine im Osten, in den nördlich ausgerichteten Räumen dann wiederum kühle Blau- und Grüntöne. Lediglich der Medienbestand in der Mitte der Bibliothek ist dabei bewusst ausgespart worden und in neutralen Braun- und Grautönen gehalten.
Eine Wohlfühlbibliothek, die zum Besuch und längerem Aufenthalt einlädt, braucht sowohl Räume, die soziales Miteinander und Austausch ermöglichen, wie auch Raumbereiche, in die sich Studierende zurückziehen können, wenn sie Ruhe und Erholung vom Lernen benötigen. Beides bietet die neue Campusbibliothek. Für Austausch und lebhafte Interaktion wurde unmittelbar neben dem Eingang ein Lesecafé eingerichtet, das dank seiner Farbgebung in ruhigen Grüntönen und der auffälligen Deckenleuchten mit Schallschutzfunktion, zu Gesprächen einlädt.
Rückzug und Ruhe bietet dagegen ein offen gestalteter Bereich im Zentrum des Bibliothekraumes, eingebettet zwischen Regalen, auf dessen gelbe Lesesessel die hohen Deckenfenster ein besonderes Spotlight werfen.
Das Konzept einer Bibliothek als Wohlfühlort unterstützt zudem das Gestaltungselement „no cable“. Obschon alle Bereiche konsequent für hybrides Arbeiten und damit netzgestützt konzipiert sind, wurde bei den Planungen gleichzeitig konsequent darauf geachtet, sichtbare Kabelführungen zu vermeiden. Analoge und digitale Bereiche sollen sich möglichst nahtlos miteinander verzahnen, um so spezifische Bereiche zu schaffen, die neue Formen der Raumnutzung ermöglichen und insbesondere Mehrwerte für Kreativ- und Innovationsprozesse bieten.[4] Selbst Ladekabel an den Arbeitsplätzen sollten möglichst vermieden werden. Daher wurde zur Unterstützung des Ladebedarfs von mobilen Endgeräten eigens auf die Innraumgestaltung und die jeweilige Farbgebung abgestimmte und fest verbaute Schließfächer konzipiert, die integrierte, sicht- und diebstahlgeschützte Ladefunktionalitäten ermöglichen.
Auch bei der funktional-ästhetischen Integration der Bibliothekstechnik in die Inneneinrichtung des Bibliotheksraumes wurde dieses Gestaltungsprinzip des „no cable“ beachtet. So blicken Besucher und Besucherinnen im Foyer vom Eingang kommend auf eine Art Medienwürfel, in dem eine breite und schallgeschützte Sitzbank als zentraler Treffpunkt genutzt werden kann.

Lesecafé (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Seitlich sowie rückwärtig wurde unmittelbar in diesen Medienwürfel die unverzichtbare Bibliothekstechnologie integriert: Selbstverbuchungsstationen für den Medienservice sowie eine OPAC-Station für Recherchen.
Als eine Art „experimenteller Spielwiese“ bietet die Bibliothek zudem zwei Kreativräume für neue Anwendungsszenarien von Lern- und Lehrsituationen wie auch als alltagstaugliche hybride Räume zur Unterstützung der Projektarbeit kleinerer Gruppen.
Von lebhaften und anregenden Gelbtönen umgeben, können Studierende, beispielsweise für Prozessphasen des Design Thinkings im Rahmen von Projekten, Arbeitsergebnisse analog erstellen, dank hybrider Tools direkt und ohne Brüche digitalisieren und weiterbearbeiten. Neben klassischen Materialien, wie Moderationsmaterialien, Stiften und Flipcharts, bieten mobile Whiteboards die erforderliche Unterstützung von Kreativprozessen. Über QR-Codes, die selbstständig und nach Bedarf abzurufen sind, werden in den Räumen jeweils Hilfestellungen zur Nutzung der vorhandenen Tools angeboten. So soll Innovation im Raum erlebbar gemacht und interdisziplinäre Begegnung sowie kooperatives Arbeiten gefördert werden.[5]

Eingang Einzelarbeitsbereich (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Ein weiteres zentrales Gestaltungsziel war eine größtmögliche Flexibilisierung eines vielfältigen Angebotes an Arbeitsbereichen. Neuere Forschungen zu Lernräumen zeigen einen wachsenden Bedarf der Studierenden an einem breit differenzierten und flexibel nutzbaren Angebot an Arbeits- und Lernbereichen. Diese sollten sowohl verschiedenste Lerntypen, unterschiedliche Phasen in den individuellen Bildungsprozessen, wie auch diverse Nutzungsszenarien der hybriden Informationsservices im Bibliotheksraum berücksichtigen.[6] Bibliotheksbesuche variieren von sehr kurzen Besuchen bis hin zu arbeitsintensiven Aufenthalten über einen längeren Zeitraum. Nutzende sollten nach Bedarf selbstbestimmt und komfortabel zwischen ruhiger Einzelarbeit, Kooperation zu zweit, kooperativen Kreativprozessen oder der Projektarbeit in größeren Gruppen wechseln können. Das Raumkonzept der neuen Campusbibliothek hat dies berücksichtigt und bietet eine breite Palette unterschiedlicher Arbeitsbereiche, die eine individuell gestufte Nutzung von sehr ruhigen und abgeschirmten über ruhige und halboffene bis hin zu geschlossenen Räumen für sehr lebhaftes Arbeiten in unterschiedlich großen Gruppen ermöglichen.

Medienwürfel Frontseite (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Das befürchtete Schallschutzproblem infolge einer engen und anfänglich offenen Zonierung zwischen ruhigen und lebhaften Raumbereichen bei gleichzeitiger Anforderung einer möglichst flexiblen Nutzung wurde durch die Gestaltungsidee eines Festeinbaus in Form eines Mäanders gelöst. Nutzende finden auf der einen Seite, zur Fensterfront nach Süden hin ausgerichtet, einen ruhigen Einzelarbeitsbereich vor, der sowohl ganz offene wie auch halboffene Arbeitsplätze anbietet. Durch halb geöffnete Zwischengänge geschützt, gelangt man auf der gegenüberliegenden Seite, ausgerichtet zum lebhafteren Innenbereich, zu halboffenen und schallgeschützten Arbeitsbereichen für kleinere Gruppen von bis zu vier Personen.

Medienwürfel seitlich (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Ergänzt wird das Arbeitsplatzangebot durch abschließbare Carrells für längerfristige Aufenthalte von einzelnen Personen, höhenverstellbare und besonders breite Schreibtische für Studierende mit Beeinträchtigungen sowie einer Reihe von reservierbaren Gruppenarbeitsräumen, teils mit fest installierten Tischen, teils mit mobil und hochflexibel nutzbarer Möblierung. Im hinteren Bereich der Bibliothek befindet sich neben einem Raum für Kopierer und Scanner ein größerer Arbeitsraum, abgetrennt mit einer Schiebetür, mit einem Hochtisch für kürzere Aufenthalte, beispielsweise das Absenden von Druckjobs, aber auch mit einem größeren Tisch mit Sichtblenden für längere Recherchen oder wissenschaftliches Schreiben. Ein letzter Raum, der als eine Art von wissenschaftlichem Makerspace konzipiert wurde, kann dank zusätzlicher Netz- und Leitungsverstärkung wahlweise als Gruppenarbeitsraum oder für sehr datenintensive studentische Projekte (bspw. VR-/AR-Anwendungen) genutzt werden.

Kleiner Kreativarbeitsraum (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Die Relevanz von Bibliotheken für Studierende als ihrer größte Zielgruppe wurde nicht zuletzt während der Corona-Pandemie mit vielerorts eingeschränkten Services von Bibliotheken deutlich gezeigt.[7] Mit ihrer durchdachten und innovativen Raumgestaltung bietet die Campusbibliothek Gummersbach ein zukunftsfähiges Modell für veränderte studentische Nutzungsanforderungen an den Lern- und Bildungsraum Hochschulbibliothek.

Großer Kreativarbeitsraum (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
2 Ein kooperativer Raum für Lernen und Beratung – die Campusbibliothek Leverkusen
Nahezu parallel zum Neubau am Campus Gummersbach beschäftigte sich die Hochschulbibliothek auch am Campus Leverkusen mit einem weiteren Bauprojekt, das allerdings durch eine deutlich längere Vorlaufzeit geprägt war. Die ersten Planungen für diesen vierten Campus der Hochschule in Leverkusen-Opladen reichen im Zusammenhang mit der Standortentwicklung der TH Köln zurück bis in das Jahr 2008. Im Rahmen eines landeseigenen Wettbewerbs zum Ausbau der Fachhochschullandschaft erhielt seinerzeit ein gemeinsames Konzept der TH Köln, der Stadt Leverkusen sowie der Industrie- und Handelskammer zu Köln den Zuschlag für die Gründung einer neuen Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften mit den Schwerpunkten technische und pharmazeutische Chemie. Für die Dauer etlicher Jahre fand die neue Fakultät, unterstützt durch eine kleine Campusbibliothek, zunächst ihr Domizil für die bald 900 Studierenden in einem ehemaligen Firmengebäude auf dem Gelände des CHEMPARKs in Leverkusen. Aufgrund der Verortung auf dem Betriebsgelände war dies der einzige nicht öffentlich zugängliche Standort der Hochschulbibliothek. Rund 4 000 Medieneinheiten, eine Selbstverbuchungsstation sowie eine überschaubare Anzahl von Einzelarbeitsplätze standen den Studierenden zur Verfügung. Aufgrund der sehr knappen Personalressourcen von nur 1,5 Stellen konnte der kleine Standort im Vergleich zu den anderen Campusbibliotheken allerdings von Anfang an nur deutlich reduziertere Öffnungszeiten anbieten. Eine strukturell bedingte Herausforderung, die mit dem Selbstverständnis der Bibliothek als einer offenen und nutzerfreundlichen Einrichtung kollidierte und sich unübersehbar nachteilig auf die Akzeptanz der Bibliothek auswirkte.

Gang mit den großen Lesenischen (Foto: Hans Jürgen Landes, Dortmund)
Erfreulicherweise wurde mit den Bauplanungen für den neuen Campus in Opladen eine deutliche Erweiterung der Bibliotheksfläche von bislang 168 m2 auf 382 m2 in Aussicht gestellt. Damit verbunden war die konzeptionelle Idee einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Fachbibliothek mit einem umfassenden Printangebot und einer größeren Anzahl unterschiedlicher Arbeitsbereiche. Diese ursprüngliche Idee stellte sich jedoch nach über einem Jahrzehnt dynamischer Fakultätsentwicklung sowie ausgeprägter Anwendung hybrider Lehr-/Lernkonzepte mit konsequenter Nutzung digitaler Informationsmedien als nicht mehr bedarfsgerecht heraus. Hinzu kam, dass ein deutlicher Mehrbedarf an Räumen für selbstbestimmte studentische Bildungsprozesse und Beratungsangebote von Studierenden entstanden war. Gleichzeitig war abzusehen, dass mit den vorhandenen Personalressourcen der Bibliothek keine zufriedenstellenden Öffnungszeiten sichergestellt werden konnten.
Bibliothek und Fakultät nahmen daher die gemeinsame Herausforderung an, die knappen Ressourcen Raum, Personal und Zeit in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zur Verbesserung der Studienbedingungen zu stellen. Entwickelt wurde schließlich ein neues Raumkonzept, das auf eine kooperative und gemeinschaftliche Raumnutzung und -gestaltung ausgerichtet ist. Damit verbunden ist die Erwartung vor allem an zwei wesentliche Optimierungen: ein verbesserter Zugang zum Informations- und Beratungsraum sowie eine verbesserte Beratungssituation insgesamt.
Während die bisherige Campusbibliothek ganz am Rande des alten Hauptgebäudes gelegen und damit schlecht erreichbar war, punktet der neue Raum mit einer bevorzugten Lage unmittelbar gegenüber dem Eingang des neuen Hauptgebäudes. Der Informations- und Beratungsraum gliedert sich in einen Bibliotheksbereich mit Freihandaufstellung für den gedruckten Medienbestand sowie eine Servicetheke mit 1,5 Arbeitsplätzen, flankiert von einer Selbstverbuchungsstation für einen automatisierten Leihservice. Ein außenliegender Bookdrop, ein Raum für Kopierer und Scanner sowie ein intern genutzter Raum für die Medienlogistik (Standortbestellungen, Fernleihen) ergänzen den engeren Bibliotheksbereich.
Der Fakultätsbereich gliedert sich über das Angebot von Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen, einen Loungebereich sowie den sogenannten „StudiPunkt“ mit niederschwelligen Peer-to-Peer-Beratungsangeboten zum wissenschaftlichen Lernen und Schreiben, ein Mentoring-Programm, tutorielle Begleitung und offene Sprechstunden.[8]

Bookdrop (Foto: Nicole Grützner)
Das sind inhaltliche Beratungsangebote, die eine gute Ergänzung zum bibliothekarischen Beratungsservice bieten und auch bereits in anderen Campusbibliotheken der TH Köln mit anderen Akteuren der Hochschule erfolgreich unter einem Dach räumlich miteinander verbunden sind.
Geplant ist der Umzug auf den neuen Campus für August 2022 und damit erst nach Fertigstellung dieses Beitrags. Es wird sich daher erst in naher Zukunft zeigen, wie sich dieses innovative Lern- und Bildungsraumkonzept bewährt und wie es sich entwickelt. Wenn es vom erhofften Erfolg begleitet wird, könnte der Informations- und Beratungsraum am Campus Leverkusen mit seiner kooperativen Raumkonzeption durchaus ein interessantes Modell für kleinere Standorte mit knappen Ressourcen und gleichzeitig ausgeprägter Affinität zugunsten einer digitalen Informationsversorgung darstellen.
3 Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Vergleich beider Bauprojekte zeigt, dass es keine eindimensionale Antwort auf die Gestaltung zukunftsfähiger Raumkonzepte für Hochschulbibliotheken gibt. Vielmehr gilt es, die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Nutzenden zu erfassen, zu analysieren und durch geeignete räumliche Umsetzungsideen aufzugreifen. So werden wissenschaftliche Bibliotheken auch in Zukunft als besondere und offene Orte relevant sein für informelle und selbstgesteuerte studentische Lern- und Bildungsprozesse.
About the author

Dr. Margarete Busch
© 2022 bei der Autorin, publiziert von De Gruyter.
Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
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