Startseite Wirtschaftswissenschaften Die Rolle der Wahlfreiheit in der Armutsbekämpfung / The Role of Freedom of Choice in Poverty Alleviation
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Die Rolle der Wahlfreiheit in der Armutsbekämpfung / The Role of Freedom of Choice in Poverty Alleviation

  • Ortrud Leßmann
Veröffentlicht/Copyright: 11. Mai 2016
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ORDO
Aus der Zeitschrift ORDO Band 60 Heft 1

Zusammenfassung

Mit dem Capability-Ansatz von Amartya Sen und dem Lebenslage-Ansatz stellt der Aufsatz zwei Ansätze vor, die erstens für eine multidimensionale Erfassung von Armut plädieren und zweitens Armut als eingeschränkte Handlungsfreiheit definieren. Die Handlungsfreiheit wird in beiden Ansätzen als Möglichkeit modelliert, eine Lebensweise aus einer Menge auszuwählen. Die These dieses Aufsatzes ist, dass es Folgen für die Methoden der Armutsbekämpfung haben muss, wenn Armut in dieser Weise unter anderem auf die mangelnde Wahlfreiheit einer Person zurückgeführt wird. Der Aufsatz konzentriert sich auf Überlegungen, wie sich Menschen in der Ausübung ihrer Wahlfreiheit bestärken lassen und so aus der Armut geführt werden können.

Drei allgemeine Folgerungen lassen sich aus dem Beitrag ziehen: Erstens ist der Markt eine Art Übungsfeld für Handlungsfreiheit - aber nur, wenn die Voraussetzungen für sein Funktionieren gewährleistet sind; zweitens lädt Demokratie ein, Handlungskompetenz zu erwerben, aber dies sollte drittens von einem geeigneten Bildungskonzept begleitet werden. Der Forschung obliegt es, die Lücke zwischen den allgemeinen Aussagen und konkreten Anwendungen zu schließen.

Summary

The Capability Approach as well as the Conditions-of-Life-Approach view poverty as a multidimensional phenomenon that is not only characterised by lows levels of achievement in the various dimensions but also by a restricted opportunity to choose among from a set of different ways of life. The approaches thus put a lot of emphasis on (limited) freedom of choice as a crucial aspect of poverty. If poverty is seen in this way there are two ways to improve the situation of the poor: by broadening the set of opportunities open to them or by strengthening their ability to choose. The paper concentrates on the latter.

The paper arrives at three general conclusions: first, the market is an institution that trains the ability to choose if certain preconditions are met which are necessary in order to ensure the functioning of the market (namely freedom from interference and absence of externalities). Secondly, democracy is a political institution that demands people’s ability to choose and, thus, strengthens this ability, too. Thirdly, education can and should play an important role in encouraging and training the ability to choose. These general findings are rather abstract and quite a lot has still to be done in order to fill the gap between theoretical findings and their actual application in the process of poverty alleviation.

Online erschienen: 2016-5-11
Erschienen im Druck: 2009-1-1

© 2009 by Lucius & Lucius, Stuttgart

Artikel in diesem Heft

  1. Vorwort
  2. Inhalt
  3. Hauptteil
  4. 60 Jahrgänge Ordnungstheorie und Ordnungspolitik / Sixty volumes of ORDO
  5. Ist ‚Freiheit’ als ‚negative Freiheit’ ausreichend bestimmt? Die Positionen Friedrich August von Hayeks und Isaiah Berlins im Kontrast sowie ein Vorschlag zur Diskussion / Is ‚Liberty’ as ‚Negative Liberty’ Appropriately Conceptualised? The Positions of Friedrich August von Hayek and Isaiah Berlin in Comparison and a Proposal for Discussion
  6. Walter Euckens Weg zum Liberalismus (1918-1934) / Walter Eucken’s way to liberalism (1918-1934)
  7. Gesellschaft und Recht bei David Hume und Friedrich A. von Hayek – Über die Zivilisierung des Egoismus durch Recht und Wettbewerb / David Hume’s and Friedrich A. von Hayek’s Theory of Society and Law. Law and Competition as Civilizers of Self Interest
  8. Zwischen Historismus und Neoklassik: Alexander Rüstow und die Krise in der deutschen Volkswirtschaftslehre / Between Historical School and Neoclassical Economics: Alexander Rüstow and the Crisis in German Economics
  9. Wirtschaftspolitik und Psychologie: Zum Forschungsprogramm der Behavioral Economics / Psychology and economic policy
  10. Zum Verhältnis von Recht und Ökonomie in der Wettbewerbspolitik: Eine Erwiderung auf Mestmäcker / On the Dualism of Law and Economics in the Interpretation and Application of Competition Rules
  11. Über die Not-Wendigkeit von Nothilfe. Eine Handvoll ordnungspolitischer Betrachtungen angesichts der neuen Staatsgläubigkeit / Emergency measures help to save the free-market system
  12. Finanzmarktkrise: Marktversagen oder Staatsversagen? / Financial crisis: Failure of markets or politics?
  13. Das Bilanzproblem der Banken – Ein Lösungsvorschlag / The bank‘s balance sheet problems: a proposal for a solution
  14. Lehren aus der Finanzkrise: Rolle des Staates und internationale Dimension / Lessons from the financial crisis: The role of government and the international dimension
  15. Die Finanzmarktkrise als Legitimitätskrise des Kapitalismus: Überlegungen zu (allzu) menschlichem Handeln in Wirtschaft und Politik / The Financial Crisis as a Crisis of the Legitimacy of Capitalism
  16. Krisenbewältigung und Krisenvermeidung: Lehren aus der Finanzkrise / Crisis resolution and future crisis prevention: lessons from the recent financial crisis
  17. Der Krise entkommen – das Geld privatisieren / Escaping the crisis – privatise money
  18. Finanzmarktinnovationen und Finanzkrisen: Historische Perspektive / Financial innovations and financial crisis: a historical perspective
  19. Krisenprävention als ordnungspolitische Aufgabe / The role of institutional economics in crisis prevention
  20. Unternehmen als Agenten der Armutsüberwindung und Entwicklung. Ihr Beitrag aus Sicht von Ordoliberalismus und Capability-Ansatz / Corporate potentials to fight poverty and foster human development. Ordoliberalismus and Capability Approach perspectives
  21. Die Rolle der Wahlfreiheit in der Armutsbekämpfung / The Role of Freedom of Choice in Poverty Alleviation
  22. Social Entrepreneurship und Ordnungspolitik: Zur Rolle gesellschaftlicher Change Agents am Beispiel des Kruppschen Wohlfahrtsprogramms / Social Entrepreneurship and Ordnungspolitik
  23. Armutsbekämpfung durch Reduktion von Korruption: eine Rolle für Unternehmen? / Fighting poverty by fighting corruption: A task for private enterprise?
  24. Ökonomische Vernunft und politische Ethik / Economic Reasoning and the Ethics of Policy
  25. Buchbesprechungen
  26. Inhalt
  27. Ein rüstiger Jubilar zwischen Markt und Plan
  28. Gelebte Ordnung
  29. Missing Link?
  30. Wirtschaftsethische Perspektiven VII
  31. Zum Andenken an den unbekannten Dritten der Freiburger Schule
  32. Der Einfluss des Neoliberalismus auf das Europäische Wettbewerbsrecht 1946-1965
  33. Globalisierung und Europäisches Sozialmodell
  34. Scientific Competition
  35. Verbindlichkeit – Eine kritisch-realistische Bestimmung der Erkenntnis und des Wesens der Gesellschaft
  36. Der Treibhausgas-Emissionshandel in evolutionsökonomischer Perspektive
  37. Markt und Wettbewerb in der Sozialwirtschaft
  38. Ordnungsökonomik – ein überholtes Forschungsprogramm?
  39. Anwendungsorientierte Marktwirtschaftslehre und Neue Politische Ökonomie
  40. Internetökonomie – Ein interdisziplinärer Beitrag zur Erklärung und Gestaltung hybrider Systeme
  41. Rationierung in der Gesetzlichen Krankenversicherung Deutschlands
  42. Effizienz oder Wettbewerbsfreiheit?
  43. Visionäre Wege aus der Subprime-Krise
  44. Studien zur evolutorischen Ökonomik IX
  45. Violence and Social Orders: A Conceptual Framework for Interpreting Recorded Human History
  46. Eine anekdotische Volkswirtschaftslehre für jedermann
  47. Kurzbesprechungen
  48. Personenregister
  49. Sachregister
  50. Anschriften der Autoren
Heruntergeladen am 28.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/ordo-2009-0120/html
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