Über die Not-Wendigkeit von Nothilfe. Eine Handvoll ordnungspolitischer Betrachtungen angesichts der neuen Staatsgläubigkeit / Emergency measures help to save the free-market system
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Gerhard Schwarz
Zusammenfassung
Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass die Staatsgläubigen „in allen Parteien“ Oberwasser bekommen haben. Gleichzeitig treten innerhalb des marktwirtschaftlichen, liberalen Lagers die Unterschiede zwischen den ordoliberalen und den libertären Strömungen deutlicher hervor. Der Beitrag tritt der Auffassung entgegen, man wäre der Krise am besten durch Nicht-Intervention entgegengetreten. Obwohl der Staat wesentlich die Krise verursacht und zu verantworten hat, kommt ihm als Nothelfer in aussergewöhnlichen Situationen durchaus eine zentrale Rolle zu. Ausserdem kann das marktwirtschaftliche Lager nicht einfach seine Hände in Unschuld waschen. Die Schlüsselfrage für alle, denen an einer freiheitlichen Ordnung gelegen ist, wird sein, wie man die vielen unerwünschten Langzeitfolgen der Krisenbekämpfung vermeiden oder doch mildern kann. Marktorientierte Wirtschaftspolitik befindet sich in der Rolle des Arztes, der lebensrettende Sofortmassnahmen ergreift, obwohl er weiss, dass diese langfristige Schäden verursachen bez. zumindest zu Medikamentenabhängigkeit führen können. In einer Demokratie ist jedoch eine gesunde Mischung aus solchem Realismus und gesunder Selbstkritik der Glaubwürdigkeit und damit dem Einfluss einer marktwirtschaftlichen Ordnungspolitik wohl zuträglicher als ein dogmatischer Anti-Interventionismus.
Summary
One of the results of the global financial and economic crisis is the fact that in all parts of society believers in “big government” are in the ascendancy. At the same time, inside the free-market camp the differences between the “ordoliberal” and the libertarian school of thought have become more distinctive. This article opposes the view that non-intervention would have been the best medicine against the crisis. Although government bears a significant part of the blame for the crisis, it still has to play a central role as an emergency helper in extraordinary times of need. Moreover, the free-market camp cannot simply wash its hands of its responsibility. The key question for all who support a system based on freedom will be how to prevent or at least alleviate the many undesirable long-term consequences of the anti-crisis measures. Market-oriented economic policy now means playing the role of the physician who takes life-saving emergency measures, knowing that they can lead to long-term damage or at least to a dependence on prescription drugs. In a democracy, a healthy mix of realism and self-criticism is more beneficial to the credibility and thus the influence of free-market economic policies than a dogmatic anti-interventionist position.
© 2009 by Lucius & Lucius, Stuttgart
Articles in the same Issue
- Vorwort
- Inhalt
- Hauptteil
- 60 Jahrgänge Ordnungstheorie und Ordnungspolitik / Sixty volumes of ORDO
- Ist ‚Freiheit’ als ‚negative Freiheit’ ausreichend bestimmt? Die Positionen Friedrich August von Hayeks und Isaiah Berlins im Kontrast sowie ein Vorschlag zur Diskussion / Is ‚Liberty’ as ‚Negative Liberty’ Appropriately Conceptualised? The Positions of Friedrich August von Hayek and Isaiah Berlin in Comparison and a Proposal for Discussion
- Walter Euckens Weg zum Liberalismus (1918-1934) / Walter Eucken’s way to liberalism (1918-1934)
- Gesellschaft und Recht bei David Hume und Friedrich A. von Hayek – Über die Zivilisierung des Egoismus durch Recht und Wettbewerb / David Hume’s and Friedrich A. von Hayek’s Theory of Society and Law. Law and Competition as Civilizers of Self Interest
- Zwischen Historismus und Neoklassik: Alexander Rüstow und die Krise in der deutschen Volkswirtschaftslehre / Between Historical School and Neoclassical Economics: Alexander Rüstow and the Crisis in German Economics
- Wirtschaftspolitik und Psychologie: Zum Forschungsprogramm der Behavioral Economics / Psychology and economic policy
- Zum Verhältnis von Recht und Ökonomie in der Wettbewerbspolitik: Eine Erwiderung auf Mestmäcker / On the Dualism of Law and Economics in the Interpretation and Application of Competition Rules
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- Finanzmarktkrise: Marktversagen oder Staatsversagen? / Financial crisis: Failure of markets or politics?
- Das Bilanzproblem der Banken – Ein Lösungsvorschlag / The bank‘s balance sheet problems: a proposal for a solution
- Lehren aus der Finanzkrise: Rolle des Staates und internationale Dimension / Lessons from the financial crisis: The role of government and the international dimension
- Die Finanzmarktkrise als Legitimitätskrise des Kapitalismus: Überlegungen zu (allzu) menschlichem Handeln in Wirtschaft und Politik / The Financial Crisis as a Crisis of the Legitimacy of Capitalism
- Krisenbewältigung und Krisenvermeidung: Lehren aus der Finanzkrise / Crisis resolution and future crisis prevention: lessons from the recent financial crisis
- Der Krise entkommen – das Geld privatisieren / Escaping the crisis – privatise money
- Finanzmarktinnovationen und Finanzkrisen: Historische Perspektive / Financial innovations and financial crisis: a historical perspective
- Krisenprävention als ordnungspolitische Aufgabe / The role of institutional economics in crisis prevention
- Unternehmen als Agenten der Armutsüberwindung und Entwicklung. Ihr Beitrag aus Sicht von Ordoliberalismus und Capability-Ansatz / Corporate potentials to fight poverty and foster human development. Ordoliberalismus and Capability Approach perspectives
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- Sachregister
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