Krisenbewältigung und Krisenvermeidung: Lehren aus der Finanzkrise / Crisis resolution and future crisis prevention: lessons from the recent financial crisis
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Rüdiger Pohl
Zusammenfassung
In diesem Beitrag werden erste Lehren aus der Finanzkrise zur Frage der Krisenbewältigung und einer zukünftigen Krisenvermeidung gezogen. Trotz ungewisser Erfolgsaussicht sind Aktivitäten des Staates zur Bewältigung der Krise erforderlich. Allerdings können dabei Langzeitschäden in Form einer Aufweichung der Budgetbeschränkung und von Verzerrungen im Finanzsystem auftreten. In der historischen Rückschau wird die Rolle des Staates nicht nur daran zu würdigen sein, dass der Staat maßgeblich zur Krisenbewältigung beigetragen hat, sondern auch daran, inwieweit er dabei schädliche Nebenwirkungen vermieden hat. Angesichts der großen Schäden durch die Finanzkrise hat die Aufgabe einer Krisenvermeidung in der Zukunft hohe Priorität. Jedoch wird auch eine Neuregulierung des internationalen Finanzsystems nicht verhindern können, dass in Zukunft krisenhafte Zuspitzungen an den Finanzmärkten entstehen. Das Finanzsystem bleibt unlösbar mit Risiken und einem daraus resultierenden Krisenpotential verbunden. In die gegenwärtige Krise hat eine leichtfertige Risikoanhäufung geführt; sie beruht auf Phänomenen wie Risikoentwöhnung und Herdentrieb, die allgegenwärtig sind und auch in Zukunft auftreten können. Die Finanzmarktregulierung muss Risiken an den Finanzmärkten weiterhin zulassen, weil anderenfalls die Effizienz der Kapitalallokation gestört wird.
Summary
The purpose of this paper is to draw some early lessons from the recent financial crisis, particularly with regard to the crisis resolution and the prevention of future crises. In order to stabilize the financial system, government activities are essential even though success is uncertain. Nevertheless, there is rising concern of possible negative side effects such as a softening of the government’s budget constraint caused by government activities or distortions of competition in the financial sector. The reduction of these side effects remains a main challenge for the government. The judging of the government in the future will jointly depend on the dealing with crisis resolution and the causing or rather prevention of negative side effects. Due to the enormous output loss caused by the financial crisis, crisis prevention is gaining a high priority. However, thinking that the possibility of future financial turmoil can be eliminated by implementing new regulation frameworks is not realistic. The reason is that risk as a crisis potential is inseparably involved in financial transactions. Phenomena such as a declining risk awareness and a widespread herd instinct, which have caused the unsustainable accumulation of risks in the current crisis in the first place, will still be at work in the future. This cannot be completely suppressed by regulating the financial markets. Even a more ambitious regulation of the financial system, which is on the way as a reaction to the crisis, must give room for risk taking, otherwise it would undermine the efficiency of the allocation of capital.
© 2009 by Lucius & Lucius, Stuttgart
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