Lehren aus der Finanzkrise: Rolle des Staates und internationale Dimension / Lessons from the financial crisis: The role of government and the international dimension
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Roland Vaubel
Zusammenfassung
Für den Ausbruch der Finanzmarktkrise waren nicht falsche Marktanreize, sondern falsche Erwartungen und Staatsversagen ausschlaggebend. Ein Vergleich der Risikoprämien am amerikanischen Hypotheken- und Anleihemarkt zeigt, dass die Krise nicht auf geringe Risikoscheu, sondern auf eine Unterschätzung der Risiken zurückzuführen ist. Die gleichen Faktoren, die das Versagen der Bankenaufsicht erklären, sprechen dagegen, die diskretionären Eingriffsrechte der Aufsichtsbehörden zu erweitern. Eine Internationalisierung der Bankenregulierung, wie sie jetzt in der Europäischen Union angestrebt wird, hätte die Krise nicht verhindert. Da jedes Land einen hinreichenden Anreiz hat, die Stabilität seines Finanzsystems zu gewährleisten, ist die Krise nicht durch einen Mangel an internationaler Koordination verursacht worden. Aus dem gleichen Grund bedarf es auch in Zukunft nicht einer internationalen Regulierung, sondern lediglich eines - möglicherweise verbesserten - Informationsaustauschs. Wie gezeigt wird, sind die Wirtschaftsprognosen internationaler Organisationen - insbesondere des IWF - sogar besonders unzuverlässig. Der Staat sollte solvente Banken nicht subventionieren und sich auch nicht an ihnen beteiligen. Banken, die Konkurs anmelden müssen, sollten dagegen von einer staatlichen Auffanggesellschaft vorübergehend weitergeführt und dann möglichst bald wieder verkauft werden. Die Eigenkapitalvorschriften müssen verschärft und flexibilisiert werden. Es ist auch Aufgabe des Staates, den Finanzinstituten Offenlegungspflichten aufzuerlegen.
Summary
The financial crisis is not due to distorted market incentives but to error and government failure. A comparison of risk premia in the US mortgage and corporate bond markets reveals that the crisis was not caused by low risk aversion; rather, the market underestimated the risk. The same factors which explain US regulatory failure in, and prior to, the crisis also throw doubt on current proposals to give regulators more discretionary powers. The regulations which are now to be introduced at the EU level would not have prevented the crisis. Since each country has a sufficient incentive to maintain the stability of its financial system, the crisis is not due to a lack of international cooperation, and there is no need for international regulation in the future. However, the exchange of information may be improved. The paper demonstrates that the economic forecasts of international organisations like the International Monetary Fund are less reliable than those of private and national institutions. Governments should not subsidise solvent banks, nor should they contribute to their capital. Banks which declare bankruptcy, however, should be taken over, restructured and resold by a public agency. Capital requirements ought to be raised and vary with the business cycle. There is also a case for rules requiring more transparency.
© 2009 by Lucius & Lucius, Stuttgart
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