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Umweltgeschichte verstummt in Plutopia

Von der (Un-)Möglichkeit, die nukleare Zivilisation zur Sprache zu bringen
  • Verena Winiwarter
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Natur, Umwelt, Nachhaltigkeit
Ein Kapitel aus dem Buch Natur, Umwelt, Nachhaltigkeit

Zusammenfassung

Der Nicht-Ort Hanford im US-Bundesstaat Washington, die teuerste Altlast der USA, liegt womöglich am Ende der Welt. Sie liegt dort dann, wenn es nicht gelingt, die darin befindlichen gefährlichen Abfälle dauerhaft von der Umwelt abzuschließen. Es ist keineswegs sicher, dass dies gelingen wird. Kathleen Flennikens Plume (Flenniken 2012) und Michele Stenehjem Gerbers On the Home Front: The Cold War Legacy of the Hanford Nuclear Site (Stenehjem Gerber 1992) könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch, der Band mit Gedichten der Zivilingenieurin, die selbst drei Jahre in Hanford arbeitete, und der Klassiker der Hanford-Aufarbeitungsliteratur, minutiös recherchiert und faktentreu dargestellt, sind beides Zeugnisse des sprachlichen Umgangs mit einer Monstrosität, die sich nur unzureichend in Wissen verwandeln lässt. Plutopia, der von Karen Brown geprägte Begriff für eine Zivilisation, die mit Plutonium, dem Bombenbaustoff, der in Hanford zwischen 1943 und 1987 hergestellt wurde, leben muss, ist ein Versuch, die Kluft zu benennen, die uns von der Zeit vor 1945 trennt (Brown 2013). Doch wir leben nicht nur mit Hanford, sondern mit Hunderten durchaus ähnlich heimtückischen Altlasten, die noch nie kalkulierte Ewigkeitskosten mit sich bringen. WissenschaftlerInnen kämpfen um angemessene Ausdrucksformen dafür und sind gleichzeitig auf ihre eigene, unhintergehbare Betroffenheit verwiesen. Es fragt sich, wie solche Monstrositäten überhaupt zur Sprache gebracht werden können. Nach einem kurzen Überblick über umwelthistorische Zugänge bieten die folgenden Seiten einen Einstieg in die Arbeit an den Grenzen des Sagbaren.

Zusammenfassung

Der Nicht-Ort Hanford im US-Bundesstaat Washington, die teuerste Altlast der USA, liegt womöglich am Ende der Welt. Sie liegt dort dann, wenn es nicht gelingt, die darin befindlichen gefährlichen Abfälle dauerhaft von der Umwelt abzuschließen. Es ist keineswegs sicher, dass dies gelingen wird. Kathleen Flennikens Plume (Flenniken 2012) und Michele Stenehjem Gerbers On the Home Front: The Cold War Legacy of the Hanford Nuclear Site (Stenehjem Gerber 1992) könnten unterschiedlicher nicht sein. Und doch, der Band mit Gedichten der Zivilingenieurin, die selbst drei Jahre in Hanford arbeitete, und der Klassiker der Hanford-Aufarbeitungsliteratur, minutiös recherchiert und faktentreu dargestellt, sind beides Zeugnisse des sprachlichen Umgangs mit einer Monstrosität, die sich nur unzureichend in Wissen verwandeln lässt. Plutopia, der von Karen Brown geprägte Begriff für eine Zivilisation, die mit Plutonium, dem Bombenbaustoff, der in Hanford zwischen 1943 und 1987 hergestellt wurde, leben muss, ist ein Versuch, die Kluft zu benennen, die uns von der Zeit vor 1945 trennt (Brown 2013). Doch wir leben nicht nur mit Hanford, sondern mit Hunderten durchaus ähnlich heimtückischen Altlasten, die noch nie kalkulierte Ewigkeitskosten mit sich bringen. WissenschaftlerInnen kämpfen um angemessene Ausdrucksformen dafür und sind gleichzeitig auf ihre eigene, unhintergehbare Betroffenheit verwiesen. Es fragt sich, wie solche Monstrositäten überhaupt zur Sprache gebracht werden können. Nach einem kurzen Überblick über umwelthistorische Zugänge bieten die folgenden Seiten einen Einstieg in die Arbeit an den Grenzen des Sagbaren.

Heruntergeladen am 24.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783110740479-002/html
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