Lexikographische Wortwelten in der Frühen Neuzeit
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Peter O. Müller
Zusammenfassung
Die Lexikographie der Frühen Neuzeit ist lange durch die lateinorientierte humanistische Lexikographie geprägt. Dies gilt auch für Wörterbücher mit dem Anspruch, primär den Wortschatz des Deutschen zu dokumentieren. Dies führte zunächst zu deutsch-lateinischen bzw. deutsch-lebendfremdsprachigen Werken, die aus Vorlagen mit lateinischen Lemmata erarbeitet wurden. Die Wortwelt, die sie präsentieren, ist einerseits unterbelichtet, da sie durch den lateinischen Wortschatz gesteuert wird. Andererseits bieten Sie aber auch in Gestalt von Übersetzungswörtern Neologismen, die ebenfalls nicht den Sprachusus des Deutschen abbilden. Erst allmählich löst sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch eigene Quellenexzerption diese starke Lateinabhängigkeit. Gegen Ende dieses Jahrhunderts entsteht mit dem Wörterbuch von Kaspar Stieler ein weiteres Werk, das den Sprachgebrauch nicht adäquat erfasst. Es enthält unzählige Selbstbildungen Stielers, der damit das Wortbildungspotential und die copia verborum des Deutschen aufzeigen will. Im Übergang zum 18. Jahrhundert konzipiert Matthias Kramer dann erstmals ein umfangreiches Wörterbuch, das als Maßgabe für die Aufnahme von Wörtern vorsieht, dass diese gang und gab sind; Kramer richtet damit seine lexikographische Wortwelt auf den allgemeinen Sprachgebrauch aus. Im 18. Jahrhundert ist dieser Ansatz zur Regel geworden und mit dem striktalphabetischen, auf lateinische Erläuterungen verzichtenden Wörterbuch von Adelung ist der Weg in die lexikographische Moderne geebnet.
Zusammenfassung
Die Lexikographie der Frühen Neuzeit ist lange durch die lateinorientierte humanistische Lexikographie geprägt. Dies gilt auch für Wörterbücher mit dem Anspruch, primär den Wortschatz des Deutschen zu dokumentieren. Dies führte zunächst zu deutsch-lateinischen bzw. deutsch-lebendfremdsprachigen Werken, die aus Vorlagen mit lateinischen Lemmata erarbeitet wurden. Die Wortwelt, die sie präsentieren, ist einerseits unterbelichtet, da sie durch den lateinischen Wortschatz gesteuert wird. Andererseits bieten Sie aber auch in Gestalt von Übersetzungswörtern Neologismen, die ebenfalls nicht den Sprachusus des Deutschen abbilden. Erst allmählich löst sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch eigene Quellenexzerption diese starke Lateinabhängigkeit. Gegen Ende dieses Jahrhunderts entsteht mit dem Wörterbuch von Kaspar Stieler ein weiteres Werk, das den Sprachgebrauch nicht adäquat erfasst. Es enthält unzählige Selbstbildungen Stielers, der damit das Wortbildungspotential und die copia verborum des Deutschen aufzeigen will. Im Übergang zum 18. Jahrhundert konzipiert Matthias Kramer dann erstmals ein umfangreiches Wörterbuch, das als Maßgabe für die Aufnahme von Wörtern vorsieht, dass diese gang und gab sind; Kramer richtet damit seine lexikographische Wortwelt auf den allgemeinen Sprachgebrauch aus. Im 18. Jahrhundert ist dieser Ansatz zur Regel geworden und mit dem striktalphabetischen, auf lateinische Erläuterungen verzichtenden Wörterbuch von Adelung ist der Weg in die lexikographische Moderne geebnet.
Chapters in this book
- Frontmatter I
- Inhalt V
- Zur Einführung 1
- Historische Lexikographie im Lichte neuerer Wissenschaftstheorien: Sein und Sollen in Gegenwart und Zukunft 9
- Wenn Quellentexte sprechen könnten: Eine Historikerin in einem fiktiven Gespräch 37
- Lexikographische Wortwelten in der Frühen Neuzeit 55
- Zur Lexikographie der historischen medizinischen Fachsprache 79
- Das Deutsche Rechtswörterbuch – ein Fachwörterbuch zwischen Recht, Sprache und Geschichte 97
- Wortwelten des Althochdeutschen und ihre Erschließung im Althochdeutschen Wörterbuch (Thesaurus) 113
- gruntvriunt und houbetvîant – Augmentativbildungen im Mittelhochdeutschen 139
- Komplexe Semantik im mittelniederdeutschen Wörterbuch 177
- Bezugsgröße ‚Wort‘ 203
- Zwischen Syntax und Semantik – zur Polyfunktionalität von frühneuhochdeutsch tun 225
- „Der Mensch ist ein Thier, dessen Willen der Vernunft untergeordnet ist“ 243
- Brief in der Brust und Hase im Busen – gleich- und gegenläufige Bedeutungsveränderung bei Teilsynonymen 283
Chapters in this book
- Frontmatter I
- Inhalt V
- Zur Einführung 1
- Historische Lexikographie im Lichte neuerer Wissenschaftstheorien: Sein und Sollen in Gegenwart und Zukunft 9
- Wenn Quellentexte sprechen könnten: Eine Historikerin in einem fiktiven Gespräch 37
- Lexikographische Wortwelten in der Frühen Neuzeit 55
- Zur Lexikographie der historischen medizinischen Fachsprache 79
- Das Deutsche Rechtswörterbuch – ein Fachwörterbuch zwischen Recht, Sprache und Geschichte 97
- Wortwelten des Althochdeutschen und ihre Erschließung im Althochdeutschen Wörterbuch (Thesaurus) 113
- gruntvriunt und houbetvîant – Augmentativbildungen im Mittelhochdeutschen 139
- Komplexe Semantik im mittelniederdeutschen Wörterbuch 177
- Bezugsgröße ‚Wort‘ 203
- Zwischen Syntax und Semantik – zur Polyfunktionalität von frühneuhochdeutsch tun 225
- „Der Mensch ist ein Thier, dessen Willen der Vernunft untergeordnet ist“ 243
- Brief in der Brust und Hase im Busen – gleich- und gegenläufige Bedeutungsveränderung bei Teilsynonymen 283