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Dänemarks Vorbereitungen auf einen möglichen heißen Krieg im Kalten Krieg

  • Thomas Wegener Friis EMAIL logo
Published/Copyright: December 3, 2020
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Zusammenfassung

Während des Kalten Krieges existierte weithin ein stabiles Kriegsszenario im Ostseeraum. Vereinte westdeutsch-dänische Land-, Luft-, und Seestreitkräfte würden die Ostseeausgänge vor einem sowjetischen, polnischen, ostdeutschen Angriff verteidigen. Die Streitkräfte der sozialistischen Ostseestaaten würden auf der Kimbrischen Halbinsel vorstoßen sowie Landungskräfte gegen die dänischen Inseln einsetzen und damit die Flanken der Hauptoffensive in Zentraleuropa abdecken und die Sowjetische Ostseeflotte würde den Sprung in die Nordsee ermöglichen. Auf Basis genau dieser Annahme führten beide Seiten im Ost-West-Konflikt über Jahrzehnte ihre militärischen Übungen durch. Umso wichtiger gestalteten sich die Vorbereitungen, die bereits zu Friedenszeiten ergriffen werden konnten. Dieser Artikel fokussiert vor allem auf die westliche Seite und ihre Verteidigung des dänischen Raumes. Besondere Berücksichtigung finden dabei die folgenden Faktoren: Verstärkungen, Ausbau militärischer Strukturen, nachrichtendienstliche Tätigkeit, Kernwaffen und Zivilverteidigung.

Im April 1988, kurz vor dem Ende des Kalten Krieges, erstellte der dänische militärische Nachrichtendienst, Forsvarets Efterretningstjeneste (FE), unter dem Titel »Die Bedrohung Dänemarks« eine Lagebeurteilung für die Führung der dänischen Streitkräfte. Darin hieß es unter anderem:

»In der einleitenden Phase [einer bewaffneten Auseinandersetzung] wird die [militärische] Nutzung des BALTAP-Gebiets durch die NATO eine Bedrohung gegen die Flanken und das Hinterland des Warschauer Paktes darstellen. Die ungehinderte Passage durch dieses Gebiet ist langfristig die Voraussetzung dafür, dass die Sowjetunion ihre großen logistischen Ressourcen, die sie in der Ostsee – einem ihrer maritimen Kerngebiete – hat, angemessen nutzen kann. Die Weiterentwicklung der Schifffahrt der Warschauer-Pakt-Staaten auf der Ostsee, darunter der Aufbau einer Fährroute mit großer Kapazität zwischen Klaipėda und Rügen, bezeugt ein gewachsenes Interesse an der Nutzung der Ostsee als Transportkorridor. Im Falle eines Krieges wäre daher die See- und Luftüberlegenheit in den zentralen und westlichen Teilen der Ostsee eine notwendige Voraussetzung dafür, die eigenen Versorgungslinien während einer Offensive im nördlichen Zentraleuropa zu sichern [...] Strategisch betrachtet umfassen die Ostseezugänge auch das Skagerrak und die Nordsee, die ein potenzielles Aufmarsch- und Operationsgebiet der NATO-Seestreitkräfte darstellen. Folglich kann erwartet werden, dass der Warschauer Pakt schon in der ersten Phase eines Krieges in diesen Gewässern offensive Operationen durchführen wird.«[1]

Einen ähnlich hohen Stellenwert hatten das dänische Territorium und die es umgebenden Gewässer bereits Jahrzehnte zuvor für die politische und militärische Führung der DDR, als sich das dann 1962 gegründete bundesdeutsch-dänische NATO-Kommando BALTAP (Baltic Approaches) am Horizont abzeichnete. Die Wortwahl der ostdeutschen Führung war denkbar anders. Sie titulierte Dänemark schrill als eine »›Rollbahn‹ des atomaren NATO-Aggressionskrieges gegen das sozialistische Lager« und als »unsinkbarer Flugzeugträger« sowie als eine Position, aus der die NATO eine »dauerhafte Bedrohung gegen die Flanke und das Hinterland des Warschauer Vertrages darstellen würde«.[2]

Die beiden angeführten Analysen entstammten zwar den entgegengesetzten politischen Lagern des Kalten Krieges und waren in ihrer Wortwahl unterschiedlich, dennoch waren Schlussfolgerungen hinsichtlich der potenziellen Bedeutung des westlichen Ostseeraumes im Falle eines Krieges zwischen der NATO und den Warschauer Vertragsstaaten ähnlich. Es bestand anscheinend eine block- und zeitübergreifende Einigkeit, dass Dänemark und Schleswig-Holstein sowohl für das westliche als auch für das östliche Militärbündnis von großem Interesse in der Anfangsphase einer kriegerischen Auseinandersetzung in Europa wären.

Die Aufgabe, die Ostseemeerengen zu verteidigen, stellte Dänemark vor erhebliche Herausforderungen. Dieser Beitrag untersucht, wie der Verteidigungsfall bereits in der Friedenszeit vorbereitet wurde. Welche Möglichkeiten hatte die NATO, Dänemark im Falle einer Offensive der Warschauer-Pakt-Staaten zu verteidigen, und welche Auswirkungen hatte dies für Land und Leute? Im Zuge der Analyse der dänischen Vorbereitungen einer europäischen militärischen Auseinandersetzung soll die Behauptung, Dänemark wäre ein zögerlicher oder gar untreuer Bündnisgenosse während des Kalten Krieges gewesen, auf den Prüfstand gestellt werden.[3] Die Aufarbeitung dieser Zeit ist keine isolierte dänische Geschichte, sondern verbindet sich mit der Geschichte der NATO und der Verteidigungsplanungen der Bundeswehr im Norden der Bundesrepublik.

Die militärstrategische Bedeutung der Kimbrischen Halbinsel im Kalten Krieg

Der Stellenwert des Landstrichs ergab sich aus der geostrategischen Lage. Während der Sundzoll für Dänemark im Mittelalter eine stabile Steuerquelle gewesen war, wurde die Rolle des Hüters der Ostseezu- oder -ausgänge für das kleine skandinavische Land nach dem Zweiten Weltkrieg zum Problem. Für das dänische Militär zeigte sich bereits unmittelbar nach Kriegsende die prekäre Lage des eigenen Landes, hatten doch die beiden sich sehr schnell konstituierenden Machtblöcke ein Interesse daran, dieses strategisch wichtige Territorium zu kontrollieren. Weder der Sowjetunion noch den Westmächten war somit daran gelegen, dass Dänemark im Falle einer Auseinandersetzung neutral blieb. Um die Möglichkeiten und Risiken besser einschätzen zu können, bekam der dänische Nachrichtendienst 1952 vom ehemaligen Vizeadmiral der deutschen Kriegsmarine und späteren Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages Hellmuth Heye[4] eine Denkschrift über die strategische Lage im westlichen Ostseeraum zugespielt, die ursprünglich für die amerikanischen Streitkräfte angefertigt worden war. In der umfangreichen Analyse wurde das sowjetische Interesse an Dänemark als Flankendeckung und Ausgangspunkt weiterer Operationen deutlich ausgeführt. Heye verfolgte bereits seit den späten 1940er Jahren das Ziel, die Regierung in Kopenhagen davon zu überzeugen, gemeinsam mit Westdeutschland diesen bedeutenden Raum gegen einen sowjetischen Zugriff zu verteidigen.[5]

Die Notwendigkeit der Inbesitznahme der Kimbrischen Halbinsel und der dänischen Hauptinseln[6] bei einer offensiven Kriegführung war ein Dauerthema in der militärischen Planung der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Paktes (VSK) im Ostseeraum. Dementsprechend war die schnelle Eroberung Schleswig-Holsteins, Dänemarks und der umliegenden Gewässer bis in die 1980er Jahre ein wichtiger Auftrag der »Küstenfront« der VSK, die ab 1961 unter polnischer Führung stand.[7] Die »Küstenfront« sollte die Flanke der 1. Westfront sichern, deren Stoßrichtung zum Rhein und zu den Atlantikküsten die Hauptoffensive in Westeuropa gegen die in der Bundesrepublik verteidigenden NATO-Streitkräfte war. Dementsprechend hätte die »Küstenfront« die Aufgabe gehabt, nördlich des Hauptstoßes Richtung Benelux vorzudringen und auf diesem Weg die deutsche Nordseeküste sowie Schleswig-Holstein und Dänemark für den Warschauer Pakt zu erobern und zu sichern. Die »nasse Flanke« entlang der Ostsee- und später Nordseeküste sollte durch einen massiven Vorstoß der Vereinten Ostseeflotte (VOF) – bestehend aus der Volksmarine der DDR, der Polnischen Seekriegsflotte und der Baltischen Rotbannerflotte – geschützt und für die logistische Unterstützung der Landstreitkräfte genutzt werden. Für die dänischen Streitkräfte hätte dies eine doppelte Operation bedeutet: erstens eine zu erwartende Landoffensive auf der Kimbrischen Halbinsel, die vom Warschauer Pakt »Jütländische Operationsrichtung« genannt wurde, und zweitens eine kombinierte See- und Luftlandeoperation auf den dänischen Inseln, die »Seeländische Operationsrichtung«. Die Volksrepublik Polen hätte den absoluten Hauptteil der Landstreitkräfte für diese Operation einsetzen müssen. Für die maritimen Landungsoperationen hätte jedoch auch das Mot. Schützenregiment 28 (MSR-28) aus Rostock zur Verfügung gestanden.[8]

Die Erkenntnisse des dänischen Nachrichtendienstes über die Planungen des Warschauer Paktes

Die militärischen Planungen und Übungen des Warschauer Paktes, soweit sie aus den polnischen und ostdeutschen Akten sowie von Zeitzeugen überliefert sind, waren während des Kalten Krieges den dänischen Militärs keineswegs unbekannt. Die offensive Militärdoktrin der Sowjetunion, die aufgrund der schlechten Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg darauf abzielte, den Krieg so schnell wie möglich auf dem Territorium des Gegners zu führen, war kein besonders gut gehütetes Geheimnis. Die offizielle Argumentation des Warschauer Paktes war durchweg, dass ein NATO-Angriff mit einer offensiven Kriegführung gegen Westeuropa beantwortet werden müsse.[9] Für den potenziellen Kriegsschauplatz der Ostseeausgänge ergab sich aus geografischen und geologischen Gründen keine unendlich große Anzahl an Angriffsvarianten. Landungsoperationen auf Seeland hätten zum Beispiel nur am Strand von Köge und in der Fakse-Bucht durchgeführt werden können. Trotzdem war der dänische Nachrichtendienst stets bestrebt, den Aufbau und die Zusammensetzung sowie Manöver, Routinen und Bewegungen der VSK im Ostseeraum genau zu beobachten. Aus diesen Erkenntnissen heraus erarbeiteten seine Analytiker Angriffsszenarien, Übersichten der darin vorgesehenen Einheiten sowie die Möglichkeiten, den bevorstehenden Konflikt zu erkennen. So schlussfolgerten sie u. a. 1965:

»Der Angriff wird voraussichtlich auf der jütländischen Halbinsel zwischen T [Zeitpunkt des Angriffs der VSK des Warschauer Paktes; die nachfolgende Zahl bedeutet in diesem Fall die Anzahl der Tage nach Beginn des Angriffs] und T+10 stattfinden und sich gegen die Seeländische Inselgruppe zwischen T+2 und T+10 richten. Die zeitliche Abhängigkeit zwischen beiden Operationen wird angestrebt, ist aber keine operative Voraussetzung. Es wird jedoch eingeschätzt – unter Berücksichtigung der Zielsetzung –, dass die Operationen mit maximal einer Woche zeitlicher Verzögerung ablaufen werden.

Die Seeländische Operation wird in der einleitenden Phase, bis ein Brückenkopf etabliert worden ist, von einer Mot. Infanteriedivision und etwa zwei Luftlanderegimentern mit der notwendigen Flottenunterstützung durchgeführt werden.

Die Flankensicherung in Schleswig-Holstein wird wahrscheinlich bereits mit T etabliert und der Angriff wird zwischen T+2 und T+10 von einer zugeführten Armee oder von der Armee, die mit der Flankensicherung beauftragt ist, weitergeführt werden. Der Angriff wird Luftunterstützung im ausreichenden Umfang erhalten.

Welche der beiden Operation zuerst initiiert wird, ist von dem Verlauf der Operationen in der Zentralregion[10] abhängig. Werden diese frühzeitig zugunsten des Warschauer Paktes entschieden, wird die Jütländische Operation wahrscheinlich zuerst initiiert. Die Seeländische Operation ist dagegen früher zu erwarten, wenn die NATO in der Zentralregion in der Lage ist, die Offensive wesentlich zu verzögern.«[11]

In einer Situation, in der die Konfliktparteien im Wesentlichen wussten, was in einem Kriegsfall auf sie zukäme, spielten Komponenten wie eine konventionelle Überlegenheit, der Einsatz von Massenvernichtungswaffen, eine möglichst schnelle Umstellung auf den Kriegszustand und die Vorbereitungen auf einen möglichen Konflikt in Friedenszeiten durchaus eine besondere Rolle.

Verteidigung der Ostseemeerengen

Mit dem »Oslo Agreement« vom 22. November 1961 wurden sämtliche NATO-Verbände zwischen Hamburg und dem Skagerrak dem neu geschaffenen Kommandobereich Ostseezugänge (BALTAP)[12] unterstellt, um die Verteidigung Schleswig-Holsteins, Dänemarks sowie der Ostseeausgänge aus einer Hand führen zu können und die Aufteilung der deutschen Seestreitkräfte auf die NATO-Kommandobereiche Nord- und Mitteleuropa zu beenden. Diese Neustrukturierung führte zu der Aufstellung von vier neuen Hauptquartieren: für die Landstreitkräfte in Jütland (LANDJUT) in Rendsburg und die Landstreitkräfte in Seeland (LANDZEALAND) in Kopenhagen, für die Luftstreitkräfte Ostseezugänge (AIRBALTAP) in Karup in Nordjütland und die Seestreitkräfte Ostseezugänge (NAVBALTAP) in Kiel-Holtenau. Trotz aller späteren nationalen Strukturveränderungen bestand diese Gliederung bis zum Ende des Kalten Krieges. Über die ganzen Jahre war BALTAP ein Teil des NATO-Oberkommandos AFNORTH, das für die Sicherheit des Bündnisses zwischen Elbe und Nordkap zuständig war und von einem britischen Admiral oder General aus dem Hauptquartier in Oslo geführt wurde.

Durch die noch junge Bundeswehr und die NATO-Strategie der sogenannten Vorneverteidigung (Forward Defense), die eine Verteidigung des NATO-Gebiets an der östlichen Außengrenze vorsah, wurde in den 1960ern eine Verteidigung des dänischen Territoriums überhaupt erst ernsthaft möglich. In dem ersten Jahrzehnt der Existenz des westlichen Bündnisses lag die Hauptverteidigungslinie der NATO zunächst am Rhein, was im Kriegsfall eher eine spätere Befreiung Dänemarks als eine eigentliche Verteidigung ihres Territoriums bedeutet hätte.[13] Durch die Schaffung von BALTAP wurde ein wichtiger Beitrag zur Stärkung bzw. Sicherung des dänischen Staatsgebiets geleistet. Dabei stellten die westdeutschen Streitkräfte den weitaus größeren Anteil der Kräfte des Kommandos. Politisch war diese (west-)deutsch-dänische Annäherung erst 15 Jahre nach Kriegsende jedoch immer noch heikel. Durch eine paritätische Besetzung der Führungspositionen von BALTAP versuchte man dieses Problem zu minimieren, fiel diese Dienstpostenverteilung doch somit deutlich zugunsten des kleineren Partners Dänemark aus.

Die Aufgaben von BALTAP waren im Wesentlichen durch die offensive Planung des Warschauer Paktes von einem reaktiven Charakter geprägt. Die dänischen Streitkräfte auf Seeland hätten die vorhergesehene Luft- und Seelandung auf den dänischen Inseln abwenden sollen, während die Insel Bornholm in der Mitte der Ostsee bei einer großangelegten Offensive mit aller Wahrscheinlichkeit von vornherein verloren gewesen wäre. Die vereinten westdeutsch-dänischen Kräfte sollten den Gegner an der innerdeutschen Grenze abfangen, sich danach kämpfend hinter den Nord-Ostseekanal sowie weiter ausweichend in den Norden, Richtung Dänemark zurückziehen und dabei möglichst viel Zeit durch den bzw. beim Rückzug gewinnen. Den Seestreitkräften von BALTAP kam eine ganz zentrale Aufgabe zu, da es ihr Auftrag war, die östlichen Flottenkräfte nicht aus der Ostsee in die Nordsee vorstoßen zu lassen. Die Verminung der dänischen Gewässer war dabei von zentraler Bedeutung, während einzig U-Boote operativ in die Tiefe des Raumes der Ostsee operieren konnten.[14]

Materiell wie personell waren die Vereinten Streitkräfte des Warschauer Paktes den Verteidigern im Ostseeraum vornehmlich quantitativ überlegen.[15] Im Gegensatz dazu begünstigten die geografischen und topografischen Bedingungen die dort eingesetzten NATO-Kräfte. Die natürlichen Hindernisse Elbe und Ostsee hatten zur Folge, dass es östlich von Hamburg nur einen rund 65 Kilometer schmalen Gefechtsstreifen gegeben hätte, der überdies durch eine Seenlandschaft zwischen Schwerin und Ratzeburg zu einem schwergängigen Gelände geworden wäre. Ebenso bot die dänische Inselwelt in der Ostsee nur wenige Möglichkeiten für einen effektiven Angriff. Zudem wäre ein Unterfangen wie die großangelegte Luft- und Seelandeoperation auf Seeland und den umliegenden Inseln eine heikle Unternehmung gewesen, zumal die Abwehr einer Landung über dreißig Jahre lang das durchgehende Übungsszenario der NATO-Truppen in diesem Raum war. So ging der dänische Nachrichtendienst Anfang der 1960er Jahre davon aus, dass rund 22 500 dänische Soldaten (plus etwa 18 500 Mann der Heimwehr) Invasionskräften von etwa 25 000 Mann gegenüberstehen würden. Nach den dänischen Berechnungen hätten die Luftstreitkräfte der VSK zwar eine lokale Luftüberlegenheit erreichen können, aber keine absolute Lufthoheit, weshalb eine kleine Anzahl westlicher Flugzeuge mit taktischen Atomwaffen den Brückenkopf der anlandenden Streitkräfte jederzeit hätte gefährden können.[16]

Die Erkenntnisse der DDR über die Verteidigungsplanungen von BALTAP

In einer Studie der als Vertrauliche Verschlusssache eingestuften DDR-Zeitschrift »Militärwesen« aus dem Jahr 1966 hob der damalige Korvettenkapitän Fritz Wehofsky die Risiken einer Seelandung deutlich hervor.[17] Gleichwohl schätzte der Militärische Nachrichtendienst der DDR wenige Jahre zuvor die Lage wie folgt ein:

»Man ist [seitens der NATO] der Meinung, dass die dem Kommandierenden der Vereinigten SSK [Seestreitkräfte] der NATO im Bereich Nordeuropa unterstellten Kräfte zur Vernichtung der gegnerischen Flotte oder zur Abwehr seiner Angriffshandlungen nicht ausreichen. Die westdeutschen und dänischen Landstreitkräfte, die die Stationierungsgebiete der SSK der NATO in der Ostsee und in der Sundzone zu verteidigen haben, werden ebenfalls als nicht ausreichend angesehen, um dem Angriff des Gegners ernsthaften Widerstand leisten zu können. Das NATO-Kommando sieht die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der Kontrolle der Belt- und Sundzone ein und wird im Falle eines Krieges gezwungen sein, zur Unterstützung der Bundesrepublik und Dänemarks bedeutende Kräfte zur Verfügung zu stellen.«[18]

Gerade die Bedeutung der relativ begrenzten dänischen Streitkräfte hatten die ostdeutschen Militäraufklärer schon frühzeitig erkannt, dagegen standen jedoch eine hohe Anzahl an Häfen mit Werftkapazitäten sowie Flugplätzen. So hielten sie in den 1950er Jahren die dänischen Streitkräfte für so schwach, dass von ihnen keine ernsthafte militärische Gefahr ausgehen könne, dass das Land jedoch für Truppen anderer NATO-Staaten aufgrund seiner Infra- und Oberflächenstruktur einen gute Plattform biete.[19] Die faktische Planung der NATO in diesem Raum während des Kalten Krieges ist bisher nicht systematisch aufgearbeitet worden. Dennoch liegen punktuelle Angaben über den Umfang der NATO-Verstärkungen für das Territorium um die Ostseeausgänge besonders für die zweite Hälfte des Kalten Krieges vor.

Schon während des Kalten Krieges gab die Verwaltung Aufklärung der NVA ihre Einschätzungen ab, welche Verstärkungen am Westufer der Ostsee zu erwarten gewesen wären. Laut ostdeutschen Angaben hätte BALTAP je eine britische und eine amerikanische Marineinfanteriebrigade, eine Division oder eine Brigade der britische Landstreitkräfte im Rahmen der Allied Command Europe Mobile Force (AMF),[20] fünf Staffeln amerikanische Marineflieger, zwei Staffeln der britischen Luftwaffe und eine Staffel der kanadischen Luftwaffe anfordern können.[21] Angaben ehemaliger führender Militärs zufolge standen BALTAP in den 1980er Jahren folgende Verstärkungskräfte zur Verfügung: Neben der AMF-Verstärkung im Umfang einer britischen Brigade sowie vier Staffeln Jagdflugzeuge, die binnen einer Woche hätten verlegen können, war geplant, binnen drei bis vier Wochen eine leichte britische Infanteriebrigade sowie fünf amerikanische und zwei britische Kampfflugzeugstaffeln in diesem Raum zusätzlich einzusetzen. Falls sie nicht in Norwegen benötigt worden wären, hätten noch weitere 30 000 U. S. Marines mit 110 mittelschweren Panzern, 100 Hubschrauber sowie noch eine weitere britische Jagdstaffel angefordert werden können bzw. zur Verfügung gestanden.[22]

Die Pläne zur Mobilisierung und Verstärkung von BALTAP

Von dem Moment an, an dem der Kalte Krieg heiß geworden wäre, bis zum Zeitpunkt des Eintreffens der Verstärkungen hätten die Dänen und die Westdeutschen den westlichen Ostseeraum auf sich allein gestellt verteidigen müssen, denn Schleswig-Holstein beherbergte im Gegensatz zu anderen Regionen der alten Bundesrepublik keine großen NATO-Stützpunkte. Das Land beheimatete lediglich Depots für Atommunition, die zwar für westdeutschen und dänischen Gebrauch vorgesehen waren, dessen Bewachung die Amerikaner jedoch den Bündnispartnern überließen.[23] Die Frage nach möglicher NATO-Unterstützung von außen akzentuierte die Zeitfrage, wie schnell ein Konflikt sich entwickelt hätte. Die Zeitfrage stellte sich in mehreren Etappen: Wie schnell hätten die Einheiten mobilisiert werden können, wie schnell hätten sie in ihre Einsatzräume verlegt werden können, und ob die genannten Verstärkungen Dänemark respektive Schleswig-Holstein jemals erreicht hätten.

Die Mobilisierungsfähigkeit der dänischen Streitkräfte war aufgrund der geringen Größe des Landes und seiner dichten Besiedlung sehr hoch. Bereits in den frühen 1960er Jahren musste die Gegenseite feststellen, dass es möglich gewesen wäre, die dänischen Streitkräfte binnen 24 Stunden zu generalmobilisieren.[24] Im Jahr 1986 waren die stehenden Einheiten zu Friedenszeiten mit jeweils 27 Prozent (Jütländische Division), 21 Prozent (Seeländische Division) und 14 Prozent (Infanteriebrigade auf Bornholm) aufgefüllt. Das waren die sogenannten Kategorie-B-Einheiten, die komplett ausgerüstet und imstande waren, binnen maximal drei Tagen mobilisiert zu werden.[25] Die dänische Armee besaß keine Kategorie A, also vollständig personell aufgefüllte und ausgerüstete sowie kampfklare Einheiten; dafür war es ihr jedoch möglich, binnen eines Tages 61 620 Reservisten einzuberufen. Weitere 9210 Reservisten konnten innerhalb von zehn Tagen für die Kategorie-C-Einheiten mobilisiert werden.[26] Hinzu kam, dass die auf Seeland stationierten Truppenteile unmittelbar in der Nähe ihrer Alarmierungsräume lagen. Ganz im Gegensatz dazu waren z. B. die Einheiten der Jütländischen Division relativ weit entfernt von ihren laut General Defence Plan (GDP) vorgesehenen Stellungen entlang der deutsch-deutschen Grenze stationiert.

Insbesondere der Transport des Materials und Personals in die Verteidigungsräume über bis zu 450 Kilometer quer durch Jütland und Schleswig in das südöstliche Holstein hätte eine große logistische Herausforderung dargestellt. Die Gründe hierfür waren sehr vielfältig: so verfügte etwa die dänische Bahn erst ab 1971 über Spezialwagons für den Eisenbahntransport der dänischen Centurion-Kampfpanzer.[27] Inwieweit die Infrastruktur noch vorhanden und/oder nutzbar gewesen wäre, konnte man ebenso wenig einschätzen wie den Grad der Behinderung und Verzögerung des Anmarsches durch die aus den Kampfgebieten Richtung Norden flüchtende deutsche Bevölkerung. Eher kurios mutet aus heutiger Sicht an, dass aus politischer Rücksichtnahme keine vorbereiteten befestigten Stellungen, Unterkünfte, Depots und ähnliches für die Verteidigung angelegt worden waren.[28] Dementsprechend hätten diese bei einem Kriegsfall für die dänischen Truppen geschaffen werden müssen. Ein Aufmarsch dieser Art hätte nach Ermessen des ehemaligen Kommandeurs des mobilen Reserveverbands des COMLANDJUT »Jyske Kampgruppe« (Jütländische Kampfgruppe), Brigadegeneral Michael Clemmesen, bis zu zwei Wochen gedauert.[29] Vor dem Hintergrund der Angriffspläne der VSK, deren militärischer Bereitschaftsgrad von ungefähr 85 Prozent[30] und der daraus resultierenden schnellen Mobilisierungsfähigkeit war es wenig wahrscheinlich, dass die im Norden der DDR stationierte 94. Gardedivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) ihrem Gegner den Gefallen getan hätte, auf den Aufmarsch der dänischen Einheiten zu warten.

Den Preis für den Frieden (mit-)bezahlen? Die Finanzierung der dänischen Sicherheitspolitik

Bei einem Seminar der Atlantic Treaty Association (ATA) im Juni 1971 in Oslo stellte der britische NATO-Befehlshaber für die Nordregion (Dänemark, Schleswig-Holstein und Norwegen), der sogenannte CINCNORTH, General Sir Walter Colyear Walker, die Lage u. a. wie folgt dar:

»Die Verlegungen werden Zeit in Anspruch nehmen, manchmal viel Zeit. Deshalb ist es absolut entscheidend, dass Dänemark, Deutschland und Norwegen eine angemessene Größe einsatzbereiter konventioneller Streitkräfte bereits zu Friedenszeiten vorhalten. Dies ist schlussendlich die Versicherungsprämie für unsere Überlebenschancen. Möchten wir die Früchte des Friedens genießen und nicht den furchtbaren Preis des Krieges bezahlen, dann müssen wir bereit sein, den mäßigeren Preis des Friedens zu bezahlen.«[31]

In seiner Rede stieß er damit ein prekäres militärisches und politisches Problem an: nicht nur dass BALTAP, um eine erfolgreiche Verteidigung durchführen zu können, auf Verstärkungen angewiesen gewesen wäre, dass sie trotz umfangreicher Übungen und Vorbereitungen im Falle einer Alarmierung nicht zeitgerecht hätten mobilisiert werden können, sondern auch, dass die dänischen und westdeutschen Streitkräfte personell und materiell in der Lage hätten sein müssen, den Kampf aufzunehmen, und dass dies in letzter Konsequenz einen hohen finanziellen Preis für die entsprechende Länder bedeutete.[32] Da die Bundesrepublik ohnehin in vielerlei Hinsicht einen überdurchschnittlichen Beitrag für das westliche Bündnis leistete, war der Adressat dieser Botschaft vor allem Dänemark.

Die darin verborgene Kritik, dass das Königreich Dänemark ein Trittbrettfahrer in der NATO sei, ist während des Kalten Krieges innerhalb des westlichen Bündnisses sowie in verteidigungsfreundlichen Teilen der dänischen Gesellschaft wiederholt geäußert worden. Die Regierung in Kopenhagen galt mithin als zögerlicher oder gar untreuer Bündnisgenosse.[33] Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte Dänemark eine Sonderpositionen innerhalb der NATO.[34] So beschloss die Regierung schon in den 1950er Jahren, zu Friedenszeiten keine festen Stützpunkte fremder Truppen auf dänischem Staatsgebiet zu akzeptieren – mit Ausnahme des strategisch wichtigen amerikanischen Luftwaffenstützpunkts auf Grönland.[35] In den 1980er Jahren wurde zudem eine heftige innenpolitische Debatte entfacht, als eine NATO-kritische Mehrheit im dänischen Parlament wiederholt die damalige Minderheitsregierung dazu zwang, sich offiziell von der Bündnislinie zu distanzieren. Letztlich war der niedrige finanzielle Beitrag eine stete Quelle der Kritik der Verbündeten an Kopenhagen.[36]

Der unterdurchschnittliche dänische Beitrag zur NATO führte auch zur Unterfinanzierung der eigenen Landesverteidigung. Für die dänische Marine bedeutete diese Entwicklung laut dem dänischen Marinehistoriker Søren Nørby, dass Dänemark als die »Achillesferse« innerhalb der NATO angesehen wurde. Erst durch die Einführung der Raketensysteme »Harpoon« und »Sea Sparrow« Ende der 1970er Jahre holten die dänischen Seestreitkräfte technologisch innerhalb der NATO wieder auf.[37] Ein Beispiel für die legendären »kaufmännischen Tugenden« der Dänen ist eine Rede des Leiters der NATO-Abteilung im dänischen Verteidigungsministerium, Jørgen Wahl, vor dem Defense Review Committee der NATO im Oktober 1982. Dänemark war nicht vorgeladen, um Lob zu ernten, sondern weil es nach Ansicht des Bündnisses dringend seinen Verteidigungshaushalt erhöhen sollte, um erhebliche Mängel in seiner Verteidigungsfähigkeit zu beseitigen. Dies schien jedoch aufgrund der Schwäche der dänischen Mehrparteien-Minderheitsregierung kaum politisch realisierbar. Wahl führte in epischer Breite die Probleme seines Landes aus: Arbeitslosigkeit, Haushaltskürzungen, Streichung von Teilen des Krankengeldes und Auslandsschulden. Die Schlussfolgerung lautete: »Obwohl Dänemark das höchste BSP pro Einwohner aller Bündnisländer« habe, könne es sich gerade keine weiteren Verteidigungskosten leisten.[38] Im Juni 1983 meldete dann die politisch linksgerichtete Tageszeitung »Information«, dass die widerspenstige Haltung Dänemarks dazu führen könnte, dass dem Land die geplanten Verstärkungen im Verteidigungsfall verweigert würden.[39] Ein dänischer Offizier hatte der Zeitung die Information zukommen lassen, dass der britische Botschafter John Graham der NATO angedroht habe, die britischen Zugeständnisse an Dänemark zurückzuziehen. Daraus ergaben sich zwei Fragen: Wie war dann – isoliert gesehen – die Kampfkraft der dänischen Streitkräfte einzuschätzen? Und: Bestand tatsächlich ein Risiko, dass das westliche Bündnis BALTAP die vereinbarten Verstärkungen entziehen würde?

Brigadegeneral Clemmesen hat sich nach dem Kalten Krieg recht unverblümt über die Kampffähigkeit der dänischen Verbände der 1980er Jahre geäußert. Während er die bundesdeutsche 6. Panzergrenadierdivision als sehr gut ausrüstet einschätzte, meinte er, dass ihre dänische Partnerdivision, die Jütländische Division, nur über zwei Drittel ihrer Panzerfahrzeuge verfügte und nur etwa die Hälfte davon kampffähig gewesen wären. Seiner Erinnerung zufolge war knapp die Hälfte (vermutlich eher ein Viertel) der Division zu Friedenszeiten aufgestellt und diese zudem eher dürftig ausgebildet. Clemmesens Ex-post-Urteil lautet daher, dass die Jütländische Division eine »potemkinsche Kulisse« und die Behauptung, die Verteidigung von Jütland wäre robust gewesen, »naiv und arrogant« gewesen sei.[40] Entgegen der Aussagen des ehemaligen Generals schätzte das sowjetische Militär ihre dänischen Gegner als gefährlicher ein. In einer Analyse der potenziellen Kampfkraft östlicher und westlicher Divisionen auf dem europäischen Kriegsschauplatz schnitt die dänische recht gut ab; sie wurde sogar auf etwa die doppelte Stärke ihres polnischen Gegners eingeschätzt.[41]

Um die Frage zu beantworten, ob der dänische Eigensinn tatsächlich die benötigten Verstärkungen gefährdet habe, ist es wichtig, das Interesse hinter bzw. an der Verstärkung zu verstehen. Schlussendlich waren NATO-Einheiten weder ein isolierter Beitrag zur Landesverteidigung Dänemarks noch aus Liebe zu den Dänen eingeplant worden. Das BALTAP-Gebiet bildete für das Gesamtkonzept der NATO in Europa einen wichtigen Teil, dessen Bedeutung der langjährige amerikanische NATO-Befehlshaber für Europa (SACEUR), General Bernard William Rogers, in einer Evaluation der dänischen Streitkräfte auf den Punkt brachte:

»Dänemark besitzt eine geostrategisch wichtige Lage bei den Ostseezugängen und als Brücke zwischen der Nord- und Zentralregion der Allied Command Europe (ACE). Es bildet eine Barriere, die den See- und Luftstreitkräften des Warschauer Paktes den Weg nach Großbritannien, das südliche Norwegen, der Nordseeflanke der Zentralregion sowie die Seekommunikationsverbindungen über der Nordsee verwehrt. Dänemark besitz das Potential, dem Warschauer Pakt den Zugang zu seinen Flottenstützpunkten in der Ostsee zu verwehren. Weiterhin bietet Bornholm eine einzigartige Möglichkeit für nachrichtendienstliche Aktivitäten sowie der Früherkennung für das Bündnis.«

Über den »militärischen Beitrag« zu Krisenzeiten führt Rogers aus:

»Die Rolle als Wirtsnation ist generell gut definiert und Verstärkungsoperationen werden während regelmäßiger Übungen trainiert. Engpässe existieren, besonders in der Erstellung von operativen Fazilitäten für Verstärkungsstaffeln. Die Lage sollte jedoch schrittweise ausgebessert werden [–-] mit Hilfe von geplanter NATO-Infrastrukturunterstützung. Die Vorverlegung von Ausrüstung der Jütländische[n] Division nach Schleswig-Holstein hat angefangen und die Lagerbestände werden in der kommenden Zeit erhöht. Mobilisierungspläne sind gut entwickelt, wenn auch sich der Mannschaftsanteil unterhalb des Vorgeschriebene[n] befindet. Weiterhin ist das Üben [der Truppen] ungenügend, daher erreichen alle [Teile] der Streitkräfte nicht die vorgegeben Standards, die nötig sind für ihre operationelle Bereitschaft.«[42]

Der Kern der Aussage des SACEUR war, dass Dänemarks Bedeutung für die NATO letztendlich an seiner Lage bemessen werde. Das Land war zu Friedenszeiten ein Horchposten in den Osten und in Kriegszeiten als Schlachtfeld für die Verteidigung gegen die erste Angriffswelle der VSK von großer Bedeutung. Damit war selbstverständlich nicht gesagt, dass die Dänen ihre Landesverteidigung zukünftig vernachlässigen konnten, grundsätzlich wollte man aber nicht aufgrund politischer Verstimmungen die linke Flanke von AFCENT sowie die gesamte Nordsee für sowjetische Vorstöße preisgeben.

Bauten und Infrastruktur

Um die schwierige Ausgangslage der NATO auf dem europäischen Kontinent zu verbessern, wurden Maßnahmen getroffen, um einerseits die Verteidigungsbemühungen zu intensivieren und andererseits die Verstärkungskräfte aufzunehmen und zu versorgen, aber auch um die Bevölkerung so gut wie möglich vor den unmittelbaren Auswirkungen des Krieges zu schützen. In den über vier Jahrzehnten des Kalten Krieges wurden in diesem Zusammenhang Bau- und Infrastrukturprojekte realisiert, die mit nationalen und NATO-Mitteln finanziert wurden. Das dänische Kulturministerium ließ 2012/2013 die Studie »Bauten des Kalten Krieges« durchführen, um die physische Geschichte dieser Epoche zu dokumentieren. Auf militärischer Seite wurden 1500 Anlagen mit 18 000–20 000 Gebäuden und 400 Luftmeldeposten der Heimwehr erfasst. Hinzu kamen 3000–4000 strategisch-zivile Infrastrukturanlagen, wie 3000 Luftschutzräume für die Zivilbevölkerung, 100 kommunale Kommandobunker und eine unbekannte Zahl von Luftschutzkellern in öffentlichen Institutionen und privatwirtschaftlichen Unternehmen, die für den Zivilschutz vorgesehen waren.[43] Besonders symbolträchtige Objekte sind die beiden Geheimbunker REGAN Ost und West, die in Jütland und auf Seeland die Regierung, das Königshaus und die höchsten Staatsbeamten 50–60 Meter unter der Erde vor den Folgen des Atomkrieges hätten schützen sollen.[44] Unter den eher kurios anmutenden Bauprojekten ist das Großwarenhaus »Bilka« im Kopenhagener Vorort Hundinge zu nennen: Die 1974 errichtete Betonkonstruktion am Stadtrand mit guten Verkehrsanschlüssen diente als Einkaufshalle in Friedenszeiten und zugleich als Versorgungslager für die Hauptstadt im Kriegsfall.[45] Gleichwohl ist der größte Teil der Anlagen aus dem Kalten Krieg militärischer Natur. Die markantesten unter ihnen sind – oder waren – Kasernen, Flottenstützpunkte, Flugplätze, lokale Stützpunkte der freiwilligen Heimwehr und Truppenübungsplätze.

Zwei besondere Anlagen aus dieser Zeit sind die beiden Küstenforts Stevnsfort und Langelandsfort, die heute als Nationale Gedenkstätten eine herausragende Bedeutung für die Aufarbeitung dieser Epoche haben. Die beiden Festungen wurden 1952/1953 unter Ausnutzung der natürlichen Gegebenheiten der Steilküsten im Südosten Seelands und auf der Südspitze der Insel Langeland errichtet. Sie schützten jeweils die landungsgefährdeten Strände südlich von Kopenhagen und die großen traditionellen Seeminenfelder am Südende des Großen Belts, welcher schon während des Ersten und auch des Zweiten Weltkriegs vermint war. Der Entschluss, die kostenaufwendigen Anlagen zu errichten, wurde einseitig von der dänischen Regierung getroffen. Die westlichen Bündnispartner hingegen hatten vom Bau von Festungsanlagen abgeraten, da die Rückzugsstrategie des Westens in den 1950er Jahre dazu geführt hätte, dass diese sehr schnell verloren gegangen wären.[46]

Während die Küstenforts eine eigenständige dänische Landesverteidigung darstellten, zeugen viele Objekte von den Bemühungen des Landes für die gemeinsame NATO-Verteidigung der Region. Am deutlichsten wird dies an den vielen ehemaligen Depots, vor allem in Jütland, für die Munition und Ausrüstung der verbündeten britischen, amerikanischen und westdeutschen Streitkräfte.[47] Ganz zu Beginn aber wurde im Sommer 1957 die Frage, ob überhaupt Kriegsmaterial fremder Staaten auf dem dänischem Staatsgebiet gelagert werden dürfte, zu einem innenpolitischen Dilemma. Auf der einen Seite waren die Depots für die Kampffähigkeit der NATO-Truppen von großer Bedeutung, wenn sie sich nach Jütland zurückziehen würden. Auf der anderen Seite waren deutsche Waffendepots in Dänemark wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch ein kontroverses Thema, weshalb die Depots schlussendlich als NATO-Depots deklariert wurden.[48] Zudem überrascht es wenig, dass diese »Umwidmung« auch eine wirtschaftliche Komponente hatte, da sich Dänemark daraus Zuschüsse von der NATO erhoffte.[49] Für die Versorgung mit Brennstoff wurde, neben dem Anlegen von Brennstofflagern in den 1960er Jahren, Jütland an das unterirdische North European Pipeline System (NEPS)[50] angeschlossen, damit u. a. die Flugplätze in dieser Region mit ausreichend Treibstoff versorgt werden konnten.[51] Die Entwicklung des Versorgungssystems, mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Verstärkungsverbände, setzte sich bis zum Ende des Kalten Krieges fort. Dies betonte auch der dänische Chefunterhändler Jørgen Wahl bei den Verhandlungen im NATO Defense Review Commitee im Oktober 1985:

»Wie Sie alle wissen, halten es die dänischen Behörden für außerordentlich wichtig, dass logistische Vorbereitungen schon zu Friedenszeiten verhandelt und praktisch vollzogen werden, weil sie die Aufnahme und Unterstützung der Verstärkungen gewährleisten. Die Verstärkungen [durch die NATO] sind kein Ausgleich für die Defizite der dänischen Verteidigungsanstrengungen, sondern essentielle Ergänzungen für die Verteidigung der Region und lebenswichtiger Interessen des ganzen Bündnisses. Ich bin daher froh Ihnen mitteilen zu können, dass eine Abmachung mit dem Vereinigten Königreich über die Einlagerung von Munition für die ›Jaguar‹-Staffeln in Tirstrup demnächst unterschrieben werden wird. Die Verhandlungen über die logistische Unterstützung der britisch/niederländischen amphibischen Einheit sowie die Verstärkungseinheiten der Vereinten Staaten, das heißt: die 9. Infanterie Division und Teile des US Marinekorps, finden zurzeit statt. Munition für die amerikanischen Verstärkungen der Luftstreitkräfte ist für sieben Tage eingelagert in den deutschen NATO Depots in Jütland [...] Wir verhandeln mit den deutschen Behörden darüber, dass in den deutschen NATO Depots in Jütland Munition für bis zu 30 Tagen für die amerikanische Staffel aufgebaut wird.«[52]

Eine besondere Herausforderung bei der Heranführung großer Truppenverbände nach Dänemark vor und auch während einer militärischen Auseinandersetzung war die Aufnahmefähigkeit der Häfen und der Infrastruktur im Landesinneren. Daher war die Anlandung der Verstärkungskräfte im Rahmen der regelmäßig abgehaltenen BALTAP-Manöver »Bold Guard« eine wichtige, immer wiederkehrende Übung.[53] Ein Beispiel hierfür war die »Esbjerg Host Nation«, die nach ostdeutschen Angaben eine Aufnahmekapazität von 60 000 Mann hatte.[54] Dies machte den Hafen zu einem vorangingen Ziel, sodass dieser in den 1980er Jahren mit einem Hawk-Boden-Luft-Abwehrraketenschild ausgestattet wurde, das auf der Höhe von Esbjerg quer durch Dänemark verlief.[55]

Um die Verteidigungskräfte nach Schleswig-Holstein zu verlagern, wurde ein Straßen- und Eisenbahnnetz in Jütland in Nord-Süd- und in Ost-West-Richtung benötigt, um die Verstärkungen von der jütländischen Nordseeküste nach Seeland überführen zu können. Kurz vor dem Zusammenbruch der DDR im Sommer 1989 erstellte der Resident des Militärischen Nachrichtendienstes der DDR in Kopenhagen, »Heller«, eine Analyse zur Entwicklung des dänischen Straßen- und Eisenhahnnetzes unter militärischen Gesichtspunkten bis ins Jahr 2000. Laut seiner Analyse ließ sich eine militärische Komponente für die perspektivische Infrastrukturplanung Dänemarks zugrundelegen. So fasste »Heller« die Weiterentwicklung der Autobahnen in Jütland als Möglichkeit der schnellen Verlegung von Verstärkungen und von dänischen Truppen in den Süden und den Ausbau der Autobahnverbindung, zunächst von Esbjerg nach Kolding und weiter nach Fünen sowie die Planung der Brücke über den Großen Belt, praktisch als einen Transportkorridor für die britischen Verstärkungen auf.[56]

Diese Analyse lässt einen unmittelbaren Einfluss des Militärs auf die Infrastrukturpolitik Dänemarks vermuten, was wohl eine Überbewertung ist. Insbesondere in den 1980er Jahren spielte die sogenannte »Jütenmafia« von partei- und blockübergreifenden Verkehrspolitikern mit starken Wurzeln in Jütland eine bedeutende Rolle.[57] Dementsprechend ist die mittlerweile gängige Erklärung, dass der plötzliche Ausbau von Autobahnen in diesem am dünnsten besiedelten Teil des Landes eher dem Mitglied des »Jütland-Geklüngels« Svend Risgaard-Knudsen zu verdanken ist, um einen Ausgleich für die Großinvestitionen in die Brückenverbindung zwischen Fünen und Seeland zu schaffen.[58]

Der durchaus begrenzte direkte Einfluss der Streitkräfte in Dänemark lässt sich auch bei der Entwicklung und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes nachweisen, da die Armee bei der Eisenbahngeneraldirektion über einen Verbindungsoffizier verfügte. Dieser berichtete regelmäßig über Änderungen – zumeist Streichungen – im Eisenbahnnetz. Eine Hauptvereinbarung zwischen dem Militär und den zuständigen Behörden war, dass das Militär bei dieser Planung nicht intervenierte.[59]

Massenvernichtungswaffen: rot oder tot?!

Während Depots für die eigenen Truppen und für die NATO-Verbündeten in Dänemark angelegt werden durften, galt eine entscheidende Ausnahme: das Land beherbergte keine Atomsprengköpfe. Dies war wieder eine Entscheidung, die auf innenpolitischen Gründen beruhte. Das Land erhob zwar nicht den Anspruch, »atomwaffenfrei« zu sein, aber die dänischen Regierungen verfolgten eine Politik, unter der das Land »unter den jetzigen Voraussetzungen« keine Atomwaffen entgegennahm.[60] Gleichwohl wurden die dänischen Streitkräfte ab Ende der 1950er Jahre mit den Raketensystemen des Typs »Nike« und »Honest John« ausgestattet, beides Trägersysteme für Atomwaffen.[61] Diese Entwicklung blieb von der Gegenseite ebenso wenig unentdeckt wie die US-Sonderdepots im grenznahen Boostedt bei Neumünster.[62] Darüber hinaus ist die Anzahl der eingelagerten Atomsprengköpfe u. a. vom ostdeutschen militärischen Nachrichtendienst am Anfang und am Ende der 1970er Jahre berechnet worden. So erwartete die NVA, dass den dänischen Truppen auf der Insel Seeland 1968 sechs bis zehn Atomsprengköpfe am Tag 1 eines Krieges und drei bis sieben in den Folgetagen zur Verfügung stehen würden. Diese Zahl blieb über zehn Jahre stabil. Dafür stieg die Anzahl der Sprengköpfe in der jütländischen Operationsrichtung, die die Jütländische Division und die 6. Panzergrenadierdivision gegen eine polnische Landoffensive hätte einsetzen können, von 30–40 am Tag 1 und 15–26 in den Folgetagen auf jeweils 65–95 und 40–57.[63]

Kernwaffen waren auch ein integrierter Teil der Planung des Warschauer Paktes. Laut Admiral Wilhelm Ehm, langjähriger Chef der Volksmarine der DDR, waren diese gar eine Voraussetzung dafür, dass solch ein heikles Vorhaben wie die Eroberung von Seeland und der dänischen Inseln von Seeseite her überhaupt hätte gelingen können.[64] So standen beispielsweise der »Küstenfront« im Jahre 1969 177 Atomraketen und 17 atomare Fliegerbomben zur Verfügung.[65] Auch die 5. Armee der NVA, die unmittelbar südlich der Küstenfront vorstoßen sollte, hätte im Kriegsfall über Atomwaffen verfügt, die sie in Teilen gegen BALTAP einsetzen sollte: die Gefechtsstände der Jütländischen Division und der 6. Panzergrenadierdivision waren im Visier der ostdeutschen Raketentruppen.[66]

Die realistische Gefahr eines Kernwaffenkrieges fügte eine neue Dimension zur Rolle als Frontstaat hinzu: ein Schicksal, das Dänemark mit der Bundesrepublik und der DDR teilte. So musste mit Opfern in weiten Teilen der Zivilbevölkerung als Kollateralschaden gerechnet werden, mit massiven Zerstörungen durch Atomschläge gegen Ballungsgebiete, mit Flüchtlingsströmen und dem Zusammenbruch der Versorgung. Dies war ein Preis für die NATO-Mitgliedschaft, der am Ende neben der Aufstellung der Landesverteidigung und Unterstützung der Verstärkungskräfte weitaus höher war als der von Partnerstaaten wie Kanada, Portugal oder gar Großbritannien.

Die Dänische Zivilverteidigung: »Totalverteidigung«

Aufgrund der zu erwartenden chaotischen Lage nach einem militärischen Angriff hatte Dänemark die sogenannte Totalverteidigung geplant, eine gesamtgesellschaftliche Antwort auf die Herausforderung des »Totalen Krieges«. Schon Anfang der 1950er Jahre umfasste sie Polizei, Zivilverteidigung, Heimwehr und reguläre Streitkräfte[67] und zielte auf die Mobilisierung der gesamten Gesellschaft in ihrem eigenen Überlebenskampf ab. Die Verteidigung des Landes war nicht nur eine Aufgabe des Militärs, sondern betraf im hohen Grad auch andere staatliche Einrichtungen, die insbesondere die Aufgabe hatten, die Bevölkerung vor den Kriegswirren zu schützen, die Organisation der Gesellschaft aufrecht zu erhalten und die Versorgung zu sichern. Im Ernstfall fielen Aufgaben vor allem dem Zivilschutz, der Polizei, Krankenhäusern, der Bahn sowie allen kommunalen Behörden zu. Für die Versorgung mit Öl und Kohle hatte Dänemark Staatsreserven aufgebaut, dafür aber keine Lebensmittelreserven; dieser Engpass sollte durch eine Einführung von vorgedruckten Rationierungskarten, die bereits in Friedenszeit bereitlagen, gelöst werden. Zugleich wurden öffentliche Gebäude wie etwa Schulen so gebaut, dass sie die Evakuierten aus den Kampfzonen sowie aus dem Großraum Kopenhagen aufnehmen konnten. Rund eine Million erwartete Flüchtlinge aus Norddeutschland sollten u. a. in den Sommerhausgebieten Jütlands aufgenommen werden.[68]

Im Jahr 1962 verschickte das Ministerpräsidentenamt an alle Bürger Dänemarks die Broschüre »Falls der Krieg kommt«, die über die Gefahren des Atomkriegs aufklärte, über Bunker und Schutzkeller, über individuelle Vorbereitungen wie die Einlagerung von Nahrungskonserven, über Evakuierungen und Hilfeleistungen.[69] Die Verteilung der Broschüre und damit die direkte Partizipation der Bevölkerung an den Kriegsvorbereitungen stellte in der Erinnerung vieler Dänen einen symbolischen Höhepunkt des Kalten Krieges dar. Die Broschüre war einige Jahre im Umlauf und mit der Zeit wurden in Neuauflagen Wortlaut und Ton geändert. So wurden Passagen über »die enorme Zerstörungskraft der modernen Waffen«, die den Bürgern keine große Hoffnung zusprach, gestrichen. Gleichzeitig verschob sich die Verantwortung von der »geordneten staatlich organisierten Bereitschaft« auf die Eigenverantwortung des Bürgers.[70]

Tatsächlich hatten sich die dänischen Behörden nur schrittweise auf das Atomzeitalter eingestellt. Zwar wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kommission einberufen, die Empfehlungen aussprechen sollte, wie die Landesverteidigung und damit auch die Zivilgesellschaft auf zukünftige Konflikte vorbereitet werden könnte. Dabei wurde aber ganz überwiegend auf ein Szenario wie während des Zweiten Weltkriegs gesetzt und Rückschlüsse aus dem Bombenkrieg gegen Deutschland gezogen. Das Risiko des Atomkrieges war neuartig, trotzdem wurde lediglich ein Professor für Theoretische Physik als Berater hinzugezogen.[71] Erst 1956 wurde eine neue Kommission einberufen, deren Arbeit 1959 in einer Gesetzgebung für den Zivilschutz und in die drei Jahre später erschienene Broschüre für die Bevölkerung mündete.[72] Aufgrund der Erkenntnisse der Kommission wurden in den Folgejahren nicht nur Bunker für die Staatsführung errichtet, sondern es erfolgte auch der beschleunigte Bau von kommunalen und regionalen Bereitschaftsbunkern, aus denen der Zivilschutz koordiniert werden sollte.[73] Für die Normalbevölkerung standen am Ende des Kalten Kriegs statistisch betrachtet geschützte Räumlichkeiten für fast fünf Millionen Menschen, also die gesamte dänische Bevölkerung, zur Verfügung. Diese Zahl vermittelte eine trügerische Sicherheit, denn nur etwa 150 000 Plätze waren tatsächlich öffentliche Bunker. Etwa drei Viertel der angegebenen Komplexe waren Parkhauskeller und dergleichen.[74]

Aufklärungsbasis

Ein fast unsichtbarer Teil der dänischen Verteidigungsvorbereitungen in Friedenszeiten waren die Bemühungen des dänischen militärischen Nachrichtendienstes Forsvarets Efteretningstjeneste (FE). Während die geografische Lage Dänemarks in einem Verteidigungsfall äußerst unvorteilhaft (für die dort kämpfenden Truppen und die Zivilbevölkerung) gewesen wäre, war sie bis zu diesem Zeitpunkt für nachrichtendienstliche Tätigkeiten ausgesprochen günstig. Wie der SACEUR, General Rogers, betonte, spielte der dänische Nachrichtendienst eine besondere Rolle für die Früherkennung der NATO. Von der Südspitze Dänemarks in Gedser betrug der Abstand zur DDR gerade einmal 45 Kilometer und die Insel Bornholm befand sich in einer vorgeschobenen Position etwa auf der Höhe des polnischen Kołobrzeg. Diese Nähe zum Warschauer Pakt bot dem dänischen Nachrichtendienst besonders günstige Möglichkeiten für Funkaufklärung (Signals Intelligence, SIGINT) und Taktische Aufklärung (Reconnaissance Intelligence, RECINT).[75] Auch im Bereich der Human Intelligence (HUMINT) lassen die wenigen zugänglichen Quellen erahnen, dass der dänische Dienst stärker aufgestellt war, als die Größe des Landes vermuten lässt.[76]

Als Wächter über die Ostseeausgänge bot sich die Überwachung des Schiffsverkehrs an. Kein Schiff aus den Staaten des Warschauer Pakts war in der Lage, die Ostsee zu verlassen oder in sie hinein zu gelangen, ohne dass es von dänischen Augen und Ohren verfolgt wurde. Von herausragender Bedeutung war das, wenn U-Boote – entgegen internationaler Regelungen – versuchten, in getauchtem Zustand durch den Großen Belt zu schlüpften. Hier kamen insbesondere hydroakustische Mittel zum Einsatz.[77] Neben der Aufklärung durch landbasierte Anlagen wurden gegnerische Schiffe auch von dänischen Aufklärungsflugzeugen fotografiert, die u. a. während der Kuba-Krise präzise Bilder der sowjetischen Frachtschiffe, inklusive deren brisanter Ladung auf der Karibikinsel angefertigt hatten.[78] Um die Reichweite der dänischen Sichtaufklärung zu vergrößern, verfügte Dänemark über fünf Funkmessstationen in Jütland, auf Seeland und auf der Insel Bornholm. Dort war die dänische Armee mit Hilfe moderner amerikanischer Ausrüstung in der Lage, das komplette BALTAP-Gebiet – neben dem Territorium Dänemarks und Schleswigs auch die anliegenden Seegebiete bis Norwegen, Schweden sowie die Nordbezirke der DDR und die nordwestlichen Wojewodschaften der Volksrepublik Polen – abzuhorchen bzw. zu überwachen.[79] Damit war sie auch befähigt, die Flugbewegungen aus den Nachbarländern zu überprüfen und gegnerische Flugzeuge am Rande des dänischen Luftterritoriums im Auge zu behalten. Der dänische Nachrichtendienst war nicht nur imstande die gegnerischen Einheiten zu sehen: Mit der Hilfe von Horchstationen in Hjørring, Løgumkloster, Gedser, Amager und nicht zuletzt auf Dueodde auf Bornholm reichten die dänische SIGINT-Fähigkeiten bis tief ins Territorium der DDR, Polens und der Sowjetunion.[80]

Die RECINT- und SIGINT-Installationen ermöglichten es den Dänen, laufend einen guten Überblick über die »Order of Battle« in der Ostsee und in den Anliegerstaaten zu erhalten und die Informationen mit ihren Bündnispartnern zu teilen. Aus den umfassenden Informationen erstellte sie laufend eine »Order of Battle« des Warschauer Paktes, aus dem die Auswerter des Dienstes ein sogenanntes »Normalbild« anfertigten. Dieses Bild zeigte die üblichen Übungen und Truppenumgruppierungen der Sowjetunion sowie ihrer Verbündeten DDR und Polen. Solange diese sich im Rahmen des Normalen bewegte, wurde kein Alarm ausgelöst und selbst Provokationen im Luftraum konnten als solche erkannt und nicht als erste Vorhut eines Angriffes betrachtet werden.[81] Selbst für die Sonderlage einer internationalen Krise, wie es beim Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag 1968 der Fall war, konnte ein »Normalbild« erschaffen werden, das eine regional begrenzte Krise verdeutlichte und entsprechend nicht großräumig eskalieren ließ.[82]

Fazit: Folgen bei der Landung der ersten Welle

»Eine Verteidigung Dänemarks kann unter der Voraussetzung der Besetzung Dänemarks durch stärkere Truppenverbände der NATO und eines ununterbrochenen, geregelten Nachschubs organisiert werden, wenn sie unter den Bedingungen eines modernen Krieges und unter Berücksichtigung der gegebenen Kräfteverhältnisse auch keine reale Aussicht auf einen Erfolg [hätte]«, schlussfolgerte der Militärische Nachrichtendienst der DDR schon 1956 zu einem Zeitpunkt, an dem sich ihre eigenen Streitkräfte und die der Bundesrepublik noch im Aufbau befanden.[83] Die ostdeutsche Seite erkannte gleichwohl, dass Dänemark und Schleswig-Holstein als Flankenbedrohung sowie als Hindernis für die freie Entfaltung der VOF ein Problem für die Kriegführung in Mitteleuropa darstellen würden, obwohl die Verteidigung der Ostseeausgänge bis Anfang der 1960er Jahre durch die äußerst begrenzten militärischen Fähigkeiten Dänemarks schwierig gewesen wäre.

Erst durch die gezielte Bündelung der westdeutschen und dänischen Kräfte im Kommando BALTAP wurden die ersten realistischen Schritte hin zu einer Verteidigung des westlichen Ostseeraums getan; praktisch wurden sie durch das Anlegen von NATO-Depots in Dänemark untermauert. In den darauffolgenden Jahren erfolgten weitere Planungen, die Verteidigung durch örtliche Kräfte mit Einheiten vor allem aus Großbritannien und den USA zu verstärken. Ein Unsicherheitsfaktor wäre der zeitliche Ablauf in der Anfangsphase einer Krise gewesen. Ob BALTAP in solch einer Situation in der Lage gewesen wäre, eine so stabile Verteidigung aufzubauen, dass sie im Kriegsfall die Gegner solange aufgehalten hätte, bis die »Kavallerie« eingetroffen wäre, war die große Frage – die glücklicherweise nie beantwortet werden musste. Trotzdem erhöhten die Vorbereitungen zu Friedenszeiten, wie die Einlagerung von Munition, die Bereitstellung von Stützpunkten und die Einschiffung fremder Truppen, die Chancen für den Kriegsfall.

Die Behauptung der DDR-Auswerter, eine Verteidigung Dänemarks wäre selbst mit Verstärkungskräften unter den Bedingungen eines modernen Krieges aussichtslos, scheint in gewisser Hinsicht fast prophetisch gewesen zu sein. Ein ernsthafter Angriff des Warschauer Paktes hätte aller Voraussicht nach die Verwüstung des dänischen Staatsgebietes und den Untergang der Zivilbevölkerung zur Folge gehabt. Obwohl Vorbereitungen für den Zivilschutz getroffen wurden, hatten diese eine geringere Priorität als die militärischen Operationen. Daher war im Gegensatz zu den militärischen Planungen im Rahmen der NATO der Zivilschutz lediglich eine nationale oder gar nur kommunale Aufgabe. Ein »moderner Krieg« wäre für die Dänen – und die Deutschen – daher nicht nur wenig Erfolg versprechend, sondern geradezu katastrophal gewesen. Der Vorwurf, Dänemark wäre innerhalb der NATO ein Trittbrettfahrer gewesen, der sich mit unterdurchschnittlichen Verteidigungsleistungen einen gewissen Namen gemacht hat, mag zutreffen. Wenn dem so war, dann waren die Dänen aber ein Trittbrettfahrer auf einer sehr unangenehmen Reise.

Ein gänzlich anderes Bild entsteht, wenn man nachrichtendienstliche Tätigkeiten als laufende Vorbereitungen auf einen Verteidigungsfall versteht. In diesem Zusammenhang hatte Dänemark für die NATO sehr viel zu bieten. Die Lage an der Ostsee bot dem kleinen Land gute Möglichkeiten, Informationen zu sammeln, die sowohl die Früherkennung, die Analyse vorhersehbarer feindlicher Aktivitäten vor einem Kriegsausbruch und die Vorbereitung der Landesverteidigung betrafen. Dies wiederum ermöglichte es dem ohnehin traditionell sehr kaufmännisch eingestellten Dänemark, militärische Produkte bei den größeren Bündnispartnern zu günstigen Konditionen zu erwerben.

Online erschienen: 2020-12-03
Erschienen im Druck: 2020-11-04

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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  1. Frontmatter
  2. Frontmatter
  3. Aufsätze
  4. Einleitung
  5. Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren
  6. Die mit Mittelstreckenraketen ausgerüsteten Streitkräfte der UdSSR: Etappen ihrer historischen Entwicklung und Erlangung der Gefechtsbereitschaft
  7. Die DDR als Operations- und Durchmarschgebiet der Vereinten Streitkräfte auf dem Westlichen Kriegsschauplatz
  8. Zur militärischen Mobilmachung in der DDR
  9. Dänemarks Vorbereitungen auf einen möglichen heißen Krieg im Kalten Krieg
  10. Kriegs-BND: Planungen für die Mobilmachung des Bundesnachrichten-dienstes von 1953 bis 1968
  11. Nachrichten aus der Forschung
  12. »Unsettled problems after the 1919 peace conference. Military conflicts and diplomatic negotiations«
  13. Nachwuchskolloquium zur Militärgeschichte
  14. Buchbesprechungen Allgemeines
  15. Sterben, Töten, Gedenken. Zur Sozialgeschichte des Todes. Hrsg. von Ute Planert, Dietmar Süß und Meik Woyke, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2015, 314 S. (= Einzelveröffentlichungen aus dem Archiv für Sozialgeschichte, 5), EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑8012‑4246‑6]
  16. Volker Schobeß, Das Kriegshandwerk der Deutschen. Preußen und Potsdam 1717–1945 [Bd 1], 3. Aufl., Berlin: trafo 2017, 736 S., EUR 69,80 [ISBN 978‑3‑86464‑055‑1] Volker Schobeß, Das Kriegshandwerk der Deutschen. Preußen und Potsdam 1717–1945 [Bd 2]. Fotos und Dokumente, Berlin: trafo 2017, 559 S., EUR 69,80 [ISBN 978‑3-86464‑076‑6]
  17. Gregor Schöllgen, Krieg. Hundert Jahre Weltgeschichte, München: DVA 2017, 367 S., EUR 24,00 [ISBN 978‑3‑421‑04767‑0]
  18. Naval Advising and Assistance. History, Challenges, and Analysis. Ed. by Donald Stoker and Michael T. McMaster, Solihull: Helion 2017, XII, 304 S. (= Modern Military History Series, 2), £ 35.00 [ISBN 978‑1‑911512‑82‑0]
  19. Erich und Hildegard Bulitta, Schritte zu einer Erinnerungs- und Gedenkkultur, Bd 1: Grundlagen einer Erinnerung – Analyse, Berlin: epubli 2017, 319 S., EUR 26,90 [ISBN 978‑3‑7450‑3528‑5] Erich und Hildegard Bulitta, Schritte zu einer Erinnerungs- und Gedenkkultur, Bd 2: Von der Erinnerung zu einer Erinnerungs- und Gedenkkultur – Analyse, Berlin: epubli 2017, 469 S., EUR 29,50 [ISBN 978‑3‑7450‑6125‑3]
  20. Michael Schwartz, Homosexuelle, Seilschaften, Verrat. Ein transnationales Stereotyp im 20. Jahrhundert, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2019, XII, 376 S. (= Schriftenreihe der Vierteiljahrshefte für Zeitgeschichte, 118), EUR 24,95 [ISBN 978‑3‑11‑063265‑1]
  21. Karl Schlögel, Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt, München: 4., durchges. Aufl., C. H. Beck 2018, 912 S., EUR 38,00 [ISBN 978‑3‑406‑71511‑2]
  22. Ernst Würzburger, Garnisonstadt Höxter. Vom preußischen Infanteriebataillon bis zum ABC-Abwehrbataillon, Holzminden: Mitzkat 2018, 349 S. (= Höxtersches Jahrbuch, 8), EUR 19,80 [ISBN 978‑3‑95954‑055‑1]
  23. Altertum
  24. Michael Kulikowski, Triumph der Macht. Das römische Imperium von Hadrian bis Konstantin. Aus dem Engl. von Cornelius Hartz, Darmstadt: Theiss 2018, 488 S., EUR 34,00 [ISBN 978‑3‑8062‑3669‑9]
  25. Medieval Warfare. A Reader. Ed. by Kelly DeVries and Michael Livingston, Toronto: University of Toronto Press 2019, XVIII, 368 S. (= Readings in Medieval Civilizations and Cultures, 21), $ 49,95 [ISBN 978‑1‑4426‑3669‑9]
  26. David Crispin, Ihr Gott kämpft jeden Tag für sie. Krieg, Gewalt und religiöse Vorstellungen in der Frühzeit der Kreuzzüge (1095–1187), Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, VIII, 241 S., EUR 49,90 [ISBN 978‑3‑506‑79242‑6]
  27. Patrick Leukel, »all welt wil auf sein wider Burgundi«. Das Reichsheer im Neusser Krieg 1474/75, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, XI, 594 S. (= Krieg in der Geschichte, 110), EUR 148,00 [ISBN 978‑3‑506‑70914‑1]
  28. Frühe Neuzeit
  29. Heinz Duchhardt, Friedens-Miniaturen. Zur Kulturgeschichte und Ikonographie des Friedens in der Vormoderne, Münster: Aschendorff 2019, 184 S., EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑402‑13416‑0]
  30. Olaf Wagener, Forts in den Kolonien. See-Expeditionen der Niederlande und Schwedens im 17. und 18. Jahrhundert, Oppenheim: Nünnerich und Asmus 2019, 128 S., EUR 20,00 [ISBN 978‑3‑96176‑071‑8]
  31. Alexander Querengässer, Das kursächsische Militär im Großen Nordischen Krieg 1700–1717, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, 629 S. (= Krieg in der Geschichte, 107), EUR 148,00 [ISBN 978‑3‑506‑78871‑9]
  32. 1789–1870
  33. Dirk Ziesing, Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment (4. Westfälisches) in den Befreiungskriegen 1813–1815, Münster: Agenda 2019, 405 S., EUR 29,80 [ISBN 978‑3‑89688‑639‑2]
  34. Ulrich Schiers, Schwarz-Rot-Gold und die Deutsche Flottengründung, Hamburg: Mittler 2019, 275 S., EUR 24,95 [ISBN 978‑3‑8132‑0989‑1]
  35. Arne Karsten, Italiens Fahrt in die Moderne. Seekriegsführung und Staatsbildung im Kontext des Risorgimento, Frankfurt a. M., New York: Campus 2019, 356 S. (= Krieg und Konflikt, 8), EUR 39,95 [ISBN 978‑3‑593‑51118‑4]
  36. Der Wiener Frieden 1864. Ein deutsches, europäisches und globales Ereignis. Hrsg. von Oliver Auge, Ulrich Lappenküper und Ulf Morgenstern, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2016, 396 S. (= Otto-von-Bismarck-Stiftung, Wissenschaftliche Reihe, 22), EUR 46,90 [ISBN 978‑3‑506‑78525‑1]
  37. Gerd Fesser, Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, 202 S. (= Schlachten – Stationen der Weltgeschichte), EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑506‑79235‑8]
  38. Klaus-Jürgen Bremm, 70/71. Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen, Darmstadt: Theiss 2019, 335 S., EUR 25,00 [ISBN 978‑3‑8062‑4019‑1]
  39. Eberhard Frhr. von Senden und Friedrich Frhr. von Senden, Der Erste Weltkrieg 1914–1918. Erlebnisse eines jungen Leutnants. Ostfront – Patrouillen an der Spitze im Bewegungskrieg. Westfront – Kämpfen, Durchhalten, Überleben im Stellungskrieg, Berlin: Miles 2020, 297 S., EUR 34,80 [ISBN 978‑3‑96776‑001‑9]
  40. Bernhard Bachinger, Die Mittelmächte an der Saloniki-Front 1915–1918. Zwischen Zweck, Zwang und Zwist, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, XII, 406 S. (= Krieg in der Geschichte, 106), EUR 69,00 [ISBN 978‑3‑506‑78857‑3]
  41. Materialschlachten 1916. Ereignis, Bedeutung, Erinnerung. Im Auftrag des ZMSBw hrsg. von Christian Stachelbeck, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2017, XII, 488 S. (= Zeitalter der Weltkriege, 17), EUR 49,90 [ISBN 978‑3‑506‑78759‑0]
  42. Mark Connelly and Stefan Goebel, Ypres. Great Battles, Oxford, New York: Oxford University Press 2018, XXVIII, 259 S., £ 18.99 [ISBN 978‑0‑19‑871337‑1]
  43. 1919–1945
  44. Annette Schmidt-Klügmann, Bernhard Wilhelm von Bülow (1885–1936). Eine politische Biographie, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2020, IX, 707 S., EUR 128,00 [ISBN 978‑3‑506‑70268‑5]
  45. Katja Kosubek, »genauso konsequent sozialistisch wie national«. Alte Kämpferinnen der NSDAP vor 1933. Eine Quellenedition 36 autobiographischer Essays der Theodore-Abel-Collection, Göttingen: Wallstein 2017, 608 S. (= Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte. Quellen, 4), EUR 42,00 [ISBN 978‑3‑8353‑3057‑3]
  46. Fragmentierte Republik? Das politische Erbe der Teilungszeit in Polen 1918–1939. Hrsg. von Michael G. Müller und Kai Struve, Göttingen: Wallstein 2017, 400 S. (= Phantomgrenzen im östlichen Europa, 2), EUR 36,90 [ISBN 978‑3‑8353‑1745‑1]
  47. Anne Applebaum, Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine. Aus dem Engl. von Martin Richter, München: Siedler 2019, 541 S., EUR 36,00 [ISBN 978‑3‑8275‑0052‑6]
  48. Marco Sigg, Der Zweite Weltkrieg, 1937–1945, Wiesbaden: 2. Aufl., Marix 2018, 254 S., EUR 6,00 [ISBN 978‑3‑86539‑994‑6]
  49. Birthe Kundrus, »Dieser Krieg ist der große Rassenkrieg«. Krieg und Holocaust in Europa, München: Beck 2018, 336 S., EUR 18,00 [ISBN 978‑3‑406‑67521‑8]
  50. Ernst Mohnike, Die Sumner-Welles-Mission. Frieden für Europa im Frühjahr 1940?, Neu Isenburg: Angelika Lenz Verlag 2020, 289 S., EUR 19,90 [ISBN 978‑3‑943624‑55‑7]
  51. Hans-Jürgen Kaack, Kapitän zur See Hans Langsdorff. Der letzte Kommandant des Panzerschiffs Admiral Graf Spee. Eine Biographie, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2020, XXI, 672 S. (= Schriften zur Marinegeschichte, 1), EUR 68,00 [ISBN 978‑3‑506‑70262‑3]
  52. Reinhard Otto und Rolf Keller, Sowjetische Kriegsgefangene im System der Konzentrationslager, Wien, Hamburg: new academic press 2019, 351 S. (= Mauthausen-Studien, 14), EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑7003‑2170‑5]
  53. Kerstin Theis, Wehrmachtjustiz an der »Heimatfront«. Die Militärgerichte des Ersatzheeres im Zweiten Weltkrieg, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2016, X, 537 S. (= Studien zur Zeitgeschichte, 91), EUR 74,95 [ISBN 978‑3‑11‑040558‑3]
  54. Peter Joachim Lapp, Hitlers NS-Führungsoffiziere 1944/45. Die letzten Propagandisten des Endsieges, Aachen: Helios 2019, 188 S., EUR 22,50 [ISBN 978‑3‑86933‑238‑3]
  55. Christian Ernst, Die Weiße Rose – eine deutsche Geschichte? Die öffentliche Erinnerung an den Widerstand in beziehungsgeschichtlicher Perspektive, Göttingen: V&R unipress, Universitätsverlag Osnabrück 2018, 555 S. (= Schriften des Erich Maria Remarque-Archivs, 34), EUR 70,00 [ISBN 978‑3‑8471‑0909‑9] Miriam Gebhardt, Die Weiße Rose. Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden, München: DVA 2017, 367 S., EUR 19,99 [ISBN 978‑3‑421‑04730‑4]
  56. Veit Scherzer, Sous le signe SS. Französische Freiwillige in der Waffen-SS. Mit einer Einführung von Oberstleutnant Dr. Thomas Müller, Sanitätsakademie der Bundeswehr (München), Bayreuth: Scherzer 2018, 806 S., EUR 89,00 [ISBN 978‑3‑938845‑54‑7]
  57. Peter Engelbrecht, Geheimwaffen für die Nazis. Kriegsforschung in Oberfranken, Weißenstadt: Druckkultur Heinz Späthling 2018, 156 S., EUR 14,95 [ISBN 978‑3‑942668‑49‑1]
  58. Maximilian Fügen, »Bis zum letzten Mann?« Die Rolle der Kampfkommandanten deutscher Großstädte 1945, Baden-Baden: Tectum Wissenschaftsverlag 2018, 264 S. (= Geschichtswissenschaft, 38), EUR 38,00 [ISBN 978‑3‑8288‑4182‑6]
  59. Valery Faminsky. Berlin May 1945 / Berlin Mai 1945. Mit einem Vorw. von Peter Steinbach, hrsg. von Thomas Gust [u. a.], 2. Aufl., Berlin: Buchkunst 2020, 184 S., EUR 48,00 [ISBN 978‑3‑9819805‑8‑5]
  60. Nach 1945
  61. »So war der deutsche Landser...«. Das populäre Bild der Wehrmacht. Hrsg. von Jens Westemeier, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, VIII, 361 S. (= Krieg in der Geschichte, 101), EUR 39,90 [ISBN 978‑3‑506‑78770‑5]
  62. Hermann Hagena, Jagdflieger Werner Mölders. Rote Linie zwischen Wehrmacht und Bundeswehr?, Aachen: Helios 2018, 281 S., EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑86933‑225‑3]
  63. Thomas Flemming, Die Berliner Mauer. Geschichte eines politischen Bauwerks. Dokumentation: Berliner Mauer-Archiv, Hagen Koch, Berlin: be.bra 2019, 238 S., EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑89809‑165‑7]
  64. Heiner Möllers, Die Affäre Kießling. Der größte Skandal der Bundeswehr, Berlin: Ch. Links 2019, 367 S., EUR 25,00 [ISBN 978‑3‑96289‑037‑7]
  65. Jan-Olof Grahn, Om svensk signalspaning. Andra världskriget (Über die schwedische Funkaufklärung. Zweiter Weltkrieg), Stockholm: Medströms Bokförlag 2018, 292 S., skr 291,00 [ISBN 978‑91‑7329‑143‑9] Jan-Olof Grahn, Om svensk signalspaning. Kalla kriget (Über die schwedische Funkaufklärung. Kalter Krieg), Stockholm: Medströms Bokförlag 2019, 330 S., skr 298,00 [ISBN 978‑91‑7329‑149‑1]
  66. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  67. Gesamtinhaltsverzeichnis 2020
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