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Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren

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Published/Copyright: December 3, 2020
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Zusammenfassung

Der Aufsatz möchte eine Antwort darauf geben, wie die Wirtschaftsplaner der Staatlichen Plankommission der UdSSR (Gosplan) die sowjetischen Streitkräfte im Kriegsfall mit den vom Militär geforderten Waffen und Rüstungsgütern ausstatten wollten. Gefragt wird deshalb, welche Mengen von welchen Waffen für den Ernstfall bereitzustellen waren. Zudem wird versucht festzustellen, ob die Mobilmachungsplanungen mit der Militärstrategie der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren übereinstimmten oder ob Rüstungsmanager und Militärs unterschiedliche Vorstellungen von einem künftigen Krieg und seiner Vorbereitung besaßen. In einem zweiten Abschnitt werden die Planung der materiellen Versorgung der Bündnispartner des Warschauer Vertrages mit der benötigten Bewaffnung im Ernstfall betrachtet. So wird beispielsweise untersucht, ob die Rüstungsindustrie der Sowjetunion in der Lage war, die Bündnispartner im Falle eines Krieges ausreichend mit Waffen und Gerät auszustatten. Abschließend widmet sich der Beitrag der Zivilverteidigung der UdSSR unter den Bedingungen eines allumfassenden Raketen-Kernwaffenkrieges.

Wie bereitete sich die Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren auf die Mobilmachung vor? Für eine Antwort auf diese Frage ist in erster Linie zu klären, wie die Wirtschaftsplaner der Staatlichen Plankommission der UdSSR (Gosplan) die sowjetischen Streitkräfte im Kriegsfall mit den vom Militär geforderten Waffen und Rüstungsgütern ausstatten wollten. Gefragt wird vor allen Dingen, welche Mengen an welchen Waffen für den Ernstfall bereitzustellen waren. Zudem wird versucht festzustellen, ob die Mobilmachungsplanungen mit der Militärstrategie der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren übereinstimmten oder ob Rüstungsmanager und Militärs unterschiedliche Vorstellungen von einem künftigen Krieg und seiner Vorbereitung besaßen. In einem zweiten Abschnitt werden die Planung der materiellen Versorgung der Bündnispartner des Warschauer Vertrages mit der benötigten Bewaffnung im Ernstfall betrachtet und die Schwierigkeiten beleuchtet, die dabei auftraten. So ist unter anderem zu klären, ob die Rüstungsindustrie der Sowjetunion in der Lage war, die Bündnispartner im Falle eines Krieges ausreichend mit Waffen und Gerät auszustatten, da deren eigene Kapazitäten sehr begrenzt waren. Abschließend widmet sich der Beitrag der Zivilverteidigung der UdSSR unter den Bedingungen eines allumfassenden Raketen-Kernwaffenkrieges. Nach außen versuchte die Sowjetunion den Eindruck zu vermitteln, dass Land und Gesellschaft auf die Beseitigung der Folgen eines Raketen-Kernwaffenkrieges bestens vorbereitet waren. Doch welchen Stellenwert nahm die Zivilverteidigung tatsächlich innerhalb der Verteidigungsstrukturen der UdSSR ein? Wie war es um die Versorgung der zivilen Opfer bei einem nuklearen Schlagabtausch bestellt?

Die Beantwortung dieser Fragen ist umso wichtiger, als bis heute sowohl in der russischen wie auch internationalen Historiographie Arbeiten über das Mobilmachungssystem der Sowjetunion im Kalten Krieg weitgehend fehlen.[1] Für die Zeit nach 1945 werden Fragen der Mobilmachung der Armee und vor allem der Rüstungswirtschaft der Sowjetunion in den Arbeiten von Irina Bystrova und Nikolaj Simonov gestreift.[2] Die nur unzureichende Forschung zu diesem Themenkomplex ist vor allem dem insgesamt schwierigen Aktenzugang geschuldet. Militärische Unterlagen zu Mobilmachungsfragen befinden sich, bis auf wenige Ausnahmen, im Archiv des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation und sind für die Forschung aus Geheimhaltungsgründen nicht zugänglich. Gänzlich gesperrt sind alle Unterlagen über eventuelle Kriegsstärken und die Ausrüstung der Sowjetarmee mit nuklearen Gefechtsköpfen für Massenvernichtungswaffen. Das Gleiche trifft für Dokumente der Partei- und Staatsführung im Hinblick auf Mobilmachungsfragen zu, die sich im Russischen Staatsarchiv für Zeitgeschichte befinden. Deshalb ist es ein außerordentlicher Glücksfall, dass im Russischen Staatsarchiv für Wirtschaft die Akten der 1. Abteilung des Gosplan weitestgehend zugänglich sind. Da diese Behörde die militärischen, wirtschaftlichen und zivilen Mobilmachungsvorbereitungen der Sowjetunion koordinierte, laufen in diesem Bestand zahlreiche Schriftstücke aus dem Militär und der kommunistischen Parteiführung zusammen. So ist es möglich, den fehlenden Quellenzugang in den anderen genannten Archiven weitgehend zu kompensieren. Darüber hinaus geben die Akten des Gosplan einen detaillierten Einblick in die wirtschaftlichen Mobilmachungsvorbereitungen der UdSSR sowie die Kriegsvorbereitungen im sowjetischen Verkehrs- und Gesundheitswesen.

Die sowjetische Rüstungsindustrie und die Ausrüstung der Sowjetarmee im angenommenen ersten »Kriegsjahr«

Bedingt durch die von den Kampfhandlungen und die deutsche Besatzung hervorgerufenen schweren Zerstörungen und die damit verbundene schwierige wirtschaftliche Lage, beschränkte die Sowjetunion nach 1945 die Vorbereitungen auf einen möglichen neuen Krieg auf ein Minimum. Allein in den Streitkräften wurden bis 1946 mehr als acht Millionen Soldaten entlassen, sodass die Stärke der Roten Armee von rund 11,3 Millionen Mann im Mai 1945 auf knapp drei Millionen Anfang 1948 sank.[3]

Zugleich gingen sowohl die Ausgaben für die Rüstungsindustrie als auch der Ausstoß von Waffen und militärischem Gerät stark zurück. Im Herbst 1950 beschwerte sich deshalb die sowjetische Militärführung bei Iosif V. Stalin über die mangelnde materiell-technische Ausstattung der Streitkräfte im Falle einer Mobilmachung.[4] Für diese war neben dem Verteidigungsministerium auch der Gosplan zuständig. Hier arbeitete eine fünf- bis siebenköpfige Spezialistengruppe, die immer wieder verschiedenen Abteilungen unterstellt wurde. Wohl weil man davon ausging, dass sich die militärische Lage im Rahmen des Kalten Krieges weiter verschärfen würde, beschloss der Ministerrat der UdSSR am 16. Dezember 1952 schließlich die Einrichtung einer selbstständigen Kriegs- und Mobilisierungsverwaltung innerhalb der Staatlichen Plankommission, die auch als 5. Verwaltung bezeichnet wurde. Als die sowjetische Staatsführung wenige Monate nach Stalins Tod den Gosplan im Sommer 1953 reorganisierte, kam es zur Auflösung dieser Organisationseinheit; gleichzeitig unterstellte die Gosplan-Führung die sogenannte Mobilmachungsgruppe der neugeschaffenen 1. Abteilung, die für die Planung im Bereich der Rüstungsindustrie zuständig war. Die Mobilmachungsgruppe legte beispielsweise Ende 1953 der Partei- und Staatsführung der UdSSR einen alarmierenden Bericht darüber vor, dass nach 1945 die vorhandenen Mobilmachungskapazitäten deutlich zurückgegangen seien und deshalb die Wünsche des Militärs für die Lieferungen von Waffen und Munition im Falle eines Kriegsausbruchs nicht erfüllt werden könnten. Dass Mobilmachungsfragen nun erneut stärkere Aufmerksamkeit erhielten, zeigt sich darin, dass im Februar 1954 bei der Staatlichen Plankommission erneut eine Kriegs- und Mobilisierungsverwaltung eingerichtet wurde, die bereits 105 Mitarbeiter zählte.[5]

Nach der vom sowjetischen Parteichef Nikita S. Chruščev initiierten Auflösung der Industrieministerien und der Organisation des Volkswirtschaftsrates wies der Ministerrat der UdSSR Anfang 1958 die Staatliche Plankommission an, erneut die Arbeiten zur Erstellung von Mobilmachungsplänen für die sowjetische Volkswirtschaft aufzunehmen.[6] Hierfür waren in der genannten Behörde zwei Abteilungen verantwortlich: zum einen die Abteilung für Rüstungsindustrie, zum anderen die Abteilung für Mobilmachungsvorbereitung der Volkswirtschaft, die auch als 1. Abteilung bezeichnet wurde und sieben Unterabteilungen besaß.[7]

Die Aufgabe der Ersten Abteilung war die Erstellung von Perspektivplänen für die Mobilmachung, die Bearbeitung der laufenden Pläne für die Entwicklung der Mobilmachungskapazitäten der Industrie sowie für die Mobilisierung des Verkehrs-, Gesundheits- und Nachrichtenwesens, der Landwirtschaft und anderer Bereiche der Volkswirtschaft der UdSSR im Verteidigungsfall. Ein weiteres Tätigkeitsfeld lag in der Aufstellung entsprechender Mobilmachungspläne für das erste »Kriegsjahr«.[8] Diese Ausarbeitungen umfassten die entsprechenden Programme für die Produktion der nötigen Bewaffnung und Rüstungstechnik, für gegenseitige Lieferungen, zur Einlagerung von Metall und strategischen Rohstoffen sowie den Plan für Kapitalinvestitionen zur Sicherstellung der geforderten Mobilmachungskapazitäten und den Plan für die Bereitstellung und Ausbildung der nötigen Kader.[9] Nach der Entmachtung Chruščevs als sowjetischer Partei- und Staatschef im Herbst 1964 wurde die 1. Abteilung (Mobilmachungsvorbereitung der Volkswirtschaft) erneut reorganisiert und gliederte sich 1965 in sieben Unterabteilungen.[10]

Nach 1956 erstellten zahlreiche sowjetische Behörden unter direkter Koordinierung der Staatlichen Plankommission jährlich Mobilmachungspläne für die Volkswirtschaft der UdSSR im ersten angenommenen »Kriegsjahr«. Für 1957 sah dieser Plan beispielsweise vor, dass die Bruttoindustrieproduktion der Volkswirtschaft von 105 Milliarden Rubel (in Preisen zu 1961[11]) auf 95,6 Milliarden Rubel sinken sollte. Gleichzeitig hatte die Rüstungsproduktion ihren Produktionsausstoß – vor allem auf Kosten der Konsum- und Verbrauchsgüterfertigung – von 6,3 Milliarden auf 23,8 Milliarden Rubel, also um mehr als das 3,76-Fache zu steigern. So sollten im ersten »Kriegsjahr« mehr als 2150 Boden-Boden-Raketen, 10 000 Flugabwehrraketen, 1400 Luft-Boden-Flugkörper, 50 000 Luft-Luft-Raketen, 14 500 Flugzeuge, 16 300 Panzer, 46 200 Geschütze und 2,7 Millionen Handfeuerwaffen für die Ausstattung der sowjetischen Streitkräfte produziert werden. Doch selbst diese beeindruckenden Zahlen reichten in keiner Weise aus, um den vom Verteidigungsministerium der UdSSR geforderten Bedarf für die Sowjetarmee im Krieg zu decken. Insgesamt konnte deren Waffenbedarf im ersten »Kriegsjahr« durch die Rüstungswirtschaft der UdSSR nur zu 42 Prozent sichergestellt werden.[12] Bei einzelnen Positionen lag dieser Prozentsatz noch niedriger. So forderten die Streitkräfte für das erste »Kriegsjahr« mehr als 78 400 Flugzeuge und Hubschrauber, bereitgestellt werden konnten aber nur besagte 14 500 oder knapp 24 Prozent.[13]

Für die Fertigung der geforderten Rüstungsgüter mussten laut der Berechnungen von Gosplan zudem große Mengen an Rohstoffen bereitgestellt werden. Hier herrschten allerdings vor allem bei strategisch wichtigen Materialien wie Nickel, Mangan und Chrom zum Teil erhebliche Kapazitätsengpässe, die nur durch Rückgriff auf die eingelagerte Staatsreserve überbrückt werden konnten. Hier befanden sich für den Kriegsfall Kupfervorräte für 5,2 Monate, Aluminium für 6,5 Monate, aber auch 9,5 Millionen Tonnen Getreide und mehr als 125 000 Tonnen Nickel. Gleichzeitig gab es Engpässe. So deckten die dort vorhandenen Lagerbestände an Kohle den Bedarf nur für eine Woche ab, bei Benzin und Diesel reichten die Vorräte für knapp einen Monat. Verschärft wurden diese Probleme in den frühen 1960er Jahren, weil Chruščev seit 1959 die Staatsreserve für seine forcierte Industriepolitik förmlich ausgeplündert hatte. So war der Wert der dort eingelagerten Waren und Materialien binnen drei Jahren von sechs Milliarden auf etwas mehr als eine Milliarde Rubel gesunken.[14]

Zwischen 1959 und 1962 hatte die Sowjetunion vor allem im Hinblick auf die sich ständig ausweitende zweite Berlin-Krise im ganz erheblichen Umfang die Mobilmachungskapazitäten des Landes weiter ausgebaut. In diesen Jahren waren allein in den Ausbau der Betriebe zur Serienfertigung von Waffen mehr als drei Milliarden Rubel (in Preisen von 1961) investiert worden. Weitere 1,5 Milliarden Rubel hatte die sowjetische Führung in die Erweiterung von Objekten der Staatskomitees des Rüstungssektors gesteckt. 900 Millionen Rubel gab der Staat im genannten Zeitraum für die Errichtung von Produktionskapazitäten für besonders wichtige Rohstoffe und Materialien aus, weitere 240 Millionen für die »duale« Umrüstung von zivilen Fertigungsanlagen. Insgesamt nahm die für die Rüstungsfertigung im Krieg zur Verfügung stehende Produktionsfläche zwischen 1959 und 1962 um 64 Millionen Quadratmeter oder 30 Prozent zu.[15]

Gleichzeitig unternahm die sowjetische Führung große Anstrengungen im Bereich der Mobilmachungskapazitäten im Verkehrswesen. Denn auch hier konnten die Forderungen der Militärs nur unzureichend erfüllt werden. So waren nur zwölf Prozent der in den Mobilmachungsplänen geforderten Schienen zur Wiederherstellung im Kriegsfall zerstörter Eisenbahnstrecken vorhanden. Der in der Staatsreserve eingelagerte Dieselkraftstoff für Lokomotiven reichte gerade für zehn Tage, obwohl die Forderungen bei 60 Tagen lagen. Von 1496 Schiffen, die im Ernstfall der Kriegsmarine übergeben werden sollten, waren nur 45 Prozent für eine derartige Maßnahme ausreichend vorbereitet. Bei den an das Verteidigungsministerium zu übergebenden Lkw war die Lage ähnlich. Von 330 aufzustellenden Lkw-Transportbataillonen standen im Verteidigungsfall bislang lediglich 250 bereit. Insgesamt sollten 38 Prozent des gesamten Lkw-Parks der Sowjetunion im Kriegsfall den Streitkräften zur Verfügung gestellt werden.[16]

Während das Verteidigungsministerium über Jahre hinweg auf immer höhere Fertigungszahlen von Waffen, Gerät und Munition drängte, musste Gosplan gegenüber dem Ministerrat der UdSSR einräumen, dass der Produktionsausstoß sank, weil die Waffensysteme immer komplexer und teurer wurden. So hatte sich beispielsweise von 1944 bis 1957 die Zahl der Arbeitsstunden für die Herstellung eines Kampfflugzeuges vervierfacht und sich das Gewicht des erforderlichen Materials fast verdreifacht. Dauerte die Produktion eines schweren Flakgeschützes während des Krieges ca. 1800 Arbeitsstunden, so waren jetzt 7000 Stunden nötig.[17] Liefen 1953 noch 2801 Jagdflugzeuge des Typs MiG-17 vom Band, so lag 1956 die Fertigungsrate des Nachfolgemodells MiG-19 bei 615 Exemplaren. Allerdings erreichte die MiG-19 im Gegensatz zu ihrem Vorgängermuster anderthalbfache Schallgeschwindigkeit, verfügte über ein Radargerät und konnte mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet werden.[18]

Wie sich diese Anstrengungen auf die Mobilmachungskapazitäten der Rüstungswirtschaft im angenommenen ersten »Kriegsjahr« ausgewirkt hätten, geht aus der nachfolgenden Tabelle hervor.

Geplante Kriegslieferungen an das Verteidigungsministerium der UdSSR (jeweils erstes angenommenes »Kriegsjahr«)
1957 1959 1960 1961 1962 1963 1966
Bruttoproduktion– Rüstung* in Mrd. Rubel 23,8 24,5 k.A. 29,2 34,9 k.A. k.A.
Lieferungen** an das Verteidigungsministerium der UdSSR in Mrd. Rubel 24,2 13,35 17,34 18,81 19,51 k.A. k.A.
Ballistische Raketen 2150 1509 3525 2690 2365 2170 13 400
Davon Interkontinental-Raketen 120 180 330 200 900
Mittelstrecken-Raketen 1400 1335 1280 905 k.A. 2900
Kurzstrecken-Raketen 500 1590 1230 900 1775 9 600
Fla-Raketen

Startkomplexe
10 000 87 10 600 180 22 600 255 31 400 306 30 600 k.A. 30 010 k.A. 180 000 k.A.
Luft-Luft Raketen 50 000 24 650 46 000 100 000 57 000 57 000 200 000
Flügelgeschosse 1650 2224 3926 4850 4755 3595 14 850
Panzerabwehr-Lenkraketen 10 500 15 000 k.A. 400 000
Kampfflugzeuge 14 450 8905 11 525 9755 6050 4308 13 900
Hubschrauber 1600 1600 1900 1600 1280 1180 k.A.
Panzer/Selbstfahrlafetten 16 300 16 380 15 980 16 180 17 050 16 048 39 000
Schützenpanzer 11 000 11 000 13 000 13 000 16 000 17 500 28 500
Artilleriesysteme 53 000 56 615 61 040 43 500 22 400 23 276 41 300
Atom-U-Boote 10 12 3 44
Diesel-U-Boote 53 35 37 29 18 6 22
Kreuzer 1
Zerstörer 10 3 9 6 5 2 k.A.
Fregatten/U-Jäger 42 7 20 28 33 39 k.A.
* Kennziffer der Planwirtschaft. Sie umfasst die in Geldwerten angegebene Produktion von rüstungswirtschaftlichen Gütern innerhalb eines Jahres.

** Umfasst Rüstungsgüter entsprechend der ersten Zeile sowie Hilfsleistungen wie Kfz-Transport, Erdölprodukte, Lebensmittel, Ausrüstung und Materialien

Quelle: RGAE, Bestand 4372 (Gosplan).

Im angenommenen »Kriegsjahr« 1962 sollte die militärische Produktion bereits auf mehr als 34,9 Milliarden Rubel steigen, bei einer geplanten Bruttoindustrieproduktion von 139 Milliarden Rubel. Doch dies schien der sowjetischen Partei-, Staats- und Militärführung noch nicht genug. Um die vorhandenen Mobilmachungskapazitäten noch auszuweiten, sollten laut einer im Herbst 1961 erlassenen Verfügung bis 1966 die Voraussetzungen geschaffen werden, um im Kriegsfall 900 Interkontinentalraketen, 2900 Mittelstreckenraketen, 9600 Kurzstreckenraketen, 180 000 Boden-Luft-Raketen, 200 000 Luft-Luft-Raketen, 14 850 Luft-Boden-Flugkörper, 400 000 Panzerabwehrlenkraketen, 13 900 Flugzeuge, 41 300 Artilleriegeschütze, 30 500 Panzer, 8500 Selbstfahrlaffetten sowie 28 500 Schützenpanzer für die sowjetischen Streitkräfte zu produzieren. Für den Ausbau der entsprechenden Fertigungs- und Rohstoffbasis waren im Zeitraum 1962 bis 1965 mehr als 7,8 Milliarden Rubel bereitzustellen, was 15 Prozent der gesamten vorgesehenen Kapitalinvestitionen entsprach. Damit sollte zumindest der Bedarf der sowjetischen Streitkräfte zu 100 Prozent gedeckt werden.[19]

Obgleich die sowjetische Führung weiter in den Ausbau der Mobilmachungskapazitäten investierte, blieb nach Einschätzung der Militärs die Lage auf diesem Gebiet weiterhin unbefriedigend. So standen Anfang 1966 von den 1961 geforderten Kapazitäten für den Flugzeugbau nur 76 Prozent, für die Panzerfertigung 57 Prozent, für die Produktion von ballistischen Raketen 47 Prozent, von Luft-Luft-Raketen 40 Prozent, von Fla-Raketen 30 Prozent, von Panzerabwehrlenkraketen sogar nur zehn Prozent zur Verfügung. Das führte dazu, dass die vom Verteidigungsministerium beantragten Liefermengen im »Kriegsjahr« 1966 bei Jagdflugzeugen nur zu 62 Prozent, bei Luft-Luft-Raketen sogar nur zu 25 Prozent erfüllt werden konnten. Auch die Mobilmachungsvorbereitungen im Verkehrs- und Nachrichtenwesen schätzte die Führung der Sowjetarmee als zu gering ein. Große Probleme bereitete vor allem die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung nach dem Einsatz von Massenvernichtungsmitteln. Hier standen bei Blutersatzmitteln nur 6,7 Prozent der vorgesehenen Mengen zur Verfügung, bei Spritzen waren es gar nur 0,5 Prozent.[20] Gerade deshalb bemängelte das Verteidigungsministerium in einem weiteren Schreiben an das ZK der KPdSU, dass bei den Mobilmachungsvorbereitungen »weder der mögliche Charakter eines künftigen Krieges noch die sich daraus ableitenden Aufgaben« berücksichtigt würden.[21]

Aus diesem Grund sollten die künftigen Mobilmachungspläne keine Details mehr zur Entwicklung und Aufgabenstellung der einzelnen Wirtschaftszweige im Kriegsfall beinhalten. Vielmehr sollten sie die Möglichkeiten der Industrie für die Rüstungsproduktion verdeutlichen, auf ein mögliches Ungleichgewicht bei der Entwicklung einzelner Wirtschaftszweige hinweisen sowie neuralgische Punkte der Volkswirtschaft markieren. Dahinter stand das Bestreben, die bisherige Mobilmachungsplanung endlich an die Strategie des allumfassenden Kernwaffenkrieges anzupassen, welche die Militärführung ausgearbeitet und seit 1961 für gültig erklärt hatte:[22]

»Wenn von einem überraschenden Beginn der Kampfhandlungen unter Einsatz von Massenvernichtungswaffen ausgegangen wird, so sollte die Mobilmachungsvorbereitung der Volkswirtschaft in erster Linie auf die Umsetzung der Maßnahmen zur Zivilverteidigung und die Schaffung entsprechender Reserven an Bewaffnung und Ausrüstung für die Armee durch die laufenden Pläne ausgerichtet sein.«[23]

Auf die bisherigen jährlichen Mobilmachungspläne der Volkswirtschaft für angenommene »Kriegsjahre« sollte deshalb ab Ende der 1960er Jahre verzichtet werden.

Während die Mobilmachungspläne Fragen der Rüstungsproduktion sehr detailliert behandeln, finden sich in den bislang einsehbaren Unterlagen aufgrund der hohen Geheimhaltung so gut wie keine Angaben zu den geplanten Kriegsstärken der sowjetischen Streitkräfte. Lediglich einige Zahlen aus dem Versorgungsbereich können hier Anhaltspunkte liefern. So sollten im angenommenen »Kriegsjahr« 1966 rund 13,6 Millionen Soldatenmäntel für das Verteidigungsministerium bereitgestellt werden. Knapp eine weitere Million Mäntel waren für Matrosen und Maate der Seestreitkräfte vorgesehen. Für die Ausstattung der einzuberufenden Offiziere mussten im ersten »Kriegsjahr« mehr als 2,5 Millionen Mäntel produziert werden, für das Offizierkorps der sowjetischen Kriegsmarine war die Fertigung von 220 000 Mänteln vorgesehen. Da mit diesen Lieferungen offenbar auch Verluste ausgeglichen werden sollten, können die für die Versorgung der Soldaten in Kriegszeiten vorgesehenen Mengen an Lebensmitteln noch aussagekräftiger sein. So sah der Mobilmachungsplan für 1966 die Lieferung von 169 000 Tonnen Zucker und rund 3400 Tonnen Tee pro angenommenes »Kriegsjahr« vor. Stellt man diese Zahlen ins Verhältnis zu den vorgesehenen täglichen Versorgungsnormen von 45 Gramm Zucker oder ein Gramm Tee, so ist über das Jahr gesehen eine durchschnittliche Kriegsstärke der sowjetischen Streitkräfte von rund zehn Millionen Mann anzunehmen.[24]

Noch geheimer waren freilich die Angaben zur Produktion von Atomwaffen für den Kriegsfall. Die bisher verfügbaren Unterlagen lassen allenfalls Rückschlüsse über die Anzahl der zu fertigenden Kernwaffenträger und der aufzustellenden erforderlichen Truppen der nukleartechnischen Sicherstellung zu. Diese zumeist als raketentechnische Basen bezeichneten Einheiten waren für die Lagerung und Vorbereitung der Nuklearwaffen auf den Einsatz verantwortlich. Dass deren Zahl und die der dort eingesetzten Spezialfahrzeuge für den Atomsprengkopftransport – sie stieg vom angenommenen »Kriegsjahr« 1962 von 510 auf 820 für das Jahr 1963 –, aber vor allem auch die Menge an Kernwaffenträgern vom Ende der 1950er bis zur Mitte der 1960er Jahre kontinuierlich zunahmen, spricht dafür, dass die sowjetische Strategie des allumfassenden Kernwaffenkrieges im Ernstfall tatsächlich umgesetzt werden sollte.[25]

Die von Gosplan erarbeiteten Mobilisierungspläne zeigen jedoch zumindest stellenweise, dass die sowjetische Militärführung im Kriegsfall neben dem Einsatz von Kernwaffen offenbar auch den Gebrauch von Chemiewaffen plante. Für die Befüllung von mehr als 1,1 Millionen Giftgasgranaten, -bomben und -minen benötigte das Verteidigungsministerium im angenommenen »Kriegsjahr« 1957 nach eigenen Angaben mehr als 10 000 Tonnen Kampfstoff; 7000 Tonnen davon sollten der Spitzenkampfstoff Sarin sein, der in der Sowjetunion unter dem Decknamen »Ordoval’-1« hergestellt wurde. Allerdings standen 1957 lediglich Kapazitäten für die Produktion von 45 Tonnen Sarin zur Verfügung. Erst ein Jahr später sollte eine neue Fertigungslinie in Betrieb genommen werden, welche die Herstellung von mehr als 2000 Tonnen im Jahr erlauben würde.[26] 1958 plante die Sowjetarmee im Kriegsfall bereits mehr als 48 000 Tonnen Kampfstoff einzusetzen, darunter 12 500 Tonnen Yperit, 8500 Tonnen Lewisit (beide auch als Lost bzw. Senfgas bekannt), 15 000 Tonnen Sarin, 5000 Tonnen Soman, 4500 Tonnen Blausäure und 3000 Tonnen des Giftgases Trifluornitrosomethan. Gosplan schlug aus Kapazitätsgründen zudem vor, 6000 Tonnen des veralteten Kampfstoffes Adamsit zu produzieren.[27] Für den Einsatz dieser Kampfstoffmengen sollten im angenommenen »Kriegsjahr« 1958 für die sowjetischen Streitkräfte unter anderem 100 000 Kampfstoffgranaten des Kalibers 76 Millimeter, 200 000 des Kalibers 122 Millimeter, 150 000 des Kalibers 152 Millimeter, 51 000 Stück bis zum Kaliber 280 Millimeter und 102 000 chemische Bomben unterschiedlicher Kaliber produziert werden.[28] In den nachfolgenden Jahren nahmen die Kapazitäten für den chemischen Krieg im Ernstfall noch weiter zu. Im angenommenen »Kriegsjahr« 1962 sollten jetzt 780 000 Granaten und Bomben, die mit Kampfstoffen befüllt waren, an das Verteidigungsministerium der UdSSR geliefert werden.[29]

Die begrenzten sowjetischen Rüstungskapazitäten und die Ausrüstung der Armeen der Warschauer Vertragsorganisation im Kriegsfall

Am 4. Juli 1959 traten in Moskau die Vertreter der staatlichen Plankommissionen und der Generalstäbe der Warschauer Vertragsorganisation (WVO) zusammen. Bei diesem Treffen wurde vor allem die Frage der Beseitigung von Engpässen im Hinblick auf die Mobilmachungspläne besprochen. Zunächst nahmen die Militärs und Wirtschaftsplaner allerdings eine Bestandsaufnahme vor. Demnach waren die Auffüllungszahlen für die Kriegsstärke der Armeen des Militärbündnisses unter sowjetischer Führung, aufgeschlüsselt nach einzelnen Bewaffnungskategorien, wie folgt: Jagdflugzeuge 67–87 Prozent, Bomber 82–89 Prozent, Panzer 31–80 Prozent, Feldartillerie 78–100 Prozent, Flakartillerie 85–100 Prozent. Bei der geplanten Jahresfertigung für Waffen im ersten »Kriegsjahr« fielen diese Zahlen bereits deutlich geringer aus: So konnten sich die westlichen WVO-Staaten im ersten »Kriegsjahr« nur zu 30 Prozent mit der geplanten Zahl von Jagdflugzeugen versorgen, bei Artillerie waren es 28 Prozent, bei Artilleriemunition 20 Prozent und bei Panzern sogar nur neun Prozent. Doch selbst um diese Lieferungen zu gewährleisten, benötigten die Bündnismitglieder beträchtliche Rohstofflieferungen aus der Sowjetunion, da die eigene Produktion beispielsweise den Verbrauch von Eisenerz nur zu 33 Prozent sicherstellen konnte, bei Nickel waren es nur sieben Prozent und bei Kautschuk sogar nur ein Prozent. Um diesen großen Fehlbestand zu beheben, war geplant, dass die WVO-Staaten künftig Perspektivpläne für die Mobilisierung ihrer Wirtschaft zu erarbeiten hatten. Sie betrafen vor allem die Waffenproduktion, die Versorgung mit strategischen Rohstoffen und Materialien sowie die Entwicklung des Transport- und Nachrichtennetzes und die medizinische Versorgung. Hierfür sollten in erster Linie zunächst die bestehenden Engpässe beseitigt werden. All dies hatte »in kürzester Zeit und mit minimalem Mittelaufwand zu erfolgen«.[30]

Wie die wirtschaftlich schwierige Lage der WVO-Staaten erwarten ließ, gab es auch ein Jahr später keine nennenswerten Erfolge beim Ausbau der Rüstungskapazitäten der westlichen Staaten des Bündnisses. So stand 1960 einem Bedarf von 9845 Kampfpanzern im ersten »Kriegsjahr« lediglich eine Eigenproduktion von 800 gegenüber. Von 2451 benötigten Jagdflugzeugen konnten nur 690 außerhalb der UdSSR gefertigt werden. Doch nicht nur bei den komplizierten und kostenintensiven Waffensystemen war es nicht möglich, den Bedarf durch Eigenproduktion zu decken. Selbst bei Handfeuerwaffen – wie dem Sturmgewehr AK-47 – reichten die Fertigungszahlen nur dafür aus, um 37 Prozent des Gesamtbedarfs zu befriedigen.[31]

Obwohl von der DDR zunächst keine entsprechenden Unterlagen vorlagen, rechnete die UdSSR für das »Kriegsjahr« 1962 mit einem Bedarf von Rüstungslieferungen im Wert von 800–900 Millionen Rubel für die ostdeutschen Streitkräfte. Zum Vergleich: 1961 hatte die Sowjetunion Waffen und Ausrüstung im Wert von 93 Millionen Rubel an die Nationale Volksarmee der DDR geliefert. Aus den anderen WVO-Staaten wurden für das »Kriegsjahr« 1962 Waffenlieferungen im Wert von fünf Milliarden Rubel beantragt; diese Summe entsprach exakt dem Umfang aller Rüstungslieferungen an die Sowjetarmee im »Friedensjahr« 1962. In der Regel lagen die Forderungen der westlichen WVO-Staaten um das Zehnfache höher als die »normalen« Rüstungslieferungen. Bulgarien und Polen bildeten hier allerdings eine Ausnahme. Während in Bulgarien die Lieferungen an Waffen um das 19-Fache ansteigen sollten, benötigte Polen für seine kriegführenden Truppen sogar das 25-Fache der bisherigen Rüstungsimporte.

Damit sprengten die für die anderen WVO-Staaten im Kriegsfall benötigten Lieferungen allerdings die vorhandenen Kapazitäten der sowjetischen Rüstungswirtschaft. Dies wird aus den wenigen folgenden Zahlen deutlich. 1961 produzierte die sowjetische Flugzeugindustrie ca. 300 Jagdflugzeuge des Typs MiG-21, für das entsprechende »Kriegsjahr« war die Fertigung von 1500 Flugzeugen dieses Typs vorgesehen. Allein der Bedarf der westlichen WVO-Staaten lag jedoch bei 1800 Maschinen. Bei den Panzern war die Lage ähnlich. Für die Armeen der mit der UdSSR verbündeten Staaten wurden insgesamt 7522 Panzer benötigt, was dem Dreifachen der damaligen Jahresproduktion oder knapp der Hälfte der beabsichtigten Kriegsproduktion entsprach.

Verschärft wurde das Problem dadurch, dass die Mobilmachung der Rüstungsindustrie der UdSSR nur auf den Bedarf der sowjetischen Streitkräfte ausgerichtet war. Da dieser nicht voll befriedigt werden konnte, musste die Staatliche Plankommission der UdSSR einräumen, dass die im Kriegsfall für die Warschauer Vertragsorganisation benötigten Waffen »nicht in den beantragten Mengen geliefert werden können«. Als Ausweg schlug man vor, die Rüstungsproduktion außerhalb der Sowjetunion anzukurbeln.[32]

Auch in den folgenden Jahren kamen die westlichen WVO-Staaten im Kriegsfall trotz aller Versuche nicht ohne substanzielle sowjetische Waffenlieferungen aus. So benötigte Ungarn für das angenommene »Kriegsjahr« 1962 rund 150 Jagdflugzeuge des Typs MiG-21, 17 Flugabwehrraketenbatterien des Typs SA-2 und 3582 Raketen hierfür, sechs Batterien der taktischen Kurzstreckenraketen »Luna« (FROG) neben 416 Flugkörpern und 15 Batterien der Panzerabwehrrakete AT-2 samt 8400 gelenkten Geschossen. Gleichzeitig wurde die Lieferung von 1082 Panzern des Typs T-55 und 1655 Schützenpanzern BTR-60 aus der Sowjetunion erwartet.[33]

Die DDR meldete gleichfalls für das »Kriegsjahr« 1962 bei der UdSSR den Bedarf von mehr als 310 Jagdflugzeugen, 16 Hubschraubern, 150 Schwimmpanzern des Typs PT-76, 75 Flak-Panzern ZSU-57-2, 2650 Schützenpanzern, zwei Fregatten, zehn Torpedoschnellbooten, zehn U-Boot-Jägern und zahlreiches anderes Gerät sowie Munition an. Dafür, dass jetzt erste gegenseitige Lieferungen auch innerhalb der westlichen WVO-Staaten vorgenommen werden sollten, spricht die Tatsache, dass die DDR im selben Zeitraum aus der ČSSR 40 Schulflugzeuge, aus Polen 1900 Panzer des Typs T-54 und aus Rumänien 2170 Schützenpanzer des Typs BTR-60 erhalten sollte.[34]

Die Streitkräfte der ČSSR meldeten gegenüber Moskau für das »Kriegsjahr« 1962 den Bedarf von 380 000 Maschinenpistolen, 20 750 Maschinengewehren, 3700 Panzern des Typs T-54A, 2650 Schützenpanzern und 29 000 Lkw an. Trotz eigener Rüstungsfertigung musste immer noch ein Großteil aus sowjetischer Produktion bereitgestellt werden.[35] Gleichwohl plante die tschechoslowakische Führung den Ausbau der Fertigungskapazitäten im Panzerbau, um im »Kriegsjahr« 1965 für den eigenen Bedarf und die WVO-Staaten mindestens 3200 Panzer samt Kanonen produzieren zu können. Diese Zahlen schienen den sowjetischen Wirtschaftsfunktionären jedoch zu niedrig, da sie von der ČSSR bis 1965 den Aufbau von Kapazitäten für eine Kriegsproduktion von 9000 Panzern jährlich gefordert hatten. Die tschechoslowakische Seite wies dieses Ansinnen mit der Bemerkung zurück, dass hierfür der Aufbau entsprechender Rüstungswerke in Prag, Pilsen und Brünn erforderlich sei. Der Generalstab der Streitkräfte der ČSSR habe derartige Investitionen jedoch untersagt, da davon auszugehen sei, dass im Ernstfall die genannten Städte mit Massenvernichtungswaffen angegriffen würden.[36]

Selbst im angenommenen »Kriegsjahr« 1966 hätten die Truppen der Warschauer Vertragsorganisation ohne sowjetische Waffenlieferungen im Kriegsfall keine modernen Waffen einsetzen können. So forderte Ungarn für dieses »Kriegsjahr« die Lieferung einer Raketenabteilung der operativ-taktischen Boden-Boden-Rakete SCUD und 58 Raketen hierfür sowie zweier Raketenabteilungen »Luna« mit jeweils 64 nuklearen und 64 konventionell ausgestatteten Flugkörpern. Für die Flugabwehrrakete SA-2 wurde ein Bedarf von 3590 Raketen und 18 Startrampen angemeldet. Zusätzlich sollten 6747 Panzerabwehrlenkraketen und 32 Abschussfahrzeuge nach Ungarn geliefert werden.[37] Die DDR wiederum erwartete im Falle eines Krieges im Jahr 1966 von der Sowjetunion die Lieferung einer Fregatte des Typs Petya, von acht Torpedobooten des Typs 206, 202 MiG-21, elf Hubschraubern, 100 Schwimmpanzern des Typs PT-76, 53 Flak-Panzern ZSU-57-2, 1360 Schützenpanzern sowie zahlreichem anderen Rüstungsgerät im Wert von knapp einer Milliarde Rubel.[38] Im selben Jahr lag der Bedarf der polnischen Volksarmee an Lieferungen aus der UdSSR für einen möglichen Krieg bei einem Zerstörer, drei U-Booten, zehn Torpedoschnellbooten, sieben U-Jägern, 526 MiG-21, 25 Aufklärern Jak-27, 43 Jagdbombern Su-7BM, 1850 Panzern T-55, 60 PT-76, 25 ZSU-57-2 und 4300 Panzerfäusten RPG-7. Benötigt wurden zudem zahlreiche andere Waffen sowie die dazugehörige Munition und Ausrüstung.[39] Insgesamt würden die WVO-Staaten für das »Kriegsjahr« 1966 von der Sowjetunion Rüstungslieferungen im Wert von rund 4,2 Milliarden Rubel benötigen, um ihre Armeen mobilisieren und auf Kriegsstärke bringen zu können. Die Fertigungskapazitäten der UdSSR reichten allerdings lediglich dafür aus, um etwas mehr als zehn Prozent des geforderten Bedarfs zu decken.[40]

Im Falle eines militärischen Konflikts mit der NATO hätten die europäischen Bündnispartner der Sowjetunion also weitgehend auf ihre eigenen Mobilmachungskapazitäten zurückgreifen müssen. Die Militärs und Wirtschaftsfunktionäre in der UdSSR sahen sich aufgrund der begrenzten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der sowjetischen Industrie nicht in der Lage, ihre Verbündeten im Ernstfall wirksam zu unterstützen. Doch auch die Abstimmung unter den Verbündeten funktionierte mehr schlecht als recht. Verbittert musste 1966 der Stabschef der sowjetischen Zivilverteidigung feststellen, dass weder in der Sowjetunion noch in den verbündeten Staaten eine einheitliche Terminologie der Mobilmachung existierte.[41]

Die Planung des Unmöglichen: Die Zivilverteidigung der UdSSR im Falle eines Atomkrieges

Unter den Bedingungen eines modernen Krieges, der unter Einsatz von Raketenkernwaffen und anderen Massenvernichtungsmitteln geführt werden würde, ging die sowjetische Militärwissenschaft davon aus, dass diese militärische Auseinandersetzung nicht allein durch den Einsatz bewaffneter Kräfte gewonnen werden konnte. Von gleicher Wichtigkeit sei der »Schutz der Menschen, der Produktion sowie der kulturellen Werte«. Hierzu gehörten der »Schutz der Bevölkerung in den Städten und ländlichen Wohngebieten; die stabile Arbeit der wichtigsten Wirtschaftszweige und Objekte im Verlauf der militärischen Auseinandersetzung; der Schutz der Lebensmittel, des Trinkwassers und der Bedarfsgegenstände sowie die Beseitigung der Folgen gegnerischer Überfälle mit Massenvernichtungsmitteln«. Gerade deshalb würde der Zivilverteidigung beim Schutz des gesamten Landes eine immer größere Bedeutung zukommen und sich diese zu einem strategischen Faktor der sozialistischen Landesverteidigung entwickeln.[42]

Bis zum Tod Stalins verhinderten die strengen Geheimhaltungsvorschriften allerdings, dass sich die zuständigen Behörden überhaupt mit Fragen des Schutzes der Bevölkerung vor Massenvernichtungswaffen befassten. Deshalb waren die mit der Zivilverteidigung beauftragten Organe – das Innenministerium der UdSSR und der Dienst der örtlichen Luftverteidigung – auf diese Aufgabe gar nicht vorbereitet.[43] Erst ab dem Herbst 1953 widmete sich die neue sowjetische Führung, zumindest auf dem Papier, dem Schutz der Bevölkerung der UdSSR vor den Folgen eines feindlichen Angriffs mit dem massenhaften Einsatz atomarer, chemischer und bakteriologischer Massenvernichtungsmittel. Am 29. September 1953 verabschiedete der Ministerrat der UdSSR den Beschluss Nr. 2533–1053 »Über die Sicherstellung der Bereitschaft der Streitkräfte zu Handlungen unter den Bedingungen des Einsatzes von Atomwaffen und über den Schutz der Bevölkerung, Städte und Industrieobjekte vor Atomwaffen«. Der Erlass beauftragte das Innenministerium der UdSSR, bis zum 1. Februar 1954 Pläne für den Schutz der Einwohner großer Verwaltungs-, Industrie- und Verkehrszentren des Landes vorzulegen.[44] Als Folge wurden 179 Großstädte der Sowjetunion zu Orten erklärt, die durch Atomangriffe besonders gefährdet seien. Hier wurden entsprechende Vorräte an Schutzkleidung angelegt und moderne Luftschutzbunker gebaut.[45]

Bereits wenige Wochen nach dem Beschluss des Ministerrats vom 29. September 1953 legte das Innenministerium der UdSSR einen detaillierten Arbeitsplan zur Verbesserung des Schutzes der Bevölkerung vor Angriffen mit Massenvernichtungswaffen vor.[46] Mitte Februar 1954 regte der sowjetische Innenminister Sergej N. Kruglov an, im Zeitraum 1955 bis 1958 für 70 Prozent der Bevölkerung von Moskau und Leningrad Luftschutzunterkünfte bereitzustellen. In den anderen als gefährdet eingestuften Städten sollten bis zu diesem Zeitpunkt 25 bis 50 Prozent der Einwohner einen Luftschutzbunker aufsuchen können. Zugleich waren in der Nähe von Großstädten Rettungs- und Bergungseinheiten des Innenministeriums zu stationieren, um im Falle eines Überraschungsangriffs rasch eingesetzt werden zu können.[47]

Erstmals widmeten sich die Experten nun auch der Frage, wie die durch die radioaktive Strahlung hervorgerufenen Gesundheitsschäden behandelt werden könnten. Dazu wurde der großzügige Einsatz von Blutplasma und Blutkonserven für Transfusionen vorgeschlagen. So hoffte man, die Folgen der Strahlenkrankheit bekämpfen zu können. Entsprechende Berechnungen zeigten jedoch rasch, dass die Sowjetunion nach Mobilisierung aller vorhandenen Kapazitäten lediglich in der Lage wäre, jährlich rund 1500 Tonnen medizinische Präparate aus Spenderblut herzustellen. Diese Menge würde gerade einmal den Bedarf der Streitkräfte im Ernstfall decken, der bei 1320 Tonnen pro Jahr lag. Für die Versorgung der Bevölkerung stünden lediglich 180 Tonnen Blutplasma zur Verfügung. Nach Berechnungen des Gesundheitsministeriums könnten damit im Falle von Atombombenangriffen auf die 87 wichtigsten Industriezentren nicht mehr als 2,5 bis drei Prozent der Betroffenen behandelt werden. Wollte man dort nach umfassenden Kernwaffenangriffen alle Personen mit Anzeichen von Strahlenkrankheit medizinisch betreuen, wären rund 35 000 Tonnen Blutplasma erforderlich, für deren Herstellung mindestens 50 Millionen Blutspender gefunden werden müssten. Gosplan wies diese Annahmen allerdings als willkürlich zurück, da sie die Effekte des Luftschutzes der Bevölkerung nicht berücksichtigen würden. Nach eigenen Berechnungen müssten für Bluttransfusionen bei Strahlenkranken 5500 bis 7000 Tonnen Blutkonserven genügen, für die acht bis zehn Millionen Spender nötig wären. Da diese vor allem aus der ländlichen Bevölkerung kommen sollten, schlug Gosplan die Aufstellung mobiler Blutspendeeinheiten vor, von denen jede jährlich fünf bis sechs Tonnen Blutkonserven herstellen konnte. Weiterhin wurden die verstärkte Entwicklung und der Einsatz von Medikamenten gegen die Strahlenkrankheit und die Verwendung von Blutersatzpräparaten angeregt.[48]

Im Herbst 1961 musste Marschall Vasilij I. Čuikov, der Held von Stalingrad und Chef der neu gebildeten Truppen der Zivilverteidigung, feststellen, dass der Schutz der sowjetischen Bevölkerung immer noch mehr als unzureichend war. Obwohl mehr als 49 500 Schutzbauten existierten, konnten darin nur 13,5 Prozent der Bevölkerung der großen Städte und Industriezentren Zuflucht finden. Erschwerend kam hinzu, dass mehr als 20 000 Bunker als Lager zweckentfremdet wurden und damit nur bedingt als Schutzunterkünfte zur Verfügung standen. Zudem waren 60 Prozent der gebauten Anlagen unzureichend gegen die Wirkungen von Kernwaffen geschützt. Selbst wenn es gelingen würde, einen Teil der nichtarbeitenden Bevölkerung aufs Land zu evakuieren und die Bunker wieder instand zu setzen, wären mindestens 30 bis 50 Prozent der in den großen Städten und Industriezentren lebenden Bevölkerung den Folgen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen ungeschützt ausgesetzt. Deshalb sollten zumindest die vorhandenen Schutzräume schnellstens ausgebaut und auf den neusten technischen Stand gebracht werden. Durch den Fertigbau von 5430 Schutzbunkern und die Umrüstung von 29 600 weiteren derartigen Anlagen sollten so Einrichtungen zum Schutz von rund 7,4 Millionen Menschen bereitgestellt werden.[49]

Kaum besser sah die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Gasschutzmasken und Schutzanzügen aus. Allein bei den Schutzmasken hatten die Experten der Mobilmachungsabteilung von Gosplan 1961 einen Bedarf von 56,5 Millionen Masken für Erwachsene und 15 Millionen für Kinder errechnet. Diese waren aber nur für die Bewohner der 179 Städte vorgesehen, die auf der Liste der zu schützenden Einrichtungen standen. Vor allem die kleinstädtischen und ländlichen Siedlungen gingen leer aus. Dem genannten Bedarf stand ein Ist-Bestand von zwölf Millionen Schutzmasken gegenüber, von denen acht Millionen als Mobilmachungsreserve aufbewahrt wurden. Bei der Schutzbekleidung war die Lage ähnlich; hier war der errechnete Bedarf für den Kriegsfall nur zu 13,5 Prozent gedeckt.[50]

Als im Herbst 1963 im Baltikum und im Gebiet Kaliningrad eine großangelegte Kommandostabsübung mit dem Titel »Die Durchführung der Zivilverteidigung auf Republik- und Gebietsebene im Zusammenarbeit mit dem Kommando des Militärbezirks (Front) in der Anfangsphase eines Kernwaffenkrieges« durchgeführt wurde, zeigte sich, dass sich die Situation für die Zivilverteidigung auch nach der Kubakrise nicht grundlegend geändert hatte. So bemängelte Čuikov, dass die Pläne für die Zivilverteidigung wie auch die Berechnungsgrundlagen für ihre Verwendung veraltet waren und die vorgesehenen Einsatzgruppen zu klein gewesen waren, um effektiv die Folgen von Kernwaffenwirkungen beseitigen zu können. Auch habe die Übung gezeigt, dass für die Evakuierung der Bevölkerung nicht alle zur Verfügung stehenden Ressourcen hätten genutzt werden können. Weiterhin zeigte sich, dass weder die zivilen Verwaltungsorgane noch die entsprechenden militärischen Stellen ihr Vorgehen im Ernstfall untereinander abgestimmt hatten. Gleichzeitig waren die Einsatzstäbe auf allen Ebenen damit überfordert, die Wirkung von Kernwaffenschlägen realistisch einzuschätzen und ihre Folgen zu beseitigen.[51]

Als im selben Jahr ebenfalls aufgrund eines Beschlusses des Ministerrats der UdSSR, der ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Kubakrise am 23. Oktober 1962 gefasst worden war, die Zivilschutzkapazitäten erneut überprüft wurden, musste die sowjetische Führung feststellen, dass sich die prekäre Lage kaum geändert hatte. Die mittlerweile vorhandenen 50 000 Schutzräume reichten kaum aus, um sieben Millionen Menschen Zuflucht zu gewähren – und das waren gerade einmal vier bis acht Prozent der örtlichen Bevölkerung. In Moskau, Leningrad und Kiew konnte dieser Prozentsatz durch die Verwendung der unterirdischen Stationen der Metro im Ernstfall als Luftschutzbunker auf 17 bis 30 Prozent gesteigert werden. Allerdings mussten hierfür mehr als 73 Millionen Rubel investiert werden, denn 1962 waren gerade einmal 1,5 Millionen Rubel für diese Zwecke verbaut worden.[52]

Die sowjetischen Militär- und Wirtschaftsexperten waren sich im Klaren darüber, dass die Industriezentren der UdSSR im Visier der US-amerikanischen Kernwaffen lagen. Deshalb wurde erneut angeordnet, die rechtzeitige Evakuierung der Bevölkerung dieser Städte anzuweisen, entsprechende Schutzräume auszubauen, notwendige Reserven an Schutzbekleidung anzulegen und die Bevölkerung in Erster Hilfe und Zivilverteidigung auszubilden. Gleichzeitig empfahlen die Experten, die wichtigsten Forschungs- und Entwicklungszentren der Rüstungsindustrie zu entzerren und zu »doublieren«. Außerdem sollte das Wachstum der großen Städte und Industriezentren begrenzt werden. Insgesamt seien für diese Maßnahmen Finanzmittel von rund sechs Milliarden Rubeln notwendig, was in etwa der Hälfte des Jahresbudgets des Verteidigungsministeriums im Jahr 1961 entsprach.

Hierfür sollten die wichtigsten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen aus 29 Großstädten bei Kriegsgefahr verlegt werden. Die notwendigen Aufwendungen bezifferte Gosplan mit mehr als 3,5 Milliarden Rubel. Gleichzeitig sollte die Evakuierung von mehr als 48 Millionen Menschen aus diesen Städten vorbereitet werden. Zusätzlich waren bis 1965 in Industriewerken vorhandene Kellerräume als Schutzbunker herzurichten. Bis 1967 hatte die Zivilverteidigung alle Luftschutzbunker so auszubauen, dass sie den Anforderungen des Kernwaffenschutzes genügen würden. Dadurch hoffte die sowjetische Führung, Schutzmöglichkeiten für weitere 13 Millionen Menschen bereitzustellen.[53]

Am 4. November 1963 verabschiedeten das ZK der KPdSU und der Ministerrat der UdSSR schließlich einen Beschluss »Über den Schutz der Bevölkerung des Landes vor Massenvernichtungswaffen«. Gleichzeitig reichte der Hauptstab für Zivilverteidigung beim Verteidigungsrat der UdSSR einen operativen Plan ein, der die grundlegenden Verfahren und Mittel zur Lösung von Zivilschutzfragen unter den Bedingungen des Raketen-Kernwaffenkrieges festlegte. Im selben Zeitraum reorganisierte die Führung der Zivilverteidigung die ihr unterstehenden Truppen und Einheiten. Um das Zusammenwirken der eingesetzten Kräfte zu verbessern, wurden auf Ebene der Republiken, Gebiete und Kreise mehr als 60 größere Kommandostabsübungen durchgeführt. Zudem nahmen 1964 mehr als 27 Millionen Bürger der UdSSR an Übungen oder Ausbildungskursen der Zivilverteidigung teil.[54] Zwei Jahre später verfügten die Marschall Čuikov unterstehenden Truppen der Zivilverteidigung über neun Regimenter und 23 selbstständige Bataillone. Um im möglichen Kriegsfall für den Bevölkerungsschutz und die Schadensbeseitigung über 150 mechanisierte Regimenter und 13 selbstständige mechanisierte Bataillone einsetzen zu können, sollten diese binnen eines Jahres zu 59 mechanisierten Regimentern mit einer neuen Organisationsstruktur umgewandelt werden. Zudem waren in den freiwilligen Einheiten der Zivilverteidigung mehr als 27 Millionen Personen organisiert, deren mangelhafte Ausrüstung und Ausstattung allerdings die Ausbildung und den Einsatz behinderten. Vor allem fehlte es an einsatzfähigen Löschfahrzeugen, an Schutzbekleidung, an Dosimetern und Nachrichtengerät. Verbittert hielt deshalb Čuikov in seinem Schreiben an Ministerpräsident Aleksej N. Kosygin im Frühjahr 1965 fest, dass wichtige Fragen der Zivilverteidigung nur auf dem Papier gelöst seien, aber nicht materiell unterfüttert würden.[55]

Darüber hinaus bemängelte die Führung der Zivilverteidigung schwere Versäumnisse beim Schutz der Bevölkerung vor den Wirkungen eines Atomkrieges. Vor allem wurde die mangelhafte Finanzierung der nötigsten Ausgaben für den Zivilschutz beanstandet:

»Alle sind daran gewöhnt, für den Unterhalt der Streitkräfte jährlich Milliarden aufzuwenden, und niemand zweifelt am Sinn dieser Ausgaben. Wenn sich aber ein Raketen-Kernwaffenkrieg entwickelt, dann werden die Streitkräfte den Gegner schlagen und unsere Grenzen verteidigen, aber sie werden nicht in der Lage sein, unser Land zuverlässig zu schützen, insbesondere können sie weder den Industriezentren noch der Bevölkerung den nötigen Schutz geben. Mit der Verteidigung des Landes wird die gesamte in der Zivilverteidigung organisierte Bevölkerung befasst sein. Das Volk soll sich selbst verteidigen und so das Überleben des Landes und den Einsatz der Streitkräfte gewährleisten. Für den Schutz und die Rettung von vielen Millionen Menschen, besonders aus der Arbeiterklasse und der Intelligenz, sind zu Friedenszeiten einige Ausgaben erforderlich. Diese Aufwendungen liegen einhundertmal niedriger und sind vielfach effektiver als die Ausgaben für die Streitkräfte. Aber selbst diese minimalen Mittel werden uns von den Planungsorganen verwehrt. Wenn unsere wahrscheinlichen Gegner wissen, dass die Bevölkerung der Sowjetunion fähig sein wird zu überleben bzw. dass die Verluste bei der Verwendung von Massenvernichtungswaffen gering sein werden, so werden wir in unseren Händen eine ›absolute Waffe‹ halten, die fähig ist, die Kriegslust jedes beliebigen Aggressors abzukühlen.«[56]

Auch Mitte der 1960er Jahre setzte die Führung der sowjetischen Zivilverteidigung auf Evakuierungen, um die Verluste an Menschen möglichst gering zu halten. Im Falle eines drohenden Krieges sollten aus diesem Grund innerhalb von drei bis vier Tagen mehr als 44,7 Millionen Menschen aus den am meisten gefährdeten Städten der Sowjetunion evakuiert werden. Die dort verbleibenden 17,6 Millionen Personen waren über das gesamte Territorium der jeweiligen Metropolen zu verteilen, um die Verluste durch Massenvernichtungswaffen so gering wie möglich zu halten. Sie sollten dort den weiteren Arbeitsbetrieb aufrechterhalten. Nur für zwei Millionen von ihnen gab es allerdings Schutzräume. Als besonders problematisch erwies sich zudem, dass die vom Ministerrat der UdSSR 1956 und 1963 erlassenen Verbote des Neubaus und der Erweiterung von Industriebetrieben in Großstädten kaum beachtet wurden. In den letzten Jahren waren dort mehr als 120 Unternehmen neu angesiedelt und 629 zum Teil beträchtlich erweitert worden, wodurch die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter und Angestellten um mehr als eine Million anstieg.[57] Auf die gefährliche Konzentration von wichtigen Industrieobjekten und vor allem von Großanlagen für die Energieversorgung wies auch das Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Akademie der Wissenschaften der UdSSR hin. Nur durch eine Entzerrung der Industriezentren und den Bau mittelgroßer Fabriken außerhalb der bekannten Metropolen würde es möglich sein, die Überlebensfähigkeit der Sowjetunion unter den Bedingungen eines Raketen-Kernwaffenkrieges zu sichern. Zudem stellten die wenigen großen Industriezentren für den Gegner ein verführerisches Ziel für einen nuklearen Erstschlag dar, während eine großzügigere Verteilung der Industrieunternehmen über das gesamte Territorium der Sowjetunion möglicherweise sogar als Faktor zur Verhinderung eines Atomkrieges wirken könne.[58]

Doch weil die sowjetische Führung die Streitkräfte bevorzugte, war sie dazu ebenso wenig bereit wie zur Finanzierung des weiteren Ausbaus von Schutzanlagen und der Ausrüstung der Zivilverteidigung. So beschwerte sich im Sommer 1966 der Chef des Stabes der Zivilverteidigung in Doneck, Generalmajor Poljakov, bei Kosygin darüber, dass in dem Gebiet in den letzten fünf Jahren pro Einwohner gerade einmal weniger als 15 Kopeken für den Bau von Luftschutzanlagen ausgegeben wurden.[59]

Wie bisher herrschte zwischen dem Bedarf der Zivilverteidigung und den Lagerbeständen eine große Diskrepanz. So sahen die Planungen vor, bis 1970 über mindestens 50 Millionen Gasmasken und rund 160 Millionen Atemschutzmasken zu verfügen. In den Depots der Einheiten der Zivilverteidigung lagerten 1965 allerdings nur 17,6 Millionen Gasmasken. Bei einer jährlichen Produktion von 1,2 Millionen Gasmasken würde es mindesten 20 Jahre dauern, um die geplanten Zahlen zu erreichen. Die Produktion von Atemschutzmasken war noch nicht über das Versuchsstadium herausgekommen. Weiterhin sollten bis 1967 Mobilmachungsreserven zur medizinischen Erstversorgung von 20 bis 25 Millionen Menschen angelegt werden. Die auszubauenden Lazarettkapazitäten hatten die medizinische Behandlung von 10 bis 15 Millionen Personen sicherzustellen.[60] Nach einer drei Jahre später vom Gesundheitsministerium vorgelegten Studie stellte sich allerdings heraus, dass diese Zahlen nicht ausreichen würden, um den angenommenen Bedarf im Kriegsfall auch nur annähernd zu decken. Die nun vorliegenden Angaben gingen davon aus, dass bei einem Kernwaffenangriff auf die Sowjetunion mit mindestens 40 bis 50 Millionen Verletzten zu rechnen sei, von denen 30 bis 35 Millionen eine stationäre medizinische Versorgung benötigen würden. Die damals vorhandenen Kapazitäten erlaubten jedoch nur die Betreuung und Heilung von knapp fünf Millionen Geschädigten. Allein für die Bereitstellung dieser keinesfalls ausreichenden Kapazitäten hatte die sowjetische Volkswirtschaft mehr als zehn Jahre gebraucht, wobei die vorgegebenen Pläne nur zu 71 Prozent erfüllt wurden. Um bis 1970 bei einem Atomschlag zumindest zehn bis zwölf Millionen Verletzte stationär versorgen zu können, seien zusätzliche Investitionen im Wert von 189 Millionen Rubel erforderlich. Mit diesen Mitteln sollten im Ernstfall 4000 Abteilungen der ersten medizinischen Hilfe sowie 1000 bewegliche Einheiten zur Abwehr von Epidemien aufgestellt werden.[61]

Eine Prüfung durch die Mobilmachungsabteilung beim Gosplan der UdSSR zeigte jedoch, dass die vorhandenen wirtschaftlichen Kapazitäten bis 1974 lediglich die Ausrüstung von 2105 Abteilungen der ersten medizinischen Hilfe und 540 beweglichen Einheiten zur Epidemie-Bekämpfung und damit die medizinische Erstversorgung von 17,5 Millionen Personen und die stationäre Behandlung von acht Millionen Verletzten sicherstellen könnten.[62] Damit wird deutlich, dass im Falle eines Krieges gerade einmal 25 Prozent der zivilen Verletzten auf eine angemessene medizinische Versorgung hoffen konnten. Doch selbst diejenigen, die es bis in ein Krankenhaus oder Behelfslazarett geschafft hätten, wären dort kaum mehr als verarztet worden, denn den Bedarf an Medikamenten und Verbandsmaterial würden die vorhandenen Bestände nur zu fünf bis zehn Prozent decken.[63]

Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass das sowjetische Militär Fragen der Zivilverteidigung kaum Aufmerksamkeit schenkte. In seinem als epochale Studie eingeschätzten und 600 Seiten umfassenden Werk »Militärstrategie« von 1965 widmete Marschall Vasilij D. Sokolovskij – Generalinspekteur der Gruppe der Generalinspekteure des Verteidigungsministeriums der UdSSR – der Zivilverteidigung kaum mehr als zwei Seiten. Die Probleme bei der Mobilmachung von Staat und Wirtschaft handelte er auf weniger als dreizehn Seiten ab.[64] Der sowjetische Verteidigungsminister Rodion J. Malinovskij schaffte es in seinem vertraulich gehaltenen und mehr als 260 Seiten langen Buch »Die Strategie des Kernwaffenkrieges« sogar, zur Zivilverteidigung nur einen Absatz zu verfassen.[65] So verwundert es nicht, dass sich nach der Entmachtung Chruščevs General Čuikov beim Präsidium des ZK der KPdSU über die Ignoranz des Verteidigungsministeriums im Hinblick auf die Probleme der Zivilverteidigung beschwerte und darauf hinwies, dass »die Hauptaufgabe – das Überleben des Landes – nicht ohne das enge Zusammenwirken zwischen den Streitkräften und der Zivilverteidigung gelöst werden kann«.[66]

Dass all die sowjetischen Anstrengungen und Bemühungen im Bereich der Zivilverteidigung an der Wirklichkeit vorbeigingen und zumindest ein Großteil der sowjetischen Verantwortlichen in diesen Fragen die tatsächlichen Einsatzpläne der NATO-Streitkräfte nicht kannte, obgleich diese nachweislich in einigen Fällen von Agenten beschafft worden waren, belegt allein die Tatsache, dass der Single Integrated Operational Plan (SIOP) für den Einsatz der strategischen nuklearen Angriffskräfte der USA vorsah, jede sowjetische Stadt mit mehr als 50 000 Einwohnern durch Atomwaffen zu vernichten.[67] Bis 1967 sollten die US-Nuklearkapazitäten in der Lage sein, im Idealfall bis zu 88 Prozent der vorhandenen sowjetischen Industriefläche zu zerstören und 43 Prozent der sowjetischen Bevölkerung, mithin 90 Millionen Menschen, »auszulöschen«. Um dies zu erreichen, hatte die US-Militärführung den Einsatz von 2993 Kernwaffen über der UdSSR mit einer Sprengkraft von mehr als 4112 Megatonnen TNT vorgesehen.[68] Da die US-Streitkräfte im genannten Jahr über mehr als 31 250 Nuklearsprengköpfe verfügten, ist davon auszugehen, dass dieses Vorhaben auch tatsächlich hätte umgesetzt werden können.[69] Vom Territorium der Sowjetunion wäre wohl kaum wenig mehr als Asche übrig geblieben.

Demgegenüber gibt es kaum Angaben zu den sowjetischen Nuklearkriegsplänen gegen die USA. Bekannt ist allerdings, dass Ende 1964/Anfang 1965 die Strategischen Raketentruppen der UdSSR ein strategisches Kriegsspiel mit dem Namen »Zenit« durchführten. In seinem Verlauf sollten durch den Abschuss von 240 Raketen, die Sprengköpfe mit einem Gesamtäquivalent von 533,5 Megatonnen TNT zum Einsatz brachten, 492 Objekte auf dem Territorium des Gegners zerstört werden. Hierzu gehörten unter anderem 117 Flugplätze, 70 Häfen und Marinestützpunkte, fünf Raketenbasen, zwölf Depots für Nuklearwaffen, aber auch 196 Industrie- und Verkehrszentren. Die meisten Ziele sollten durch Raketen mit sehr großer Sprengkraft, zwischen 1,5 bis zu drei Megatonnen, vernichtet werden.[70] Klar ist also, dass bereits eine geringe Zahl von sowjetischen Nuklearwaffen den USA wahrscheinlich ernsthafte Verluste hätte zufügen können. Dort waren vor allem, so eine Einschätzung der CIA aus dem Jahr 1960, lebenswichtige, sogenannte weiche Ziele wie Industrie-, Verwaltungs- und Führungszentren in insgesamt 25 städtischen Ballungsräumen von New York bis Houston bedroht. Hier lebten immerhin 35 Prozent der Bevölkerung und befanden sich 60 Prozent der Rüstungskapazitäten der USA.[71] Allein im »günstigsten« Fall – wenn nur die wenigen zur Verfügung stehenden sowjetischen Interkontinentalraketen ihre Ziele in Nordamerika treffen würden – gingen die USA zu diesem Zeitpunkt von bis zu 16 Millionen eigenen Toten aus.[72]

Schlussbetrachtungen

Abschließend lassen sich drei Ergebnisse festhalten: Erstens, die sowjetische Industrie sollte im Kriegsfall in die Lage versetzt werden, im größten Ausmaß für das Militär zu produzieren. Deshalb wurden beträchtliche Mittel in den Ausbau der entsprechenden Mobilmachungskapazitäten gesteckt. Jedoch konnten die vorgesehenen Raten des Produktionsausstoßes den vermeintlichen Bedarf des Militärs nicht decken. So gut wie vollkommen ungeklärt blieb die Frage, wie die vorhandenen Kapazitäten vor den zu erwartenden Kriegsfolgen geschützt werden sollten. Stattdessen wurden Berechnungen angestellt, die »ohne Beachtung der möglichen Verluste im Ergebnis der Kriegshandlungen« durchgeführt wurden und damit an jeder Realität vorbeigingen.

Die Sowjetunion wäre zweitens im Falle eines Krieges kaum in der Lage gewesen, ihre eigenen Streitkräfte mit dem nötigen Bedarf an Waffen und Gerät zu versorgen. Deshalb konnten die Armeen der verbündeten Staaten der Warschauer Vertragsorganisation nur im sehr begrenzten Umfang damit rechnen, ihre Kriegsverluste durch sowjetische Lieferungen auszugleichen. Da die eigenen Wirtschaftskapazitäten, vor allem im Rüstungsbereich, jedoch nicht ausreichend waren, wären die Verbündeten der Sowjetunion bereits wenige Wochen – wenn nicht Tage – nach Beginn der Kampfhandlungen zu einem aktiven Gefechtseinsatz und damit zur Unterstützung der geplanten sowjetischen Offensive in Europa nicht mehr in der Lage gewesen.

Drittens zeigte sich die sowjetische Gesellschaft trotz ihrer hohen Mobilisierung, Organisierung und Militarisierung nicht auf die tatsächlichen Folgen eines Kernwaffenkrieges eingestellt.[73] Zumindest in den Köpfen der politischen und militärischen Führung existierte wohl immer noch das Bild vom sicheren und weitläufigen Hinterland des Zweiten Weltkrieges, welches das damalige sowjetische Rüstungswunder bewirkt hatte. Im modernen Kernwaffenkrieg gab es jedoch keine Rückzugsräume mehr, die nicht durch Nuklearwaffen angegriffen werden konnten. Zudem machte es die Satellitenaufklärung weitgehend unmöglich, unbemerkt neue Produktionszentren der Rüstungsindustrie zu errichten, zumal diese ja auch eine entsprechende Infrastruktur benötigten. Zudem fällt auf, dass in allen gesichteten sowjetischen Dokumenten keine Aussagen oder Angaben zur Masse der möglichen Todesopfer im Falle eines Atomkrieges zu finden sind. Geht man jedoch aufgrund allgemeiner Angaben davon aus, dass auf einen Verletzten mindestens ein Toter kommt, so rechneten zumindest die Planer im Gesundheitsministerium der UdSSR im Kriegsfall wohl mit 40 bis 50 Millionen Toten, doch in keiner Zeile findet sich auch nur ein Hinweis, wie mit dieser unvorstellbaren Zahl an Opfern umzugehen gewesen wäre. Das Undenkbare war einfach nicht in Zahlen und Planungen auszudrücken. Es kann durchaus gesagt werden, dass die Sowjetunion offenbar nicht fähig war, einen umfassenden Kernwaffenkrieg zu führen, der nicht auch die eigene Vernichtung zur Folge gehabt hätte. Glücklicherweise hatten dies die sowjetischen Politiker wohl begriffen, weshalb sie keine großangelegte militärische Auseinandersetzung mit dem Westen riskierten.

Online erschienen: 2020-12-03
Erschienen im Druck: 2020-11-04

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Articles in the same Issue

  1. Frontmatter
  2. Frontmatter
  3. Aufsätze
  4. Einleitung
  5. Die Mobilmachungs- und Kriegsvorbereitungen der Sowjetunion in den 1950er und 1960er Jahren
  6. Die mit Mittelstreckenraketen ausgerüsteten Streitkräfte der UdSSR: Etappen ihrer historischen Entwicklung und Erlangung der Gefechtsbereitschaft
  7. Die DDR als Operations- und Durchmarschgebiet der Vereinten Streitkräfte auf dem Westlichen Kriegsschauplatz
  8. Zur militärischen Mobilmachung in der DDR
  9. Dänemarks Vorbereitungen auf einen möglichen heißen Krieg im Kalten Krieg
  10. Kriegs-BND: Planungen für die Mobilmachung des Bundesnachrichten-dienstes von 1953 bis 1968
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  12. »Unsettled problems after the 1919 peace conference. Military conflicts and diplomatic negotiations«
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  14. Buchbesprechungen Allgemeines
  15. Sterben, Töten, Gedenken. Zur Sozialgeschichte des Todes. Hrsg. von Ute Planert, Dietmar Süß und Meik Woyke, Bonn: J. H. W. Dietz Nachf. 2015, 314 S. (= Einzelveröffentlichungen aus dem Archiv für Sozialgeschichte, 5), EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑8012‑4246‑6]
  16. Volker Schobeß, Das Kriegshandwerk der Deutschen. Preußen und Potsdam 1717–1945 [Bd 1], 3. Aufl., Berlin: trafo 2017, 736 S., EUR 69,80 [ISBN 978‑3‑86464‑055‑1] Volker Schobeß, Das Kriegshandwerk der Deutschen. Preußen und Potsdam 1717–1945 [Bd 2]. Fotos und Dokumente, Berlin: trafo 2017, 559 S., EUR 69,80 [ISBN 978‑3-86464‑076‑6]
  17. Gregor Schöllgen, Krieg. Hundert Jahre Weltgeschichte, München: DVA 2017, 367 S., EUR 24,00 [ISBN 978‑3‑421‑04767‑0]
  18. Naval Advising and Assistance. History, Challenges, and Analysis. Ed. by Donald Stoker and Michael T. McMaster, Solihull: Helion 2017, XII, 304 S. (= Modern Military History Series, 2), £ 35.00 [ISBN 978‑1‑911512‑82‑0]
  19. Erich und Hildegard Bulitta, Schritte zu einer Erinnerungs- und Gedenkkultur, Bd 1: Grundlagen einer Erinnerung – Analyse, Berlin: epubli 2017, 319 S., EUR 26,90 [ISBN 978‑3‑7450‑3528‑5] Erich und Hildegard Bulitta, Schritte zu einer Erinnerungs- und Gedenkkultur, Bd 2: Von der Erinnerung zu einer Erinnerungs- und Gedenkkultur – Analyse, Berlin: epubli 2017, 469 S., EUR 29,50 [ISBN 978‑3‑7450‑6125‑3]
  20. Michael Schwartz, Homosexuelle, Seilschaften, Verrat. Ein transnationales Stereotyp im 20. Jahrhundert, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2019, XII, 376 S. (= Schriftenreihe der Vierteiljahrshefte für Zeitgeschichte, 118), EUR 24,95 [ISBN 978‑3‑11‑063265‑1]
  21. Karl Schlögel, Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt, München: 4., durchges. Aufl., C. H. Beck 2018, 912 S., EUR 38,00 [ISBN 978‑3‑406‑71511‑2]
  22. Ernst Würzburger, Garnisonstadt Höxter. Vom preußischen Infanteriebataillon bis zum ABC-Abwehrbataillon, Holzminden: Mitzkat 2018, 349 S. (= Höxtersches Jahrbuch, 8), EUR 19,80 [ISBN 978‑3‑95954‑055‑1]
  23. Altertum
  24. Michael Kulikowski, Triumph der Macht. Das römische Imperium von Hadrian bis Konstantin. Aus dem Engl. von Cornelius Hartz, Darmstadt: Theiss 2018, 488 S., EUR 34,00 [ISBN 978‑3‑8062‑3669‑9]
  25. Medieval Warfare. A Reader. Ed. by Kelly DeVries and Michael Livingston, Toronto: University of Toronto Press 2019, XVIII, 368 S. (= Readings in Medieval Civilizations and Cultures, 21), $ 49,95 [ISBN 978‑1‑4426‑3669‑9]
  26. David Crispin, Ihr Gott kämpft jeden Tag für sie. Krieg, Gewalt und religiöse Vorstellungen in der Frühzeit der Kreuzzüge (1095–1187), Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, VIII, 241 S., EUR 49,90 [ISBN 978‑3‑506‑79242‑6]
  27. Patrick Leukel, »all welt wil auf sein wider Burgundi«. Das Reichsheer im Neusser Krieg 1474/75, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, XI, 594 S. (= Krieg in der Geschichte, 110), EUR 148,00 [ISBN 978‑3‑506‑70914‑1]
  28. Frühe Neuzeit
  29. Heinz Duchhardt, Friedens-Miniaturen. Zur Kulturgeschichte und Ikonographie des Friedens in der Vormoderne, Münster: Aschendorff 2019, 184 S., EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑402‑13416‑0]
  30. Olaf Wagener, Forts in den Kolonien. See-Expeditionen der Niederlande und Schwedens im 17. und 18. Jahrhundert, Oppenheim: Nünnerich und Asmus 2019, 128 S., EUR 20,00 [ISBN 978‑3‑96176‑071‑8]
  31. Alexander Querengässer, Das kursächsische Militär im Großen Nordischen Krieg 1700–1717, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, 629 S. (= Krieg in der Geschichte, 107), EUR 148,00 [ISBN 978‑3‑506‑78871‑9]
  32. 1789–1870
  33. Dirk Ziesing, Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment (4. Westfälisches) in den Befreiungskriegen 1813–1815, Münster: Agenda 2019, 405 S., EUR 29,80 [ISBN 978‑3‑89688‑639‑2]
  34. Ulrich Schiers, Schwarz-Rot-Gold und die Deutsche Flottengründung, Hamburg: Mittler 2019, 275 S., EUR 24,95 [ISBN 978‑3‑8132‑0989‑1]
  35. Arne Karsten, Italiens Fahrt in die Moderne. Seekriegsführung und Staatsbildung im Kontext des Risorgimento, Frankfurt a. M., New York: Campus 2019, 356 S. (= Krieg und Konflikt, 8), EUR 39,95 [ISBN 978‑3‑593‑51118‑4]
  36. Der Wiener Frieden 1864. Ein deutsches, europäisches und globales Ereignis. Hrsg. von Oliver Auge, Ulrich Lappenküper und Ulf Morgenstern, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2016, 396 S. (= Otto-von-Bismarck-Stiftung, Wissenschaftliche Reihe, 22), EUR 46,90 [ISBN 978‑3‑506‑78525‑1]
  37. Gerd Fesser, Sedan 1870. Ein unheilvoller Sieg, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, 202 S. (= Schlachten – Stationen der Weltgeschichte), EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑506‑79235‑8]
  38. Klaus-Jürgen Bremm, 70/71. Preußens Triumph über Frankreich und die Folgen, Darmstadt: Theiss 2019, 335 S., EUR 25,00 [ISBN 978‑3‑8062‑4019‑1]
  39. Eberhard Frhr. von Senden und Friedrich Frhr. von Senden, Der Erste Weltkrieg 1914–1918. Erlebnisse eines jungen Leutnants. Ostfront – Patrouillen an der Spitze im Bewegungskrieg. Westfront – Kämpfen, Durchhalten, Überleben im Stellungskrieg, Berlin: Miles 2020, 297 S., EUR 34,80 [ISBN 978‑3‑96776‑001‑9]
  40. Bernhard Bachinger, Die Mittelmächte an der Saloniki-Front 1915–1918. Zwischen Zweck, Zwang und Zwist, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, XII, 406 S. (= Krieg in der Geschichte, 106), EUR 69,00 [ISBN 978‑3‑506‑78857‑3]
  41. Materialschlachten 1916. Ereignis, Bedeutung, Erinnerung. Im Auftrag des ZMSBw hrsg. von Christian Stachelbeck, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2017, XII, 488 S. (= Zeitalter der Weltkriege, 17), EUR 49,90 [ISBN 978‑3‑506‑78759‑0]
  42. Mark Connelly and Stefan Goebel, Ypres. Great Battles, Oxford, New York: Oxford University Press 2018, XXVIII, 259 S., £ 18.99 [ISBN 978‑0‑19‑871337‑1]
  43. 1919–1945
  44. Annette Schmidt-Klügmann, Bernhard Wilhelm von Bülow (1885–1936). Eine politische Biographie, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2020, IX, 707 S., EUR 128,00 [ISBN 978‑3‑506‑70268‑5]
  45. Katja Kosubek, »genauso konsequent sozialistisch wie national«. Alte Kämpferinnen der NSDAP vor 1933. Eine Quellenedition 36 autobiographischer Essays der Theodore-Abel-Collection, Göttingen: Wallstein 2017, 608 S. (= Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte. Quellen, 4), EUR 42,00 [ISBN 978‑3‑8353‑3057‑3]
  46. Fragmentierte Republik? Das politische Erbe der Teilungszeit in Polen 1918–1939. Hrsg. von Michael G. Müller und Kai Struve, Göttingen: Wallstein 2017, 400 S. (= Phantomgrenzen im östlichen Europa, 2), EUR 36,90 [ISBN 978‑3‑8353‑1745‑1]
  47. Anne Applebaum, Roter Hunger. Stalins Krieg gegen die Ukraine. Aus dem Engl. von Martin Richter, München: Siedler 2019, 541 S., EUR 36,00 [ISBN 978‑3‑8275‑0052‑6]
  48. Marco Sigg, Der Zweite Weltkrieg, 1937–1945, Wiesbaden: 2. Aufl., Marix 2018, 254 S., EUR 6,00 [ISBN 978‑3‑86539‑994‑6]
  49. Birthe Kundrus, »Dieser Krieg ist der große Rassenkrieg«. Krieg und Holocaust in Europa, München: Beck 2018, 336 S., EUR 18,00 [ISBN 978‑3‑406‑67521‑8]
  50. Ernst Mohnike, Die Sumner-Welles-Mission. Frieden für Europa im Frühjahr 1940?, Neu Isenburg: Angelika Lenz Verlag 2020, 289 S., EUR 19,90 [ISBN 978‑3‑943624‑55‑7]
  51. Hans-Jürgen Kaack, Kapitän zur See Hans Langsdorff. Der letzte Kommandant des Panzerschiffs Admiral Graf Spee. Eine Biographie, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2020, XXI, 672 S. (= Schriften zur Marinegeschichte, 1), EUR 68,00 [ISBN 978‑3‑506‑70262‑3]
  52. Reinhard Otto und Rolf Keller, Sowjetische Kriegsgefangene im System der Konzentrationslager, Wien, Hamburg: new academic press 2019, 351 S. (= Mauthausen-Studien, 14), EUR 29,90 [ISBN 978‑3‑7003‑2170‑5]
  53. Kerstin Theis, Wehrmachtjustiz an der »Heimatfront«. Die Militärgerichte des Ersatzheeres im Zweiten Weltkrieg, Berlin [u. a.]: De Gruyter Oldenbourg 2016, X, 537 S. (= Studien zur Zeitgeschichte, 91), EUR 74,95 [ISBN 978‑3‑11‑040558‑3]
  54. Peter Joachim Lapp, Hitlers NS-Führungsoffiziere 1944/45. Die letzten Propagandisten des Endsieges, Aachen: Helios 2019, 188 S., EUR 22,50 [ISBN 978‑3‑86933‑238‑3]
  55. Christian Ernst, Die Weiße Rose – eine deutsche Geschichte? Die öffentliche Erinnerung an den Widerstand in beziehungsgeschichtlicher Perspektive, Göttingen: V&R unipress, Universitätsverlag Osnabrück 2018, 555 S. (= Schriften des Erich Maria Remarque-Archivs, 34), EUR 70,00 [ISBN 978‑3‑8471‑0909‑9] Miriam Gebhardt, Die Weiße Rose. Wie aus ganz normalen Deutschen Widerstandskämpfer wurden, München: DVA 2017, 367 S., EUR 19,99 [ISBN 978‑3‑421‑04730‑4]
  56. Veit Scherzer, Sous le signe SS. Französische Freiwillige in der Waffen-SS. Mit einer Einführung von Oberstleutnant Dr. Thomas Müller, Sanitätsakademie der Bundeswehr (München), Bayreuth: Scherzer 2018, 806 S., EUR 89,00 [ISBN 978‑3‑938845‑54‑7]
  57. Peter Engelbrecht, Geheimwaffen für die Nazis. Kriegsforschung in Oberfranken, Weißenstadt: Druckkultur Heinz Späthling 2018, 156 S., EUR 14,95 [ISBN 978‑3‑942668‑49‑1]
  58. Maximilian Fügen, »Bis zum letzten Mann?« Die Rolle der Kampfkommandanten deutscher Großstädte 1945, Baden-Baden: Tectum Wissenschaftsverlag 2018, 264 S. (= Geschichtswissenschaft, 38), EUR 38,00 [ISBN 978‑3‑8288‑4182‑6]
  59. Valery Faminsky. Berlin May 1945 / Berlin Mai 1945. Mit einem Vorw. von Peter Steinbach, hrsg. von Thomas Gust [u. a.], 2. Aufl., Berlin: Buchkunst 2020, 184 S., EUR 48,00 [ISBN 978‑3‑9819805‑8‑5]
  60. Nach 1945
  61. »So war der deutsche Landser...«. Das populäre Bild der Wehrmacht. Hrsg. von Jens Westemeier, Paderborn [u. a.]: Schöningh 2019, VIII, 361 S. (= Krieg in der Geschichte, 101), EUR 39,90 [ISBN 978‑3‑506‑78770‑5]
  62. Hermann Hagena, Jagdflieger Werner Mölders. Rote Linie zwischen Wehrmacht und Bundeswehr?, Aachen: Helios 2018, 281 S., EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑86933‑225‑3]
  63. Thomas Flemming, Die Berliner Mauer. Geschichte eines politischen Bauwerks. Dokumentation: Berliner Mauer-Archiv, Hagen Koch, Berlin: be.bra 2019, 238 S., EUR 22,00 [ISBN 978‑3‑89809‑165‑7]
  64. Heiner Möllers, Die Affäre Kießling. Der größte Skandal der Bundeswehr, Berlin: Ch. Links 2019, 367 S., EUR 25,00 [ISBN 978‑3‑96289‑037‑7]
  65. Jan-Olof Grahn, Om svensk signalspaning. Andra världskriget (Über die schwedische Funkaufklärung. Zweiter Weltkrieg), Stockholm: Medströms Bokförlag 2018, 292 S., skr 291,00 [ISBN 978‑91‑7329‑143‑9] Jan-Olof Grahn, Om svensk signalspaning. Kalla kriget (Über die schwedische Funkaufklärung. Kalter Krieg), Stockholm: Medströms Bokförlag 2019, 330 S., skr 298,00 [ISBN 978‑91‑7329‑149‑1]
  66. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  67. Gesamtinhaltsverzeichnis 2020
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