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Chaos in der Ordnung? Ansätze zur Deklinationsklassenzuordnung von apokopierten Maskulina im Vergleich

  • Lisa Dücker EMAIL logo
Veröffentlicht/Copyright: 26. August 2025

Zusammenfassung

Die Deklinationsklasse der schwachen Maskulina hat vom Mittelhochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen starke Veränderungen durchgemacht. Sie umfasste ursprünglich Substantive der ahd. n-Stämme. Im Gegenwartsdeutschen befinden sich darin – neben zahlreichen mehrsilbigen Fremdwörtern – beinahe ausschließlich Bezeichnungen für Personen und höhere Tiere, die mehrsilbig sind und auf Schwa auslauten (Weber & Hansen 2024: 29). Dieser Wandelprozess wurde im Verlauf der letzten knapp 200 Jahre vielfach untersucht. In diesem Artikel werden die Darstellungen aus der Deutschen Grammatik von Paul (1916–1920) mit der typenbasierten Analyse von Köpcke (2000a) verglichen, der Paul (1916–1920) als Datengrundlage nimmt. Zwei tokenbasierte Korpusstudien zeigen anschließend Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen auf und evaluieren dabei die in Paul (1916–1920) und Köpcke (2000a) verwendeten Lemmalisten. Dabei zeigt sich, dass die Übernahme aller bei Paul (1968) verzeichneten Lemmata nur bedingt mit Köpckes (2000a) theoretischen Ausführungen übereinstimmen. Bei einer differenzierteren Auswahl der Lemmata eignet sich Paul (1916–1920) allerdings gut als Quelle und liefert überdies Hinweise auf weitere zu untersuchende Einflussfaktoren für die diachrone Deklinationsklassenzugehörigkeit von apokopierten Maskulina.

7 Literatur

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8 Anhang

A1: Gruppe a der apokopierten Maskulina, die in der schwachen Deklinationsklasse verblieben sind, nach Köpcke (2000a). Mit * versehene Lemmata sind laut Köpcke (2000a: 120) „im Universalwörterbuch auch als gemischt deklinierendes Mask. geführt“, mit ** versehene Lemmata werden „im Universalwörterbuch auch stark dekliniert“ (Köpcke 2000 a: 120).

Ahn, Bär, Bauer, Elefant, Fink, Fürst, Geck, Graf, Greif*, Held, Herr, Mensch, Mohr, Nachbar, Narr, Oberst**, Prinz, Schultheiß, Spatz*, Steinmetz, Tor, Vorfahr

A2: Gruppe b der apokopierten Maskulina, die zur starken Deklination übergetreten sind, nach Köpcke (2000a). Mit * versehene Lemmata sind laut Köpcke (2000a: 121) im Nhd. gemischt dekliniert.

Aar, Abt, Adler, After, Ampfer, Anwalt, April, Ärmel, Arzt, Ball, Balsam, Baum, Besen, Bischof, Blitz, Bräutigam, Bruder, Busch, -bold, Dachs, Dieb, Dolch, Dorsch, Dotter, Enterich, Feind, Fels, Filz, Fleck, Freund, Frosch, Fuchs, Gemahl, Gevatter, Greis, Groll, Habicht, Hafer, Hagestolz, Hahn, Hahnrei, Halm, Hecht, Helm, Herold, Herzog, Hirsch, Iltis, Jünger, Junker, Kahn, Kamm, Kater, Kauz, Keim, Kerl, Kern, Kiebitz, König, Kranich, Krebs, Lachs, Lehm, Leichnam, Lenz, Luchs, Mai, März, Molch, Monat, Mönch, Mond, Nabel, Ober, Oheim, Papst, Pfau*, Probst, Psalm, Punkt, Reif, Reim, Ritter, Salm, Schalk, Schelm, Schiefer, Schmerz*, Schöps, Schrank, Schuft, Schwamm, Schwan, Sims, Sommer, Spross, Spund, Stamm, Star, Stern, Stoff, Stör, Storch, Strauß, Strom, Strunk, Stumpf, Truchsess, Unhold, Unter, Ur, Vater, Vetter*, Wiedehopf, Wirt, Wolf, Zoll, Zwerg

A3: Gruppe a der apokopierten Maskulina, die in der schwachen Deklinationsklasse verblieben sind, nach Paul (1916–1920).

Ahn, Bär, Bauer, Fink, Fürst, Graf, Greif, Herr, Mensch, Mohr, Nachbar, Narr, Oberst, Prinz, Schultheiß, Spatz, Steinmetz, Tor, Vorfahr

A4: Gruppe b der apokopierten Maskulina, die zur starken Deklination übergetreten sind, nach Paul (1916–1920).

Aar, Adler, Anwalt, April, Balsam, Beck, Besen, Blitz, Bräutigam, Brei, Busch, Dotter, Enterich, Erlöser, Fels, Fleck, Geier, Gemahl, Gevatter, Greis, Hafer, Hahn, Halm, Helm, Herzog, Junker, Käfer, Kater, Kauz, Keim, Kerl, Kern, Kiebitz, Kranich, Krebs, Leichnam, Lenz, Mai, März, Molch, Mond, Nabel, Nachfolger, Oheim, Pfau, Psalm, Punkt, Reif, Salm, Schelm, Schiefer, Schmerz, Schwamm, Schwan, Spross, Spund, Stamm, Stern, Stier, Stör, Storch, Strauß, Stumpf, Truchsess, Unhold, Ur, Vetter*, Wiedehopf

Online erschienen: 2025-08-26
Erschienen im Druck: 2025-08-01

© 2025 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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