50 Jahre Institut für Denkmalpflege an der ETH Zürich
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Hans-Rudolf Meier
Im Dezember vergangenen Jahres feierte das Institut für Denkmalpflege und historische Bauforschung (IDB) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich sein fünfzigjähriges Bestehen. Das IDB ist damit die älteste Institution universitärer Denkmalpflege im deutschsprachigen Raum – ausreichend Grund, um dieses halbe Jahrhundert und die nicht bruchlose Geschichte des Instituts kurz Revue passieren zu lassen.[1]
Gründer und erster Direktor des Instituts für Denkmalpflege (so der Name bis 2005) war Albert Knoepfli, Denkmalpfleger des Kantons Thurgau und seit 1964 – dem Jahr, in dem er auch die Charta von Venedig mit verabschiedet hatte – Dozent für Denkmalpflege an der Architekturabteilung der ETH Zürich. Mit der Institutsgründung im Jahr 1972 erhielt Knoepfli den Professorentitel; im gleichen Jahr publizierte er sein Buch zur Geschichte der Schweizer Denkmalpflege, das für Jahrzehnte ein Standardwerk unserer Disziplin blieb.[2] Aufgabe des Instituts war die praxisbezogene Grundlagenforschung, wobei insbesondere naturwissenschaftlich-technische Methoden und Instrumente für die Denkmalpflege fruchtbar gemacht werden sollten. Auch die Mittelalter-Archäologie bildete in der Zeit der massenhaften Bodenheizungseinbauten in Kirchen einen Zweig der Institutsaktivitäten, der ab 1980 durch das Co-Direktorat von Hans Rudolf Sennhauser institutionalisiert wurde. Das naturwissenschaftliche Labor, die Expertise des Wandmalerei-Restaurators Oskar Emmenegger und seit Ende der 1970er Jahre auch die Bibliographie zur Schweizer Kunst und Denkmalpflege waren Serviceleistungen für die föderale Schweizer Denkmalpflege, die sich durch das ETH-Institut und dessen Freitagskolloquien vernetzte.[3]

Mit der Berufung von Georg Mörsch stand dem Institut ab 1980 erstmals ein vollamtlicher Professor vor. Mörsch war für rund ein Vierteljahrhundert das Gesicht des Instituts. Die Lehre im Architekturstudium bildete nun einen der Schwerpunkte der Tätigkeiten und vermittelte Generationen von angehenden Architekt*innen bleibende Eindrücke einer das zeitgenössische Bauen nicht fürchtenden Denkmalpflege. Mörsch war als ehemaliger Gebietsreferent im Rheinland mit der Denkmalpflege in Deutschland weiterhin in engem Kontakt und bereicherte mit Grundsatzreferaten zahlreiche VDL -Tagungen. Zugleich engagierte er sich leidenschaftlich in den einschlägigen Institutionen der Schweiz und war etwa als Mitglied der Eidgenössischen Kommission wesentlich an der Formulierung der Leitsätze der Denkmalpflege in der Schweiz beteiligt. 26 Bände der »Veröffentlichungen am Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich« zeugen von den breit gestreuten Aktivitäten der etwa ein Dutzend Wissenschaftler*innen des Instituts, die in der Ära Mörsch den Theorie- und Methodendiskurs der Denkmalpflege mit wichtigen Impulsen etwa zur Gartendenkmalpflege, zur Erinnerungskultur oder früh auch schon zur Nachhaltigkeit bereichert haben.
2005 übernahm die Architektin und Bauforscherin Uta Hassler Professur und Leitung des Instituts, das sie mit der (zum Teil beauftragten) Abwicklung verschiedener Tätigkeitsfelder und dem Umzug auf den ETH-Campus Hönggerberg sowohl thematisch wie örtlich zentralisierte. Im Fokus der Forschungen des nun im Namen um die Bauforschung ergänzten Instituts standen fortan die heute im Zeichen der »Bauwende« weit über die Denkmalpflege hinaus hochaktuellen Fragen der Bestandsdynamiken, der Alterung von Bauten insbesondere der Boomjahre sowie zum Architekturwissen. Für diese und weitere Projekte legen zahlreiche ambitioniert gestaltete Publikationen Zeugnis ab. Der schon zuvor am Institut angebotene Aufbaustudiengang Denkmalpflege wurde zu einem Master of Advanced Studies (MAS) ausgebaut und um einen weiteren MAS in Sustainable Management of Man-made Ressources ergänzt, welche später allerdings beide eingestellt wurden. Mit dem altersbedingten Ausscheiden Hasslers 2015 erfolgte ein Bruch, der die Weiterexistenz des Instituts grundsätzlich infrage stellte.
Glücklicherweise konnte jedoch 2016 der Bauingenieur Stefan Holzer auf eine Professur für Bauforschung und Konstruktionsgeschichte und nach einigen Verfahrensumwegen schließlich 2020 die Architektin Silke Langenberg als Professorin für Konstruktionserbe und Denkmalpflege berufen werden. Der Fortbestand des Instituts ist damit gesichert, zumal der konstruktionsgeschichtliche Schwerpunkt angesichts der Herausforderungen der Bauten der Spätmoderne und der zunehmenden Bedeutung von Umbauten ausgesprochen zukunftsfähig ist und mit denkmaltheoretischen Forschungen zu seriellen Bauten und Systemarchitektur sowie zu Bauprozessen einhergeht. Reaktiviert wurde auch die aktive Verzahnung mit den Institutionen der Schweizer Denkmalpflege, was sich unter anderem in der Etablierung eines interdisziplinären Kompetenzzentrums Baudenkmal äußert. Auch ein MAS Denkmalpflege und Konstruktionsgeschichte wird inzwischen wieder angeboten, dazu zwei Zertifikatsstudiengänge in Preservation und Future Heritage.
In der Geschichte des IDB spiegeln sich die wechselnden fachlichen Herausforderungen und Themensetzungen der Denkmalpflege der letzten fünfzig Jahre wider. Stets war das IDB Impulsgeber und Ort der Vernetzung, insbesondere für die in Theorie- und Methodendiskussionen ansonsten eher unauffällige Schweiz, aber auch weit darüber hinaus für die deutschsprachige Fachwelt. Unsere Disziplin kann sich also auch in den nächsten Jahrzehnten einer sicheren Stütze in Zürich gewiss sein.
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Abbildungsnachweis
Ivan Sterzinger, Zürich.
© 2023 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston, Germany
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