Embodiment, Metapher und Filmrezeption: Körperwissen in „Oh Boy“ (D 2012)
-
und
Abstract
Aus psychoanalytischer Perspektive interpretieren die Autoren den Kultfilm „Oh Boy“ (D 2012) von Jan-Ole Gerster zum einen in Bezug auf das Körperwissen, das im fortwährend transformierten Konzept-, Konversations- und Metapherngerüst der Sprache kondensiert ist, zum anderen auf die Steuerung körperlich-affektiver Prozesse der Filmrezeption in der Mise en scène. Der Film ist ein Meister- und Lehrstück des Umdenkens, eine Momentaufnahme der in die Alltagstristesse eines Jugendlichenlebens im heutigen Berlin eingeschriebenen Aussparung der Nazigeschichte. Wie kann das entweder abgespaltene oder totinszenierte Geschichtswissen lebendig werden? Die Autoren zeigen, mit welch subtilen sprachlichen und filmischen Mitteln der Film Wissen vom Kopf auf die Füße stellt und welche Rolle(n) der Körper dabei spielt.
Literatur
Argelander, H. (1970): Die szenische Funktion des Ichs und ihr Anteil an der Symptom- und Charakterbildung. In: Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse 24 (5), S. 325-345.Suche in Google Scholar
Bergmann, J. R. (1987): Klatsch. Zur Sozialform der diskreten Indiskretion. Berlin.10.1515/9783110875195Suche in Google Scholar
Bergmann, J. R. (1991a): Goffmans Soziologie des Gesprächs und seine ambivalente Beziehung zur Konversationsanalyse. In: Hettlage, R./Lenz, K. (Hg.): Erving Goffman – ein soziologischer Klassiker der zweiten Generation. Bern, S. 301-327.Suche in Google Scholar
Bergmann, J. R. (1991b): Konversationsanalyse. In: Flick, U. (Hg.): Alltagswissen über Gesundheit und Krankheit. Heidelberg, S. 213-218.Suche in Google Scholar
Bernet, R. (2009): Leib und Seele bei Husserl und Bergson. In: Angehrn, E./Küchenhoff, J. (Hg.): Die Vermessung der Seele. Konzepte des Selbst in Philosophie und Psychoanalyse. Weilerswist, S. 80-114.Suche in Google Scholar
Goffman, E. (1969): Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München.Suche in Google Scholar
Hagemann, J. (2009): Tag questions als Evidenzmarker. Formulierungsdynamik, sequentielle Struktur und Funktionen redezuginterner tags. In: Gesprächsforschung – Online-Zeitschrift zur verbalen Interaktion 10, S. 145-176.Suche in Google Scholar
Hamburger, A. (2013): Arbeit in der Tiefe. Vorüberlegungen zu einer skeptischen Kulturanalyse. In: Hierdeis, H. (Hg.): Psychoanalytische Skepsis. Göttingen, S. 123-183.10.13109/9783666462573.123Suche in Google Scholar
Hamburger, A. (2014): Kinometaphern. Eine psychoanalytische Perspektive. In: Psychosozial 37 (Nr. 137, H. III), S. 65-92.Suche in Google Scholar
Hamburger, A./Leube-Sonnleitner, K. (2014): Wie im Kino. Zur Filmanalyse in der Gruppe. Methodologie der Psychoanalytischen Filminterpretation anhand von Lars von Triers „Melancholia“. In: Zwiebel, R./Blothner, D. (Hg): Melancholia – Wege zur psychoanalytischen Interpretation des Films. Göttingen, S. 72-109.10.13109/9783666461255.72Suche in Google Scholar
Hamburger, A./Pramataroff-Hamburger, V. (2014): Die Hure als Heilige – Pretty Woman. In: Doering, S./Möller, H. (Hg.): Mon Amour trifft Pretty Woman – Liebespaare im Film. Berlin, S. 437-451.10.1007/978-3-642-44986-4_31Suche in Google Scholar
Hamburger, A./Wernz, C. (2015): Aus der Zeit. Mechanik und Temporalität des Komischen in „Les Vacances de Monsieur Hulot“. In: Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse 69 (3), S. 213-238.Suche in Google Scholar
Heritage, J. C. (1984): A change-of-state token and aspects of its sequential placement. In: Atkinson, J. M./Heritage, J. C. (Hg.): Structures of Social Action. New York, S. 299-346.10.1017/CBO9780511665868.020Suche in Google Scholar
Hoffer, W. (1947): Mund, Hand und Ich-Integration. Wiederabgedruckt in: Psyche – Zeitschrift für Psychoanalyse 18, 1964, S. 81-88.Suche in Google Scholar
Jefferson, G. (2012): Das grausige Ne? Eine Untersuchung des Strebens nach Antwort nach der Antwort. In: Ayaß, R./Meyer, Ch. (Hg.): Sozialität in Slow Motion. Theoretische und empirische Perspektiven. Festschrift für Jörg Bergmann. Wiesbaden, S. 299-333.10.1007/978-3-531-19020-4_15Suche in Google Scholar
Langer, S. K. (1942): Philosophie auf neuem Wege. Das Symbol im Denken, im Ritus und in der Kunst. Frankfurt/M. 1965.Suche in Google Scholar
Lenk, E. (1983): Die unbewußte Gesellschaft. München.Suche in Google Scholar
Levinson, S. C./Enfield, N. J. (Hg.) (2006): Roots of Human Sociality. Culture, Cognition and Inter-action. Oxford.Suche in Google Scholar
Lorenzer, A. (1970): Sprachzerstörung und Rekonstruktion. Frankfurt/M.Suche in Google Scholar
Lorenzer, A. (1986): Tiefenhermeneutische Kulturanalyse. In: Lorenzer, A. (Hg.): Kultur-Analysen. Frankfurt/M., S. 11-98.Suche in Google Scholar
Marcus, L. (2007): The Tenth Muse. Writing about Cinema in the Modernist Period. New York.10.1093/oso/9780199230273.001.0001Suche in Google Scholar
Plessner, H. (1970): Lachen und Weinen. In: Dux, G. (Hg.): Philosophische Anthropologie. Frankfurt/M.Suche in Google Scholar
Reinke, E. (2013): ‚Szenische Evidenz‘ und ‚Szenisches Verstehen‘. Zur Vermittlung des Werks von Hermann Argelander und Alfred Lorenzer. In: Jahrbuch der Psychoanalyse 66, S. 13-58.10.5771/9783772831669-13Suche in Google Scholar
Sacks, H. (1992): Lectures on Conversation. Edited by Gail Jefferson, with an introduction by Eman-uel A. Schegloff. Oxford.Suche in Google Scholar
Schapp, W. (1953): In Geschichten verstrickt – Zum Sein von Mensch und Ding. 4. Aufl. Frankfurt/M. 2004.Suche in Google Scholar
Schegloff, E. A. (2007): Sequence Organization in Interaction. A Primer in Conversation Analysis. Cambridge.10.1017/CBO9780511791208Suche in Google Scholar
Schneider, G. (2008): Filmpsychoanalyse – Zugangswege zur psychoanalytischen Interpretation von Filmen. In: Laszig, P./Schneider, G. (Hg.): Film und Psychoanalyse. Kinofilme als kulturelle Symptome. Gießen, S. 19-38.Suche in Google Scholar
Sheldon, K. M./Gunz, A./Schachtman, T. R. (2012): What Does It Mean to Be in Touch With One-self? Testing a Social Character Model of Self-congruence. In: Self and Identity 11, S. 51-70.10.1080/15298868.2010.503130Suche in Google Scholar
Simmel, E. (1994): Die Psychoanalyse im Film! Sensationelle Enthüllungen aus dem Nachtleben der menschlichen Seele. In: Luzifer – Amor 7, S. 141-165.Suche in Google Scholar
Turner, V. (1974): Dramas, Fields and Metaphors: Symbolic Action in Human Society. London.Suche in Google Scholar
© 2016 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Artikel in diesem Heft
- Frontmatter
- Editorial
- Editorial
- Körperwissen: Transfer und Innovation
- Körperwissen: Transfer und Innovation
- Diskurse
- Diskurse, Kompetenzen, Darstellunge
- Diskurse
- Verkörperung – Embodiment – Körperwissen
- Diskurse
- Körper, wissen und kommunikation
- Diskurse
- „Körper Wissen“ – Körpermacht
- Diskurse
- Zu einer tiefenpsychologischen Hermeneutik des Leibes
- Sprache, Literatur, Bild
- Der Körper in der Askese bei Evagrios Pontikos und Philoxenos von Mabbug
- Sprache, Literatur, Bild
- Die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Körperwissen in der Kodifikation der Künste in der frühen Neuzeit
- Sprache, Literatur, Bild
- Medizinische und dämonologische Abhandlungen über den psychophysischen Dualismus im deutschen Cartesianismus des 17. Jahrhunderts
- Sprache, Literatur, Bild
- Die Vollkommenheit der Schauspieler und Gehörlosen
- Sprache, Literatur, Bild
- „Phänomenalisierung des Begriffs“
- Physiologie, Medizin, Religion
- Körperwissen, Tradition und Innovation in der babylonischen Medizin
- Physiologie, Medizin, Religion
- Vom Körperwissen und Wissenskörper zum Wissenskorpus
- Physiologie, Medizin, Religion
- Medizinisches Wissen des tibetischen Buddhismus in Bewegung
- Ritual, Heilung, Transformation
- Körperwissen im Candomblé
- Ritual, Heilung, Transformation
- Wissen als asketische Körperpraxis bei Mahima Dharma
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Körperwissen im Tanz – Bewegung und Übertragung
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Körperwissen im therapeutischen Theater
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Zwischen Bewahrung und Erneuerung
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Eine Kampfkunst lernen: Didaktische Transformationen und somatische Kommunikation
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Embodiment, Metapher und Filmrezeption: Körperwissen in „Oh Boy“ (D 2012)
Artikel in diesem Heft
- Frontmatter
- Editorial
- Editorial
- Körperwissen: Transfer und Innovation
- Körperwissen: Transfer und Innovation
- Diskurse
- Diskurse, Kompetenzen, Darstellunge
- Diskurse
- Verkörperung – Embodiment – Körperwissen
- Diskurse
- Körper, wissen und kommunikation
- Diskurse
- „Körper Wissen“ – Körpermacht
- Diskurse
- Zu einer tiefenpsychologischen Hermeneutik des Leibes
- Sprache, Literatur, Bild
- Der Körper in der Askese bei Evagrios Pontikos und Philoxenos von Mabbug
- Sprache, Literatur, Bild
- Die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Körperwissen in der Kodifikation der Künste in der frühen Neuzeit
- Sprache, Literatur, Bild
- Medizinische und dämonologische Abhandlungen über den psychophysischen Dualismus im deutschen Cartesianismus des 17. Jahrhunderts
- Sprache, Literatur, Bild
- Die Vollkommenheit der Schauspieler und Gehörlosen
- Sprache, Literatur, Bild
- „Phänomenalisierung des Begriffs“
- Physiologie, Medizin, Religion
- Körperwissen, Tradition und Innovation in der babylonischen Medizin
- Physiologie, Medizin, Religion
- Vom Körperwissen und Wissenskörper zum Wissenskorpus
- Physiologie, Medizin, Religion
- Medizinisches Wissen des tibetischen Buddhismus in Bewegung
- Ritual, Heilung, Transformation
- Körperwissen im Candomblé
- Ritual, Heilung, Transformation
- Wissen als asketische Körperpraxis bei Mahima Dharma
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Körperwissen im Tanz – Bewegung und Übertragung
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Körperwissen im therapeutischen Theater
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Zwischen Bewahrung und Erneuerung
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Eine Kampfkunst lernen: Didaktische Transformationen und somatische Kommunikation
- Tanz, Theater, Sport, Film
- Embodiment, Metapher und Filmrezeption: Körperwissen in „Oh Boy“ (D 2012)