Zusammenfassung
Migrationskorrespondenzen gehören zwar zum kulturellen Erbe, sie werden aber nur in seltenen Fällen auf institutioneller Ebene archiviert. Sie befinden sich in der Regel in privaten Archiven oder Sammlungen und sind damit für die Forschung nicht oder nur sehr schwer zugänglich. Der Artikel erläutert ausgehend von der „Deutschen Auswandererbriefsammlung“ den Quellenwert von Migrationskorrespondenzen und zeigt die Notwendigkeit einer engen Kooperation mit Bibliotheken und Bürgerwissenschaftler:innen auf. Beides ist notwendig, um das äußerst sperrige Quellenmaterial digital zu erschließen und damit die existierenden digitalen Wissensordnungen durch nicht-kanonische Texte zu diversifizieren.
Abstract
Migrant correspondence is an integral part of our cultural heritage, yet it is seldom archived at the institutional level. Typically, these documents are housed in private archives or collections, rendering them inaccessible for research purposes. Using the “German Emigrant Letters Collection” as a case in point, this article elucidates the historical significance of migrant correspondence and underscores the necessity of collaborating closely with digital librarians and citizen scientists. Their expertise is needed to transcribe, digitize, and digitally publish the source material, thereby expanding the existing digital knowledge repository with non-canonical texts.
1 Einleitung
Migrationskorrespondenzen gehören zum kulturellen Erbe der sendenden und empfangenden Gesellschaften. Das Quellenmaterial unterstreicht den Stellenwert, der Migrationsprozessen in den Aus- und Einwanderungsgesellschaften zukam. Im Falle deutsch-amerikanischer Migrationskorrespondenzen, auf die ich mich im Folgenden primär beziehen werde, zeigen sie, dass Deutsche aus unterschiedlichsten Gründen – religiösen, politischen, vor allem aber wirtschaftlichen – ihre Heimat verließen. Die Hoffnung, in der „Neuen Welt“ bessere Lebensbedingungen zu finden, war ein zentraler Faktor für die Auswanderung.[1]
Migrationskorrespondenzen sind nicht-kanonische Texte ein ganz besonderen Art. Wie andere Quellen privater Kommunikation beinhalten sie „versteckte Geschichten“ – „hidden histories“ – Geschichten, die man in der Regel in keinem staatlichen Archiv finden kann. Migrationskorrespondenzen werden vornehmlich in privaten Familienarchiven aufbewahrt. Manchmal findet man sie auch auf Flohmärkten. Sie landen dort, weil Haushalte aufgelöst oder Dächer erneuert werden und ihr Quellenwert von den privaten Besitzern häufig unterschätzt wird. Migrationskorrespondenzen sind deshalb auch eine höchst gefährdete Quelle.
Auswandererbriefe sind Quellen der Alltagskommunikation. In formaler, inhaltlicher und materieller Hinsicht unterscheiden sie sich von Korrespondenzen des Bildungsbürgertums oder von Gelehrtenbriefen durch die hohe Individualität der Sprache (Orthografie, Syntax, Dialekt) und der Handschriften. Beides, sowie der Umstand, dass die Briefschreiber und Briefschreiberinnen „einfache Menschen“ sind, deren Biografien in keinem biografischen Lexikon oder gar der GND zu finden sind, macht die Sammlung, digitale Erschließung und Archivierung des wichtigen Kulturguts zu einer ganz besonderen Aufgabe, die ohne das Engagement von Bibliotheken und Bürgerwissenschaftler:innen nicht zu bewältigen ist. Die Erfahrung, die wir mit der Etablierung und Erschließung der Deutschen Auswandererbriefsammlung (DABS) gesammelt haben, zeigen, dass Bibliotheken und Bürgerwissenschaftler:innen zentrale Akteure im Prozess der Sammlung und Erschließung sowie der Bewahrung und Nutzung dieses wichtigen Kulturguts darstellen.

Briefausschnitt aus der Briefserie Burmeister-Ehlers, Deutsche Auswandererbriefsammlung, Forschungsbibliothek Gotha
2 Die Deutsche Auswandererbriefsammlung (DABS)
Die Deutsche Auswandererbriefsammlung (DABS) ist in zwei Sammelaktionen in den 1980er- (Ruhr-Universität Bochum) und 2000er- (Universität Erfurt/Forschungsbibliothek Gotha) Jahren durch Zeitungsaufrufe vornehmlich aus privaten Briefsammlungen zusammengetragen worden. Sie umfasst heute ca. 12 000 Briefe, die von Auswanderern aus den deutschen Gebieten an ihre daheimgebliebenen Verwandten, Freunde und Nachbarn geschrieben worden sind. Diese Richtung der Korrespondenz – aus den USA in das deutschsprachige Europa – wird in der Forschung unter der Kategorie „Homeland Letters“ zusammengefasst. Briefe, die daheimgebliebene Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn in die USA geschrieben haben, werden als „America Letters“ bezeichnet. Informationen über die Entstehung und den Bestand der Sammlung haben wir auf einer frei zugänglichen Webseite zusammengestellt.[2]
Die gesammelten Briefe und das Begleitmaterial sind mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen des „Digital Heritage Programms“ digitalisiert worden.[3] Die Quellen liegen insofern in analoger Form und in Form eines digitalen Faksimiles vor. Digital erschlossen und publiziert sind die Briefe allerdings noch nicht. Dabei fehlt es nicht am Willen, sondern vor allem an finanziellen Mitteln für die digitale Erschließung, Archivierung und Publikation. Weder Universitäten noch Gedächtnisinstitutionen können diese aufwendigen Arbeiten aus ihren Grundhaushalten finanzieren. Da es sich bei Migrationskorrespondenzen um nicht-kanonische Texte handelt, ist es sehr schwer, Mittel für die digitale Erschließung und Publikation einzuwerben. Hier konkurrieren die mehr als 1300 namentlich identifizierten Briefschreiber:innen der Deutschen Auswandererbriefsammlung mit Königin Augusta oder Goethe und vielen anderen prominenten Briefschreiber:innen, die in der Regel als „wichtiger“, weil „prominenter“ angesehen werden und deshalb bei Förderentscheidungen priorisiert werden.
Wer also gegenwärtig mit den Briefen und dem dazugehörigen Erschließungsmaterial arbeiten will, muss auf die digitalen Faksimiles der Sammlung bzw. direkt auf das analoge Quellenmaterial zurückgreifen. Für die Forschung bedeutet dies, dass neue Fragestellungen in der Migrations- und Mobilitätsforschung, die auf die Analyse von Strukturen und Mustern langer Dauer fokussieren, oder die Relevanz von Netzwerken für die soziale Mobilität von eher mobilen und eher sesshaften Menschen des 19. Jahrhunderts mit digitalen Instrumenten rekonstruieren wollen, bislang an der mangelnden digitalen Erschließung und Archivierung des Materials scheitern. Denn die digital ausgerichteten Geistes- und Kulturwissenschaften arbeiten in der Regel datenbasiert.[4] Quellen müssen in digitaler Form vorliegen, damit sie mit digitalen Methoden ausgewertet und analysiert werden können.[5]
3 Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt als aufbewahrende und forschende Einrichtung
Der physische Bestand der Deutschen Auswandererbriefsammlung wird von der Forschungsbibliothek Gotha aufbewahrt. Sie hat dem an der Ruhr-Universität Bochum in den 1980er-Jahren entstandenen ersten Teil der Sammlung eine neue Heimat gegeben und die zweite Sammlung in den 2000er-Jahren als zentrale Anlaufstelle und als wichtiger Ansprechpartner für Familienhistoriker:innen und private Archivare unterstützt. Heute ist die Forschungsbibliothek nicht nur „der“ zentrale Ort in Deutschland für die Archivierung und Kuratierung von migrationsbezogenen Quellen, sondern auch „der“ wichtigste Anlaufpunkt für Wissenschaftler:innen, die zu Fragen der deutschen Massenmigration im 19. Jahrhundert arbeiten und dazu geeignetes Quellenmaterial benötigen.
Dabei stellt die Bibliothek mit ihren historischen Räumen und Lesesälen nicht nur eine äußerst reizvolle und kongeniale Forschungsinfrastruktur zur Verfügung. Die Bibliothek ist nicht allein „aufbewahrende Institution“. Es ist vielmehr die eigene Forschungstätigkeit im Bereich der europäischen und außereuropäischen Kulturgeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts, die die hohe Attraktivität des Forschungsstandortes begründet. Seit den 2000er-Jahren sind zahlreiche Wissenschaftler:innen, die mit den Auswandererbriefen arbeiten wollten, von der wissenschaftlichen Leitung der Handschriftenabteilung der Forschungsbibliothek Gotha beraten und in die Nutzung des Materials eingeführt worden.
Die Bedeutung der Bibliothek als eigenständiger wissenschaftlicher Akteur hat durch die zunehmende Digitalisierung von Beständen sowie den systematischen Aufbau und die Bereitstellung von Kompetenzen im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften deutlich zugenommen. Unsere Bemühungen, die „hidden histories“ der Auswandererbriefe durch die Digitalisierung und Datafizierung sowie die digitale Publikation der Sammlung zum Sprechen zu bringen, wären ohne die kompetente Unterstützung der „digital project librarians“ nicht so weit gediehen, wie sie sich gegenwärtig darstellen. Gedächtnisinstitutionen spielen bei der digitalen Transformation des kulturellen Erbes eine zentrale Rolle, darauf haben jüngst Andrea Rapp und Stefan Schmunk wiederholt hingewiesen.[6]
4 Quellenwert und geschichtswissenschaftliche Relevanz von Migrationskorrespondenzen
Als Quellen der Alltagskommunikation transportieren Migrationskorrespondenzen zahlreiche, bisher noch nicht erhobene Informationen und eine Fülle an bislang nicht erschlossenen historisch relevanten Daten. Die Sichtbarmachung der in Migrationskorrespondenzen enthaltenen „versteckten Geschichten“ durch ihre digitale Erschließung und Publikation in einem freizugänglichen digitalen Archiv ist aus einer ganzen Reihe von Gründen forschungsstrategisch relevant. Migranten berichten in ihren Briefen über ihre Erfahrungen während der Reise, sie diskutieren Identitätsfragen, beschreiben ihr personales Netzwerk, ihr Befinden und ihre Gefühle, gehen auf Elemente des ethnischen Eigenlebens ein und halten ihre Eindrücke zum Alltag im Empfängerland, zum rechtlichen, politischen und administrativen System fest. Sie ziehen dabei sehr häufig auch Vergleiche zu Deutschland und Europa. Auch die in den Briefen angesprochenen wirtschaftlichen Themen, Einkommen, Arbeitswelt, Arbeitsumfeld, Industrie und Landwirtschaft sowie Anpassungsindikatoren wie Spracherwerb, Heiratsverhalten, alltäglicher Lebensstil – Kleidung, Nahrung, Freizeit – werden in der Regel im Vergleich zu Deutschland beschrieben und kommentiert.[7]
Auswanderer hielten häufig über Jahrzehnte hinweg Kontakt zu ihren daheimgebliebenen Familienangehörigen, Freund:innen und Nachbar:innen. Die Serialität von Auswandererbriefen macht sie zu einer unschätzbaren Quelle für die Erforschung von Kontinuitäten, Brüchen und Wandlungsprozessen in den translokal verflochtenen Lebens- und Wissenswelten mobiler und sesshafter historischer Akteure der unteren und mittleren gesellschaftlichen Schichten. Migrationskorrespondenzen geben Einblick in ihren Umgang mit disruptiven Ereignissen und lebensverändernden Herausforderungen und ermöglichen die Rekonstruktion von Mobilitätsmustern nach der Migration, und zwar sowohl in räumlicher als auch in sozialer Hinsicht.[8]
Der Quellenwert von Migrationskorrespondenzen ist vor der kulturwissenschaftlichen Wende in der geschichtswissenschaftlichen Forschung durchaus kritisch bewertet worden. So ist etwa aus der in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren dominanten sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Perspektive argumentiert worden, dass die erhaltenen Migrationskorrespondenzen aufgrund ihrer Überlieferungsgeschichte und der fehlenden systematischen Archivierung der Korrespondenzen nicht repräsentativ seien; sie hätten insgesamt lediglich exemplarischen oder illustrativen Charakter.[9] Die von Migrationskorrespondenzen transportierten Aussagen und Informationen seien subjektiv und zufällig und deshalb nicht verallgemeinerbar.[10] Auswandererbriefe spiegelten die Selbstwahrnehmung und subjektiv gefärbte Darstellung des historischen Subjekts in seinem Umfeld und eigneten sich deshalb primär für die Rekonstruktion der subjektiven Dimensionen historischer Lebens- und Wissenswelten sowie der Selbstaussagen des historischen „Ichs“.[11] Diese Forschungsperspektiven, die von der historischen Anthropologie oder der Mikrogeschichte bereits in den 1980er-Jahren etabliert worden sind, waren damals sehr umstritten. Erst in den zurückliegenden zehn bis fünfzehn Jahren wird zunehmend auf die Bedeutung von Migrationskorrespondenzen als historische Quelle für neue geschichtswissenschaftliche Forschungsperspektiven hingewiesen.[12]
Forschungsperspektiven, wie sie jüngst in der Migrations- und Mobilitätsgeschichte,[13] der Wissensgeschichte[14] sowie der historischen Resilienzforschung[15] entwickelt worden sind, zielen auf die Überbrückung historischer Mikro- und Makroperspektiven.[16] Sie interessieren sich für relationale historische Einheiten und benötigen Quellen, die es erlauben die Relationierung von Raum (global – lokal) und die Relationierung des Sozialen (Verbindung zwischen Akteuren, ihre Netzwerke) zu untersuchen,[17] und zwar auch und gerade in einer Perspektive der „longue durée“ und mit dem Ziel, Muster und Strukturen der langen Dauern zu erkennen sowie Bruchzonen, Beschleunigungspunkte und Veränderungsprozesse zu identifizieren.[18] Migrationskorrespondenzen eignen sich auf hervorragende Weise als Quellen für diese neuen Ansätze und Frageperspektiven, zumal dann, wenn man sie mit digitalen Methoden auswertet und zum Sprechen bringt.
Auch deshalb ist es dringend geboten, die erhaltenen Migrationskorrespondenzen digital zu erschließen und digital zu publizieren. Nur so kann das hohe Erkenntnispotential der Quellen, das vor allem aus ihrer Serialität resultiert, genutzt werden. Die digitale Auswertung einer großen Menge des seriellen Quellenmaterials über einen längeren historischen Zeitraum hinweg verspricht neue Erkenntnisse über die Entwicklung und den Wandel historischer Lebens- und Wissenswelten einfacher Menschen sowie ihren Umgang mit und ihrer Bewältigung von existenziellen Krisen und Herausforderungen. Wir gewinnen auch Einblicke in die Art und Weise, wie neue Erfahrungen gegenüber den daheimgebliebenen, eher sesshaften Familienmitgliedern, Freund:innen und Nachbar:innen kommuniziert und transportiert wurden. Und wir erhalten Aufschluss über Möglichkeiten und Grenzen der sozialen Mobilität von mobilen und eher immobilen historischen Akteuren des 19. Jahrhunderts.
5 Digitale Erschließung und Publikation von Migrationskorrespondenzen
Migrationskorrespondenzen sind äußerst sperrige Quellen. Bevor das Quellenmaterial digitalisiert und digital publiziert werden kann, müssen eine ganze Reihe von Herausforderungen reflektiert und damit verbundene Fragen geklärt werden. Ich möchte im Folgenden auf drei Aspekte näher eingehen, weil sie zugleich die Relevanz einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Bürgerwissenschaft in der Erschließung und Kontextualisierung nicht-kanonischer Quellen exemplifizieren.
5.1 Rechtliche und ethische Herausforderungen
Herauszustellen sind an erster Stelle rechtliche und ethische Herausforderungen, die beim Umgang mit dem Quellenmaterial reflektiert werden müssen. So ist beispielsweise bei Auswandererbriefen die Urheberschaft nicht immer eindeutig einer Person zuzuordnen, da häufig mehrere Autor:innen an einem Brief schrieben, um Papier und Porto zu sparen. In inhaltlicher Hinsicht transportieren die Briefe häufig sehr private oder intime Informationen, die zum Zeitpunkt ihrer Niederschrift nicht für ein größeres Publikum bestimmt waren. Deshalb schrecken die Nachfahren der Briefschreiber:innen, die aufbewahrenden Agenten, häufig aus ethischen Gründen davor zurück, die „Geheimnisse“ der Briefe preiszugeben. Wenn wir wollen, dass diese Quellen archiviert, publiziert und für die Forschung zugänglich gemacht werden, müssen wir uns in Kooperation mit den Digital Humanities und der digitalen Geschichtswissenschaft mit den ethischen und rechtlichen Implikationen (z. B. mit soliden Anonymisierungs- oder Pseudonymisierungsstrategien) einer digitalen Open-Access-Publikation auseinandersetzen. Die NFDI-Konsortien und die Sektionen des NFDI-Vereins bieten hierfür eine gute Anlaufstelle. Migrationskorrespondenzen bieten umgekehrt einen interessanten Use Case für die Erarbeitung entsprechender Richtlinien und Best Practices.
Zu den rechtlichen Herausforderungen gehört aber noch ein zweiter Punkt: Im Rahmen der digitalen Erschließung werden die Quellen transkribiert und mit zusätzlichen digitalen Informationen angereichert. Bürgerwissenschaftler:innen, Archivar:innen, Bibliothekar:innen und Wissenschaftler:innen werden im Prozess der Digitalisierung selbst zu Produzent:innen und damit Urheber:innen von Information, wodurch das Problem der Urheberschaft komplexer wird. Auch dafür gibt es noch keine Standardlösung. Im Rahmen der digitalen Erschließung und Publikation von Migrationskorrespondenzen muss dieser rechtliche Aspekt jedoch berücksichtigt und geklärt werden. Dies ist für die Rechtswissenschaft ein interessantes Forschungsfeld.[19]
5.2 Technische Herausforderungen: Automatisierte Handschriftenerkennung
Bevor Migrationskorrespondenzen als digitale Volltexte erfasst werden können, müssen sie transkribiert werden. Die Transkription von Migrationskorrespondenzen stellt existierende Instrumente automatisierter Handschriftenerkennung jedoch immer noch vor erhebliche technische Herausforderungen. Auswanderer und ihre daheimgebliebenen Korrespondenzpartner:innen sind in der Regel ungeübte Schreiber. Sie schreiben, wie ihnen der „Schnabel gewachsen ist“ – oft ohne Punkt und Komma, häufig mit einer abenteuerlichen Orthografie und Syntax; in der Regel schreiben sie so, wie sie sprechen, d. h. im Dialekt ihrer Herkunftsregion. Migrationskorrespondenzen zeichnen sich deshalb durch eine große orthografische Varianz der Texte und eine hohe Anzahl unterschiedlicher Handschriften aus. Hier stoßen Instrumente wie „Transkribus“ nach wie vor an ihre Grenzen.[20] Die gesammelten Auswandererbriefe bieten sich deshalb als hervorragender Use Case für die Weiterentwicklung KI-gestützter Verfahren der Handschriftenerkennung an.

Screenshot: Digitale Erschließung eines Briefes mit FUD: Virtuelle Forschungsumgebung für die Geistes- und Sozialwissenschaften, Servicezentrum eSciences, Universität Trier
Die Transkription von Auswandererbriefen erfolgt bis dato in der Regel händisch und setzt eine hohe Expertise im Bereich der deutschen Kurrentschrift des 19. Jahrhunderts voraus, die häufig von Bürgerwissenschaftler:innen mitgebracht wird. Die Deutsche Auswandererbriefsammlung liegt zu 85 % in transkribierter Form vor. Die meisten dieser Transkriptionen sind von ehrenamtlich arbeitenden Transkribent:innen bzw. den Nachkommen der ausgewanderten Personen, die die Briefe aufbewahrt haben, mit der Schreibmaschine oder mit dem Textprogramm eines Computers erstellt worden. Ein großer Teil dieser Transkriptionen konnte finanziert durch Projektmittel von wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen kontrolliert und korrigiert werden.
Das DHI Washington, das im Jahr 2018 eine Sammelaktion in den USA gestartet hat, um Briefe, die von daheimgebliebenen Familien, Freunden und Nachbarn an die ausgewanderten Familienmitglieder und Freunde geschrieben worden sind, zu erfassen und zu erschließen, ist hier einen anderen Weg gegangen. Die aus Klein- und Kleinstarchiven sowie privaten Sammlungen akquirierten „America Letters“ sind über das Portal „Migrant Connections“ für Forschungs- und Recherchezwecke zugänglich gemacht worden.[21] Über eine integrierte Transkriptionssoftware – „Scripto“ – können interessierte Bürgerwissenschaftler:innen direkt auf dem Portal das handschriftliche Quellenmaterial transkribieren. Auf diese Weise konnte das DHI Washington auch jüngere Bürgerwissenschaftler:innen für das Projekt gewinnen. Insgesamt belegt das digitale Erschließungs- und Transkriptionsprojekt des DHI Washington das große Interesse von Bürgerwissenschaftler:innen an der Nutzung digitaler Tools und Methoden. Es wäre interessant, das Modell auch im deutschen Raum auszuprobieren und ggf. zu adaptieren und weiterzuentwickeln.

Screenshot: Digital gestützte manuelle Korrektur einer HTR-Transkription eines Briefes aus der Briefserie Burmeister-Ehlers, Deutsche Auswandererbriefsammlung, Forschungsbibliothek Gotha
Migrationskorrespondenzen bieten sich wegen ihrer Nähe zu den alltags- und lebensweltlichen Erfahrungskontexten der Bürgerwissenschaftler:innen als äußerst geeigneter Use Case für die Entwicklung und Erprobung von Ansätzen, Prozessen und Tools der Weiterbildung von Bürgerwissenschaftler:innen in der Nutzung digitaler Instrumente an. So könnten Bürgerwissenschaftler:innen beispielsweise in einem Pilotprojekt mit Instrumenten der automatisierten Handschriftenerkennung vertraut gemacht werden. Statt einen Brief von Grund auf selbst zu transkribieren, könnten sie zunächst eine KI-gestützte Transkription erstellen und diese dann mit Instrumenten der computergestützten händischen Nacharbeitung korrigieren. Dies würde nicht nur die digitalen Skills von Bürgerwissenschaftler:innen und ihre Interessen an digitaler Fort- und Weiterbildung aufgreifen, sondern zugleich die Datengrundlage für die Weiterentwicklung KI-gestützter Methoden vergrößern. Ein solches bürgerwissenschaftlich orientiertes digitales Transkriptionsprojekt könnte hervorragend in Kooperation mit Bibliotheken etabliert und auf der Grundlage ganz unterschiedlicher Handschriften erprobt werden.[22]
5.3 Biografische Erschließung und Kontextualisierung
Einen vergleichbaren bürgerwissenschaftlichen Ansatz könnte man auch zur Lösung einer weiteren Herausforderung der Arbeit mit Migrationskorrespondenzen verfolgen. Autorschaft und Entstehungsumstände der Briefe lassen sich wegen der fehlenden, kontextualisierenden Archivbestände häufig nur schwer historisch erschließen. Die Verfasser:innen von Auswandererbriefen hätten ohne Migration vermutlich keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Die Briefschreiber:innen von Auswandererbriefen gehören zur Gruppe marginalisierter historischer Akteur:innen, über die in der Regel keine archivarisch überlieferten Kontextinformationen vorliegen. Ohne biografische Kontextinformationen sind die Briefe allerdings für die geschichtswissenschaftliche Forschung kaum nutzbar. Die nötigen Kontextinformationen können in der Regel nur heute noch lebende Familienmitglieder oder passionierte Orts- und Lokalhistoriker:innen liefern. Deshalb ist auch für die Recherche biografischer und geografischer Kontextinformationen die Kooperation mit Bürgerwissenschaftler:innen häufig unumgänglich.
Im Hinblick auf die in die USA ausgewanderten Deutschen lassen sich viele dieser Informationen heute über digital zugängliche Datenbanken rekonstruieren. Auch die von den Mitgliedern des Vereins für Computergenealogie gesammelten Daten und Informationen haben einen unschätzbaren Wert für die digitale Recherche von Kontextinformationen. Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven hat eine beträchtliche Anzahl einschlägiger Datenbanken abonniert. In Kooperation mit dem Auswanderermuseum könnte ausgehend von den Migrationskorrespondenzen als Use Case ein interessantes bürgerwissenschaftliches Forschungsprojekt zur biografischen und historischen Erschließung von Auswandererbriefen entwickelt werden. Finanzielle Unterstützung benötigt man insbesondere für die wissenschaftliche Betreuung solcher Projekte, die auf den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Bürgerwissenschaft zielen. Transferprojekte müssen kommunikativ und inhaltlich begleitet und gesteuert werden. Dazu bedarf es geeignetes wissenschaftliches Personal. Ohne personelle Unterstützung ist die Etablierung und Aufrechterhaltung von Kommunikationsstrukturen zwischen Wissenschaft und Bürgerwissenschaft nicht umsetzbar.
6 Auswandererbriefe als Forschungsgegenstand der digitalen Geisteswissenschaften
Für die digitale Erschließung und digitale Publikation von Auswandererbriefen müssen allerdings nicht nur rechtliche und ethische Fragen gelöst und Strukturen und Prozessen der Integration von Bürgerwissenschaftler:innen in den digitalen Erschließungsprozess etabliert werden. Erschließung und Publikation setzen auch ein hohes Maß an interdisziplinärer Kooperation zwischen Geschichtswissenschaft, Digital Humanities bzw. digitaler Philologie, Informatik und Bibliothekswissenschaft voraus.
Bevor Migrationskorrespondenzen digital erschlossen und digital publiziert werden können, müssen eine ganze Reihe von nicht-trivialen Fragen beantwortet werden. Das beginnt mit der Frage der digitalen Repräsentation von Briefen; es geht weiter mit der Klärung der Anforderungen an den Korpusaufbau, die Datenmodellierung und die inhaltliche Beschreibung zur Sicherung der Auffindbarkeit und Nachnutzbarkeit, der Erstellung kontrollierter Vokabulare und der Langzeitarchivierung. All diese dem eigentlichen Erschließungsprozess vorgelagerten Aspekte müssen forschungsbasiert angegangen werden, um Fehlentwicklungen und damit die Produktion von Datenfriedhöfen zu vermeiden.
Neben den allgemeinen Fragen der Korpuserstellung und Archivierung ist es allerdings auch notwendig, Instrumente und Methoden der digitalen Geschichtswissenschaft und der Digital Humanities unter Berücksichtigung von Forschungsperspektiven z. B. der Wissensgeschichte, der relationalen Mobilitäts- und Migrationsgeschichte oder der historischen Resilienzforschung weiterzuentwickeln. Die Spezifik des Quellenmaterials eröffnet wichtige und spannende Forschungsperspektiven für den Bereich der digitalen Geisteswissenschaften. Migrationskorrespondenzen eignen sich in besonderem Maße als Forschungsgegenstand für die Digital Humanities und die digitale Philologie.[23]
6.1 Korpuserstellung
In den digitalen Geisteswissenschaften ist in den letzten zehn Jahren eine intensive Diskussion über die Medialität und Granularität von digitalen Forschungsdaten erkennbar.[24] Grundsätzlich liegt die Herausforderung darin, aus unstrukturierten Daten interpretierbare Informationen mittels Modellierung und der Erschließung durch z. B. Meta- und Normdaten zu generieren.[25] Für die digitale Nutzung und Analyse von digital vorliegenden Briefen und deren Kontextmaterialien ist es zudem notwendig, eine elektronische Prozessier- und Interpretierbarkeit zu erzielen,[26] die zugleich neben der archivischen Sicherung darauf achtet, dass der Rechtsstatus klar und eindeutig unter Verwendung international anerkannter ethischer (Care Principles) und rechtlicher Grundlagen (FAIR-Principles) artikuliert wird.[27] Hierdurch wird eine Auffind- und Nachnutzbarkeit der Daten ermöglicht.[28] Bibliothekare und Archivare verfügen heute über eine breite Expertise in diesem Bereich, so dass auch die hier geschilderten Desiderate eine enge Kooperation mit Bibliotheken und/oder Archiven nahelegen.

August Tapert an seinen Schwager Kühn in Gräfenroda, 8.4.1850, Briefserie Eschrich/Tapert, Deutsche Auswandererbriefsammlung, Forschungsbibliothek Gotha
Wir benötigen darüber hinaus disziplinenübergreifende „Best Practices“ bei der Verwendung von (Meta-)Datenstandards, der Datenmodellierung und allgemein der dezentralen Erschließung von Quellen, die sich häufig in Privatarchiven befinden. Dabei könnte man auf die innovativen methodischen Empfehlungen zu Archivierungskonzepten sowie zu Aufbereitungs- und Erschließungsmöglichkeiten verteilter und heterogener Briefsammlungen unterschiedlichster Provenienz und Datenstrukturalität, die z. B. im Rahmen der 2019 beendeten COST-Action „Reassembling the Republic of Letters“ vorgelegt worden sind, zurückgreifen und diese weiterentwickeln.[29] In transdisziplinärer Perspektive könnten Konzepte der Erschließung, der Herstellung einer elektronischen Prozessierbarkeit und damit auch maschinellen Interpretierbarkeit von Kultur- und Gedächtnisgut des „Alltäglichen“ thematisiert werden.[30]
6.2 Weiterentwicklung von Instrumenten und Methoden der digitalen Geschichtswissenschaft als Forschungsauftrag
Linked-Open-Data-Verfahren sind insbesondere für wissensgeschichtliche Fragestellungen hilfreich. Gleichzeitig eröffnet sich hier auch ein neues Forschungsfeld für die Digital Humanities, denn es ist nach wie vor eine offene Frage, wie Linked-Open-Data-Verfahren dazu beitragen könnten, implizites Wissen zu explizieren und marginalisiertes Wissen sichtbar zu machen. Häufig findet sich solches Wissen in den materialen Aspekten der Schreibpraxis – in Marginalien, Zeichnungen per Hand, tabellarische Ergänzungen etc. Wie materiale Aspekte der Briefe in die digitale Analyse der individuellen Schreibpraktiken und der damit verbundenen Präsentation von Information und Wissen einbezogen werden können, ist bislang technisch noch nicht gelöst. Digital Humanities und digitale Philologie müssten sich dringend diesem Forschungsdesiderat zuwenden.
Weitere Forschungsfelder eröffnen sich im Hinblick auf die Frage, wie marginalisierte, nicht-kanonische Entitäten effizient aufgefunden, identifiziert, modelliert, persistent adressiert und in zentrale Nachweisinstrumente und kontrollierte Vokabulare eingebracht werden können. Die vorhandenen Lösungsansätze sind noch nicht zufriedenstellend. Ähnliches gilt für die Kommunikationsmodellierung und digital gestützte Erforschung von Narrativen und Diskursen. Beides sind nach wie vor offene Forschungsfelder, insbesondere für Informationswissenschaftler:innen und Informatiker:innen, die sich mit der Entwicklung von digitalen Instrumenten der Texterschließung beschäftigen.
7 Fazit
Es gibt also noch sehr viel zu tun, um Migrationskorrespondenzen nicht nur als kulturelles Erbe langfristig zu sichern, sondern sie auch für bürgerwissenschaftliche und wissenschaftliche Forschung gleichermaßen zugänglich zu machen und dabei so aufzubereiten, dass der Einsatz digitaler Instrumente möglich wird. Migrationskorrespondenzen gehören, zu den äußerst seltenen Quellen, mit denen u. a. Fragen der neueren Wissensgeschichte, der relationalen Mobilitäts- und Migrationsgeschichte sowie der historischen Resilienzforschung untersucht werden können. Sie stellen zugleich ein hervorragendes Quellenmaterial dar, um Forschungsperspektiven für die Digital Humanities und Digitale Philologie zu identifizieren und neue Instrumente und Verfahren der Textanalyse zu entwickeln. Schließlich bieten Migrationskorrespondenzen einen hervorragenden Use Case für die Erprobung von Prozessen und Workflows der Integration von Bürgerwissenschaftler:innen in digitale Erschließungsarbeiten. In allen Fällen ist eine enge Kooperation zwischen Geschichts-, Bibliotheks-, Archiv-, Museums- und Bürgerwissenschaften nicht nur wünschenswert, sondern eine Grundvoraussetzung.
Die Entwicklung und Anwendung digitaler Erschließungsmethoden und Verfahren der digitalen Archivierung in Kooperation mit Bibliotheken und Archiven bieten eine große Chance, das vornehmlich in Privatsammlungen aufbewahrte historische Kulturgut in „dynamischen“ digitalen Archiven („living archives“)[31] zu speichern und es damit nicht nur für zukünftige Forscher:innen verschiedener Disziplinen langfristig und nachhaltig zugänglich und nachnutzbar zu machen, sondern auch vor der Zerstörung zu bewahren. Es ist dringend notwendig, in Kooperation mit Bibliothekar:innen und Archivar:innen über digitale Konzepte von „Archiv“ nachzudenken und einen Beitrag zur Entwicklung eines neuen Verständnisses von Archiv als offener und vernetzter Wissensspeicher zu leisten.[32] Zugleich ist es notwendig, eine kritische Auseinandersetzung mit den kanonischen Wissensordnungen anzuregen, die die (Geistes-)Wissenschaften und deren Quellenlage nach wie vor strukturieren. Die vielen weißen Flecken, die wir auf der (geistes-)wissenschaftlichen Landkarte im Hinblick auf die Berücksichtigung der Geschichte, Sprache und Texte breiter Gesellschaftsschichten ausmachen können, können und müssen dringend durch die digitale Archivierung und die Verknüpfung unterschiedlicher Bestände von Alltagskommunikation „koloriert“, d. h. erschlossen, bestimmt und interdisziplinär ausgestaltet werden.
Hierzu gehört auch die systematische Einbeziehung der Bürgerwissenschaften. Aufgrund ihres lebens- und alltagsweltlichen Bezugs und des Umstands, dass viele Quellen der Alltagskommunikation vornehmlich in privaten Archiven zu finden sind, bieten sie sich für die Erprobung neuer Ansätze der bürgerwissenschaftlichen Partizipation („citizen science“) an. In diesem Zusammenhang ist es auch nötig auszuloten, wie universitäre Forschung, „public audiences“ zu adressieren und zu integrieren vermag, um ihrem gesellschaftspolitischen Auftrag gerecht zu werden.
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Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl
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© 2023 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.
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- Pettegree, Andrew; der Weduwen, Arthur: The Library. A fragile history. London: Profile Books, 2021. 518 S., 29 Abb. im Text, 12 + 11 Taf., Paperback. ISBN: 978-1-78816-3439; eISBN: 978-1-78816-344-6. ₤ 19,99
- Gernot U. Gabel: Bibliotheken in Großbritannien: Beiträge zur Bibliotheksgeschichte: Festgabe zum 80. Geburtstag überreicht von Gisela Gabel-Jahns. Hürth, Edition Gemini, 2021. ISBN 978-3-922331-57-5
- René Tanner, Adrian K. Ho, Monika Antonelli, Rebekkah Smith Aldrich (Ed.): Libraries and Sustainability. Programms and Practices for Community Impact. Chicago: ALA Editions, 2022. 156 S., (softcover), ISBN: 978-0-8389-3794-5, $49.99
- Margaret M. Merga: School Libraries Supporting Literacy and Wellbeing. London: Facet Publishing, 2022. XXV, 198 Seiten. ISBN 978-1-78330-584-1 (Paperback) GBP 50,–
- Handbuch IT in Bibliotheken. Unter einer CC-BY 3.0 DE-Lizenz im Internet unter https://it-in-bibliotheken.de (mit Datum der letzten Änderung: 17. Mai 2023).
- Alke Dohrmann, Almut Siegel, Schöne Katrin: Sicherheitsleitfaden Kulturgut. Bonn: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Zittau 2021, 213 Seiten, ISBN 978-3-949117-09-1
- Sven Kuttner: „Die verspätete Bibliothek“. Zehn Beiträge zur Geschichte der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München im 20. Jahrhundert, Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2021. 128 S. (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen: 67)
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- Gernot U. Gabel: Bibliotheken in Großbritannien: Beiträge zur Bibliotheksgeschichte: Festgabe zum 80. Geburtstag überreicht von Gisela Gabel-Jahns. Hürth, Edition Gemini, 2021. ISBN 978-3-922331-57-5
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