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Bachelor und Berufspraxis – das Studienmodell der Hochschule der Medien Stuttgart

  • Cornelia Vonhof

    Prof. Cornelia Vonhof

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Published/Copyright: October 23, 2017
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Zusammenfassung

Der Beitrag zum Studienmodell der Hochschule der Medien Stuttgart beleuchtet die Einbindung des Bachelorstudiengangs Bibliotheks- und Informationsmanagement in die Entwicklung der Fakultät Information und Kommunikation zu einer „transformativen Fakultät“, die durch einen veränderten Fokus der Lehre gekennzeichnet ist. Dieser lässt sich mit den Schlagworten: Von Instrumentenwissen zu Methodenkompetenzen, Schlüsselkompetenzen als essentieller Ausbildungsbestandteil sowie projektorientierte Ausbildungsformen und Interdisziplinarität als Kernelemente der Lehre kennzeichnen.

Abstract

The article about the study model of the Stuttgart Media University examines how the Bachelor’s programme library and information management became part of the development of the department of information and communication into a “transformative department” which is characterized by a different teaching focus. It can be described by the following concepts: from the application of tools towards method competences, key competences as essential training components as well as project-orientated training forms and interdisciplinarity as core elements of teaching.

1 Einleitung

Das von der Redaktion des Bibliotheksdiensts gestellte Thema „Bachelor und Berufspraxis“ kann man sehr unterschiedlich interpretieren und bearbeiten. Man könnte darstellen, welche Elemente einer praxisorientierten Ausbildung sich im Curriculum eines Studiengangs finden. Man könnte darüber sinnieren, wie ein Studiengang sicherstellt, dass die Anforderungen aus der Praxis in angemessenem Umfang aufgenommen werden, oder ob dies überhaupt Sinn und Zweck eines Studiengangs ist. Man könnte unter der vorgegebenen Überschrift diskutieren, ob ein Studiengang eher reaktiv, also „Wir bilden aus, was die Praxis braucht und heute von uns fordert“ oder eher proaktiv agieren sollte, also mit einer Haltung: „Wir bilden aus für eine Zukunft, die wir (und die Praxis) noch nicht kennen, und für Jobs und Aufgaben, die es heute so noch nicht gibt“.[1]

Und um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich ist die Welt auch an der HdM nicht schwarz-weiß und so bestimmen beide Haltungen unser Handeln. Bei der Konzeption eines neuen Curriculums für den Studiengang haben wir allerdings bewusst versucht, die Schwerpunkte in Richtung einer Zukunftsoffenheit und Zukunftsungewissheit zu verschieben.

Man kann aber auch noch einen Schritt weitergehen und nicht nur fragen, wie berufspraktische und berufsfachliche Anforderungen mit Zukunftsoffenheit in der Hochschulausbildung in Einklang zu bringen sind, sondern wie darüber hinaus Anforderungen der Gesellschaft an Hochschulausbildung aufgenommen werden können.

2 Fakultätsweite Strukturreform

Mit dieser weitreichenden Fragestellung hat sich der Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement in den letzten Jahren intensiv beschäftigt. Er hat dies jedoch nicht allein getan, sondern eingebunden in die Entwicklung der gesamten Fakultät Information und Kommunikation (IuK).

Die Fakultät Information und Kommunikation ist eine von drei Fakultäten der Hochschule der Medien. Auf die wesentlichen Fakten reduziert, lässt sich die Fakultät wie folgt darstellen:

Sie bietet vier Bachelorstudiengänge, einen Vollzeit-Masterstudiengang und zwei berufsbegleitende Masterstudiengänge sowie ein Kontaktstudium in Kombination mit einem berufsbegleitenden Masterstudiengang an. Hinzu kommt ein formal auf Hochschulebene angesiedeltes, forschungsorientiertes Masterprogramm, das jedoch überwiegend durch Lehrende und Studierende der Fakultät IuK getragen wird. Konkret sind dies die folgenden Studienprogramme:

  1. Bibliotheks- und Informationsmanagement (B.A.),

  2. Informationsdesign (B.A.),

  3. Online-Medien-Management (B.A.),

  4. Wirtschaftsinformatik und digitale Medien (B.Sc.),

  5. Bibliotheks- und Informationsmanagement (M.A., berufsbegleitend, und Kontaktstudium),

  6. Data Science and Business Analytics (M.Sc.),

  7. International Business (MBA, berufsbegleitend),

  8. Wirtschaftsinformatik (M.Sc.),

  9. Master of Media Research (M.A., Forschungsmaster der HdM).

In inhaltlicher Hinsicht kommt der Fakultät IuK innerhalb der HdM die besondere Bedeutung zu, den die Hochschule dominierenden Medienaspekt durch den Informationsaspekt zu ergänzen. Lehre und Forschung an der Fakultät sind dabei geprägt von den Chancen und Herausforderungen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien.

Nach einer längeren Phase struktureller Konstanz befinden sich die Bachelorstudiengänge seit einigen Jahren in einem grundlegenden strukturellen Umgestaltungsprozess. Der Weiterentwicklungsprozess, der den internen Arbeitstitel „Entwicklung einer transformativen Fakultät“ trägt, wurde im Jahr 2013 gestartet. Zum WS 16/17 wurden erstmals Studierende in die „transformativ“ modifizierten Studiengänge zugelassen.

Basis der Weiterentwicklung der Studiengänge ist die von der Mehrheit der Fakultätsmitglieder geteilte Überzeugung, dass die internen und externen Rahmenbedingungen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) im Allgemeinen und die der Studiengänge der Fakultät im Besonderen eine Neuausrichtung unabdingbar machen. Die wesentlichen Rahmenbedingungen sind dabei:

  1. Die „Sandwich“-Position von HAWs zwischen forschungsorientierten Universitäten einerseits und der stark praxisorientierten Dualen Hochschule andererseits: Die früher klare Position von HAWs als DEM anwendungsorientierten Hochschultyp wird in Baden-Württemberg zwischenzeitlich von der Dualen Hochschule eingenommen.

  2. Die zunehmende Dynamik der Entwicklung in allen Wissenschaftsgebieten: Im Handlungsbereich der Fakultät, nämlich in den von Informations- und Kommunikationstechnologie geprägten Wissenschaftsgebieten, gilt dies in besonderem Maße. Der technologische Fortschritt verändert die Lebens- und Arbeitswelt der Zukunft, auf die wir unsere Studierenden vorbereiten, dramatisch. Deshalb gilt es nicht nur gesicherte Inhalte zu vermitteln, sondern die Studierenden v. a. dafür zu qualifizieren, sich immer wieder in neue Situationen einzuarbeiten und sich selbständig und situationsgerecht neues Wissen anzueignen. International liegen verschiedene überfachliche und fachliche Kompetenzmodelle[2] vor, die Anhaltspunkte für eine solche zukunftsweisende Curriculumsgestaltung geben.

  3. Neben einer fachinhaltlichen Ausbildung besteht das Ziel eines Studiums laut Hochschulrahmengesetz (HRG) darin, die Studierenden „zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat zu befähigen“ (§ 7 HRG). Es scheint sehr einleuchtend, dass dies nicht oder nur in eingeschränktem Maße erreicht wird, wenn Lehre ausschließlich innerhalb einer Hochschule stattfindet. Also müssen Hochschulen – konkret die Lehrenden – zusammen mit den Studierenden zu Akteuren des gesellschaftlichen Wandels und zu „akademischen Problemlöser“ werden. Komplexe gesellschaftliche Herausforderungen lassen sich heute nicht mehr durch isolierte Fachdisziplinen bewältigen. Die Fähigkeit, inter- und transdisziplinär zu denken, zu arbeiten und zu handeln, wird explizit von der Praxis erwartet. Dazu sollen die Studierenden der Fakultät IuK durch studiengangübergreifende Projekte mit realen, externen Partnern befähigt werden.

Die Analyse dieser sich sehr dynamisch entwickelnden internen und externen Herausforderungen führte zur Überzeugung, dass wir diesen nicht mit ausschließlich traditionellen Formen der Hochschullehre begegnen können. Hier sind neue Formate, neue Strukturen und vor allem ein sich systematisch Öffnen hin zur Gesellschaft erforderlich. In einem mehrjährigen Strategieentwicklungsprozess mit zahlreichen Workshops (z. T. mit Beteiligung externer Expertinnen und Experten), Gesprächen mit anderen Hochschulvertretern (vor allem von Hochschulen mit innovativen Strukturen und Studienangeboten), Diskussionen mit Vertretern der Praxis (sowohl Mitglieder von Fachbeiräten der Studiengänge als auch unabhängige Praxisvertreter) hat die Fakultät ein neues, für alle Studiengänge identisches Strukturmodell der Bachelorausbildung entwickelt (vgl. Abbildung 1).

Abb. 1:  
					Struktur des neuen Studienmodells.
Abb. 1:

Struktur des neuen Studienmodells.

Das Grundmodell des Bachelorstudiums an der Fakultät IuK weist für alle Studiengänge – und damit auch für Bibliotheks- und Informationsmanagement – drei zentrale strukturelle Bestandteile auf:

  1. Der größte Teil des Studiums (150 von 210 ECTS) entspricht der traditionellen Fachausbildung der bisherigen Bachelorprogramme. Die traditionelle Fachausbildung konzentriert sich auf die theoretischen Studiensemester 1–4 und schließt im Wesentlichen mit dem Praktischen Studiensemester (Semester 5) ab. Auf die Inhalte des BI-Studiengangs wird unten detaillierter eingegangen.

  2. In die ersten beiden Semester ist ein Modul (10 ECTS) „Wissenschaftliche Grundlagen“ integriert. In diesem Modul werden Studierende gleich zu Beginn ihres Studiums nicht nur mit theoretischen Inhalten wie Wissenschaftstheorie und qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden konfrontiert, sondern sie lernen mit Hilfe eines von Studierenden durchgeführten konkreten Forschungsprojekts auch, diese theoretischen Inhalte unmittelbar in die (Forschungs-)Praxis umzusetzen. Während die Inhalte des Moduls wenig revolutionär sind, weicht das Modul in der operativen Umsetzung deutlich von traditionellen Lehrformen in einem Grundstudium ab. Die Studierenden werden beispielsweise nicht nach Studiengängen getrennt, sondern besuchen gemeinsam alle theoretischen Veranstaltungen. Die Bearbeitung der Projekte findet in Kleingruppen statt, die quer durch die Studiengänge zusammengesetzt werden. Analog dazu setzt sich auch das Team der Lehrenden aus Professorinnen und Professoren aller Studiengänge zusammen. Das Modul unterscheidet sich aber auch in Bezug auf den Veranstaltungsrhythmus. Theoretische Inhalte und seminaristische bzw. projektorientierte Veranstaltungen laufen nicht parallel ab, sondern Zeitpunkt und Zeitraum der theoretischen Veranstaltungen sind am Projektablauf der Forschungsprojekte orientiert (d. h. die Input-Einheiten sind sukzessiv geschaltet).

  3. Parallel zur Studiengang-individuellen Fachausbildung besuchen alle Studierenden gemeinsam Veranstaltungen des Studienbereichs Schlüsselkompetenzen. Die Fakultät greift damit eine von der beruflichen Praxis sowie im 21st Century Skills-Framework gestellte Forderung auf und setzt sie in konkrete Studienpraxis um: „Within the context of content knowledge instruction, students must also learn the essential skills for success in today’s world, such as critical thinking, problem solving, communication and collaboration“[3]. Das Themenspektrum des Ausbildungsbereichs umfasst daher u. a. Veranstaltungen zu Führung und Teamarbeit, Kreativität, Visualisierung und Moderation. Es geht also um die Entwicklung und Stärkung der Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenz. Hinzu treten Veranstaltungen zur Stärkung der übergreifenden Fachkompetenz wie Projektmanagement, Ethik, Datenschutz, Medienrecht und Fachfremdsprachen. Im Studienverlauf erstellen die Studierenden ein wachsendes, individuelles Kompetenzportfolio ihrer Schlüsselkompetenzen, das idealtypisch ergänzend zum Zeugnis als dem Ausweis ihrer fachlichen Kompetenzen eingesetzt werden kann.

In den Semestern 6 und 7 wird die traditionelle Form der Ausbildung durch eine projektbasierte Ausbildungsform ersetzt, die starke Anleihen am Konzept des Problembasierten Lernens aufweist. Anstelle von Input-orientierten Veranstaltungen mit stark repetitiven Prüfungselementen sollen die Studierenden ihre im Lauf des Studiums erworbenen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen an der Lösung konkreter Problemstellungen unter Beweis stellen. Projektorientierte Ausbildung ist im Grundsatz nicht neu für die Studiengänge; alle Studiengänge der Fakultät wiesen bereits in den bisherigen Curricula zahlreiche Projektveranstaltungen auf. Neu ist dagegen der behandelte Bezugsrahmen der Projekte. Neben traditionellen fachspezifischen Projekten werden die Studierenden mit interdisziplinären und transdisziplinären Projekt-Problemstellungen konfrontiert, d. h. mit Problemstellungen, die unterschiedliche fachliche Perspektiven – und damit die fachliche Kompetenz unterschiedlicher Studiengänge – zur Lösung benötigen. In transdisziplinären Projekten behandeln die Studierenden konkrete Fragestellungen aus der Praxis in einem Team, in dem neben den Lehrenden und den Studierenden auch Vertreter der Unternehmenspraxis integriert sind. Diese Projektform ist inspiriert von der aktuellen Wissenschaftsströmung der „transformativen Wissenschaft“ und ihrem wesentlichen Instrument, dem Reallabor. In Anlehnung an die Definition des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) unterstützt eine transformative Wissenschaft die Entwicklung von Lösungen sowie technischen und sozialen Innovationen und erfordert systemische Betrachtungsweisen sowie inter- und transdisziplinäre Vorgehensweisen, darunter die Beteiligung von Stakeholdern. Die an einem transdisziplinären Projekt beteiligten Studierenden agieren damit als Wissenschaftsteam, das sich auf die spezifischen, sich im Verlauf eines Projekts unter Umständen wandelnden Bedürfnisse des oder der Projektpartner einstellen muss. Zur Bearbeitung bzw. Lösung der Projektaufgabe müssen die Studierenden damit nicht nur über jeweils eigene Fachkompetenz verfügen, sondern sie müssen die unterschiedlichen Fachkompetenzen auch zielführend integrieren sowie den gesamten Lösungsprozess moderieren und begleiten können.

Die Umsetzung dieser Strukturelemente in den Bachelor-Curricula stellt sich schematisch wie folgt dar (vgl. Abbildung 2):

Abb. 2:  
					Detaildarstellung des neuen Studienmodells.
Abb. 2:

Detaildarstellung des neuen Studienmodells.

3 Das Fachstudium im Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement

Vor dem Hintergrund dieser fakultätsweiten Strukturreform entwickelte der Studiengang BI ein neues fachliches Curriculum.

Auch wenn es aus der Praxis das deutliche und übereinstimmende Signal gab und gibt, dass „heute in Bibliotheken Menschen notwendig [sind], die bereit sind zum interdisziplinären Arbeiten“, die, „je mehr sich die Aufgabenfelder in Bibliotheken ausdehnen desto flexibler und dynamischer [sein müssen]“[4], so wird doch neben den Forderungen nach einem Ausbau der Schlüsselkompetenzen zugleich die Forderung nach einer breiten und tiefen Fachausbildung erhoben. Das ist aus Sicht der Praxis – korrekt müsste man formulieren, aus Sicht der „jeweiligen“ Praxis – völlig nachvollziehbar. „Jeweilige“ Praxis, weil sich deren Anforderungen an die Bachelorausbildung natürlich an den Anforderungen orientieren, denen sich die Praxis gegenübersieht. Und diese unterscheiden sich deutlich nicht nur zwischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken, sondern auch zwischen großen und kleinen Bibliotheken.

Es lassen sich also für den Teil des Curriculums, der den fachlichen Inhalt erfasst, zwei Herausforderungen festmachen:

Zum einen geht ein Mehr an Schlüsselkompetenzen mehr oder weniger zwingend mit einem Weniger an klassischen Fachinhalten einher, zumindest dann, wenn die Studienzeit nicht verlängert werden soll. Nimmt man das Auseinanderdriften dessen hinzu, was aus Sicht unterschiedlicher Praxisvertreter als unverzichtbarer Kern einer Bachelorausbildung zu definieren ist, so wird sichtbar, dass ein Curriculum nach dem Prinzip „One size fits all“ weder zielführend noch realisierbar ist.

Der Studiengang entschied sich daher dafür, ein „Säulen-Modell“ zu entwickeln, das vier inhaltliche Schwerpunkte benennt und die Studienangebote bündelt, nämlich: Bibliothek & Informationsorganisation, Informationssysteme, Kultur & Bildung sowie Public Management. Damit wird es Studierenden ermöglicht, je nach angestrebtem Berufsfeld die passenden Inhalte zu wählen und zu belegen. Um die weitere individuelle Profilbildung zu unterstützen, wurden in den vier Säulen nur wenige, zentrale Pflichtveranstaltungen festgelegt: Nur 40% der fachlichen Studienleistungen sind für die Studierenden verpflichtend. Alle anderen fachlichen Module sind als Vertiefungen frei wählbar. Dieses Konzept stellt sicher, dass ein individuelles fachliches Profil entwickelt werden kann. Gleichwohl steht es den Studierenden auch frei, sich durch die Wahl ihrer Vertiefungen fachlich breit aufzustellen und sich ganz bewusst nicht zu spezialisieren.

Die Studienstruktur zeigt den Aufbau des Fachstudiums sowie die Einbindung in die Gesamtstruktur des fakultätsweiten Konzepts (vgl. Tab. 1).

Tab. 1:  
					Studienstruktur Bibliotheks- und Informationsmanagement.
Tab. 1:

Studienstruktur Bibliotheks- und Informationsmanagement.

4 Ausblick: Nach der Reform ist vor der Reform

Die Einbindung der fachlichen Inhalte des Studiengangs in die transformative Gesamtkonzeption der Fakultät ermöglicht es – nicht zuletzt durch das gemeinsame Angebot von Lehrveranstaltungen über Studiengangsgrenzen hinweg – sehr flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren. So diskutiert der Studiengang derzeit die Weiterentwicklung und zugleich Zuspitzung seiner vier Säulen zu künftig zwei unterschiedlich gelagerten Profilen, die noch passgenauer die aktuellen Anforderungen aus der Praxis reflektieren und es v. a. ermöglichen sollen, zwei klar unterscheidbare Profillinien gegenüber Studieninteressierten zu vermarkten. Der aktuelle Diskussionsstand sieht eine Profillinie „Bibliothek, Bildungs- und Kulturmanagement“ und eine Profillinie „Daten- und Informationsmanagement“ vor. Diese fortlaufenden und in kurzer zeitlicher Taktung erfolgenden Diskussionen zur Weiterentwicklung machen deutlich, dass das klassische Studium heute kein über mehrere Jahre stabiles Konstrukt mehr ist. Angesichts der Dynamik des Umfelds (berufliche, gesellschaftliche, technologische Entwicklung und Erwartungen) müssen Studienprogramme flexibel anpassbar sein und dennoch einen konzeptionell fundierten Rahmen aufweisen.[5]

Darüber hinaus werden neben dem klassischen Studium weitere Zugangsmöglichkeiten zur akademischen Ausbildung immer wichtiger. So untersucht der Studiengang derzeit in einem vom Wissenschaftsministerium in Baden-Württemberg geförderten Projekt die Möglichkeiten, einen sogenannten „Short-Track“ zu etablieren. Dieser soll Studienbewerberinnen und -bewerbern mit einer abgeschlossenen FaMI-Ausbildung eine deutliche Verkürzung der Studiendauer durch die Anrechnung von Leistungen aus der Ausbildung bieten. Auch das Modell des Kontaktstudiums zählt zu diesen erweiterten akademischen Zugängen: Es gestaltet – einmalig im deutschsprachigen Raum – einzeln belegbare Weiterbildungsmodule auf Masterniveau so aus, dass diese in einen akkreditierten weiterbildenden Masterstudiengang eingebracht werden können und – ergänzt durch eine Master-Thesis – zu einem Abschluss als Master of Arts führen.

Wir bilden aus für eine Zukunft, die wir noch nicht kennen und für Jobs und Aufgaben, die es heute so noch nicht gibt – und wir sind davon überzeugt, dass Hochschulen einen gesellschaftlichen Auftrag haben. Diese beiden Aspekte spiegeln sich in den Studiengeboten der HdM wider.

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Cornelia Vonhof

Prof. Cornelia Vonhof

Published Online: 2017-10-23
Published in Print: 2017-10-28

© 2017 by De Gruyter

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  31. Notizen und Kurzbeiträge
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  33. Termine
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