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Theoria cum praxi – der Praxisbezug im Bachelorstudiengang am Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen der HföD in München

  • Klaus Gantert

    Dr. Klaus Gantert

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Published/Copyright: October 23, 2017
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Zusammenfassung

Der Bachelorstudiengang „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD) zeichnet sich durch seinen starken Praxisbezug aus. Mit der spezifischen Ausrichtung auf die wissenschaftlichen Bibliotheken, dem mehrstufigen Auswahlverfahren der Studierenden, der Gestaltung der beiden Praxismodule, der Konzeption des theoretischen Unterrichts und den begleitenden Veranstaltungen sowie den Strukturen, in die der Studiengang eingebunden ist, werden in dem vorliegenden Aufsatz die wichtigsten Elemente für diese starke Praxisbezogenheit vorgestellt.

Abstract

The Bachelor’s programme „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ of the Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD, university for civil service in Bavaria), stands out for its strong practical orientation. The following article presents the most important elements of this strong practical orientation, namely the specific orientation towards scientific libraries, the student selection procedure consisting of several steps, the design of the two practical modules, the structure of the theoretical lectures and the accompanying events as well as the structures which the course of study is part of.

1 Einleitung

Die vielfache und enge Verknüpfung von Theorie und Praxis ist ein zentrales Merkmal des Bachelorstudiengangs „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ in München. Angeboten wird dieses dual konzipierte sechssemestrige Studium vom Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern (HföD, bis Dezember 2016 FHVR). Im Herbst 2015 hat der neu entwickelte Bachelorstudiengang den entsprechenden Diplomstudiengang abgelöst, der seit der Gründung der Hochschule 1974 in München angeboten wurde. Da es sich weiterhin um einen verwaltungsinternen Studiengang handelt, sind die Studierenden am Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen in der Zeit der Ausbildung Beamtinnen und Beamte auf Widerruf, sie erhalten somit Anwärterbezüge von rund 1.180,- Euro; für die Zeit der theoretischen Ausbildung am Fachbereich bekommen alle Studierenden, die nicht in München wohnen, darüber hinaus auch einen kostenlosen Wohnheimplatz angeboten, was auf dem angespannten Münchener Wohnungsmarkt durchaus eine wichtige Erleichterung der Studiensituation darstellt. Da sich die Größe der jeweils zugelassenen Kurse am prognostizierten Bedarf der wissenschaftlichen Bibliotheken in Bayern orientiert, haben die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs auch seit vielen Jahren sehr gute Übernahmeaussichten. Zentrales Ziel bei der Konzeption des neuen Bachelorstudiengangs war die Anpassung des Curriculums und der Prüfungsstrukturen an die Vorgaben des Bologna-Prozesses (dies betraf neben der Modularisierung der Lehrinhalte vor allem die Einführung modernerer Prüfungsformen) unter Beibehaltung der bewährten Elemente des Diplomstudiengangs, also insbesondere die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Praxis.[1]

Diese starke Praxisbezogenheit zeigt sich auf verschiedenen Ebenen: (a) bei der klaren Ausrichtung des Studiengangs auf Tätigkeiten in wissenschaftlichen Bibliotheken, (b) beim ergänzenden Auswahlverfahren der Studierenden, (c) bei der Länge und der fachlichen Ausgestaltung der Praxismodule, (d) bei der Konzeption des theoretischen Unterrichts am Fachbereich, (e) beim umfangreichen Begleitprogramm, das den regulären Unterricht ergänzt, und (f) durch den regelmäßigen Austausch zwischen der Theorie und den Anforderungen der Praxis mit Hilfe verschiedener, fest institutionalisierter Strukturen.

2 Ausrichtung des Studiengangs auf den Bereich wissenschaftliche Bibliotheken

Inhaltlich wesentlich enger zugeschnitten als andere bibliothekarische Studiengänge, damit aber auch deutlich konsequenter auf spezifische Tätigkeiten ausgerichtet, ist der Bachelorstudiengang in München. Während vergleichbare Studiengänge meist auf den Einsatz sowohl an öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken als auch an Dokumentationseinrichtungen im kommunalen, staatlichen und privatwirtschaftlichen Bereich zielen (zum Teil werden Banken, Versicherungen, Verlage, Rundfunkanstalten, Datenbankhersteller und Softwarehäuser explizit als mögliche Arbeitgeber genannt), ist das klar definierte Ziel des Münchener Studiengangs die Arbeit als Bibliothekarin/Bibliothekar an wissenschaftlichen Bibliotheken; für alle Tätigkeitsfelder dieses Bereichs sollen die Absolventinnen und Absolventen qualifiziert sein. Diese klare Vorgabe erleichtert die praxisorientierte Konzeption des Curriculums und die Ausrichtung des Unterrichts an die Praxis ungemein. Gleichzeitig erklärt diese Beschränkung auf ein konkretes Tätigkeitsfeld auch die geringen Wahlmöglichkeiten der Studierenden innerhalb des Curriculums. Nur in den Bereichen der zweiten Fremdsprachen, der Bibliotheksinformatik und der Arbeit mit historischen Bibliotheksbeständen können sich die Studierenden durch Wahlpflichtveranstaltungen bzw. -module weiter spezialisieren. Auch wenn die Studierenden gezielt für den Tätigkeitsbereich in wissenschaftlichen Bibliotheken qualifiziert werden, wo sie anschließend in allen Arbeitsbereichen eingesetzt werden können, stellen Lehrveranstaltungen aus anderen Zweigen des Informationswesens sicher, dass eine breitere Einbettung und Kontextualisierung der bibliothekarischen Inhalte stattfinden kann (z. B. durch Einführungen in das öffentliche Bibliothekswesen, das Archivwesen und in die Strukturen des Bibliotheks- und Informationswesens des Auslands).

3 Praxisorientiertes Auswahlverfahren der Studierenden

Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Studierenden der HföD gleichzeitig Beamtinnen und Beamte sind, führt zu einem sehr aufwändigen Auswahlverfahren, das jedoch auch die Möglichkeit bietet, die Anforderungen der Praxis bereits bei der Auswahl der Studierenden zu berücksichtigen.

Das erste Element der Auswahl der Studierenden bildet ein zentraler, bayernweit stattfindender Test, der vom bayerischen Landespersonalausschuss (LPA) durchgeführt wird und in seiner Grundstruktur dem Concours entspricht, dem Auswahlverfahren, mit dem in Frankreich die Studienplätze der Grande école vergeben und in den Institutionen der Europäischen Union die freien Stellen besetzt werden.[2] Im Rahmen dieses Tests können die Teilnehmer ihre Studienwünsche angeben; insgesamt bietet die Hochschule für den öffentlichen Dienst derzeit 15 Studiengänge in sechs Fachbereichen der staatlichen und der kommunalen Verwaltung an (Archiv- und Bibliothekswesen, Allgemeine Innere Verwaltung, Finanzwesen, Polizei, Sozialverwaltung und Rechtspflege). Gemeinsam mit der Abiturnote ergibt sich aus dem Testergebnis eine Leistungskennzahl, nach der die Studieninteressentinnen und -interessenten mit ihrer Platzziffer in eine Rangliste eingeordnet werden.

Im zweiten Teil des Auswahlverfahrens werden für den Studiengang „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ oft weit über 100 Studieninteressierte in der Rangfolge dieser Liste zu strukturierten Interviews eingeladen, wobei im Rahmen eines zertifizierten wissenschaftlichen Verfahrens überprüft wird, ob sie aufgrund ihrer außerfachlichen Fähigkeiten zum Berufsbild der Bibliothekarin/des Bibliothekars passen.[3] Die Kriterien, die diesem Verfahren als Anforderungsprofil zugrunde liegen, beziehen sich vor allem auf die sozialen Kompetenzen und die Kommunikationsfähigkeit, aber auch die IT-Affinität wird überprüft. Besteht eine Kandidatin/ein Kandidat diesen Teil des Auswahlverfahrens nicht, so scheidet er aus und die anderen Interessenten rücken auf der Rangliste entsprechend nach oben. Durchgeführt werden diese Interviews durch Teams aus drei Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, von denen mindestens zwei aus der bibliothekarischen Praxis kommen. Weit besser als nur die Abiturnote und das Ergebnis des Tests des Landespersonalausschusses allein kann dieses Verfahren die Eignung der Kandidatinnen und Kandidaten für die Arbeit in der bibliothekarischen Praxis überprüfen.[4] Bestätigt werden die Ergebnisse der strukturierten Interviews auch durch die sehr geringe Quote von Studienabbrüchen innerhalb des Bachelorstudiengangs in München.

4 Länge und Ausgestaltung der Praxismodule

Besonders deutlich zeigt sich der starke Praxisbezug des Münchener Studiengangs in der Länge und in der inhaltlichen Ausgestaltung der beiden Praxismodule. Insgesamt umfassen diese Praxisanteile ein ganzes Jahr, sie werden im zweiten und im fünften Semester durchgeführt. Der Inhalt der Praxismodule wird durch den Ausbildungsplan geregelt, der detailliert die Tätigkeiten und Abteilungen in den Ausbildungsbibliotheken benennt, die die Studierenden während ihrer Praktika kennenlernen sollen.[5] Verbindlich vorgeschriebene Stationen während dieser Praktika betreffen u. a. die Bereiche Medienbearbeitung, Bestands- und Informationsvermittlung, Bibliotheksmanagement und IT. Um Praktika in dieser Qualität sicherstellen zu können, sind für die Durchführung der Praxismodule nur wenige Bibliotheken zugelassen, die sich durch besondere Kompetenz im Ausbildungsbereich auszeichnen; die Ausbildung erfolgt in der Regel an der Bayerischen Staatsbibliothek und an den Universitätsbibliotheken in Bayern. Dies stellt nicht nur sicher, dass alle im Ausbildungsplan geforderten Tätigkeiten vor Ort tatsächlich angeboten werden können. Da alle Praktikumsbibliotheken in der Regel jedes Jahr Studierende des Münchener Bachelorstudiengangs als Praktikanten ausbilden, weisen sie durch die beständige Einbindung in die Ausbildung eine besonders hohe Kompetenz in allen Bereichen der praktischen Ausbildung auf; da alle Ausbildungsbibliotheken darüber hinaus oft auch Referendarinnen und Referendare sowie Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste der Fachrichtung Bibliothek ausbilden, verfügen sie auch über die entsprechende Infrastruktur und die notwendigen organisatorischen Strukturen. Auch dies sind Elemente, die die Qualität der praktischen Ausbildung an diesen Bibliotheken in besonderer Weise gewährleisten.

Um auch hier den Blick zu weiten und praktische Erfahrungen in anderen Bereichen zu vermitteln, sieht der Ausbildungsplan innerhalb der Praxismodule zwei bis vier kürzere informatorische Praktika an anderen Bibliotheken vor. Verpflichtend vorgegeben sind hierbei im zweiten Semester ein Kurzpraktikum von zwei bis vier Wochen an einer öffentlichen Bibliothek in Deutschland sowie im fünften Semester ein Praktikum an einer anderen wissenschaftlichen Universalbibliothek von ebenfalls zwei bis vier Wochen. Optional können bis zu zwei weitere Kurzpraktika von jeweils zwei bis vier Wochen auch an einer weiteren Bibliothek im In- oder Ausland absolviert werden. Die Möglichkeit der Auslandspraktika wird von den Studierenden sehr gerne in Anspruch genommen und hat schon zu Praktikumsaufenthalten in nahezu allen Teilen der Welt geführt. Die überaus positive Resonanz von den aufnehmenden Bibliotheken und die Erfahrungsberichte der Studierenden belegen, wie solche Kurzpraktika im Ausland die bibliothekarische Ausbildung sinnvoll bereichern können.[6]

5 Praxisbezug im Unterricht am Fachbereich

Nicht nur die Praxismodule, sondern auch der theoretische Unterricht am Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen in München ist überaus praxisorientiert. Besonders deutlich wird dies vor allem an dem großen Unterrichtsanteil, den mehr als 50 nebenamtliche Dozentinnen und Dozenten aus der Praxis übernehmen. Sie ergänzen mit Lehraufträgen von unterschiedlichem Umfang den Unterricht der vier hauptamtlichen Dozentinnen und Dozenten. Die nebenamtlichen Dozentinnen und Dozenten kommen überwiegend aus dem bayerischen Bibliothekswesen; in den Bereichen der Informationstechnik, der sozialen Kompetenzen, der Bibliothekspädagogik sowie der Fremdsprachen werden darüber hinaus auch noch freiberuflich tätige Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. Auf diese Weise wird zum Beispiel sichergestellt, dass große Teile bibliothekarischer Tätigkeitsfelder (z. B. im Bereich des Bestandsmanagements und der Benutzungsdienste) von erfahrenen Praktikern unterrichtet werden; aber auch kleinere, speziellere Fachgebiete wie Digital Humanities, Perl, Bestandserhaltung, strategisches Marketing, Bibliotheksdidaktik sowie Schnittstellen und Datenaustausch können auf diese Weise von ausgewiesenen Expertinnen und Experten aus der Praxis unterrichtet werden. Auch thematisch sind viele Elemente des neu konzipierten Bachelorstudiengangs konsequent an den Bedürfnissen der Praxis ausgerichtet. Dies betrifft zum Beispiel das neu eingeführte Modul „Praxisorientiertes Teamprojekt“ (Modul VII.3), das Modul „Berufsbezogene Schlüsselqualifikationen“ (Modul VI.1) oder auch die Bachelorarbeit (Modul VIII.1); in der Bachelorarbeit wird von den Studierenden des Münchener Studiengangs in der Regel ein praxisorientiertes Thema behandelt, das meist in Zusammenhang mit der Praktikumsbibliothek steht.[7]

6 Begleitende Aktivitäten rund um den Studiengang

Beständig begleitet wird das reguläre Unterrichtsgeschehen am Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen von einem reichen Programm an Führungen, Besichtigungen und Gastvorträgen.

Schon seit vielen Jahren läuft eine Veranstaltungsreihe, in der meist drei Gastvorträge pro Semester von Experten aus dem In- und Ausland am Fachbereich stattfinden. Hierzu werden neben Professorinnen und Professoren aus verschiedenen Bereichen der Informationswissenschaft auch ausgewiesene Experten aus der Praxis eingeladen. So konnten in jüngster Zeit u. a. Vorträge zu den Themenbereichen bibliothekarische Aussonderungsstrategien, wissenschaftliche Kommunikation in sozialen Netzwerken, Sacherschließung unter FRBR und RDA sowie zur internationalen Bibliotheksarbeit angeboten werden.

Für ein reiches Exkursions- und Besichtigungsprogramm bietet der Standort München besonders gute Voraussetzungen. Regelmäßige Führungen finden in vielen unterschiedlichen Bibliotheken (u. a. Bayerische Staatsbibliothek, Universitätsbibliotheken der Ludwigs-Maximilians-Universität sowie der Technischen Universität, Hochschulbibliothek München, Internationale Jugendbibliothek) sowie im Bayerischen Hauptstaatsarchiv statt. Ebenfalls regelmäßig besichtigt werden das Leibniz-Rechenzentrum und die Speicherbibliothek in Garching, der wissenschaftliche Verlag edition text + kritik und das Druckzentrum der Süddeutschen Zeitung; hinzu kommen zahlreiche weitere, unregelmäßig stattfindende Besichtigungen in München und im weiteren bayerischen Umfeld sowie Führungen durch bibliothekarische Ausstellungen. Jährlich wird eine einwöchige Studienfahrt ins Ausland durchgeführt, wobei die Studierenden in einem dichten Programm die wichtigsten Bibliotheken einer Großstadt oder einer Region kennenlernen. Ziele der letzten Studienfahrten waren Prag, Wien und Amsterdam.

Besonders gewinnbringend für die Studierenden und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs sind die regelmäßigen gemeinsamen Teilnahmen an den Bibliothekartagen und -kongressen sowie an den Verbundkonferenzen des Bibliotheksverbunds Bayern. Hier waren Studierende des Fachbereichs Archiv- und Bibliothekswesen in den vergangenen Jahren ebenso aktiv tätig und eingebunden wie bei der Durchführung anderer bibliothekarischer Veranstaltungen, die sich überwiegend an Studierende und new professionals richten (z. B. beim BibCamp und auf der LIS-Corner auf der Frankfurter Buchmesse).[8]

7 Austausch von Theorie und Praxis

Institutionell abgesichert ist der Austausch zwischen Theorie und Praxis im Münchener Studiengang „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ durch verschiedene Gremien. Hier ist zum einen die jährlich tagende Sitzung der Ausbildungsleiterinnen und Ausbildungsleiter in München zu nennen. Dort findet ein kontinuierlicher Austausch zwischen den Ausbildungsleitungen der Praktikumsbibliotheken und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fachbereichs statt, gleichzeitig wird durch dieses Gremium die passgenaue Verzahnung von praktischen und theoretischen Ausbildungsinhalten sichergestellt. Ebenfalls aus Sicht der Praxis begleitet wird der bayerische Studiengang durch die Kommission für Aus- und Fortbildung (KAF) des Bibliotheksverbunds Bayern. In diesem Gremium, das die Entwicklung der bibliothekarischen Ausbildung in Bayern in allen zentralen organisatorischen und strategischen Fragen unterstützt, ist der Fachbereich als ständiger Gast vertreten, so dass ein permanenter Austausch gewährleistet ist. Besonders eng ist – über diese beiden Gremien hinaus – auch die Zusammenarbeit von Fachbereich und Bayerischer Staatsbibliothek, die Einstellungsbehörde für alle bayerischen Anwärterinnen und Anwärter der dritten Qualifizierungsebene ist. Dies betrifft sowohl die Abstimmung mit der Generaldirektion als auch die Kooperation mit der Bibliotheksakademie Bayern (BAB), die als Praktikums- und Prüfungsamt für den Fachbereich fungiert und in dieser Funktion die Strukturierten Interviews durchführt sowie die Praktika und Modulprüfungen organisiert. Über die Gremien der Hochschule für den öffentlichen Dienst (Rat und Qualitätszirkel), die in Bayern zum Geschäftsbereich des Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat gehört, findet auch ein beständiger Austausch und eine enge Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultur, Wissenschaft und Kunst statt.

Die hier aufgezeigten Inhalte und die Vielzahl der Strukturen, durch die der Studiengang „Bibliotheks- und Informationsmanagement“ der Hochschule für den öffentlichen Dienst auf die Belange der Praxis ausgerichtet ist, zeigen, wie stark der Praxisbezug des Münchener Studiengangs ausgeprägt ist. Dieser Praxisbezug in der Ausbildung bietet den Studierenden, die fast alle unmittelbar nach Abschluss des Studiums eine Stelle in den wissenschaftlichen Bibliotheken Bayerns antreten, die Sicherheit, gut auf die Anforderungen der Praxis vorbereitet zu sein und ihre Arbeit in einem vertrauten Umfeld aufnehmen zu können. Durch die Verbindungen zu ihren Praktikumsbibliotheken und ihren Kurskolleginnen und -kollegen starten sie darüber hinaus mit einem starken Netzwerk in ihr Berufsleben. Für die Bibliotheken ist durch den hohen Praxisbezug der Ausbildung umgekehrt gewährleistet, dass sie die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs ohne weitere Einarbeitungsphase direkt in die Arbeitsabläufe integrieren können. Sie sind mit den Strukturen des bayerischen Bibliothekswesens ebenso vertraut wie mit der verwendeten Software und den verbundweit genutzten Anwendungen. Die ausgeprägte Praxisorientierung ist in dieser Form eine Besonderheit des bayerischen Bibliotheksstudiums und soll auch in Zukunft auf allen Ebenen weiter aufrechterhalten und ausgebaut werden.

So zeigt das Beispiel des Münchener Bachelorstudiengangs, wie sinnvoll sich das alte Diktum „theoria cum praxi“ von Gottfried Wilhelm Leibniz auch heute noch in der bibliothekarischen Ausbildung bewähren kann und das nicht nur trotz, sondern auch gerade wegen der immensen Umbrüche, von denen die bibliothekarische Arbeitswelt geprägt ist.

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Klaus Gantert

Dr. Klaus Gantert

Published Online: 2017-10-23
Published in Print: 2017-10-28

© 2017 by De Gruyter

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