Artikel Öffentlich zugänglich

Vertrauen und Verantwortung

Kardinalprinzipien der („Informations-“) InfrastrukturVortrag auf dem Symposium „Verantwortung der Informationswissenschaften“, Potsdam 25. Juni 2021**
  • Hans-Christoph Hobohm

    Nach dem Studium in Köln und Paris (u. a. bei Jean Meyriat) war der Bibliotheks- und Informationswissenschaftler Hans-Christoph Hobohm bis 1995 Marketingleiter des Informationszentrums Sozialwissenschaften in Bonn. Von 1995 bis 2021 lehrte und forschte er an der Fachhochschule Potsdam mit den Schwerpunkten Bibliotheksmanagement, Wissensmanagement, Wissenschaftssoziologie und Informationsverhaltensforschung. Von 2008 bis 2011 war er Dekan des Fachbereichs Informationswissenschaften. 2010 bis 2021 leitete er dort bis zum Ende seiner Dienstzeit zusammen mit Rolf Däßler den konsekutiven Masterstudiengang „Informationswissenschaften“. Seit 2020 ist er Vorsitzender der Potsdamer Bibliotheksgesellschaft. Mehr in seinem Blog „LIS in Potsdam“: www.hobohm.info.

    ORCID logo EMAIL logo
Veröffentlicht/Copyright: 11. November 2021
Veröffentlichen auch Sie bei De Gruyter Brill

Zusammenfassung

Aus den Ergebnissen von Umfragen zum Stellenwert von Archiven, Bibliotheken und Museen für die Demokratie in der Digitalität im europäischen Projekt ALMPUB ergibt sich, dass diese Informations- und Kulturerbe-Institutionen im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Institutionen ein außerordentlich hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießen. Der Beitrag arbeitet die Konsequenzen aus dieser Beobachtung heraus und folgert, dass den Informationseinrichtungen i. w. S. eine hohe gesellschaftliche Verantwortung zufällt. Es wird konstatiert, dass das komplementäre Themenfeld „Vertrauen und Verantwortung“ in der Informationswissenschaft noch Forschungs- und Reflexionsdesiderate aufweist.

Abstract

The results of surveys in the European project ALMPUB on the role of archives, libraries and museums for democracy in the digital age show that these information and cultural heritage institutions enjoy an extraordinarily high level of trust among the population compared to other social institutions. The article elaborates the consequences of this observation and concludes that information institutions in the broad sense have a high social responsibility. It is stated that the complementary topic of "trust and responsibility" still has research and reflection desiderata in information science.

Résumé

Les résultats des enquêtes dans le cadre du projet européen ALMPUB sur l’importance des archives, des bibliothèques et des musées pour la démocratie à l’âge du numérique montrent que ces institutions d’information et de patrimoine culturel jouissent d’un niveau de confiance extraordinairement élevé dans la population par rapport aux autres institutions sociales. L’article développe les conséquences de cette observation et conclut que les institutions d’information au sens large ont une responsabilité sociale élevée. Il est indiqué que le domaine complémentaire de „confiance et responsabilité“ présente encore des desiderata de recherche et de réflexion en sciences de l’information.

Das europäische Projekt ALMPUB „Archives, Libraries, Museums as Public Sphere Institutions in the Digital Age“ (Audunson et al. 2020) hatte sich unter Beteiligung der FH Potsdam in den letzten vier Jahren die Forschungsfrage gestellt, ob die vor allem von den skandinavischen Staaten den Bibliotheken zugeschriebene Rolle, Verantwortung für die Förderung der Demokratie in der Gesellschaft zu übernehmen, angenommen wird und welche Bedingungen für ihr Gelingen vorliegen. Die aus einer umfangreichen Literaturanalyse (Audunson et al. 2019a) entwickelte Prämisse des Forschungsprojektes war, dass Bibliotheken in der Moderne wesentlich dafür sind, was Jürgen Habermas als „Bürgerliche Öffentlichkeit“ bezeichnet. Die unlängst allenthalben vorgenommene Zuschreibung des Konzepts des „Dritten Ortes“ von Oldenburg (2001) für Bibliotheken, erhält hierbei einen Inhalt und bleibt nicht mehr nur eine räumliche Hülle. Zugegeben, auch Oldenburg sieht in Dritten Orten eine gemeinschaftsbildende Funktion. Die eigentliche Rolle von Bibliotheken, die Frage, warum sie solche Orte sind und was sie selbst darunter als Aufgabe verstehen sollten, bleibt bei den entsprechenden Beschreibungen eher abstrakt als eine idealisierende Heraushebung als „besonderer“ Ort wie bei Foucaults (2005) Heterotopien oder sozial-euphorisch wie bei Klinenberg (2018), als allgemein „kritische“ Infrastruktur:

the library is among the most critical forms of social infrastructure that we have. It’s also one of the most undervalued. (Klinenberg 2018, S. 34)

Die eigentliche politische Frage wird nicht gestellt. Selbst die skandinavische Bibliothekswissenschaft und Bibliothekspolitik bleiben da relativ unkonkret und nicht explizit genug, um den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren verständliche und vermittelbare Argumente an die Hand zu geben, gesellschaftlich verantwortlich, proaktiv zu handeln. Das vielfach bemühte Modell „four-spaces / three functions“ von Henrik Jochumsen u. a. (Jochumsen 2018) definiert zwar Ort, Raum und Relation der Bibliothek, bleibt dabei aber weiterhin eher deskriptiv. Auch David Lankes New Librarianship, das der Bibliothek ebenfalls eine Community bildende Rolle durch „conversation“ zuschreibt, richtet sich an Politik und Unterhaltsträger nur mit der Aufforderung „Expect more“ („Erwarten/Fordern Sie mehr von Bibliotheken in einer komplexer gewordenen Welt“ (Lankes 2017). In seinem Paradigma bildenden Atlas of New Librarianship sehe ich wenig Normatives, das zu verantwortungsvollem Handeln anregt, bis auf die Knoten „Importance of Worldview“ und „Need for Action and Activism“ in seiner Mindmap. Er schreibt jedoch selbst:

We need to do a better job connecting our values, our work, and our communities into the policy conversations. We also must be much more clear on how the work of librarians of all stripes contributes to an educated citizenry. Unless we take the value of learning seriously and back it up with real assessment and measurable impacts and outcomes, these lines ring hollow and do not help us. (Lankes 2011, S. 127)

Und er macht den Unterschied zwischen Public Space und Civic Space:

The public library [...] is a civic space. What is the distinction? A public space is not truly owned. It is an open space. Things in the public domain, for example, are free to use and reproduce. A civic space, on the other hand, is a regulated space on behalf of the public. That means it is beholden to a whole raft of policy and law. A group can gather in a public space. They have to have permission to do so in a civic space, and that permission must be given in an equitable and nondiscriminatory way. (Lankes 2011, S. 65)

Knut Skansen, der Direktor der neuen Deichman Zentral-Bibliothek von Oslo, brach in Begeisterung aus, als er uns vor der Eröffnung durch das neue, spektakuläre Gebäude führte – nicht angesichts der beeindruckenden Multimedia-Technologie, der Fülle der Bestände in Freihand oder der kreativ einladenden Kinderbibliothek – sondern im Auditorium. Er, ein ehemaliger Hotelmanager, rief aus: hier stehend würde er endlich verstehen, wozu Bibliotheken gut sind: für Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe durch Kommunikation und Debatte. Selbst er, der das enorme Projekt der Stadtentwicklung durch Bibliotheksbau im neuen kulturellen Zentrum von Oslo so lange begleitet hatte, brauchte die physisch-räumliche Anschauung, um zu verstehen, was die nordischen Bibliotheksgesetze meinen, wenn sie davon schreiben, dass Bibliotheken die „Fünfte Gewalt“ im Staat sein müssen (Fichtelius et al. 2018) und Verantwortung für ihre Trägerorganisation tragen, ob Stadtgesellschaft oder Wissenschaftssystem. Dieser Moment war am Ende der Projektlaufzeit und wir hatten vergeblich gehofft, die ALMPUB Abschlusskonferenz Anfang 2020 schon diesem neuen Auditorium durchführen zu können.

Der nunmehr über zehn Jahre alte „Atlas of New Librarianship“, dessen Neuerarbeitung jetzt im Sommer 2021 in der weltweiten bibliothekswissenschaftlichen Community gerade beginnt, betonte noch die Rolle von „assessment and measurable impacts and outcomes“. Der neue Atlas wird darüber sicher hinaus gehen, haben wir doch gerade im letzten Jahr in Zeiten der Pandemie eine für manche überraschende Zunahme des Verständnisses für Gemeinsinn und Solidarität erlebt.

Das Projekt ALMPUB war jedoch vorwiegend mit der Maßgabe gestartet und finanziert, solche „measurable impacts“ für die Rolle von Bibliotheken, Archiven und Museen zu finden. Interessanterweise schreibt Joacim Hanson (2021) in seiner differenzierten, nicht unkritischen, aber sehr positiven Rezension unseres Abschlussberichtes, dass das Projekt gerade einen anderen Weg aufgezeigt, wenn er es als ein „exclamation mark within emerging discourses“ charakterisiert:

this volume makes abundantly clear the need to shift from privileging habermasian social interpretation, and instead make way for poststructural theoretical and methodological frameworks better suited for today's complex societies. (Hansson 2021, S. 3)

Das europäische Projektkonglomerat war mit unterschiedlichsten methodologischen Ansätzen aufgestellt und der klassisch soziologische, Habermas geprägte, war nur einer der Ausgangspunkte. Und in der Tat erwies es sich als recht schwierig, um nicht zu sagen komplex, aus den Datenbergen der insgesamt 26 nationalen Umfragen, sehr klare Aussagen herauszufiltern. Aufschlussreicher erscheinen die Studienanteile, die qualitativ, z. B. mit thick description oder mit geisteswissenschaftlichem Vorgehen (z. B. mit Roland Barthes) Erklärungsansätze für die Institution Bibliothek suchten.

Nichts desto trotz ergab sich (mindestens) ein Aspekt in der „harten“, quantifizierenden Vorgehensweise, der bemerkenswert ist und deshalb zu dem Vortragstitel anregte. Zur Unterstützung der Hypothese, dass ALM-Institutionen wie Öffentlichen Bibliotheken als Einrichtungen der demokratischen Öffentlichkeit gesehen werden, wurde der Gesamtdatensatz der bevölkerungsrepräsentativen Umfragen in sechs Ländern (Norwegen, Schweden, Dänemark, Ungarn, Deutschland und der Schweiz) einer Regressionsanalyse unterzogen. Dabei wurde eine Variable aggregiert, die die Antworten auf die Fragen nach der Bedeutung von Bibliotheken, Archiven und Museen als „Public Sphere Institutions“ im Sinne von „arenas for debate“ und als „meeting places“ erhoben hatten.

In dem sechs-schrittigen Regressionsmodell zur Erklärung dieser Variable erhöht sich die erklärte Varianz sprunghaft von vier auf 22 Prozent erst bei der Hinzunahme der Variablen „allgemeines Vertrauen in Menschen“ und „Vertrauen in Institutionen“ als zusammengesetzte Variable (Audunson et al. 2019 b, S. 1405). Andere Faktoren „laden“ zur Akzeptanz der Rolle von Bibliotheken in der gesellschaftlichen Partizipation und Demokratieförderung wenig signifikant. Hierbei konnten wir die explizite Frage nach dem Vertrauen in Bibliotheken als Institution isolieren: bei Herausnahme dieses Items ändert sich die erklärte Varianz nur geringfügig.

Eigentlich ist dieses Ergebnis nicht sonderlich überraschend: sprach ja schon Goethe davon, dass Bibliotheken zur vertrauenswürdigen Kapitalbildung beitragen (vgl. Hobohm 1999). Dennoch ist es in der aktuellen Post-Gutenberg Galaxis doch immer wieder erstaunlich, in welchem Zusammenhang die Bibliothek als Symbol gerade auch für öffentliche Diskurse eingesetzt wird: kein bedeutender Politiker oder Wissenschaftler, der nicht vor seiner Bibliothek in den Medien interviewt wird, und das leuchtende, ikonische Gebäude der Bibliothek der BTU Cottbus bildet jeden Abend das Hintergrundbild für das Brandenburgische Regionalfernsehen. Umso interessanter und dennoch unerwartet, dass die empirischen Daten genau dies in der multivariaten Analyse darstellen.

Die genauere Betrachtung der nicht-kombinierten Variablen zu den Vertrauensfragen zeigt ein interessantes Bild, das zu weiteren Erklärungsansätzen führen kann. In der Konzeption der ALMPUB-Umfragen wurde explizit Bezug genommen auf die entsprechenden Erhebungen der multinationalen Sozialforschung wie dem European Social Survey, dessen 11er Skala wir an geeigneten Stellen übernommen haben. Bei der Wohlfahrts- und Vertrauensforschung wird in der Soziologie in erster Linie unterschieden zwischen Social Trust und Institutional Trust. Ersteres wird meist mit der folgenden Umfrageformulierung erhoben:

Ganz allgemein gesprochen: glauben Sie, dass man den meisten Menschen vertrauen kann, oder dass man im Umgang mit anderen Menschen nicht vorsichtig genug sein kann? Bitte sagen Sie es mir anhand einer Skala von 0 bis 10. 0 bedeutet, dass man nicht vorsichtig genug sein kann, 10 bedeutet, dass man den meisten Menschen vertrauen kann. (Q12 in ALMPUB Sentio Survey 2017)

Vertrauen in Institutionen wird mit folgender Formulierung erhoben:

Wie sehr vertrauen Sie persönlich der nachfolgend genannten öffentlichen Einrichtung oder Personengruppe? Bitte sagen Sie es mir anhand einer Skala von 0 bis 10. 0 bedeutet, dass Sie dieser Einrichtung oder Personengruppe überhaupt nicht vertrauen und 10 bedeutet, dass Sie ihr voll und ganz vertrauen. (Q13 in ALMPUB Sentio Survey 2017)

Bei den einzuschätzenden Institutionen werden jedoch vorwiegend politische Organe und Akteure genannt wie „Stadt-/Gemeinderat / Stadt-/Gemeindeverwaltung“, „Bundes-/Landtag“, „Europäisches Parlament“, „Justiz“, „Polizei“ „Politiker“, „Parteien“ sowie das Vertrauen in das „Sozialversicherungssystem“, „Gesundheitssystem“, „Altersversorgungssystem“ abgefragt. Glatz und Eder (2020) heben die Bedeutung und Entwicklung dieser Variablen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und allgemeines Wohlbefinden in Europa hervor und zeigen einen allgemeinen, leicht positiven Trend auf , bei dem das Sozialvertrauen immer etwas größer ist als das Institutionenvertrauen: im European Social Survey z. B. lagen die Werte in der letzten Erhebung 2016 bei 5,5 bzw. 4,7. (vgl. auch Karnick et al. 2021)

In der ALMPUB-Studie fragten wir, dem Forschungsansatz folgend, zusätzlich nach dem „Vertrauen in Schulen“ sowie dem Vertrauen in „Öffentliche Bibliotheken“, „Museen“ und „Archive“. Ähnlich den Ergebnissen der ESS Studien lag der Mittelwert für allgemeinen Social Trust bei der ALMPUB-Erhebung für Deutschland bei 5,3 (also etwas besser als „mittig“ auf der 11-Skala). Der Wert für den klassischen politischen Institutional Trust für „Politiker“ und „Parteien“ lag mit 4,3 unter dem langjährigen Durchschnitt des ESS – für die eigentlichen parlamentarischen Vertretungen vom Gemeinderat bis EU Parlament sowie in die sozialen Sicherungs- und Versorgungssysteme lagen die Werte kombiniert mit 5,5 bzw. 5,9 etwas höher. Justiz und Polizei genießen mit einem Wert von 7 in Deutschland ein recht großes Vertrauen, ähnlich wie das Schulsystem (7,1). Archive, (öffentliche) Bibliotheken und Museen gelten jedoch mit großem Abstand (auch bei geringerer Standardabweichung) als die vertrauenswürdigsten Institutionen mit einem kombinierten Mittelwert um 8. (7,9; 8,0; 8,0).

Abb. 1 
        Grafik zu Vertrauensvariablen im Vergleich (eig. Darstellung).
Abb. 1

Grafik zu Vertrauensvariablen im Vergleich (eig. Darstellung).

Hier wird also zusätzlich evident, dass die Institutionen des kulturellen Erbes als gesellschaftliche Institution einen hohen Vertrauensvorschuss genießen. Bei der Analyse der Frage, ob sie im Zeitalter der Digitalität eine Rolle in der Demokratie spielen, wird m. E. überdeutlich, welche Verantwortung sie tragen.

Ich möchte nun die beiden Begriffe Vertrauen und Verantwortung umreißen und einige Bezüge zum Informationsfeld herstellen. Beide Konzepte erfahren in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte gerade eine Konjunktur, die ich vor der Vorbereitung des Vortrags so nicht erwartet hätte. Allenthalben wird ein Vertrauensverlust in die Politik, werden „Vertrauenskrisen“ konstatiert und gefragt, wie damit umzugehen sei (vgl. z. B. Kavanagh und Rich 2018). Um nur zwei aktuelle Publikationen als Sekundanten anzuführen: der Schweizer Martin Hartmann fasste Ende 2020 in seinem jüngsten Buch „Vertrauen. Die unsichtbare Macht.“ (Hartmann 2020) den Stand der philosophischen Überlegungen der letzten Jahrzehnte zu dem Thema zusammen und auf der anderen Seite stellte vor wenigen Wochen Richard David Precht gerade „Eine Betrachtung“ mit dem Titel „Von der Pflicht“ (Precht 2021) an, die dem offensichtlich verloren gegangenen Verantwortungsgefühl in Staat und Gesellschaft nachspürt und konkrete Vorschläge macht, dieses zu stärken.

Das unhintergehbare Standardwerk zum Thema Vertrauen ist das gleichnamige Buch von Niklas Luhmann (2014), das gleich im Untertitel einen wesentlichen Teil seiner Definition mitliefert: „Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität“. Wir definieren ja gerne Information in Bezug auf Entropie, aber Luhmann gibt uns hier noch mehr an die Hand: er nennt Vertrauen in einer ihm eigentümlichen Formulierung „überzogene Information“ (S. 40):

Vertrauen beruht auf Täuschung. Eigentlich ist nicht so viel Information gegeben, wie man braucht, um erfolgssicher handeln zu können. Über die fehlende Information setzt der Handelnde sich willentlich hinweg. (Luhmann 2014, S. 38)

Zusätzlich ist Vertrauen eine Bearbeitung der Zeit und ihrer Kontingenz: einerseits ist Vertrauen nicht ohne Vorerfahrungen und Geschichte möglich, andererseits stellt es eine Hypothek auf die Zukunft dar und geht damit ein Risiko ein.

[...] Vertrauen ist keine Folgerung aus der Vergangenheit, sondern es überzieht die Informationen, die es aus der Vergangenheit besitzt und riskiert eine Bestimmung der Zukunft. Im Akt des Vertrauens wird die Komplexität der zukünftigen Welt reduziert. (Luhmann 2014, S. 23)

Dies geschieht durch Verlagerung der Komplexitäts-Problematik von außen nach innen, durch Lernen und symbolische Kontrolle wie Kategorisierungen und Metaphernbildung.

Wenn Vertrauen Komplexitätsreduktion ist, dann bedeutet der Versuch, durch Kennzahlen, Indikatoren und Datenmanagement Entscheidungen abzusichern, den Verlust des Vertrauens in Vertrauen zu kompensieren. Luhmann benennt hier konkret den Effekt und die Chance der reduzierenden Verarbeitung „interner Prozesse“:

Dabei setzen sie die innere Ordnung der Datenverarbeitung an die Stelle der ursprünglich amorphen Umweltkomplexität und Innenprobleme dienen dem System als normale Arbeitsgrundlage für seine Umweltanpassung. (Luhmann 2014, S. 32)

In einer komplexen Welt wird „innere Sicherheit“ anstelle von „äußerer Sicherheit“ erzeugt und die zwangsläufigen Generalisierungen, z. B. beim Lernen, sind mit Risiko verbunden: „Menschen und soziale Einrichtungen werden zu Symbolkomplexen, die besonders störanfällig sind.“ (35, Herv. i. O.). An anderer Stelle führt Luhmann in seine Gesellschaftstheorie das Konzept der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien wie „Wahrheit, Liebe, Macht, Geld“ (S. 61) ein, die gewährleisten, dass diese Selektionsleistungen auch intersubjektiv „über mehr oder weniger lange Ketten hinweg“ in der Gesellschaft funktionieren. Geld wird in der Systemtheorie so zum Informationsmedium über das wirtschaftliche Handeln: „Liquidität erspart Information“ (64). Andererseits muss, auch wenn der Notenbankchef die Banknote unterschreibt, das Personenvertrauen in ein Systemvertrauen überführt werden. Das gleiche gilt bei Wahrheit, Wissen oder Bildung als Kommunikationsmedien. Die persönliche Vertrauensbeziehungen werden im zivilisatorischen Prozess ersetzt durch eine systemische (90). Die Steuerung von Systemvertrauen erfordert jedoch auch zunehmend Fachwissen:

Das Systemvertrauen rechnet mit ausdrücklichen Prozessen der Reduktion von Komplexität, also mit Menschen, nicht mit Natur. Die großen zivilisatorischen Prozesse der Umstellung auf Systemvertrauen geben der Menschheit eine stabile Einstellung zur Kontingenz einer komplexen Welt, geben ihr die Möglichkeit, mit der Einsicht zu leben, daß alles anders sein könnte. (Luhmann 2014, S. 78, Hervh. i. O.)

Leider bleibt Luhmann dann doch systemtheoretisch abstrakt und nähert sich unserem Berufsfeld höchstens beim Konzept von Information als Differenz. Institutionen, die Systemvertrauen für Wahrheit generalisieren sind bei ihm nur die Massenmedien. Andererseits betont er, dass Wahrheit im Gegensatz zu Geld eher „ein komplementäres Gegenprinzip [ist], das aller Vereinzelung des Menschen auf individuelle Standpunkte vorausgeht“ (66):

Das Medium der Wahrheit bezieht sich auf Sinnerleben und erfaßt allen Sinn, dem intersubjektive Übertragbarkeit zugeschrieben wird. Mit wahrem Sinn konfrontiert, muß jedermann anerkennen und die Reduktionsleistung übernehmen – oder er verliert seine Rolle als mitkonstituierendes menschliches Subjekt, als Mitträger der Welt und damit seine soziale Identität. (Luhmann 2014, S. 66)

Ich würde hier einen wichtigen Ankerpunkt sehen für die Rolle von Vertrauen bei Informations-, Bildungs- und Kulturerbeeinrichtungen bzw. für die Rolle dieser Einrichtungen im Gesellschaftssystem überhaupt. Aufgrund des Vertrauensmodells von Luhmann als „überzogene Information“ im Zeithorizont – zusammen mit diesem sozial-epistemologischen Argument des Mediums der Wahrheit, lässt sich letzteres auch im Grunde auf das „Medium Bibliothek“ – stellvertretend für Bildungs-, Wissens-, und Kulturerbeeinrichtungen – erweitern. Der Berliner Medienwissenschaftler Wolfgang Ernst definiert die „Bibliothek als Zeitkanal“ und katechontisches (Zeit verzögerndes) Medium (Ernst 2018) und für Jean-Michel Salaün, Mitglied der französischen Gruppe „Roger T. Pédauque“, die das Dokument im Digitalen Zeitalter untersuchte, ist die Bibliothek „das älteste Medium“ bzw. „das Medium der langen Dauer“ (Salaün 2018, S. 351) (vgl. zum Konzept der Bibliothek als Medium: Hobohm 2005). Für Pédauque bzw. Salaün ist die Bibliothek vor allem die Institution, die die Funktion der Lesbarkeit des Dokuments als Gut mit dem Charakter der Nicht-Rivalität, die öffentliche Güter kennzeichnet, aufrechterhält. Im Gegensatz zum Dokument als Wirtschaftsgut, welches vom Verlagswesen geschaffen wird und dem Dokument als Objekt der Aufmerksamkeitsökonomie der Massenmedien (Salaün 2018, S. 353).

In der Gütertypologie der Informationsökonomie wird bekanntlich Information als Vertrauensgut beschrieben, weil sich der Wert der vermittelten Information (des Dokuments mit seiner Evidenz- und Referenzfunktion) oft nicht zum Zeitpunkt der Nutzung belegen lässt. Der Nutzer muss darauf vertrauen, dass die Informationsinfrastruktureinrichtung wahrhaftig ist. Um diesem Dilemma zu entgehen, bleibt lediglich der Versuch, das Informationsangebot in Richtung eines Suchguts zu entwickeln – also durch Hinzufügen von informationellem Mehrwert (Kuhlen) oder durch Normierung, d. h. Erhöhung der algorithmischen Verlässlichkeit – oder sich als Erfahrungsgut zu etablieren durch Erhöhung der Zielgruppenaffinität und der Kundenbindung mit Servicequalität und personalen Komponenten.

Vertrauen als Aspekt eines Wirtschaftsguts erforderte (immer schon) Kodifizierung oder persönliche Bindung (z. B. durch „Mund-zu-Mund Propaganda“). Kodifizierung geschieht meist durch Branding. Das Vertrauen in Marken (Stichwort „trusted brands“) entwickelt sich über Zeit anhand von Erfahrung. Das Medium und der „Symbolkomplex“ Bibliothek an sich ist ein solches Branding. Wenn wir bei dem Aspekt der Informationsarbeit bleiben, spiegelt sich dieses in Kombination mit dem Medium Wahrheit bereits wieder in der Definition von Information von Floridi „als wohlgeformte, bedeutungstragende und wahrhaftige Daten“ (Floridi 2010, S. 50).

Es gibt recht wenige Studien zur theoretisch-konzeptionellen Frage des Vertrauens in der Informationswissenschaft allgemein. Meist wird eher die Frage nach dem Wert von Information für bestimmte Zielgruppen gestellt. Der zentrale Text, auf den in den Informationswissenschaften immer wieder Bezug genommen wird, ist der Review Beitrag von Marsh und Dibben in ARIST (2003). Sie betonen die Bedeutung des Konzeptes bei unterschiedlichen Aspekten der Informationsarbeit vor allem jedoch in Online-Umgebungen, bei der Mensch-Maschine-Kommunikation und beim Einsatz von Informationsassistenten (vgl. zu letzterem auch die frühe einschlägige Studie von Rainer Kuhlen 1999). Das Phänomen ist ubiquitär, aber offensichtlich „inherently obscured“ wie sie schreiben. Ansätzen der Sozialpsychologie folgend unterscheiden sie zwischen dispositional, learned und situational trust (S. 469), also quasi angeborenem, erlernten und im Kommunikationskontext erschlossenem Vertrauen. Ein schönes Beispiel für situational trust ist das Phänomen der Truthiness, der emotional vertrauenerweckend dargestellten Desinformation (Hendricks und Vestergaard 2019, S. 79), auf das Stephen Colbert in seiner Talkshow schon 2005 hingewiesen hatte. Im Zusammenhang mit E-Commerce und mit technology assessment hat es einige Forschung zum Aspekt Vertrauen in Online-Umgebungen gegeben, aber die „Chamäleon-artigen Eigenschaften“ von Vertrauen (Marsh und Dibben 2003, S. 487) haben gerade in der Informationswissenschaft das Thema offensichtlich noch nicht weit genug in den Vordergrund gerückt. Vielleicht, weil es zu sehr auf der noch immer zu wenig betrachteten subjektiven Seite des Informationsprozesses ist.

Unlike more technically oriented phenomena, trust resides within individuals and is inherently subjective. (Marsh und Dibben 2003, S. 487)

In der eher informationstechnologischen Praxis ist das Thema jedoch immer schon präsent. So sei an „trust“ als Schlussstein des Semantic Web Layer Cake von Tim Berners-Lee erinnert, zu dem er fatalistischerweise zugibt:

There is no engineering solution to the problem of trust (Berners-Lee et al. 2006, S. 66)

Der selbe Tim Berner-Lee bemüht sich derzeit um die Wiederherstellung von Vertrauen in das Internet durch die Ausrufung einer Art neuen Gesellschaftsvertrags à la Rousseau: „The contract for the Web“ (World Wide Web Foundation 2019) und als großer Hoffnungsschimmer für die Vertrauenskrise und vielleicht doch mögliche Engineering-Lösung scheint sich die Blockchain-Technologie abzuzeichnen (Rödig und Zalud 2019). Im Interface Design und in der Informationsvisualisierung scheint die Dringlichkeit des Themas schon länger erkannt worden zu sein (Gulati et al. 2017). Der Guru des Feldes, Ben Shneiderman, gab schon 2000 in seinen Principles and guidelines an, wie Vertrauen in Online-Systemen „kooperatives Verhalten“ der Nutzer fördern kann: seine beiden Grundprinzipien (neben sieben konkreten Guidelines) dabei sind: „Invite participation by ensuring trust“ und „Accelerate action by clarifying responsibility“ – Teilhabe, Verantwortung, Transparenz.

Um nur wenige weitere Einzelaspekte exemplarisch zu erwähnen: die Vertrauenswürdigkeit eines durch Algorithmen gebildeten Schlagworts in Bibliothekskatalogen wird neuerdings in MARC21 im Feld 883 mit $c = „Konfidenzwert“ auf einer Skala von null bis eins abgebildet, z. B.: „883 0 $81\p$amaschinell gebildet$c0,79204“. Die FAIR-Prinzipien des Forschungsdatenmanagements werden als Stärkung der Vertrauenswürdigkeit von Daten in der Reproduktionskrise (Siegfried 2021) verstanden und naturgemäß wird die Vertrauensfrage zunehmend im Hinblick auf autonome Systeme, künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge (vgl. AlHogail 2018) gestellt. All das zeigt, dass das Thema aufgegriffen wird, aber vielleicht immer noch nicht weit genug reflektiert ist.

In der Postfaktischen Gesellschaft (Hendricks und Vestergaard 2019) und einer Welt, geprägt durch die Zunahme von Dark Knowledge (Burnett und Lloyd 2020, Jeschke et al. 2019) wird die Frage nach der Wahrheit einer Aussage und des dokumentarischen Beweises von Fakten – also die Evidenzbasierung – offensichtlich immer dringlicher und notwendiger (Nguyen-Kim 2021). U. a. aus diesem Grund kann man in der Informationswissenschaft eine Rückbesinnung auf das klassische Konzept des Dokuments nicht nur mit Michael Buckland, Pédauque und der nordischen Dokumentologie (Skare et al. 2007) beobachten. In Anlehnung an die vu-lu-su Trias von Pédauque kann man herausarbeiten, welche Player bei der Produktion von Wahrheit und Evidenz mitwirken:

  1. VU: Produktion neuer Evidenzen und „Texte“ = „Verlagsfunktion“. Vertrauen tendiert in der Dynamik der Netzwerkökonomie zu Monopolisierung: Vertrauen in die funktionale Autorität (vgl. Luhmann 2014, S. 67)

  2. LU: Erhalt der physischen und mentalen Zugänglichkeit des Textes als Knoten im Netz („Bibliotheksfunktion“) mit drei Bestandteilen:

    1. (a) Referenz (Identifikation) = Gewährleistung des Zugangs zum Dokument: Verlässlichkeit

    2. (b) Verlässlichkeit auf Dauer („Archivfunktion“): Nachhaltigkeit. Vertrauen in den Zeitkanal

    3. (c) Verstehen der Evidenz („Kontextfunktion“) = Vertrauen in Wahrheit des Wissens

  3. SU: Bekanntmachung von „Evidenzen“ („Aufmerksamkeitsfunktion“). Kanten in der Netzwerkstruktur (=Reichweite der Glaubwürdigkeit: justified true belief): Vertrauen in das Netzwerk des eigenen Echoraumes

Insbesondere im Bereich der Zugänglichkeit als Teilfunktion der Wirklichkeitserfassung durch Wissenschaft und Bildung ändern sich die Bedingungen der Evidenzproduktion derzeit dramatisch und zwar so sehr, dass Rainer Kuhlen (2020) in der Beschreibung der Transformation der Informationsmärkte für die Verschiebung im Portfolio der Verlage vom content- zum research intelligence provider lieber das Akronym REP einführt, statt deutlich der Bibliotheksfunktion das Todesurteil „RIP“ auszusprechen.

Wenn allerdings in Umfragen wie bei ALMPUB und der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion deutlich wird, welches Vertrauen (noch) in die nachhaltigen und langfristig Wahrheit und Qualität garantierenden Institutionen wie Bibliotheken und Archive und Museen gesetzt wird, ergibt sich folgerichtig die daraus erwachsende Verantwortung, die auf unsere Institutionen zukommt.

Luhmann formuliert es drastisch, dass aus Vertrauen eine Verpflichtung entsteht – „Vertrauen erzieht“:

Vertrauen sammelt sich an als eine Art Kapital, das mehr Möglichkeiten zu weiterreichendem Handeln eröffnet, aber auch laufend benutzt und gepflegt werden muß und den Benutzer auf eine vertrauenswürdige Selbstdarstellung festlegt, von der er nur schwer wieder herunterkommt. [...] Die Vorteile des Vertrauens dienen als Instrument der Verpflichtung. Vertrauen erzieht. (Luhmann 2014, S. 84)

Eine verantwortliche Person ist jemand, dem man vertrauen kann, dass er oder sie seine bzw. ihre voraussichtliche Verantwortung erfüllen wird und seine oder ihre rückwirkende Verantwortung übernimmt, schreibt die Routledge Encyclopedia of Philosophy (Duff 1998). Das bedeutet aber vor allem auch, dass eine Reflexivität dieser Vertrauensbeziehung vorhanden sein muss. Man muss sich ihrer bewusst sein und darauf eingehen, damit arbeiten, z. B. durch Kundennähe und Transparenz, wie Shneiderman es fordert.

Die Unternehmensberaterin Claudia Nagel beschreibt die Übernahme von Verantwortung insbesondere in unsicheren Situationen als wesentlichen Aspekt der Unternehmenskultur. Allerdings ist Verantwortung nur auf der Basis von Vertrauen überhaupt erst möglich (Nagel 2004, S. 48). Die Zuschreibung von Verantwortung beinhaltet ebenso eine Risikominimierung wie der Vertrauensvorschuss durch die unsichere „Überziehung von Information“ ein Risiko eingeht. Vertrauende geben eigentlich Verantwortung ab. Dies ist bei Systemverantwortung und Vertrauen in funktionale Autoritäten umso bedeutungsvoller, weil eine mögliche Rechenschaft – ein Ver-antworten – ggf. wie man so schön sagt, einer Verantwortungsdiffusion unterliegt.

Das Wort „Verantwortung“ ist zwar seit dem 15 Jh. im Deutschen im Sinne von „Rechenschaft“ nachweisbar, aber in die politischen Terminologie wird es erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts im Englischen und dann im Französischen übernommen. Erst im 19. Jahrhundert wird daraus ein philosophischer Grundbegriff (Holl 2001). Zunächst in eher existenzialistisch-individualpsychologisch geprägt und später mit u. a. mit Husserl unter dem Aspekt „Selbstverantwortung in der Gemeinschaft“ in sozialer Perspektive. Insbesondere französische Philosophen wie Lévinas und Ricœur definieren Verantwortung vom Anderen, vom Gegenüber aus. „Parce que quelqu’un compte sur moi, je suis comptable de mes actions devant un autre“. Im Historischen Wörterbuch der Philosophie weist Holl darauf hin, dass Derrida mit seiner Methode der Dekonstruktion Verantwortung zusätzlich in einen Zeitbezug setzt (Sp. 568). Die Dekonstruktion als Praxis der Verantwortung gegenüber dem Gedächtnis und der Geschichte beschreibt Derrida ja einschlägig in seinem Essay „Dem Archiv verschrieben“ (frz. „Mal d’archive“ (Derrida 1997). In Deutschland ist die Diskussion um Verantwortung besonderes geprägt von Hans Jonas „Prinzip Verantwortung“ und Karl-Otto Apels „Diskursethik“, die beide Verantwortung für die Zukunft, also Nachhaltigkeit, mit einbeziehen. Erst unlängst betonte Herrmann Rösch in seinem Standardwerk zur Bibliotheks- und Informationsethik als Quintessenz zu Jonas:

Ethische Reflexion muss demnach intensiviert und um eine „Fernverantwortung“, eine „Zukunftsverantwortung“ erweitert werden, die auch die Konsequenzen für die zukünftige Menschheit mit in Betracht zieht. (Rösch 2021, S. 10)

Ähnlich wie bei Vertrauen besteht die Frage, ob ganzen Institutionen vertraut werden kann, oder ob das Mitglied einer Institution, für diese die Verantwortung mitträgt (Duff 1998). Für die Erfüllung von Aufgaben und Pflichten in einer Organisation ist jeder verantwortlich. Aber überträgt sich diese Verantwortung auch auf die Aufgabe und Pflichten der gesamten Organisation? Bin ich verantwortlich für das was mein Arbeitgeber macht oder nicht macht bzw. von mir fordert? Der Schweizer Vertrauensphilosoph, Martin Hartmann, weist wiederholt darauf hin, wie sehr sich Vertrauen in Institutionen am Handeln ihrer einzelnen Mitglieder kristallisiert (Hartmann 2020, S. 124) und in der verantwortungsethischen Diskussion wird stets betont, dass zwar „korporative moralische Verantwortung“ analytisch unterscheidbar sei, diese aber immer auf individuelle Verantwortung zu beziehen, wenn auch nicht auf diese zu „reduzieren“ sei (Lenk und Maring 2001, Sp. 573).

Aus dieser Position heraus wird klar, warum David Lankes in seinem berühmten Mission Statement des New Librarianship kein klassisch institutionelles Leitbild formuliert, sondern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verantwortung zieht:

The Mission of Librarians is to Improve Society through Facilitating Knowledge Creation in their Communities. (Lankes 2011, S. 14)

Herrmann Rösch weist jedoch darauf hin, dass in unserer komplexen Welt tatsächlich Systeme, Strukturen und Institutionen entstanden sind, „durch die der bzw. die Einzelne in seiner Entscheidungsfreiheit mindestens eingeschränkt ist.“ (Rösch 2021, S. 35), so dass Individual- und Institutionenethik komplementär zu sehen sind.

Und so verhält es sich mit der Demokratie. Auch sie ist keine individuelle Entscheidung, sondern gemeinschaftlich institutionalisiert. Sozial (gemeinschaftlich) generiertes und nachhaltig gemachtes Wissen hat demokratische Potenziale, aber nur wenn die damit betrauten Einrichtungen sich dessen bewusst sind, also verantwortlich handeln und „Stewardship“ übernehmen (Cope 2016). Diese Aufgabe wurde schon früh vor allem von OCLC den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren ins Stammbuch geschrieben (Lavoie und Malpas 2015) und auch der ehemalige ALA-Präsident Michael Gorman, dessen Keynote 2003 auf unserer IFLA-Satelliten-Konferenz in Potsdam ich noch ganz unter meiner eigenen damals noch eher neoliberalen Position („Bibliotheken sind marktorientierte Informationssysteme“) nicht so gut fand, erhebt Stewardship als einen der Grundwerte (enduring value) des bibliothekarischen Tuns (Gorman 2015). Bibliothekarinnen und Bibliothekare als Stewards, als Wächter über die Sicherheit, die Verantwortung übernehmen, nicht nur für das kulturelle Erbe, die Transmission von Wissen oder auch die Demokratie, sondern sogar für das Gemeinwohl als Ganzes. Gorman spricht in der Neuauflage seines Berufsbildmodells ohne Bezug auf David Lankes von „the Greater Good“, der Gemeinwohlorientierung, als übergreifendem Modus für Bibliotheken. Es handelt sich um eine verschärfte und aktive Form von Empathie und bezeichnet im Grunde das oft so bewitzelte „Gutmenschentum“ von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren auf ernsthafte Weise.

Im Management wird Stewardship definiert als

the extent to which an individual willingly subjugates his or her personal interests to act in protection of others’ long-term welfare. (Hernandez 2012, S. 174)

In Kulturerbeeinrichtungen ist der Begriff des Kurators schon länger in Gebrauch. Eher neu sind eingeführte Bezeichnungen wie die des data curators oder der Aufforderung, die Infosphäre zu kuratieren wie dies David Bawden und Lyn Robinson unlängst mit Hinblick auf Floridis Philosophy of Information als Mission Statement für information professionals forderten (Bawden und Robinson 2018). Auch Stewardship, als eine Art Vertiefung des Kuratierens, des bloßen „Ver-Sorgens“ (cura, lat.: die Sorge), nimmt allenthalben Einzug in unser Berufsfeld, sei es Data- oder als Digital Stewardship (Seidler und Grosser 2018, Altman et al. 2020), in der ganzen Breite informationswissenschaftlicher Handlungsfelder: von der Datenanalytik bis zur klassischen Bestandserhaltung oder der Frage der retrospektiven Verantwortung kolonialer Bestände in den Museen und Erinnerungsstätten.

Der Wert von Information oder gar Kultur wird in letzter Zeit unter dem Eindruck der Digitalisierung anders eingeschätzt und eben nicht mehr nur berechnet wie in den 1990er Jahren. Viel mehr rücken in das Blickfeld die Fragen des Gemeinwohls und des alltagspraktischen, gesellschaftlichen Zusammenleben (Fyffe 2015, Huizing und Cavanagh 2011). Auch in der breiteren gesellschaftlichen Debatte sind nicht erst seit der COVID-19-Pandemie die Fragen von Wertschätzung, Anerkennung, Sorge, Gemeinwohl und staatlicher Infrastruktur wieder hoffähig geworden (Stiegler 2008, Pelluchon 2019, Fukuyama 2019).

Könnte es sein, dass sich daraus das Kardinalprinzip gesellschaftlichen Handelns wiederbeleben lässt? Sprach Daniel Bell vom Wissen als dem Axialprinzip der Postindustriellen Gesellschaft erkennen wir vielleicht jetzt erst wieder, dass wir nicht nur eine solche Achse brauchen, um neue Produktionsmittel wie Daten oder Information zu erschließen (Stichwort: „Daten, das neue Öl der Wirtschaft“), sondern ihren Dreh- und Angelpunkt beachten müssen, mit den beiden Seiten Vertrauen und Verantwortung für Gemeinschaft und Gesellschaft als Herz und Motor ihrer Infrastruktur. Schon Sir Karl Popper bezeichnete vor allem die soziale, epistemologische Wissensinfrastruktur, als die Grundvoraussetzung der offenen Gesellschaft (Russ-Mohl 2017). Lässt eine Gemeinschaft die allgemein zugängliche Infrastruktur unterversorgt, so ergibt sich die bekannte Tragödie der Allmende.

Aus vielen Anzeichen der Wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Diskussion schöpfe ich die Hoffnung, dass Wandel zu verzeichnen ist. Dabei meine ich nicht einfach nur die „pauschale“ Kritik an Neoliberalismus und Kapitalismus, sondern das Entstehen neuer Wege und Möglichkeiten, wie sie z. B. Gesine Schwan mit einer erneuerten, an Teilhabe orientierten Subsidiaritätspolitik aufzeigt (Schwan 2021), der Österreicher Christian Felber mit seinem Vorschlag einer Gemeinwohl-Ökonomie (Felber 2020) oder die faszinierende Maja Göpel sie aus der Nachhaltigkeits- Ökonomie und Transformationsforschung anmahnt (Göpel 2020).

Wenn in dieser Renaissance-Bewegung der Community-Orientierung das deutsch-britische Kollektiv mit dem Namen „Fundamental-Ökonomie“ die Wiedereinrichtung von „Knotenpunkte[n] für das Gemeindeleben“ [fordert,] „in denen man kostenlos oder günstig sozialen Aktivitäten nachgehen kann“ (Froud et al. 2019, S. 241) – was sind dies anderes als die Dritten Orte der Bibliotheken, von denen Marie Oestergaard auf dem diesjährigen Next Library Festival vehement sagte, sie seien diedemocratic infrastructure“ par excellence.

Die empirischen Ergebnisse der ALMPUB-Studie zeigen jedoch zusätzlich, dass sie aufgrund ihres vergleichsweise sehr großen Vertrauensvorschusses in der Bevölkerung nicht nur der Ort, sondern auch der Zeitkanal der Nachhaltigkeit sind, die in Politik, Marktwirtschaft und öffentlicher Verwaltung so oft so schmerzlich vermisst wird.

Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass jeder und jede an der entsprechenden Stelle der ALM- oder GLAM-Domäne, ob als Leitung, Mitarbeiter, Personalentwickler oder auch in Studium und Ausbildung tatsächlich diese große Verantwortung wahrnimmt, die Gesellschaften – und, ja: auch den Planeten – vor Katastrophen zu bewahren.


**Der Text ist der Beitrag des Autors zu dem Symposium, das der Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam ihm zu Ehren anlässlich seiner Verabschiedung aus dem Hochschuldienst veranstaltete. Weitere Vortragende waren Ute Schwens, Andreas Degkwitz, Reinhard Altenhöner, Rainer Kuhlen, Claudia Lux, Christian Keitel und Michael Seadle. Alle Vorträge thematisierten die gesellschaftliche Verantwortung im breiten Berufsfeld von Archiven, Bibliotheken und der Informationswissenschaft auf allen Ebenen: von der Ausbildung bis zur Verbandsarbeit und der Leitung nationaler Institutionen. Das virtuelle Kolloquium wurde organisiert und moderiert von Rolf Däßler.


Über den Autor / die Autorin

Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm

Nach dem Studium in Köln und Paris (u. a. bei Jean Meyriat) war der Bibliotheks- und Informationswissenschaftler Hans-Christoph Hobohm bis 1995 Marketingleiter des Informationszentrums Sozialwissenschaften in Bonn. Von 1995 bis 2021 lehrte und forschte er an der Fachhochschule Potsdam mit den Schwerpunkten Bibliotheksmanagement, Wissensmanagement, Wissenschaftssoziologie und Informationsverhaltensforschung. Von 2008 bis 2011 war er Dekan des Fachbereichs Informationswissenschaften. 2010 bis 2021 leitete er dort bis zum Ende seiner Dienstzeit zusammen mit Rolf Däßler den konsekutiven Masterstudiengang „Informationswissenschaften“. Seit 2020 ist er Vorsitzender der Potsdamer Bibliotheksgesellschaft. Mehr in seinem Blog „LIS in Potsdam“: www.hobohm.info.

Literatur

AlHogail, Areej (2018): Improving IoT Technology Adoption through Improving Consumer Trust. In: Technologies 6 (3(64)), S. 1–17. DOI: 10.3390/technologies6030064.10.3390/technologies6030064Suche in Google Scholar

Altman, Micah; Cariani, Karen; Daigle, Bradley; Moffatt, Christie; Schaefer, Sibyl; Scott, Bethany; Work, Lauren (2020): 2020 NDSA Agenda for Digital Stewardship. Alexandria, VA: NDSA. Online verfügbar unter https://osf.io/ceyad/.Suche in Google Scholar

Audunson, Ragnar; Aabø, Svanhild; Blomgren, Roger; Evjen, Sunniva; Jochumsen, Henrik; Larsen, Håkon et al. (2019a): Public libraries as an infrastructure for a sustainable public sphere. A comprehensive review of research. In: Journal of Documentation 75 (4), S. 773–790. DOI: 10.1108/JD-10-2018-0157.10.1108/JD-10-2018-0157Suche in Google Scholar

Audunson, Ragnar; Aabø, Svanhild; Blomgren, Roger; Hobohm, Hans-Christoph; Jochumsen, Henrik; Khosrowjerdi, Mahmood et al. (2019b): Public libraries as public sphere institutions. A comparative study of perceptions of the public library's role in six European countries. In: Journal of Documentation 75 (6), 1396-1415. DOI: 10.1108/JD-02-2019-0015.10.1108/JD-02-2019-0015Suche in Google Scholar

Audunson, Ragnar; Andresen, Herbjørn; Fagerlid, Cicilie; Henningsen, Erik; Hobohm, Hans-Christoph; Jochumsen, Henrik et al. (Hg.) (2020): Libraries, archives and museums as democratic spaces in a digital age. Berlin: De Gruyter Saur.10.1515/9783110636628Suche in Google Scholar

Bawden, David; Robinson, Lyn (2018): Curating the infosphere: Luciano Floridi's Philosophy of Information as the foundation for Library and Information Science. In: Journal of Documentation 74 (1), 2-17. DOI: 10.1108/JD-07-2017-0096.10.1108/JD-07-2017-0096Suche in Google Scholar

Berners-Lee, Tim; Weitzner, Daniel J.; Hall, Wendy; O'Hara, Kieron; Shadbolt, Nigel; Hendler, James A. (2006): A Framework for Web Science. In: Foundations and Trends in Web Science 1 (1), S. 1–130. DOI: 10.1561/1800000001.10.1561/1800000001Suche in Google Scholar

Burnett, Simon; Lloyd, Annemaree (2020): Hidden and forbidden. Conceptualising Dark Knowledge. In: Journal of Documentation 76 (6), S. 1341–1358. DOI: 10.1108/JD-12-2019-0234.10.1108/JD-12-2019-0234Suche in Google Scholar

Cope, Jonathan (2016): The Labor of Informational Democracy. A Library and Information Science Framework for Evaluating the Democratic Potential in Social-Generated Information. In: Bharat Mehra und Kevin Rioux (Hg.): Progressive community action. Critical theory and social justice in library and information science. Sacramento, CA: Library Juice Press, S. 75–118.Suche in Google Scholar

Derrida, Jacques (1997): Dem Archiv verschrieben. Eine Freudsche Impression. Berlin: Brinkmann + Bose.Suche in Google Scholar

Duff, R. A. (1998): Responsibility. In: Routledge Encyclopedia of Philosophy. London: Routledge.Suche in Google Scholar

Ernst, Wolfgang (2018): Die Unwahrscheinlichkeit von Wissenstradition und die Beharrlichkeit der Bibliothek. In: Bibliothek. For-schung und Praxis 42 (2 spec. issue: „Next Library Science“, hrsg. v. H.-Chr. Hobohm), S. 379–386. DOI: 10.1515/bfp-2018-0038.10.1515/bfp-2018-0038Suche in Google Scholar

Felber, Christian (2020): Gemeinwohl-Ökonomie. Eine demokratische Alternative. 5. Aufl. München: Piper.Suche in Google Scholar

Fichtelius, Erik; Enarson, Eva; Hansson, Krister; Klein, Jesper; Persson, Christina (Hg.) (2018): Den femte statsmakten. Bibliotekens roll för demokrati, utbildning, tillgänglighet och digitalisering. Stockholm, Malmö: Kungliga biblioteket, Nationell biblioteksstrategi; Holmbergs.Suche in Google Scholar

Floridi, Luciano (2010): Information. A very short introduction. Oxford, New York: Oxford University Press.10.1093/actrade/9780199551378.001.0001Suche in Google Scholar

Foucault, Michel (2005): Die Heterotopien. Zwei Radiovorträge ; [7. und 21. Dezember 1966]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Zweisprachige Ausg.).Suche in Google Scholar

Froud, Julie; Moran, Michael; Johal, Sukhdev; Salento, Angelo; Streeck, Wolfgang; Williams, Karel (2019): Foundational Economy Collective: Die Ökonomie des Alltagslebens. Für eine neue Infrastrukturpolitik. Berlin: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 2732).Suche in Google Scholar

Fukuyama, Francis (2019): Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet. Unter Mitarbeit von Bernd Rullkötter. Hamburg: Hoffmann und Campe.10.31244/zep.2019.02.09Suche in Google Scholar

Fyffe, Richard (2015): The Value of Information. Normativity, Epistemology, and LIS in Luciano Floridi. In: portal: Libraries and the Academy 15 (2), S. 267–286. DOI: 10.1353/pla.2015.0020.10.1353/pla.2015.0020Suche in Google Scholar

Glatz, Christoph; Eder, Anja (2020): Patterns of Trust and Subjective Well-Being Across Europe. New Insights from Repeated Cross-Sectional Analyses Based on the European Social Survey 2002–2016. In: Social Indicators Research 148 (2), S. 417–439. DOI: 10.1007/s11205-019-02212-x.10.1007/s11205-019-02212-xSuche in Google Scholar

Göpel, Maja (2020): Unsere Welt neu denken. Eine Einladung. Berlin: Ullstein.Suche in Google Scholar

Gorman, Michael (2015): Our Enduring Values Revisited. Librarianship in an Ever-Changing World. Chicago: American Library Association.Suche in Google Scholar

Gulati, Siddharth; Sousa, Sonia; Lamas, David (2017): Modelling Trust. An Empirical Assessment. In: Regina Bernhaupt, Girish Dalvi, Anirudha Joshi, Devanuj K. Balkrishan, Jacki O’Neill und Marco Winckler (Hg.): 16th. IFIP Conference on Human-Computer Interaction – INTERACT 2017. Sep. 2017, Bombay, India. Cham: Springer International Publishing (10516), S. 40–61.10.1007/978-3-319-68059-0_3Suche in Google Scholar

Hansson, Joacim (2021): Libraries, Archives and Museums as Democratic Spaces in a Digital Age. Audunson Ragnar, Andresen Herbjørn, Fagerlid Cicilie, Henningsen Erik, Hobohm Hans‐Christoph, Jochumsen Henrik, Larsen Håkon, Vold Tonje (Eds.). Berlin: Walter de Gruyter GmbH, 2020. (ISBN 978‐3‐11‐062954‐5). Rezension. In: Journal of the Association for Information Science and Technology 72 (early cite). DOI: 10.1002/asi.24527.10.1002/asi.24527Suche in Google Scholar

Hartmann, Martin (2020): Vertrauen. Die unsichtbare Macht. Originalausgabe. Frankfurt am Main: S. Fischer.Suche in Google Scholar

Hendricks, Vincent F.; Vestergaard, Mads (2019): Reality Lost. Markets of Attention, Misinformation and Manipulation. Cham: Springer.10.1007/978-3-030-00813-0Suche in Google Scholar

Hernandez, Morela (2012): Toward an Understanding of the Psychology of Stewardship. In: Academy of Management Review 37 (2), S. 172–193. DOI: 10.5465/amr.2010.0363.10.5465/amr.2010.0363Suche in Google Scholar

Hobohm, Hans-Christoph (1999): Was Bibliotheken wert sind. Die wirtschaftliche Bedeutung der Bibliothek und ihre Ausrichtung auf die Informationsgesellschaft. In: Buch und Bibliothek 50, S. 36–43.Suche in Google Scholar

Hobohm, Hans-Christoph (2005): Bibliothek als Zensur. In: Gerhard Hacker und Torsten Seela (Hg.): Bibliothek leben. Das deutsche Bibliothekswesen als Aufgabe für Wissenschaft und Politik. Festschrift für Engelbert Plassmann zum 70. Geburtstag. Wiesbaden: Harrassowitz, S. 66–79.Suche in Google Scholar

Holl, J. (2001): Verantwortung. I. In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel: Schwabe Verlag (Band 11: U-V), Sp. 566–569.Suche in Google Scholar

Huizing, Ard; Cavanagh, Mary (2011): Planting contemporary practice theory in the garden of information science. In: Information Research 16 (4). Online verfügbar unter http://informationr.net/ir/16-4/paper497.html.Suche in Google Scholar

Jeschke, Jonathan M.; Lokatis, Sophie; Bartram, Isabelle; Tockner, Klement; Klenk, Nicole L. (2019): Knowledge in the dark. Scientific challenges and ways forward. In: FACETS 4 (1), S. 423–441. DOI: 10.1139/facets-2019-0007.10.1139/facets-2019-0007Suche in Google Scholar

Jochumsen, Henrik (2018): How to Qualify the Debate on the Public Library by the Use of Research-Developed Tools. In: Bibliothek Forschung und Praxis 42 (2 – Themenheft „Next Library Science“ hrsg.v. H.-C. Hobohm), S. 344–350. DOI: 10.1515/bfp-2018-0041.10.1515/bfp-2018-0041Suche in Google Scholar

Karnick, Nora; Simonson, Julia; Tesch-Römer, Clemens (2021): Einstellungen gegenüber gesellschaftlichen Institutionen und der Demokratie. In: Julia Simonson, Corinna Kausmann und Clemens Tesch-Römer (Hg.): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Der Deutsche Freiwilligensurvey 2019. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen, S. 252–275.10.1007/978-3-658-35317-9_1Suche in Google Scholar

Kavanagh, Jennifer; Rich, Michael D. (2018): Truth decay. An initial exploration of the diminishing role of facts and analysis in American public life. Santa Monica, Calif.: RAND Corporation.10.7249/RR2314Suche in Google Scholar

Klinenberg, Eric (2018): Palaces for the people. How social infrastructure can help fight inequality, polarization, and the decline of civic life. New York: Crown.Suche in Google Scholar

Kuhlen, Rainer (1999): Die Konsequenzen von Informationsassistenten. Was bedeutet informationelle Autonomie oder wie kann Vertrauen in elektronische Dienste in offenen Informationsmärkten gesichert werden? Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 1443).Suche in Google Scholar

Kuhlen, Rainer (2020): Die Transformation der Informationsmärkte in Richtung Nutzungsfreiheit. Alternativen zur Als-ob-Regulierung im Wissenschaftsurheberrecht. Berlin: De Gruyter Saur (Age of access? – Grundfragen der Informationsgesellschaft, 12). Online verfügbar unter https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110693447/html.10.1515/9783110693447Suche in Google Scholar

Lankes, R. David (2011): The atlas of new librarianship. Cambridge, Mass: MIT Press.10.7551/mitpress/8755.001.0001Suche in Google Scholar

Lankes, R. David (2017): Erwarten Sie mehr. Verlangen Sie bessere Bibliotheken für eine komplexer gewordene Welt. Hrsg. und mit einem Vorwort von Hans-Christoph Hobohm. Unter Mitarbeit von Erdmute Lapp und Willi Bredemeier. Übers. von „Expect more“ 2. Aufl. 2016. Berlin: Simon Verlag für Bibliothekswissen (Reihe Bibliotheksforschung).Suche in Google Scholar

Lavoie, Brian; Malpas, Constance (2015): Stewardship of the Evolving Scholarly Record. From the Invisible Hand to Conscious Coordination. OCLC Research. Dublin, Ohio.Suche in Google Scholar

Lenk, H.; Maring, M. (2001): Verantwortung. II. In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer und Gottfried Gabriel (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel: Schwabe Verlag (Band 11: U-V), 569-575.Suche in Google Scholar

Luhmann, Niklas (2014): Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. 5. Aufl. Konstanz: UVK (UTB Soziologie, 2185).10.36198/9783838540047Suche in Google Scholar

Marsh, Stephen; Dibben, Mark R. (2003): The Role of Trust in Information Science and Technology. In: Annual Review of Information Science and Technology 37, S. 465–498.10.1002/aris.1440370111Suche in Google Scholar

Nagel, Claudia (2004): Vertrauen und Verantwortung. Zwei Säulen der Unternehmenskultur. Ein 10-Punkte-Programm. In: Rupert Lay und Claudia Nagel (Hg.): Vertrauen und Verantwortung. Verlust und Wiedergewinnung. Büdingen: Ronneburger Kreis, S. 29–99.Suche in Google Scholar

Nguyen-Kim, Mai Thi (2021): Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit. Wahr, falsch, plausibel? : die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft. München: Dromer.Suche in Google Scholar

Oldenburg, Ray (2001): Celebrating the third place. Inspiring stories about the “great good places” at the heart of our communities. New York: Marlowe & Co.Suche in Google Scholar

Pelluchon, Corine (2019): Ethik der Wertschätzung. Tugenden für eine ungewisse Welt. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Suche in Google Scholar

Precht, Richard David (2021): Von der Pflicht. Eine Betrachtung. München: Goldmann.Suche in Google Scholar

Rödig, Philipp; Zalud, Jennifer (2019): Blockchain – facilitator of trust or substitute. Masterthesis in Business Administration. Jönköping University, Jönköping. International Business School.Suche in Google Scholar

Rösch, Hermann (2021): Informationsethik und Bibliotheksethik. Grundlagen und Praxis. Berlin: De Gruyter Saur (Bibliotheks- und Informationspraxis, 68).10.1515/9783110522396Suche in Google Scholar

Russ-Mohl, Stephan (2017): Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet. Köln: Herbert von Halem Verlag.Suche in Google Scholar

Salaün, Jean-Michel (2018): Die drei Dimensionen des Dokuments und ihre Auswirkungen auf die Bibliotheks- und Informationswissenschaft. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 42 (2 – spec. issue: „Next Library Science“, hg. v. H.-C. Hobohm), 351-356. DOI: 10.18452/18962.10.1515/bfp-2018-0039Suche in Google Scholar

Schwan, Gesine (2021): Politik trotz Globalisierung. Darmstadt: wbg Theiss.Suche in Google Scholar

Seidler, Larissa; Grosser, Timm (2018): Data Stewardship. Wegbereiter für Analytik. Würzburg: BARC.Suche in Google Scholar

Shneiderman, Ben (2000): Designing trust into online experiences. In: Communications of the ACM 43 (12), S. 57–59.10.1145/355112.355124Suche in Google Scholar

Siegfried, Doreen (2021): German Reproducibility Network gestartet. Vertrauenswürdigkeit und Transparenz in wissenschaftlicher Forschung fördern. Pressemitteilung. In: Bibliotheksdienst 55 (5-6), S. 312–314.Suche in Google Scholar

Skare, Roswitha; Lund, Niels Windfeld; Varheim, A. (Hg.) (2007): A document (re)turn. Contributions from a research field in transition. Frankfurt am Main: Lang.Suche in Google Scholar

Stiegler, Bernard (2008): Die Logik der Sorge. Verlust der Aufklärung durch Technik und Medien. Frankfurt am Main: Suhrkamp (edition unseld, 6).Suche in Google Scholar

World Wide Web Foundation (2019): Contract for the Web. Unter Mitarbeit von Tim Berners-Lee und anderen. Online verfügbar unter https://contractfortheweb.org [19.04.2021]. Suche in Google Scholar

Online erschienen: 2021-11-11
Erschienen im Druck: 2022-01-14

© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Heruntergeladen am 4.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/iwp-2021-2184/html
Button zum nach oben scrollen