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Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Informationswissenschaften

Fachsymposium und feierliche Verabschiedung von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm aus dem aktiven Dienst an der FH Potsdam
  • Rolf Däßler

    FH Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

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    and Antje Michel

    FH Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

Published/Copyright: January 19, 2022

Aus Anlass der Verabschiedung von Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm aus der aktiven Lehr- und Forschungstätigkeit an der Fachhochschule Potsdam fand am 25. Juni 2021 ein Online-Fachsymposium mit ausgewählten Beiträgen zum Thema „Zur gesellschaftlichen Verantwortung der Informationswissenschaften“ statt. Im Anschluss an das Fachsymposium wurde Hans-Christoph Hobohm durch eine Laudatio gewürdigt und von der Hochschulleitung aus dem aktiven Dienst verabschiedet.

Dieser Beitrag berichtet in Wort und Bild über die Gesamtveranstaltung. Vor allem würdigt er das Wirken des geschätzten Kollegen und bietet einen Nachhall auf die Verabschiedung einer der prägenden Persönlichkeiten des bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Fachdiskurses in den letzten Jahrzehnten in Deutschland.

Der Fachbereich Informationswissenschaften an der FH Potsdam vertritt seit seiner Gründung eine integrative und spartenübergreifende Sicht in Lehre, Forschung und Transfer. Interdisziplinarität in der Informationswissenschaft – an der FHP im Plural – wird im „Potsdamer Modell“ durch ein integratives Studienangebot in den Sparten „Archiv“, „Bibliothekswissenschaft“ und „Informations- und Datenmanagement“ sowie einem integrativen Masterstudiengang „Informationswissenschaften“ gelebt. Es wird gelebt durch kooperative Forschungs- und Transferaktivitäten im Fachbereich sowie durch fachbereichsübergreifende, interdisziplinäre Projekte und das transdisziplinäre Wirken der Potsdamer Informationswissenschaftlerinnen und Informationswissenschaftler in die Praxis. Wie kein anderer hat Hans-Christoph Hobohm in den letzten Jahrzehnten diesen Gedanken geprägt und durch sein Wirken am Fachbereich maßgeblich befördert. Hierbei war für ihn die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Informationswissenschaft und -praxis stets erkenntnis- und handlungsleitend.

Das Fachsymposium

Eine zentrale Frage für Institutionen, Wissenschaft, Berufspraxis und Ausbildung ist die nach der Verantwortung und der gesellschaftlichen Tragweite ihres Handelns. Dieses Thema knüpft direkt an eine Vorlesungsreihe aus den Anfängen des Fachbereiches an, in der es um die Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft ging und die ihren Höhepunkt in einem der letzten Auftritte von Joseph Weizenbaum fand.

Wegen der Dynamik der gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen und Umbrüche ist es stets erforderlich, die Rolle der Informationswissenschaften und ihrer Trägereinrichtungen in einer informations- und wissensorientierten Gesellschaft neu zu hinterfragen und unter Umständen auch neu zu definieren. Das Symposium konnte dazu unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Verantwortung neue Sichten und Einsichten geben.

Das Fachsymposium gestalteten mit Kurzbeiträgen von jeweils 15 Minuten Ute Schwens, Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main mit einer einleitenden Keynote, Prof. Dr. Claudia Lux, Honorarprofessorin an der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Rainer Kuhlen, emeritierter Professor der Universität Konstanz, Prof. Dr. Michael Seadle, emeritierter Professor der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin und Vorsitzender des Deutschen Bibliotheksverbandes, Prof. Dr. Christian Keitel, stellvertretender Abteilungsleiter im Landesarchiv Baden-Württemberg, Reinhard Altenhöner, ständiger Vertreter der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin / Preußischer Kulturbesitz und

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          Nur wenige Kolleginnen und Kollegen durften das Fachsymposium zusammen mit Hans-Christoph Hobohm im Hörsaal der FH Potsdam verfolgen (Foto: FH Potsdam).
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Nur wenige Kolleginnen und Kollegen durften das Fachsymposium zusammen mit Hans-Christoph Hobohm im Hörsaal der FH Potsdam verfolgen (Foto: FH Potsdam).

Prof. Dr. Hans-Christoph Hobohm, emeritierter Professor an der FH Potsdam.

Das Fachsymposium war als hybride Veranstaltung konzipiert. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen der pandemiebedingten Umgangsverordnung des Landes Brandenburg konnten lediglich 14 Personen zusammen mit Hans-Christoph Hobohm vor Ort in der FH Potsdam an der Veranstaltung teilnehmen. Bis zu 200 Personen wohnten dem Fachsymposium sowie der feierlichen Verabschiedung zusätzlich virtuell bei. Diese große Resonanz aus der Fachwelt und die Teilnahme vieler Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter von Hans-Christoph Hobohm beweisen nicht nur ein lebhaftes Interesse an den Standortbestimmungen der Bibliotheks- und Informationswissenschaft(en), sondern auch die überaus große Wertschätzung, die dem Kollegen, Hochschullehrer, Transferpartner, Forscher und Intellektuellen Hans-Christoph Hobohm entgegen gebracht werden.

Im einleitenden Vortrag „Informationseinrichtungen als wichtige Bausteine der Gesellschaft“ thematisierte Frau Schwens, dass Bibliotheken zusammen mit weiteren verwandten Kultureinrichtungen nicht nur Gedächtnisinstitutionen, sondern aktive Orte der kulturellen Bildung sowie des Lernens und Forschens und der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen sind und damit als eine Plattform zum Austausch Demokratie und Meinungsfreiheit unterstützen. Ihre Arbeit und Funktion sind dabei spartenübergreifend auf neue Technologien, zukunftsgewandte Medien und Formate und zeitgemäße Kommunikationswege ausgerichtet, die durch eine entsprechende, angepasste Arbeit in den Ausbildungseinrichtungen der Informationswissenschaften unterstützt werden.

Der zweite Beitrag von Prof. Dr. Degkwitz „Öffentliche Bibliotheken 2025 (ÖB 2025). Leitlinien für die Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken“ schloss sich thematisch nahtlos an die Keynote an. Auch Degkwitz betonte, dass öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken Ankerinstitutionen unserer Demokratie sind, die von den demokratischen Werten unseres Grundgesetzes geprägt sind. Weiterhin führte er aus, dass sie mit ihren Angeboten den nicht-kommerziellen, offenen Zugang zu Information, Medien, Kompetenzen, Räumen und Kommunikation ermöglichen. Bibliotheken sind dabei unverzichtbare Institutionen für eine offene, pluralistische Gesellschaft, deren politische Kultur und gesellschaftlicher Konsens auf Akzeptanz und Respekt der Auffassungen und Meinung anderer beruhen. Als am meisten besuchte Bildungs- und Kultureinrichtungen seien Bibliotheken Hot Spots und tolle Erlebniswelten, die jede und jeden begeistern.

In seinem Beitrag „Zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und dem Anforderungsdruck des Berufsfeldes – Perspektiven der Ausbildung von Bibliothekar*innen“ beleuchtete Reinhard Altenhöner die veränderten Anforderungen an Bibliotheken und die sich daraus ergebenden Erwartungen an die Hochschulen. Die veränderte Auftragssituation der Bibliotheken führe nicht nur zum Ausbau digitaler Dienste, sondern basiere auch auf einem veränderten Verständnis von Nutzenden als aktive, unmittelbare Partnerinnen und Partner vor Ort, die mit den dort Beschäftigten die Bibliothek gemeinsam bilden und tagtäglich neu entwickeln. Dafür bedürfe es einer ganzheitlichen Ausbildung, die dazu befähige, sich auf der Basis eines guten technischen Grundverständnisses schnell und immer wieder neue Methoden, Techniken und Vorgehensmodelle zu erarbeiten sowie erprobte Projekt- und Teamkompetenz zu vermitteln.

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          Hans-Christoph Hobohm bei seinem Vortrag (Foto: FH Potsdam).
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Hans-Christoph Hobohm bei seinem Vortrag (Foto: FH Potsdam).

Im Beitrag „Vertrauen und Verantwortung als Kardinalprinzipien der Informations-Infrastruktur“ bezog Prof Dr. Hans-Christoph Hobohm sich zunächst auf die Ergebnisse von Umfragen zum Stellenwert von Archiven, Bibliotheken und Museen für die Demokratie in der Digitalität, die im Rahmen des europäischen Projekts ALMPUB durchgeführt wurden. Sie zeigen, dass diese Informations- und Kulturerbe-Institutionen im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Einrichtungen ein außerordentlich hohes Vertrauen in der Bevölkerung genießen. Er arbeitete die Konsequenzen aus dieser Beobachtung heraus und folgert, dass den Informationseinrichtungen i. w. S. eine hohe gesellschaftliche Verantwortung zufällt. Außerdem konstatierte er, dass das komplementäre Themenfeld „Vertrauen und Verantwortung“ in der Informationswissenschaft noch Forschungs- und Reflexionsdesiderate aufweist.[1]

Nach einer Pause ging es im Beitrag von Prof. Dr. Rainer Kuhlen um die Frage „Informationspathologien und -anomalien – invers zu Information?“. Prof. Kuhlen benannte unter „Informationspathologien“ (IP) in erster Linie Informationsprobleme wie Desinformation, Misinformation, Fehlinformation, Fake News, Deep Fake oder Hoax. Für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft wird dabei durch die Informationspathologie zum einen die theoretische Debatte um das Informationsverständnis – in der Spannung zwischen einem semantischen und einem pragmatischen Verständnis von Information – neu eröffnet und zum anderen weitet sich aufgrund der universalen IP-Phänomene ihr traditioneller Gegenstandsbereich, die Fachinformation, ohne feststehende Grenzen aus.

Einen anderen Aspekt brachte anschließend Prof. Dr. Claudia Lux mit ihrem Beitrag „Menschenrechte und Informationswissenschaft in einer digitalen Gesellschaft: Eine Anregung an die Informationswissenschaft, nur Fragen – keine Antworten“ in die Diskussion ein, indem sie ausgehend von Zitaten von Hans-Christoph Hobohm zu Menschenrechten und zur Künstlichen Intelligenz die Frage stellte, ob Menschenrechte in Bezug auf Online-Überwachung und KI thematischer Teil des Curriculums in den Informationswissenschaften sein sollten? Weiter, ob es nicht einen dringenden Bedarf an der Diskussion um Menschenrechte gibt, wenn die EU-Kommission Ethik-Leitlinien zur Künstlichen Intelligenz in einer Digitalstrategie veröffentlicht oder ein humanoider Roboter in Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft erhält. Oder sollte eine KI mit einem positiven ethischen Code versehen werden, damit sie dem Menschen nicht gefährlich wird? Sollten, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, KI-Systeme Rechte wie Organisationen bekommen, damit sie am Markt, wie aktuell im Finanzbereich, selbstverantwortlich teilnehmen können? Frau Lux merkte abschließend an: die Diskussion hat begonnen und die Bibliotheks- und Informationswissenschaften müssen sich nun auch zu diesem Thema positionieren.

Prof. Dr. Christian Keitel nahm danach zur Frage „Die gesellschaftliche Relevanz der Archivwissenschaft“ Stellung. Er empfahl, Archive als Einrichtungen zu verstehen, die Dokumente und Informationen langfristig erhalten. Eine so ausgerichtete Archivwissenschaft umfasst alle Archive, klassische, auf Verwaltungen bezogene genauso wie z. B. Nationalbibliotheken als Bibliotheksarchive, Ar

Abbildung 3 
          Immer wieder kommentierte Hans-Christoph Hobohm oder dankte für die anlässlich seiner Verabschiedung vorgetragenen Gedanken (Foto: FH Potsdam).
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Immer wieder kommentierte Hans-Christoph Hobohm oder dankte für die anlässlich seiner Verabschiedung vorgetragenen Gedanken (Foto: FH Potsdam).

chive der Wetterdienste oder die Archive der Bürgerinnen und Bürger, die ihre digitalen Memorabilien erhalten möchten. Während das gesellschaftliche Interesse und die Zahl der nicht besetzbaren, offenen Stellen ständig ansteigt, bieten nur die FH Potsdam und die Archivschule Marburg eine qualifizierte Ausbildung für künftige Archivarinnen und Archivare an. Prof. Dr. Keitel schlussfolgerte, dass das auf die Dauer zu wenig sein dürfte.

Prof. Dr. Michael Seadle ging schließlich auf die aktuelle Situation der „Wissenschaft und Bibliotheken in der Zeit von Covid“ ein. Er betonte, dass durch die Bibliotheken mithilfe der Erweiterung oder Umstellung auf digitale Dienstleistungen und Angebote die Informationsversorgung in Wissenschaft und Gesellschaft umfassend aufrechterhalten werden konnte. Dieses gelte es auch in der Zukunft sicherzustellen und auszubauen.

Während des Symposiums ergaben sich neben oftmals zustimmenden Beiträgen aus dem Auditorium auch eine Reihe von Fragen, die via Chat gestellt und durch die Vortragenden beantwortet wurden. Prof. Kuhlen wurden Fragen zum Verhältnis von Informationsasymmetrie und Informationspathologie gestellt und gefragt, wie wissenschaftliche Bibliotheken, die (Fach)Wissenschaften und öffentliche Bibliotheken der Gesellschaft die komplexen Konzepte der Philosophy of Information vermitteln können. Eine zum Teil kontroverse Diskussion entbrannte zum Wahrheitscharakter von Information und zur Frage, ob die Informationswissenschaften den Wahrheitsgehalt von Informationen bewerten können. Hier wurde in der Diskussion vor allem auf methodische Ansätze der Informationswissenschaften verwiesen, die es ermöglichen, Informationen zu bewerten. Zur von Prof. Lux aufgeworfenen Thematik Ethik und KI waren sich Vortragende und Auditorium weitgehend einig, dass die Informationswissenschaften im Vergleich zu anderen Wissenschaften prädestiniert sind, dieses Thema aufzugreifen und in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen.

Feierliche Verabschiedung

Die feierliche Verabschiedung von Hans-Christoph Hobohm wurde eingeleitet mit einer Laudatio der Kollegin Prof. Dr. Vivien Petras. Es folgte eine Würdigung durch die Dekanin des Fachbereichs Informationswissenschaften, Prof. Dr. Ellen Euler. Den feierlichen Abschluss fand der aktive Dienst von Hans-Christoph Hobohm als Professor des Fachbereichs Informationswissenschaften mit der Urkundenübergabe durch die Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Internationales, Prof. Dr. Karin Schwarz, die als Professorin mit der Denomination Archivwissenschaft eine langjährige Kollegin am Fachbereich ist.

Vivien Petras würdigt Hans-Christoph Hobohm in ihrer fachlich pointierten und warmherzigen Laudatio als „einen der prominentesten Vertreter des Fachs in Deutschland“.[2] Sie zeichnet das Portrait eines unermüdlichen, feurigen und außerordentlich produktiven, interdisziplinären Wissenschaftlers mit enormer fachlicher Breite, jedoch einem konsequenten Fokus auf der Reflexion von Umwelt und dem eigenen Standpunkt. Sie leitet ihre Laudatio ein mit der Nachzeichnung des Lebenswegs des Laureaten vom Lehramtsstudium für Französisch und Deutsch sowie dem Aufbaustudium Bibliothekswissenschaft an der Universität zu Köln Anfang der 1980iger Jahre über Forschungsaufenthalte in Frankreich und der Ausbildung seiner soziologischen und sozialhistorischen Forschungsinteressen, der interdisziplinären Promotion zum Thema ‚Roman und Zensur zu Beginn der Moderne: Vermessung eines sozio-poetischen Raumes‘ an der Universität zu Köln im Jahre 1990 bis hin zu den beruflichen Stationen am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Stuttgart, dem Informationszentrum für Sozialwissenschaften (heute GESIS–Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Bonn) Anfang der 1990iger Jahre und schließlich seiner Berufung als Professor für Bibliothekswissenschaft an der Fachhochschule Potsdam im Jahr 1995.

Petras würdigt die Forschungs- und Publikationsaktivitäten eines produktiven Wissenschaftlers, der fachlich „in einer Themenvielfalt, die seinesgleichen sucht“ forsche und publiziere und in über 30 Jahren Forschungstätigkeit fast 140 Publikationen sowie als Herausgeber rund 20 Monografien und Reihen veröffentlicht habe. Sie hebt aus der beeindruckenden thematischen Breite Hobohms Publikationen zum Bibliotheksmanagement, der ethischen Auseinandersetzung mit Bibliothek und Bibliothekswissenschaft sowie der institutionellen und programmatischen Verankerung von Bibliotheken in der Gesellschaft hervor und skizziert damit – mit Seliger und Nix (2021)[3] – wichtige Eckpfeiler seines erkenntnistheoretischen Standorts als „Betrachter des Ganzen“.

Sind bereits Hans-Christoph Hobohms Forschungs- und Publikationsaktivitäten in ihrer Breite schwer zusammen zu fassen, lässt sein außerordentlich vielfältiges Engagement in Lehre, Betreuung, Curriculumsentwicklung und Weiterbildung einen summativen Blick fast gar nicht zu. Vivien Petras zitiert hier einen privaten Abschiedsgruß eines langjährigen Kollegen an der FH Potsdam, Prof. Dr. Stephan Büttner: „Hans-Christoph Hobohm vermag es (und tat es auch!), so gut wie alle bibliothekarischen Fächer zu lehren“ (Büttner nach Petras 2021). Die Perspektive auf das Neue, das Kommende sei sein Antrieb, bemerkt Petras. Kristallisationspunkt seiner Aktivitäten in Forschung, Publikation, Lehre und Weiterbildung sei stets die Förderung der Institution ,Bibliothek‘, würdigt Petras die Bibliothekarsarbeit des Laureaten. Auch hier stünde die (selbst)reflexive Standortbestimmung von Bibliotheken als „gesellschaftliche Partner in gemeinsamen Wissensproduktionsprozessen“ im Fokus seiner nationalen und internationalen Gremienarbeit in IFLA, HI, DGI, VDB, BIB, ASpB und DVB. Petras schließt mit einem persönlichen Dank an einen langjährigen Lehrbeauftragten des IBI, der „Generationen von Studierenden geprägt, gestützt und gefördert“ habe und dessen „unermüdliches Engagement“ (Petras 2021) für die bibliotheks- und informationswissenschaftliche Disziplin sowie für die bibliothekarische Profession für sie ebenso wie für uns alle ein Vorbild sei. – Dem ist nichts hinzuzufügen.

Anschließend wurden die langjährigen und vielfältigen Impulse, die Hans-Christoph Hobohm für die programmatische und organisatorische Weiterentwicklung von Hochschule, Fachbereich und Studiengängen geleistet hat, durch Dekanin und Vizepräsidentin gewürdigt. Auch dabei wurde sehr offensichtlich, dass zu diesem Anlass nicht nur ein außerordentlich engagierter, beliebter und begnadeter Lehrender, sondern auch ein kreativer, erfolgreicher Forscher und ein ebenso überzeugter wie überzeugender Motor für den Theorie-Praxistransfer verabschiedet werden musste. Hochschulpolitisch wichtige Funktionen als Dekan, Studiengangleiter, Fachbereichsratsvorsitzender und temporärer Forschungsprofessor hat Hans-Christoph Hobohm bekleidet und dabei in seinen Ämtern stets gestaltend gewirkt. Vizepräsidentin Karin Schwarz schloss mit einer sehr genussreichen Zukunftsvision für den zuweilen rastlosen Intellektuellen: „Vielleicht ist nun die Zeit dafür, die Rosinen der Informations- und Bibliothekswissenschaft heraus zu picken und die Disziplin weiterhin zu bereichern.“

Am 25. Juni 2021 wurde somit an der FH Potsdam eine Zäsur feierlich formalisiert, die sich bereits im vorausgegangenen Semester, dem Semester 01 in der Ära „Nach Hobohm“ mehr als deutlich manifestiert hat. Der Nachhall, den das Wirken von Hans-Christoph Hobohm erzeugt, wird nicht nur in Fachdiskurs und Bibliothekspraxis andauern. Er tönt auch durch die Räume und die Köpfe unserer FH Potsdam in ihren Aktivitäten in Forschung, Lehre, Transfer und Weiterbildung. Glücklicherweise bleiben uns die Impulse von Hans-Christoph Hobohm erhalten – durch die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Produktivität wie auch durch den persönlichen, fachlichen Austausch und sein fortdauerndes Engagement für unseren Fachbereich.

Deskriptoren: Tagung, Informationswissenschaft, Potsdam, Hans-Christoph Hobohm; Würdigung

Über die Autoren

Prof. Dr. Rolf Däßler

FH Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

Prof. Dr. Antje Michel

FH Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften, Kiepenheuerallee 5, 14469 Potsdam

Online erschienen: 2022-01-19
Erschienen im Druck: 2022-01-14

© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 4.2.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/iwp-2021-2190/html
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