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Barrierefreiheit digital und analog gedacht

Berliner Herbsttreffen der Museumsdokumentation vom 4. bis 6. Oktober 2021
  • Frank von Hagel

    Historiker und Politologe. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seit 1997 im Bereich der Museumsdokumentation, Normdaten, Standards, Digitalisierung und digitales Sammlungsmanagement tätig. Zudem seit 2001 an verschiedenen nationalen und internationalen Projekten beteiligt. Ein Schwerpunkt seines Interesses ist die Vernetzung und Schaffung von Zugängen zu digitalen Informationen des kulturellen Erbes aus allen Bereichen der kulturgutbewahrenden Einrichtungen. Einer der Sprecher der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund. Mitglied der CIDOC Working Group „LIDO information harvesting and exchange format“.

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    , Anett Sawall

    Diplom-Museologin (FH), seit 2003 Tätigkeit als Grafikarchivarin bei der Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin, seit 2008 Lehr- und Gutachtertätigkeit an der HTW Berlin, Studiengang Museumskunde. Mitglied im DMB, FG Dokumentation, langjährige Mitarbeit in der AG Sammlungsmanagement und an der Übersetzung des britischen SPECTRUM-Standards.

    and Axel Ermert

    Jg. 1952. Studium der Soziologie und Informationswissenschaft in Berlin. Interesse für den gesamten Bereich des Informationswesens – vom Druck bis zur Terminologie. 1978 bis 1993 hauptamtlicher Mitarbeiter im DIN Deutsches Institut für Normung, seitdem ehrenamtlicher Experten-Mitarbeiter, in den Normenausschüssen „NID NA Information und Dokumentation“, „NAT NA Terminologie“ und entsprechenden Ausschüssen der Internationalen Organisation für Normung ISO. Besonderes Augenmerk auf die Norm ISO 5127 „Vocabulary of information and documentation“. Lehrtätigkeit an Fachhochschulen im Raum Berlin. 1999 bis 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Museumsforschung/Staatl. Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SMB/PK), Bereich Museumsdokumentation. Derzeit Mitglied im Vorstand der DGI.

Published/Copyright: January 19, 2022

Auch 2021 fand das Berliner Herbsttreffen der Museumsdokumentation – veranstaltet von der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund e.V. und dem Institut für Museumsforschung (Stiftung Preuß. Kulturbesitz – Berlin) – leider nur im digitalen Raum statt. An den Sitzungen am 4., 5. und 6. Oktober nahmen bis zu 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil. Moderiert wurde durch die Co-Fachgruppensprecher Marita Ando (SKD Dresden) und Frank von Hagel (IfM Institut für Museumsforschung, Berlin).

Alle Beiträge der Veranstaltung werden im Veranstaltungsarchiv der Fachgruppe Dokumentation zu Verfügung gestellt.[1]

Hauptthema war die „Barrierefreiheit“. Dabei haben wir jedoch Barrieren nicht nur als Anstoß für die Anpassung an körperliche und geistige Beeinträchtigungen betrachtet. Wir wollten das Thema breiter sehen: Was ist mit den Barrieren in unseren Köpfen? Wo können wir innovativ denken? Wo sind nutzbare Synergien für das Thema? Für welche Bereiche unserer Tätigkeit ist das Thema „Barrierefreiheit“ ebenfalls von Relevanz? Als Fachgruppe Dokumentation lag unser Hauptaugenmerk natürlich auf der Museumsdokumentation, dem Sammlungsmanagement und der Präsentation von Exponaten. Deshalb haben wir auch unsere online verfügbaren Datenbanken, Apps und Multimedianagebote in den Museen auf den Prüfstand gestellt und gefragt: wer kann Handreichungen und Hilfen zur barrierefreien Umsetzung der bestehenden Richtlinien und Gesetze bieten?[2]

Nach einer grundsätzlichen Einführung in das Thema und der kurzen Darstellung der zentralen gesetzlichen Grundlagen – insbesondere die EU-Richtlinie 2016/2102 über den barrierefreien Zugang zu den Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen[3] durch Marita Ando berichtete Janine Lindenau von „Teilhabe 4.0“[4] über „Digitale Barrierefreiheit – Mehrwert für alle“.

Janine Lindenau hob in ihrem Vortrag hervor, dass barrierefreie Angebote keine Sonderangebote sein sollen, sondern dass die digitalen Angebote grundsätzlich barrierefrei gedacht werden sollten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Barrierefreiheit frühzeitig in die technischen und gestalterischen Aspekte der neu zu erstellenden Angebote einzuplanen.

Dies erhöht in der Regel die grundsätzliche Nutzbarkeit der Angebote, denn auf die eine oder andere Weise steht man oft vor einer digitalen Barriere: Ein unlesbarer Text, weil der Kontrast zum Hintergrund zu gering war. Eine unverständliche Erklärung zur Bedienung einer Software. Solche Barrieren können von Anfang an vermieden werden. Dieser Mehrwert für alle ist für die grundsätzliche und langfristige Umsetzung besserer Webseiten wichtiger als gesetzliche Vorgaben. Ziel sollte es sein, über die reine „Usability“ hinaus eine positive „USER EXPERIENCE“ zu erzeugen („joy of use“), die ein Angebot dauerhaft interessant macht.

 
        Quelle Vortrag Janine Lindenau, Teilhabe 4.0. 4.10.2021 FG-Doku

Quelle Vortrag Janine Lindenau, Teilhabe 4.0. 4.10.2021 FG-Doku

Leander Seige von der Universitätsbibliothek Leipzig ist „Bereichsleiter Digitale Dienste“. Er präsentierte in seinem Vortrag „Webdienste der UB Leipzig, auf dem Weg zu Barrierearmut und Interoperabilität“, welche barrierearmen Dienste die Universitätsbibliothek anbietet. In einem ersten Schritt wurden die Webangebote (Katalog, Webseite und Mirador) der Universitätsbibliothek durch die externe Firma BIKOSAX überprüft. Neben unterschiedlichen technischen Prüfungen (BITV2.0 und WCAG-Test) erfolgte auch ein Praxistest durch einen blinden Mitarbeiter. Als Ergebnis wurden alle getesteten Dienste einer wesentlichen Überarbeitung unterzogen.

Für das Handschriftenportal[5], eine zentrale Informationsplattform für mittelalterliche und neuzeitliche Buchhandschriften in deutschen Sammlungen, entwickelt die Universitätsbibliothek Leipzig das Frontend. Diese Entwicklung wurde kontinuierlich von der Fa. BIKOSAX hinsichtlich Barrierefreiheit begleitet. In diesem Kontext ist jedoch auch der Umgang mit den Daten als ein wichtiges Element der Barrierearmut zu berücksichtigen. Durch die möglichst offene (CC0- und CC-PD-Mark-) Lizenzierung und Bereitstellung der Daten über Standardschnittstellen (METS/MODS, OAI-PMH, SRU, Z39.50 und LOD) wird die Möglichkeit geschaffen, dass Dritte – aus dem Bestand des Handschriftenportals – eigenständige und hoffentlich dann ebenfalls barrierefreie Angebote entwickeln können.

Andreas Krüger berichtete über die „Barrierefreie(n) digitale(n) Angebote der Berlinischen Galerie[6]. Als Referent für Barrierefreiheit und Inklusion in der Berlinischen Galerie ist er zuständig für die analogen und digitalen barrierefreien Angebote des Hauses. Sein Fokus lag auf der Darstellung der Verbindung dieser beiden Aspekte am Beispiel eines einstündigen Rundganges für blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher. Neben einem Bodenleitsystem und Tastmodellen kam auch ein abgestimmter Audioguide zum Einsatz. Der Rundgang wurde in Zusammenarbeit mit der Fa. Shouternet und einer Fokusgruppe vom Berliner Blinden- und Sehbehindertenverein entwickelt. Hierbei kommen die eigenen Mobilgeräte der Nutzenden zum Einsatz. Um dies möglichst einfach realisieren zu können, wurde der Audio-Guide als App entwickelt. Da das eigene Gerät des Besuchers sodann als Audioguide genutzt werden kann, ist die Nutzung sehr einfach. Die Audiotour für Blinde und Sehbehinderte wurde hierbei um Informationen zum Bodenleitsystem, zu den Tastmodellen, Raum- und Werkangaben, Bildbeschreibungen und um Orientierungshinweise zu den Service-Einrichtungen des Hauses an sich erweitert. Alle Texte und Funktionsweisen der App wurden mit einer Fokusgruppe entwickelt, die aus Museumsbesuchern zusammengesetzt war. Als technische Fallstricke erwiesen sich die notwendige Feinabstimmung der Sendebereiche und die Stabilität des WLAN-Netzes.

Das barrierefreie Angebot der Berlinischen Galerie wird durch personelle Rundgänge in Deutscher Gebärdensprache (DGS) erweitert. Für den digitalen Raum stehen sowohl einige virtuelle Rundgänge als auch DGS-Trailer auf der Website und den Social-Media-Kanälen des Museums zu Verfügung. Ergänzend sind auf der Website Angebote in „Leichter Sprache“ nutzbar. Im Rahmen der Überarbeitung der Website wurde gerade diesen Punkten eine besondere Beachtung geschenkt. Das hatte eine verbesserte Strukturierung der Inhalte, Validierung der HTML-Codierung (z. B. durchgängig ALT-Text) und die Bereitstellung von Webseitenfunktionen wie Schriftgrößenanpassung, kontrastreiche Darstellung usw. zur Folge.

Friedrun Portele-Anyangbe war im Humboldt-Forum in Berlin für „Barrierefreiheit“ zuständig. In ihrem Vortrag: „Ein Forum für Alle? Barrierefreiheit und Inklusion im Humboldt Forum“[7] schilderte sie die Maßnahmen, die für mehr Barrierefreiheit getroffen wurden. In ihrem Zwischenbericht ging sie sowohl auf bauliche, digitale als auch auf inhaltliche Barrierefreiheit ein. Sie schilderte dabei die Herausforderungen, die schon aufgrund der Komplexität des Humboldt-Forums ganz besondere sind. Aufgrund der baulichen Vorgaben können nicht alle Ebenen mittels Fahrstühlen erreicht werden, an einigen Stellen müssen Hubvorrichtungen eingesetzt werden. Als Leitsysteme sind neben den Info-Piktogrammen auch sog. Infostelen als digitale Medienstationen eingesetzt worden. Diese werden auch durch taktile Modelle zum Haus, zu den Abteilungen und auf dem Dach als Skyline-Modelle ergänzt. Ein Bodenleitsystem verbindet sowohl horizontal als auch vertikal die zentralen Bereiche des Forums. Bereits ab dem Lustgarten wird mittels Bodenleitsystem auf den öffentlichen Wegen zum Humboldt-Forum geleitet.

Die digitale Barrierefreiheit wurde ebenfalls in Zusammenarbeit mit Fokusgruppen und Blindenberatern des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin entwickelt. Dazu wurde eine Agentur gewählt, die bereits Erfahrungen mit barrierefreien Webangeboten in Museen hatte. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind alle digitalen Angebote noch „im Werden“. Im Haus werden Audioguides angeboten. Hierbei haben die Nutzenden die Wahl zwischen einer Medienapp des Humboldt Forums und einer Berlin-WEB-APP, da „Berlin-Global“ einen eigenen Weg gegangen ist. Die App enthält mehrere Sprachversionen, wobei eine der Sprachen die Deutsche Gebärdensprache ist. Auch diese digitalen Angebote wurden/werden mit Fokusgruppen entwickelt. Eine Besonderheit der „Berlin-Global“ App ist, dass diese mit UWB-basierter Indoor-Navigation erfolgt.

Zusätzlich finden sich in den diversen Ausstellungsbereichen besondere angepasste Vermittlungsangebote, um eine verbesserte inhaltliche Zugänglichkeit zu gewährleisten. Neben den o.g. Taststationen gehören hierzu verkleinerte Modelle, Repliken, Tast-, Riech- und Vermittlungsstationen, die auf ein eigenständiges Vermittlungsprogramm abgestimmt sind.

Den Tagungstag Dienstag, 5.10.2021, eröffneten Charlotte Altenmüller und Etta Grotrian vom Überseemuseum Bremen. Sie stellten dessen neue Website vor. Der Relaunch war nötig, weil die bestehende Website veraltet und nicht barrierefrei war. 2020 erfolgte eine Ausschreibung mit genauen Anforderungen an Klarheit und Übersichtlichkeit unter Einhaltung der WCAG- und Datenschutz-Richtlinien. Auch sollte die neue Seite auf mobilen Geräten nutzbar sein.

Nachdem die Website online gegangen war, erfolgte im Juni 2020 eine Überprüfung durch den Landesbehindertenbeauftragten. Im Ergebnis der Überprüfung wurde eine Mängelliste aufgestellt und die Verpflichtung ausgesprochen, diese Mängel zu beheben. Daran wird weitergearbeitet.

Manuela Gander, Museumsverband Brandenburg, berichtete, dass seit 2018 am Projekt „Brandenburgische Museen ohne Barrieren“ gearbeitet wird. Ziel des Projektes ist, gemeinsam mit den Museen und Zielgruppen barrierefreie Angebote in den Museen zu etablieren. Im Projekt wurden u. a. Leitfäden für Museumserlebnisse für Menschen mit Demenz[8] bzw. digitale Barrierefreiheit[9] mit Beratungsangeboten entwickelt. Diese Handreichungen stehen allen Interessierten frei zur Verfügung.

Bislang haben drei Museen Angebote für Menschen mit Demenz umgesetzt (Potsdam Museum, Naturkundemuseum Potsdam, Museum Barberini). An einem weiteren Projekt mit dem Industriemuseum Brandenburg wird gearbeitet. Die Website des Museumsverbandes selbst ist barrierearm. Alle Texte sind in leichter Sprache verfügbar. Dies ergab eine Überprüfung der „Landessstelle für Barrierefreies Internet“ beim Landesamt für Soziales und Versorgung Brandenburg.

Mirjam Verloop von der Europeana hielt ihren Vortrag in Englisch. Sie stellte EuropeanaPro und Europeana.eu vor. Durch Europeana erfährt der Bereich des kulturellen Erbes Unterstützung bei der digitalen Transformation, indem Fachwissen, Instrumente und Strategien zur Bewältigung des digitalen Wandels entwickelt und Partnerschaften gefördert werden, die Innovationen begünstigen. Dadurch wird Menschen die Nutzung des kulturellen Erbes zu Bildungs-, Forschungs-, Schaffens- und Freizeitzwecken erleichtert. Diese Arbeit erfolgt in verschiedenen Teams mit unterschiedlichen Projekten.

Werner Schweibenz (BSZ Konstanz) ging in seinem Vortrag „Was und wie sucht das Publikum online?“ von der interessanten Hypothese aus, dass Online-Besucher in Museen in der Regel zahlenmäßig stärker vertreten sind als reale Besucher. Aber aus Online-Besuchen können sich auch reale Besuche ergeben. Online-Besucher und reale Besucher sind in der Regel nicht identisch und nicht gleichzusetzen. Erwähnung fand bei ihm auch ein Normentwurf zur Vergleichbarkeit von Messergebnissen im Bereich der Online-Nutzung digitaler Angebote E DIN 31640:2021-07 – „Entwurf Digital Audience Measurement in Archiven, Bibliotheken und Museen – Anforderungen an Messverfahren“. Die Zielgruppen für online-Besuche sind sehr heterogen und reichen von Schulklassen bis zu Senioren und von wenig bis gar nicht vorgebildeten Besuchern bis zu Fachwissenschaftlern. Häufig verlassen die Nutzenden Webseiten schon nach sehr kurzer Zeit oder nach wenigen angesehenen Objekten, weil sie nicht finden, wonach sie gesucht haben. Suchfelder sind z. T. für Laien ungeeignet, die Terminologie ist oft zu kompliziert. Die Schnittmenge zwischen den Schlagwörtern in der fachwissenschaftlichen Dokumentation und den User-Tags beträgt nur 14 Prozent! Demnach sind kombinierte Suchangebote notwendig, im Idealfall verbunden mit Autosuggest-Funktionen.

Am dritten Konferenztag, Mittwoch 6.10.2021, sprachen Renate Behrens und Chantal Köppl (DNB (Deutsche Nationalbibliothek Frankfurt am Main)) über kooperative Normdatenarbeit in GLAMs („Galleries, Libraries, Archives and Museums“). Dazu wurde zunächst bemerkt, dass viele Barrieren nur ideell vorhanden sind und dass vielfach noch sehr spartenspezifisch gedacht und gearbeitet wird. Dies soll sich in Zukunft ändern, denn Normdaten können die Materialien solch unterschiedlicher Einrichtungen verbinden. Aber auch bei spartenübergreifendem Arbeiten soll die Identität von Sammlungen erhalten bleiben. Ziel ist es, Daten zumindest im Kern austauschbar zu gestalten. Dazu sind freie und flexible Standards nötig, die auf spezielle Bedürfnisse anpassbar sein müssen. Um diese Ziele zu erreichen, ist Fachwissen verschiedenster Richtungen nötig: Expertenwissen, strategisches Entscheidungswissen, Nutzungserfahrung, Kenntnisse des gesellschaftlichen Wandels. Seit 2014 arbeiten verschiedene Arbeitsgruppen im Standardisierungsausschuss der DNB Deutsche Nationalbibliothek. Ein öffentliches Wiki steht zur allgemeinen Information zur Verfügung. Über verschiedene Interessengruppen/Agenturen besteht die Möglichkeit zur Mitarbeit in der GND. Die Agenturen (u.a DigiCult und Leo-BW) stehen auch für Redaktion und Beratung zur Verfügung. Im kommenden Jahr soll eine Auftaktveranstaltung für die Interessengruppe Museen zum Kooperationsmodell GND4C stattfinden.

Claudia Loitsch berichtete von der Entwicklung eines barrierefreien Multimedia-Guides für die „Sammlung Alte Meister“ in Dresden. Seit 2018 besteht die gesetzliche Regelung zur Barrierefreiheit von digitalen Angeboten. Diese Regelung findet u. a. Ausdruck in der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung – BITV 2.0). Im Vortrag wurde auf unterschiedliche Arten von Einschränkungen eingegangen, die sowohl temporär als auch dauerhaft sein können. Neben körperlichen und geistigen Behinderungen wurden auch digitale Einschränkungen thematisiert (Handhabung von Geräten für Rechts- bzw. Linkshänder). Erwähnung fand in diesem Zusammenhang der DIN-Fachbericht 124:2002 Gestaltung barrierefreier Produkte. Für den Multimedia-Guide wurden zwei Gerätetypen ausgewählt: Smartphone und Tablet. In fünf frei wählbaren Touren können 70 Exponate erkundet werden. Dabei wurden für verschiedene Zielgruppen geeignete Tourausführungen entworfen (z. B. Screenreader für Blinde/Sehbehinderte, Gebärdensprache für Gehörlose, einfache Sprache für Menschen mit kognitiven Einschränkungen). Das Design der App soll für alle Menschen nutzbar sein, auch für Personen ohne Einschränkungen. Die App bietet einen einfachen Aufbau mit übersichtlichen Funktionen und einer Profilauswahl für die jeweilige Zielgruppe. Auch die technische Barrierefreiheit (Kompatibilität mit Hilfsmitteln) wurde umgesetzt.

Stephanie Buchholz und Carolin Muser berichteten von der hybrid abgehaltenen Tagung des Landschaftsverbands Rheinland, der LVR-Kulturkonferenz 2021. Die Moderierenden befanden sich vor Ort im Museum, das Publikum war per Videokonferenz zugeschaltet. Die technische Umsetzung der Tagung erfolgte über einen Dienstleister.

 
        Quelle: Vortrag Stephanie Buchholz und Carolin Muser, digital & inklusiv: Die LVR-Kulturkonferenz 2021, 6.10.2021 FG Doku.

Quelle: Vortrag Stephanie Buchholz und Carolin Muser, digital & inklusiv: Die LVR-Kulturkonferenz 2021, 6.10.2021 FG Doku.

Es gab eine Live-Untertitelung der Beiträge, ebenso eine Übersetzung in Gebärdensprache. Schon bei der Anmeldung zur Tagung wurden mögliche Einschränkungen bzw. Hilfebedürfnisse abgefragt. Die Erfahrungen der Tagung wurden in einer Veröffentlichung von FAQs auf der Seite des LVR zur Verfügung gestellt.[10]

Nach der Kurzvorstellung verschiedener Projekte, u. a.:

  1. zu den Virtuelle KulTouren der Wikimedia

  2. zu der in Vorbereitung befindlichen Publikation zu „Digitale Grunderfassung – Empfehlungen des DMB“,

  3. dem DFG-Transferprojekt: Ausstellungen Kontrovers. Vermittlung konflikthafter naturwissenschaftlicher Themen

  4. NFDI4Objects und der

  5. AG Sammlungsmanagement in der Fachgruppe „Dokumentation“ im DMB

berichtete Marlene Hofmann über barrierefreie Angebote der Burg Posterstein. Das vereinsgetragene Museum hatte mit Hilfe von „Neustart Kultur 2020“ eine Überarbeitung der Website vorgenommen. Ausstellungsbereiche werden jetzt sowohl in Deutsch als auch in Englisch vorgestellt, ebenso in leichter und Gebärdensprache mit dem Konzept eines niederschwelligen Einstiegs, der aber auch weiterführende Informationen anbietet.

Zum Abschluss der Tagung berichtete Co-Sprecherin der Fachgruppe „Dokumentation“, Marita Ando (SKD Dresden), über positive und negative Erfahrungen beim Besuch von Museumswebseiten.

Die nächste Tagung der DMB-Fachgruppe „Dokumentation“ wird Anfang Mai 2022, im Rahmen der DMB-Jahrestagung im Saarland, stattfinden.

Deskriptoren: Tagung, Museum, Ausstellung, Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit, Website, Benutzerführung

Über die Autoren

Frank von Hagel

Historiker und Politologe. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Seit 1997 im Bereich der Museumsdokumentation, Normdaten, Standards, Digitalisierung und digitales Sammlungsmanagement tätig. Zudem seit 2001 an verschiedenen nationalen und internationalen Projekten beteiligt. Ein Schwerpunkt seines Interesses ist die Vernetzung und Schaffung von Zugängen zu digitalen Informationen des kulturellen Erbes aus allen Bereichen der kulturgutbewahrenden Einrichtungen. Einer der Sprecher der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund. Mitglied der CIDOC Working Group „LIDO information harvesting and exchange format“.

Anett Sawall

Diplom-Museologin (FH), seit 2003 Tätigkeit als Grafikarchivarin bei der Stiftung Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin, seit 2008 Lehr- und Gutachtertätigkeit an der HTW Berlin, Studiengang Museumskunde. Mitglied im DMB, FG Dokumentation, langjährige Mitarbeit in der AG Sammlungsmanagement und an der Übersetzung des britischen SPECTRUM-Standards.

Axel Ermert

Jg. 1952. Studium der Soziologie und Informationswissenschaft in Berlin. Interesse für den gesamten Bereich des Informationswesens – vom Druck bis zur Terminologie. 1978 bis 1993 hauptamtlicher Mitarbeiter im DIN Deutsches Institut für Normung, seitdem ehrenamtlicher Experten-Mitarbeiter, in den Normenausschüssen „NID NA Information und Dokumentation“, „NAT NA Terminologie“ und entsprechenden Ausschüssen der Internationalen Organisation für Normung ISO. Besonderes Augenmerk auf die Norm ISO 5127 „Vocabulary of information and documentation“. Lehrtätigkeit an Fachhochschulen im Raum Berlin. 1999 bis 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Museumsforschung/Staatl. Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (SMB/PK), Bereich Museumsdokumentation. Derzeit Mitglied im Vorstand der DGI.

Online erschienen: 2022-01-19
Erschienen im Druck: 2022-01-14

© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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