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Editorial

Published/Copyright: June 12, 2017

Der Amtsantritt von Donald Trump als 45. Präsident stellt eine wesentliche Zäsur in der internationalen strategischen Entwicklung dar. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg nimmt ein Mann diese Position ein, der die internationalistische Tradition der US-Außenpolitik geringschätzt und der eine Politik des Protektionismus und der Abwendung vom Multilateralismus fordert. Angesichts der Tatsache, dass die amerikanische Politik für Jahrzehnte das Rückgrat einer liberalen internationalen Ordnung war, die das Gewaltverbot sowie den freien internationalen Handel (und den damit verbundenen Wohlfahrtsgewinn für mittlerweile zwei Milliarden von Menschen) sicherte, ist die beginnende Ära Trump daher mit extremen Unsicherheiten verbunden.

Das vorliegende zweite Heft der Zeitschrift SIRIUS geht auf die neue Politik der USA ein. Jack Thompson versucht die Außenpolitik des Trumpismus zu verstehen und setzt sich mit der Frage auseinander, ob diese Administration zu einer Normalität zurückkehren wird. Er gelangt zu einem eher ernüchternden Ergebnis: weil Trump so ist wie er ist, wird sich der erratische Charakter seiner Außenpolitik nicht grundsätzlich ändern. Der Beitrag von Henning Klodt zur amerikanischen Handelspolitik schlägt einen weniger alarmierenden Ton an. Die protektionistische Rhetorik der Trump-Administration sei zwar besorgniserregend, ob am Ende all das umgesetzt werde, was im Wahlkampf gefordert worden war, bleibe hingegen fraglich. Der Beitrag von Joachim Krause setzt sich mit dem Denken des strategischen Chefberaters Stephen K. Bannon auseinander, der einen dezidiert revolutionären und das US-Establishment bekämpfenden Ansatz hat. Der Verfasser gelangt zum Schluss, dass der durch Bannon repräsentierte revolutionäre Impuls nicht dauerhaft die Politik der Trump-Administration werde prägen können. Der Beitrag von Mariana Budjeryn und Andreas Umland befasst sich mit der Frage, was passieren würde, wenn Trump und Putin sich auf einen geopolitischen „deal“ verständigen würden, bei dem die Ukraine der Verlierer sei. Sie befürchten massive Nachteile für das nukleare Nichtverbreitungsregime.

Das Schicksal der Ukraine ist nicht der einzige Unsicherheitsfaktor für das globale Nichtverbreitungsregime. Der Artikel von Sven Fikenscher stellt die Frage, ob sich mit dem Nuklearabkommen von 2015 eine generelle Annäherung des Irans an den Westen verbindet. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Abkommen die anti-westliche und vor allem militarisierte Politik Teherans nicht beendet hat, sondern dass sich diese eher verhärtet.

Die Beiträge von Sarah Kirchberger und Robert Helbig lenken den Blick auf Osteuropa. Sarah Kirchberger beleuchtet die rüstungswirtschaftliche Dimension des russisch-ukrainischen Konflikts und betont insbesondere die Betroffenheit Chinas als eines langjährigen Partners beider Staaten im Bereich der Rüstungswirtschaft. Der Beitrag von Robert Helbig fragt nach den Möglichkeiten einer Neuausrichtung westlicher Politik gegenüber Belarus, die an den Realitäten orientiert sein soll.

Der Rest des Heftes ist der Lage in der südchinesischen See gewidmet, wo Johannes Mohr eine differenzierte Analyse der Reaktionen Chinas auf das Urteil des Internationalen Gerichtshofes vom Sommer 2016 vorlegt. Bei den internationalen strategischen Studien, die in diesem Heft vorgestellt werden, liegen die Schwerpunkte auf Russland und dessen hybride Kriegführung, auf nordeuropäischer und nordischer Sicherheit, auf Abschreckung und Militärstrategie sowie auf Terrorismus und Extremismus.

Die Herausgeber
Online erschienen: 2017-6-12

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Articles in the same Issue

  1. Titelseiten
  2. Titelseiten
  3. Editorial
  4. Editorial
  5. Artikel
  6. Den Trumpismus verstehen: Die Außenpolitik des neuen amerikanischen Präsidenten
  7. Donald Trump und die internationale Handelspolitik
  8. Die Welt des Stephen K. Bannon. Wie revolutionär ist die Trump-Administration?
  9. Amerikanische Russlandpolitik, die Souveränität der Ukraine und der Atomwaffensperrvertrag: Ein Dreiecksverhältnis mit weitreichenden Konsequenzen
  10. Der Iran nach dem Atom-Deal: Eine bleibende strategische Bedrohung
  11. Das Ende einer Dreiecksbeziehung: wehrtechnische Zusammenarbeit Chinas, Russlands und der Ukraine im Schatten der Krim-Krise
  12. Realistisch in den Osten blicken: Belarus nach der Ukraine-Krise und die Neuausrichtung der westlichen Politik
  13. Kurzanalysen und Dokumentationen
  14. Der Schiedsspruch zum Südchinesischen Meer und die Reaktionen Beijings
  15. Ergebnisse internationaler strategischer Analysen
  16. Denis Volkov: Russian Elite Opinion after Crimea, Carnegie Moscow Center, 2016.
  17. Eugene Rumer: Russia and the Security of Europe. 2016.
  18. Mark Galeotti: Heavy Metal Diplomacy: Russia's Political Use of Its Military in Europe since 2014.
  19. Keir Giles: Russia's ‘New' Tools for Confronting the West Continuity and Innovation in Moscow's Exercise of Power. 2016.
  20. Deborah Yarsike Ball: Protecting Falsehoods with a Bodyguard of Lies: Putin's Use of Information Warfare. 2017.
  21. Alina Polyakova, Marlene Laruelle, Stefan Meister und Neil Barnett: The Kremlin's Trojan Horses. 2016.
  22. Orysia Lutsevych: Agents of the Russian World: Proxy Groups in the Contested Neighbourhood, Research Paper 2016.
  23. Andrew Monaghan: Russian State Mobilization: Moving the Country on to a War Footing. Chatham House. 2016.
  24. Michael J. Mazarr: Mastering the Gray Zone. Understanding a Changing Era of Conflict. 2015.
  25. Martin Murphy, Frank G. Hoffmann und Gerry Schaub, Jr.: Hybrid Maritime Warfare and the Baltic Sea Region. 2016.
  26. Heather A. Conley/ Kathleen H. Hicks/ Lisa Sawyer Samp/ Jeffrey Rathke/ Olga Oliker/ Anthony Bell/ John O' Grady: Evaluating Future U. S. Army Force Posture in Europe, Phase I Report 2016.
  27. Jan Joel Andersson and Erika Balsyte: Winter is coming. Chilly winds across northern Europe, European Union Institute for Security Studies (EUISS) 2016.
  28. Heather A. Conley and Matthew Melino: An Arctic Redesign. Recommendations to Rejuvenate the Arctic Council. 2016.
  29. Guillaume Lasconjarias and Alessandro Marrone: How to Respond to Anti-Access/Area Denial (A2/AD)? Towards a NATO Counter-A2/AD Strategy. 2016.
  30. Corentin Brustlein: Conventionalizing Deterrence? U.S. Prompt Strike Programs and Their Limits. 2015.
  31. Megan J. King: NATO's Southern Flank Does not Stop in North Africa: Addressing Terrorism Beyond the Sahel. 2016.
  32. Maksymilian Czuperski, Faysal Itani, Ben Nimmo, Eliot Higgins, Emma Beals: Breaking Aleppo. 2017.
  33. Charlie Winter: War by Suicide: A Statistical Analysis of the Islamic State's Martyrdom Industry. 2017.
  34. Translated Articles (e-only)
  35. Understanding Trumpism: the New President's Foreign Policy
  36. The end of a military-industrial triangle: arms-industrial co-operation between China, Russia and Ukraine after the Crimea crisis
Downloaded on 24.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/sirius-2017-0054/html
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