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Keir Giles: Russia's ‘New' Tools for Confronting the West Continuity and Innovation in Moscow's Exercise of Power. 2016.

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Published/Copyright: June 12, 2017

Der Autor ist Leiter des Conflict Studies Research Centre (CSRC) und Associate Fellow am Royal Institute for International Affairs (RIIA) in London. Seine fachliche Spezialisierung sind Russlands Fähigkeiten für militärisch-konventionelle, Cyber- und Informationskriege und ihre Anwendung.

In den letzten zwei Jahren, so Giles, habe Russland mit seinen militärischen Interventionen in der Ukraine und in Syrien unter Beweis gestellt, dass es willens und in der Lage ist, seine außenpolitischen Vorstellungen durchzusetzen. Wie die Schlagworte „Gerassimow-Doktrin“ und „hybride Kriegsführung“ zeigten, hätten Moskaus Operationen in der Ukraine Theorien beflügelt, denen zufolge das russische Militär grundlegend neue Konzepte des bewaffneten Konflikts angewandt hätte. Die von den Streitkräften in der Ukraine angewandten Techniken und Methoden wurzelten jedoch in traditionellen sowjetischen Ansätzen, und nach dem Ende des Kalten Krieges hätten die russischen Militärwissenschaftler diese an neue Bedingungen angepasst.

Wie in der Vergangenheit müssten politische Entscheidungsträger im Westen nicht nur die potenzielle Bedrohung durch eine militärischen Angriff Russlands berücksichtigen und dafür planen, sondern auch die gegenwärtige und tatsächliche Bedrohung durch Moskaus „aktive“ – subversive und destabilisierende – Maßnahmen.

Die Studie beschäftigt sich eingehend mit zwei Instrumenten Russlands sowohl potenzieller als auch aktueller Bedrohung und Machtausübung: die konventionellen Streitkräfte und die Fähigkeiten des Landes zur Informationskriegsführung. Giles zeigt auf, wie rasant sich Moskaus Potentiale in diesen beiden Bereichen entwickelt hätten. Die sichtbarste Demonstration im ersten Bereich sei die beispiellose, nahezu vollkommene Umwandlung der russischen Streitkräfte seit 2008. Das umfassende Reform- und Modernisierungsprogramm würde fortgesetzt, wobei die Streitkräfte von den laufenden „Übungen“ unter realen Betriebsbedingungen in der Ukraine und in Syrien profitierten.

Entgegen westlichen Wahrnehmungen der russischen Operationen in der Ostukraine als außergewöhnliche, „hybride“ Kriegführung war es doch eine groß angelegte konventionelle militärische grenzüberschreitende Intervention, welche (im August 2014) die bis dahin erfolgreiche ukrainische Regierung Offensive stoppte und die Frontlinie stabilisierte. Die Bereitschaft Moskaus zur Anwendung militärischer Gewalt werde durch die Erfahrung der Kampagne in Syrien ab Oktober 2015 verstärkt.

Giles sieht eine ähnliche Entwicklung bei Russlands Fähigkeiten für die Informationskriegsführung. Auch diese hätten sich rasch entwickelt und seien auf sowjetische Wurzeln zurückzuführen. Der Kreml hätte aus einer Reihe von gescheiterten Informationskampagnen gelernt und nutze nun das Internet. Missverständnisse über die Natur der russischen Informationskampagnen und wie sie am besten zu bekämpfen seien, seien weit verbreitet − vor allem die Vorstellung, dass erfolgreiche Gegenmaßnahmen darin bestünden, offensichtliche Desinformation zu widerlegen. Das legte den russischen Kampagnen falsche Bemessungskriterien zugrunde und ginge an den Zielsetzungen ihrer Urheber vorbei.

Der Autor kommt zum Schluss, dass die russischen Initiativen in den beiden untersuchten Bereichen für seine Nachbarn schwerwiegende Folgen hätten. Das wachsende Vertrauen Russlands in seine Fähigkeiten werde es dem Westen noch schwieriger machen, russischen Herausforderungen zu begegnen. Es sei infolgedessen notwendig, militärische Gegenmacht aufzubauen und Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen, um dem russischen Informationskrieg widerstehen zu können. Ein wesentlicher erster Schritt zu einem erfolgreicheren Management der Beziehungen zu Moskau wäre es für westliche Regierungen zu erkennen, dass die Werte und strategischen Interessen des Westens mit diejenigen Russlands grundsätzlich unvereinbar sind.

https://www.chathamhouse.org/publication/russias-new-tools-confronting-west

Online erschienen: 2017-6-12

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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