Startseite Bibliotheks- & Informationswissenschaft, Buchwissenschaft Paul Ladewig: Katechizm biblioteki. Przelożył z języka niemieckiego na język polski Zdzisław Gębolyś; przy wspólpracy Bernharda Kwoki; przelożył z języka niemieckiego na język angielski Zdzislaw Gębolyś. Bydgoszcz: Wydawnictwo Uniwersytetu Kazimierza Wielkiego, 2016. 211 S., 35 s/w-Abb. Kart. ISBN 978-83-8018-050-5. 29,40 zł (ca. 6,60 €)
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Paul Ladewig: Katechizm biblioteki. Przelożył z języka niemieckiego na język polski Zdzisław Gębolyś; przy wspólpracy Bernharda Kwoki; przelożył z języka niemieckiego na język angielski Zdzislaw Gębolyś. Bydgoszcz: Wydawnictwo Uniwersytetu Kazimierza Wielkiego, 2016. 211 S., 35 s/w-Abb. Kart. ISBN 978-83-8018-050-5. 29,40 zł (ca. 6,60 €)

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Veröffentlicht/Copyright: 28. März 2017

Rezensierte Publikation:

Paul Ladewig: Katechizm biblioteki. Przelożył z języka niemieckiego na język polski Zdzisław Gębolyś; przy wspólpracy Bernharda Kwoki; przelożył z języka niemieckiego na język angielski Zdzislaw Gębolyś. Bydgoszcz: Wydawnictwo Uniwersytetu Kazimierza Wielkiego, 2016. 211 S., 35 s/w-Abb. Kart. ISBN 978-83-8018-050-5. 29,40 zł (ca. 6,60 €)


Das Jahr 1893 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Öffentlichen Bibliotheken: den Beginn des allmählichen Wandels der Volksbibliothek alten Stils zur modernen Dienstleistungseinrichtung. Der erste Impuls kam von einem Bibliothekar der Universitätsbibliothek Kiel, Constantin Nörrenberg (1862–1937), der nach einem Studienaufenthalt in den USA das Vorbild der Public Library vor Augen hatte und für dieses Modell warb. Er löste damit die sogenannte Bücherhallenbewegung aus. Zu ihren Protagonisten zählten vor allem Eduard Reyer in Wien (1849–1914), Arthur Heidenhain (1862–1941) in Jena und Bremen, Gottlieb Fritz (1873–1934) in Hamburg und Berlin und die jüngere Generation mit Walter Hofmann (1879–1952) in Dresden-Plauen und Leipzig sowie Erwin Ackerknecht (1880–1960) in Stettin. Es entwickelten sich lebhafte Aktivitäten durch die Unterstützung überregionaler Bildungsvereine wie zum Beispiel die Comenius-Gesellschaft (gegründet 1891), die später von Hofmann als planloser Aktionismus kritisiert wurden. Was der Bücherhallenbewegung fehlte, war ein verbindliches theoretisches Fundament, sowohl für die inhaltliche Konzeption als auch für deren praktische Umsetzung. Einen ersten Versuch in diese Richtung unternahm Ernst Schultze (1874–1943), damals kurzfristig Leiter der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, mit seinem einflussreichen Buch Freie Öffentliche Bibliotheken, Volksbibliotheken und Lesehallen (Stettin 1900). Als weitaus wirkungsmächtiger und folgenreicher erwies sich aber eine Publikation von Paul Ladewig (1858–1940), unter anderem Organisator der Krupp‘schen Bücherhalle und Gründer der Stadtbibliothek Essen, mit dem Aufsehen erregenden Titel Politik der Bücherei.[1] Auf über 400 Seiten entwickelte er Vorstellungen über Aufgabe und Praxis der Bibliotheksarbeit, die von den psychologischen Grundlagen über die strategische Planung bis zur taktischen Umsetzung betrieblicher Maßnahmen reichten, von den Anforderungen an den Bibliothekar bis zur (Bibliotheks-)Politik als einer „schöpferischen Kunst“. Wilhelm Brambach, einer der bedeutendsten Bibliothekare im 19. Jahrhundert und zum Beginn der Laufbahn Ladewigs sein Vorgesetzter in der Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe, lobte die Veröffentlichung als ein Mittel gegen die „handwerksmäßige Versumpfung“.

Ohne auf Einzelheiten einzugehen, lassen sich drei Schwerpunkte erkennen:

  1. die Übernahme angloamerikanischer Vorstellungen,

  2. die Auffassung der Bibliothek als Dienstleistungseinrichtung,

  3. die Propagierung einer liberalen Bestandspolitik.

Vor allem bei einem der Vertreter der Bücherhallenbewegung, bei Walter Hofmann, erregten Ladewigs Ausführungen den erbittertsten Widerstand. Seine in einer Rezension geübte Kritik löste einen, den Richtungsstreit aus, der viele Jahre das deutsche öffentliche Bibliothekswesen in zwei Lager spaltete.[2]

Was aber hat diese zugegebenermaßen lange Einleitung mit Ladewigs Katechismus der Bücherei zu tun?[3] Eine präzise Antwort findet sich in einer Rezension von Adolf Keysser (1850–1932), dem langjährigen Direktor der Kölner Stadtbibliothek. Sie sei hier zitiert:

„Was in L.‘s ‚Politik der Bücherei‘ eine eingehende systematische Darstellung erfahren hat, wird hier in anderer Anordnung und in einer Auswahl von Leitsätzen gebracht, die zugleich Erfahrungssätze aus dem Ganzen unseres Berufes darstellen. Für Laien ist der ‚Katechismus‘ wohl nicht bestimmt, man wird finden, dass er jedenfalls ein allgemeines Verständnis für bibliothekarische Fragen voraussetzt. Ein besonderer Vorzug des Schriftchens liegt darin, dass der Verfasser für manches Bekannte, aber auch für viele neue und anregende feine Gedanken durchweg einen treffenden, das Wesen der Sache beleuchtenden Ausdruck gefunden hat.“[4]

Der Katechismus hat zwei Auflagen erfahren, was für seine breite Rezeption spricht. Dass aber kürzlich eine neue, kommentierte Ausgabe erschien, beweist, dass Ladewigs Gedanken für eine moderne Gebrauchsbibliothek noch immer für diskussionswürdig befunden werden, zumal in ihrer entschlackten, thesenartigen Ausprägung.[5]

Seine Leitsätze zu den Kernaufgaben der Bibliotheken, zu ihren Beständen, den baulichen Anforderungen, den Betriebsabläufen und der Organisation lassen sich ohne sie zu verfälschen durchaus aktuell interpretieren.[6] Er will „durch scharfe Beleuchtung hauptsächlicher Fragen, welche die Bücherei betreffen, Anlaß zum selbständigen Durchdenken dieser Fragen geben“.

Aber nicht die 2011 erschienene Neuausgabe soll der Gegenstand dieser Besprechung sein. Viel erstaunlicher nämlich ist die von polnischer Seite besorgte dreisprachige (!) kommentierte Edition als Beispiel für die lang nachwirkende Rezeption eines über 100 Jahre alten „Klassikers“ der Fachliteratur. Besorgt hat sie Zdzisław Gębołyś, Professor am Lehrstuhl für Informationswissenschaft und Bibliologie der Kazimierz-Wielkiego-Universität in Bydgoszcz (Bromberg). Er ist in Deutschland kein Unbekannter. Zusammen mit Jacek Tomaszczykin hat er in einem Berliner Verlag die Library Codes of Ethics Worldwide: anthology = Verhaltensregeln für Bibliothekare im internationalen Kontext herausgegeben.[7]

Angesichts der Neuausgabe von 2011 wäre für deutschsprachige Interessenten eine abermalige Edition nicht erforderlich gewesen. Der „Mehrwert“ liegt sozusagen in den Übersetzungen in das Polnische und Englische, beide zum ersten Mal. Für die Rezeption im internationalen Rahmen ist die englische Version zweifellos primär wichtig. Ein Hindernis für eine Kenntnisnahme außerhalb Polens dürfte jedoch die Publikation in einem vermutlich nicht allgemein bekannten polnischen Universitätsverlag sein, zusätzlich auch die Titelei, die ausschließlich polnisch ist.

Gegenüber diesen eher publikationspolitischen Einwendungen fordern inhaltliche Schwachstellen zur Kritik heraus. Inhaltsverzeichnis und Vorwort sind dreisprachig. Die deutsche Version des Vorwortes ist schlichtweg katastrophal. Die Frage muss erlaubt sein, ob es in einer Universität, in deren Verlag das Buch erschienen ist, keinen Germanisten gibt, der bereit gewesen wäre, den Text durchzusehen. Nicht übersetzt, weder ins Deutsche noch ins Englische, wurde die umfängliche, in fünf Kapitel gegliederte, knapp 40 Seiten umfassende Einführung. Da gerade hier der Ladewig‘sche Text laut Vorwort einer „tiefgründigen Analyse“ unterzogen wird, wird dem des Polnischen nicht mächtigen Leser vorenthalten, was für ihn der interessanteste Aspekt des Projekts sein dürfte: Nämlich wie die Ausführungen Ladewigs in ihrem Einfluss und ihrer Bedeutung für die polnische Bibliothekswissenschaft bzw. Bibliotheksentwicklung beurteilt werden. Es erscheint inkonsequent, dass er durch die Übersetzung der Kapitel- bzw. Unterkapitelüberschriften im Inhaltsverzeichnis (z. B. 3.2 „Die Rezeption des Ladewig Werkes in Polen“, 4.2 „‚Katechismus der Bücherei‘ von Paul Ladewig heute“) zwar neugierig gemacht, die Neugier aber nicht befriedigt wird. Das Register und eine knappe Zusammenfassung am Ende des Buches sind wieder dreisprachig, die Überschriften „Bibliografia podmiotowa“ (Personalbibliografie, das heißt der Schriften Ladewigs) und „Bibliografia przedmiotowa“ (Quellen- und Literaturverzeichnis) wiederum nicht.

Es ist bedauerlich, dass ein konzeptionell originelles Projekt nur unzureichend realisiert wurde. Um aber nicht nur Negatives herauszustreichen, sei auf den Abdruck von sieben statistischen Tabellen der Krupp‘schen Bücherhalle in Essen für die Jahre 1899–1907 hingewiesen. Ebenso verdienstvoll ist die Aufnahme von 33 historischen und einigen aktuellen Abbildungen, zumeist der Krupp‘schen Bücherhalle und der Stadtbibliothek Essen. Das Frontispiz bringt eine wenig bekannte Porträtaufnahme Ladewigs aus dem Haus der Geschichte/Stadtarchiv Essen.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass Zdzislaw Gębołyś für den 24. und 25. April 2017 eine wissenschaftliche Konferenz mit dem Thema „Umrunde [?] Paul Ladewig und seinen Katechismus der Bücherei“ an der Kazimierz-Wielkiego-Universität in Bydgostcz geplant hatte, zu der auch deutsche Wissenschaftler eingeladen werden sollten. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

Online erschienen: 2017-3-28
Erschienen im Druck: 2017-4-1

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Titelseiten
  2. Inhaltsfahne
  3. Die Zukunft des Publizierens
  4. Zur Situation des digitalen geisteswissenschaftlichen Publizierens – Erfahrungen aus dem DFG-Projekt „Future Publications in den Humanities“
  5. Von der Digitalisierung zur Digitalität: Wissenschaftsverlage vor anderen Herausforderungen
  6. Finanzierungsmodelle für Open-Access-Zeitschriften
  7. Best Practice
  8. Stadtbücherei Hilden – Bibliothek des Jahres 2016
  9. Next generation library systems
  10. A Step Towards a Distributed Model for Bibliographic Data in Sweden
  11. DARIAH
  12. CLARIN-D: eine Forschungsinfrastruktur für die sprachbasierte Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften
  13. Weitere Beiträge
  14. Informationsverhalten, sozialer Kontext und Bibliotheken: Annäherungen an Theorien der Small Worlds und Informationswelten
  15. Kultur und Wissen digital vermitteln – Stand und Perspektiven der Deutschen Digitalen Bibliothek – ein Überblick
  16. Bibliotheken auf dem Weg zu lernenden Organisationen – Entwicklung eines Selbstbewertungstools
  17. Die Niederösterreichische Landesbibliothek
  18. Lernzentren – eine kurze Bestandsaufnahme
  19. Aus der Frühzeit der Mainzer Skriptorien: Ein unbekanntes karolingisches Handschriftenfragment (Mainz, Wissenschaftliche Stadtbibliothek, Hs frag 20)
  20. Für die Praxis
  21. Befähigung im Wandel
  22. Bibliographische Übersichten
  23. Zeitungen in Bibliotheken
  24. Rezensionen
  25. Georg Ruppelt (Hrsg.): 350 Jahre Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (1665–2015). Hannover: Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek, 2015. 453 S., ISBN: 978-3-943922-12-7. 44,80 €
  26. Katrin Janz-Wenig, Monika E. Müller, Gregor Patt: Die mittelalterlichen Handschriften und Fragmente der Signaturengruppe D in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Teil 1: Textband; Teil 2: Tafelband. Wiesbaden: Harrassowitz, 2015 (Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Kataloge der Handschriftenabteilung; 4). 2 Bde., 453 + 553 S., 603 farbige Abb. ISBN 978-3-447-10514-9. 298,– EUR.
  27. Paul Ladewig: Katechizm biblioteki. Przelożył z języka niemieckiego na język polski Zdzisław Gębolyś; przy wspólpracy Bernharda Kwoki; przelożył z języka niemieckiego na język angielski Zdzislaw Gębolyś. Bydgoszcz: Wydawnictwo Uniwersytetu Kazimierza Wielkiego, 2016. 211 S., 35 s/w-Abb. Kart. ISBN 978-83-8018-050-5. 29,40 zł (ca. 6,60 €)
Heruntergeladen am 26.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bfp-2017-0018/html
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