Zusammenfassung Dieser Beitrag rückt den sozial-kommunikativen Prozesscharakter von Erinnern in den Blick und untersucht kommunikative Erinnerungspraktiken in der deutschen und chinesischen Gesellschaft. Im Kontext der kulturwissenschaftlichen Gedächtnis- und Exilforschung werden die Exil-Diskurse in Deutschland und China exemplarisch anhand des Beispiels des Erinnerns an die Zuflucht der Juden in China neu reflektiert, indem eine kulturvergleichende bzw. komparatistische Perspektive profiliert wird. Dabei soll ein kommunikativer Erinnerungsprozess bezüglich des Refugiums in der Stadt Shanghai aufgezeigt werden, der über geografische und kulturelle Grenzen transzendiert und auf einen profunden deutsch-chinesischen Austausch in multiplen Bereichen hinweist. Hierbei wird erkenntlich, dass das Erinnern an das Shanghaier Exil über den jüdischen Kontext hinausgehend mit weiteren deutschen und chinesischen kollektiven Erinnerungen korreliert und Dialoge zwischen Ländern sowie Kulturen fördert.
Zusammenfassung Im Beitrag werden Überlegungen zum kommunikativen Potenzial der chinesischen Messaging-Applikation WeChat angesichts aktueller Tendenzen von Messenger-Kommunikation angestellt. Es werden die wesentlichen funktionalen Änderungen/Ergänzungen gegenüber der ersten Beschreibung im germanistisch-linguistischen Kontext (Szurawitzki 2019b) in den Blick genommen. Nach der Einführung folgt ein Abschnitt zum Forschungsstand, in dem sich auf einschlägige Arbeiten zu WeChat fokussiert wird. In Ergänzung von Szurawitzki (2019b) werden nachfolgend Bemerkungen zu neueren Funktionalitäten von WeChat getätigt, die so bisher in der Germanistischen Linguistik noch nicht beschrieben worden sind, aber mit Blick auf die Fragestellung und das kommunikative Potenzial der Applikation Beachtung finden (müssen). Im Anschluss daran plädiere ich für terminologische Neuerungen im Bereich der Erforschung von Chat- und Messengerkommunikation, da die sich ändernde mediale Umgebung mit noch mehr multimodalen Möglichkeiten existierende Termini zwar nicht obsolet macht, diese Termini aber meines Erachtens die kommunikativen Konstellationen in ihrer Komplexität nicht mehr abdecken. Auf der Basis des bis dahin Gesagten schließt der Beitrag mit einem Abschnitt ab, in dem die Zukunft von WeChat und Messengerkommunikation vor dem Hintergrund von Trends anderer populärer Applikationen wie z. B. Discord, das ursprünglich ein Tool für Gamer:innen war, auch interkulturell reflektiert wird.
Zusammenfassung In Bezug auf die Frage, welche Bedeutung China für Bertolt Brecht hatte, untersucht der vorliegende Beitrag chinesische Konstanten, die sich auch in Brechts Werk Meti. Buch der Wendungen finden. Es sind Stoffe, Themen oder Gedanken, die sich Brecht bei seiner Beschäftigung mit China zu eigen gemacht hat. Der vorliegende Beitrag beschreibt nicht nur diejenigen, die am ehesten ins Auge fallen, sondern auch diejenigen, die nicht unbedingt immer sofort erkennbar sind. Aufgrund der Untersuchung vertritt der vorliegende Beitrag die Ansicht, dass Meti zum wiederholten Mal zeigt: China gehört Brecht. China bzw. das Chinesische war für Brechts Schaffen eine nicht wegzudenkende Kategorie.
Literary communication is inference-based communication between recipients and texts. The textual world stimulates the recipients’ imagination by means of a structure of indeterminacy in the work. Readers use their world knowledge and cultural conceptualization to fill in the blank points in the story world and interpret the connotative meaning. Amidst the growing influence of globalization, people all over the world have more options to enjoy the same cultural products and cross-cultural studies are therefore more necessary. Research on cross-cultural literary reading responses can indicate the essential elements of literary comprehension. Under an interdisciplinary theoretical framework, the research on cross-cultural literary comprehension should be conducted to investigate whether readers from diverse cultural contexts differ in their reading responses and to explore the common ground of cross-cultural literary interpretation. Based on the theoretical foundation, empirical studies on cross-cultural literary comprehension are introduced, comprising perspectives such as differences and similarities in story interpretation, aesthetic appreciation of classical poetry and emotional responses. The empirical findings suggest the extent to which readers’ responses can transcend cultural boundaries and diverse cultural knowledge can activate different intercultural implications. Interdisciplinary research can provide new insights into the core issues regarding the cross-cultural reading of literary works against the backdrop of globalization.
Zusammenfassung Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit den Erfahrungen und Wahrnehmungen deutscher Student*innen während ihres Auslandsaufenthaltes in China zum eigenen Spracherwerb, der Bedeutung von Sprache für sie und ihren Analysen zur Kommunikation sowie deren erlebter Grenzen. Aus der Perspektive der Akteur*innen besitzt Sprache eine multidimensionale Bedeutung für den Auslandsaufenthalt. Der Spracherwerb macht einen Großteil der Motivation für den Chinaaufenthalt aus. Dies führt zu Erwartungen, die im Laufe des Aufenthaltes überprüft und neu justiert werden müssen. Dabei werden den deutschen Student*innen Grenzen der Kommunikation bewusst, die über die reine Sprachkompetenz hinausgehen und auch nicht durch die Drittsprache Englisch aufgefangen werden können. Dazu wird das Verhältnis von Sprache und Kontext diskutiert. Das Konzept des Blickwinkels aus der Interkulturellen Germanistik (auch IKG) wird von den Akteur*innen als notwendiges Referentialsystem artikuliert. Es wird sichtbar gemacht, inwieweit Begriffe der Interkulturellen Germanistik zur Erklärung von Interaktion und der Verstehens- beziehungsweise Erwerbsprozesse von Interkultureller Kompetenz beitragen können. Gleichzeitig werden diese Begriffe als Deutungswerkzeuge der Akteur*innen aufgedeckt.
Zusammenfassung Die früheste Rezeption des chinesischen Romans Geschichte der Drei Reiche in Deutschland lässt sich auf das Jahr 1856 datieren. In diesem Beitrag wird auf die Rezeption der Geschichte der Drei Reiche durch Schriftsteller und Sinologen in deutschsprachigen Ländern im Zeitraum von 1856 bis 1940 eingegangen. Durch eine Einteilung der Rezeption in drei Epochen kommt der Beitrag schließlich zu dem Ergebnis, dass die Rezeption des Romans Geschichte der Drei Reiche in deutschsprachigen Ländern von den politischen und kulturellen Kontexten verschiedener historischer Epochen geprägt war. Die Gemeinschaft der deutschen Übersetzer haben einen bemerkenswerten Beitrag zur Verbreitung und Rezeption des Romans in Deutschland geleistet und eine positive und aktive Rolle gespielt, um die kulturelle Interaktion und das gegenseitige Verständnis zwischen China und Deutschland zu fördern.
Zusammenfassung Der Sinologe und Theologe Richard Wilhelm leistete durch seine Übersetzungen klassischer chinesischer philosophischer Werke und durch seine bahnbrechende Erforschung der chinesischen Kultur einen großen Beitrag zur Überlieferung der klassischen chinesischen Philosophie im Westen ebenso wie zum Kulturaustausch zwischen China und Deutschland. In einem Dokumentarfilm unter der Regie seiner Enkelin Bettina Wilhelm führt sie einen Dialog mit ihrem Großvater, indem sie seine Spuren in China und Deutschland nachzeichnet. Ein Gespräch zwischen Bettina Wilhelm und Forschern, Lehrern und Schülern über diesen Film offenbart die tief reichende Bedeutung des Buches I Ging , nämlich „Wandlungen“, dessen Philosophie Richard Wilhelm in den Bann zog. Aufgeschlossenheit gegenüber Wandel (die Begegnung mit einer anderen Kultur bedeutet ebenfalls Wandel) wird als ein geeigneter Weg angesehen, um mit Veränderungen umzugehen und im Strom des Lebens mit zu schwimmen.