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Editorial

Veröffentlicht/Copyright: 27. März 2021

Das vorliegende Heft entstand unter dem Eindruck der amerikanischen Präsidentschaftswahlen und der Versuche des abgewählten Präsidenten Donald Trump, seine Wahlniederlage nicht anzuerkennen und mit Tricks wiedergewählt zu werden. Der Beitrag von Joachim Krause analysiert nach einer kurzen Bilanz der Amtszeit Trumps die Ergebnisse der Wahlen vom 3. November 2020 und die Versuche Trumps und vieler seiner Parteifreunde, die Wahl als gefälscht hinzustellen. Trumps Versuche, Joseph Biden die Wahl zu stehlen, scheiterten mit dem Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol. Während die Erleichterung weltweit groß ist, dass mit Joseph Biden nun ein Präsident regiert, der wieder Normalität, Professionalität und Verantwortungsbewusstsein in die amerikanische Politik bringen wird, bleibt die Sorge groß, dass die von Trump aufgeheizte Stimmung anhalten und die Politik in den USA vergiften wird. In einem Beitrag von Jackson Janes wird gefragt, welche Herausforderungen vor dem neuen US-Präsidenten Joseph Biden liegen. Im Buchbesprechungsteil wird das aktuelle Buch von Stephan Bierling zur Bilanz der Regierungszeit Trumps rezensiert.

Der Beitrag von Christian Deubner befasst sich mit der Rolle, die Frankreich in der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) spielt. Frankreichs Teilnahme verringere sich seit Jahren. Paris verfolge, so der Verfasser, einen Sonderweg, der das europäische Projekt einer gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik untergrabe, indem es meist nur militärische Einsätze im frankofonen Afrika befürworte, die von den Partnern zunehmend kritisch gesehen werden. In der Folge komme es zu einem Auseinanderlaufen von kleinen und auf Kapazitätsstärkung orientierten GSVP-Missionen auf der einen Seite und robusten Militärmissionen Frankreichs auf der anderen Seite. Solange die GSVP bezüglich Kapazitäten und militärischer Effizienz auf Frankreich angewiesen ist, werde sich, so der Verfasser, erst dann etwas ändern können, wenn andere Staaten, wie Deutschland, entsprechende Kapazitäten bereitstellen und in die GSVP integrieren.

Der Aufsatz von Jakob Kullik und Marc Schmid befasst sich mit der neuen, 2020 verabschiedeten Rohstoffstrategie der Bundesregierung. Diese solle zu einer ökologisch und sozial verträglichen, zuverlässigen und wettbewerbsfähigen Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft beitragen und sei eine politische Antwort auf drängende Herausforderungen im Rohstoffsektor, insbesondere, die hohe Versorgungsabhängigkeit Deutschlands von China bei kritischen Rohstoffen. Im Gegensatz zur alten Rohstoffstrategie aus dem Jahr 2010, so die Verfasser, sei die überarbeitete Strategie deutlich ambitionierter und versuche, die aktuellen Herausforderungen anzusprechen. Angesichts des dadurch drohenden strategic overload stelle sich allerdings die Frage, ob ein europäischer Ansatz zu favorisieren wäre.

Der Beitrag von Stefan Lukas führt uns nach Pakistan, wo die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels sichtbar werden. Die klimatischen Veränderungen stellen besonders die Wasserversorgung des Landes vor große Herausforderungen. Der Klimawandel dürfte die Probleme im Land verstärken, wie Landflucht, gesellschaftliche Spaltung und religiöse Radikalisierung. Während die Regierung in Islamabad auf neue, klimafreundliche Technologien und ein Umdenken bei der Nachhaltigkeit von Großprojekten setzen müsse, könnten sich die europäischen Akteure durch eine einheitliche Klimapolitik sowie durch die Erweiterung von Partnerschaftsprojekten und technologische Transfers für Pakistan einsetzen.

Der Aufsatz von Moises Rendon und Claudia Fernandez befasst sich mit der internationalen Unterstützung des Maduro-Regimes in Venezuela, ohne die schon längst ein Machtwechsel stattgefunden hätte. Zu den Unterstützern zählen Russland, China, Kuba, und neuerdings auch Iran und die Türkei. Der Artikel zeigt auf, wie und mit welchen Mitteln und unter welchen Rahmenbedingungen diese fünf Mächte („die fabelhaften Fünf“) das Regime am Leben halten und welche geopolitischen Überlegungen dahinter stehen.

Die Kurzanalyse von Olivier Rittiman geht der Frage nach, wie die NATO als Organisation auf die COVID-19-Krise reagiert hat. Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht, wonach die NATO von der Pandemie völlig überrascht worden sei, habe die Organisation sehr früh reagiert und dafür gesorgt, dass der Gesundheitsnotstand nicht zu einer Sicherheitskrise wurde, indem die Einsatzbereitschaft der integrierten Truppen gewahrt wurde. Sie stellte darüber hinaus den Bündnisstaaten sämtliche Koordinierungsmechanismen der NATO zur Verfügung: Fachkräfte für Krisenreaktion und Logistik, Planungsfähigkeiten sowie ihre bestehenden dauerhaften Hauptquartier-Strukturen. Die NATO und insbesondere das Allied Command Operations sei jederzeit in der Krise einsatzbereit gewesen und hätte diese Einsatzbereitschaft die gesamte Zeit hindurch aufrecht erhalten.

Im Besprechungsteil werden neuere Thinktankstudien zu den russisch-amerikanischen Beziehungen ebenso vorgestellt wie zum russischen Militär, der Arktis, den US-Seestreitkräften und zu den Entwicklungen in der Region Indo-Pazifik. Bei den Buchbesprechungen findet sich eine Sammelbesprechung zum Thema „Supermacht China,“ die drei viel zitierte englischsprachige Publikationen behandelt. Des Weiteren sind die Arktis sowie maritime Strategiefragen Gegenstand von Buchbesprechungen.

Die Herausgeber

Published Online: 2021-03-27
Published in Print: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Titelseiten
  2. Editorial
  3. Editorial
  4. Aufsätze
  5. Die amerikanischen Wahlen vom 3. November 2020 und das unwürdige Ende der Ära Trump
  6. Frankreichs langer Rückzug aus der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU
  7. Strategic Overload: Die neue Rohstoffstrategie Deutschlands zwischen Pragmatismus und Überambition
  8. Der Kampf ums Wasser – Pakistan und die Folgen des Klimawandels
  9. Die Fabelhaften Fünf: Wie ausländische Akteure das Maduro-Regime in Venezuela stützen
  10. Kurzanalysen und Berichte
  11. Die NATO und die COVID-19 Pandemie
  12. Strategischer Kommentar
  13. Bidens große Herausforderung
  14. Ergebnisse strategischer Studien
  15. Russisch-amerikanische Beziehungen
  16. Rose Gottemoeller/Thomas Graham/Fiona Hill/Jon Huntsman Jr./Robert Legvold/Thomas R. Pickering: It’s Time to Rethink Our Russia Policy: Open Letter by 103 U.S. foreign-policy experts. POLITICO, 5. August 2020, auf Deutsch abgedruckt in Heft 4/2020 von SIRIUS
  17. Russisches Militär
  18. Mason Clark: Russian Hybrid War. Washington, D.C.: Institute for the Study of War (ISW), Military Learning and the Future of War Series, September 2020
  19. Arktis
  20. Rachel Ellehus/Colin Wall: Geopolitics and Neglected Arctic Spaces. Three Northern Perspectives on Balancing External Interests. Washington D.C.: Center for Strategic & International Studies, November 2020
  21. US Seestreitkräfte
  22. Marc F. Cancian: U.S. Military Forces in FY 2021: Navy. Washington, D.C.: Center for Strategic & International Studies (CSIS), November 2020
  23. Marc F. Cancian: U.S. Military Forces – FY 2021: Marine Corps. Washington, D.C., Center for Strategic & International Studies (CSIS), November 2020
  24. Erich C. Frandrup: Embracing Underseas Robots: A US Strategy to Maintain Undersea Superiority in an Age of Unmanned Systems. Washington, D.C.: The Atlantic Council, November 2020
  25. Militärische Entwicklung Indo-Pazifik
  26. Tate Nurkin: The Five Revolutions: Examining defense innovation in the Indo-Pacific Region. Washington, D.C.: The Atlantic Council, 30. November 2020
  27. Buchbesprechungen
  28. Supermacht China
  29. Stephan Bierling: America First – Donald Trump im Weißen Haus. Eine Bilanz. München: C H Beck Verlag, 2020, 271 Seiten
  30. Joachim Weber (Hrsg.): Handbook on Geopolitics and Security in the Arctic. The High North Between Cooperation and Confrontation. Cham: Springer Nature Switzerland, 2020, 378 Seiten
  31. Sebastian Bruns/Sarandis Papadopoulos (Hg.): Conceptualizing Maritime & Naval Strategy. Festschrift for Captain Peter M. Swartz, United States Navy (ret.), ISPK Seapower Series. Baden-Baden: Nomos Verlag, 2020, 373 Seiten
  32. Bildnachweise
Heruntergeladen am 1.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/sirius-2021-1001/html?lang=de
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