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Armut als Ordnungsfrage – Vom Wert des ordnungsökonomischen Denkens

  • Alfred Schüller
Veröffentlicht/Copyright: 29. Juli 2018
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ORDO
Aus der Zeitschrift ORDO Band 69 Heft 1

Zusammenfassung

Die Armutsfrage wird heute bevorzugt als staatliches Verteilungs- und Lenkungsproblem, kaum noch als umfassende Ordnungsaufgabe mit dem Ziel der allgemeinen Wohlstandsmehrung aufgefasst, wie dies vor 70 Jahren mit einer erfolgreichen Währungs- und Wirtschaftsreform im Verständnis der Sozialen Marktwirtschaft geschah. Inzwischen sind die Grundsätze dieses Wirtschaftssystems weithin brach liegend. Was lernen wir davon und welche Perspektiven ergeben sich daraus – vor allem auch für Europa?

Abstract

Today, the question of poverty is primarily perceived as a problem of state distribution and control, hardly as a comprehensive task of economic order with the aim of increasing prosperity in general, as happened 70 years ago – with a successful monetary and economic reform in the understanding of the social market economy. Meanwhile, the principles of this economic system largely fallow. What do we learn from this and what are the prospects for the future – especially for Europe?

JEL-Klassifikation: I30; B25; E51; E63

Anmerkung

Der Beitrag geht auf einen Vortrag („Vom Wert des ordnungsökonomischen Denkens“) zurück, den der Autor auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung am 3. April 2017 in Moskau gehalten hat. Die Bezeichnung „Ordnungsökonomik“ hat Erich Hoppmann (1995, S. 43) vorgeschlagen, um die Zusammengehörigkeit von Ordnungstheorie und Ordnungspolitik hervorzuheben; denn Ordnungspolitik ist ohne Ordnungstheorie nicht in sachgemäßer Weise möglich, wenn damit versucht wird, der Wirtschaftspolitik eine brauchbare Grundlage zu geben.


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Online erschienen: 2018-07-29
Erschienen im Druck: 2018-07-22

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Titelei
  2. Autorenverzeichnis
  3. Vorwort
  4. Teil I: Grundfragen der Ordnungstheorie
  5. Habent sua fata professores. Joseph A. Schumpeter an Walter Eucken
  6. A Measure of Judgments – Wilhelm Röpke’s Methodological Heresy
  7. Democracy by Discussion, Not Debate: James Buchanan on Freedom of Inquiry as a Methodological, not Ideological, Necessity
  8. Teil II: 70 Jahre Wirtschafts- und Währungsreform in Deutschland
  9. Die Europäische Währungsunion aus traditioneller und moderner ordnungsökonomischer Perspektive
  10. 70 Jahre Wirtschafts- und Währungsreform: Von der Rekonstruktionstheorie zur Ordnungspolitik
  11. Armut als Ordnungsfrage – Vom Wert des ordnungsökonomischen Denkens
  12. Monetary Policy, Privileges and Economic Development: Ordoliberal Lessons for the EMU
  13. Fallstricke der Europäischen Integration: Banken- und Kapitalmarktunion aus deutscher Perspektive
  14. Teil III: Angewandte Ordnungstheorie
  15. Real Wage Effects of Japan’s Monetary Policy
  16. Die Ministererlaubnis als Element der deutschen Wettbewerbsordnung: eine theoretische und empirische Analyse
  17. Wettbewerbsrecht und Ökonomie im digitalen 21. Jahrhundert
  18. Think small – Das deutsche Stromnetz als Hindernis für die Energiewende
  19. Teil IV: Die politische Ökonomie der Wirtschaftsordnung
  20. Ordoliberalismus vs. Wirtschaftspopulismus: Unterschiedliche Konzepte für ähnliche Wähler
  21. Sezessionsklauseln: Ein Instrument zur Förderung von Freiheit und Wohlstand?
  22. Teil V: Ordnungspolitische Standpunkte
  23. Leszek Balcerowicz – Vordenker und Pionier der Transformationsökonomik
  24. Economic Freedom: Fundamentally Important and the Most Attacked
  25. Interventionsspiralen in der Europäischen Währungsunion
  26. Teil VI: Der Wirtschaftsnobelpreis 2018
  27. Understanding Economic Growth
  28. Teil VII: Buchbesprechungen
  29. 20 Jahre Verantwortung für Netze: Bestandsaufnahme und Perspektiven
  30. Finanzsoziologie und Steuerpsychologie: Wiederentdeckungen einer sozio-ökonomischen Finanzwissenschaft
  31. Das Menschenrecht auf Wasser als Allokationsproblem
  32. Die Selbstanzeige als Element des Wirtschaftsverkehrs
  33. Die Ursachen für den Zusammenbruch der Sowjetunion und der DDR
  34. Wissenschaftler antworten auf die Enzyklika von Papst Franziskus
  35. Gestalten der Sozialpolitik
  36. Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium
  37. Der neue „Mankiw“
  38. CSR und Mitarbeiterbeteiligung. Die Kapitalbeteiligung im 21. Jahrhundert: Gerechte Teilhabe statt Umverteilung
  39. The virtues of the market: Wilhelm Röpke as a cultural economist
  40. The Discovery of Intellectual Landscapes
  41. Ordoliberalism quo vadis? Ideas for a renewal of an ordoliberal theory of the political order
  42. Did the Freiburg School Deepen the Eurozone Crisis?
  43. Capital, Interest, and Money: The Economics of Viking Village
  44. Neoliberalism as the Ideology of Depolitization? Eucken and Hayek Reconsidered
  45. Yet Another Neoliberal School? Geneva and Its Ordoglobalists
  46. Will the real James Buchanan please stand up?
  47. The Walter Lippmann Colloquium: The Birth of Neoliberalism
Heruntergeladen am 11.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/ordo-2019-0009/html
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