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70 Jahre Wirtschafts- und Währungsreform: Von der Rekonstruktionstheorie zur Ordnungspolitik

  • Wolf Schäfer
Veröffentlicht/Copyright: 29. Juli 2018
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ORDO
Aus der Zeitschrift ORDO Band 69 Heft 1

Zusammenfassung

Es gibt mindestens zwei grundsätzlich alternative Ansätze für die Würdigung der Wirtschafts- und Währungsreform vor 70 Jahren: Die Rekonstruktionsthese besagt, dass sie im Kern keinen signifikanten Einfluss auf das erhöhte Wirtschaftswachstum im Nachkriegsdeutschland gehabt habe. Das behauptete Erhardsche „Wirtschaftswunder“ sei ein Mythos. Wachstum sei vielmehr durch die langfristige Produktivität eines Landes bestimmt. Die Gegenthese lautet, dass es ohne die Währungs- und Wirtschaftsreform nicht zu dem fulminanten Wirtschaftsaufschwung in der Trizone und in Westdeutschland gekommen wäre. Denn es waren gerade die neuen Regeln der Ordnungspolitik, insbesondere der Wirtschaftsli2beralisierung, die den Schub zum erstarkten Wachstum erzeugten. Was kann man heute in Deutschland und Europa daraus lernen? Angesichts der zunehmenden staatlichen Interventions- und Regulierungsintensitäten, die sich u. a. in administrierten Höchst- und Mindestpreisen, Vorschriften, Verboten etc. dokumentieren, ist der Rückblick vor allem auf die Wirtschaftsbefreiungspolitik Ludwig Erhards vor 70 Jahren ordnungsökonomisch lehrreich.

Abstract

There are at least two alternative approaches to the valuation of the price and monetary reform in 1948. The one relates to the so-called reconstruction thesis saying that the significant economic recovery in post-war West Germany was not the result of Ludwig Erhard`s monetary reform and price liberalisation policy. Instead, it was the long-run productivity of the country which determined its economic growth independent of Erhard`s reform policy. In this article, it is argued that it was the change of the institutional arrangements as regards introducing more market economy into post-war West Germany. Therefore, what we can learn from Ludwig Erhard´s post war strategy Ordoliberalism as part of the Institutional Economics market approach fosters growth and development. In Germany, Erhard´s market philosophy meanwhile has lost broad political acceptance.

JEL-Klassifikation: B25; B55; D49; D50

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Online erschienen: 2018-07-29
Erschienen im Druck: 2018-07-22

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Titelei
  2. Autorenverzeichnis
  3. Vorwort
  4. Teil I: Grundfragen der Ordnungstheorie
  5. Habent sua fata professores. Joseph A. Schumpeter an Walter Eucken
  6. A Measure of Judgments – Wilhelm Röpke’s Methodological Heresy
  7. Democracy by Discussion, Not Debate: James Buchanan on Freedom of Inquiry as a Methodological, not Ideological, Necessity
  8. Teil II: 70 Jahre Wirtschafts- und Währungsreform in Deutschland
  9. Die Europäische Währungsunion aus traditioneller und moderner ordnungsökonomischer Perspektive
  10. 70 Jahre Wirtschafts- und Währungsreform: Von der Rekonstruktionstheorie zur Ordnungspolitik
  11. Armut als Ordnungsfrage – Vom Wert des ordnungsökonomischen Denkens
  12. Monetary Policy, Privileges and Economic Development: Ordoliberal Lessons for the EMU
  13. Fallstricke der Europäischen Integration: Banken- und Kapitalmarktunion aus deutscher Perspektive
  14. Teil III: Angewandte Ordnungstheorie
  15. Real Wage Effects of Japan’s Monetary Policy
  16. Die Ministererlaubnis als Element der deutschen Wettbewerbsordnung: eine theoretische und empirische Analyse
  17. Wettbewerbsrecht und Ökonomie im digitalen 21. Jahrhundert
  18. Think small – Das deutsche Stromnetz als Hindernis für die Energiewende
  19. Teil IV: Die politische Ökonomie der Wirtschaftsordnung
  20. Ordoliberalismus vs. Wirtschaftspopulismus: Unterschiedliche Konzepte für ähnliche Wähler
  21. Sezessionsklauseln: Ein Instrument zur Förderung von Freiheit und Wohlstand?
  22. Teil V: Ordnungspolitische Standpunkte
  23. Leszek Balcerowicz – Vordenker und Pionier der Transformationsökonomik
  24. Economic Freedom: Fundamentally Important and the Most Attacked
  25. Interventionsspiralen in der Europäischen Währungsunion
  26. Teil VI: Der Wirtschaftsnobelpreis 2018
  27. Understanding Economic Growth
  28. Teil VII: Buchbesprechungen
  29. 20 Jahre Verantwortung für Netze: Bestandsaufnahme und Perspektiven
  30. Finanzsoziologie und Steuerpsychologie: Wiederentdeckungen einer sozio-ökonomischen Finanzwissenschaft
  31. Das Menschenrecht auf Wasser als Allokationsproblem
  32. Die Selbstanzeige als Element des Wirtschaftsverkehrs
  33. Die Ursachen für den Zusammenbruch der Sowjetunion und der DDR
  34. Wissenschaftler antworten auf die Enzyklika von Papst Franziskus
  35. Gestalten der Sozialpolitik
  36. Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium
  37. Der neue „Mankiw“
  38. CSR und Mitarbeiterbeteiligung. Die Kapitalbeteiligung im 21. Jahrhundert: Gerechte Teilhabe statt Umverteilung
  39. The virtues of the market: Wilhelm Röpke as a cultural economist
  40. The Discovery of Intellectual Landscapes
  41. Ordoliberalism quo vadis? Ideas for a renewal of an ordoliberal theory of the political order
  42. Did the Freiburg School Deepen the Eurozone Crisis?
  43. Capital, Interest, and Money: The Economics of Viking Village
  44. Neoliberalism as the Ideology of Depolitization? Eucken and Hayek Reconsidered
  45. Yet Another Neoliberal School? Geneva and Its Ordoglobalists
  46. Will the real James Buchanan please stand up?
  47. The Walter Lippmann Colloquium: The Birth of Neoliberalism
Heruntergeladen am 11.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/ordo-2019-0008/html
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