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Herzlichen Glückwunsch GBI!
Am 5. Januar 1978 haben die beiden Studienfreunde Dr. Christoph Aschoff und Dr. Peter Müller-Bader in München die Firma GBI Gesellschaft für betriebswirtschaftliche Information mbH gegründet, die sie später gerne auch German Business Information nannten. Nachdem sie zuvor bereits Literaturlisten an Studierende der Betriebswirtschaft verkauft hatten, betrieben sie nun ihre Literaturdatenbank BELIT, später BLISS (Betriebswirtschaftliches Literatursuchsystem), als Online-Datenbank. Ihre Versuche, 1983 aus dem Fachinformationsprogramm der Bundesregierung Fördermittel zu erhalten, um einen privatwirtschaftlichen Host auf die Beine zu stellen, scheiterten zwar, doch die beiden Gründer ließen sich nicht entmutigen. Aschoff war der Systemverantwortliche und Programmierer, Bader-Müller suchte den Kontakt mit den Kunden und war der Marketer. 1988 veröffentlichte diese Zeitschrift seinen Beitrag „Strategisches Informationsmarketing. Wie verkauft man Wissen“ (Nachr.f.Dok. 39 (1988) 163–166).
Wettbewerber, von Anfang an aber auch Kooperationspartner beim Hostbetrieb, wurde 1985 der von der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH gegründete Bereich GENIOS Wirtschaftsdatenbanken. Im Januar 2006 wurde aus der alten GBI die GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH und die Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH beteiligten sich, die Verlagsgruppe Handelsblatt brachte dabei ihr unter der Marke GENIOS betriebenes Geschäft ein. Im Oktober 2008 legten Aschoff und Müller-Bader nach dreißig Jahren die Geschäftsführung nieder. Die GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH behauptet sich seither mit neuem Personal am angestammten Standort und mit dem alten Spirit weiterhin mit innovativen Produkten und Dienstleistungen.
Die DGI gratuliert ihrem treuen korporativen Mitglied und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum 40-jährigen Jubiläum und wünscht ihnen weiterhin eine glückliche Hand, Durchhaltevermögen und erfolgreiches Wirken.
Rat für Informationsinfrastrukturen unter neuer Leitung
Der Rat für Informationsinfrastrukturen hat in seiner 10. Sitzung am 23. November 2017 in Heidelberg die Darmstädter Philosophie-Professorin Petra Gehring zur neuen Vorsitzenden gewählt. Stellvertreter wird der Bielefelder Soziologe Prof. Dr. Stefan Liebig. Der RfII erarbeitet seit November 2014 im Auftrag der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) Vorschläge zu zukunftsfähigen Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft. Petra Gehring hat über die Konzeptarbeit zur Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und als stellvertretende RfII-Vorsitzende die Arbeit des RfII bereits mitgeprägt. Sie folgt dem Gründungsvorsitzenden Otto Rienhoff. Der RfII wird in der kommenden Arbeitsphase die Zusammenarbeit mit der GWK fortsetzen. Seine Empfehlungen zur Realisierung einer netzwerkförmigen nationalen Forschungsdateninfrastruktur haben in Wissenschaft und Politik eine bemerkenswerte Resonanz gefunden. Zwei neu eingerichtete Arbeitsgruppen des RfII werden zudem Empfehlungen zu den Themen „Datenqualität“ sowie „Berufsbilder und Kompetenzen für den Arbeitsmarkt Wissenschaft“ erarbeiten. Die 24 Mitglieder des RfII sind aus Informationsinfrastruktureinrichtungen, Forschung dem öffentlichen Bereich sowie der GWK berufen worden. Weitere Informationen unter www.rfii.de.
Deklaration zur European Open Science Cloud veröffentlicht
Die Europäische Kommission hat Ende Oktober 2017 ihre EOSC Declaration zur European Open Science Cloud (EOSC) veröffentlicht. In diesem Dokument werden erste Vorstellungen zur Ausgestaltung der EOSC beschrieben. Betont wird u. a. die Bedeutung des Open Access zu Forschungsdaten, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen („Open access by default“) sowie die pragmatische und technologieneutrale Anwendung der sogenannten FAIR-Prinzipien für wissenschaftliches Datenmanagement. Eine „Action List“ informiert über erste mögliche Beiträge zur Umsetzung der EOSC.
EU-Empfehlungen: Anerkennung für Open Science
Die von der Open Science Policy Plattform der EU eingesetzte „Open Science Working Group on Rewards/Recognition“ hat ihren Bericht veröffentlicht. Darin werden Empfehlungen für die Berücksichtigung von Open-Science-Kriterien für die Bewerberauswahl und die Evaluation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie für die finanzielle Förderung von Forschungsvorhaben gegeben. Eine „Open Science Career Assessment Matrix“ enthält praktische Vorschläge, welche Open-Science-Aktivitäten für die Evaluation herangezogen werden könnten. Wissenschaftsinstitutionen und Forschungsförderorganisationen wird empfohlen, die bisherigen, oft rein bibliometrischen Verfahren für die Evaluation wissenschaftlicher Leistungen mit Open-Science-Kriterien zu ergänzen und auf diese Weise Anreize für die weitere Etablierung von Open Science zu setzen.
ISO 28500 „Information und Dokumentation – WARC Dateiformat“
Webseiten entstehen und verschwinden jeden Tag aus dem World Wide Web. In den letzten zehn Jahren haben Gedächtnisorganisationen versucht Wege zu finden, um diese riesige Menge an wichtigem Material mit Hilfe von IT-Tools zu überwachen und zu erfassen. Hierfür wurden unter anderem Webcrawler eingesetzt. Das WARC-Dateiformat (Web ARChive) ist eine Erweiterung des ARC-Dateiformats, das traditionell verwendet wurde, um „Webcrawls“ als Sequenzen von Inhaltsblöcken zu speichern, die aus dem World Wide Web stammen. Das ursprüngliche ARC-Dateiformat wurde unter anderem vom Internet Archive und mehreren Nationalbibliotheken eingesetzt. Die Motivation einer Erweiterung des ARC-Formats ergab sich aus den Erfahrungen des International Internet Preservation Consortium (IIPC), zu dessen Mitgliedern neun Nationalbibliotheken, die British Library, die Library of Congress und das Internet Archive zählen. Auch die California Digital Library und das Los Alamos National Laboratory lieferten Beiträge zur Erweiterung des Formats. Das WARC-Dateiformat ermöglicht die Verkettung mehrerer Datensätze, die jeweils aus einem Satz einfacher Text-Header und einem beliebigen Datenblock in einer langen Datei bestehen. Es bietet damit eine standardisierte Möglichkeit zur Strukturierung, Verwaltung und Speicherung von Milliarden von Ressourcen, die im Internet und anderswo gesammelt wurden.
TU Berlin: Quellcode des DepositOnce veröffentlicht
DepositOnce (https://depositonce.tu-berlin.de) ist das Repositorium der Technischen Universität Berlin (TU Berlin). Es basiert auf DSpace (Version 6.2), der meist verbreiteten Software zur Einrichtung von Open-Access-Repositorien. Die Universitätsbibliothek (UB) der TU Berlin beteiligt sich aktiv an der Entwicklung von DSpace, indem geeignete Ergänzungen sowie zahlreiche Fehlerbehebungen und andere Verbesserungen integriert werden. Einige zu spezifische oder zu aufwendige Änderungen können allerdings nicht in DSpace umgesetzt werden, wie beispielweise die Pflichtabgabe von Netzpublikationen über OAI-PMH an die Deutsche Nationabibliothek. Diese ist nur für DSpace-Installationen in Deutschland interessant, nicht aber für die internationalen Versionen. Im Sinne von Open Source hat die UB der TU Berlin nun unter einer DSpace Source Code License den ganzen Quellcode ihrer Installation von DSpace auf Github veröffentlicht und damit zur Nachnutzung durch andere Institutionen bereitgestellt. Der Quellcode von DepositOnce findet sich unter: https://www.github.com/tuub/DSpace.
GESIS: SOWIPORT eingestellt
Zugriff auf SOLIS und FORIS auch zukünftig möglich
Sowiport, das sozialwissenschaftliche Fachportal mit Fachinformationen und Fachdatenbanken mit über sieben Millionen Nachweisen zu sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten, Publikationen und Veranstaltungen, wurde zum 31. Dezember 2017 geschaltet. Über GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften war das seit 2007 online verfügbare Portal frei zugänglich und kostenlos nutzbar. Gründe für seine Einstellung waren zum einen das veränderte Rechercheverhalten der sozialwissenschaftlichen Gemeinschaft, die überwiegend entweder kommerzielle Portale wie Google Scholar, Thomson Reuters und ResearchGate oder die Portale ihrer Universitätsbibliotheken nutzte, sowie zum anderen die strategische Neuausrichtung von GESIS und seiner Infrastrukturdienstleistung auf „Open Science“. Aufgrund dieser Entwicklung stellt GESIS ein neues Rechercheangebot search.gesis.org online, das den Fokus auf Forschungsdaten, Erhebungsinstrumente, Publikationen zu Daten und Instrumenten sowie Open Access legt. Für eine bessere Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen werden darüber hinaus Verknüpfungen zwischen Forschungsdaten, Instrumenten und Publikationen expliziert.
Ein Zugriff auf die Altdatenbestände der beiden Literaturnachweis-Datenbanken SOLIS und FORIS wird zukünftig über das Portal wiso von GBI-Genios möglich sein. Zusätzlich sollen auch Inhalte (z. B. Metadaten) der sozialwissenschaftlichen Datenbank SSOAR zukünftig über wiso zur Verfügung stehen.
Kurzbericht zu den Steilvorlagen 2017
Digitization: Redefining and innovating new businesses am 12. Oktober 2017
Die Steilvorlagen „Digitization: Redefining and innovating new businesses“ fanden auch 2017 wie schon in den Jahren davor während der Frankfurter Buchmesse statt. Die erste Keynote hielt Rafael Ball von der ETH-Zürich. Er sieht die digitale Disruption als eine alles umfassende Revolution, die unseren bisherigen Erfahrungsschatz obsolet werden lässt. Die analoge Welt ist dem Untergang geweiht, ähnlich vergangener Zivilisationen. Dies gilt nach Balls Meinung auch für das Monopol der Informationsvermittlung durch die Infoprofis. Dies gilt sowohl für die traditionellen, institutionell verankerten Bibliothekare wie auch für die selbstständigen Info-Broker. Denn der äußere Wandel durch die digitale Disruption überholt sie alle – ihr Ende naht, wenn sie sich nicht neuen Themen, wie KI oder Big Data stellen.
Dagegen bildeten die beiden Kurz-Vorträge zweier selbständiger Infoprofis einen bemerkenswerten Kontrast. Sie holten die Zuhörer von ihrem Ausflug in eine revolutionäre Zukunft wieder ins Heute: Birgit Bauer (Bauer Business Research) und Dr. Silke Bromann (Japan Consulting), beides sogenannte „Quereinsteiger“ aus der Markt- und Technikbranche beziehungsweise der Japanologie und Sinologie. Beide berichteten von einem ganz traditionellen Berufsalltag der Informationsbeschaffung, indem innovativen Technologien wie Big Data oder KI keine Rolle spielen. Beide waren trotz unterschiedlicher fachlicher Hintergründe einig, dass ihr Erfolg auf den persönlichen Beziehungen zu Kunden und beruflichen Netzwerken basieren. Gerade Social Media Kanäle können einzelnen selbständigen Infoprofis Spaß machen, für die Auftragsbeschaffung sind sie aber ungeeignet, so Silke Broman. Wesentlich wichtiger, da waren sich beide einig, ist es die richtigen Ansprechpartner und Experten zu finden und da sind immer noch die herkömmlichen Methoden des persönlichen Netzwerkens über Berufsverbände, Vereine wie die DGI und einschlägige Fachveranstaltungen das Mittel der Wahl.
Wie aus einer anderen Welt erschien da der zweite Keynotespeaker Arne Krüger von Moving Targets Consulting GmbH. Der IT-ler und Gründer eines Informationsdienstleisters stellte sich dem Publikum mit „Wir sind Ihre Nachfolger“ vor. In Folge nahm er seine Zuhörer an die Hand und erklärte mit Parabeln aus dem Star-Wars Universum höchst anschaulich und unterhaltsam seinen Umgang mit dem digitalen Wandel. Während Balls Vortag mit der digitalen Disruption als Schreckgespenst provozieren sollte, ging es ihm um einen lösungsorientierten Ansatz. Bemerkenswerterweise galten seine Ausführungen aber nicht technischen Lösungen sondern einfachen zwischenmenschlichen Handlungsempfehlungen. Nach dem Leitsatz „Hüte dich vor der dunklen Seite der Macht“ ging es um Kooperation statt Konkurrenz, Ehrlichkeit, ganz viel Mut und Hartnäckigkeit, denn dies blieb als Merksatz ganz besonders hängen: „Wo Widerstand ist, ist auch Wachstum“. Alles Weisheiten aus dem hier und jetzt, die das Unternehmen in der digitalen Welt so erfolgreich machen.
Der letzte Impulsvortrag von Yurt Murat, Absolvent der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, sah den Informationswissenschaftler in der Unternehmensberatung und brachte den anwesenden mehrheitlich langjährigen Infoprofis wenig Neues. Er leitete über zur abschließenden Podiumsdiskussion moderiert von Tim Brouwer, die nochmal herausarbeitete, dass Kommunikation und Netzwerken in der analogen Welt unersetzlich ist. Und auch wenn Technik immer nur ein Mittel zum Zweck sein kann, die Neugier darauf darf Infoprofis niemals abhandenkommen.
Die unterhaltsamen Beiträge hatten, das muss man positiv bemerken, den Menschen und nicht eine technische Lösung als erfolgreiches Geschäftsmodell im Blick. Das ist sicherlich ein Markenzeichen der Steilvorlagen, deren Begründer Willi Bredemeier sich nun ins Familienleben zurückzieht. Doch nach dem Titel „Digitization: Redefining and innovating new businesses“ hätte man sich mehr vom Thema digitale Disruption und den damit verbunden möglichen Chancen einer Neudefinition von Infoprofis gewünscht.
© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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