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Zwischen Druckerpresse und indigenem kulturellem Erbe – Das Bibliothekswesen Kanadas

  • Annika Spenger

    Annika Spenger

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Published/Copyright: November 5, 2021
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Zusammenfassung

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bibliothekswesen Kanadas deutlich modernisiert und die Bibliotheken erfreuen sich großer Beliebtheit bei der Bevölkerung. Der Artikel liefert einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bibliothekswesen in Kanada. Exemplarisch werden diese Trends an unterschiedlichen Bibliothekstypen – den Nationalbibliotheken, den Universitätsbibliotheken und den Öffentlichen Bibliotheken – dargestellt. Darüber hinaus stehen die Besonderheiten in der bibliothekarischen Ausbildung und bei überregionalen Bibliotheksprojekten im Fokus der Darstellung.

Abstract

Canada’s library sector has been significantly modernised within the last few decades, with libraries enjoying great popularity among users. Reviewing current developments, the paper discusses these trends using different examples of library types – national libraries, university libraries and public libraries. Another focus is put on the national specifics of the professional training of librarians and interregional library projects.

Während Bibliotheken in anderen Industrienationen mit sinkenden Nutzerzahlen und finanziellen Engpässen zu kämpfen haben, finden seit der Jahrtausendwende im kanadischen Bibliothekswesen zahlreiche Umstrukturierungen statt. Ziel ist es, den Übergang ins digitale Zeitalter mit den Möglichkeiten der Bibliothek als Dritter Ort zu verbinden. Der folgende Aufsatz stellt die Besonderheiten des kanadischen Bibliothekswesens in den letzten zwanzig Jahren dar, angefangen bei den National-, den Universitäts- sowie den Öffentlichen Bibliotheken. Im Anschluss werden Besonderheiten in der Ausbildung sowie bibliotheksübergreifende Projekte aufgezeigt. Bemerkenswerte Angebote bestimmter Bibliotheken – wie beispielsweise der Umgang der Nationalbibliothek mit dem indigenen Erbe oder das breite Spektrum der in der „Toronto Public Library“ angebotenen Services – werden exemplarisch vorgestellt, wodurch ein besserer Eindruck über das Bibliothekswesen gewonnen werden soll.

Allgemeine Informationen zu Kanada

Um zu Beginn die Rahmenbedingungen des kanadischen Bibliothekswesens darzustellen, sollen einige Hintergrundinformationen zur Nation geliefert werden. Kanada ist mit knapp zehn Millionen km2 das flächenmäßig zweitgrößte Land der Erde. Etwa ein Drittel der weltweiten Süßwasservorräte befinden sich in Kanadas Seen, die 7,6 Prozent der Fläche des Landes bedecken. Aufgegliedert ist der Bundesstaat Kanada in zehn Provinzen und drei unabhängige Territorien. Alle Provinzen und Territorien verfügen über eigene Parlamente, Regierungen und Generalgouverneure. Die Bildungspolitik unterliegt hierbei den Zuständigkeiten der Provinzen und Territorien. Eine Sonderrolle nimmt die im Osten des Landes gelegene französischsprachige Provinz Québec ein.

Das Land ist Teil des Commonwealth of Nations. Königin Elisabeth II. ist das offizielle Staatsoberhaupt – bis zur Ernennung eines neuen Generalgouverneurs vertreten durch den Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs von Kanada, Richard Wagner. Justin Trudeau ist Premierminister der parlamentarischen Monarchie. Insgesamt leben etwa 38 Millionen Einwohner in Kanada (Stand: Januar 2021),[1] von denen sich 70 Prozent in den städtischen Ballungsräumen sammeln. In der Hauptstadt des Landes, Ottawa, leben 1,4 Millionen Kanadier. Eine wichtige Rolle in der Gesellschaft Kanadas spielt die indigene Bevölkerung. Etwa 1,6 Millionen Staatsbürger stufen sich selbst als Ureinwohner – bestehend aus First Nations, Métis und Inuit – ein. Seit 1969 sind Englisch und Französisch die beiden Amtssprachen, alle offiziellen Dienstleistungen der Regierung müssen in diesen Sprachen angeboten werden. Bezahlt wird in Kanada mit dem Kanadischen Dollar und der HDI[2] beträgt 0,926, nach dem das Land weltweit Platz 12 einnimmt.[3]

Zwei Nationalbibliotheken – die LAC und die BAnQ

Wie in dem allgemeinen Überblick aufgezeigt wurde, spielt in Kanada die Sonderstellung der Region Québec auch im Bibliothekswesen eine wichtige Rolle: Aus diesem Grund existieren hier zwei Nationalbibliotheken, deren Aufgaben nun vorgestellt werden. Die erste Institution, „Library and Archives Canada/Bibliothèque et Archives Canada“ (LAC) befindet sich in Ottawa und ist die Nationalbibliothek für das gesamte Land. Wie schon aus dem Namen zu schließen ist, vereint diese Institution die Aufgaben einer Nationalbibliothek mit denen eines Staatsarchivs. Entstanden ist die LAC 2004 aus einem Zusammenschluss der „National Library of Canada“ mit den „National Archives of Canada“. Das kulturelle Erbe Kanadas wird in der LAC erworben, bearbeitet, erhalten und zur Verfügung gestellt. Insgesamt werden in der Nationalbibliothek u. a. 20 Millionen Bücher, fünf Mrd. Megabyte an Informationen im elektronischen Format, 30 Millionen Fotografien, 250 km an Textquellen sowie alle auf kanadischem Territorium verlegte Zeitschriften aufbewahrt.

Eine der Aufgaben der LAC besteht in ihrer engen Verbindung mit der Regierung: So werden beispielsweise alle Dokumente des „Government of Canada“ und der dazugehörigen Institutionen hier aufbewahrt und verwaltet. Des Weiteren übernimmt die LAC die Erstellung der seit 1950 bestehenden kanadischen Nationalbibliographie, genannt „Canadiana“. Hier werden alle in Kanada veröffentlichten Publikationen sowie Werke mit besonderer Bedeutung für das Land verzeichnet. Die Inhalte der „Canadiana“ können im Onlinekatalog der LAC, seit 2018 ist dies das Interface „Aurora“, durchsucht werden.

Ein besonderes Augenmerk wird in Kanada auf die Aufbewahrung und Aufbereitung des indigenen Erbes der First Nations, der Inuit sowie der Métis gelegt – hierbei spielt die LAC eine entscheidende Rolle. Die dort aufbewahrte Sammlung besteht aus Texten, Fotografien, Karten und audiovisuellen Materialien, welche die Perspektive und Erfahrung der indigenen Völker widerspiegeln. Ein zentraler Aspekt der Angebote der Bibliothek besteht aus der Aufbereitung der Materialien – diese sind in mehreren Datenbanken, virtuellen Ausstellungen sowie zahlreichen Digitalisaten und thematischen Orientierungshilfen für die Nutzer zugänglich. Darüber hinaus gibt es unterstützende Services der Bibliothek bei genealogischer Forschung. Die enge Zusammenarbeit mit den indigenen Völkern in der Bewahrung des kulturellen Erbes zeigt sich ebenso im „Project Naming“,[4] einem Crowdsourcing-Projekt zur Benennung und Identifikation von Fotografien. Um bei dem wichtigen Aspekt des indigenen Erbes Kanadas bestmöglich unterstützt zu werden, kooperiert die LAC in diesem Bereich eng mit dem „Indigenous Advisory Circle“.[5]

Daneben hat die LAC das Pflichtexemplarrecht des Landes inne, um die vollständige Sammlung und Bewahrung des kulturellen Erbes sicherzustellen. In Kanada ist eine Pflichtabgabe im Bibliotheksgesetz von 2004 („Library and Archives of Canada Act“) fest verankert. Hierbei müssen von Verlegern, die eine Publikation in Kanada herausgeben, insgesamt zwei Exemplare innerhalb von sieben Tagen nach Veröffentlichung an die LAC abgegeben werden. Weiteres regelt die 2006 verabschiedete Erweiterung zum Gesetz zur Pflichtabgabe („Legal Deposit of Publications Regulations“).[6] So muss beispielsweise bei Musikaufnahmen oder Publikationen mit einer Auflage unter 100 Stücken nur ein Exemplar abgegeben werden. In dieser Erweiterung wird ebenso über die Abgabe digitaler Publikationen entschieden. Die Daten müssen entschlüsselt und entsichert an die LAC abgegeben werden. Des Weiteren ist es verbindlich, falls nötig, die zugehörige Software oder weitere technische Informationen zu der digitalen Abgabe mitzuliefern.

Doch nicht einzig die LAC beschäftigt sich mit dem kulturellen Erbe Kanadas: Im französischsprachigen Teil des Landes, in Montréal, befindet sich die zweite Nationalbibliothek Kanadas, die „Bibliothèque et Archives Nationales du Québec“ (BAnQ). Diese Institution ist ebenso wie die LAC aus einer 2006 stattgefundenen Zusammenlegung der 1968 gegründeten „Bibliothèque nationale du Québec“ (BnQ) sowie den – aus insgesamt zehn Archiven bestehenden – „Archives nationales du Québec“ (AnQ) entstanden. Ziel ist es, das veröffentlichte Erbe aus Québec und mit einem Bezug zu Québec zu sammeln, zu bewahren und zu verbreiten. Unter den Besonderheiten der Bestände der BAnQ finden sich u. a. eine Plakatsammlung zu kulturellen, touristischen und politischen Aktivitäten in Québec (ca. 35.000 Dokumente), eine Kollektion geographischer Karten des französischsprachigen Gebiets Kanadas (ca. 60.000 Dokumente) und eine Abteilung mit alten Drucken aus Québec sowie dem Ancien Régime, die einen Bezug zu Neufrankreich haben (ca. 11.000 Bücher).

Neue Trends in den Universitätsbibliotheken

Die Universitätsbibliotheken Kanadas bilden eine sehr heterogene Gruppe, die sich teilweise deutlich in Größe, Charakter und Dienstleistungen unterscheiden. Im tertiären Bildungssektor unterscheidet Kanada zwischen den Universitäten und University Colleges, die für ein akademisches Studium zuständig sind, und den Colleges, die berufsbezogene Ausbildungsgänge anbieten. Die einzelnen Institutionen unterstehen hierbei direkt den jeweiligen Provinzen. Die enge Zusammenarbeit von Universitätsbibliotheken innerhalb einer Provinz lässt sich dabei beispielsweise an eigenen Fernleihsystemen oder Verbundkatalogen beobachten. Insgesamt liegt die Anzahl der wissenschaftlichen Bibliotheken im tertiären Bildungssektor bei 219.[7] In den Universitätsbibliotheken selbst wird dem freien Zugang zu Medien große Bedeutung zugeschrieben – diese befinden sich zumeist in Freihandaufstellung. Eine Bestellung der Medien aus dem Magazin ist hingegen eher unüblich. Katalogisiert sind die Bestände meist nach der Library of Congress Classification (LCC) oder der Dewey Decimal Classification (DDC). Allgemein herrscht bei den Universitätsbibliotheken Kanadas eine hohe Kundenorientierung vor. Dies zeigt sich an der Vielfalt der Arbeitsplätze, der Öffnungszeiten und der Technik. Gleichzeitig herrscht in den Universitätsbibliotheken ein hoher Automatisierungsgrad der Dienstleistungen vor.

Eine Vorreiterrolle im Zuge der Umorganisation hin zur Nutzung elektronischer Medien und einer Förderung des gemeinsamen Lernens zu Beginn des 21. Jahrhunderts übernahm die Bibliothek der University of Toronto. Sie ist die größte Universitätsbibliothek des Landes und gleichzeitig die viertgrößte Universitätsbibliothek Nordamerikas. Sie erstreckt sich über 44 Standorte auf drei Campus und verfügt neben 12,5 Millionen gedruckten Büchern über 2,6 Millionen E-Books und ca. 180.000 E-Journal-Titel. Um den Studierenden und Mitarbeitern der Universität die bestmögliche Unterstützung zu bieten, finden sich neben den klassischen Bibliotheksservices weitere Angebote in der Bibliothek:[8] Wer dem Lernstress der Universität entgegenwirken möchte, kann an wöchentlichen Meditations- und Yogaklassen in der Bibliothek teilnehmen. In der Fachbibliothek Mathematik können die Nutzer während des Bibliotheksbesuchs eine Sammlung von 3D-Gipsmodellen bewundern und um den Anforderungen des Arbeitsmarktes im 21. Jahrhundert gerecht zu werden, bietet die Fachbibliothek Ingenieurs- und Informationswissenschaften den Studierenden und Wissenschaftlern wöchentlich stattfindende Fotosessions für deren Linked-In-Profile an. Eine besondere Einführungsveranstaltung für Studierende lässt sich in dieser Fachbibliothek in Form von zwei Escape Room-Spielen – mit den Themengebieten „Colorful Carnival“ und „Zombies in the Library“ – oder einem Labyrinth durch die Bibliothek finden.

Die Nähe zur Bevölkerung in den Öffentlichen Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken spielen in der Gesellschaft Kanadas eine wichtige Rolle: Die insgesamt etwa 600 Öffentlichen Bibliotheken verzeichnen hohe Benutzerzahlen und mehr als die Hälfte der Kanadier besitzt einen Bibliotheksausweis – deutlich mehr als in vielen anderen Industrieländern. Dies liegt vor allem an den zahlreichen angebotenen Serviceleistungen, Einrichtungen und Programmen. So gibt es beispielsweise an nahezu allen Öffentlichen Bibliotheken spezielle Seminare für Einwanderer, darunter neben Sprachkursen in Englisch und Französisch auch Informationen zur Staatsbürgerschaft, Wohnungs- und Arbeitssuche sowie dem Gesundheitssystem. Bedeutend ist darüber hinaus die starke Unterstützung des großen Angebots an moderner Informationstechnologie, beispielsweise durch 3D-Drucker, Makerspaces oder Aufnahmestudios. Die herausragende Position der Öffentlichen Bibliotheken ist durch eine Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf herausgearbeitet worden – hier wurden Öffentliche Bibliothekssysteme in 30 Großstädten verglichen. Sowohl Montreal, Toronto als auch Vancouver gelangten unter die Top 10.[9]

Neben der größten Universitätsbibliothek des Landes befindet sich auch die größte und bedeutendste Öffentliche Bibliothek Kanadas in Toronto, die Toronto Public Library. Diese besteht aus mehr als hundert Zweigstellen und wurde im Jahr 2020 über fünf Millionen Mal besucht. Mit etwa eine Million registrierter Bibliotheksausweise und einer Nutzung durch 68 Prozent der Bevölkerung Torontos besitzt die Bibliothek eine überproportional große Reichweite. Insgesamt sind hier über zehn Millionen Medien in 40 Sprachen zugänglich. Der klare Fokus liegt jedoch nicht auf den Printmedien, sondern auf den elektronischen Ressourcen sowie der Funktion der Bibliothek als Dritter Ort. Dies zeigt sich beispielsweise an einem in die Bibliothek integrierten Theater (mit über 500 Plätzen), einem Café, das mit Zitaten von Balzac geschmückt ist sowie einem Maker Space, in dem die Nutzer dank einer dort verfügbaren Druckerpresse direkt ihre eigenen Taschenbücher drucken können. Doch auch die zusätzlich angebotenen Services sind ein großer Bestandteil der Bibliothek und führen zu hohen Besucherzahlen: Für die Bevölkerung der Stadt gibt es hier sowohl Informationen zur Einbürgerung als auch geführte Touren zu den Sehenswürdigkeiten Torontos. Mit ihrer modernen Ausstattung und der Übernahme vieler – über das klassische Bibliotheksangebot herausgehenden – Services zeigt die Toronto Public Library deutlich den großen Stellenwert, den Öffentliche Bibliotheken in und für die Gesellschaft Kanadas haben.

Bibliothekarische Ausbildung in Kanada

In Kanada gibt es zwei unterschiedliche Programme, die nach dem Schulabschluss gewählt werden können, um in bibliothekarischen Berufen zu arbeiten. Zum einen gibt es das an Colleges angebotene „Library Technician Program“. Dieses dauert in der Regel zwei Jahre, wird an 15 Colleges des Landes angeboten und setzt den Schwerpunkt auf praxisorientierte und berufsbezogene Inhalte. Zum anderen wird ein „Library and Information Studies Program“ an insgesamt acht Universitäten in Kanada angeboten, außerdem einen Online-Master, der von der CLA („Canadian Library Association“) anerkannt ist. Dieses Programm ist im Gegensatz zu dem „Library Technician Program“ deutlich akademischer ausgerichtet. Hierbei handelt es sich um Studiengänge auf Master-Niveau, ein Bachelorabschluss in einem anderen Fach wird vorausgesetzt.

Ein wichtiger Aspekt, den es bei der bibliothekarischen Ausbildung in Kanada anzumerken gibt, ist die enge Zusammenarbeit mit der ALA[10]. So weist die CLA bei der Aufzählung der Studienorte auf die von der ALA akkreditierten Masterprogramme in „Library and Information Studies“ hin und gibt an, dass die von der ALA publizierte Definition einer professionellen Qualifikation im Bibliothekswesen gleichfalls von kanadischer Seite akzeptiert wird. Es findet – ebenso wie von Seiten der ALA – eine enge Zusammenarbeit und Anerkennung von Bibliotheksprogrammen in Australien, Neuseeland und Großbritannien statt.

Besonderheiten in der überregionalen Organisation

Relativ neu ist der 2018 eingeführte nationale Metakatalog „Voilà“,[11] der vom OCLC[12] bereitgestellt wird und auf OCLC WorldCat Discovery basiert. Durch diesen Katalog können die Bestände zahlreicher kanadischer Bibliotheken mit einer einzigen Anfrage durchsucht werden. In „Voilà“ enthalten sind insgesamt mehr als 35 Millionen Titel, darunter Bücher, Zeitschriften, Karten, Musikalien sowie weitere spezielle Formate (z. B. Medien in Brailleschrift oder Großdrucke). Gelistet werden alle Titel, die in Öffentlichen Bibliotheken, Universitätsbibliotheken oder der LAC zugänglich sind.

Insgesamt 31 wissenschaftliche Bibliotheken haben sich in der „Canadian Association of Research Libraries“ (CARL) zusammengeschlossen. Darunter sind neben 29 Universitätsbibliotheken auch zwei Bundesinstitutionen. Ziel des Verbundes ist es, die Forschungscommunity Kanadas zu unterstützen, indem der Zugang zu Wissen verbessert, die an wissenschaftlichen Bibliotheken angebotenen Dienstleistungen optimiert sowie der Austausch zwischen den Einrichtungen gefördert werden soll. Der Verbund spielt dabei vor allem als Stimme in der Politik eine wichtige Rolle, da er hier für die große Bedeutung des offenen Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen plädiert.

Eine große Änderung gibt es in der Organisation der Bibliothekare Kanadas. Bis 2016 hatte Kanada einen eigenen Bibliotheksverband, CLA („Canadian Library Association – Association canadienne des bibliothèques“). Dieser 1946 ins Leben gerufene Dachverband der kanadischen Bibliothekare war stark an die ALA angelehnt und organisierte jährliche Konferenzen, Arbeits- sowie Interessengruppen. Als öffentliche Stimme setzte er sich für die kanadische Bibliothekslandschaft ein. 2016 wurde der Verband durch die Mitglieder aufgelöst. An die Stelle der CLA trat die 2016 gegründete CFLA-FCAB („Canadian Federation of Library Associations – Fédération canadienne des associations de bibliothèques“). Diese übernahm die Aufgaben der CLA und setzt sich seitdem für die Erhöhung der Sichtbarkeit von Bibliotheken ein und bezieht in politischen Belangen für diese Position.

Abschließend zeigt die Betrachtung des kanadischen Bibliothekswesens die große Vielfalt an modernen und fortschrittlichen Bibliotheken im Land auf. Beispiele hierfür finden sich nicht nur über Kanada verteilt, sondern auch in allen Bibliothekstypen. Durch eine zunehmende Verschmelzung der klassischen Angebote einer Bibliothek mit den Services von Archiven, Kultureinrichtungen und Bildungsinstitutionen erfreuen sich die Bibliotheken großer Beliebtheit bei der Bevölkerung und haben damit den Sprung ins 21. Jahrhundert geschafft.

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Annika Spenger

Annika Spenger

Weiterführende Literatur

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Published Online: 2021-11-05
Published in Print: 2021-11-03

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 9.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2021-0117/html
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