Dietrichs Flucht. Textgeschichtliche Ausgabe. Hg. von Elisabeth Lienert und Gertrud Beck. 2003
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Hartmut Bleumer
Die jüngeren Wandlungen des Textbegriffs betreffen notwendig auch die Ansprüche an Editionen. Die veränderten Herausforderungen an den Editor dokumentieren sich zwar seit längerem im Nebeneinander unterschiedlicher Editionsverfahren, erst unter dem Einfluß des beschleunigten Theorieimports in die Mediävistik wird aber auch hier deutlich, daß die begrifflichen Verschiebungen den Ort des Textes selbst stärker ins Bewußtsein bringen: Die Wahl der angemessenen Editionsweise ist eben nicht nur eine Frage der Entstehungsbedingungen und der Überlieferungslage, sie hängt auch von den epistemologischen Voraussetzungen des Editors ab, die vorgängig festlegen, was eigentlich die maßgebliche Realisationsweise eines Textes ist. Daher ist die Rückkehr zur Philologie ein ebenso schwieriges wie erstrebenswertes Geschäft. So wie man von einer allgemeinen kulturkritischen Warte gegenwärtig fordern kann, sich nach der Dekonstruktion wieder einer philologischen Praxis anzuvertrauen, um deren Aufklärung man sich zugleich bemüht, so ist auch für den mediävistischen Editor nach den ‚New Philology‘-Debatten das Verhältnis von traditioneller Textkritik und dokumentarischer Handschriftentreue zu überdenken. Aber welche Position man auch immer dabei einnimmt: Durch das gewandelte Lektüreverhalten der Interpreten geraten beim Umgang mit Editionen nicht allein der Weg des Herausgebers, sondern die in seinem Weg sichtbar werdenden impliziten Vorannahmen mit in den Blick.
© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2004
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- Florian Keisinger u. a. (Hgg.), Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte. 2003
- Jost Schneider, Sozialgeschichte des Lesens. Zur historischen Entwicklung und sozialen Differenzierung der literarischen Kommunikation in Deutschland. 2004
- Stefan Andriopoulos / Gabriele Schabacher / Eckhard Schumacher (Hgg.), Die Adresse des Mediums. 2001
- Peter Berz / Annette Bitsch / Bernhard Siegert (Hgg.), FAKtisch. Festschrift für Friedrich Kittler zum 60. Geburtstag. 2003
- Waltraud ‚Wara‘ Wende (Hg.), Über den Umgang mit der Schrift. 2002
- Winfried Menninghaus, Das Versprechen der Schönheit. 2003
- Ulrich Ernst, Intermedialität im europäischen Kulturzusammenhang. Beiträge zur Theorie und Geschichte der visuellen Lyrik. 2002
- Heiko Uecker, Geschichte der altnordischen Literatur. 2004
- Monika Schulz, Beschwörungen im Mittelalter. Einführung und Überblick. 2003
- Otto Neudeck, Erzählen von Kaiser Otto. Zur Fiktionalisierung von Geschichte in mittelhochdeutscher Literatur. 2003
- Hartmann von Aue, Gregorius. Hg. von Hermann Paul, neu bearbeitet von Burghart Wachinger. 15., durchgesehene und erweiterte Aufl. 2004
- Heiko Fiedler-Rauer, Arthurische Verhandlungen. Spielregeln der Gewalt in Pleiers Artusromanen ‚Garel vom blühenden Tal‘ und ‚Tandareis und Flordibel‘. 2003
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- Eckehard Simon, Die Anfänge des weltlichen deutschen Schauspiels 1370–1530. Untersuchung und Dokumentation. 2003
- Sandra Pott, Medizin, Medizinethik und schöne Literatur. Studien zu Säkularisierungsvorgängen vom frühen 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert. 2002
- Elisabeth Wåghäll Nivre, Women and Family Life in Early Modern German Literature. 2004
- Bernhard F. Scholz, Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. 2002. – John Manning, The Emblem. 2002
- Sandra Pott, Reformierte Morallehren und deutsche Literatur von Jean Barbeyrac bis Christoph Martin Wieland. 2002
- Daniel Fulda / Silvia Serena Tschopp (Hgg.), Literatur und Geschichte. Ein Kompendium zu ihrem Verhältnis von der Aufklärung bis zur Gegenwart. 2002
- Hans-Peter Nowitzki, Der wohltemperierte Mensch. Aufklärungsanthropologien im Widerstreit. 2003
- Thomas Pago, Johann Christoph Gottsched und die Rezeption der „Querelle des Anciens et des Modernes in Deutschland“. 2003
- Christian Neuhuber, Das Lustspiel macht Ernst. Das Ernste in der deutschen Komödie auf dem Weg in die Moderne: von Gottsched bis Lenz. 2003
- Alexander Košenina, Der gelehrte Narr. Gelehrtensatire seit der Aufklärung. 2003
- Jeffrey A. Grossman, The Discourse on Yiddish in Germany from the Enlightenment to the Second Empire. 2000
- Michael Jaeger, Fausts Kolonie. Goethes kritische Phänomenologie der Moderne. 2004
- Christoph Jamme / Frank Völkel (Hgg.), Hölderlin und der Deutsche Idealismus. Dokumente und Kommentare zu Hölderlins philosophischer Entwicklung und den philosophisch-kulturellen Kontexten seiner Zeit. Bd. 1: Im Tübinger Stift (1788–1793). Bd. 2: Jenaer Gespräche (1794–1795). Bd. 3: Der Frankfurter und Homburger Freundeskreis (1796–1800). Bd. 4: Von Nürtingen bis zum Tübinger Turm (1800–1843). 2003
- Hansjörg Bay, ‚Ohne Rückkehr‘. Utopische Intentionen und poetischer Prozeß in Hölderlins Hyperion. 2003
- Matteo Galli, L'officina segreta delle idee. E. T. A. Hoffmann e il suo tempo. 1999
- Inge Wild / Reiner Wild (Hgg.), Mörike-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. 2004
- Wilhelm Raabe, Briefe 1842–1870. Hg. von William Webster. 2004
- Annette Simonis, Literarischer Ästhetizismus. Theorie der arabesken und hermetischen Kommunikation der Moderne. 2000
- Thomas A. Kovach (Hg.), A Companion to the Works of Hugo von Hofmannsthal. 2002
- Josef Quack, Geschichtsroman und Geschichtskritik. Zu Alfred Döblins „Wallenstein“. 2004
- Regine Anacker, Aspekte einer Anthropologie der Kunst in Gottfried Benns Werk. 2004
- Yvonne Wolf, Frank Thiess und der Nationalsozialismus. Ein konservativer Revolutionär als Dissident. 2003
- Walter Busch / Gerhart Pickerodt (Hgg.), Max Kommerell. Leben – Werk – Aktualität. 2003
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