Article Publicly Available

Der Bibliothekar als Autor

  • Petra Hauke

    Dr. Petra Hauke

    EMAIL logo
Published/Copyright: November 7, 2019
Become an author with De Gruyter Brill

Abstract

Der Beitrag benennt aus der persönlichen Perspektive und eigenen Erfahrungen der Autorin Beweggründe dafür, warum es wichtig sein kann, dass sich bibliothekarisches Engagement über die klassischen bibliothekarischen Tätigkeiten hinaus auch in eigener Publikationstätigkeit niederschlägt.

Abstract

The article states personal reasons and motives from the author’s experience and explains why professional commitment should include publishing activities besides the traditional tasks and duties of librarians.

„Ein Bibliothekar, der liest, ist verloren!“ Diesen Satz kennen wohl alle, die diesen Beruf gewählt haben, weil sie gern lesen. Aber warum lesen wir gern? Weil wir gern unseren Horizont erweitern, wissensdurstig sind, die Bereicherung erlebt haben, dass Lesen Erfahrungen vermittelt, zu denen wir anders nicht hätten gelangen können. Und zu dem Bedürfnis, diese Erfahrung mit anderen zu teilen, sie anderen zugänglich zu machen, ist es dann nicht weit - eigentlich ganz egoistisch: „Willst Du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück …“ So befand es schon Goethe und so findet es sich folgerichtig in unzähligen Poesiealben. Nein, keine Sorge, dieser Text soll nun nicht pathetisch werden! Allerdings fragt der Herausgeber dieses Themenheftes ausdrücklich nach persönlichen Motiven „einer schreibenden Berufsexistenz“- und dieses dürfte dann wohl eines sein: Anderen Zugang zu Wissen zu vermitteln, das Erlebnis der Bereicherung durch Wissenserwerb zu teilen - sei es durch den Zugang zu den „Schätzen“ einer Bibliothek oder gegebenenfalls eben auch durch eigenes Publizieren.

Dennoch sind Lesen und Schreiben zwei Paar Schuhe. Nicht wenige blicken eher ungern zurück auf Schulaufsätze, Semesterarbeiten oder die Abschlussarbeit nach einem Studium. Schreiben müssen ist etwas anderes, als sich in ein selbst gewähltes Thema gern forschend und schreibend zu vertiefen. Auch wenn die eigene Dissertation aufgrund ihrer in der Regel sehr speziellen Fragestellung oft wohl nur von wenigen gelesen werden wird, kann der damit verbundene Forschungsprozess zu Entdeckungen führen, die zuvor noch niemand gemacht hat und die für den Entdecker ein hohes Potenzial an Begeisterung bergen. Und wenn der Aufwand nicht „nur“ für den Titel betrieben wird, sondern im Bewusstsein, zum großen Gebäude der Wissenschaft einen kleinen Baustein beigetragen zu haben, auf dem andere wieder weiterbauen können, hat sich der Aufwand gelohnt. Und mitunter stößt jemand aus gegebenem Anlass, z. B. eines Jubiläums, auf eben diese Arbeit und lädt zum Vortrag im Rahmen eines Symposiums, der dann wiederum zu einer Publikation führt.[1]

Eigenes Publizieren: Das kann heißen, selbst zu schreiben oder herausgeberisch tätig zu werden und so das Wissen anderer für eine Publikation zusammenzustellen. Dahinter können jeweils unterschiedliche Gründe stehen.

„Dazu müsste man mal ein Buch machen!“ Eine Diskussion beschäftigt die Profession, zahlreiche Stimmen äußern sich verstreut hier und da, in Aufsätzen, in Mailinglisten etc.: „RAK versus AACR“, „Bibliothekswissenschaft - quo vadis?“, „Zivilgesellschaftliches Engagement in Öffentlichen Bibliotheken“ sind solche Themen, die kontrovers diskutiert wurden und zu entsprechenden Sammelbänden führten.[2] Die unterschiedlichen Positionen zu einem aktuellen Thema einmal zusammenzutragen, zu ordnen, in einer handlichen Publikation greifbar zu machen und damit die Diskussion weiter zu befördern, kann ein Motiv sein, sich den - nicht zu unterschätzenden - Mühen einer Herausgeberschaft zu stellen.

Gesellschaftliche Entwicklungen oder Trends, denen als Schwerpunkt in einem Themenheft einer bibliothekarischen Fachzeitschrift drei oder vier Aufsätze gewidmet werden, haben mitunter das Potenzial für eine breitere, ausführlichere Diskussion, vielleicht sogar um einen internationalen Blickwinkel erweitert, in einem Sammelband, der als gedruckte oder digitale Online-Publikation, nach Möglichkeit mit Open Access zugänglich, breitere Leserschichten erreicht und unabhängig von der „Tagesaktualität“ einer Zeitschrift als Buchpublikation einen festen Platz im Regal bzw. der einschlägigen Systematik findet wie z. B. der demografische Wandel oder interkulturelle Bibliotheksarbeit.

Betrachtet man mit Insiderblick die Profession, folgt interessiert Konferenzen und beobachtet die Angebote von Fortbildungsveranstaltungen, werden immer wieder Desiderate deutlich, die eine Aufarbeitung durch einen Sammelband sinnvoll erscheinen lassen. So sind z. B. Praxishandbücher zum Bibliotheksbau, zu Ausstellungen in Bibliotheken, zur Arbeit von Freundeskreisen und Fördervereinen entstanden, die jeweils ihren Markt gefunden haben.

Einen herausragenden Vertreter unserer Profession zu ehren, seine Leistungen für den Berufsstand, aber auch für die Entwicklung des Bibliothekswesens im Rahmen einer Festschrift zu dokumentieren und zu würdigen, ist nicht nur legitim, sondern trägt auch dazu bei, das Bild von Bibliotheken und dem, was sie und ihre Protagonisten für die Gesellschaft leisten, öffentlich zu machen. So entstanden am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft Festschriften für Walther Umstätter[3], Michael Seadle[4] und Konrad Umlauf[5].

Auch ein politisches Anliegen kann Motiv für eine bibliothekarische Publikation sein. Heute steht das Thema „Nachhaltigkeit“ allenthalben und ganz selbstverständlich auch auf deutschen Agenden. Als Aufgabe von Bibliotheken als Vorbilder, Multiplikatoren, Bildungspartner[6] setzt sich das Thema in Deutschland zwar langsam, aber nun doch stetig durch.[7] Als die Verfasserin 2012 im vermeintlich ökologisch mustergültigen Deutschland nach Best Practice-Beispielen aus Bibliotheken für einen Sammelband zum Thema „Grüne Bibliothek“[8] suchte, musste sie erkennen, dass „the green library movement“[9], in den USA bereits 2008 dokumentiert[10], hier noch gänzlich unbekannt war bzw. das Etikett „grün“ eher Misstrauen hervorrief, da Bibliotheken sich als politisch neutral verstanden. Inzwischen finden sich allerdings immer mehr Vertreter unserer Profession, die diese politische Neutralität nicht nur in Frage stellen, sondern eine offene politische Positionierung geradezu fordern: gegen Rechts[11], gegen Fake News, für Meinungsfreiheit, für gesellschaftliche Pluralität, als Orte demokratischer Teilhabe - und eben auch: für ökologische[12], soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit im Sinne der Agenda 2030.[13]

Ist man als Autorin oder Herausgeberin mit einem Profil, einer Expertise für bestimmte Themen in Erscheinung getreten, folgen daraus u. U. Anfragen, ob man aus dem eigenen Netzwerk Empfehlungen für Beiträger z. B. zu einem Themenheft einer Fachzeitschrift geben könne oder auch selbst etwas beitragen möchte. Ist einem das Thema wichtig, wird man sich hier gern engagieren, im Fall der Verfasserin u. a. mit Beiträgen zum bürgerschaftlichen Engagement in Bibliotheken[14] oder mit einem Blick über den deutschen Tellerrand auf internationale Initiativen, gegebenenfalls gemeinsam mit anderen Kolleginnen[15].

Last but not least stellen Rezensionen eine Möglichkeit dar, durch die Lektüre auch und gerade ausländischer Publikationen zum einen den eigenen fachlichen Horizont zu erweitern, zum anderen eine Publikation gegebenenfalls empfehlend bekannt zu machen, der man eine weite Verbreitung wünscht. Da verlagsseitige Werbung für bibliothekarische Fachliteratur in den einschlägigen Fachzeitschriften praktisch nicht stattfindet, ist dies auch ein Weg, den Publikationen von Kollegen den Weg in die fachliche Öffentlichkeit ebnen zu helfen.

Es sollte in diesem Beitrag nicht darum gehen, eine allgemeine oder theoretische Sicht des schreibenden Bibliothekars zu geben, sondern mehr über die persönlichen Motive, Gründe, Schwierigkeiten, aber auch Bereicherungen einer schreibenden Berufsexistenz zu vermitteln. Von Schwierigkeiten - außer der sprichwörtlichen „Angst vor dem weißen Blatt“, die wohl fast immer am Anfang steht - kann die Verfasserin nicht berichten. Zusammenfassend lässt sich statt dessen sagen, dass die durch eigenes Schreiben vertiefende Beschäftigung mit einem relevanten Thema nicht nur „Arbeit“ ist, sondern auch der eigenen fachlichen Bereicherung dient, aus der sich wiederum neue Perspektiven und Optionen im beruflichen Umfeld ergeben können. Quasi als Nebeneffekt wird die eigene Expertise nach außen kommuniziert, woraus sich weitere Möglichkeiten ergeben, eigene fachliche Anliegen voranzubringen - sei es durch Konferenzbeiträge oder Einladungen zu Vorträgen, Workshops, Fortbildungen, Keynotes - die dann wieder zu weiteren Kontakten und damit neuen weiterführenden Optionen führen.

About the author

Dr.  Petra Hauke

Dr. Petra Hauke

Published Online: 2019-11-07
Published in Print: 2019-11-01

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 3.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2019-0105/html
Scroll to top button