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Projektarbeit ist keine Beschäftigungstherapie!

Überlegungen zur Projektförderung an Öffentlichen Bibliotheken
  • Hassan Soilihi Mzé

    Hassan Soilihi Mzé

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Published/Copyright: October 7, 2019
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Zusammenfassung

Projektarbeit gewinnt in Öffentlichen Bibliotheken an Bedeutung. Dabei ist sie nicht Selbstzweck, sondern grundlegend für institutionelle Veränderungsprozesse. Projektarbeit schafft Testräume für neue Verfahrensweisen, Konzepte und Formate. In vielen kleineren und mittleren Bibliotheken läuft sie dennoch häufig nur als on-top-Leistung und wird im Zweifelsfall dem Tagesbetrieb untergeordnet. Umso wichtiger ist, dass Projektarbeit durch entsprechende Förderung ermöglicht wird. Der Beitrag stellt anhand eines knappen Überblicks der deutschen Projektförderlandschaft sowie des Bundesprogramms hochdrei - Stadtbibliotheken verändern dar, weshalb es sinnvoll ist, bibliothekarische Projektarbeit zu unterstützen - und inwiefern Förderung als Beitrag zur Bibliotheksentwicklung verstanden werden kann.

Abstract

In public libraries, project work is becoming increasingly important. At the same time, it is not an end in itself, but essential for institutional change processes. Project work creates testing grounds for new methods, concepts and formats. However, in small and medium-sized libraries it often run as added extra service, subordinated to day-to-day operations in cases of doubt. Therefore it is important that project work must be supported more vigorously. Based on a brief overview of the German project funding situation and the programme hochdrei - Changing Public Libraries funded by the German Federal Cultural Foundation, this article shows why the support of library project work makes a lot of sense - and why funding can be seen as a valuable contribution to library development.

1 Hinführung: Sammeln, Erschließen, Bereitstellen - Projekte entwickeln

Dass Bibliotheken weit mehr sind als bloße Wissensspeicher, ist vermutlich eine Feststellung, die mindestens so richtig ist, wie sie einen Allgemeinplatz darstellt. Bibliotheken - und dies trifft in unterschiedlicher Weise und Intensität auf Wissenschaftliche wie Öffentliche gleichermaßen zu - sind Kommunikationsknotenpunkte unseres Gemeinwesens, Orte der Vernetzung und des Community-Buildings, Schnittstellen zwischen digitaler Information und analoger Begegnung. Es ist ebenso wenig strittig, dass sie - und ab hier fokussiert sich der Beitrag nun auf die Öffentliche Bibliothekslandschaft - insbesondere durch die ihnen eigene „niedrigschwellige“ Erreichbarkeit sehr geeignet scheinen, als Bildungs- und Kulturorte die verschiedenen Interessen einer diverser werdenden Gesellschaft nicht nur abzubilden, sondern auch zusammenzuführen.

Es bleibt ungeachtet dessen natürlich berechtigt, den Kernauftrag Öffentlicher Bibliotheken auch weiterhin als Dreiklang vom Sammeln, Erschließen und Bereitstellen von Medien und Informationen zu formulieren. Dass dieser Dreiklang das institutionelle Selbstverständnis in der Praxis allein nicht mehr abbildet, liegt indes auf der Hand. Ob nun allein oder in Kooperation mit anderen kreieren Öffentliche Bibliotheken beständig Angebote, die im größeren oder kleineren Rahmen häufig generationsübergreifend, interkulturell oder sozial integrativ in die jeweilige Stadtgesellschaft hineinwirken. Dass das zu oft mit einem nahezu geräuschlosen Understatement geschieht, ist professionsspezifische „Krankheit“; es ändert jedoch nichts daran, dass ebendiese bibliothekarischen Angebote, dort wo sie bestehen, relativ schnell unverzichtbar werden. Leseförderung oder Maßnahmen zur Stärkung digitaler Kompetenzen sprechen hier exemplarisch für sich.

Das Entwickeln von Projekten gehört deswegen inzwischen genauso fest zum Repertoire bibliothekarischer Arbeitswirklichkeit wie das Aufbereiten und Zugänglichmachen von Informationen. Mit Blick auf die personellen und räumlichen Gegebenheiten gerade vieler kleinerer und mittlerer Einrichtungen kann allerdings längst nicht davon gesprochen werden, dass die gemeinwesenorientierte Projektentwicklung bereits optimale Voraussetzungen hat. Kleine Teams oder One-Person-Libraries konzentrieren sich nachvollziehbar eher auf Aspekte der Grundversorgung. Denkmalgeschützte, umgenutzte bzw. einfach nur alte Bibliotheksgebäude setzen einen kaum oder nur schwer, vor allem aber nicht kurzfristig zu verändernden Rahmen.

Das braucht keineswegs entmutigen, vielmehr lädt diese Ausgangslage dazu ein, über die Wichtigkeit der Förderung von Projektarbeit an Öffentlichen Bibliotheken neu nachzudenken. Die folgenden Ausführungen wollen anhand einer knappen Bestandsaufnahme zur deutschen Projektförderlandschaft sowie der aktuellen, explizit für Öffentliche Bibliotheken vorgesehenen Förderung des Bundes hierzu einen Beitrag leisten.

2 Die deutsche Projektförderlandschaft für Öffentliche Bibliotheken im Schlaglicht

Derzeit gestaltet sich die Förderkulisse für Öffentliche Bibliotheken deutschlandweit recht vielfältig,[1] da sie sich zunächst auf Landesebene entwickelt, wobei die jeweiligen Fachstellen für das Öffentliche Bibliothekswesen in der Regel die Mittelausreichung koordinieren. Sowohl im Umfang, den Antragshöhen als auch den Zuwendungsbedingungen unterscheiden sich die bundeslandspezifischen Förderungen teilweise erheblich und verfolgen verschiedene Schwerpunktsetzungen. Neben der Unterstützung des Bestandsaufbaus besonders kleinerer und mittlerer Einrichtungen werden dabei u. a. Mittel für die Verbesserung des örtlichen Zusammenspiels Öffentlicher Bibliotheken mit lokalen Kultur- und Bildungspartnern, die Verbesserung technischer und digitaler Voraussetzungen, das Entwickeln neuer Organisationsmodelle,[2] für integrative bzw. inklusive Maßnahmen sowie Projekte zur Überwindung gesellschaftlicher Ungleichheiten[3] oder der digitalen Spaltung[4] vergeben. Bauliche Maßnahmen sind in einigen Bundesländern ebenfalls zuwendungsfähig.[5]

Länderübergreifend zeigen sich Stiftungsprogramme wie 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft[6] von der Kulturstiftung des Bundes oder die von der Robert-Bosch-Stiftung initiierte Werkstatt Vielfalt[7] aufgeschlossen für Projekte Öffentlicher Bibliotheken, die deren Rolle als Change Maker und Multiplikatoren eines diversen Gemeinwesens stärken. Die Förderinitiative Miteinander reden[8] der Bundeszentrale für politische Bildung bietet weiterhin einen hervorragenden Anknüpfungspunkt, Bibliotheken deutlich wahrnehmbarer als Orte der öffentlichen Debatte und des gesellschaftspolitischen Diskurses zu positionieren.[9]

Darüber hinaus beteiligen sich bereits seit Jahren Öffentliche Bibliotheken am 2013 spartenübergreifend gestarteten Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung[10] des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Auch über dieses Bundesprogramm wird bibliothekarische Projektarbeit unterstützt; Mittel werden vor allem in den Themenfeldern Leseförderung und digitale Kompetenzvermittlung abgerufen, wesentliche Zielgruppen der Maßnahmen und Vorhaben stellen Kinder und Jugendliche dar.[11]

Dieser keineswegs vollständige Parforceritt durch die projektbezogene Förderlandschaft für Öffentliche Bibliotheken legt folgende Punkte offen: 1) Projektbezogenes Engagement ist vielfach förderfähig. 2) Auf der Ebene der Länder werden bereits bibliotheksspezifische Förderungen in unterschiedlichem Umfang für das operative Geschäft, jedoch auch für strategische Prozesse angeboten. 3) Bundesweite Programme unterschiedlicher Fördergeber zeigen sich gegenüber Öffentlichen Bibliotheken grundsätzlich aufgeschlossen, fokussieren die Sparte und deren Projektarbeit aber nicht ausschließlich.

Im Frühjahr 2018 schloss die Kulturstiftung des Bundes hinsichtlich des Punktes 3) die bestehende Lücke, indem sie mit hochdrei - Stadtbibliotheken verändern[12] erstmals ein bundesweites Förderprogramm auflegte, dass sich explizit an Stadt- und Gemeindebibliotheken richtet. Dieses Programm trägt dem Umstand Rechnung, dass sich Öffentliche Bibliotheken seit einigen Jahren unabhängig von ihrer Größe oder geographischen Situation in grundlegenden inhaltlich-konzeptionellen Veränderungsprozessen befinden, die sie mehr und mehr als gesellschaftlichen Aktivposten fordern - sei es in den urbanen Zentren, wo sich nichtkommerzieller öffentlicher Raum immer weiter verknappt, sei es in den ländlichen Regionen, wo die Gemeindebibliothek als Kultur- und Bildungsort neben dem Rathaus oder der Kirche oftmals noch den einzigen festen Kristallisationspunkt des Gemeinwesens darstellt.

3 hochdrei: Zwischen Projektförderung und kulturpolitischer Sensibilisierung

Projektarbeit - auch bibliothekarische - ist keine Beschäftigungstherapie. Vielmehr geht es darum, mittels temporärer Unterstützung akute Fragen und Problemstellungen anzugehen, die zunächst nicht Gegenstand des bibliotheksbezogenen Tagesbetriebs zu sein scheinen, doch eine derartige Dynamik entwickeln können, dass sie mithin für diesen nicht ausgeblendet werden dürfen und zügig nach Bewältigungsstrategien im vorhandenen räumlichen oder personellen Setting verlangen. Die vielerorts sehr gut angenommenen, oftmals kurzfristig von der Zivilgesellschaft mit Bibliotheken als zentralen Partnern entwickelten Integrations- und Sprachangebote, die sehr schnell auf die Herausforderungen der Fluchtsituation in den Jahren 2015 und 2016 reagierten, können hier als Beispiel dienen.

Doch nicht nur den Projektemachern ist in der Regel daran gelegen, erfolgreich Erprobtes zu verstetigen. Auch Fördergeber haben ein hohes Interesse daran, dass sich erfolgreiche Pilotversuche als nachhaltig erweisen, Adaption und Wissenstransfer in der Fachwelt oder benachbarten Disziplinen erfahren und in die institutionelle Arbeit implementiert werden. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen der unmittelbaren Projektnachhaltigkeit, die die konkrete Einrichtung berührt, und der mittelbaren, die die gesamte fachliche Landschaft betrifft.

Das Programm hochdrei - Stadtbibliotheken verändern verfolgt mit Blick auf Projekt- und Bibliotheksförderung einen modularen Aufbau, wobei das Herzstück ein eigener Programmfonds bildet. Dieser stellt Fördermittel für beispielhafte Projektvorhaben Öffentlicher Bibliotheken bereit, die gemeinsam mit Partnern aus der Stadtgesellschaft entwickelt und durchgeführt werden. Ein wesentliches Ziel der Förderung ist es, den Ort Bibliothek im Zusammenspiel mit der Stadtgesellschaft partizipativ als Raum der Begegnung, des kulturellen Miteinanders und der gesellschaftlichen Debatte zukunftsorientiert auszubauen - und zwar so, wie es die sozioökonomische Umgebung und die damit verbundenen gesellschaftlich relevanten Themen erfordern.[13]

Die erste Bewerbungsrunde, in der von einer Fachjury sieben Projekte Öffentlicher Bibliotheken unterschiedlicher Größe für eine Förderung im hochdrei-Fonds vorgeschlagen wurden,[14] schloss bereits Ende November 2018, eine zweite Ende August 2019. Derzeit läuft eine dritte Runde, deren Bewerbungsfrist am 31. März 2020 enden wird.[15]

Der Fonds sieht Projektförderung zuvorderst darin, dass das experimentell-praktische Erproben oder Umsetzen innovativer Ideen über zwei Jahre monetär unterstützt und ermöglicht wird.[16] Dieser eher klassische Förderansatz wird daneben von zwei ergänzenden Programm-Modulen flankiert, die im Rahmen eines weitergefassten Förderbegriffs sowohl fachlich als auch kultur- und kommunalpolitisch Impulse setzen wollen.

Fachliche Impulse bietet eine mehrteilige Veranstaltungsreihe, die unter der Überschrift hochdrei Werkstatt aktuelle Trends in den Themenfeldern Partizipation, Kommunikation, Kooperation und Raumkonzeption aufgreift.[17] Diese Reihe gibt Bibliotheken die Möglichkeit, zu unterschiedlichen Fragestellungen und mit wechselnden Referentinnen und Referenten an unterschiedlichen Orten deutschlandweit Ideen zu diskutieren, Anregungen in geplante Vorhaben einzubeziehen sowie die eigene Rolle innerhalb des Gemeinwesens kritisch zu reflektieren. Die Werkstätten richten sich unabhängig von einer Bewerbung im Programmfonds gleichermaßen an Bibliothekspraktikerinnen und -praktiker wie an bibliotheksinteressierte Akteure aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Ziel dieses Moduls ist der möglichst rasche, durchaus praxisnahe Transfer veränderter oder neuer Sichtweisen und Strategien in konkrete Einrichtungen - und über diese danach in die Bibliothekslandschaft hinein.

Bibliotheksförderung im erweiterten Sinne kann jedoch ebenso bedeuten, den Imagewandel Öffentlicher Bibliotheken in der gesamtgesellschaftlichen Wahrnehmung zu begünstigen. Das Bild der Stadt- oder Gemeindebibliothek als Platz beschaulicher Lektüre, stillen Blätterns oder flüsternder Gespräche hat in den letzten Jahren erkennbar Risse bekommen. Die damit verbundene Irritation des Erwartbaren ist gut - und sollte unbedingt unterstützt werden. Vor allem auch, da ebenjenes erwartbare Bild von der auf die Buch- und Medienausleihe reduzierten Bücherstube in politischen Entscheidungsgremien noch allzu oft fröhliche Urständ feiert, wenn es um lokale Bibliotheksentwicklung geht.

Dabei wohnt Öffentlichen Bibliotheken ein gesellschaftliches Potenzial inne, das, erst einmal gehoben - oder eben politisch unterstützt - sehr konzise nicht nur für kultur-, sondern vor allem kommunalpolitische Fragen Lösungsvorschläge bieten kann: Wie keine andere Kultureinrichtung verbinden Öffentliche Bibliotheken den unmittelbaren Informations- und Bildungsauftrag mit kulturellem Engagement, streifen hierbei häufig soziale Aspekte und übernehmen auf diesem Weg so selbstverständlich wie geräuschlos die Rolle eines zentralen Raums der Stadtgesellschaft. Eines Raums, in dem sich herkunfts- und interessenübergreifend begegnet werden kann, wo sich kultureller Austausch nahezu von selbst vollzieht, wo Alltag Reflexion erfährt, wo soziale und digitale Teilhabe gemeinwohlorientiert und generationenübergreifend möglich wird.

Gerade in Zeiten zunehmender Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlichen Raums, sozialer Vereinzelung und Anonymisierung spielen Öffentliche Bibliotheken als sogenannte nichtkommerzielle „Dritte Orte“ - also Plätze, die neben Wohn- und Arbeitsumfeld ganz wesentlich unser Zusammenleben prägen[18] - eine wichtige Rolle für den Zusammenhalt des Gemeinwesens. Inhaltlich wie räumlich entsprechend aufgestellt, können sie unmittelbare und im besten Sinne leicht erreichbare Umschlagspunkte für offene Fragen, provozierende Erkenntnisse, kontroverse Meinungen und ungewöhnliche Einfälle werden. Sie können zum anlasslosen Verweilen einladen ebenso wie zum Entwickeln des unmittelbar Individuellen innerhalb einer Gemeinschaft.

Hinsichtlich der Würdigung eines solch deutlich erweiterten Verständnisses von Öffentlichen Bibliotheken - auch bezüglich der politischen Wertschätzung desselben - sind innerhalb Europas insbesondere die skandinavischen und niederländischen Nachbarn fortgeschritten. Das Programm-Modul hochdrei Tandem setzte deshalb zwischen März und Juni 2019 darauf, einen fachlichen wie auch kultur- und kommunalpolitischen Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Niederlande bzw. Dänemarks und Deutschen zu organisieren.

Das Modul gab Leiterinnen und Leitern von Stadt- oder Gemeindebibliotheken die Möglichkeit, in einem sogenannten „Tandem“ gemeinsam mit dem für ihre Einrichtung zuständigen Verwaltungsakteur (z. B. der Bürgermeisterin oder dem Kulturdezernenten) innovative Bibliothekskonzepte in den Niederlanden[19] und in Dänemark[20] kennenzulernen. Dabei besichtigten sie nicht nur beispielhafte Bibliotheksgebäude, sondern lernten unter wechselnde Fragestellungen deren spezifische Konzepte und Strategien kennen.[21] Zudem stand der fachliche und politische Austausch im Mittelpunkt: Vor Ort gaben Bibliotheksleitungen, Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Politik oder Verwaltung sowie weitere lokale Akteure Einblicke in die Veränderungsprozesse von Bibliotheken hin zu „Dritten Orten“ in den jeweiligen Gastländern. Insgesamt nahmen an den Exkursionen 36 Städte teil, die Evaluierung der Studienreisen läuft derzeit noch. Erste mündliche Feedbacks aus dem Teilnehmerkreis und punktuelle Presseberichterstattungen lassen jedoch erkennen, dass gerade die Sensibilisierung der unmittelbaren politischen Entscheidungsebene die institutionellen Veränderungsprozesse erheblich dynamisieren kann.[22]

4 Ausblick: Projektförderung - ein wichtiger Baustein der Bibliotheksentwicklung

Öffentliche Bibliotheken verändern sich vor allem dadurch, dass sie ihr Selbstverständnis erweitern und ihren Auftrag innerhalb des Gemeinwesens neu definieren. Über Projektarbeit schaffen sie den hierfür notwendigen Raum zum Experimentieren, Adaptieren und Implementieren. Projektarbeit kann der Testraum für wünschenswerte oder auch notwendige Änderungen sein. Hier ist in einem begrenzten zeitlichen Rahmen für Neuerungen ein „try and fail“-Prozess möglich, an dessen Ende aus Fehlern gelernt wird, Akzeptanz und Realisierbarkeit ausgelotet, Erfolge überführt werden können. Umgekehrt muss aber auch der Projektarbeit selbst Raum gegeben werden.

Bezüglich der geldwerten Unterstützung ist es um diesen Raum in der deutschen Projektförderlandschaft grundsätzlich nicht schlecht bestellt. Herausfordernd für eine Beteiligung an umfangreicheren Förderungen können für kleinere Einrichtungen mit geringerem Personalbestand durchaus die Unterschiede in den einzelnen Förderkulissen, die Bedingungen der Zuwendungsgeber oder schlicht die föderalen Strukturen sein. Fördermittelrecherche ist nicht einfach nebenbei geschehen. Sie bindet Zeit und wird im Zweifelsfall dem Tagesbetrieb untergeordnet.[23]

Deshalb kann es lohnen, vonseiten der Fördergeber darüber nachzudenken, Förderung nicht nur als Bereitstellung barer Geldmittel zu verstehen, die finanzielle Anreize für die Projektarbeit schaffen oder diese überhaupt erst ermöglichen. Vielmehr geht es darum, zu Projektarbeit zu ermuntern. Und zwar nicht nur die ohnehin schon engagierten Bibliothekspraktikerinnen, -praktiker oder deren lokale Kooperationspartner, sondern vor allem diejenigen, die mittel- und langfristig vor Ort in der Lage sind, durch entsprechende Prioritätensetzung personelle, räumliche und technische Weichen für Veränderungsprozesse in Öffentlichen Bibliotheken zu stellen: die politischen und administrativen Entscheider.


Article Note

Hassan Soilihi Mzé betreut für die Kulturstiftung des Bundes das Förderprogramm hochdrei - Stadtbibliotheken verändern.


About the author

Hassan Soilihi Mzé

Hassan Soilihi Mzé

Published Online: 2019-10-07
Published in Print: 2019-10-07

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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