IFLA-Nationalkomitee DeutschlandJahresbericht 2019(Berichtszeitraum Oktober 2018 - August 2019)
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Hella Klauser
and Barbara Lison
Seit 2017 hat der internationale Bibliotheksverband IFLA (International Federation of Library Associations and Institutions) in einem globalen und partizipativen Prozess Aufgaben und Herausforderungen von Bibliotheken weltweit erarbeitet. Die Ergebnisse dieser Entwicklung einer „global vision“ wurden im Global Vision Report[1] und in der Aktualisierung des IFLA Trend reports festgehalten und auf dem Weltkongress 2018 in Kuala Lumpur vorgestellt. Zum ersten Mal in der Verbandsgeschichte der IFLA fand 2018 eine Mitgliederbefragung statt, deren Ergebnisse ebenfalls in die strategische Ausrichtung einfließen. Mit 627 von insgesamt 1.468 Mitgliedern der IFLA (Fachverbände, Institutionen, persönliche Mitgliedschaften) kommen 43 % der Mitglieder aus Europa. Deutschland ist mit 75 Mitgliedern positiv aufgestellt. Die neue Verbandsstrategie wurde in diversen Workshops und Gremien erarbeitet und wird auf dem 85. IFLA Weltkongress 2019 in Athen vorgestellt.
Europäisches Bibliotheksmanifest und Wahlprüfsteine
Gemeinsam mit den europäischen Partnern EBLIDA, LIBER, SPARC Europe und Public Library 2030 hat IFLA kurz vor den Europawahlen im Mai 2019 das „Bibliotheks-Manifest für Europa“[2] auf den Weg gebracht. Das Manifest diente auch als Grundlage für Wahlprüfsteine, die an die nationalen Verbände geschickt wurden. Der Deutsche Bibliotheksverband erhielt von den im Europaparlament vertretenen Parteien aus Deutschland Antworten.
Breites und andauerndes Engagement von deutscher Seite in den IFLA Fachgremien
Alle zwei Jahre werden die rund 50 Fachgremien der IFLA im Wahlverfahren neu besetzt; der Nominierungsprozess begann im Herbst 2018; die neue Amtszeit 2019-2023 beginnt im August während des IFLA-Weltkongresses in Athen. Durch die sich jeweils überlappende vierjährige Amtszeit bringen nun 43 deutsche Vertreter*innen ihr Wissen dort ein und sorgen für einen intensiven Wissenstransfer von und nach Deutschland.
Barbara Lison wird 2021-2023 IFLA-Präsidentin
Mit 58 Nominierungen aus aller Welt wurde Barbara Lison als einzige Kandidatin zur IFLA-President 2021-2023 bestimmt. Zuvor wird sie ihre 2-jährige Amtszeit 2019-2021 als President Elect während des Weltkongresses in Athen im August antreten. Sie wird nach Claudia Lux (2007-2009), Hans-Peter Geh (1985-1991) und Gustav Hofmann (1958-1963) die vierte IFLA-Präsident*in aus Deutschland sein.
Amtierende IFLA-Präsidentin auf dem Leipziger Bibliothekskongress 2019
Die amtierende IFLA-Präsidentin Glòria Pérez-Salmerón war Gast auf dem Bibliothekskongress in Leipzig 2019. Im offenen Gespräch mit Barbara Lison diskutierte sie am 18. März ihr Präsidentschaftsthema „Libraries - motors for change“ und die Zukunft der Bibliotheken weltweit.
IFLA Webinar: Weltkongress, Mitarbeit, zukünftige IFLA-Präsidentin
50 Teilnehmende registrierten sich für das Webinar zu IFLA-Themen und zur Vorbereitung auf den diesjährigen Kongress, das am 9. Juli 2019 stattfand. Barbara Lison und Hella Klauser führten ein; ein Mitschnitt und die Folien sind online zu finden.[3]
IFLA-Satellitenkonferenzen in Deutschland
Zwei Satellitenkonferenzen im Vorfeld des IFLA-Weltkongresses 2019 finden in Deutschland statt. Das Thema „Robots in Libraries: Challenge or opportunity“ wird im internationalen Austausch am 21./22. August in Wildau (bei Berlin) diskutiert und in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main wird das Thema „Data intelligence in libraries: the actual and artificial perspectives“ am 22./23. August mit internationalem Fachpublikum erörtert. Beide Konferenzen bieten auch für Teilnehmende aus Deutschland eine gute und geographisch „nahe“ Möglichkeit, sich international auszutauschen und zu vernetzen.
IFLA-Weltkongress 2019 in Athen
Der 85. IFLA-Weltkongress[4] (WLIC World Library and Information Congress) findet unter dem Motto „Libraries: Dialogue for Change“ vom 24.-30.08.2019 in Athen, Griechenland, statt. Rund 3.000 Teilnehmende aus aller Welt werden erwartet. Aus Deutschland werden ca. 125 Teilnehmende dabei sein - 23 von ihnen erhalten eine Förderung über BI-International. Die Verbände BIB und ASpB vergeben ebenfalls jeweils ein Stipendium für die aktive Teilnahme. 19 Personen aus deutschen Einrichtungen werden einen Vortrag halten, 12 werden ihre Projekte und Themen in Form eines Posters präsentieren.
Ein deutschsprachiges Caucus-Meeting zu Beginn des Kongresses bringt die Teilnehmenden aus den deutschsprachigen Ländern zusammen. Koordiniert vom Goethe-Institut Athen präsentieren sich 17 deutsche Bibliotheks- und Informationseinrichtungen der internationalen Fachwelt an einem Gemeinschaftsstand auf der integrierten Fachmesse.
Deutsch ist eine der sieben offiziellen IFLA-Sprachen. Ein Dolmetscher*innenteam aus Deutschland sorgt vor Ort für Übersetzungen von Vortragssessions ins Deutsche. Ein Nachwuchsteam aus Deutschland, ebenfalls finanziell gefördert über BI-International, wird wie weitere deutsche Delegierte regelmäßig auf dem Blog von BI-International[5] vom Kongressgeschehen berichten. Viele Sessions werden zeitgleich gestreamt und können so aus der Entfernung live mitverfolgt werden.
Aktuelle Informationen des IFLA-Nationalkomitees Deutschland
Informationen über die IFLA-Aktivitäten in Deutschland, über Aktivitäten der Mitglieder in Deutschland sowie über die Entwicklungen im internationalen Bibliotheksverband in deutscher Sprache konnten über die Website www.ifla-deutschland.de veröffentlicht und über diverse weitere Kanäle kommuniziert werden. Dank eines von BID, der ASpB sowie den Fachverbänden aus Österreich und der Schweiz finanzierten Übersetzungsfonds konnten diverse aktuelle IFLA-Dokumente ins Deutsche übersetzt und in die Fachcommunity übersetzt werden.
Sitzung des IFLA-Nationalkomitees Deutschland
Unter der Leitung der Vorsitzenden des IFLA-Nationalkomitees Deutschland, Barbara Lison, kamen die Mitglieder am 03.04.2019 in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main zu ihrer 45. Jahressitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stand u. a. die Vorbereitung auf die deutsche IFLA-Präsidentschaft, die Erarbeitung von Vorschlägen an die BID für die Priorisierung der Kriterien für die Vergabe von Stipendien zur Teilnahme am IFLA-Weltkongress und die Rückwirkung der IFLA-Aktivitäten in die deutsche Fachszene. Das IFLA-Nationalkomitee Deutschland setzt sich aus Vertreter*innen der Fachverbände und Bibliotheken mit überregionaler Bedeutung in Deutschland zusammen:
Arbeitsgemeinschaft der Spezialbibliotheken (ASpB)
Berufsverband Information und Bibliothek (BIB)
Bibliothek & Information Deutschland (BID)
Bayerische Staatsbibliothek (BSB)
Deutsche Nationalbibliothek (DNB)
Deutscher Bibliotheksverband (dbv)
Goethe-Institut e.V.
Verein Deutscher Bibliothekare (VDB)
Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB)
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK)
Vorsitzende des IFLA-Nationalkomitees und deren Stellvertreterin
Sekretariat des IFLA-Nationalkomitees (ohne Stimmrecht)

Das IFLA-Nationalkomitee kommt zu seiner Jahressitzung 2019 zusammen, von links nach rechts: Hella Klauser (Sekretariat IFLA-NK, knb/dbv), Sabine Stummeyer (stellvertretende Vorsitzende, BIB), Dr. Klaus Ceynowa (BSB), Kerstin Schoof (ASpB), Dr. Sabine Homilius (BID), Ute Schwens (DNB), Barbara Lison (Vorsitzende IFLA-NK). Foto: IFLA-Nationalkomitee Deutschland / DNB.
© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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