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Regionalbibliographien: Forschungsdaten und Quellen des kulturellen Gedächtnisses. Liber amicorum für Ludger Syré

Published/Copyright: August 10, 2019
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Regionalbibliographien sind der Zugang zum schriftlichen kulturellen Gedächtnis der Länder und Regionen. Landeskundliche und landesgeschichtliche Medien vom Aufsatz bis zum Handbuch, von der Broschüre bis zu Karten und Websites, gedruckt wie digital, werden dort dokumentiert, verlinkt, auffindbar gemacht - ein unentbehrliches Hilfsmittel der Wissenschaft und des regional interessierten Publikums.

Die Festschrift, die gewichtige und aktuelle Beiträge zum Thema Regionalbibliographien versammelt und mit 245 Seiten Umfang im Verlag Georg Olms in Hildesheim erschienen ist, zeigt, wie sich dieses Kernprodukt deutscher Regionalbibliotheken entwickelt hat und mit welchen aktuellen Konzepten die regionalen Angebote den Information Suchenden noch passgenauer und direkter nahegebracht werden können. Das von Ulrich Hagenah und Lars Jendral zusammen mit Maria Elisabeth Müller herausgegebene Buch bilanziert die Entwicklung der Landesbibliographien in den zurückliegenden drei Jahrzehnten und die Tätigkeit der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie, die ab 1988 von Ludger Syré geleitet wurde. Es thematisiert zudem die Bedeutung der biographischen Erschließung, die in vielen Bundesländern zum Aufbau regionaler Personendatenbanken führte, und es betrachtet die Rolle, die den Landes- und Regionalbibliographien innerhalb der Regionalportale zukommt. Zahlreiche Werkstattberichte aus einzelnen Bundesländern liefern einen Querschnitt durch die aktuelle regionalbibliographische Praxis.

Mit der Festschrift würdigt die Arbeitsgruppe Regionalbibliographie das langjährige, erfolgreiche Wirken ihres Vorsitzenden. Sein bibliothekarisches und publizistisches Engagement hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das schriftliche kulturelle Erbe der Länder in den Regionalbibliotheken nicht nur verwahrt, sondern als Kulturschatz öffentlich wahrgenommen wird. Das Buch enthält außer den thematischen Beiträgen auch eine Würdigung des gesamten Wirkens von Ludger Syré aus Sicht seiner Karlsruher Heimatbibliothek, eine Würdigung Ludger Syrés als Autor aus der Feder seines langjährigen Ko-Autors der Publikation „Portale zu Vergangenheit und Zukunft. Bibliotheken in Deutschland“ sowie seine umfangreiche Personalbibliographie.

Virtuelle Deutsche Landesbibliographie jetzt auf der Startseite des KVK

Das gemeinsame Portal aller deutschen Landesbibliographien ist die Virtuelle Deutsche Landesbibliographie (VDL). Das auf der Technologie des Karlsruher Virtuellen Katalogs (KVK) basierende Metasuchinterface ist als Selbsthilfeprojekt der Landesbibliotheken ganz ohne Projektmittel von Drittmittelgebern zustande gekommen und im Jahre 2001 an den Start gegangen: http://kvk.bibliothek.kit.edu/vdl.

Die VDL ist ein Beleg für die erfolgreiche Vernetzung der Landesbibliographien und die gemeinsame Präsentation ihrer Datenbestände im Internet. Unter einer einheitlichen Rechercheoberfläche können alle internetbasierten Landesbibliographien gleichzeitig abgefragt werden. Damit ist die VDL insbesondere für länderübergreifende Fragestellungen ein überaus nützliches Suchinstrument.

Im vergangenen Jahr erlebte die VDL einen Relaunch. Während sich der KVK selbst schon seit geraumer Zeit in einem zeitgemäßen Webdesign präsentierte, spiegelte die VDL noch das Layout aus den frühen 2000er Jahren wider. Auf der Startseite der frisch designten Website sind die Suchfelder in den Mittelpunkt gerückt worden; darunter werden die einzelnen Landesbibliographien in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet; unten stehen die Tipps zur Recherche.

In diesem Frühjahr nun wurde die Sichtbarkeit der VDL dadurch erhöht, dass sie auf der KVK-Hauptseite in der Rubrik „Deutschland“ zum separaten Anhaken platziert worden ist. Damit hat die KIT-Bibliothek, von der die VDL bis heute technisch betreut wird, der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie einen lange gehegten Wunsch erfüllt, wofür diese sehr dankbar ist. Die Präsenz der VDL als einer wichtigen länderübergreifenden Rechercheplattform zur Landesgeschichte und Landeskunde kann auf diese Weise optimiert werden. Auch für den KVK ergibt sich dadurch ein Mehrwert, weil deutlich mehr unselbständig erschienene Literatur in die Suche einbezogen werden kann, denn rund Zweidrittel der in den Landesbibliographien nachgewiesenen Literaturstellen sind Aufsätze und Artikel.

DFG-Förderung für Living-Lab-Projekt

GESIS, TH Köln und ZB MED entwickeln gemeinsame virtuelle Infrastruktur für die Evaluierung von Informationssystemen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert im Rahmenprogramm „e-Research Technologien“ den Aufbau von Informationssystemen für die Forschung. Die drei Kölner Forschungsinstitute GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, das Institut für Informationsmanagement der TH Köln und ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften haben sich erfolgreich um eine Förderung beworben. Für das Projekt STELLA - InfraSTructurEs for Living LAbs erhalten die Partner über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt Drittmittel in Höhe von rund 870.000 Euro.

Für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung von Suchportalen und Empfehlungsdiensten, sogenannten Recommender-Systemen, sind regelmäßige Evaluierungen erforderlich. Meist finden diese Evaluierungen unter strengen Laborbedingungen mit einer kleinen Stichprobe fester Testdatenkollektionen statt. Im Projekt STELLA werden die Forschenden eine Infrastruktur entwickeln, die es erlaubt, in einer realen Umgebung, also einem laufenden System, die Interaktionen von echten Nutzern in großem Umfang zu evaluieren. „Studien haben ergeben, dass die Bedürfnisse der User besser erfüllt werden können, wenn die Anwendungen direkt online evaluiert werden. Dafür fehlt aber bisher im akademischen Bereich die geeignete Infrastruktur“, erläutert Dr. Johann Schaible, Projektleiter bei GESIS.

ZB MED-Projektleiter Bernd Müller erklärt das Vorhaben: „Mit STELLA entwickeln wir eine virtuelle e-Research-Umgebung, ein sogenanntes Living Lab. Forschende können darin Studien mit echten Benutzern in realen Umgebungen aufsetzen.“ Der wissenschaftliche Gesamtleiter des Projekts, Prof. Dr. Philipp Schaer vom Institut für Informationsmanagement der TH Köln ergänzt: „STELLA verbindet die Vorteile einer Evaluation im Live-System mit denen einer reinen Laborumgebung. Wir bauen eine Brücke zwischen durchstrukturierter Laborevaluation und freier, dadurch weniger plan- und steuerbarer Online-Evaluation.“

Im Projektverlauf bauen die Forschenden zunächst eine Evaluierungsinfrastruktur in Form einer quelloffenen API als Schnittstelle auf - als Open Source Software nachnutzbar und offen für die Weiterentwicklung. Im nächsten Schritt folgt die Praxisanwendung auf zwei Testsystemen: LIVIVO, dem ZB MED-Suchportal für die Lebenswissenschaften, und der GESIS-Suche. Innerhalb des Projektes öffnen die Partner dann die STELLA-Infrastruktur der akademischen Forschung. Die Expertinnen und Experten für Information Retrieval- und Recommender-Systeme werden eine sogenannte Living-Labs-Evaluationskampagne durchführen, um die Suchmaschinen LIVIVO und GESIS-Suche unter wissenschaftlichen Aspekten methodisch und technisch zu verbessern. Im Echtbetrieb begutachten sie die Algorithmen und Nutzerinteraktionen in den Suchsystemen mit Hilfe der neuen Infrastruktur von STELLA.

Hintergrund-Informationen:

GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

Als eine der weltweit führenden Infrastruktureinrichtungen für die Sozialwissenschaften steht das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscherinnen und Forschern auf allen Ebene ihrer Forschungsvorhaben mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen beratend zur Seite, so dass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. Um diesen Service heute und in Zukunft sicherzustellen, verknüpft GESIS seine integrierte Erhebungs- und Dateninfrastruktur mit Methoden, Modellen und Algorithmen der Informatik im Anwendungsfeld Sozialwissenschaften und erweitert konsequent sein Angebotsportfolio im Bereich digitaler Verhaltensdaten. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. GESIS ist an wichtigen europäischen Projekten wie u.a. dem European Social Survey (ESS), der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA oder dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt. Außerdem arbeitet das Institut kontinuierlich daran, das junge Forschungsfeld der Computational Social Science durch internationale Konferenzen, Symposien und Workshops in Deutschland und Europa zu stärken und eine weltweite Vernetzung voranzutreiben.

Weitere Informationen unter www.gesis.org.

TH Köln

Die TH Köln bietet Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland ein inspirierendes Lern-, Arbeits- und Forschungsumfeld in den Sozial-, Kultur-, Gesellschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Zurzeit sind rund 26.000 Studierende in über 90 Bachelor- und Masterstudiengängen eingeschrieben. Die TH Köln gestaltet Soziale Innovation - mit diesem Anspruch begegnen wir den Herausforderungen der Gesellschaft. Unser interdisziplinäres Denken und Handeln, unsere regionalen, nationalen und internationalen Aktivitäten machen uns in vielen Bereichen zur geschätzten Kooperationspartnerin und Wegbereiterin. Die TH Köln wurde 1971 als Fachhochschule Köln gegründet und zählt zu den innovativsten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.

Weitere Informationen unter www.th-koeln.de.

ZB MED - Informationszentrum Lebenswissenschaften

ZB MED ist als Informationsinfrastruktur in Deutschland und Europa der zentrale Partner für die Lebenswissenschaften: von Medizin über Biodiversität bis hin zu Umweltschutz. Das Institut ist hervorgegangen aus einer Bibliothek. Aufbauend auf den Literaturbeständen und -zugängen, Datenbanken und Forschungsdaten unterstützt ZB MED Forschende bei der Gewinnung neuer Informationen und Erkenntnisse - vor Ort in Köln und Bonn wie auch überregional. ZB MED bietet digitale Mehrwertdienste über das semantikbasierte Suchportal LIVIVO und über das Open-Access-Publikationsportal PUBLISSO an. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Vermittlung von Informations- und Datenkompetenz. ZB MED forscht selbst anwendungsorientiert mit datenwissenschaftlichen Methoden in den Lebenswissenschaften und verfolgt das Ziel, neue Erkenntnisse zu gewinnen und Angebote für die lebenswissenschaftliche Forschung zu entwickeln. Die Forschenden bei ZB MED aggregieren, nutzen und verbinden heterogene Daten, Informationen und Literatur und ermöglichen dadurch neue Forschungsansätze. Dabei stehen semantikbasierte Methoden, automatisierte Prozesse sowie Text- und Datamining im Fokus. Zu den zentralen Prioritäten von ZB MED gehört die Förderung von Open Science mit all seinen Facetten, wie FAIR und Open Data, Open Access und Open Source. Das Informationszentrum ist eine Stiftung öffentlichen Rechts.

Weitere Informationen unter www.zbmed.de.

Kontakt:

Ulrike Ostrzinski

Pressesprecherin ZB MED

Tel.: (0221) 478 5687, E-Mail:

Forschungsdatenmanagement in den Afrikastudien

Der Fachinformationsdienst Afrikastudien baut mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main einen fachübergreifenden Informationsdienst für den afrikabezogenen Bereich der Regionalwissenschaften auf. Dazu wurden mehrere themenbezogene Workshops abgehalten. Unter anderem fand Ende 2018 in Bayreuth ein gemeinsam mit den Partnern von der Universität Bayreuth veranstalteter Workshop zum Thema „Forschungsdatenmanagement in den Afrikastudien“ statt. In Bayreuth begründen sich Kompetenzen im Umgang mit Forschungsdaten zum einen über das bereits seit einiger Zeit bestehende zentrale Archiv und Datenbanksystem des Projektes „Digitalisierung, Edition und Vernetzung in den Afrikawissenschaften (DEVA)“ und zum anderen über das seit Januar 2019 geförderte, neue Exzellenzcluster „Africa Multiple“ der Universität Bayreuth. Dort ist die Einrichtung einer interaktiven Knowledge Cloud geplant, einer digitalen Forschungsumgebung, die Forschungsdaten verschiedener Wissenschaftler*innen künftig einer gemeinsamen Nutzung zugänglich machen soll.

Im Rahmen des Workshops zum Thema Forschungsdatenmanagement in den Afrikastudien zeichneten sich drei große Themenbereiche ab, die künftig größerer Aufmerksamkeit bedürfen: Fragen zu Organisation und Infrastruktur, juristische Perspektiven sowie regionalspezifische Besonderheiten im Bereich der Afrikastudien, die bei der Entwicklung eines sowohl praktisch umsetzbaren, als auch ethisch abgesicherten Forschungsdatenmanagements berücksichtigt werden müssen. Harald Müller vom Urheberrechtsbündnis und Elke Brehm von der Technischen Informationsbibliothek Hannover gingen beispielsweise auf die Themenbereiche Urheberrecht, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte ein - jeweils hochaktuelle Themen, die sich in jüngsten Veränderungen der europäischen und bundesdeutschen Gesetzeslage widerspiegeln. Allerdings besteht - neben der Tatsache, dass einige der gesetzlichen Regelungen umstritten bleiben und künftige erneute Änderungen deshalb nicht auszuschließen sind - noch viel Klärungsbedarf, was die praktische Umsetzung solcher rechtlichen Vorgaben in der Wissenschaft anbetrifft.

Einige Erfahrungen bei der organisatorischen Umsetzung des Forschungsdatenmanagements in afrikabezogenen Kontexten wurden bereits am „German Institute of Global and Area Studies (GIGA)“ in Hamburg gesammelt, wo Birte Pfeiffer zufolge auch praktische Handreichungen für den Umgang mit Forschungsdaten für affilierte Wissenschaftler*innen erarbeitet wurden. Wie Matthias Kaun von der Staatsbibliothek zu Berlin betonte, bieten sich aus vergleichender Perspektive für die Regionalwissenschaften zudem die Erfahrungen regional verorteter Informationsdienste wie dem Projekt „CrossAsia“ an.

Bei Fragen zu Organisation und Infrastruktur im Datenmanagement bietet auch das von der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen koordinierte Projekt „Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities (DARIAH-DE)“ seine Unterstützung an, das sich die Entwicklung einer digitalen Forschungsinfrastruktur für die Geistes- und Kulturwissenschaften zum Ziel gesetzt hat. Wie Lisa Klaffki berichtete, können sich Wissenschaftler*innen und Institutionen mit Interesse an der Nutzung bereits bestehender digitaler Infrastrukturen für Forschungsdaten unmittelbar an DARIAH-DE wenden.

Die bisherigen Erfahrungen belegen jedoch auch, dass gegenwärtige Ansätze im Bereich des Forschungsdatenmanagements nicht von allen Wissenschaftler*innen gänzlich vorbehaltlos gesehen werden. Eine Umfrage des FID Sozial- und Kulturanthropologie, von der Sabine Imeri berichtete, gab hier neben positiven Rückmeldungen aus der Wissenschaft auch kritische Stimmen wider, die insbesondere Fragen der Forschungsethik und der Entscheidungsfreiheit von Wissenschaftler*innen aufwarfen, deren Forschungsdaten künftig digital veröffentlicht werden sollen.

Bestehende Beispiele der best practice aus dem Bereich der Afrikastudien zeigen, dass die Zugänglichmachung und weitere Nutzung von digitalisierten Forschungsdaten dort am besten verlaufen, wo sie auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und auf der Eigeninitiative von Forschenden und Beteiligten gründen. Henning Schreiber von der Universität Hamburg stellte beispielsweise das „NCAC National Digital Archive“ vor, das sich der digitalen Archivierung von Manuskripten, mündlichen Überlieferungen und Tonaufnahmen aus Gambia widmet. Das Projekt erschließt systematisch digitalisierte Forschungsdaten, um sie über das World-Wide-Web verfügbar zu machen, und erfährt dabei großen öffentlichen und wissenschaftlichen Zuspruch. Auch das DEVA-Projekt der Universität Bayreuth, von dem Sigrid Horsch-Albert und Alexandra Kuhnke berichteten, kann erfolgreiche Beispiele der digitalen Datenarchivierung und des Datenmanagements vorweisen. Bemerkenswert ist daran vor allem auch die den am Projekt beteiligten Wissenschaftler*innen eingeräumte Möglichkeit, auch nach bereits erfolgter digitaler Veröffentlichung weiterhin neue Daten in ihre Datenbanken einzupflegen, Korrekturen veralteter Inhalte vorzunehmen und die öffentlichen Zugangsrechte zu einzelnen Datensätzen dem jeweiligen Stand der Zeit entsprechend anzupassen. Solcherart flexibles und fluides Datenmanagement könnte beispielgebend für neue, integrative Lösungsansätze im Bereich des Forschungsdatenmanagements werden, die bestehenden Einwänden Rechnung tragen und eine möglichst breite Unterstützung der Fachcommunity finden.

Kontakt:

Dr. Andrea Nicolas

Fachinformationsdienst Afrikastudien

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg

Bockenheimer Landstr. 134-138, 60325 Frankfurt am Main

Tel.: +49 69 798-22861, E-Mail:

Universitätsbibliothek Frankfurt übernimmt Teilnachlass des Soziologen und Mediziners Horst Baier

Damit kommen weitere wichtige Unterlagen der Kritischen Theorie ins Archiv der Frankfurter Schule im Archivzentrum der UB

Das Archivzentrum der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main hat wichtige Teile aus dem wissenschaftlichen Nachlass des Mediziners und Soziologen Horst Baier (1933-2017) erhalten. Seine Tochter hat die Dokumente an das Archivzentrum übergeben. In den Unterlagen befinden sich zahlreiche Korrespondenzen mit der internationalen soziologischen Fachwelt, teilweise unveröffentlichte wissenschaftliche Manuskripte aus dem Institut für Sozialforschung und der Goethe-Universität sowie vereinzelt private Dokumente. Ein Übereignungsvertrag regelt die rechtlichen Angelegenheiten. Die Nachlassunterlagen wurden in einem mit den Erben abgestimmten Verfahren aufgeteilt zwischen der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, dem Universitätsarchiv Konstanz und dem Sozialwissenschaftlichen Archiv der Universität Konstanz.

Archivmitarbeiter der Bibliothek haben die Unterlagen aus der Privatwohnung Baiers abgeholt und nach Frankfurt gebracht. Die Überlieferung besteht aus ca. 24.000 Seiten mit teilweise unveröffentlichten Manuskripten, die in ihrem zeitlichen Umfang bis in die Studienzeit an der Sozialforschungsstelle an der Universität Münster Ende der 1950er Jahre zurückreichen. Diese Zeit war für Baiers weitere philosophische Entwicklung prägend. Im Jahr 1969 habilitierte er sich im Fach Soziologie an der Universität Münster mit einer Studie über Max Weber. Für die Geschichte der Frankfurter Schule sind vor allem die Unterlagen ab 1970 interessant, nachdem Baier als Ordinarius für Soziologie und Philosophie auf den Lehrstuhl von Theodor W. Adorno an die Frankfurter Goethe-Universität berufen wurde. Nur wenige Jahre später wechselte er 1975 an die Universität in Konstanz, wo er bis zu seinem Tod 2017 auch gewohnt hat.

Sämtliche Archivalien zur Frankfurter Schule, wie die Nachlässe Max Horkheimers, Herbert Marcuses, Jürgen Habermas‘ sowie weitere Archivbestände können im Archivzentrum der Universitätsbibliothek im Rahmen der Öffnungszeiten und der Benutzungsordnung nach Voranmeldung eingehend untersucht werden.

Digitalisierung historischer Leitzeitungen in Hessen

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Universitätsbibliothek Frankfurt im Rahmen eines Landesprojekts

Die historischen Zeitungen der hessischen Bibliotheken sind bedeutende Quellen zur Regional- und Ortsgeschichte und von hohem kulturhistorischem Wert. Sie stellen eine wertvolle Ergänzung zur archivischen Überlieferung dar. Denn sie beleuchten zum einen die Ereignisse aus einer anderen (nichtoffiziellen) Sicht und für ein anderes Publikum. Zum anderen schließen sie vorhandene, meist kriegsbedingte Überlieferungslücken. Die hessischen Zeitungen sind auf viele Einrichtungen verteilt und aufgrund der schlechten Papierqualität meist schwer zugänglich. In einem von der DFG geförderten Landesprojekt wird die Universitätsbibliothek Frankfurt in den nächsten 12 Monaten gemeinsam mit vier weiteren hessischen Universitäts- und Landesbibliotheken (Fulda, Gießen, Marburg, Wiesbaden) und der HeBIS-Verbundzentrale (Hessischer Bibliotheksverbund) speziell ausgewählte historische Leitzeitungen von überregionaler Bedeutung digitalisieren lassen. Über ein Portal werden die mit Texterkennungssoftware (OCR) erschlossenen Volltexte für Wissenschaft, Forschung und Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.

Die ausgewählten Leitzeitungen, die in besonderer Weise die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt des Landes Hessen für die politisch wichtigen Zeiträume 1871 - 1913 und 1919 - 1945 widerspiegeln, sind:

  • Casseler Neueste Nachrichten

  • Frankfurter Zeitung und Handelsblatt

  • Fuldaer Zeitung

  • Gießener Anzeiger

  • Oberhessische Zeitung

  • Wiesbadener Tagblatt

Für die Universitätsbibliothek Frankfurt nimmt die komplett überlieferte „Frankfurter Zeitung“ aufgrund regionaler wie nationaler Bedeutung eine herausgehobene Stellung ein. Sie gilt als Vorgängerin der 1949 neu begründeten „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und steht für die historische Rolle Frankfurts als ein Zentrum des Liberalismus in Deutschland, geprägt von starkem gesellschaftlichen Engagement ihrer Bürger. Im Feuilleton der Frankfurter Zeitung veröffentlichten regelmäßig fast alle wichtigen Intellektuellen und Schriftsteller der Zeit, darunter Walter Benjamin, Erich Kästner, Thomas Mann, Theodor W. Adorno, Theodor Heuss oder Stefan und Arnold Zweig. Ab 1933 war die Zeitung gezwungen, zahlreiche jüdische Mitarbeiter und Autoren des Frankfurter Verlagshauses zu entlassen. Sie konnte sich allerdings der Gleichschaltung der Presse entziehen, bis sie 1943 von den Nationalsozialisten endgültig verboten wurde. Aufgrund dieser großen Bedeutung ließ die Frankfurter Universitätsbibliothek ihren Bestand der FZ im vergangenen Jahr komplett von einem Spezialdienstleister „entsäuern“, um dem eingetretenen Papierzerfall entgegenzutreten.

In dem bewilligten Verbundprojekt stellen die Bibliotheken die Leitzeitungen in den nächsten Monaten sowohl für die Forschung, als auch für die interessierte Öffentlichkeit kostenfrei und komfortabel zur Verfügung. Voraussichtlich werden 1,2 Millionen Zeitungsseiten online zur Benutzung bereitgestellt. Das Projekt bildet damit auch die Grundlage für weitere verteilte Digitalisierungsmaßnahmen mit der Perspektive, dass mittelfristig das gesamte Spektrum der hessischen Zeitungen im Netz sichtbar wird. Es schließt direkt an die Digitalisierung und Erschließung der regionalen hessischen Zeitungen aus der Zeit des ersten Weltkrieges an. Hierbei hatten die hessischen Bibliotheken in enger Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL) das umfangreiche Material von über 120 Regionalzeitungen der Jahre 1914 bis 1918 digitalisiert, mit OCR aufbereitet und u.a. durch einen Themennavigator inhaltlich strukturiert. Das Ergebnis: „Der Blick auf den Krieg“, http://hwk1.hebis.de.

Kontakt:

Dr. Mathias Jehn, Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung sowie des Archivzentrums und der Sammlung Frankfurt & Seltene Drucke

Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg

Bockenheimer Landstraße 134-138

60325 Frankfurt am Main

Tel.: +49 (69) 798 39007, E-Mail:

Leitungswechsel in der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen

Bilo geht - Walger kommt

„Möglich machen“ - das war das Motto von Albert Bilo als leitender Bibliotheksdirektor der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen (UB). Nach 22 Jahren Dienstzeit verabschiedete er sich am 30. April in den Ruhestand. Seine Nachfolge übernimmt Nicole Walger, die von der UB Siegen an die UDE wechselt.

Die UB ist das Herz einer Uni: Als Lernort für Studierende verzeichnet sie pro Jahr mehr zwei Millionen Nutzer. Sie leihen sich mehr als 700.000 Bücher aus und ordern den Zugang zu fünf Millionen E-Books. Sie können dies an sieben Tagen in der Woche tun, sonntags sogar bis 22.00 Uhr. Albert Bilo weiß: „Unsere UB steht ganz vorn im Landesvergleich der Hochschulen in NRW.“

Multimediakonzept oder der Ausbau des E-Learnings: In den letzten beiden Jahrzehnten waren wichtige Weichenstellungen erforderlich. Dies zu organisieren, zu moderieren und in die Universität zu vernetzen war das besondere Verdienst von Bilo, der sich stets als Manager und Ermöglicher verstand. Erst recht als er 2012 zusätzlich noch das Amt des Chief Information Officers (CIO) im Auftrag des Rektorats übernahm.

 Albert Bilo gibt Nicole Walger seine Schlüssel. Fotonachweis: UDE.

Albert Bilo gibt Nicole Walger seine Schlüssel. Fotonachweis: UDE.

Gefragte Expertise

Ein weiteres Anliegen des scheidenden Bibliothekdirektors war die nationale und internationale Vernetzung mit Fachkollegen und Gremien, darunter als Vorsitzender der Universitätsbibliotheken NRW, als Vorstandsmitglied im Deutschen Bibliotheksverband, als DFG-Gutachter, als Beiratsmitglied der Deutschen Nationalbibliothek oder auch als Beiratsvorsitzender des Hochschulbibliothekszentrums Köln, der Schaltstelle der NRW-Bibliothekssysteme.

Sein persönliches Fazit: „Die Digitalisierung muss aktiv gestaltet werden, sei es in der Literaturversorgung oder am Arbeitsplatz. Was unabhängig von der medialen Präsentationsform bleiben wird, ist die Notwendigkeit, kritisch mit Inhalten umzugehen. Künftig möchte ich endlich in Ruhe und mit Nachhaltigkeit, in eigener Zeiteinteilung und an beliebigem Ort Inhalte gründlich lesen können.“

Nahtloser Übergang

Seine Nachfolgerin, Nicole Walger (41), übernimmt das Amt zum 1. Mai. Sie studierte zunächst Germanistik und Romanistik an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main, um dann noch ein Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Fachhochschule Köln anzuschließen. Ab 2011 leitete sie eine Bereichsbibliothek an der UB Mainz und wurde 2016 stellvertretende Leiterin der UB Siegen. Dort baute sie Strukturen und Dienste zum wissenschaftlichen Publizieren und zum Forschungsdatenmanagement auf.

Kontakt:

Beate Kostka (Redaktion)

Tel.: 0203/37 9-2430, E-Mail:

Frank Scholze soll neuer Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek werden

Der Verwaltungsrat der Deutschen Nationalbibliothek wird entsprechend der Empfehlung einer Findungskommission dem Bundespräsidenten die Berufung von Frank Scholze zum Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek vorschlagen. Das haben die Mitglieder dieses obersten Gremiums der Nationalbibliothek heute zum Abschluss eines mehrmonatigen Auswahlverfahrens beschlossen.

Frank Scholze, Jahrgang 1968, ist seit dem Jahr 2010 Direktor der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie. Er hat Bibliothekswesen, Kunstgeschichte und Anglistik studiert. Ab Januar 2020 soll er die Nachfolge von Elisabeth Niggemann antreten, die zum Jahresende 2019 nach über 20 Jahren erfolgreicher Arbeit in den Ruhestand tritt.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, begrüßte die Entscheidung des Verwaltungsrates: „Frank Scholze ist dank seiner fachlichen Qualifikation als Bibliothekar und seiner profunden Erfahrungen als Direktor der Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie hervorragend geeignet, dieses wichtige Amt zu übernehmen. Sein umfangreiches Fachwissen, seine Führungskompetenz und insbesondere auch seine Erfahrungen im Bereich Digitaler Bibliotheken sind für dieses Amt wichtige Qualifikationen. Ich bin sicher, dass die Deutsche Nationalbibliothek mit Frank Scholze für die Herausforderungen der Zukunft bestens aufgestellt ist und dass es ihm gelingen wird, den Transformationsprozess fortzuführen und die Deutsche Nationalbibliothek im digitalen Zeitalter gut zu positionieren.“

Frank Scholze hat dem Verwaltungsrat für das in ihn gesetzte Vertrauen gedankt. Er sagt weiter: „Ich freue mich sehr, dabei mithelfen zu können, die Deutsche Nationalbibliothek als kulturelles Gedächtnis der Vergangenheit und der Zukunft weiterzuentwickeln. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen Partnerinstitutionen steht für mich dabei im Mittelpunkt.“

Bildmaterial: https://www.dnb.de/gd2020

Hintergrund

Die Deutsche Nationalbibliothek sammelt, verzeichnet und archiviert, was in Deutschland in gedruckter und digitaler Form und im Ausland über Deutschland und was in deutscher Sprache seit 1913 publiziert oder verbreitet wurde und wird. Dazu gehören auch alle in Deutschland veröffentlichten Notenausgaben und Musikressourcen. Sie hat einen Bestand von über 36 Millionen Medieneinheiten und bietet diese und ihre Dienstleistungen in den Lesesälen in Leipzig und Frankfurt am Main und, soweit rechtlich möglich, über das World Wide Web in digitaler Form an.

Mit dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 und dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum verfügt die Deutsche Nationalbibliothek darüber hinaus über wertvolle und reichhaltige Sondersammlungen. Durch Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und Konzerte macht sie regelmäßig auf ihre Schätze aufmerksam und fördert Buchkultur, Lesekultur und Musikkultur - mit mehr als 36 Millionen Medieneinheiten, jährlich rund 220.000 Besuchern an den beiden Standorten Leipzig und Frankfurt am Main und mit einem bunten und hochkarätigen Veranstaltungsprogramm.

Kontakt:

Deutsche Nationalbibliothek

Stephan Jockel, Pressesprecher

Adickesallee 1

60322 Frankfurt am Main

Tel.: 069 1525 - 1005, E-Mail:

Nachlass Jan Tschichold wird mit DFG-Förderung digitalisiert

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Digitalisierung und Erschließung des Nachlasses von Jan Tschichold. Der Nachlass befindet sich im Deutschen Buch- und Schriftmuseum (DBSM) der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig. In einem achtzehnmonatigen Projekt werden ausgewählte Teile des Nachlasses digitalisiert und erschlossen. Das Projekt wird mit circa 110.000 Euro gefördert. Die Digitalisate werden mit Normdaten versehen und über das Portal der DNB weltweit im Netz zugänglich gemacht. Gleichzeitig werden die Materialien unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt inhaltlich erschlossen. Noch nie war ein so tiefer und einfacher Blick in die Werkstatt Tschicholds möglich. Zum Abschluss des Projektes wird eine Buchpublikation und eine Tagung die Ergebnisse zusammenfassen.

Jan Tschichold war einer der bedeutendsten Typografen und Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts. Er wirkte im Umfeld des Bauhauses und gilt dort als Stichwortgeber für die sogenannte Neue oder Konstruktive Typografie. Nach dem zweiten Weltkrieg orientierte er sich zunehmend an traditionellen Vorbildern und veröffentliche zahlreiche typografiehistorische Werke und Lehrbücher zur Schriftgestaltung.

Die Erben Jan Tschicholds schenkten dem DBSM den Nachlass, damit er für Forschung und Lehre dauerhaft zur Verfügung steht. In den letzten Jahren gehörte er zu den meistgenutzten Nachlässen des Museums. Je mehr Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Künstler und Künstlerinnen und Studierende den Nachlass vor Ort sichten, desto stärker wird er aber auch in Mitleidenschaft gezogen. Die Digitalisierung ist ein guter Weg, um vielen Menschen einen Einblick in den Nachlass zu ermöglichen und ihn dabei bestmöglich zu schonen. Dabei ist es besonders wichtig, die Digitalisate mit treffenden Beschreibungen (sogenannten Metadaten) anzureichern, damit Nutzerinnen und Nutzer genau das finden können, was sie suchen. Nach der Digitalisierung werden die Daten Teil der Deutschen Digitalen Bibliothek und von Europeana, dem europäischen digitalen Kulturportal.

Noch bis zum 6. September 2019 ist in Leipzig die Ausstellung „Jan Tschichold - ein Jahrhunderttypograf?“ zu sehen. Die Ausstellung, zu der der Wallstein-Verlag eine reich bebilderte Publikation veröffentlicht hat, rekonstruiert an einer Auswahl der interessantesten Stücke aus dem Nachlass den Lebens- und Schaffensweg Tschicholds.

Ansprechpartner:

Dr. André Wendler

Tel.: +49 (0)341 2271-518, E-Mail:

Informationen zur Ausstellung:

Jan Tschichold - ein Jahrhunderttypograf? // Blicke in den Nachlass

Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig

19. März bis 6. September 2019

Dienstag bis Sonntag sowie feiertags 10-18 Uhr, Donnerstag 10-20 Uhr

Der Eintritt ist frei

Hintergrund

Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek

Das Buch hat wie kein anderes Medium unsere Kultur und Zivilisation geprägt: Seit Jahrhunderten wird unser Wissen über die Welt und über den Menschen in Büchern gespeichert. Die Sammlung, Ausstellung und wissenschaftliche Bearbeitung buch-, schrift- und mediengeschichtlicher Zeugnisse ist die Aufgabe des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek. 1884 als Deutsches Buchgewerbemuseum in Leipzig gegründet, gilt es als das weltweit älteste und nach Umfang und Qualität der Bestände als eines der bedeutendsten Museen auf dem Gebiet der Buchkultur. Durch nationale und internationale Kooperationsprojekte vernetzt das Museum seine Bestände und speist sie in die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen ein.

Kontakt:

Deutsche Nationalbibliothek

Stephan Jockel, Pressesprecher

Adickesallee 1

60322 Frankfurt am Main

Tel.: 069 1525 - 1005, E-Mail:

Direktorat der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur wird in Karlsruhe angesiedelt

Gemeinsame Bewerbung von KIT und FIZ Karlsruhe in Interessenbekundungsverfahren der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz erfolgreich

In der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) sollen die wertvollen Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen, vernetzt und nutzbar gemacht werden. Bislang sind sie zumeist dezentral, projektbezogen oder auf Zeit verfügbar. Bund und Länder werden die NFDI gemeinsam fördern und mit diesem digitalen Wissensspeicher eine unverzichtbare Voraussetzung für neue Forschungsfragen, Erkenntnisse und Innovationen schaffen. Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat nun beschlossen, das Direktorat der NFDI in Karlsruhe anzusiedeln und FIZ Karlsruhe sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit den Aufgaben zu betrauen, die in der komplexen Gründungsphase anstehen.

Zentrales Element der NFDI werden die Konsortien sein, in denen Nutzer und Anbieter von Forschungsdaten mit Einrichtungen der Informationsinfrastruktur zusammenwirken. Formal wird die NFDI eine eigene Rechtspersönlichkeit werden, geleitet und koordiniert durch das Direktorat mit Geschäftsstelle.

Zur Ansiedlung des Direktorats stellt die GWK-Vorsitzende und Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien Hansestadt Bremen, Frau Prof. Dr. Eva Quante-Brandt heraus: „Die GWK hat sich mit dem FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur und dem Karlsruher Institut für Technologie für einen starken Informationsinfrastrukturstandort entschieden, der sich durch ein breites Fächerspektrum und sehr gute IT-Infrastruktur auszeichnet und über vielfältige Vernetzung im nationalen, europäischen und internationalen Bereich verfügt. Dies sind sehr gute Voraussetzungen für die Ansiedlung des NFDI-Direktorats in Karlsruhe“.

Die stellvertretende GWK-Vorsitzende, Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, betonte: „Die NFDI ist eine entscheidende Infrastruktur für die Digitalisierung der Wissenschaft in Deutschland. Sie wird vollkommen neue Möglichkeiten eröffnen, vorhandene Daten dauerhaft zu erschließen und für die Wissenschaft zugänglich zu machen. So kann zum Beispiel auch neuen Forschungsfragen durch die Kombination vorhandener Daten nachgegangen werden. Mit der Auswahl von Karlsruhe haben wir einen Standort, an dem bereits heute aus Datenrohstoffen Datenschätze für die Wissenschaft entstehen.“

„Es ist eine gute und sehr gut nachvollziehbare Entscheidung, das leistungsstarke Zentrum in Karlsruhe mit dieser wichtigen Aufgabe zu betrauen. Ich gratuliere dem Karlsruher Institut für Technologie und dem FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur herzlich. Die Ansiedlung ist auch ein Ergebnis der erfolgreichen E-Science-Strategie des Landes und der Einrichtung von vier Science Data Centers, darunter auch in Karlsruhe“, sagt Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

„Die Ansiedlung des Direktorats der NFDI, der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur, ist für das KIT und das FIZ Karlsruhe ein großer Erfolg und unterstreicht einmal mehr, dass Karlsruhe ein herausragender Standort für Informationstechnologie in Deutschland ist“, sagt Professor Holger Hanselka, der Präsident des KIT. „Die Verfügbarkeit von Forschungsdaten ist Grundlage und Voraussetzung für den wissenschaftlichen Austausch, den wir brauchen, um uns den großen globalen Herausforderungen zu stellen und länder- und disziplinenübergreifend an Lösungen zu arbeiten. Durch die NFDI werden individuelle Forschungsdaten für die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft zugänglich.“

Professorin Doris Wedlich, Bereichsleiterin für Biologie, Chemie und Verfahrenstechnik am KIT, ergänzt: „FIZ Karlsruhe und das KIT stehen für eine langjährige erfolgreiche, strategische wie operative, Zusammenarbeit zwischen einer Leibniz-Einrichtung, einer Universität und zugleich einem Helmholtz-Zentrum durch den Sonderstatus KIT.“

Sabine Brünger-Weilandt, Geschäftsführerin und Direktorin von FIZ Karlsruhe, unterstreicht: „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dieser deutschlandweit einmaligen Partnerschaft dem Direktorat in der NFDI-Gründungsphase optimale Unterstützung und ein adäquates wissenschaftliches Umfeld bieten können. Zugleich stehen wir prototypisch für den konzeptionellen Kern der NFDI, nämlich das arbeitsteilige Zusammenwirken und die Ausgestaltung durch die Nutzenden in Forschung und Lehre gemeinsam mit Einrichtungen der wissenschaftlichen Infrastruktur.“

Sowohl Doris Wedlich als auch Sabine Brünger-Weilandt sind Mitglieder im Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII). Dieser hat im Juni 2016 sein Positionspapier „Leistung aus Vielfalt“ der GWK vorgelegt, in dem richtungweisende Empfehlungen für das Forschungsdatenmanagement ausgesprochen sind, unter anderem eben auch die Empfehlung zur Einrichtung einer NFDI.

Auf Grund der verkehrstechnisch guten Erreichbarkeit soll das Direktorat räumlich in der Innenstadt von Karlsruhe beheimatet werden. Das Mandat von KIT und FIZ Karlsruhe endet, sobald nach intensiver Aufbauarbeit die NFDI in eine eigene Rechtspersönlichkeit übergegangen ist.

Hintergrundinformationen zum FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur

Das FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist eine GmbH mit anerkannter Gemeinnützigkeit und hat als eine der größten außerhochschulischen Informationsinfrastruktureinrichtungen in Deutschland den öffentlichen Auftrag, Wissenschaft und Forschung mit wissenschaftlicher Information zu versorgen und entsprechende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Hierfür erschließt FIZ Karlsruhe sehr große Mengen an Daten aus unterschiedlichsten Quellen, entwickelt und betreibt innovative Informations-Services sowie e-Research-Lösungen und führt eigene Forschungsprojekte durch. FIZ Karlsruhe ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, unter deren Dach mehr als 95 Einrichtungen vereint sind, die Forschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen.

Hintergrundinformationen zum KIT

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25.100 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Kontakt zum FIZ Karlsruhe:

Uwe Friedrich

Referent für Wissenschaftskommunikation

Tel.: 07247 808 - 109

E-Mail:

FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur

Hermann-von-Helmholtz-Platz 1

76344 Eggenstein-Leopoldshafen

Tel.: 07247 808 - 555

Fax: 07247 808 - 259

E-Mail:

Kontakt zum KIT:

Monika Landgraf

Leiterin Gesamtkommunikation

Pressesprecherin

Tel.: 0721 608 - 21150

E-Mail:

KIT- Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Kaiserstraße 12

76131 Karlsruhe

Tel.: 0721 608 - 0

E-Mail:

Published Online: 2019-08-10
Published in Print: 2019-07-26

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Articles in the same Issue

  1. Frontmatter
  2. Editorial
  3. Aus den Verbänden
  4. Forum für die Stadtgesellschaft - die Zentral- und Landesbibliothek Berlin ist „Bibliothek des Jahres 2019“
  5. Förderprojekt „Total Digital!“ - Restfördermittel für 2019
  6. Dr. Hannelore Vogt erhält die Karl-Preusker-Medaille 2019
  7. Themenheft: Sonntagsöffnung für Öffentliche Bibliotheken?
  8. Gesetzentwurf der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP 
  9. Zusammenfassung der Redebeiträge der ersten Lesung des Gesetzentwurfs zum „Bibliotheksstärkungsgesetz“ (Drucksache 17/5637) am 11.04.2019 im Landtag von Nordrhein-Westfalen auf Grundlage des Plenarprotokolls 17/56, TOP 3
  10. Zusammenfassung der Redebeiträge in der Anhörung von Sachverständigen zum Bibliotheksstärkungsgesetz - 30. Sitzung (öffentlich) des Ausschusses für Kultur und Medien am 04.07.2019 in Landtag Nordrhein-Westfalen
  11. Die rechtlichen Hintergründe der Neuregelung der Sonntagsöffnung öffentlicher Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen
  12. Sonntagsöffnungszeiten von Öffentlichen Bibliotheken ermöglichen
  13. Bibliotheksstärkungsgesetz: Schwache Stärke - starke Schwäche!
  14. Die Sonntagsöffnung für Öffentliche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen aus der Sicht des Borromäusvereins
  15. Die Sonntagsöffnung für Öffentliche Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen aus der Sicht der kirchlichen Büros in Nordrhein-Westfalen
  16. Kein Sonntag ohne Stadtbibliothek!
  17. Sonntagsöffnung in Öffentlichen Bibliotheken - oder soll man es lassen?
  18. Warum das „Wohnzimmer der Stadt“ gerade sonntags geöffnet sein sollte. Ein Standpunkt zur Sonntagsöffnung der öffentlichen Bibliotheken
  19. Die Bibliothek gehört den Bürger*innen - auch und vor allem am Sonntag!
  20. Notizen und Kurzbeiträge
  21. Regionalbibliographien: Forschungsdaten und Quellen des kulturellen Gedächtnisses. Liber amicorum für Ludger Syré
  22. Veranstaltungen
  23. Fortbildungsveranstaltungen der Büchereizentrale Niedersachsen und der Beratungsstellen für Öffentliche Bibliotheken Südniedersachsen und Weser-Ems
  24. Termine
  25. Termine
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