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„Schimmel - Schutz und Kampf gegen mikrobiellen Befall“ - Tagung „8. Tag der Bestandserhaltung“ für Berlin und Brandenburg

27. und 28. September 2018 in Berlin
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Published/Copyright: November 29, 2018
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Am 27. und 28. September trafen sich 135 Teilnehmer*innen aus Archiven, Bibliotheken sowie weiteren Kultureinrichtungen im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin zum „8. Tag der Bestandserhaltung“ für Berlin und Brandenburg unter dem Motto „Schimmel - Schutz und Kampf gegen mikrobiellen Befall“. Die Nachfrage war sehr groß und so musste die Anmeldung frühzeitig geschlossen werden. Dies bestätigt die Aktualität, Bedeutsamkeit aber auch die Dringlichkeit des Themas.

Die Tagung, welche seit 2011 vom KBE organisiert und veranstaltet wird, diente dem Austausch und der Vorsorge in den verschiedenen Einrichtungen. Leider bleibt festzustellen, dass mehr Institutionen als erhofft mit dem Thema Schimmel zu kämpfen haben und es enorm wichtig erscheint, zu vermitteln, wie wichtig ein professioneller Umgang mit der Problematik ist. Die Tagung war so konzipiert, dass die Teilnehmer*innen mit theoretischem Wissen sowie Empfehlungen aus der Praxis versorgt wurden.

Nach einer Begrüßung durch Kerstin Jahn (KBE) eröffnete der Leiter der Universitätsbibliothek der Freien Universität, Herr Dr. Brandtner, die Tagung und gab einen kurzen Einblick in das Thema Bestandserhaltung an der Universitätsbibliothek der FU. Nach einem politischen Statement des Fachbeiratsvorsitzenden, Herrn Mälck (Staatsbibliothek Berlin), übernahm Herr Kriese aus dem Geheimen Staatsarchiv und ebenfalls Mitglied im Fachbeirat die Moderation der zweitägigen Veranstaltung.

Abb. 1: Henry-Ford-Bau der FU Berlin, 2018 © Bernd Wannenmacher
Abb. 1:

Henry-Ford-Bau der FU Berlin, 2018 © Bernd Wannenmacher

Der Vormittag wurde durch den Erfahrungsbericht der Leiterin der UB der Filmuniversität Babelsberg, Frau Krause, eröffnet. Sie sprach über den Schimmelbefall in den Magazinräumen der UB und zeigte die Herausforderungen auf, welche sich stellen, um das Magazin vom Schimmel zu befreien.

Im Anschluss folgten Fachvorträge zum Thema.

Frau Dr. Stephan von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) sprach in ihrem Vortrag von Pilzen als Besiedler von Kulturgut und wie man diese identifizieren kann.

Weiter ging es mit dem Vortrag von Herrn Dr.-Ing. Moriske vom Umweltbundesamt. Dieser stellte die wesentlichen Ursachen für Schimmelwachstum in Gebäuden und Archiven dar und zeigte bauliche wie technische Lösungsmöglichkeiten für Archive und Bibliotheken auf. Er nahm dabei Bezug auf den 2017 erschienenen „Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden“.

Abgeschlossen wurde der Vormittag von Herrn Warscheid, der ebenfalls auf die Ursachen und Auswirkungen mikrobiell bedingter Schadensprozesse in Archiven, Bibliotheken, Depots und Museen einging. Der Vortragende gab praxisnahe Hinweise für eine grundlegende Beseitigung und nachhaltige Vermeidung der mikrobiellen Schadensprozesse in historischen Sammlungen.

Abb. 2: Vortragssaal, © KBE
Abb. 2:

Vortragssaal, © KBE

Im Anschluss an die Mittagspause begann das parallel stattfindende Begleitprogramm der Tagung. Zum einen konnten sich die Teilnehmer*innen bei dem Format „Bestandserhaltung im Dialog“ von den Referierenden Frau Prof. Dr. Nadolny, Frau Dr. Scheerer und Frau Preuss über die Sinnhaftigkeit und Praktikabilität von ATP/AMP-Messungen auf Archivgut und anderen Objekten aus Papier informieren und Fragen stellen.

Zum anderen wurde der Tag durch einen Workshop von Frau Preuss (Deutsche Nationalbibliothek) geschlossen. In ihrem Workshop konnten die Teilnehmer*innen ihr Auge trainieren, um beim Identifizieren von Schimmel und dessen Schadensbildern auf Papier sicherer zu werden.

Parallel zu beiden Programmpunkten haben viele Teilnehmer*innen auch die Möglichkeit genutzt, an einer Führung teilzunehmen. So hat Frau Dr. Rothe (Leiterin der Benutzung der UB der FU) eine Führung durch die Universitätsbibliothek der FU gegeben und bei Herrn Narewski (Stellvertretender Leiter der Benutzung) konnte man an einer Führung zum Thema „Bestandserhaltung in der UB der FU“ teilnehmen.

Zwei weitere Gruppen haben sich auf dem Weg ins Ethnologische Museum gemacht und dort an einer Führung durch die Bibliothek des Museums, geleitet von der Leiterin Frau Billig, teilgenommen. Die zweite Gruppe hat sich die Restaurierungsstraße der Objekte auf dem Weg ins Humboldt-Forum vom Leiter der Abteilung Restaurierung, Herrn Farke, erklären lassen.

Am Abend haben sich Interessierte zu einem Fachaustausch in entspannter Atmosphäre im Alten Krug Dahlem eingefunden.

Der zweite Tag startete mit einer Übersicht über die aktuellen Entwicklungen in der Bestandserhaltung. Herr Kriese informierte über die Überarbeitung der DIN 67700 zum Thema Archivbau und die Herausgabe des Entwurfs der DIN 32701:2018-04. Weiterhin informierte er über fachrelevante Tagungen und Termine.

Anschließend schilderte Frau Dr. Hartwieg von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) in einem kurzen Rundblick das Fördergeschehen der KEK-Modellprojekte und des 2017 erstmals aufgelegten BKM-Sonderprogramms.

Danach stellte Frau Pietsch die Projekte des Nederlands Fotomuseum vor. Das Museum führte zwischen 2015 und 2018 sein größtes Restaurierungsprojekt aus: die Konservierung, Digitalisierung und Archivierung von 45.000 teilweise schimmelgeschädigten Farbdias.

Der Vormittag wurde abgerundet durch den Fachvortrag von Frau Nithack (LWL-Archivamt für Westfalen) zum Thema „Arbeitsschutz in Deutschland“. Die Referentin stellte die wichtigsten Vorgaben für die Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes mit dem Fokus auf mikrobielle Kontamination durch Schimmelpilze vor.

Frau Dr. Rauch (Historische Sammlungen an der UB der HU Berlin) schloss den Vormittag mit ihrem Vortrag. Sie schilderte die verschiedenen bereits in der UB aufgetretenen Fälle von Schimmel und legte Maßnahmen und Konzepte dar, die zum Schutz der Bücher und Mitarbeiter gewählt wurden.

Nach der Mittagspause hatten die Teilnehmer*innen abermals die Chance, an Workshops oder Führungen teilzunehmen.

Im sich zweimal wiederholenden Workshop von Frau Fahrenkamp und Frau Nastke (beide LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum) wurden Kenntnisse über Hygienemaßnahmen im Archiv vermittelt. Die Teilnehmenden erlernten beispielsweise, mit welchen Geräten und Werkzeugen verschmutzte Archivalien gereinigt werden können. Um das Ganze so praktisch wie möglich zu gestalten, konnten Museumsstaubsauger und andere Geräte vor Ort durch die Teilnehmer*innen getestet werden.

Bei dem Workshop von Frau Nithack lernten die Anwesenden die verschiedenen Teile der persönliche Schutzausrüstung (PSA) und deren richtige Handhabung kennen.

Zusätzlich zu den Workshops fanden Führungen im Geheimen Staatsarchiv statt. Herr Kriese stellte die Werkstätten vor und man konnte die Projektarbeit „Verpackung ostpreußischer Folianten“ besichtigen. Frau Chen führte durch die Bibliothek des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte und Herr Narewski wiederholte seine Führung vom Vortag mit dem Fokus auf die Bestandserhaltung in der UB der FU.

Zwei Tage beschäftigten sich Referierende und Teilnehmende mit dem Thema Schimmel in all seinen Facetten. Die Resonanz von allen Seiten war sehr positiv und das Thema ist, wie der Austausch gezeigt hat, wichtig und bedarf noch weiterer Diskussionen, jedoch vor allem einer kontinuierlichen Aufarbeitung und Schulung. Viele Teilnehmer*innen wünschen sich mehr Fortbildungsangebote zum Thema mikrobieller Befall, der Identifizierung von Schimmel, der Prävention, der Reinigung sowie dem persönlichen Schutz bei Befall. Dem sollte auf jeden Fall nachgegangen werden.

Die Vermittlung und das bereits vorhandene Wissen zum Thema Schimmel muss in den kommenden Jahren vertieft werden, um zu erreichen, dass die immer wieder zu beklagenden Schimmelfälle, beispielsweise durch bauliche Ursachen oder fehlgesteuertes Klima, verhindert werden.

Die Vortragsfolien sowie die fotografische und filmische Dokumentation sind auf der Website des KBE zu finden.

Published Online: 2018-11-29
Published in Print: 2018-12-01

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 26.2.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2019-0002/html
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