Home Library & Information Science, Book Studies Giles Clark, Angus Phillips: Inside book publishing. Sixth Edition. London/Abingdon,Oxon/New York, NY: Routledge, 2019. – XXI, 396 S., Ill. – ISBN 978-1-138-57438-0. £ 96,00; 978-1-138-57791-6. £ 27,99; 978-1-351-26572-0 E-Book: £ 27,99
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Giles Clark, Angus Phillips: Inside book publishing. Sixth Edition. London/Abingdon,Oxon/New York, NY: Routledge, 2019. – XXI, 396 S., Ill. – ISBN 978-1-138-57438-0. £ 96,00; 978-1-138-57791-6. £ 27,99; 978-1-351-26572-0 E-Book: £ 27,99

  • Sebastian Köppl
Published/Copyright: February 10, 2022
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Giles Clark Phillips Angus Inside book publishing. Sixth Edition London/Abingdon,Oxon/New York, NY Routledge 2019 XXI 1 396 Ill. 978-1-138-57438-0 £ 96,00 978-1-138-57791-6 £ 27,99 978-1-351-26572-0 E-Book £ 27,99


Zu den Titeln aus der jüngsten Zeit, die ein Bild der anglo-amerikanischen Verlage der Gegenwart zeichnen und sich gegenseitig ergänzen, gehören der hier vorliegende Band und das 2019 erschienene Oxford Handbook of Publishing.[1] Beide Bücher sind auch für die Verlage und den Buchhandel in Deutschland von Bedeutung, da sie Tendenzen aufzeigen, die seit den letzten 30 Jahren weltweit sichtbar werden: Es sind nicht allein die Technologisierung und die Digitalisierung in allen Bereichen der Buchindustrie, die Nutzung des Internet, die Tendenz zu Großverlagen und Kapitalgesellschaften, sondern auch die Medienkonvergenz, der Wandel zu hybriden Print- und elektronischen Formen oder zum Open Access – alles dominiert von Apple, Google und zumal von Amazon, dessen Markterfolg zu Recht als Wasserscheide in der Geschichte des modernen Verlags und des Online-Buchmarktes gilt.[2]

Nachdem frühere Auflagen, die seit der 1. Ausgabe von 1988[3] zum Teil die Ausrichtung, den Verlag und den Zusatz zum Sachtitel geändert haben, auf Zurückhaltung gestoßen sind, wird das Buch nun seit der 3. Auflage[4] und insbesondere seit der 4. von 2008[5] als verlässliches Lehrbuch gesehen. Diese damalige Neuauflage wurde durch den bisherigen Verfasser und den neuen Mitautor Angus Phillips völlig umgestaltet. Giles Clark, ein Verlagsexperte, der frühere Auflagen verantwortet hat, und insbesondere Angus Phillips, der weithin bekannte Leiter des Oxford International Centre for Publishing an der Oxford Brookes University und Herausgeber der Zeitschrift Logos, haben mit dieser massiven inhaltlichen Erweiterung die Grundlage für den Erfolg gelegt. Bereits die älteren Ausgaben hatten zum Teil eine Lücke geschlossen, da bis dahin keine umfassende Darstellung der englischen Verlage der Gegenwart vorgelegen hatte.[6]

Die vorzügliche differenzierte Typografie, die gute Leserführung, die den Text auflockernden Comics und die Illustration durch Fotos, Grafiken, Reproduktionen von Buchumschlägen, Screenshots oder Tabellen wichtiger Statistiken verdeutlichen die Textinhalte und stärken die didaktische Ausrichtung des Buches. Sie wird weiter unterstützt durch die vielen, den Text erläuternden und erweiternden, zum Teil mehrseitigen Textkästen, die Expert, Focus and Skills Boxes. Diese stammen von Fachleuten aus der Verlagsindustrie, von Autoren und Autorinnen aus Fachzeitschriften, aus den Fachhochschulen und Universitäten, den Buch- und Verlagsinstituten, den Literarischen Agenturen oder aus der Marktforschung.

Jedes Kapitel endet mit knapp ausgewählten Lektüreempfehlungen, Quellen und relevanten Webseiten. Damit bieten sie eine gute Basis für den vertiefenden Nachvollzug und eigene Recherchen. Am Ende des Bandes folgt ein Glossar, einschließlich der Abkürzungen, zum Buch, zum Buchhandel und zum Verlag. Ein nicht annotiertes, auf englischsprachiges Material beschränktes, aber hilfreiches Literaturverzeichnis, dem wichtige Journals and periodicals, die News services und die Industry databases and information resources relevant to publishing vorangehen, schließt sich an. Den Abschluss bildet ein umfangreiches und sorgfältig gearbeitetes, kombiniertes Namens-, Sach-, Titel- und Verlagsregister.

Inside Book Publishing ist eng auf die Gegenwart bezogen und verzichtet auf Inhalte, die im Oxford Handbook of Publishing in größerer Tiefe dargestellt sind – so etwa zur Verlagsgeschichte, zum Lesen, zum Bezug zwischen Gesellschaft und Verlag oder zur gesellschaftlichen Verantwortung des Verlegens, also auf große Teile des dortigen ersten Hauptabschnitts, „Publishing in context“, und dessen Kapiteln 2–10. Hingegen ist auch die erneut völlig überarbeitete und aktualisierte 6. Auflage auf die Verlagstypologien, die Gestaltung und Herstellung sowie auf den Vertrieb und Absatz sowie das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit, speziell im Buchmarkt Großbritanniens, ausgerichtet und die diesbezüglichen Kapitel erhalten auch von den Umfängen her Vorrang.

Das Buch beschreibt mit einer Fülle von Materialien wesentliche Aspekte des modernen Verlagsbuchhandels und des zunehmenden crossmedialen Publizierens. Dabei sind die Entwicklungen der letzten Jahre seit der 5. Auflage von 2014 in den Mittelpunkt gerückt: Diese betreffen insbesondere das Digitale Publizieren und den E-Commerce,[7] den partiellen Einbruch bzw. den abflachenden Anstieg im Absatz der E-Books und den Zuwachs im Hörbuchmarkt, die Neugestaltung des Buchs als App, die Zunahme des Selbstverlags und des Crowdfunding sowie den schwieriger gewordenen Absatz des Hochschullehrbuchs in den USA, der mit dem mittlerweile schrumpfenden Markt für das Lehrbuch in Deutschland einhergeht. Bei den wissenschaftlichen Zeitschriften, zumal in den STM-Fächern (Science, Technology, Medicine), führt die wachsende Dominanz der Oligopole, der Großverlage und der Open-Access-Modelle zu gravierenden Konsequenzen für Forschung und Lehre in den Universitäten sowie für ihre Bibliotheken. Welche Änderungen sich aus den erkennbaren Ansätzen zum Open Access bei Büchern ergeben werden, bleibt offen.[8]

Auch die vorliegende Neuauflage nimmt alle Bereiche und Funktionen im Buchmarkt und im Verlag in den Blick: Sie bildet die Einwirkung der Digitalisierung auf die Geschäftsleitung, das Lektorat und die Programmarbeit, die Lizenz- und Rechteabteilung, die Gestaltung, Ausstattung und Herstellung des Verlagsprodukts, das Rechnungswesen und die Buchhaltung, den Vertrieb und die Öffentlichkeitsarbeit ab und liefert verlässliche Einblicke in alle Arbeitsfelder, Sektoren und Typen des heutigen, hochspezialisierten Industrieunternehmens Verlag.

Das relativ kurze 1. Kapitel bringt einen einleitenden Überblick zu den gegenwärtigen Entwicklungen in den Verlagen als Medien- und Wirtschaftsunternehmen samt ihren digitalen Umbrüchen und Herausforderungen. Es stellt in summarischer Form die Kernaufgaben und Ziele des Verlegens, die Marktsegmente und maßgeblichen Entwicklungen im Rahmen des globalen Buchmarkts vor und betont den ständigen Zwang zur Anpassung und Innovation.

Die Kapitel 2, 3 und 4 beschreiben die Tendenzen im modernen Belletristik-, Publikums- und Sachbuchverlag, verdeutlichen die verlegerischen Anforderungen in den Buchmärkten des Fach-, Schul-, Lehr- und Wissenschaftsbereichs und skizzieren die Hauptmerkmale der wichtigen Verlagstypen auf den Britischen Inseln. Am Ende steht die spezifische Situation der Zeitschriftenverlage und ihrer Märkte. Das Kapitel 5 legt den Schwerpunkt auf die Wertschöpfungskette im Verlag.

Das Kapitel 6 gilt den Autorinnen und Autoren sowie dem Selbstverlag und der Rolle der Literaturagenturen. Das Kapitel 7 zielt auf die Gestaltung eines neuen Buchprojekts bzw. auf die Buchpolitik und die Verlagslinie. Es beschreibt die Wege zur Programmoptimierung, die Gewinnung von Urhebern und den Erwerb der Rechte von ihren Agenturen oder einem anderen Verlag – also die Ziele und Methoden dessen, was die beiden Verfasser in der englischen Verlagsfachsprache „Commissioning“ nennen. Das Kapitel 8, das, wie das Glossar am Ende des Buches, eines der kleinen Defizite des Oxford Handbook schließt, widmet sich dem Verlagsvertrag und dessen Kernpunkten bis hin zum Vorschuss und den elektronischen Rechten. Das Kapitel endet mit den vielfältigen Arbeiten im Lektorat bis hin zur Publikations- und Herstellungsreife.

Die Kapitel 9–13 gelten der äußeren und inneren Gestaltung des Verlagsprodukts in seinen Print-, E-Book- und Audioformen und beschreiben die Herstellung. Sie widmen sich ferner dem Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit, die mittlerweile eine Schlüsselrolle in den Verlagen spielen. Absatz und Verkauf, Lizenzen, Rechtehandel und Rechteverwaltung, sowie die Vertriebswege in Großbritannien in den Formen des Online-, Groß- und Zwischenbuchhandels bis hin zu Direktverkäufen, Buchklubs oder anderen Vertriebswegen, etwa an Bibliotheken, sind in weiteren Kapiteln dargestellt. Das abschließende Kapitel 14 enthält konkrete Hinweise zu Arbeitsplätzen und Berufswegen in Verlagen. Es gibt Ratschläge zur Stellensuche sowie Empfehlungen zur Bewerbung, Tipps zum Einstellungsinterview und zu dessen Vorbereitung bis hin zum ersten Arbeitstag.

Die 6. Auflage ist wie frühere Ausgaben durchgehend berufsorientiert geprägt – dies sowohl in der Beschreibung der Verlage und des Buchmarkts als auch in den Fingerzeigen für die Praxis in den oben erwähnten Textkästen. Typische Beispiele sind im Kapitel 2 „The development of modern trade publishing“ die Focus Box „The rise and fall of multimedia publishing“ oder im Kapitel 4 „The characteristics of the main publishing sectors“ die Focus Box „Reference publishing“. Das Kapitel 5 „Creating and protecting value in publishing“ beinhaltet konkrete Empfehlungen zum Betrieblichen Rechnungswesen im Unterabschnitt „Financial performance“. Die Expert Box „Marketing fiction“ im Kapitel 10 „Marketing and publicity“ informiert grundsätzlich zum Online-Absatz und zur unerlässlichen Rolle, welche die Sozialen Medien dabei spielen. Diese Textkästen bringen viel Fachwissen und Praxiserfahrung aus dem Buchmarkt in das Buch ein.

Die Neuauflage ist, wie bereits die vorherige Ausgabe von 2014, trotz ihres britischen Schwerpunkts erneut stärker international ausgerichtet, was sich auch im Literaturverzeichnis und insbesondere bei den Lektüreempfehlungen, Quellen und Webseiten am Ende der Kapitel widerspiegelt. Die globalen Buch- und Hörbuchmärkte sind jetzt ebenfalls vollauf berücksichtigt. Damit sind Defizite aus früheren Auflagen beseitigt und die Verlage in den USA kommen zur Geltung.

Kritische Aspekte:

  • Das Erfordernis der in Kooperation zwischen den Hochschulbibliotheken und den Verlagen zu lösenden Aufgaben der Archivierung, Publikation und Sicherung der Forschungsdaten wird im Buch nicht angesprochen.[9]

  • In künftigen Neuauflagen sollten die Doppelungen und Überschneidungen in Teilbereichen, so etwa zwischen den herausragenden Kapiteln 3 und 4 und nicht nur bei den Zeitschriften und beim Open Access,[10] bereinigt werden. Auch könnte dann im hervorragend ausgewählten Literaturverzeichnis Albert N. Grecos[11] wichtige Monographie nachgebracht werden. Zur Beobachtung der Markttendenzen beim E-Book wäre bei den „Web resources“ an den Kapitelenden auch ein Link auf den jährlich aktualisierten Global eBook report[12] hilfreich gewesen.

  • Das nützliche, wenn auch knappe Glossar verdiente eine Überarbeitung: Die Definitionen erscheinen eher karg und eine Reihe von Termini – Beispiele sind EPUB und EPUB3, HTML5, LaTeX, SGLM oder XSL – müsste ergänzt werden. Sie sind jedoch wie der Großteil der anderen wichtigen Begriffe ebenfalls im Text beschrieben und im Index erfasst.

Das in Gestaltung und Inhalt ansprechende, preisgünstige Buch wird aufgrund der Dominanz der anglo-amerikanischen Verlage im Buchmarkt, neben Hans-Helmut Röhrings und Günther Fetzers Einführung in „die Buchbranche in der Bundesrepublik Deutschland“,[13] supplementär auch den Ausbildungs- und Fortbildungsstätten der deutschen Verlage, den Buchwissenschaftlichen Instituten und den Hochschulen für relevante Studiengänge empfohlen. Die aktuellen, auch für Deutschland auf weite Strecken geltenden Inhalte bieten einen Einblick in den englischsprachigen Verlagsbuchhandel, der hiesigen Studierenden der Medien- und Kommunikationswissenschaften gleichermaßen nützt.


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Published Online: 2022-02-10
Published in Print: 2022-02-23

© 2022 Sebastian Köppl, publiziert von De Gruyter

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 4.2.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/abitech-2022-0013/html
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