Zusammenfassung
Für die Verbesserung der Sichtbarkeit von E-Books gibt es bereits verschiedene sogenannte Blended Shelfs, die E-Books und Printbücher gleichzeitig anzeigen können. Mittels Touchscreen-Funktionen lässt sich der Bestand durchsuchen, eingrenzen und genauer ansehen. Im Rahmen eines Projektes an der Universitätsbibliothek St. Gallen (HSG) wurde zu Beginn des Herbstsemesters 2017 ein solches Rechercheinstrument für die Lehrbuchsammlung entsprechend den eigenen Bedürfnissen realisiert. Mit diesem Praxisbericht soll gezeigt werden, welche Überlegungen, „Stolpersteine“ und Lösungen dieses Projekt begleitet haben.
Abstract
There is already a variety of so-called ‘blended shelves’ for the visibility improvement of e-books which are able to display both electronic and hard copies. The collection can be searched and filtered using touch screen functions. As part of a project, the University Library of St. Gallen (HSG) tested one of these research tools for its textbook collection in accordance with the needs of its users. This practical report intends to elaborate the initial considerations, the obstacles encountered and conclusions reached in this project.
1 Ausgangslage (Januar 2017)
Der Bestand an E-Books in der Universitätsbibliothek St. Gallen (HSG) steigt seit einigen Jahren stark an.[1] Gegenüber den gedruckten Büchern, die in den Bücherregalen gefunden werden können, sind die E-Books allerdings nicht physisch sichtbar und können ausschließlich über unsere Online-Rechercheinstrumente gefunden werden (Discovery System EDS, Bibliothekskatalog ALEPH500). Die Bibliothek überlegt deshalb schon seit längerer Zeit, wie die Sichtbarkeit der E-Books verbessert werden könnte.
Beobachtungen und Rückmeldungen von neuen Studierenden haben gezeigt, dass diese noch ungeübt bei der Online-Literaturrecherche auf den von der Bibliothek zur Verfügung gestellten Recherchewerkzeugen sind. Das Navigieren durch lange Ergebnislisten und das Managen der teilweise großen Ergebnismengen ist ihnen fremd.
Aus diesem Grund gingen unsere Überlegungen in folgende Richtung: Gerade für die Studierenden, die sich zu Studienbeginn und vor Prüfungen sinnvollerweise auf das Studium der empfohlenen Lehrbücher und Standardwerke beschränken wollen, wäre es weitaus hilfreicher, ein Recherchewerkzeug benutzen zu können, welches lediglich die vorhandenen Lehrbücher anzeigt – und zwar gleichzeitig und nebeneinander die gedruckten Bücher wie auch die E-Books. Wenn das noch visuell ansprechend über Buchcover möglich ist und wenn selbsterklärend und intuitiv durch eine solche virtuelle Bestandsanzeige navigiert werden kann, könnte die Hürde bei der Suche nach der wichtigsten Literatur kleiner werden. So wurde die Idee geboren, ein Hybrid Bookshelf für unsere Lehrbuchsammlung in der HSG-Bibliothek[2] aufzustellen.
Solche Systeme sind mit unterschiedlichen Bezeichnungen bereits an anderen Bibliotheken entwickelt und realisiert worden. Während beispielsweise die Virtuelle Lehrbuchsammlung vMaBookShelf der UB Mannheim[3] sich auf den Lehrbuchbestand begrenzt, kann beim Blended Shelf der UB Konstanz[4] über den gesamten Print- und E-Book-Bestand recherchiert werden. Allen Systemen gemein ist, dass die Titel nicht listenartig, sondern über eingespielte Buchcover auf einem virtuellen Regal neben- und übereinander angezeigt werden. Die Navigation kann auf dem Touchscreen intuitiv durch Slide-Bewegungen erfolgen. Durch Antippen eingespielter Buchcover (oder über einen QR-Code) können weitere Informationen über den Standort und die Verfügbarkeit des gedruckten Buchs angezeigt bzw. der Volltext des E-Books heruntergeladen werden.
2 Vorprojektphase (Februar–April 2017)
Ziel des Vorprojekts war es, die Anforderungen unserer Bibliothek an ein solches System zusammenzufassen und zu klären, ob der Aufwand bei der Adaption eines bereits existierenden Systems für unsere Bibliothek überschaubar ist und ob die Kosten für die Installation und die Hardware tragbar sind.
Als Anforderungen wurden festgehalten:
Darstellung der Print- und E-Books des Teilbestands Lehrbuchsammlung mittels Buchcover nebeneinander auf einem Bildschirm,
Browsen und Sucheingaben sollen möglich sein,
alle Funktionen können mittels Antippen oder Gesten auf dem Bildschirm durchgeführt werden (Touchfunktion),
elementare Angaben zu den Titeln sollen übersichtlich angezeigt werden,
bei den gedruckten Büchern sollen weitere Informationen zum Standort (Einbindung unserer virtuellen Standortanzeige MediaScout[5]) und zur Verfügbarkeit (Einbindung der Katalogseite) angezeigt werden und
bei den E-Books soll es für eingeschriebene HSG-Studierende eine einfache Möglichkeit geben, an die Volltexte zu gelangen (bspw. mittels eines QR-Codes).
Näher betrachtet wurde zunächst das vMaBookShelf der UB Mannheim. Bernd Fallert, der das System an der UB Mannheim realisiert hatte, gab uns hierzu bereitwillig Auskunft. Dieses auch Virtual Shelf genannte System für die Lehrbuchsammlung der UB Mannheim ist als Open Source frei verfügbar und steht somit kostenlos auch für andere Bibliotheken zur Verfügung. Das System ist ursprünglich für die Anbindung an das Bibliothekssystem Aleph programmiert worden, hat aber mit dem Wechsel zu Alma an der UB Mannheim zu Problemen geführt bei der Extrahierung der E-Book-Daten. Ebenfalls nach Aussage von Bernd Fallert besteht ein nicht zu unterschätzender Aufwand darin, aus dem eigenen Bibliothekssystem die Daten als csv-Datei zu extrahieren. Daraus schlossen wir, dass der aktuelle Stand der Lehrbuchsammlung vom System nicht selbstständig ausgelesen werden kann, sondern nach jeder Aktualisierung – mit Aufwand – nachgeführt werden müsste.
Während wir nähere Informationen zum Blended Shelf der UB Konstanz in Erfahrung brachten, erreichte uns im April die Kunde, dass die UB Basel ein Hybrid Bookshelf der Firma picibird[6] auf Grundlage des Blended Shelf der UB Konstanz in ihren Räumlichkeiten aufgestellt hat.[7] Hierfür wurde eine Anbindung an den Schweizer Bibliotheksmetakatalog swissbib[8] realisiert. Das ließ uns aufhorchen – werden doch unsere Katalogdaten ebenfalls in swissbib eingespielt.
Mit einem langen Fragenkatalog und einer guten Portion Neugier fuhren wir nach Basel. Alle offenen Fragen konnten zufriedenstellend geklärt und erste Erfahrungen aus Basel für unser Projekt mitgenommen werden. Beispielsweise wurde der Standort des Hybrid Bookshelf in der UB Basel neben den Recherche-PCs als nicht ideal empfunden. Interessierte nutzten lieber die Recherchemittel an den PCs vis-à-vis. Aufgrund von Rückmeldungen von der UB Konstanz und der Firma picibird wurde mit 27 Zoll Bilddiagonale ein kleinerer Bildschirm in Basel aufgestellt. So fühlen sich Benutzende des Touchscreens eher weniger exponiert.
Also nahmen wir als weitere Anforderungen an unser System mit:
der Bildschirm soll eine Bilddiagonale von höchstens 27 Zoll haben und
das Gerät muss mobil auf einem fahrbaren Untersatz befestigt sein, um verschiedene Standorte innerhalb der Bibliothek testen zu können.

Datenflussdiagramm Hybrid Bookshelf (Grafik: picibird)
Insgesamt gewannen wir einen überzeugenden Eindruck vom HBS und wir nahmen als nächstes Kontakt mit picibird auf. Marcus Specht als Entwickler hatte offene Ohren für unsere speziellen Wünsche und Anforderungen und die Offerte, die wir erhielten, entsprach unseren Vorstellungen und finanziellen Möglichkeiten.
3 Projektphase (Mai–September 2017)
3.1 Darstellung und Funktionen
Nachdem der Entscheid für das Produkt von picibird gefallen war, erhielten wir eine erste Standardversion der Software, die wir lokal auf einem PC installieren konnten. Im Hintergrund arbeitet ein Webserver (Shelfhub), der als Schnittstelle für verschiedenste Dienste (swissbib Katalog, Aleph-Verfügbarkeitsinformationen, Buchcoverdienste etc.) dient. Im Shelfhub können so Anpassungen vorgenommen werden, die mehreren Bibliotheken nützen, aber auch einzelne Bibliotheksprofile angelegt werden, mit eigenen Einstellungen. In unserem Fall beispielsweise eine Einschränkung auf den Lehrbuchbestand.
Uns schien der Titel Hybrid Bookshelf aus Benutzersicht nicht sehr selbsterklärend und wir entschieden uns, es in unserer Bibliothek Virtual Bookshelf zu nennen. Das Virtual Bookshelf wurde von dem Projektteam in Zusammenarbeit mit dem Anbieter picibird auf die individuellen Bedürfnisse der Bibliothek angepasst. Dabei mussten verschiedene Punkte diskutiert und entschieden werden. Das bereits bestehende Design des Virtual Bookshelf sah ansprechend und modern aus. Deshalb wurde der Fokus der Anpassungen vor allem auf die Funktionen gelegt. Wichtig war uns dabei die Benutzerführung. Die Bedienung des Virtual Bookshelf soll einfach und selbsterklärend sein. Der Touchscreen bringt einen intuitiven Aspekt in die Lehrbuchsuche mit hinein.
Die Studierenden haben über das Virtual Bookshelf viele Möglichkeiten, zu einem für sie interessanten Lehrbuch zu finden. Einerseits können sie mittels Stichwortsuche im gut sichtbaren Suchfeld die Resultate eingrenzen. Andererseits gibt es die Möglichkeit, aus den vier Filtern „Fachgebiete“, „Medium“, „Sprache“ und „Jahr“ auszuwählen, die sich rechts auf der Bildschirmseite aufklappen lassen. Die Filter kann man beliebig miteinander kombinieren. Die dritte Möglichkeit ist das Browsen am Virtual Bookshelf mittels Wisch-Gesten.
Beim Suchstart ist immer der gesamte Lehrbuchbestand sichtbar, geordnet nach Aktualität. So sehen die Studierenden immer die neuesten Lehrbücher zuerst. Das lässt sich zusätzlich an der Jahreszahl erkennen, die unterhalb des Buchcovers am virtuellen Regal erscheint. Ebenfalls auf den ersten Blick neben dem Erscheinungsjahr ist ersichtlich, ob es sich um ein gedrucktes oder um ein elektronisches Lehrbuch handelt.
Wenn ein Buchcover ausgewählt wird, rückt dieses in den Vordergrund, und der Rückendeckel „klappt nach links auf“. Auf der „Buchrückseite“ werden sodann die wichtigsten Informationen eingeblendet: bibliographische Angaben, die Exemplare und deren Verfügbarkeit, der Link zum Bestand und ein QR-Code für die mobile Ansicht.

Frontend Virtuelles Bücherregal der HSG-Lehrbuchsammlung (Screenshot: picibird)
Das Projektteam hat sich dazu entschieden, nur so viele Links wie notwendig anzeigen zu lassen. Diesem Grundsatz zufolge werden bei einem gedruckten Lehrbuch jeweils zwei Links angezeigt: ein Link „Zum Bestand“, der die Katalogseite des Titels öffnet, und ein Link „MediaScout“, der den Buchstandort auf dem virtuellen Bibliotheksplan anzeigt. Auf der Katalogseite kann nach einer Authentifizierung das Lehrbuch reserviert oder können Kopien bestellt werden. Dies geschieht immer noch innerhalb der Software des Virtual Bookshelf. Bei E-Books erscheint jeweils nur ein Link zur Katalogseite mit dem Link zum Volltext. Der Link „MediaScout“ wird hier sinnvollerweise unterdrückt.
Bei gedruckten Büchern erscheint für jedes Exemplar ein Kästchen innerhalb der Gruppierung „Verfügbarkeit“, in dem neben der Signatur auch der Ausleihstatus ersichtlich ist. Diese Kästchen werden so angeordnet, dass immer zuerst die ausleihbaren Exemplare angezeigt werden, danach folgen diejenigen, die im Moment ausgeliehen sind, gefolgt von den nicht ausleihbaren Präsenzexemplaren.
Auf dem Buchrücken ist ein QR-Code angezeigt. Der Link, der sich beim Scannen dieses Codes öffnet, führt ebenfalls auf die Katalogansicht. Bei einem E-Book ist es möglich, den Volltext direkt über die Katalogseite zu öffnen und innerhalb des Virtual Bookshelfs zu lesen. Wir gingen indes nicht davon aus, dass jemand direkt am Bildschirm ein E-Book lesen möchte. Mithilfe des QR-Codes zur Katalogseite lässt sich dieser Prozess unkompliziert auf das mobile Gerät des Benutzers übertragen.

Detailansicht eines Buchcovers (Screenshot: picibird)
Im Laufe der ersten Testphase wurden weitere Anforderungen formuliert und realisiert. Ein Beispiel dafür ist die Implementierung der Zweisprachigkeit. Als Bibliothek einer zweisprachigen Universität mussten wir auf einer zusätzlichen englischen Version des Virtual Bookshelf bestehen. Eine weitere Anforderung war das Anbringen eines Reset-Buttons. In der Standardversion kam man nach einer Sucheingabe nicht mehr zum Startpunkt zurück und hätte auf das Time-Out warten müssen, welches das Virtual Bookshelf wieder auf den Startbildschirm zurücksetzt. Dies war aber nicht vereinbar mit einer einfachen Benutzerführung. So erstellte picibird für uns einen Reset-Button, damit man mit einem Antippen wieder auf den Startbildschirm zurückkehren kann.
3.2 Stolpersteine
Zwischendurch gab es für uns einige Hürden zu überwinden. Es zeigte sich zum Beispiel, dass die Anbindung an swissbib auch Nachteile hat, so zum Beispiel bei der Zuteilung der Fachgebiete. Im Virtual Bookshelf wird auf dem Buchrücken das Fachgebiet des jeweiligen Lehrbuchs mit angezeigt. Dies war nach einigen Anpassungen möglich. Weiterhin Probleme bereitet aber die Filterung nach Fachgebiet entsprechend der Aufstellungssystematik der Universitätsbibliothek St. Gallen. Bei uns werden die Bücher nach der Regensburger Verbund-Klassifikation (RVK)[9] aufgestellt und entsprechend den einzelnen Fachgebieten zugeordnet. In swissbib werden allerdings die RVK-Angaben aller Bibliotheken in einem Feld gesammelt, ohne Kennzeichnung, welche Bibliothek welche RVK-Angabe mit eingebracht hat. Nun kann es natürlich vorkommen, dass mehrere Bibliotheken das gleiche Buch besitzen und dafür unterschiedliche RVK-Stellen vergeben haben. Das ergibt einen Verwässerungseffekt, was eine genaue Zuordnung der Fachgebietsvergabe nach unserer Aufstellung leider nicht möglich macht.
Dies könnte als Chance verstanden werden, den Zugriff auf die betreffenden Bücher breiter zu gestalten. In der Realität hat sich hingegen gezeigt, dass viele Zuordnungen nicht ganz verständlich sind und die Ergebnisse unnötig aufblähen. Das Projektteam ist in Kontakt mit picibird und swissbib, um eine Lösung für dieses Problem zu finden.

Anzeige Standort Virtual Bookshelf im MediaScout (Grafik: MediaScout, Beschriftung: Sandra Buob)
Kleinere Probleme konnten hingegen meistens schnell und unkompliziert gelöst werden. So musste ein fehlender PDF-Reader in die Software integriert werden, damit die E-Books direkt aufgerufen werden können. Außerdem funktionierte die Bildschirmtastatur nicht zuverlässig. Nach einer Modifizierung des Browsers innerhalb des Virtual Bookshelf funktioniert die Anzeige nun fehlerlos. Wichtig war uns natürlich auch der Datenschutz. Bei einem Login in den Katalog durch die Studierenden werden sie automatisch wieder abgemeldet, sobald das Pop-Up-Fenster wieder geschlossen wird.
Weiter kann nur eine limitierte Menge an Covern angezeigt werden. Picibird arbeitet noch daran, die Anzahl der angezeigten Buchcover zu erhöhen. Im Zuge der Anpassungen ist aufgefallen, wie wichtig die Hinterlegung der ISBNs im Katalogisat für die Anzeige der Buchcover im Virtual Bookshelf ist. Leider werden für E-Books oftmals keine Buchcover angeboten. Wir hatten aber den Wunsch, dass möglichst alle Titel mit einem Buchcover dargestellt werden. So sollte auch ein höherer Wiedererkennungswert der Print- und der E-Books bei den Studierenden geschaffen werden. Der erste Teil der Lösung war also, in Fleißarbeit alle Katalogisate der E-Books zu überprüfen, ob im MARC-Feld 020 $z eine Print-ISBN hinterlegt ist. Wo diese fehlte, wurde sie noch händisch nachgetragen. In einem zweiten Teil der Lösung wird picibird noch eine Checkroutine im Hintergrund programmieren, die bei den Coverdiensten alle hinterlegten ISBNs abfragt. Der dritte Teil der Lösung wird darin bestehen, anschließend die abgefragten Buchcover zwischenzuspeichern, um die Performance des Virtual Bookshelf nicht zu beeinträchtigen oder diese sogar noch zu verbessern.
Ebenfalls nicht ganz einfach ist die von uns gewünschte Anzeige von Print- und E-Book direkt nebeneinander. Die Katalogisate unterscheiden sich in einigen Feldern voneinander. Je nach Gewichtung dieser verschiedenen Elemente ist es im Moment so, dass die beiden Manifestationen nicht immer nebeneinanderstehen. Besserung ist aber auch hier in Sicht: Laut picibird ist es möglich, mithilfe der ISBNs «gleiche» Lehrbücher zu gruppieren und so nebeneinander anzuzeigen.
3.3 Standortfindung
Das Virtual Bookshelf ist als Ergänzung zur Lehrbuchsammlung der Universitätsbibliothek St. Gallen gedacht. Deshalb war es uns wichtig, dass nicht nur virtuell, sondern auch räumlich der Bezug zur Lehrbuchsammlung hergestellt wird. So war uns klar, dass wir das Virtual Bookshelf in unmittelbarer Nähe der Lehrbuchsammlung aufstellen wollen und haben nach einem passenden Monitorhalter auf Rollen gesucht. Damit können wir den Standort leicht anpassen, falls uns in Zukunft ein anderer Ort passender erscheint.
Die Lehrbuchsammlung befindet sich in der Bibliothek direkt beim Eingang zum Lesesaal. Für die Einführungsphase konnte direkt daneben Platz geschaffen werden für das Virtual Bookshelf. So ist nicht nur der räumliche Bezug zur Lehrbuchsammlung gegeben, sondern das Virtual Bookshelf ist auch bereits vom Bibliothekseingang her durch die Glaswand gut sichtbar für die Studierenden.
Hinweise darauf, dass man am Virtual Bookshelf nur den Lehrbuchbestand durchsuchen kann, finden sich sowohl auf dem Bildschirm als auch an der Monitorhalterung über dem Bildschirm. „Virtual Bookshelf. Search our Textbook Collection!“ ist der Titel, der immer auf dem Bildschirm angezeigt wird, unabhängig vom Suchfortschritt der Benutzenden. Das Hinweisschild an der Monitorhalterung ist in Blau gehalten, der gleichen Farbe, in der die Lehrbücher und die Beschriftungen der Lehrbuchregale gehalten sind. Das soll visuell den Effekt der Zusammengehörigkeit noch verstärken und ein schnelles Auffinden ermöglichen.
Der Standort ist zudem so gewählt, dass er sich nicht im gleichen Raum befindet wie die Ausleihtheke und die Rechercheberatung. Die Benutzenden sollen das Virtual Bookshelf unabhängig von einer Aufsicht benutzen. Dieses Gefühl der Intimität und des intuitiven Ausprobierens wird auch versucht mit der Größe des Monitors weiterzugeben, der mit knapp 24 Zoll Bilddiagonale eher klein gehalten wurde.

Virtual Bookshelf für die Lehrbuchsammlung in Betrieb (Foto: Matthias Nimke)
4 Einführung und Feedback (September 2017–Januar 2018)
Pünktlich zu Beginn des Herbstsemesters 2017 konnte das Virtual Bookshelf in Betrieb genommen werden. Jedes Jahr in der Startwoche werden die neuen Studierenden in kleinen Gruppen durch den gesamten Campus und auch durch die Bibliothek geführt. Das Bibliothekspersonal konnte das Virtual Bookshelf für die Lehrbuchsammlung in die Gruppenführungen integrieren. Die Studierenden erhielten so einen ersten Einblick und konnten gezielt darauf hingewiesen werden, dass es sich um ein Suchwerkzeug für die Lehrbuchsammlung handelt. Natürlich wurde auch auf der Website und der Facebook-Seite der HSG-Bibliothek für das Virtual Bookshelf geworben.
Um die Akzeptanz des Virtual Bookshelf evaluieren zu können, wurde und wird auf verschiedenste Weise Feedback eingeholt. Zum einen können die Benutzenden einen einfachen Feedbackzettel ausfüllen, der beim Virtual Bookshelf aufliegt. Die beiliegende Box wird regelmäßig geleert. Seit der Einführung sind so innerhalb von zwei Monaten einige Rückmeldungen beim Projektteam eingegangen: überwiegend positive und konstruktive aber auch einige negative.
4.1 Anwendungsprojekt mit Masterstudierenden
Parallel zur Einführung des Virtual Bookshelf für die Lehrbuchsammlung starteten wir eine Kooperation mit HSG-Studierenden. Im Rahmen eines Anwendungsprojekts im Studiengang „Master in Marketing, Services and Communication Management“ wird der Kundennutzen des Virtual Bookshelf analysiert. Im ersten Semester führen sie mit Fokusgruppen auf den diversen Stufen (Assessment, Bachelor, Master) Beobachtungen und Umfragen zum Virtual Bookshelf bei den Studierenden in der Bibliothek durch. Ein erstes Resultat ist, dass den wenigsten Studierende das Virtual Bookshelf bekannt ist oder sie es nicht ausprobieren. Die Endergebnisse dieser Untersuchung und daraus resultierende Vorschläge zu Funktionalitäten, Usability, Standort etc. werden demnächst dem Projektteam und der Bibliotheksleitung präsentiert. Wir sind jetzt schon sehr gespannt.
4.2 Nutzungsstatistik
Auf unseren Wunsch hin hat picibird einen Piwik-Account[10] für das Virtual Bookshelf eingerichtet. Seit Ende Oktober bekommen wir so eine wöchentlich generierte Nutzungsstatistik. Diese Statistik gibt Auskunft über Gesamtzugriffszahlen, Zugriffszahlen nach Filtern und nach Suchworten. Die bisher erhaltenen Wochenberichte sind in der kurzen Zeit noch wenig aussagekräftig. Es hat sich aber ein relativ gleichbleibender Wert von ca. 100 Gesamtzugriffen pro Woche eingependelt.
5 Fazit und Danksagung
Die Einführung des Virtual Bookshelf war ein sehr spannendes und erkenntnisreiches Projekt. Nachdem die Wahl auf das Hybrid Bookshelf des Anbieters picibird gefallen war und eine Standardversion für uns bereitgestellt wurde, begann die Phase des Testens, Ausprobierens und Anpassens. Aufgrund der Testergebnisse wurden auch spezifische Anforderungen erkannt und von picibird umgesetzt.
Bei Redaktionsschluss gibt es immer noch einige, wenn auch kleine Pendenzen beim Finetuning des Systems. Die Zusammenarbeit mit picibird war sehr spannend und lehrreich. Für eine weitere Verbesserung des Virtual Bookshelf haben wir alle an einem Strick gezogen. Hiervon können vielleicht auch weitere Bibliotheken in Zukunft profitieren.
Für uns werden die demnächst präsentierten Ergebnisse der Umfrage hoffentlich interessante Erkenntnisse bringen und als Entscheidungsgrundlage dienen, in welcher Art das Virtual Bookshelf weitergeführt oder sogar ausgebaut wird.[11]
About the authors

Sandra Buob

Matthias Nimke
© 2018 by De Gruyter
Artikel in diesem Heft
- Frontmatter
- Editorial
- Editorial
- Fachbeiträge
- Roboter in Bibliotheken und die flexible Ordnung von Sammlungen
- Handling von Offsetting-Verträgen – ein MPDL-Werkstattbericht
- Mengenentsäuerung – Verfahrensvalidierung, Evaluierung und Qualitätssicherung. Neue Einsichten und bleibende Fragen
- Einführung eines Virtual Bookshelf für die HSG-Lehrbuchsammlung – ein Praxisbericht
- Learning from Digital Library Evaluations: The Europeana Case
- Herausforderungen einer Modernisierung im laufenden Betrieb: Die Campusbibliothek der Universität Kassel
- Aktives Forschungsdatenmanagement
- Das neue Lern- und Informationszentrum (LIZ) der Landesbibliothek Oldenburg. Umbau und Neukonzeption des Benutzungsbereichs einer Magazinbibliothek
- Tagungsbericht
- 18. DINI-Jahrestagung: „Forschungsdaten – von der Produktion bis zur Langzeitarchivierung“
- Publish or Perish: Wissenschaftliches Publizieren zwischen Peer Group, Kostenexplosion und Open Access
- „Wolkenkuckucksheim. Bibliotheken in der Cloud“
- Wandelbarer Campus der Zukunft
- Nachrichten
- Nachrichten
- Produktinformationen
- Produktinformationen
- Im Gespräch
- Zur moralischen Ökonomie des Buches
- ABI Technikfrage
- Wie kommt das Repositorium in die Suchmaschine?
- Rezensionen
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- Veranstaltungskalender
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