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Übersetzen als kulturelle Praxis – tertulias, academias und die Übersetzung im Spanien des 18. Jahrhunderts

  • Andreas Gelz
Veröffentlicht/Copyright: 18. Januar 2008
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Iberoromania
Aus der Zeitschrift Band 55 Heft 1

Übersetzen, anders als dies ein landläufiges Klischee besagt, ist nicht primär eine einsame Tätigkeit, sie kann – wie hier exemplarisch am Beispiel einiger tertulias und Akademieprojekte des 18. Jahrhunderts gezeigt werden soll – in Einzelfällen zur kollektiven Aufgabe gesellschaftlicher Gruppierungen werden und damit eine wichtige Rolle im Prozeß der Bildung nationaler Identität, d.h. nicht zuletzt der Revision bestehender gesellschaftlicher Strukturen, spielen. Denn gerade weil sie implizit oder explizit Vorstellungen interkultureller Asymmetrie (meist zwischen Spanien und den Kernländern der Aufklärung, v.a. Frankreich) mobilisiert, wird die Übersetzung im Spanien des 18. Jahrhunderts zu einer ambivalenten gesellschaftlichen und politischen Handlung, die aufgrund ihres grenzüberschreitenden Charakters die Problematik der Grenzziehung und damit der Konstitution des Gemeinwesens auf der Grundlage unverwechselbarer Wesenszüge der spanischen Kultur berührt. Die Übersetzung ist dabei auf direkte Weise mit der Frage nach der Ausgestaltung intersubjektiver bzw. gesellschaftlicher Prozesse verbunden, insofern sie tradierte Fremd- und Selbstbilder in Bewegung versetzt. Dies gilt in dem umfassenden Sinn, in dem hier von Übersetzung die Rede ist, als sowohl intra- wie interlingualer kultureller Übersetzung.

Online erschienen: 2008-01-18
Erschienen im Druck: 2002-March-16

© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2002

Heruntergeladen am 26.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/IBER.2002.29/html?lang=de
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