Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Sondernummer
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Edited by:
Institut für Zeitgeschichte
, Helmut Altrichter , Horst Möller and Andreas Wirsching
On both sides of the Rhine, the 1970s were characterized by intense social upheaval, economic shocks, and domestic and foreign policy uncertainties. This volume examines perceptions and consequences of the 1968 protest movement along with the impact of the 1973 oil crisis and the threat of terrorism as transnational phenomena.
Die KSZE-Schlussakte von 1975 markiert eine Zäsur in der Geschichte des Kalten Krieges. Sie bot einen stabilen Rahmen für die Ost-West-Entspannung und entfaltete zugleich enorme gesellschaftliche Wirkungen, da sich zahlreiche Bürger Osteuropas auf die Bestimmungen von Helsinki beriefen, um insbesondere die Einhaltung der Menschenrechte einzufordern. Ohne den KSZE-Prozess wäre ein friedlicher Wandel in Europa schwer möglich gewesen. Die Autoren widmen sich gleichermaßen dem politisch-diplomatischen Entscheidungsprozess einzelner Teilnehmerstaaten wie den diversen Oppositionsbewegungen im Osten und zeichnen so ein differenziertes Bild dieser schleichenden, aber schließlich grundstürzenden Veränderungen.
"1968" ist mittlerweile zur Chiffre für eine gesamte Zeitsignatur geworden, für Krisenhaftigkeit und Krisenbewusstsein weltweit. Die Ausbrüche vom Mai 1968 verweisen auf tiefe historische Zäsuren und gesellschaftliche Umbrüche. Ausgangsbedingungen, Konfliktlagen und Ausprägungen von Protest und Reformen untersucht der Band erstmals in einem deutsch-französischem Vergleich. Renommierte Experten aus Deutschland und Frankreich spannen einen weiten Bogen von politikgeschichtlichen Zugängen über wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen, kulturgeschichtliche Analysen bis hin zur Einbettung in den internationalen Rahmen. Auf diese Weise zeichnen sie ein tiefenscharfes Panorama, das transnationale Antriebsmomente ebenso klar hervortreten lässt wie nationale Besonderheiten.
Up to the early 1960s, anticommunism was an important source of identity formation in the Bonn Republic. It aimed at consolidating the still-nascent West German democracy. Renowned historians discuss different governmental and social forms of anticommunism in the pan-German context.
1950 war jeder vierte, 1961 jeder fünfte DDR-Bürger ein Vertriebener, und Ende der 1980er Jahre lebten noch 3,7 Millionen sogenannte Umsiedler mit ihren nachgeborenen Kindern in der DDR, wo ihr Schicksal weitgehend tabuisiert wurde. Wie gelang es der SED, dieses Tabuisierungsgebot durchzusetzen, und wie reagierten die Vertriebenen selbst auf diesen Akt willkürlicher Geschichtsentsorgung? Wie gestalteten sich die bilateralen Beziehungen der DDR zu ihren östlichen Nachbarstaaten, aus denen die Vertriebenen stammten? Standen sie tatsächlich im Zeichen internationaler sozialistischer Solidarität oder herrschten auch hier - wie im Westen - verstockte Ressentiments? Wie gestalteten sich schließlich die besonderen deutsch-deutschen Beziehungen auf landsmannschaftlicher Ebene? Bargen sie wirklich so großes Konfliktpotential, wie die SED befürchtete, und was vermochte die Staatssicherheit auszurichten, die auch hier zum Einsatz kam? Heike Amos stellt sich diesen brennenden Fragen - und zwar erstmals mit Blick auf die Gesamtgeschichte der DDR bis 1990, die damit ganz neue Facetten gewinnt.
Am 23. Mai 1915 erklärte das Königreich Italien seinem Verbündeten und Erzfeind Österreich-Ungarn nach monatelangem Tauziehen den Krieg. Die Beteiligung am Ersten Weltkrieg auf Seiten der Entente führte zum Triumph über das Habsburgerreich und zur Annexion weiter Gebiete einschließlich Südtirols, aber auch zu schrecklichen Verlusten an Mensch und Material sowie zum Aufstieg des Faschismus. Während im kollektiven Gedächtnis der betroffenen Länder immer noch die alten Denkmuster vom "italienischen Verrat" bzw. vom "gerechten Krieg" vorherrschen, bemühen sich italienische, deutsche und österreichische Historiker endlich gemeinsam um ein differenziertes Bild. Dieser Sammelband diskutiert die Ursachen und Wirkungen des italienischen Intervento von 1915 in neuer Sicht und leistet damit einen Beitrag zum wissenschaftlichen Dialog zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern, der noch längst nicht beendet ist.
Hat die Vertreibung von Millionen Deutschen aus Ostmitteleuropa nach 1945 in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik einen angemessenen Platz gefunden? Manfred Kittel zeigt, dass Differenzierungen notwendig sind: In den 1960er Jahren zeichnete sich mit wachsender Kritik an der ostpolitischen Haltung der Landsmannschaften in Medien und intellektuellen Milieus eine zunehmende Entfremdung vom historischen deutschen Osten ab. Da aber noch alle Parteien um die Wählerstimmen der Vertriebenen rangen, blieb der erinnerungskulturelle Wandel begrenzt. Erst nach dem "Machtwechsel" in Bonn 1969 mehrten sich in Bund, Ländern und Kommunen die Symptome der Verdrängung.
Im Mittelpunkt des Bandes stehen die fünfziger Jahre der DDR, in denen die DDR-Gesellschaft ihre wesentliche Formierung erlebte. Es wird versucht, der Entwicklung aus verschiedenen Blickwinkeln der DDR-Gesellschaft gerecht zu werden. Wie und inwieweit bewirkte die durch den allgemeinen Umgestaltungsprozess ausgelöste gesellschaftliche Dynamik auch eine Teilakzeptanz des Regimes? Inwiefern verursachte die fehlende Akzeptanz der Gesellschaft umgekehrt auch politische Kursänderungen oder zumindest Kurswechsel? Die "exogenen" Faktoren der DDR-Entwicklung - die sowjetische Hegemonie und die deutsche Zweistaatlichkeit - werden sowohl in zwei separaten Aufsätzen als auch in den übrigen Beiträgen angemessen berücksichtigt.
Inhalt: Klaus-Dietmar Henke: Zur politischen Auswirkung kollektiver Schlüsselerfahrungen 1944/45 Adolf M. Birke: Die Siegermacht Großbritannien Dieter Marc Schneider: Französische Besatzungspolitik in Deutschland Helmut Altrichter: Ziele und Konzeptionen sowjetischer Deutschlandpolitik 1945/46 Rainer Kalsch/Burghard Ciesla: Wandlungen der sowjetischen Reparationspolitik und ihre Umsetzung 1945/46 Wolfgang Merker: Konstituierung und Ausrichtung der SBZ-Verwaltungsspitze durch die SMAD Natalja Timofejewa: Das deutsche humanistische Erbe und die Politik der SMAD Gerhard Besier: Kommunistische Religionspolitik und kirchlicher Neuanfang 1945/46 Horst Dähn: Grundzüge der Kirchenpolitik der SMAD und KPD/SED Günter Braun: Konturen, Probleme und Perspektiven der Arbeiterbewegung in der SBZ Hermann Wentker: Die Anfänge der bürgerlichen Parteien unter den Bedingungen der sowjetischen Besatzung Jürgen Falter/Cornelia Weins: Die Wahlen in der Sowjetisch Besetzten Zone von 1946 Michael Schwartz: Soziale und politische Dimensionen des Vertriebenenproblems in der frühen SBZ Dierck Hoffmann: Kontinuität und Wandel beim Aufbau der ostdeutschen Sozialversicherung 1945-1947 Michael Buddrus: Anmerkungen zur Jugendpolitik in der KPD 1945/46 Kerstiun Thöns: Die Jugendfürsorge in der SBZ im Spannungsfeld kommunistischer Programmatik.
Aus dem Inhalt: I. Das deutsche Problem im Alten Reich Karl Otmar von Aretin: Das deutsche Problem im Alten Reich II. Der Deutsche Bund in Europa Lothar Gall: Der Deutsche Bund in Europa III. Der Deutsche Nationalstaat als Großmacht Klaus Hildebrand: Der deutsche Nationalstaat als Großmacht 1871-1918 Raymond Poidevin: Le face-à-face entre la France et l´Allemagne vers 1900 IV. Deutschland und der Versailler Vertrag Jacques Bariéty: Deutschland, Frankreich und das Europa von Versailles Anthony Adamthwaite: France, Germany and the Treaty of Versailles: France´s Bid for Power in Europe, 1919-1924 V. Die Bundesrepublik Deutschland im Schatten der NS-Diktatur Adolf M. Birke: Die Bundesrepublik Deutschland im Schatten der NS-Dikatur Pierre Ayçoberry: L´Allemagne occidentale à l´ombre du National-Socialisme: perceptions françaises, de la Deuxième Guerre mondiale aux années 80 VI. Das Problem der Teilung und die Wiedervereinigung Deutschlands Hermann Graml: Zum Problem der deutschen Teilung Anthony J. Nicholls: Das Problem der Teilung und die Wiedervereinigung Deutschlands VII. Epilog Hermann van der Dunk: Universalismus und Dualismus: Überlegungen zum Thema Deutschland und Europa.