Produktionsnetzwerke der Zukunft – intelligent, flexibel und wirtschaftlich

Produktionsnetzwerke stehen heute an einem Wendepunkt. Globale Lieferketten geraten unter Druck, Kundenanforderungen verändern sich in immer kürzeren Zyklen, und technologische Sprünge stellen traditionelle Fertigungsstrukturen infrage. Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten: Produktionsnetzwerke werden intelligenter, autonomer und widerstandsfähiger. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen IoT-Plattformen, datenbasierte Kunden-Lieferanten-Beziehungen, eine adaptierte Logistik und – nicht zuletzt – eine neue Definition von Wirtschaftlichkeit.
IoT-Plattformen bilden künftig das Rückgrat moderner Produktionsnetzwerke. Maschinen, Werkstücke, Transportsysteme und komplette Standorte sind über Sensorik und Cloud-Systeme verbunden und kommunizieren in Echtzeit miteinander. Diese Transparenz ermöglicht es Unternehmen, Engpässe früh zu erkennen, Kapazitäten dynamisch zu verteilen und komplexe Fertigungsprozesse standortübergreifend zu orchestrieren. Was früher lineare Wertschöpfungsketten waren, wird zu hochgradig vernetzten Wertschöpfungsökosystemen. Die Plattformen dienen dabei nicht nur als digitale Infrastruktur, sondern als zentrale Orte für Datenanalyse, KI-gestützte Prognosen und automatisierte Entscheidungen.
Mit dieser Technologie wandeln sich auch die Beziehungen zwischen Kunden und Lieferanten. Die Zukunft gehört Partnerschaften, die stärker auf Vertrauen, Datenaustausch und gemeinsamen Standards basieren. Kunden erwarten Transparenz über Herkunft, Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit von Produkten. Lieferanten wiederum gewinnen durch Prognosedaten und geteilte Planungsplattformen an Planungssicherheit. Statt reiner Transaktionen tritt ein systemisches Miteinander, bei dem alle Beteiligten voneinander profitieren: kürzere Reaktionszeiten, geringere Lagerbestände und ein gemeinsames Risikomanagement werden möglich.
Die Logistik wird im Produktionsnetzwerk der Zukunft zur intelligenten Drehscheibe. Autonome Transportmittel, KI-gestützte Routenplanung und dynamisch anpassbare Lagerkonzepte erlauben es, Materialflüsse exakt an Bedarf und Kapazitäten anzupassen. Der Informationsfluss wird dabei ebenso wichtig wie der physische Transport. Echtzeitdaten aus IoT-Systemen ermöglichen Just-in-Sequence-Lieferungen und vorausschauende Disposition. Durch die Verbindung von Produktion und Logistik entstehen geschlossene Datenkreisläufe, die Fehler reduzieren, Durchlaufzeiten verkürzen und die Gesamteffizienz erhöhen.
All dies beeinflusst die Wirtschaftlichkeit grundlegend. Effizienz misst sich nicht mehr nur in Stückkosten oder Auslastungsgraden, sondern an der Fähigkeit, flexibel und resilient zu agieren. Unternehmen, die ihre Produktionsnetzwerke digitalisieren und vernetzen, gewinnen einen klaren ökonomischen Vorteil: Sie können schneller auf Nachfrageänderungen reagieren, Ausfälle vermeiden und ihre Ressourcen optimal nutzen. Gleichzeitig steigt die Bedeutung nachhaltiger Prozesse – sowohl aus regulatorischen Gründen als auch im Hinblick auf Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft. Wirtschaftlichkeit wird damit zur Balance von Kosten, Geschwindigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit.
Die Produktionsnetzwerke der Zukunft sind also weit mehr als digitalisierte Varianten heutiger Strukturen. Sie sind lernende, adaptive Systeme, die durch Kooperation, Daten und intelligente Technologien getragen werden. Wer heute die Grundlagen dafür schafft, legt den Grundstein für eine Industrie, die widerstandsfähig, kundenzentriert und innovativ ist.
Herzlichst im Namen der Herausgeber
Ihr
Sebastian Schlund
© 2025 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston, Germany
Artikel in diesem Heft
- Inhalt
- Editorial
- Produktionsnetzwerke der Zukunft – intelligent, flexibel und wirtschaftlich
- WGP-Standpunkt
- Forschung für die energieeffiziente, energieflexible und dekarbonisierte Industrie
- Produktionsnetzwerke
- Produktionsnetzwerke im Automobilbau
- Fabrikkonzepte
- Kopplung von MBSE und Verhaltenssimulation für die Auswertung von Fabrikkonzepten
- Kollaboration
- Kollaboration durch Datenräume und die Analyse bestehender Initiativen
- Kollaboratives Emissionsmanagement im Produktionsnetzwerk
- Supply-Chain-Strategien
- Glokalisierte Produktionsverlagerung
- Produktionsnahe Supply-Chain-Partnerschaften
- ERP-Migration
- Entscheidungsunterstützung für die Durchführung von ERP-Migrationsprojekten
- Anforderungserhebung
- Modellbasiertes Tool zur partizipativen Anforderungserhebung
- Nachhaltigkeit
- Datengetriebene Nachhaltigkeitsfunktionen
- Nachhaltiger Einkauf im deutschen Mittelstand
- Ergonomie
- Exoskelette im industriellen Praxistest
- Künstliche Intelligenz
- Methodische Identifikation von KI-Potenzial am Beispiel der Energiewirtschaft
- Von Papier zu Prozess: Integration KI-basierter Dokumentenanalyse in logistische Abläufe
- Digitalisierung
- Low-Code für die Geschäftsprozess-Digitalisierung?
- Datenökosysteme
- Komponenten-Service-Systeme im Praxistest
- Energieeffizienz
- IoT-basiertes Energiemonitoring von Produktionsanlagen
- Vorschau
- Vorschau
Artikel in diesem Heft
- Inhalt
- Editorial
- Produktionsnetzwerke der Zukunft – intelligent, flexibel und wirtschaftlich
- WGP-Standpunkt
- Forschung für die energieeffiziente, energieflexible und dekarbonisierte Industrie
- Produktionsnetzwerke
- Produktionsnetzwerke im Automobilbau
- Fabrikkonzepte
- Kopplung von MBSE und Verhaltenssimulation für die Auswertung von Fabrikkonzepten
- Kollaboration
- Kollaboration durch Datenräume und die Analyse bestehender Initiativen
- Kollaboratives Emissionsmanagement im Produktionsnetzwerk
- Supply-Chain-Strategien
- Glokalisierte Produktionsverlagerung
- Produktionsnahe Supply-Chain-Partnerschaften
- ERP-Migration
- Entscheidungsunterstützung für die Durchführung von ERP-Migrationsprojekten
- Anforderungserhebung
- Modellbasiertes Tool zur partizipativen Anforderungserhebung
- Nachhaltigkeit
- Datengetriebene Nachhaltigkeitsfunktionen
- Nachhaltiger Einkauf im deutschen Mittelstand
- Ergonomie
- Exoskelette im industriellen Praxistest
- Künstliche Intelligenz
- Methodische Identifikation von KI-Potenzial am Beispiel der Energiewirtschaft
- Von Papier zu Prozess: Integration KI-basierter Dokumentenanalyse in logistische Abläufe
- Digitalisierung
- Low-Code für die Geschäftsprozess-Digitalisierung?
- Datenökosysteme
- Komponenten-Service-Systeme im Praxistest
- Energieeffizienz
- IoT-basiertes Energiemonitoring von Produktionsanlagen
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